O mein Heimatland! O mein Vaterland!Wie so innig, feurig lieb' ich dich!Schönste Ros', ob jede mir verblich,Duftest noch an meinem öden Strand!
Als ich arm, doch froh, fremdes Land durchstrich, 5Königsglanz mit deinen Bergen maß,Thronenflitter bald ob dir vergaß,Wie war da der Bettler stolz auf dich!
Als ich fern dir war, o Helvetia!Faßte manchmal mich ein tiefes Leid; 10Doch wie kehrte schnell es sich in Freud',Wenn ich einen deiner Söhne sah!
O mein Schweizerland, all mein Gut und Hab'Wann dereinst die letzte Stunde kommt,Ob ich Schwacher dir auch nichts gefrommt, 15Nicht versage mir ein stilles Grab!
Werf' ich von mir einst dies mein Staubgewand,Beten will ich dann zu Gott dem Herrn:"Lasse strahlen deinen schönsten SternNieder auf mein irdisch Vaterland!" 20
* * * * *
Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,Still und blendend lag der weiße Schnee.Nicht ein Wölklein hing am Sternenzelt,Keine Welle schlug im starren See.
Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf, 5Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;An den Ästen klomm die Nix' herauf,Schaute durch das grüne Eis empor.
Auf dem dünnen Glase stand ich da,Das die schwarze Tiefe von mir schied; 10Dicht ich unter meinen Füßen sahIhre weiße Schönheit, Glied um Glied.
Mit ersticktem Jammer tastet sieAn der harten Decke her und hin,Ich vergess' das dunkle Antlitz nie, 15Immer, immer liegt es mir im Sinn.
* * * * *
Augen, meine lieben Fensterlein,Gebt mir schon so lange holden Schein,Lasset freundlich Bild um Bild herein:Einmal werdet ihr verdunkelt sein!
Fallen einst die müden Lider zu, 5Löscht ihr aus, dann hat die Seele Ruh';Tastend streift sie ab die Wanderschuh',Legt sich auch in ihre finstre Truh'.
Noch zwei Fünklein sieht sie glimmend stehnWie zwei Sternlein, innerlich zu sehn, 10Bis sie schwanken und dann auch vergehn,Wie von eines Falters Flügelwehn.
Doch noch wandl' ich auf dem Abendfeld,Nur dem finkenden Gestirn gesellt;Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, 15Von dem goldnen Überfluß der Welt!
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;Schenk ein den Wein, den holden!Wir wollen uns den grauen TagVergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll, 5Unchristlich oder christlich,Ist doch die Welt, die schöne Welt,So gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz,—Stoß an und laß es klingen! 10Wir wissen's doch, ein rechtes HerzIst gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;Schenk ein den Wein, den holden!Wir wollen uns den grauen Tag 15Vergolden, ja vergolden!
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,Doch warte nur ein Weilchen!Der Frühling kommt, der Himmel lacht,Es steht die Welt in Veilchen. 20
Die blauen Tage brechen an,Und ehe sie verfließen,Wir wollen sie, mein wackrer Freund,Genießen, ja genießen!
* * * * *
Vom Himmel in die tiefsten KlüfteEin milder Stern herniederlacht;Vom Tannenwalde steigen DüfteUnd hauchen durch die Winterlüfte,Und kerzenhelle wird die Nacht. 5
Mir ist das Herz so froh erschrocken,Das ist die liebe Weihnachtszeit!Ich höre fernher KirchenglockenMich lieblich heimatlich verlockenIn märchenstille Heimlichkeit. 10
Ein frommer Zauber hält mich wieder,Anbetend, staunend muß ich stehn;Es sinkt auf meine AugenliderEin goldner Kindertraum hernieder,Ich fühl's: ein Wunder ist geschehn. 15
* * * * *
Nun ist es still um Hof und ScheuerUnd in der Mühle ruht der Stein;Der Birnenbaum mit blanken BlätternSteht regungslos im Sonnenschein.
Die Bienen summen so verschlafen; 5Und in der offnen Bodenluk',Benebelt von dem Duft des Heues,Im grauen Röcklein nickt der Puk.
Der Müller schnarcht und das Gesinde,Und nur die Tochter wacht im Haus; 10Die lachet still und zieht sich heimlichFürsichtig die Pantoffeln aus.
Sie geht und weckt den Müllerburschen,Der kaum den schweren Augen traut:"Nun küsse mich, verliebter Junge; 15Doch sauber, sauber, nicht zu laut."
* * * * *
Am grauen Strand, am grauen MeerUnd seitab liegt die Stadt;Der Nebel drückt die Dächer schwer,Und durch die Stille braust das MeerEintönig um die Stadt. 5
Es rauscht kein Wald, es schlägt im MaiKein Vogel ohn' Unterlaß;Die Wandergans mit hartem SchreiNur fliegt in Herbstesnacht vorbei,Am Strande weht das Gras. 10
Doch hängt mein ganzes Herz an dir,Du graue Stadt am Meer;Der Jugend Zauber für und fürRuht lächelnd doch auf dir, auf dir,Du graue Stadt am Meer. 15
* * * * *
Über die Heide hallet mein Schritt;Dumpf aus der Erde wandert es mit.
Herbst ist gekommen, Frühling ist weit—-Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher; 5Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.
Wär' ich hier nur nicht gegangen im Mai!Leben und Liebe,—wie flog es vorbei!
* * * * *
Ich seh sie noch, ihr Büchlein in der Hand,Nach jener Bank dort an der GartenwandVom Spiel der andern Kinder sich entfernen;Sie wußte wohl, es mühte sie das Lernen.
Nicht war sie klug, nicht schön; mir aber war 5Ihr blaß Gesichtchen und ihr blondes Haar,Mir war es lieb; aus der Erinnrung DüsterSchaut es mich an; wir waren recht Geschwister.
Ihr schmales Bettchen teilte sie mit mir,Und nächtens Wang' an Wange schliefen wir; 10Das war so schön! Noch weht ein KinderfriedenMich an aus jenen Zeiten, die geschieden.
Ein Ende kam;—ein Tag, sie wurde krankUnd lag im Fieber viele Wochen lang;Ein Morgen dann, wo sanft die Winde gingen, 15Da ging sie heim; es blühten die Springen.
Die Sonne schien; ich lief ins Feld hinausUnd weinte laut; dann kam ich still nach Haus.Wohl zwanzig Jahr und drüber sind vergangen—An wie viel andrem hat mein Herz gehangen! 20
Was hab' ich heute denn nach dir gebangt?Bist du mir nah und hast nach mir verlangt?Willst du, wie einst nach unsern Kinderspielen,Mein Knabenhaupt an deinem Herzen fühlen?
* * * * *
Im Zimmer drinnen ist's so schwül;Der Kranke liegt auf dem heißen Pfühl.
Im Fieber hat er die Nacht verbracht;Sein Herz ist müde, sein Auge verwacht.
Er lauscht auf der Stunden rinnenden Sand; 5Er hält die Uhr in der weißen Hand.
Er zählt die Schläge, die sie pickt,Er forschet, wie der Weiser rückt;
Es fragt ihn, ob er noch leb' vielleicht,Wenn der Weiser die schwarze Drei erreicht. 10
Die Wartfrau sitzet geduldig dabei,Harrend, bis alles vorüber sei.—
Schon auf dem Herzen drückt ihn der Tod;Und draußen dämmert das Morgenrot.
An die Fenster klettert der Frühlingstag, 15Mädchen und Vögel werden wach.
Die Erde lacht in Liebesschein,Pfingstglocken läuten das Brautfest ein;
Singende Burschen ziehn übers FeldHinein in die blühende, klingende Welt.— 20
Und immer stiller wird es drin;Die Alte tritt zum Kranken hin.
Der hat die Hände gefaltet dicht;Sie zieht ihm das Laken übers Gesicht.
Dann geht sie fort. Stumm wird's und leer, 25Und drinnen wacht kein Auge mehr.
* * * * *
Das ist die Drossel, die da schlägt,Der Frühling, der mein Herz bewegt.Ich fühle, die sich hold bezeigen,Die Geister aus der Erde steigen.Das Leben fließet wie ein Traum— 5Mir ist wie Blume, Blatt und Baum.
* * * * *
Die Kinder schreien Vivat hoch!In die blaue Luft hinein;Den Frühling setzen sie ans den Thron.Der soll ihr König sein.* * * * *Die Kinder haben die Veilchen gepflückt, 5All, all, die da blühten am Mühlengraben.Der Lenz ist da; sie wollen ihn festIn ihren kleinen Fäusten haben.
* * * * *
Meine Mutter hat's gewollt,Den andern ich nehmen sollt';Was ich zuvor besessen,Mein Herz sollt es vergessen;Das hat es nicht gewollt. 5
Meine Mutter klag' ich an,Sie hat nicht wohl getan;Was sonst in Ehren stünde,Nun ist es worden Sünde.Was fang' ich an? 10
Für all mein Stolz und Freud'Gewonnen hab' ich Leid.Ach, wär' das nicht geschehen,Ach, könnt' ich betteln gehenÜber die braune Heid'! 15
* * * * *
Ich weiß es wohl, kein klagend WortWird über deine Lippen gehen;Doch was so sanft dein Mund verschweigt,Muß deine blasse Hand gestehen.
Die Hand, an der mein Auge hängt, 5Zeigt jenen feinen Zug der Schmerzen,Und daß in schlummerloser NachtSie lag auf einem kranken Herzen.
* * * * *
Schließe mir die Augen beideMit den lieben Händen zu!Geht doch alles, was ich leide,Unter deiner Hand zur Ruh'.Und wie leise sich der Schmerz 5Well' um Welle schlafen leget,Wie der letzte Schlag sich reget,Füllest du mein ganzes Herz.
* * * * *
[Illustration: Elfenreigen, by Moritz von Schwind]
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In der Nacht, die die Bäume mit Blüten deckt,Ward ich von süßen Gespenstern erschreckt,Ein Reigen schwang im Garten sich,Den ich mit leisem Fuß beschlich;Wie zarter Elfen Chor im Ring 5Ein weißer lebendiger Schimmer ging.Die Schemen hab' ich keck befragt:Wer seid ihr, luftige Wesen? Sagt!
"Ich bin ein Wölkchen, gespiegelt im See.""Ich bin eine Reihe von Stapfen im Schnee." 10"Ich bin ein Seufzer gen Himmel empor!""Ich bin ein Geheimnis, geflüstert ins Ohr.""Ich bin ein frommes, gestorbnes Kind.""Ich bin ein üppiges Blumengewind—""Und die du wählst, und der's beschied 15Die Gunst der Stunde, die wird ein Lied."
* * * * *
Melde mir die Nachtgeräusche, Muse,Die ans Ohr des Schlummerlosen fluten!—Erst das traute Wachtgebell der Hunde,Dann der abgezählte Schlag der Stunde,Dann ein Fischer-Zwiegespräch am Ufer, 5Dann? Nichts weiter als der ungewisseGeisterlaut der ungebrochnen Stille,Wie das Atmen eines jungen Busens,Wie das Murmeln eines tiefen Brunnens,Wie das Schlagen eines dumpfen Ruders, 10Dann der ungehörte Tritt des Schlummers.
* * * * *
Es hat den Garten sich zum Freund gemacht,Dann welkten er und es im Herbste sacht,Die Sonne ging, und es und er entschlief,Gehüllt in eine Decke weiß und tief.
Jetzt ist der Garten unversehns erwacht,Die Kleine schlummert fest in ihrer Nacht."Wo steckst du?" summt es dort und summt es hier.Der ganze Garten frägt nach ihr, nach ihr.
Die blaue Winde klettert schlank emporUnd blickt ins Haus: "Komm hinterm Schrank hervor!Wo birgst du dich? Du tust dir's selbst zu leid!Was hast du für ein neues Sommerkleid?"
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Aus der Schiffsbank mach' ich meinen Pfühl,Endlich wird die heiße Stirne kühl!O wie süß erkaltet mir das Herz!O wie weich verstummen Lust und Schmerz!Über mir des Rohres schwarzer Rauch 5Wiegt und biegt sich in des Windes Hauch.Hüben hier und drüben wieder dortHält das Boot an manchem kleinen Port:Bei der Schiffslaterne kargem ScheinSteigt ein Schatten aus und niemand ein. 10Nur der Steurer noch, der wacht und steht!Nur der Wind, der mir im Haare weht!Schmerz und Lust erleiden sanften Tod.Einen Schlumm'rer trägt das dunkle Boot.
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Am wolkenreinen Himmel gehtDie blanke Sichel schön,Im Korne drunten wogt und wehtUnd wühlt und rauscht der Föhn.
Sie wandert voller Melodie 5Hochüber durch das Land.Früh morgen schwingt die Schnitt'rin sieMit sonnenbrauner Hand.
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Aufsteigt der Strahl und fallend gießtEr voll der Marmorschale Rund,Die, sich verschleiernd, überfließtIn einer zweiten Schale Grund;Die zweite gibt, sie wird zu reich. 5Der dritten wallend ihre Flut,Und jede nimmt und gibt zugleichUnd strömt und ruht.
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In den Lüften schwellendes Gedröhne,Leicht wie Halme biegt der Wind die Töne
Leis' verhallen, die zum ersten riefen,Neu Geläute hebt sich aus den Tiefen.
Große Heere, nicht ein einzler Rufer! 5Wohllaut flutet ohne Strand und Ufer.
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Bemeßt den Schritt! Bemeßt den Schwung!Die Erde bleibt noch lange jung!Dort fällt ein Korn, das stirbt und ruht.Die Ruh' ist süß. Es hat es gut.Hier eins das durch die Scholle bricht. 5Es hat es gut. Süß ist das Licht.Und keines fällt aus dieser WeltUnd jedes fällt, wie 's Gott gefällt.
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Wir schnitten die Saaten, wir Buben und Dirnen,Mit nackenden Armen und triefenden Stirnen,Von donnernden dunklen Gewittern bedroht—Gerettet das Korn und nicht einer, der darbe!Von Garbe zu Garbe 5Ist Raum für den Tod—-Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!
Hoch thronet ihr Schönen auf güldenen Sitzen,In strotzenden Garben umflimmert von Blitzen—Nicht eine, die darbe! Wir bringen das Brot! 10Zum Reigen! Zum Tanze! Zur tosenden Runde!Von Munde zu MundeIst Raum für den Tod—-Wie schwellen die Lippen des Lebens so rot!
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Der Meister malt ein kleines zartes Bild,Zurückgelehnt, beschaut er's liebevoll.Es pocht. "Herein." Ein flämischer Junker ist's.Mit einer drallen, aufgedonnerten Dirn',Der vor Gesundheit fast die Wange birst. 5Sie rauscht von Seide, flimmert von Geschmeid."Wir haben's eilig, lieber Meister. Wißt,Ein wackrer Schelm stiehlt mir das Töchterlein.Morgen ist Hochzeit. Malet mir mein Kind!""Zur Stunde, Herr! Nur noch den Pinselstrich!" 10Sie treten lustig vor die Staffelei:Auf einem blanken Kissen schlummernd liegtEin feiner Mädchenkopf. Der Meister fetztDes Blumenkranzes tiefste Knospe nochAuf die verblichne Stirn mit leichter Hand. 15—"Nach der Natur?" —"Nach der Natur. Mein Kind.Gestern beerdigt. Herr, ich bin zu Dienst."
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Meine eingelegten Ruder triefen,Tropfen fallen langsam in die Tiefen.
Nichts, das mich verdroß! Nichts, das mich freute!Niederrinnt ein schmerzenloses Heute!
Unter mir—ach, aus dem Licht verschwunden— 5Träumen schon die schönern meiner Stunden.
Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern:Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?
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Heute fanden meine Schritte mein vergeßnes Jugendtal,Seine Sohle lag verödet, seine Berge standen kahl.Meine Bäume, meine Träume, meine buchendunkeln Höh'n—Ewig jung ist nur die Sonne, sie allein ist ewig schön.Drüben dort in schilf'gem Grunde, wo die müde Lache liegt, 5Hat zu meiner Jugendstunde sich lebend'ge Flut gewiegt,Durch die Heiden, durch die Weiden ging ein wanderndHerdgetön—-Ewig jung ist nur die Sonne, sie allein ist ewig schön.
* * * * *
Bei der Abendsonne WandernWann ein Dorf den Strahl verlor,Klagt sein Dunkel es den andernMit vertrauten Tönen vor.
Noch ein Glöcklein hat geschwiegen 5Auf der Höhe his zuletzt.Nun beginnt es sich zu wiegen,Horch, mein Kilchberg läutet jetzt!
* * * * *
So stille ruht im HafenDas tiefe Wasser dort,Die Ruder sind entschlafen,Die Schifflein sind im Port.
Nur oben in dem Äther 5Der lauen Maiennacht,Dort segelt noch ein späterFriedfert'ger Ferge sacht.
Die Barke still und dunkelFährt hin im Dämmerschein 10Und leisem SterngefunkelAm Himmel und hinein.
* * * * *
Er steht an ihrem Pfühl in herber Qual,Den jungen Busen muß er keuchen sehn—Er ist ein Arzt. Er weiß, sein traut GemahlErblaßt, sobald die Morgenschauer wehn.
Sie hat geschlummert: "Lieber, du bei mir? 5Mir träumte, daß ich auf der Alpe war,Wie schön mir träumte, das erzähl' ich dir—Du schickst mich wieder hin das nächste Jahr!
"Dort vor dem Dorf—du weißt den moos'gen Stein—Saß ich umhallt von lauter Herdgetön, 10An mir vorüber zogen mit Schalmei'nDie Herden nieder von den Sommerhöh'n.
"Die Herden kehren alle heut nach Haus—Das ist die letzte wohl? Nein, eine noch:Noch ein Geläut klingt an und eins klingt aus! 15Das endet nicht! Da kam das letzte doch!
"Mich überflutete das Abendrot,Die Matten dunkelten so grün und rein,Die Firnen brannten aus und waren tot,Darüber glomm ein leiser Sternenschein— 20
"Du horch! ein Glöcklein läutet in der Schlucht,Verirrt, verspätet, wandert's ohne Ruh,Ein armes Glöcklein, das die Herde sucht—Aufwacht' ich dann, und bei mir warest du!
"O bring mich wieder auf die lieben Höh'n— 25Sie haben, sagst du, mich gesund gemacht …Dort war es schön! Dort war es wunderschön!Das Glöcklein! Wieder! Hörst du's? Gute Nacht…."
* * * * *
Ich bin einmal in einem Tal gegangen,Das fern der Welt, dem Himmel nahe war.Durch das Gelände seiner Wiesen klangenDie Sensen rings der zweiten Mahd im Jahr.
Ich schritt durch eines Dörfchens stille Gassen. 5Kein Laut. Vor einer Hütte saß alleinEin alter Mann, von seiner Kraft verlassen,Und schaute feiernd auf den Firneschein.
Zuweilen, in die Hand gelegt die Stirne,Seh' ich den Himmel jenes Tales blaun, 10Den Müden seh ich wieder auf die Firne,Die nahen, selig klaren Firnen schaun.
's ist nur ein Traum. Wohl ist der Greis geschiedenAus dieser Sonne Licht von Jahren schwer;Er schlummert wohl in seines Grabes Frieden, 15Und seine Bank steht vor der Hütte leer.
Noch pulst mein Leben feurig. Wie den andernKommt mir ein Tag, da mich die Kraft verrät;Dann will ich langsam in die Berge wandernUnd suchen, wo die Bank des Alten steht. 20
Klingling, bumbum und tschingdada,Zieht im Triumph der Perserschah?Und um die Ecke brausend bricht'sWie Tubaton des Weltgerichts,Voran der Schellenträger. 5
Brumbrum, das große Bombardon,Der Beckenschlag, das Helikon,Die Piccolo, der Zinkenist,Die Türkentrommel, der Flötist,Und dann der Herre Hauptmann. 10
Der Hauptmann naht mit stolzem Sinn,Die Schuppenkette unterm Kinn,Die Schärpe schnürt den schlanken Leib,Beim Zeus! das ist kein Zeitvertreib,Und dann die Herren Leutnants. 15
Zwei Leutnants, rosenrot und braun,Die Fahne schützen sie als Zaun,Die Fahne kommt, den Hut nimm ab,Der bleiben treu wir bis ans Grab!Und dann die Grenadiere. 20
Der Grenadier im strammen Tritt,In Schritt und Tritt und Tritt und Schritt,Das stampft und dröhnt und klappt und flirrt,Laternenglas und Fenster klirrt,Und dann die kleinen Mädchen. 25
Die Mädchen alle, Kopf an Kopf,Das Auge blau und blond der Zopf,Aus Tür und Tor und Hof und HausSchaut Mine, Trine, Stine aus,Vorbei ist die Musike. 30
Klingling, tschingtsching und Paukenkrach,Noch aus der Ferne tönt es schwach,Ganz leise bumbumbumbum tsching;Zog da ein bunter Schmetterling,Tschingtsching, bum, um die Ecke? 35
* * * * *
Im Weizenfeld, in Korn und Mohn,Liegt ein Soldat, unaufgefunden,Zwei Tage schon, zwei Nächte schon,Mit schweren Wunden, unverbunden.
Durstüberquält und fieberwild, 5Im Todeskampf den Kopf erhoben.Ein letzter Traum, ein letztes Bild,Sein brechend Auge schlägt nach oben.
Die Sense sirrt im Ährenfeld,Er sieht sein Dorf im Arbeitsfrieden, 10Ade, ade du Heimatwelt—Und beugt das Haupt, und ist verschieden.
* * * * *
Wilde Rosen überschlugenTiefer Wunden rotes Blut.Windverwehte Klänge trugenSiegesmarsch und Siegesflut.
Nacht. Entsetzen überspülte 5Dorf und Dach in Lärm und Glut."Wasser!" Und die Hand zerwühlteGras und Staub in Dursteswut.
Morgen. Gräbergraber. Grüfte.Manch ein letzter Atemzug. 10Weither, witternd, durch die LüfteBraust und graust ein Geierflug.
* * * * *
(Schlacht bei Kolin, 18. Juni 1757.)
Auf Blut und Leichen, Schutt und Qualm,Auf roßzerstampften SommerhalmDie Sonne schien.Es sank die Nacht. Die Schlacht ist aus,Und mancher kehrte nicht nach Haus 5Einst von Kolin.
Ein Junker auch, ein Knabe noch,Der heut das erste Pulver roch,Er mußte dahin.Wie hoch er auch die Fahne schwang, 10Der Tod in seinen Arm ihn zwang,Er mußte dahin.
Ihm nahe lag ein frommes Buch,Das stets der Junker bei sich trugAm Degenknauf. 15Ein Grenadier von Bevern fandDen kleinen erdbeschmutzten BandUnd hob ihn auf.
Und brachte heim mit schnellem FußDem Vater diesen letzten Gruß, 20Der klang nicht froh.Dann schrieb hinein die Zitterhand:"Kolin. Mein Sohn verscharrt im Sand.Wer weiß wo."
Und der gesungen dieses Lied, 25Und der es liest, im Leben ziehtNoch frisch und froh.Doch einst bin ich, und bist auch du,Verscharrt im Sand, zur ewigen Ruh',Wer weiß wo. 30
* * * * *
An ferne Berge schlug die DonnerkeulenEin rasch verrauschtes Nachmittaggewitter.Die Bauern zogen heim auf müden Gäulen,Und singend kehrten Winzervolk und Schnitter.Auf allen Dächern qualmten blaue Säulen 5Genügsam himmelan, ein luftig Gitter.Nun ist es Nacht, es geistern schon die Eulen,Einsam aus einer Laube klingt die Zither.
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Wie oft sah ich die blassen Hände nähen,Ein Stück für mich—wie liebevoll du sorgtest!Ich sah zum Himmel deine Augen flehen,Ein Wunsch für mich—wie liebevoll du sorgtest!Und an mein Bett kamst du mit leisen Zehen, 5Ein Schutz für mich—wie sorgenvoll du horchtest!Längst schon dein Grab die Winde überwehen.Ein Gruß für mich—wie liebevoll du sorgtest!
* * * * *
Vor der Türe schläft der Baum,Durch den Garten zieht ein Traum.Langsam schwimmt der Mondeskahn,Und im Schlafe kräht der Hahn.Schlaf, mein Wölfchen, schlaf. 5
Schlaf, mein Wulff. In später StundKüss' ich deinen roten Mund.Streck dein kleines dickes Bein,Steht noch nicht auf Weg und Stein.Schlaf, mein Wölfchen, schlaf. 10
Schlaf, mein Wulff. Es kommt die Zeit,Regen rinnt, es stürmt und schneit.Lebst in atemloser Hast,Hättest gerne Schlaf und Rast.Schlaf, mein Wölfchen, schlaf. 15
Vor der Türe steht der Baum,Durch den Garten zieht ein Traum.Langsam schwimmt der Mondeskahn,Und im Schlafe kräht der Hahn.Schlaf, mein Wölfchen, schlaf. 20
* * * * *
Vorne vier nickende Pferdeköpfe,Neben mir zwei blonde Mädchenzöpfe,Hinten der Groom mit wichtigen Mienen,An den Rädern Gebell.
In den Dörfern windstillen Lebens Genüge, 5Auf den Feldern fleißige Spaten und Pflüge,Alles das von der Sonne beschienenSo hell, so hell.
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Mitternacht, die Gärten lauschen,Flüsterwort und Liebeskuß,Bis der letzte Klang verklungen,Weil nun alles schlafen muß—Flußüberwärts singt eine Nachtigall. 5
Sonnengrüner Rosengarten,Sonnenweiße Stromesflut,Sonnenstiller Morgenfriede,Der auf Baum und Beeten ruht—Flußüberwärts singt eine Nachtigall. 10
Straßentreiben, fern, verworren,Reicher Mann und Bettelkind,Myrtenkränze, Leichenzüge,Tausendfältig Leben rinnt—-Flußüberwärts singt eine Nachtigall. 15
Langsam graut der Abend nieder,Milde wird die harte Welt,Und das Herz macht seinen Frieden,Und zum Kinde wird der Held—-Flußüberwärts singt eine Nachtigall. 20
Verse must be read aloud. Rhyme, rhythm, alliteration, assonance, vowel coloring, the effect of enjambement, to name only the more obvious phenomena, appeal solely to the ear. Looking at a page of verse is like looking at a page of music. Unless the symbols are translated into sound values, the effect is blank. A skilled musician is able to translate the printed notes to the inner sense, but even he will prefer to hear the music and will always consider this the final test. Thus it is also with verse: it must be read aloud. Lyric verse is best read in privacy or in a small congenial group. When the humdrum noise and the humdrum cares of the world have vanished, then the moment has come when one may steep one's soul in lyric beauty. One never tires of a really great lyric: like a true friend, a longer acquaintance adds only new delight.
And why read lyric poetry at all? Some people ask that question, and for them the case may be hopeless. If the lyric sense is utterly lacking, then it is their sad lot to live in the desert of the practical world. Art is not for them: neither music nor poetry nor painting nor sculpture nor architecture; for something of the lyric impulse lives in all of these. But many ask that question who some day will see, and for them I must attempt a brief answer. All literature is an interpretation of life, and the better one understands life the better one understands literature, and vice versa. Lyric poetry is the most direct interpretation of life, because here the poet reveals his innermost self directly. We strive to enrich our intellectual power by reliving the thought of Plato and of Kant. Why not enrich our emotional life and our whole being by reliving the world of Goethe or Shelley? The poets have lived for us, and the pure essence of their life we can make our own in their lyric verse.
* * * * *
RHYTHM.— While in Greek and Latin it depends on quantity, i.e., length of the syllables, in German as in English it depends on stress, that is, accent. The smallest rhythmical unit is called a foot and corresponds to a measure in music with the exception that the accent need not be on the first syllable. A verse consists of two or more feet (verses with only a single foot are rare) and may end either with an accented syllable (masculine ending) or with an unaccented (feminine ending). Especially within longer verses there often occurs a slight rest or break, called caesura. Designating the accented syllable by — and the unaccented by X, the more common feet with their Graeco-Roman names may be represented thus:
Iambic, X —Trochee, — XDactyl, — XXAnapaest, XX —.
This terminology is, however, of little avail in the GermanVolkslied, that is the simple folksong, and in that large body of German verse which is patterned after it. Here the basic principle is the number of accented syllables. The number of unaccented syllables varies. A measure (i.e., a foot) may have either one or two unaccented syllables, in the real Volkslied often three. (A measure without an unaccented syllable, so common in older verse, is but rarely met with to-day; see 84, 7.) Goethe's more popular ballads asErlkönigorder König in Thuleoffer good examples of this freer technique. Above all, however, Heine made use of this principle, while Platen, whom later German verse tends to follow in this respect (e.g., Meyer and Liliencron), espoused the strict classic ideal.[1]
[1] Exceptions are only apparent, as in 68, 7. Platen followed the rules of Graeco-Roman prosody, where a long syllable could be substituted for two short syllables.
RHYME.—When two or more words correspond from their accented vowel on, they are said to rhyme:Pferde—Erde. The rhyming syllable must carry at least a secondary accent:Héiligkèit—Zéit. Rhymes of one syllable are called masculine, of two syllables feminine. According to their degree of perfection rhymes are classified as pure and impure. Thusgeboren—geschworen,bestellt—Weltare pure,gesehn—schön,gerissen—Füßen,Lied—Gemüt,sprach—Gemach,Wiesen—fließenare impure. Impure rhymes are not of necessity poor, but may be used to enhance the musical effects of a poem. Heine was a master in this respect. The modern school, however, tends to avoid impure rhymes.
Rhymes within a verse are called internal rhymes.
ALLITERATION—two or more accented syllables beginning with the same consonant or with a vowel:Von weißen Wolken umwogt, 59, 2—is used to enhance the rhythmic-melodic character of a poem, as is also assonance—the agreement of vowels in two or more accented syllables, 36. Often assonance is practically a form of impure rhyme,Grunde—verschwunden, 41,Himmel—Schimmer, 44.
STANZA—a union of two or more verses. In a stanza itself the individual verses may either stand apart or two or more verses may form larger units. Thus the structure of the various stanzas may be made to differentiate and the rhythmic-melodic character of the poem be thereby modified (44 and 56 and notes). Similarly, stanzas may form larger units (2). If the end of a verse breaks into a syntactic unit, we have what is called an enjambement. This tends to put a special stress on the last word. Notice for example the onomatopoetic effect in 13, 7 and 8:
Aus dem bewegten Wasser rauschtEin feuchtes Weib hervor.
REFRAIN.—This is a repetition of one or more verses, either exactly repeated or slightly modified, at the end of a stanza or less frequently at another fixed place (4, 10, 34). Aside from its rhythmic-melodic effect the refrain helps to center the attention on a certain idea or motif.
STANZA AND VERSE FORMS.—Only a few need any special discussion.
1.Blank Verse. This is the verse of Shakspere and was introduced into Germany from England. It is an unrhymed iambic verse of five feet (19).
2.Freie Rhythmen. An unrhymed verse that does not follow any fixed form; the rhythm may vary even within the verse. The number of accented syllables usually does not exceed four (15, 16 and 59).
3.The Rhymed Couplet(vierhebige Reimpaare) was introduced from theVolkslied. The verse ending is always masculine. Best adapted to a rapidly progressing action, every stanza marks a forward step, portrays a new scene (28, 29, 74).
4.The Sonnet, an Italian verse form, is composed of fourteen iambic lines of five feet each. The rhyme for the first eight lines, called the octave, is alwaysabbaabba; for the last six, called the sestette, the rhyme may becdcdcd,ccdccd, orcdecde(69 and 77).
5.The Siziliane, likewise Italian, consists of eight iambic lines of five feet each, the rhyme beingabababab(135 and 136).
6.The Modified Nibelungen Stanza, an adaptation of the stanza of the Nibelungenlied introduced by Uhland, is a stanza of four verses rhyming in couplets; each verse has six accented syllables with a fixed pause as indicated below in the scansion of the first two lines of 32:
Each line is in reality composed of two verses and thus we have here the form so commonly used by Heine (48, 49, 50, 51, 52 and others). Each verse has in reality four measures, the last measure being taken up by a pause:
Es stand in al ten Zei ten | | ein Schloss so hoch und hehr.X — X — X — X * X — X — X — **
In music these pauses may be taken up in whole or in part by lengthening the preceding notes (to some extent this holds true in reading, adding to the effect of the enjambement).Die Loreleioffers a good example:
[Musical notation in original for following lyric. Transcriber.]
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daßich so traurig bin; ein Märchen aus altenZeiten, das kommt mir nicht aus bem Sinn. DieLuft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; derGipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.
* * * * *
Johann Wolfgang von Goethe, the world's greatest lyric genius, was born August 28, 1749, in Frankfurt am Main. In his being there were happily blended his mother's joyous fancy and the sterner traits of his father. Thus a rich imagination, a wealth of feeling, and the power of poetic expression went hand in hand with an indomitable will. In the spring of 1770 the young poet went to Strassburg to complete his law course. There Herder happened to be, even then a famed critic and scholar, and he aroused in Goethe a love and understanding of what was really great and genuine in literature: especially Homer, the Bible, Shakspere, and theVolksliedi.e., the simple folksong. In the fall of the year Goethe met Friederike Brion in the parsonage at Sesenheim, a village near Strassburg. Now Herder's teaching bore fruit in an outburst of real song (1, 2 and 4). The influence of theVolksliedis clearly discernible in the unaffected naturalness, spontaneity, and simplicity of these lyrics. Thusdas Heidenröslein, which symbolizes the tragic close of the sweet idyll of Sesenheim, is to all intents and purposes aVolkslied.
The following years, spent for the most part in Frankfurt, were the period ofSturm und Drang(Storm and Stress) in the poet's life and work. His love for Lili Schönemann, a rich banker's daughter and society belle of Frankfurt, only heightened this unrest (3). In the fall of 1775 the young duke Karl August called Goethe to Weimar. Under the influence of Frau von Stein, a woman of rare culture, Goethe developed to calm maturity. Compare the firstWanderers Nachtlied(written February 1776), a passionate prayer for peace, and the; second (written September 1780), the embodiment of that peace attained. Even more important in this development is the fact that Goethe, in assuming his many official positions in the little dukedom, entered voluntarily a circle of everyday duties (7 and 8). Thus the heaven-storming Titan, as Goethe reveals himself in hisPrometheus, learns to respect and revere the natural limitations of mortality (15 and especially 16).
As Goethe matured, his affinity for classic antiquity became more marked, and a consuming desire impelled him to spend two years in Italy (1786-1788). The rest of his years Goethe spent in Weimar, his life enriched above all else by his friendship with Schiller. In this second Weimar period Goethe reached the acme of his powers. Even his declining years, although marked by loneliness and bringing him a full measure of grief (his wife, Christiane Vulpius, whom he had met shortly after his return from Italy, died in 1816, followed in 1830 by his only son), exemplified that earnest striving so characteristic of Goethe. A serene optimism, a deep love of life, was his to the very last. To thisdas Lied des Türmers, written May 1831, bears eloquent witness. A ripe mellowness seems to blend here with the joyous spirit of youth. Goethe died March 22, 1832.
1. A visit to Sesenheim is the experience that called forth this poem. (Compare Goethe's first letter to Friederike, October 15, 1770) Notice how all nature is personified and assumes human attributes. In the opening stanzas impetuous haste is stirring, the first two lines have a marked rising rhythm. Notice the quieting effect of the metrical inversion at the beginning of 17, 18, and 19 and of the break in 25 after ach and how the whole poem ends with a note of deep joy.
15, 16. WELCHES, WELCHE =what.
21. ROSENFARBNES FRÜHLINGSWETTER,the roseate hues of spring-time.
29. ERDEN, old dative singular.
2. Notice that the second and third stanzas are joined as also the last three. The exuberant fullness of joy creates its own form and overleaps the confines of a single stanza.
3. Written June 1775 in Switzerland on Lake Zürich. Goethe had gone there to escape the unrest into which his love for Lili Schönemann had thrown him. The poem opens with a shout of exultation, 1 and 2; note the inversion — XX — X —Saug' ich aus freier Welt. The rising rhythm of the following lines clearly depicts the movement of rapid rowing. Stanza 2 changes to a falling rhythm; as pictures of the past rise up, the rowing ceases. Stanza 3 depicts a more quiet forward movement; notice the effect of the dactyls in the even lines.
15. TRINKEN, metaphorically forenvelop, cause to disappear.
4. The refrain, so common in theVolkslieddoes not only enhance the melody of the poem, but centers the entire attention on das Röslein and retards the quick dramatic movement of the narrative, which latter is heightened by the omission of the article and the frequent inversion of the verb.
2. HEIDEN, old dative.
3. MORGENSCHÖN, the rose has all the fresh pure beauty of the early morning.
18. WEH UND ACH,cry of pain, piteous outcry.
5. For this and the following poem compare Longfellow's translation.
6. EIN GLEICHES, i.e., anotherWanderers Nachtlied. This poem has been justly calleddie Krone aller Lyrik,the acme of all lyric poetry, because of its simple, perfect beauty.
8. ERINNERUNG,reminder.
9. Written in 1813 in memory of the twenty-fifth anniversary of the day when the poet had first met Christiane Vulpius. Its never failing charm lies in its utter simplicity, itsSelbstverständigkeit, and in this one respect it may well be compared to Wordsworth's Lucy ("She dwelt among the untrodden ways").
1 and 2. FÜR SICH (i.e.,vor sich) HINGEHEN,to saunter along, to walk along without any special purpose.
10. Mignon, a fascinating character in Goethe's novel Wilhelm Meister, a strange premature child, expresses in this song her longing for her Italian land. In succinct pictures there arise before us her native land, her ancestral home and the way thither. The very soul of this poem is longing, culminating with ever increasing intensity in the refrain. Note the vivid concreteness of the verbs and the noble simplicity of the adjectives; the vowels, especially in 2.
13. WOLKENSTEG,bridge that hangs on clouds(Carlyle).
16. STÜRZT,plunges down, i.e., descends precipitously.
11. TheHarfenspielerhas, without knowing it, married his own sister. Mignon is the child of this union. In this song he pours forth his despair and the torments of his conscience.
12. Thule is a mythical land of the far North.
3. STERBEND modifiesBuhle.
7.his eyes overflowed with tears.
8. SO OFT,as often as.
12. ZUGLEICH, i.e., with his other possessions.
15. AUF, translatein. Whyauf?
21, 22. Note the descriptive effect of the enjambement together with the internal rhyme.
23.His eyes closed(in death), TÄTEN SINKEN =sanken.Tätenis an older preterite indicative.
13. The poem embodies the lure of the water. This motif is clearly expressed in 1 and is repeated in 25. In 9, 13, 29 and 31 metrically the same motif recurs. Compare 9 and 29: the speech becomes song and the lure of the nymph's song draws the fisherman down.
4.cool to his very heart.
6.The flood swells up and divides(as the body emerges from it). Note effect of the inversion — XX — X —.
13. FISCHLEIN, dative. MIR IST =I feel.
16. ERST,now for the first time.
19. WELLENATMEND. The word pictures graphically the rise and fall of the sun's image in the waves.
20. DOPPELT SCHÖNER =doppelt schön.
22. DAS FEUCHTVERKLÄRTE BLAU,The azure of the sky transfigured in the water.
30.Then he was doomed. Compare the expression: "he is done for."
14. ERLKÖNIG is a corruption ofElbkönig, i.e., the king of the elves. Notice the difference in the speeches of the three characters: the calm assuaging tone of the father, whose senses seem dead to the supernatural; the luring song of the Erlkönig, that changes abruptly to an impetuous demand; the ever increasing terror of the child till its fear is imparted to the father. The child's speech is driven relentlessly forward by terror; notice the effect of the inversion in 22 and 28: — XX —, etc.
19. FÜHREN DEN NÄCHTLICHEN REIHN,dance the nightly round.
20.and rock thee and dance thee and sing thee to sleep.
28.Erlking has done me grievous woe.
15. Suggested by the Staubbach, a cascade near Lauterbrunnen in Switzerland (October 1779). The poem compares human life in its various aspects to a stream. Notice in this connection how the rhythm varies from stanza to stanza.
12. WOLKENWELLEN,cloudlike waves.
24. HIN,along.
26. WEIDEN,let graze or feast, i.e., mirror.
30. MISCHT VOM GRUND AUS,stirs from the very bottom.
16. Willing surrender, contented submission to the will of the Highest is the keynote of this poem.
9.childlike thrills of awe.
40, 41. IHRES DASEINS.Ihresrefers toGeschlechter. To make it refer toGötter(and adopting the variant readingsie[i.e.,Götter] instead ofsich) makes an impossible metaphor, since the picture of a chain with its links cannot describe the eternal and changeless life of the gods, but only human life, generation following generation as link on link in a chain. Compare 31, where Goethe has usedWellenwith the same purport.
17. Although a part ofFaust, this poem is none the less a confession of Goethe himself. Over eighty years old, the poet surveys life as a watchman from his high tower, lets his gaze once more wander over the world, when evening comes, and lo, all is good.
11, 12.And as all things have pleased me, I am pleased with myself, i.e., the sum total of my life is good.
Friedrich Schiller was born in Marbach, Württemberg, November 10, 1759. His short life was one great heroic struggle. His first inclination was to study for the ministry, but the rigorous and arbitrary discipline of the Duke Karl Eugen, whose school the boy as the son of an officer had to enter, considered neither aptitude nor desire, and thus Schiller had to study medicine and become an army surgeon. That he might shape his own destiny he fled from Württemberg in 1782. The following years, in which Schiller gradually gained the recognition he deserved, were a bitter battle against poverty; and when in 1789 he had been made professor of history in Jena, only two years passed before illness forced him to resign. At that moment generous friends came to his aid, and from now on Schiller could live for his ideals.
As he had mastered the field of history, he now for years put his entire energy into the study of philosophy to round out hisWeltanschauung(his view of life) and his personality. Even as he worked, he knew that his years were numbered, but his indomitable will forced the weak body to do its bidding, and the best of Schiller's dramas, the greatest of his philosophical poems, were written in these years of illness. Thus Schiller proved himself the master of his fate, the captain of his soul. Only a few weeks before his death he wrote to Wilhelm von Humboldt,"Am Ende sind wir doch beide Idealisten, und würden uns schämen, uns nachsagen zu lassen, daß die Dinge uns formten und wir nicht die Dinge."("After all both of us are idealists and would be ashamed to have it reported of us that the things fashioned us and not we the things.") There was in Schiller, as Goethe said,ein Zug nach dem Höheren, a trend toward higher things. Schiller died in Weimar, May 9, 1805.
As a poet Schiller is in many respects the exact counterpart of Goethe. The latter's lyric verse is the direct result of his everyday experience; his real domain is the simple lyric,das Lied. Schiller, however, confessed that lyric poetry in the narrower sense was not his province, but his exile. Hardly ever did an everyday experience move him to song, and he is at his best in the realm of philosophic poetry, where he has no equal. This philosophic tendency predominates even in his ballads, which are often the embodiment of a philosophical or ethical idea. While they lack the subtle lyrical atmosphere of Goethe's, they are distinguished by rhetorical vigor and dramatic life. Their very structure is dramatic, as an analysis of 18 and 19 will show.
18. Ibykus, a Greek lyric poet of the sixth century B.C., bom in Rhegium, a city in Southern Italy.
1. The Isthmian Games were celebrated every two years on the Isthmusof Corinth in honor of Poseidon (Neptune), god of the sea.
6. Apollo, the god of song, archery and the sun (hence also calledHelios, 71).
10.AKRORINTH, the citadel of Corinth, situated on a mountain abovethe city.
11. The pine was sacred to Poseidon. A wreath of pine was the awardof victory in the games (54).
23.DER GASTLICHE.Zeus, to whom hospitality was sacred.
61.PRYTANE,m.—en, prytanis, the chief magistrate.
82.BÜHNE, here used for the tiers of seats for the spectators.CompareSchaugerüste, 95.
91.KEKROPS' STADT==Athens. Kekrops, the legendary founder of the state of Athens.AULIS, a harbor in Boeotia.
92.PHOKIS, territory in Greece to the west of Boeotia.
103.RIESENMAß. Since the Greek actors wore buskins and a long mask, the gigantic stature of the chorus is in itself no indubitable proof of the supernatural origin of this chorus. Thus the spectators are unable to decide, whether they actually see the Eumenides or only a chorus impersonating them. This is the meaning of 145 and 146. This doubt yields to certainty as the action progresses (170 ff.).
117.sense beguiling,heart deluding.
118.ERINNYENorEumeniden.Eumenides, are the avenging goddesses of Greek mythology, the Furies.
150.weaves the dark entangled net of fate.
173.GEROCHEN, common form isgerächt.
182.DIE SZENE==Greekskaene[Greek: skaenae],the stage.
19. The problem of the limitation of human knowledge and of the human mind, already touched upon in Genesis 2, 17, had been brought into prominence in Schiller's time by the philosopher Kant. He had defined the limitations of the human mind: we can have no real knowledge of things themselves, but can know only the impressions that things make on our senses; furthermore our knowledge is limited to the finite, we have no knowledge of the Infinite, the Absolute. Schiller, not satisfied with the mere fact, in this poem expresses the conviction that there must be an ethical reason for this necessity, a reason that is beyond our ken. Compare also the beautiful words of Lessing:"Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgend ein Mensch ist, oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz.
"Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit, und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte, und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke, und sagte: Vater, gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!"
SAIS, city in ancient Egypt, seat of a famous shrine to Isis.ÄGYPTENLAND,Ägypten==Egypt.
6. HIEROPHANT, [Greek: hierophantaes] (literally, the interpreter of the holy),hierophant, a priest, the teacher of religious mysteries.
61.a thrill of heat and cold surges through his frame.
64. IN SEINEM INNERN,in his heartorwithin him.
65. DEN ALLHEILIGEN,the most holy (God).Allhere has an intensifying meaning.
81. WAR DAHIN,was gone.