Schluss.

Schluss.

Wieder auf dem alten Dampfer — Die Residentie Benkulen — Katholische Missionäre — Schluss.

Den 26. August 1888 verliessen wir Padang mit demselben Dampfer, dem »General Pel«, welcher uns von Atjeh dahin gebracht hatte. Er hatte im Hafen Zeit und Gelegenheit gehabt, seine Kessel zu repariren, und so vertrauten wir wieder unser Leben und Hab und Gut beruhigt diesem alten Rumpelkasten an. Es sollte anders kommen. Den 27. hatten wir in den ersten Morgenstunden zu unserer Linken die Grenze zwischen dem »Gouvernement der Westküste Sumatras« und der Provinz Benkulen und zu unserer Rechten die Insel Nord Pageh (aus der Gruppe der Nassauinseln), als plötzlich die Schraube ihren Dienst versagte. Ich wachte durch ein ungewöhnliches Geräusch auf dem Schiffe auf und eilte aus der Cajüte, um dessen Ursache zu erfahren. Ein Flügel der Schiffsschraube war gebrochen, und, wie mir der Schiffskapitän mittheilte, musste auf hoher See die Reserve-Schraube in Dienst gebracht werden. Glücklicherweise waren wir von der Küste der Insel Sumatra und den Pageh-Inseln (Fig. 25) weit genug entfernt, um nicht irgendwo zu stranden und eventuell von der grossen Brandung des indischen Meeres auf irgend einen Felsen mit unserem wenig lenkbaren Schiff geschleudert zu werden. Die wenigen Segel, welche das Schiff für einen solchen Nothfall mit sich führte, wurden aufgezogen, und die kleine Brise, welche von Sumatra aus über die Wogen der ruhigen See streifte, gestattete uns, mit der Geschwindigkeit einer alten »Treckschuit«[104]vorwärts zu kommen. Noch im Laufe desselben Tages war die Reparatur vollendet, und gegen 4 Uhr Nachmittagskonnte der Dampfer uns mit einer Geschwindigkeit von 11 Seemeilen (à 1852–1855 Meter), also circa 20 Km. in der Stunde, längs der Küste der Provinz Benkulen und der Insel Enganon (zu unserer Rechten) unserem Ziele — Batavia nämlich — zuführen.

Während meiner ganzen 21jährigen Dienstzeit wurde in den Zeitungen so selten von der Provinz Benkulen und von ihrer gleichnamigen Hauptstadt gesprochen, dass ich es für ein Eldorado, oder für den Inbegriff eines ruhigen, friedlichen und glücklichen Lebens halten möchte. Im Jahre 1883 wurde allerdings der südliche Theil, und zwar der Bezirk Blimbing, bis zum 5° 40′ S. B. von den stürmischen Wellen der tosenden See bis 2 Km. weit durch den Ausbruch des Vulcans Krakatau schwer heimgesucht.

Die ganze Provinz ist 443,9 ☐M., also beinahe doppelt so gross als das Königreich Württemberg, hat aber nur (im J. 1897) 158824 Einwohner, worunter sich 146 Europäer und 659 Chinesen befinden.

Obschon zahlreiche gute und gutunterhaltene Wege in dieser Provinz sich befinden, und auf der Wasserscheide des Barisangebirges katholische Missionare seit vielen Jahrzehnten[105]sich angesiedelt haben, so zeigt weder der Import noch der Export irgend welchen Wohlstand an[106].

Im Jahre 1686 errichteten die Engländer das Fort Malborough, welches in die Hände der Franzosen und später in die der Holländer fiel, um am Ende des 18. Jahrhunderts wieder Eigenthum der Engländer zu werden. Im Vertrage vom 17. März 1824 kam dieses Fort und die ganze Provinz mit den übrigen Besitzungen der Westküste und zwar für immer in den Besitz der holländischen Regierung.

Schon 225 Jahre ist diese Provinz im Besitz europäischer colonialer Mächte, und dennoch deckt sie heute nicht einmal die Kosten der Verwaltung.

Auch in dieser »Residentie« hat die Natur ihren ganzen Reichthum der Flora und Fauna und der Schätze des Erdinnern an indolente, bescheidene und genügsame Malaien verschwendet, ohnedass diese selbst oder die grosse weite Welt[107]die Schätze des Landes nur angefangen hätten zu suchen, zu finden und zu heben. Auch hier ist ein mildes Klima, auch hier wölbt sich ein azurblauer Himmel über fruchtbaren Abhängen mit einem üppigen Boden. Auch hier kann der europäische Bauer, fern von einem mit Miasmen geschwängerten Sumpfboden, den Gefahren des Tropenlebens entrückt, sich acclimatisiren, gedeihen und sich fortpflanzen. Holland muss sich zu dieser That aufraffen; denn:

Du sollst, denn Du musst.

Also sprach Zarathustra.


Back to IndexNext