DasBuch der Reisen und Entdeckungen.Afrika.Abessinien,das Alpenland unter den Tropen.Malerische Feierstunden.Das Buch der Reisen und Entdeckungen.Neue illustrirteBibliothek der Länder- und VölkerkundezurErweiterung der Kenntniß der Fremde.Afrika.Abessinien, das Alpenland unter den Tropen.BearbeitetvonDr. Richard Andree.Mit 80 in den Text gedruckten Abbildungen, sechs Tonbildern, sowie einerUebersichtskarte von AbessinienLeipzig.Verlag von Otto Spamer.1869.König Theodoros, Audienz ertheilendKönig Theodoros, Audienz ertheilend.Originalzeichnung vonH. Leutemann, nach Lejean.Abessinien,das Alpenland unter den Tropenundseine Grenzländer.Schilderungen von Land und Volk vornehmlich unterKönig Theodoros(1855–1868).Nach den Berichten älterer und neuerer Reisender bearbeitetvonDr. Richard Andree.Mit 80 Text-Abbildungen, 6 Tonbildern nach Originalzeichnungen von E. Zander, R. Kretschmer, H. Leutemann u. A. nebst einer Uebersichtskarte von Abessinien.Leipzig.Verlag von Otto Spamer.1869.Verfasser und Verleger behalten sich das Recht der Uebersetzung vor.Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.[pg V]Vorwort.Ein afrikanisches Alpenland, überreich an Schönheiten und Wundern der Natur, bewohnt von einem begabten Volke, das gleich uns zum kaukasischen Stamme gehört und mit den Negern nichts zu schaffen hat, eine an fesselnden Abenteuern reiche Folge von Reisen in dieses Land, endlich der Feldzug Englands gegen den eisernen, blutigenTheodor, der mächtig über Abessinien geherrscht, wie noch kein dunkelfarbiger König vor ihm – das ist es, was wir in diesem Bande des „Buches der Reisen und Entdeckungen“ den Lesern vorführen wollen.Abessinien hat von jeher der gebildeten Welt ein großes Interesse eingeflößt und nicht etwa erst die neueste romantische Episode seiner Geschichte uns diese „unter die Tropen gerückte Schweiz“ näher geführt. Dort, in der muthmaßlichen Heimat des schwarzhäutigen der durch die Bibel eingeführten heiligen drei Könige, besteht ja noch, abgeschieden und vergessen von den abendländischen Glaubensgenossen, inmitten heidnischer und muhamedanischer Völker, ein christliches Reich; dorthin verlegte das Mittelalter auch den Staat des fabelhaften Erzpriesters Johannes, dort entspannen sich Glaubenskämpfe gegen den Islam, die an Heftigkeit und blutigen Greueln ihresgleichen suchen, dort mühten sich endlich unsere Missionäre bis in die neueste Zeit erfolglos ab, die Bevölkerung zu einem reineren Glauben zurückzuführen. Staatsumwälzungen, Bürgerkriege folgen im bunten Wechsel einander.So erhebt sich vor unserem geistigen Blicke auf dem farbenreichen Hintergrund, den die Natur bietet, ein interessantes geschichtliches Bild, beginnend mit der sagenhaften Königin von Saba, endigend mit dem blutigenTheodor,[pg VI]und fesselt unser Interesse an denselben afrikanischen Boden, der, wenn man von Aegypten und den durch die Araber begründeten Reichen absieht, im Grunde eine eigentliche Geschichte nicht hat.Nachdem der Verfasser die Erforschung Abessiniens von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage herab geschildert hat, führt er in den ersten vier Abschnitten Land und Leute in einem gedrängten Bilde vor, alles Wesentliche zusammenfassend, was über Geologie und Oberflächengestaltung, über die natürlichen Felsenfestungen und periodisch anschwellenden Ströme, jene Grundursache der Nilüberschwemmungen, was über die klimatischen Verhältnisse und die Vegetationsgürtel, über die Thierwelt jenes interessanten Gebietes gesagt werden kann. Dabei wandert das Volk an uns vorüber mit seinen guten Anlagen und seinem tiefen sittlichen Verfall, seinen verschiedenen Stämmen und Sprachen, Sitten und Gebräuchen. Handel und Industrie finden gleichfalls gebührende Berücksichtigung, nicht minder die religiösen Verhältnisse, das afrikanisch gefärbte Christenthum des Landes mit seiner byzantinischen Scheinrechtgläubigkeit und lasterhaften Priesterschaft. Die Missionsgeschichte, reich an Enttäuschungen und arm an Erfolgen, wird unparteiisch berichtet und dann mit einer Abhandlung über den Landbau und die sozialen Verhältnisse des Landes der allgemeine Theil beschlossen.Nachdem der Leser dergestalt orientirt ist, kann er an der Hand der neuesten Reisenden das weite Land durchwandern; er lernt den Norden wie den Süden kennen, die brennendheißen Küstenstriche und die fieberschwangere, feuchte Kollaregion, hinauf bis zu den schneegekrönten, majestätischen Alpengipfeln.Geleitet von solchen Forschern, deren Schilderungen zu den farbenprächtigsten gehören, die wir über jene fernen Gegenden besitzen, gewinnt der Leser alsobald die vorgeführten Persönlichkeiten um so lieber, je fesselnder deren oft überaus romantische Fahrten sind. Während die älteren Reisenden bereits früher besprochen waren, bieten wir in diesem Abschnitte einen Einblick in das verdienstvolle Wirken der neueren Ländererforscher. Wir lernen den geistreichen und kühnen FranzosenGuillaume Lejeankennen, durchstreifen an der HandWerner Munzinger’sund der Gefährten desHerzogs Ernst von Sachsen-Koburgdie nördlichen Grenzgebiete, die Länder der Bogos und Kunama, begleiten den deutschen Fürsten selbst auf seinen Pürschgängen und[pg VII]Elefantenjagden und werden schließlich durch den englischen MajorW. Cornwallis Harrisin die fast märchenhaft erscheinende Welt von Schoa, diesen südlichen Theil Abessiniens, eingeführt, wo in malerischen Einzelschilderungen das Hof- und Kriegsleben des NegusSahela Selassiéan uns vorübergeht.Naturgemäß gipfeln die Mittheilungen in der Darstellung des heutigen Abessinien. Verfallen und zerrissen durch nimmer ruhende Bürgerkriege, zuckend und verblutend liegt es da. Wüst liegen die fruchtbaren Aecker und das geplagte Volk verkommt: da scheint ein Hoffnungsstrahl aufzudämmern! Gleich einem glänzenden Meteor steigt der mächtigeTheodor, der Sohn einer armen Kussohändlerin, am abessinischen Himmel auf. Noch einmal scheint es, als ob das altäthiopische Reich aus seinen Trümmern, aus Schutt und Moder wieder erstehen wolle. Doch der Glanz trügt, und nach Tagen blutiger Schrecken sinkt unter der überlegenen Macht der „rothhaarigen Barbaren“ auch der afrikanische Napoleon dahin, mit ihm sein Reich. Indessen nicht blos Schatten wirft die Regierungsgeschichte dieses unzweifelhaft bedeutenden Mannes; es sind Lichtpunkte genug in derselben zu finden, und der Verfasser hat sich bemüht, Licht und Schatten in gerechter Würdigung der Schwierigkeiten, die sich einem Reformator in der Eigenartigkeit von Land und Menschen jener fernen Gegenden entgegenstellen, billig zu vertheilen.Was die Quellen, aus denen das vorliegende Buch geschöpft, betrifft, so wurde vonHiob Ludolfan bis aufTh. von Heuglin, sowie die Berichte der englischen Korrespondenten herab keine wichtige Publikation übersehen. Außer den angeführten Reisenden, deren Berichte im Auszuge wiedergegeben sind, wurden hauptsächlichJames Bruce,Henry Salt,Eduard Rüppell,Karl Wilhelm Isenberg,Ludwig Krapfund (für den zoologischen Theil)A. E. Brehmbenutzt.Als ganz besonders werthvoll müssen wir die Originalabhandlung über dieAgrikultur AbessiniensvonEduard Zanderhier hervorheben. – Das Leben dieses deutschen Landsmannes haben wir im Texte geschildert. Für die Erlaubniß zur Veröffentlichung der genannten Arbeit ist der HerausgeberSr. Hoheit dem Herzoge Leopold Friedrich von Anhalt, in dessen Besitze sich das Original-Manuskript befindet, zu tiefgefühltem Danke verpflichtet. Die Kundgebung dieser zu Magdala im Jahre 1859 verfaßten Arbeit erfolgt[pg VIII]hier, mit Weglassung einer allgemeinen Einleitung, vollständig. Da jedoch unserm wackern Landsmanne nach längerer Abwesenheit vom Heimatlande der flüssige Gebrauch der deutschen Sprache abhanden gekommen war, so erschienen stylistische Aenderungen in seiner Darstellung unerläßlich, wie denn auch die Schreibart der Eigennamen mit der in vorliegendem Werke befolgten in Uebereinstimmung gebracht werden mußte.In der Orthographie abessinischer Namen herrscht bekanntlich die größte Anarchie, ganz entsprechend jener, welche das Land zerrüttet; um ihr womöglich zu entgehen, schloß sich der Verfasser in seiner Rechtschreibung an diejenigen deutschen Reisenden an, welche von allen die meiste Uebereinstimmung zeigen und diesen Gegenstand am eifrigsten ihrer Aufmerksamkeit gewürdigt haben, nämlichK. W. IsenbergundTh. von Heuglin.Zur ganz besonderen Freude gereicht es uns, mittheilen zu können, daß der bei Weitem größere Theil der Illustrationen dieses Werkes nach an Ort und Stelle aufgenommenen Originalen gezeichnet ist. Zwei Künstler, die das Land bereisten, haben dieselben geliefert:Robert Kretschmer, der den Herzog von Koburg als Maler begleitete, undEduard Zander, dessen werthvolle Federzeichnungen, weit über hundert an der Zahl, die landschaftlichen, architektonischen und ethnographischen Verhältnisse Abessiniens ungemein gut charakterisiren. Sie befinden sich gleichfalls im Besitze Sr. Hoheit des Herzogs von Anhalt und werden hier, mit dessen hoher Erlaubniß, als wesentlicher Schmuck unsres Buches, wiedergegeben. Die übrigen Illustrationen, bei denen die Quelle stets angegeben ist, wurden den Werken von H. Salt, E. Rüppell, W. C. Harris, Bernatz, G. Lejean u. a. entlehnt. Schon in dem uns hier entgegentretenden Reichthum an gelungenen Holzschnitten ist uns ein vollständiges Bild des afrikanischen Alpenlandes geliefert, das in keinem hier in Betracht kommenden andern Werke reicher illustrirt zur Anschauung kommen dürfte. Das am Schlusse mitgetheilte Kärtchen endlich wird zur allgemeinen Orientirung über das besprochene Gebiet willkommen geheißen werden.Leipzig, im Juli 1868.Die Redaktion des „Buches der Reisen und Entdeckungen“.[pg IX]Inhaltsverzeichniß.SeiteEinleitung.Historischer Ueberblick und Geschichte der Erforschung Abessiniens.Mit 11 Illustrationen1Aethiops (2). – Die Königin von Saba (3). – Menilek und die salomonische Dynastie (3). Berührungen mit den Völkern des Alterthums (4). – Die Königsstadt Axum und ihre Ruinen (5). – Einführung des Christenthums (6). – Wechsel der Dynastie (8). – Die Invasion der Muhamedaner unter Granje (10). – Portugiesen und Jesuiten in Abessinien (11). – Ihre Vertreibung (12). – Zerfall des Reiches und Bürgerkriege (13). – Die Verfassung (18). – Erforschungsgeschichte (19). – Portugiesische Reisende (20). – Hiob Ludolf (21). – Bruce (22). – Salt und Pearce (23). – Hemprich und Ehrenberg (23). – Rüppell (23). – Tamisier und Combes (26). – v. Katte (26). – Schimper (26). – Aubert und Dufey (27). – Lefêbvre (27). – Gebrüder d’Abbadie (27). – Rochet d’Héricourt (28). – Beke (29). – Zander (30). – Sapeto (32). – Munzinger (32). – Lejean (33). – Die deutsche Expedition (33).Das Land, seine Pflanzen- und Thierwelt.Mit 14 Illustrationen35Begrenzung (35). – Das Hochland (36). – Geologie Abessiniens (36). – Der versteinerte Wald (39). – Heiße Quellen (40). – Oberflächengestaltung (40). – Natürliche Felsenfestungen (42). – Die Alpen Semiéns (42). – Charakter der Flüsse (46). – Ihr Anschwellen (46). – Ursachen der Nilüberschwemmungen (47). – Der Tanasee und der Abai (47). – Klimatische Verhältnisse (50). – Die Vegetationsgürtel (51). – Kola (51). – Woina Deka (56). – Deka (61). – Die niederen Thiere (62). – Vögel (65). – Säugethiere. Ihre Lebensweise, Nutzanwendung, Jagd (71).Das Volk, seine Sitten und Gebräuche, Handel und Industrie.Mit 9 Illustrationen85Physischer Charakter des Volks (85). – Die Juden oder Falaschas (86). – Muhamedaner (87). – Gamanten (88). – Heidnische Ueberreste (90). – Waito (90). – Die Sprachen Abessiniens (90). – Literatur und Malerei (93). – Charakter und Sittenlosigkeit der Abessinier (94). – Blutrache (95). – Justiz (96). – Aberglauben (97). – Das Verzehren von rohem Fleische (100). – Nahrungsweise (102). – Kleidung (103). – Krankheiten und Aerzte (103). – Industrie und Handel (106).Religion, Kirche und Geistlichkeit. Das Missionswesen.Mit 8 Illustrationen111Das Christenthum Abessiniens, dessen Lehren und Verwahrlosung (111). – Der Abuna (114). – Art des Gottesdienstes (120). – Die lasterhafte Geistlichkeit (122). – Mönche und Klöster (122). – Politische Asyle (123). – Zeitrechnung (123). – Feste (123). – Taufe, Ehe, Begräbniß (124). – Die Kirchen, ihre Einrichtung und Ausschmückung (126). – Die verschiedenen Missionsversuche in Abessinien, deren Mißlingen und Urtheile darüber (128).Der Ackerbau und die Viehzucht Abessiniens.Mit 5 Illustrationen139Die Kulturfläche Abessiniens (139). – Die Getreidearten, ihre Anpflanzung und Verwendung (141). – Gewürze, Gemüse, Wein, Baumwolle, Gescho (144). – Ernteertrag (146). – Nuk (146). – Einfelderwirthschaft (146). – Ackerwerkzeuge (147). – Regenzeit (148). – Bewässerung (148). – Soziale Stellung der Landleute (149). – Die Viehzucht (150). – Aussicht für europäische Ansiedelungen (153). – Die Regierung und der Grundbesitz (153). – Das Frohnwesen (153). – Steuern (153). – Wiesen und Moorgrund (154). – Bienenzucht (154). – Die Wohnungen der Landleute (155). – Die Mühlen Abessiniens (157).Massaua und die abessinische Küstenlandschaft.Mit 5 Illustrationen158Die Bedeutung des Rothen Meeres (158). – Der Dahlak-Archipel und die Perlenfischerei (160). – Die Stadt Massaua und ihre Bewohner (162). – Sklavenhandel (164). – Die Cisternen (166). – Der Markt (167). – Karawanenhandel mit Abessinien (167). – Die Bai von Adulis (168). – Schoho und Danakil (170). – Die Samhara (171). – Eine abessinische Karawane (172). – Der Tarantapaß und Halai (174).G. Lejean’s Reise durch Abessinien.Mit 10 Illustrationen176Metemmé (177). – Der Markt Wochni (178). – Grenzwächter (178). – Eine abessinische Festung (180). – Eine deutsche Familie (182). – Das Land am Tanasee (182). – Schnapphähne (184). – Missionsstation Gafat (185). – Gefangennahme Lejean’s durch König Theodor (187). – Theodor’s Löwen (187). – Gondar und seine Bauten (188). – Wasserfall des Reb (192). – In einem Kloster (194). – Besuch in Korata (195). – Binsenflöße (198). – Besteigung des hohen Guna (200). – Fünf Frauengenerationen (200). – Befreiung (202). – Hochebene Wogara (202). – Lamalmon-Paß (203). – Reise durch Tigrié nach Massaua (204).Reisen in den nördlichen und nordwestlichen Grenzländern von Abessinien.Mit 4 Illustrationen207Das Land der Mensa und Bogos (207). – Reise des Herzogs Ernst (208). – Monkullo (209). – Labathal (209). – Plateau von Mensa (210). – Das Volk der Mensa (211). – Ausflug nach Keren (212). – Elephantenjagd (214). – Rückkehr (216). – Munzinger über die Bogos (217). – Geschichtliches (217). – Ein aristokratisches Volk (218). – Rechtsverhältnisse (218). – Aberglauben (219). – Das Christenthum der Bogos (219). – Der Marebfluß (221). – Die demokratischen Bazen und Barea (220).Schoa und die britische Gesandtschaft unter Major Harris.Mit 9 Illustrationen224Begrenzung (224). – Englische Gesandtschaft unter Harris (225). – Tadschurra (225). – Zug durch die Adalwüste (226). – Salzsee (227). – Mord im Thale Gungunté (228). – Versammlung der Eingeborenen (230). – Sklavenkarawane (232). – Myrrhen (233). – Der Hawasch (234). – Der Grenzdistrikt (234). – Alio Amba, ein Marktort (236). – Empfang beim Könige Sahela Selassié (240). – Die Hauptstadt Ankober (242). – Debra Berhan, die Sommerresidenz (245). – Sklavendepot (246). – Truppenrevue (246). – Angollala (249). – Schlucht der Tschatscha (250). – Medoko, der Rebell (252). – Das Gallavolk (252). – Kriegszug gegen dasselbe (258). – Siegesfest (260). – Abschluß des Handelsvertrags (262). – Rückkehr (263).Theodoros II., Negus von Aethiopien.Mit 6 Illustrationen264Bewegte Jugend (264). – Der Emporkömmling (265). – Schlacht von Debela und Königskrönung (266). – Rebellenkriege (267). – Reformen (272). – Abessinische Heere und Kriegspraxis (275). – Verwickelungen mit den Missionären (280). – Gefangennahme Cameron’s und Streitigkeiten mit England (281). – Magdala (284). – Beginn der englischen Invasion (287). – Erstürmung von Magdala und Tod Theodor’s (293). – Rückzug der Engländer (297).Die hierzu gehörigen Tonbilder sind einzuheften:König Theodoros, Audienz ertheilendTitelbild.Teiit, Partie von Totscha in SemiénSeite 43Charakter des Hochgebirges Awirr in Semién" 49Herzog Ernst von Sachsen-Koburg-Gotha auf der Jagd in Mensa" 215Im Lager des Negus. Priester und Krieger" 276Innerer Theil der Bergfeste Magdala. Südliche Ansicht" 286
DasBuch der Reisen und Entdeckungen.Afrika.Abessinien,das Alpenland unter den Tropen.Malerische Feierstunden.Das Buch der Reisen und Entdeckungen.Neue illustrirteBibliothek der Länder- und VölkerkundezurErweiterung der Kenntniß der Fremde.Afrika.Abessinien, das Alpenland unter den Tropen.BearbeitetvonDr. Richard Andree.Mit 80 in den Text gedruckten Abbildungen, sechs Tonbildern, sowie einerUebersichtskarte von AbessinienLeipzig.Verlag von Otto Spamer.1869.König Theodoros, Audienz ertheilendKönig Theodoros, Audienz ertheilend.Originalzeichnung vonH. Leutemann, nach Lejean.Abessinien,das Alpenland unter den Tropenundseine Grenzländer.Schilderungen von Land und Volk vornehmlich unterKönig Theodoros(1855–1868).Nach den Berichten älterer und neuerer Reisender bearbeitetvonDr. Richard Andree.Mit 80 Text-Abbildungen, 6 Tonbildern nach Originalzeichnungen von E. Zander, R. Kretschmer, H. Leutemann u. A. nebst einer Uebersichtskarte von Abessinien.Leipzig.Verlag von Otto Spamer.1869.Verfasser und Verleger behalten sich das Recht der Uebersetzung vor.Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.[pg V]Vorwort.Ein afrikanisches Alpenland, überreich an Schönheiten und Wundern der Natur, bewohnt von einem begabten Volke, das gleich uns zum kaukasischen Stamme gehört und mit den Negern nichts zu schaffen hat, eine an fesselnden Abenteuern reiche Folge von Reisen in dieses Land, endlich der Feldzug Englands gegen den eisernen, blutigenTheodor, der mächtig über Abessinien geherrscht, wie noch kein dunkelfarbiger König vor ihm – das ist es, was wir in diesem Bande des „Buches der Reisen und Entdeckungen“ den Lesern vorführen wollen.Abessinien hat von jeher der gebildeten Welt ein großes Interesse eingeflößt und nicht etwa erst die neueste romantische Episode seiner Geschichte uns diese „unter die Tropen gerückte Schweiz“ näher geführt. Dort, in der muthmaßlichen Heimat des schwarzhäutigen der durch die Bibel eingeführten heiligen drei Könige, besteht ja noch, abgeschieden und vergessen von den abendländischen Glaubensgenossen, inmitten heidnischer und muhamedanischer Völker, ein christliches Reich; dorthin verlegte das Mittelalter auch den Staat des fabelhaften Erzpriesters Johannes, dort entspannen sich Glaubenskämpfe gegen den Islam, die an Heftigkeit und blutigen Greueln ihresgleichen suchen, dort mühten sich endlich unsere Missionäre bis in die neueste Zeit erfolglos ab, die Bevölkerung zu einem reineren Glauben zurückzuführen. Staatsumwälzungen, Bürgerkriege folgen im bunten Wechsel einander.So erhebt sich vor unserem geistigen Blicke auf dem farbenreichen Hintergrund, den die Natur bietet, ein interessantes geschichtliches Bild, beginnend mit der sagenhaften Königin von Saba, endigend mit dem blutigenTheodor,[pg VI]und fesselt unser Interesse an denselben afrikanischen Boden, der, wenn man von Aegypten und den durch die Araber begründeten Reichen absieht, im Grunde eine eigentliche Geschichte nicht hat.Nachdem der Verfasser die Erforschung Abessiniens von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage herab geschildert hat, führt er in den ersten vier Abschnitten Land und Leute in einem gedrängten Bilde vor, alles Wesentliche zusammenfassend, was über Geologie und Oberflächengestaltung, über die natürlichen Felsenfestungen und periodisch anschwellenden Ströme, jene Grundursache der Nilüberschwemmungen, was über die klimatischen Verhältnisse und die Vegetationsgürtel, über die Thierwelt jenes interessanten Gebietes gesagt werden kann. Dabei wandert das Volk an uns vorüber mit seinen guten Anlagen und seinem tiefen sittlichen Verfall, seinen verschiedenen Stämmen und Sprachen, Sitten und Gebräuchen. Handel und Industrie finden gleichfalls gebührende Berücksichtigung, nicht minder die religiösen Verhältnisse, das afrikanisch gefärbte Christenthum des Landes mit seiner byzantinischen Scheinrechtgläubigkeit und lasterhaften Priesterschaft. Die Missionsgeschichte, reich an Enttäuschungen und arm an Erfolgen, wird unparteiisch berichtet und dann mit einer Abhandlung über den Landbau und die sozialen Verhältnisse des Landes der allgemeine Theil beschlossen.Nachdem der Leser dergestalt orientirt ist, kann er an der Hand der neuesten Reisenden das weite Land durchwandern; er lernt den Norden wie den Süden kennen, die brennendheißen Küstenstriche und die fieberschwangere, feuchte Kollaregion, hinauf bis zu den schneegekrönten, majestätischen Alpengipfeln.Geleitet von solchen Forschern, deren Schilderungen zu den farbenprächtigsten gehören, die wir über jene fernen Gegenden besitzen, gewinnt der Leser alsobald die vorgeführten Persönlichkeiten um so lieber, je fesselnder deren oft überaus romantische Fahrten sind. Während die älteren Reisenden bereits früher besprochen waren, bieten wir in diesem Abschnitte einen Einblick in das verdienstvolle Wirken der neueren Ländererforscher. Wir lernen den geistreichen und kühnen FranzosenGuillaume Lejeankennen, durchstreifen an der HandWerner Munzinger’sund der Gefährten desHerzogs Ernst von Sachsen-Koburgdie nördlichen Grenzgebiete, die Länder der Bogos und Kunama, begleiten den deutschen Fürsten selbst auf seinen Pürschgängen und[pg VII]Elefantenjagden und werden schließlich durch den englischen MajorW. Cornwallis Harrisin die fast märchenhaft erscheinende Welt von Schoa, diesen südlichen Theil Abessiniens, eingeführt, wo in malerischen Einzelschilderungen das Hof- und Kriegsleben des NegusSahela Selassiéan uns vorübergeht.Naturgemäß gipfeln die Mittheilungen in der Darstellung des heutigen Abessinien. Verfallen und zerrissen durch nimmer ruhende Bürgerkriege, zuckend und verblutend liegt es da. Wüst liegen die fruchtbaren Aecker und das geplagte Volk verkommt: da scheint ein Hoffnungsstrahl aufzudämmern! Gleich einem glänzenden Meteor steigt der mächtigeTheodor, der Sohn einer armen Kussohändlerin, am abessinischen Himmel auf. Noch einmal scheint es, als ob das altäthiopische Reich aus seinen Trümmern, aus Schutt und Moder wieder erstehen wolle. Doch der Glanz trügt, und nach Tagen blutiger Schrecken sinkt unter der überlegenen Macht der „rothhaarigen Barbaren“ auch der afrikanische Napoleon dahin, mit ihm sein Reich. Indessen nicht blos Schatten wirft die Regierungsgeschichte dieses unzweifelhaft bedeutenden Mannes; es sind Lichtpunkte genug in derselben zu finden, und der Verfasser hat sich bemüht, Licht und Schatten in gerechter Würdigung der Schwierigkeiten, die sich einem Reformator in der Eigenartigkeit von Land und Menschen jener fernen Gegenden entgegenstellen, billig zu vertheilen.Was die Quellen, aus denen das vorliegende Buch geschöpft, betrifft, so wurde vonHiob Ludolfan bis aufTh. von Heuglin, sowie die Berichte der englischen Korrespondenten herab keine wichtige Publikation übersehen. Außer den angeführten Reisenden, deren Berichte im Auszuge wiedergegeben sind, wurden hauptsächlichJames Bruce,Henry Salt,Eduard Rüppell,Karl Wilhelm Isenberg,Ludwig Krapfund (für den zoologischen Theil)A. E. Brehmbenutzt.Als ganz besonders werthvoll müssen wir die Originalabhandlung über dieAgrikultur AbessiniensvonEduard Zanderhier hervorheben. – Das Leben dieses deutschen Landsmannes haben wir im Texte geschildert. Für die Erlaubniß zur Veröffentlichung der genannten Arbeit ist der HerausgeberSr. Hoheit dem Herzoge Leopold Friedrich von Anhalt, in dessen Besitze sich das Original-Manuskript befindet, zu tiefgefühltem Danke verpflichtet. Die Kundgebung dieser zu Magdala im Jahre 1859 verfaßten Arbeit erfolgt[pg VIII]hier, mit Weglassung einer allgemeinen Einleitung, vollständig. Da jedoch unserm wackern Landsmanne nach längerer Abwesenheit vom Heimatlande der flüssige Gebrauch der deutschen Sprache abhanden gekommen war, so erschienen stylistische Aenderungen in seiner Darstellung unerläßlich, wie denn auch die Schreibart der Eigennamen mit der in vorliegendem Werke befolgten in Uebereinstimmung gebracht werden mußte.In der Orthographie abessinischer Namen herrscht bekanntlich die größte Anarchie, ganz entsprechend jener, welche das Land zerrüttet; um ihr womöglich zu entgehen, schloß sich der Verfasser in seiner Rechtschreibung an diejenigen deutschen Reisenden an, welche von allen die meiste Uebereinstimmung zeigen und diesen Gegenstand am eifrigsten ihrer Aufmerksamkeit gewürdigt haben, nämlichK. W. IsenbergundTh. von Heuglin.Zur ganz besonderen Freude gereicht es uns, mittheilen zu können, daß der bei Weitem größere Theil der Illustrationen dieses Werkes nach an Ort und Stelle aufgenommenen Originalen gezeichnet ist. Zwei Künstler, die das Land bereisten, haben dieselben geliefert:Robert Kretschmer, der den Herzog von Koburg als Maler begleitete, undEduard Zander, dessen werthvolle Federzeichnungen, weit über hundert an der Zahl, die landschaftlichen, architektonischen und ethnographischen Verhältnisse Abessiniens ungemein gut charakterisiren. Sie befinden sich gleichfalls im Besitze Sr. Hoheit des Herzogs von Anhalt und werden hier, mit dessen hoher Erlaubniß, als wesentlicher Schmuck unsres Buches, wiedergegeben. Die übrigen Illustrationen, bei denen die Quelle stets angegeben ist, wurden den Werken von H. Salt, E. Rüppell, W. C. Harris, Bernatz, G. Lejean u. a. entlehnt. Schon in dem uns hier entgegentretenden Reichthum an gelungenen Holzschnitten ist uns ein vollständiges Bild des afrikanischen Alpenlandes geliefert, das in keinem hier in Betracht kommenden andern Werke reicher illustrirt zur Anschauung kommen dürfte. Das am Schlusse mitgetheilte Kärtchen endlich wird zur allgemeinen Orientirung über das besprochene Gebiet willkommen geheißen werden.Leipzig, im Juli 1868.Die Redaktion des „Buches der Reisen und Entdeckungen“.[pg IX]Inhaltsverzeichniß.SeiteEinleitung.Historischer Ueberblick und Geschichte der Erforschung Abessiniens.Mit 11 Illustrationen1Aethiops (2). – Die Königin von Saba (3). – Menilek und die salomonische Dynastie (3). Berührungen mit den Völkern des Alterthums (4). – Die Königsstadt Axum und ihre Ruinen (5). – Einführung des Christenthums (6). – Wechsel der Dynastie (8). – Die Invasion der Muhamedaner unter Granje (10). – Portugiesen und Jesuiten in Abessinien (11). – Ihre Vertreibung (12). – Zerfall des Reiches und Bürgerkriege (13). – Die Verfassung (18). – Erforschungsgeschichte (19). – Portugiesische Reisende (20). – Hiob Ludolf (21). – Bruce (22). – Salt und Pearce (23). – Hemprich und Ehrenberg (23). – Rüppell (23). – Tamisier und Combes (26). – v. Katte (26). – Schimper (26). – Aubert und Dufey (27). – Lefêbvre (27). – Gebrüder d’Abbadie (27). – Rochet d’Héricourt (28). – Beke (29). – Zander (30). – Sapeto (32). – Munzinger (32). – Lejean (33). – Die deutsche Expedition (33).Das Land, seine Pflanzen- und Thierwelt.Mit 14 Illustrationen35Begrenzung (35). – Das Hochland (36). – Geologie Abessiniens (36). – Der versteinerte Wald (39). – Heiße Quellen (40). – Oberflächengestaltung (40). – Natürliche Felsenfestungen (42). – Die Alpen Semiéns (42). – Charakter der Flüsse (46). – Ihr Anschwellen (46). – Ursachen der Nilüberschwemmungen (47). – Der Tanasee und der Abai (47). – Klimatische Verhältnisse (50). – Die Vegetationsgürtel (51). – Kola (51). – Woina Deka (56). – Deka (61). – Die niederen Thiere (62). – Vögel (65). – Säugethiere. Ihre Lebensweise, Nutzanwendung, Jagd (71).Das Volk, seine Sitten und Gebräuche, Handel und Industrie.Mit 9 Illustrationen85Physischer Charakter des Volks (85). – Die Juden oder Falaschas (86). – Muhamedaner (87). – Gamanten (88). – Heidnische Ueberreste (90). – Waito (90). – Die Sprachen Abessiniens (90). – Literatur und Malerei (93). – Charakter und Sittenlosigkeit der Abessinier (94). – Blutrache (95). – Justiz (96). – Aberglauben (97). – Das Verzehren von rohem Fleische (100). – Nahrungsweise (102). – Kleidung (103). – Krankheiten und Aerzte (103). – Industrie und Handel (106).Religion, Kirche und Geistlichkeit. Das Missionswesen.Mit 8 Illustrationen111Das Christenthum Abessiniens, dessen Lehren und Verwahrlosung (111). – Der Abuna (114). – Art des Gottesdienstes (120). – Die lasterhafte Geistlichkeit (122). – Mönche und Klöster (122). – Politische Asyle (123). – Zeitrechnung (123). – Feste (123). – Taufe, Ehe, Begräbniß (124). – Die Kirchen, ihre Einrichtung und Ausschmückung (126). – Die verschiedenen Missionsversuche in Abessinien, deren Mißlingen und Urtheile darüber (128).Der Ackerbau und die Viehzucht Abessiniens.Mit 5 Illustrationen139Die Kulturfläche Abessiniens (139). – Die Getreidearten, ihre Anpflanzung und Verwendung (141). – Gewürze, Gemüse, Wein, Baumwolle, Gescho (144). – Ernteertrag (146). – Nuk (146). – Einfelderwirthschaft (146). – Ackerwerkzeuge (147). – Regenzeit (148). – Bewässerung (148). – Soziale Stellung der Landleute (149). – Die Viehzucht (150). – Aussicht für europäische Ansiedelungen (153). – Die Regierung und der Grundbesitz (153). – Das Frohnwesen (153). – Steuern (153). – Wiesen und Moorgrund (154). – Bienenzucht (154). – Die Wohnungen der Landleute (155). – Die Mühlen Abessiniens (157).Massaua und die abessinische Küstenlandschaft.Mit 5 Illustrationen158Die Bedeutung des Rothen Meeres (158). – Der Dahlak-Archipel und die Perlenfischerei (160). – Die Stadt Massaua und ihre Bewohner (162). – Sklavenhandel (164). – Die Cisternen (166). – Der Markt (167). – Karawanenhandel mit Abessinien (167). – Die Bai von Adulis (168). – Schoho und Danakil (170). – Die Samhara (171). – Eine abessinische Karawane (172). – Der Tarantapaß und Halai (174).G. Lejean’s Reise durch Abessinien.Mit 10 Illustrationen176Metemmé (177). – Der Markt Wochni (178). – Grenzwächter (178). – Eine abessinische Festung (180). – Eine deutsche Familie (182). – Das Land am Tanasee (182). – Schnapphähne (184). – Missionsstation Gafat (185). – Gefangennahme Lejean’s durch König Theodor (187). – Theodor’s Löwen (187). – Gondar und seine Bauten (188). – Wasserfall des Reb (192). – In einem Kloster (194). – Besuch in Korata (195). – Binsenflöße (198). – Besteigung des hohen Guna (200). – Fünf Frauengenerationen (200). – Befreiung (202). – Hochebene Wogara (202). – Lamalmon-Paß (203). – Reise durch Tigrié nach Massaua (204).Reisen in den nördlichen und nordwestlichen Grenzländern von Abessinien.Mit 4 Illustrationen207Das Land der Mensa und Bogos (207). – Reise des Herzogs Ernst (208). – Monkullo (209). – Labathal (209). – Plateau von Mensa (210). – Das Volk der Mensa (211). – Ausflug nach Keren (212). – Elephantenjagd (214). – Rückkehr (216). – Munzinger über die Bogos (217). – Geschichtliches (217). – Ein aristokratisches Volk (218). – Rechtsverhältnisse (218). – Aberglauben (219). – Das Christenthum der Bogos (219). – Der Marebfluß (221). – Die demokratischen Bazen und Barea (220).Schoa und die britische Gesandtschaft unter Major Harris.Mit 9 Illustrationen224Begrenzung (224). – Englische Gesandtschaft unter Harris (225). – Tadschurra (225). – Zug durch die Adalwüste (226). – Salzsee (227). – Mord im Thale Gungunté (228). – Versammlung der Eingeborenen (230). – Sklavenkarawane (232). – Myrrhen (233). – Der Hawasch (234). – Der Grenzdistrikt (234). – Alio Amba, ein Marktort (236). – Empfang beim Könige Sahela Selassié (240). – Die Hauptstadt Ankober (242). – Debra Berhan, die Sommerresidenz (245). – Sklavendepot (246). – Truppenrevue (246). – Angollala (249). – Schlucht der Tschatscha (250). – Medoko, der Rebell (252). – Das Gallavolk (252). – Kriegszug gegen dasselbe (258). – Siegesfest (260). – Abschluß des Handelsvertrags (262). – Rückkehr (263).Theodoros II., Negus von Aethiopien.Mit 6 Illustrationen264Bewegte Jugend (264). – Der Emporkömmling (265). – Schlacht von Debela und Königskrönung (266). – Rebellenkriege (267). – Reformen (272). – Abessinische Heere und Kriegspraxis (275). – Verwickelungen mit den Missionären (280). – Gefangennahme Cameron’s und Streitigkeiten mit England (281). – Magdala (284). – Beginn der englischen Invasion (287). – Erstürmung von Magdala und Tod Theodor’s (293). – Rückzug der Engländer (297).Die hierzu gehörigen Tonbilder sind einzuheften:König Theodoros, Audienz ertheilendTitelbild.Teiit, Partie von Totscha in SemiénSeite 43Charakter des Hochgebirges Awirr in Semién" 49Herzog Ernst von Sachsen-Koburg-Gotha auf der Jagd in Mensa" 215Im Lager des Negus. Priester und Krieger" 276Innerer Theil der Bergfeste Magdala. Südliche Ansicht" 286
DasBuch der Reisen und Entdeckungen.Afrika.Abessinien,das Alpenland unter den Tropen.
DasBuch der Reisen und Entdeckungen.
Afrika.
Abessinien,das Alpenland unter den Tropen.
Malerische Feierstunden.Das Buch der Reisen und Entdeckungen.Neue illustrirteBibliothek der Länder- und VölkerkundezurErweiterung der Kenntniß der Fremde.Afrika.Abessinien, das Alpenland unter den Tropen.BearbeitetvonDr. Richard Andree.Mit 80 in den Text gedruckten Abbildungen, sechs Tonbildern, sowie einerUebersichtskarte von AbessinienLeipzig.Verlag von Otto Spamer.1869.
Malerische Feierstunden.
Das Buch der Reisen und Entdeckungen.
Neue illustrirte
Bibliothek der Länder- und Völkerkunde
zur
Erweiterung der Kenntniß der Fremde.
Afrika.
Abessinien, das Alpenland unter den Tropen.
Bearbeitet
von
Dr. Richard Andree.
Mit 80 in den Text gedruckten Abbildungen, sechs Tonbildern, sowie einerUebersichtskarte von Abessinien
Leipzig.
Verlag von Otto Spamer.
1869.
König Theodoros, Audienz ertheilendKönig Theodoros, Audienz ertheilend.Originalzeichnung vonH. Leutemann, nach Lejean.
König Theodoros, Audienz ertheilendKönig Theodoros, Audienz ertheilend.Originalzeichnung vonH. Leutemann, nach Lejean.
König Theodoros, Audienz ertheilend.Originalzeichnung vonH. Leutemann, nach Lejean.
Abessinien,das Alpenland unter den Tropenundseine Grenzländer.Schilderungen von Land und Volk vornehmlich unterKönig Theodoros(1855–1868).Nach den Berichten älterer und neuerer Reisender bearbeitetvonDr. Richard Andree.Mit 80 Text-Abbildungen, 6 Tonbildern nach Originalzeichnungen von E. Zander, R. Kretschmer, H. Leutemann u. A. nebst einer Uebersichtskarte von Abessinien.Leipzig.Verlag von Otto Spamer.1869.
Nach den Berichten älterer und neuerer Reisender bearbeitetvonDr. Richard Andree.
Verfasser und Verleger behalten sich das Recht der Uebersetzung vor.Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.
Verfasser und Verleger behalten sich das Recht der Uebersetzung vor.
Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.
[pg V]Vorwort.Ein afrikanisches Alpenland, überreich an Schönheiten und Wundern der Natur, bewohnt von einem begabten Volke, das gleich uns zum kaukasischen Stamme gehört und mit den Negern nichts zu schaffen hat, eine an fesselnden Abenteuern reiche Folge von Reisen in dieses Land, endlich der Feldzug Englands gegen den eisernen, blutigenTheodor, der mächtig über Abessinien geherrscht, wie noch kein dunkelfarbiger König vor ihm – das ist es, was wir in diesem Bande des „Buches der Reisen und Entdeckungen“ den Lesern vorführen wollen.Abessinien hat von jeher der gebildeten Welt ein großes Interesse eingeflößt und nicht etwa erst die neueste romantische Episode seiner Geschichte uns diese „unter die Tropen gerückte Schweiz“ näher geführt. Dort, in der muthmaßlichen Heimat des schwarzhäutigen der durch die Bibel eingeführten heiligen drei Könige, besteht ja noch, abgeschieden und vergessen von den abendländischen Glaubensgenossen, inmitten heidnischer und muhamedanischer Völker, ein christliches Reich; dorthin verlegte das Mittelalter auch den Staat des fabelhaften Erzpriesters Johannes, dort entspannen sich Glaubenskämpfe gegen den Islam, die an Heftigkeit und blutigen Greueln ihresgleichen suchen, dort mühten sich endlich unsere Missionäre bis in die neueste Zeit erfolglos ab, die Bevölkerung zu einem reineren Glauben zurückzuführen. Staatsumwälzungen, Bürgerkriege folgen im bunten Wechsel einander.So erhebt sich vor unserem geistigen Blicke auf dem farbenreichen Hintergrund, den die Natur bietet, ein interessantes geschichtliches Bild, beginnend mit der sagenhaften Königin von Saba, endigend mit dem blutigenTheodor,[pg VI]und fesselt unser Interesse an denselben afrikanischen Boden, der, wenn man von Aegypten und den durch die Araber begründeten Reichen absieht, im Grunde eine eigentliche Geschichte nicht hat.Nachdem der Verfasser die Erforschung Abessiniens von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage herab geschildert hat, führt er in den ersten vier Abschnitten Land und Leute in einem gedrängten Bilde vor, alles Wesentliche zusammenfassend, was über Geologie und Oberflächengestaltung, über die natürlichen Felsenfestungen und periodisch anschwellenden Ströme, jene Grundursache der Nilüberschwemmungen, was über die klimatischen Verhältnisse und die Vegetationsgürtel, über die Thierwelt jenes interessanten Gebietes gesagt werden kann. Dabei wandert das Volk an uns vorüber mit seinen guten Anlagen und seinem tiefen sittlichen Verfall, seinen verschiedenen Stämmen und Sprachen, Sitten und Gebräuchen. Handel und Industrie finden gleichfalls gebührende Berücksichtigung, nicht minder die religiösen Verhältnisse, das afrikanisch gefärbte Christenthum des Landes mit seiner byzantinischen Scheinrechtgläubigkeit und lasterhaften Priesterschaft. Die Missionsgeschichte, reich an Enttäuschungen und arm an Erfolgen, wird unparteiisch berichtet und dann mit einer Abhandlung über den Landbau und die sozialen Verhältnisse des Landes der allgemeine Theil beschlossen.Nachdem der Leser dergestalt orientirt ist, kann er an der Hand der neuesten Reisenden das weite Land durchwandern; er lernt den Norden wie den Süden kennen, die brennendheißen Küstenstriche und die fieberschwangere, feuchte Kollaregion, hinauf bis zu den schneegekrönten, majestätischen Alpengipfeln.Geleitet von solchen Forschern, deren Schilderungen zu den farbenprächtigsten gehören, die wir über jene fernen Gegenden besitzen, gewinnt der Leser alsobald die vorgeführten Persönlichkeiten um so lieber, je fesselnder deren oft überaus romantische Fahrten sind. Während die älteren Reisenden bereits früher besprochen waren, bieten wir in diesem Abschnitte einen Einblick in das verdienstvolle Wirken der neueren Ländererforscher. Wir lernen den geistreichen und kühnen FranzosenGuillaume Lejeankennen, durchstreifen an der HandWerner Munzinger’sund der Gefährten desHerzogs Ernst von Sachsen-Koburgdie nördlichen Grenzgebiete, die Länder der Bogos und Kunama, begleiten den deutschen Fürsten selbst auf seinen Pürschgängen und[pg VII]Elefantenjagden und werden schließlich durch den englischen MajorW. Cornwallis Harrisin die fast märchenhaft erscheinende Welt von Schoa, diesen südlichen Theil Abessiniens, eingeführt, wo in malerischen Einzelschilderungen das Hof- und Kriegsleben des NegusSahela Selassiéan uns vorübergeht.Naturgemäß gipfeln die Mittheilungen in der Darstellung des heutigen Abessinien. Verfallen und zerrissen durch nimmer ruhende Bürgerkriege, zuckend und verblutend liegt es da. Wüst liegen die fruchtbaren Aecker und das geplagte Volk verkommt: da scheint ein Hoffnungsstrahl aufzudämmern! Gleich einem glänzenden Meteor steigt der mächtigeTheodor, der Sohn einer armen Kussohändlerin, am abessinischen Himmel auf. Noch einmal scheint es, als ob das altäthiopische Reich aus seinen Trümmern, aus Schutt und Moder wieder erstehen wolle. Doch der Glanz trügt, und nach Tagen blutiger Schrecken sinkt unter der überlegenen Macht der „rothhaarigen Barbaren“ auch der afrikanische Napoleon dahin, mit ihm sein Reich. Indessen nicht blos Schatten wirft die Regierungsgeschichte dieses unzweifelhaft bedeutenden Mannes; es sind Lichtpunkte genug in derselben zu finden, und der Verfasser hat sich bemüht, Licht und Schatten in gerechter Würdigung der Schwierigkeiten, die sich einem Reformator in der Eigenartigkeit von Land und Menschen jener fernen Gegenden entgegenstellen, billig zu vertheilen.Was die Quellen, aus denen das vorliegende Buch geschöpft, betrifft, so wurde vonHiob Ludolfan bis aufTh. von Heuglin, sowie die Berichte der englischen Korrespondenten herab keine wichtige Publikation übersehen. Außer den angeführten Reisenden, deren Berichte im Auszuge wiedergegeben sind, wurden hauptsächlichJames Bruce,Henry Salt,Eduard Rüppell,Karl Wilhelm Isenberg,Ludwig Krapfund (für den zoologischen Theil)A. E. Brehmbenutzt.Als ganz besonders werthvoll müssen wir die Originalabhandlung über dieAgrikultur AbessiniensvonEduard Zanderhier hervorheben. – Das Leben dieses deutschen Landsmannes haben wir im Texte geschildert. Für die Erlaubniß zur Veröffentlichung der genannten Arbeit ist der HerausgeberSr. Hoheit dem Herzoge Leopold Friedrich von Anhalt, in dessen Besitze sich das Original-Manuskript befindet, zu tiefgefühltem Danke verpflichtet. Die Kundgebung dieser zu Magdala im Jahre 1859 verfaßten Arbeit erfolgt[pg VIII]hier, mit Weglassung einer allgemeinen Einleitung, vollständig. Da jedoch unserm wackern Landsmanne nach längerer Abwesenheit vom Heimatlande der flüssige Gebrauch der deutschen Sprache abhanden gekommen war, so erschienen stylistische Aenderungen in seiner Darstellung unerläßlich, wie denn auch die Schreibart der Eigennamen mit der in vorliegendem Werke befolgten in Uebereinstimmung gebracht werden mußte.In der Orthographie abessinischer Namen herrscht bekanntlich die größte Anarchie, ganz entsprechend jener, welche das Land zerrüttet; um ihr womöglich zu entgehen, schloß sich der Verfasser in seiner Rechtschreibung an diejenigen deutschen Reisenden an, welche von allen die meiste Uebereinstimmung zeigen und diesen Gegenstand am eifrigsten ihrer Aufmerksamkeit gewürdigt haben, nämlichK. W. IsenbergundTh. von Heuglin.Zur ganz besonderen Freude gereicht es uns, mittheilen zu können, daß der bei Weitem größere Theil der Illustrationen dieses Werkes nach an Ort und Stelle aufgenommenen Originalen gezeichnet ist. Zwei Künstler, die das Land bereisten, haben dieselben geliefert:Robert Kretschmer, der den Herzog von Koburg als Maler begleitete, undEduard Zander, dessen werthvolle Federzeichnungen, weit über hundert an der Zahl, die landschaftlichen, architektonischen und ethnographischen Verhältnisse Abessiniens ungemein gut charakterisiren. Sie befinden sich gleichfalls im Besitze Sr. Hoheit des Herzogs von Anhalt und werden hier, mit dessen hoher Erlaubniß, als wesentlicher Schmuck unsres Buches, wiedergegeben. Die übrigen Illustrationen, bei denen die Quelle stets angegeben ist, wurden den Werken von H. Salt, E. Rüppell, W. C. Harris, Bernatz, G. Lejean u. a. entlehnt. Schon in dem uns hier entgegentretenden Reichthum an gelungenen Holzschnitten ist uns ein vollständiges Bild des afrikanischen Alpenlandes geliefert, das in keinem hier in Betracht kommenden andern Werke reicher illustrirt zur Anschauung kommen dürfte. Das am Schlusse mitgetheilte Kärtchen endlich wird zur allgemeinen Orientirung über das besprochene Gebiet willkommen geheißen werden.Leipzig, im Juli 1868.Die Redaktion des „Buches der Reisen und Entdeckungen“.
Ein afrikanisches Alpenland, überreich an Schönheiten und Wundern der Natur, bewohnt von einem begabten Volke, das gleich uns zum kaukasischen Stamme gehört und mit den Negern nichts zu schaffen hat, eine an fesselnden Abenteuern reiche Folge von Reisen in dieses Land, endlich der Feldzug Englands gegen den eisernen, blutigenTheodor, der mächtig über Abessinien geherrscht, wie noch kein dunkelfarbiger König vor ihm – das ist es, was wir in diesem Bande des „Buches der Reisen und Entdeckungen“ den Lesern vorführen wollen.
Abessinien hat von jeher der gebildeten Welt ein großes Interesse eingeflößt und nicht etwa erst die neueste romantische Episode seiner Geschichte uns diese „unter die Tropen gerückte Schweiz“ näher geführt. Dort, in der muthmaßlichen Heimat des schwarzhäutigen der durch die Bibel eingeführten heiligen drei Könige, besteht ja noch, abgeschieden und vergessen von den abendländischen Glaubensgenossen, inmitten heidnischer und muhamedanischer Völker, ein christliches Reich; dorthin verlegte das Mittelalter auch den Staat des fabelhaften Erzpriesters Johannes, dort entspannen sich Glaubenskämpfe gegen den Islam, die an Heftigkeit und blutigen Greueln ihresgleichen suchen, dort mühten sich endlich unsere Missionäre bis in die neueste Zeit erfolglos ab, die Bevölkerung zu einem reineren Glauben zurückzuführen. Staatsumwälzungen, Bürgerkriege folgen im bunten Wechsel einander.
So erhebt sich vor unserem geistigen Blicke auf dem farbenreichen Hintergrund, den die Natur bietet, ein interessantes geschichtliches Bild, beginnend mit der sagenhaften Königin von Saba, endigend mit dem blutigenTheodor,[pg VI]und fesselt unser Interesse an denselben afrikanischen Boden, der, wenn man von Aegypten und den durch die Araber begründeten Reichen absieht, im Grunde eine eigentliche Geschichte nicht hat.
Nachdem der Verfasser die Erforschung Abessiniens von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage herab geschildert hat, führt er in den ersten vier Abschnitten Land und Leute in einem gedrängten Bilde vor, alles Wesentliche zusammenfassend, was über Geologie und Oberflächengestaltung, über die natürlichen Felsenfestungen und periodisch anschwellenden Ströme, jene Grundursache der Nilüberschwemmungen, was über die klimatischen Verhältnisse und die Vegetationsgürtel, über die Thierwelt jenes interessanten Gebietes gesagt werden kann. Dabei wandert das Volk an uns vorüber mit seinen guten Anlagen und seinem tiefen sittlichen Verfall, seinen verschiedenen Stämmen und Sprachen, Sitten und Gebräuchen. Handel und Industrie finden gleichfalls gebührende Berücksichtigung, nicht minder die religiösen Verhältnisse, das afrikanisch gefärbte Christenthum des Landes mit seiner byzantinischen Scheinrechtgläubigkeit und lasterhaften Priesterschaft. Die Missionsgeschichte, reich an Enttäuschungen und arm an Erfolgen, wird unparteiisch berichtet und dann mit einer Abhandlung über den Landbau und die sozialen Verhältnisse des Landes der allgemeine Theil beschlossen.
Nachdem der Leser dergestalt orientirt ist, kann er an der Hand der neuesten Reisenden das weite Land durchwandern; er lernt den Norden wie den Süden kennen, die brennendheißen Küstenstriche und die fieberschwangere, feuchte Kollaregion, hinauf bis zu den schneegekrönten, majestätischen Alpengipfeln.
Geleitet von solchen Forschern, deren Schilderungen zu den farbenprächtigsten gehören, die wir über jene fernen Gegenden besitzen, gewinnt der Leser alsobald die vorgeführten Persönlichkeiten um so lieber, je fesselnder deren oft überaus romantische Fahrten sind. Während die älteren Reisenden bereits früher besprochen waren, bieten wir in diesem Abschnitte einen Einblick in das verdienstvolle Wirken der neueren Ländererforscher. Wir lernen den geistreichen und kühnen FranzosenGuillaume Lejeankennen, durchstreifen an der HandWerner Munzinger’sund der Gefährten desHerzogs Ernst von Sachsen-Koburgdie nördlichen Grenzgebiete, die Länder der Bogos und Kunama, begleiten den deutschen Fürsten selbst auf seinen Pürschgängen und[pg VII]Elefantenjagden und werden schließlich durch den englischen MajorW. Cornwallis Harrisin die fast märchenhaft erscheinende Welt von Schoa, diesen südlichen Theil Abessiniens, eingeführt, wo in malerischen Einzelschilderungen das Hof- und Kriegsleben des NegusSahela Selassiéan uns vorübergeht.
Naturgemäß gipfeln die Mittheilungen in der Darstellung des heutigen Abessinien. Verfallen und zerrissen durch nimmer ruhende Bürgerkriege, zuckend und verblutend liegt es da. Wüst liegen die fruchtbaren Aecker und das geplagte Volk verkommt: da scheint ein Hoffnungsstrahl aufzudämmern! Gleich einem glänzenden Meteor steigt der mächtigeTheodor, der Sohn einer armen Kussohändlerin, am abessinischen Himmel auf. Noch einmal scheint es, als ob das altäthiopische Reich aus seinen Trümmern, aus Schutt und Moder wieder erstehen wolle. Doch der Glanz trügt, und nach Tagen blutiger Schrecken sinkt unter der überlegenen Macht der „rothhaarigen Barbaren“ auch der afrikanische Napoleon dahin, mit ihm sein Reich. Indessen nicht blos Schatten wirft die Regierungsgeschichte dieses unzweifelhaft bedeutenden Mannes; es sind Lichtpunkte genug in derselben zu finden, und der Verfasser hat sich bemüht, Licht und Schatten in gerechter Würdigung der Schwierigkeiten, die sich einem Reformator in der Eigenartigkeit von Land und Menschen jener fernen Gegenden entgegenstellen, billig zu vertheilen.
Was die Quellen, aus denen das vorliegende Buch geschöpft, betrifft, so wurde vonHiob Ludolfan bis aufTh. von Heuglin, sowie die Berichte der englischen Korrespondenten herab keine wichtige Publikation übersehen. Außer den angeführten Reisenden, deren Berichte im Auszuge wiedergegeben sind, wurden hauptsächlichJames Bruce,Henry Salt,Eduard Rüppell,Karl Wilhelm Isenberg,Ludwig Krapfund (für den zoologischen Theil)A. E. Brehmbenutzt.
Als ganz besonders werthvoll müssen wir die Originalabhandlung über dieAgrikultur AbessiniensvonEduard Zanderhier hervorheben. – Das Leben dieses deutschen Landsmannes haben wir im Texte geschildert. Für die Erlaubniß zur Veröffentlichung der genannten Arbeit ist der HerausgeberSr. Hoheit dem Herzoge Leopold Friedrich von Anhalt, in dessen Besitze sich das Original-Manuskript befindet, zu tiefgefühltem Danke verpflichtet. Die Kundgebung dieser zu Magdala im Jahre 1859 verfaßten Arbeit erfolgt[pg VIII]hier, mit Weglassung einer allgemeinen Einleitung, vollständig. Da jedoch unserm wackern Landsmanne nach längerer Abwesenheit vom Heimatlande der flüssige Gebrauch der deutschen Sprache abhanden gekommen war, so erschienen stylistische Aenderungen in seiner Darstellung unerläßlich, wie denn auch die Schreibart der Eigennamen mit der in vorliegendem Werke befolgten in Uebereinstimmung gebracht werden mußte.
In der Orthographie abessinischer Namen herrscht bekanntlich die größte Anarchie, ganz entsprechend jener, welche das Land zerrüttet; um ihr womöglich zu entgehen, schloß sich der Verfasser in seiner Rechtschreibung an diejenigen deutschen Reisenden an, welche von allen die meiste Uebereinstimmung zeigen und diesen Gegenstand am eifrigsten ihrer Aufmerksamkeit gewürdigt haben, nämlichK. W. IsenbergundTh. von Heuglin.
Zur ganz besonderen Freude gereicht es uns, mittheilen zu können, daß der bei Weitem größere Theil der Illustrationen dieses Werkes nach an Ort und Stelle aufgenommenen Originalen gezeichnet ist. Zwei Künstler, die das Land bereisten, haben dieselben geliefert:Robert Kretschmer, der den Herzog von Koburg als Maler begleitete, undEduard Zander, dessen werthvolle Federzeichnungen, weit über hundert an der Zahl, die landschaftlichen, architektonischen und ethnographischen Verhältnisse Abessiniens ungemein gut charakterisiren. Sie befinden sich gleichfalls im Besitze Sr. Hoheit des Herzogs von Anhalt und werden hier, mit dessen hoher Erlaubniß, als wesentlicher Schmuck unsres Buches, wiedergegeben. Die übrigen Illustrationen, bei denen die Quelle stets angegeben ist, wurden den Werken von H. Salt, E. Rüppell, W. C. Harris, Bernatz, G. Lejean u. a. entlehnt. Schon in dem uns hier entgegentretenden Reichthum an gelungenen Holzschnitten ist uns ein vollständiges Bild des afrikanischen Alpenlandes geliefert, das in keinem hier in Betracht kommenden andern Werke reicher illustrirt zur Anschauung kommen dürfte. Das am Schlusse mitgetheilte Kärtchen endlich wird zur allgemeinen Orientirung über das besprochene Gebiet willkommen geheißen werden.
Leipzig, im Juli 1868.
Die Redaktion des „Buches der Reisen und Entdeckungen“.
[pg IX]Inhaltsverzeichniß.SeiteEinleitung.Historischer Ueberblick und Geschichte der Erforschung Abessiniens.Mit 11 Illustrationen1Aethiops (2). – Die Königin von Saba (3). – Menilek und die salomonische Dynastie (3). Berührungen mit den Völkern des Alterthums (4). – Die Königsstadt Axum und ihre Ruinen (5). – Einführung des Christenthums (6). – Wechsel der Dynastie (8). – Die Invasion der Muhamedaner unter Granje (10). – Portugiesen und Jesuiten in Abessinien (11). – Ihre Vertreibung (12). – Zerfall des Reiches und Bürgerkriege (13). – Die Verfassung (18). – Erforschungsgeschichte (19). – Portugiesische Reisende (20). – Hiob Ludolf (21). – Bruce (22). – Salt und Pearce (23). – Hemprich und Ehrenberg (23). – Rüppell (23). – Tamisier und Combes (26). – v. Katte (26). – Schimper (26). – Aubert und Dufey (27). – Lefêbvre (27). – Gebrüder d’Abbadie (27). – Rochet d’Héricourt (28). – Beke (29). – Zander (30). – Sapeto (32). – Munzinger (32). – Lejean (33). – Die deutsche Expedition (33).Das Land, seine Pflanzen- und Thierwelt.Mit 14 Illustrationen35Begrenzung (35). – Das Hochland (36). – Geologie Abessiniens (36). – Der versteinerte Wald (39). – Heiße Quellen (40). – Oberflächengestaltung (40). – Natürliche Felsenfestungen (42). – Die Alpen Semiéns (42). – Charakter der Flüsse (46). – Ihr Anschwellen (46). – Ursachen der Nilüberschwemmungen (47). – Der Tanasee und der Abai (47). – Klimatische Verhältnisse (50). – Die Vegetationsgürtel (51). – Kola (51). – Woina Deka (56). – Deka (61). – Die niederen Thiere (62). – Vögel (65). – Säugethiere. Ihre Lebensweise, Nutzanwendung, Jagd (71).Das Volk, seine Sitten und Gebräuche, Handel und Industrie.Mit 9 Illustrationen85Physischer Charakter des Volks (85). – Die Juden oder Falaschas (86). – Muhamedaner (87). – Gamanten (88). – Heidnische Ueberreste (90). – Waito (90). – Die Sprachen Abessiniens (90). – Literatur und Malerei (93). – Charakter und Sittenlosigkeit der Abessinier (94). – Blutrache (95). – Justiz (96). – Aberglauben (97). – Das Verzehren von rohem Fleische (100). – Nahrungsweise (102). – Kleidung (103). – Krankheiten und Aerzte (103). – Industrie und Handel (106).Religion, Kirche und Geistlichkeit. Das Missionswesen.Mit 8 Illustrationen111Das Christenthum Abessiniens, dessen Lehren und Verwahrlosung (111). – Der Abuna (114). – Art des Gottesdienstes (120). – Die lasterhafte Geistlichkeit (122). – Mönche und Klöster (122). – Politische Asyle (123). – Zeitrechnung (123). – Feste (123). – Taufe, Ehe, Begräbniß (124). – Die Kirchen, ihre Einrichtung und Ausschmückung (126). – Die verschiedenen Missionsversuche in Abessinien, deren Mißlingen und Urtheile darüber (128).Der Ackerbau und die Viehzucht Abessiniens.Mit 5 Illustrationen139Die Kulturfläche Abessiniens (139). – Die Getreidearten, ihre Anpflanzung und Verwendung (141). – Gewürze, Gemüse, Wein, Baumwolle, Gescho (144). – Ernteertrag (146). – Nuk (146). – Einfelderwirthschaft (146). – Ackerwerkzeuge (147). – Regenzeit (148). – Bewässerung (148). – Soziale Stellung der Landleute (149). – Die Viehzucht (150). – Aussicht für europäische Ansiedelungen (153). – Die Regierung und der Grundbesitz (153). – Das Frohnwesen (153). – Steuern (153). – Wiesen und Moorgrund (154). – Bienenzucht (154). – Die Wohnungen der Landleute (155). – Die Mühlen Abessiniens (157).Massaua und die abessinische Küstenlandschaft.Mit 5 Illustrationen158Die Bedeutung des Rothen Meeres (158). – Der Dahlak-Archipel und die Perlenfischerei (160). – Die Stadt Massaua und ihre Bewohner (162). – Sklavenhandel (164). – Die Cisternen (166). – Der Markt (167). – Karawanenhandel mit Abessinien (167). – Die Bai von Adulis (168). – Schoho und Danakil (170). – Die Samhara (171). – Eine abessinische Karawane (172). – Der Tarantapaß und Halai (174).G. Lejean’s Reise durch Abessinien.Mit 10 Illustrationen176Metemmé (177). – Der Markt Wochni (178). – Grenzwächter (178). – Eine abessinische Festung (180). – Eine deutsche Familie (182). – Das Land am Tanasee (182). – Schnapphähne (184). – Missionsstation Gafat (185). – Gefangennahme Lejean’s durch König Theodor (187). – Theodor’s Löwen (187). – Gondar und seine Bauten (188). – Wasserfall des Reb (192). – In einem Kloster (194). – Besuch in Korata (195). – Binsenflöße (198). – Besteigung des hohen Guna (200). – Fünf Frauengenerationen (200). – Befreiung (202). – Hochebene Wogara (202). – Lamalmon-Paß (203). – Reise durch Tigrié nach Massaua (204).Reisen in den nördlichen und nordwestlichen Grenzländern von Abessinien.Mit 4 Illustrationen207Das Land der Mensa und Bogos (207). – Reise des Herzogs Ernst (208). – Monkullo (209). – Labathal (209). – Plateau von Mensa (210). – Das Volk der Mensa (211). – Ausflug nach Keren (212). – Elephantenjagd (214). – Rückkehr (216). – Munzinger über die Bogos (217). – Geschichtliches (217). – Ein aristokratisches Volk (218). – Rechtsverhältnisse (218). – Aberglauben (219). – Das Christenthum der Bogos (219). – Der Marebfluß (221). – Die demokratischen Bazen und Barea (220).Schoa und die britische Gesandtschaft unter Major Harris.Mit 9 Illustrationen224Begrenzung (224). – Englische Gesandtschaft unter Harris (225). – Tadschurra (225). – Zug durch die Adalwüste (226). – Salzsee (227). – Mord im Thale Gungunté (228). – Versammlung der Eingeborenen (230). – Sklavenkarawane (232). – Myrrhen (233). – Der Hawasch (234). – Der Grenzdistrikt (234). – Alio Amba, ein Marktort (236). – Empfang beim Könige Sahela Selassié (240). – Die Hauptstadt Ankober (242). – Debra Berhan, die Sommerresidenz (245). – Sklavendepot (246). – Truppenrevue (246). – Angollala (249). – Schlucht der Tschatscha (250). – Medoko, der Rebell (252). – Das Gallavolk (252). – Kriegszug gegen dasselbe (258). – Siegesfest (260). – Abschluß des Handelsvertrags (262). – Rückkehr (263).Theodoros II., Negus von Aethiopien.Mit 6 Illustrationen264Bewegte Jugend (264). – Der Emporkömmling (265). – Schlacht von Debela und Königskrönung (266). – Rebellenkriege (267). – Reformen (272). – Abessinische Heere und Kriegspraxis (275). – Verwickelungen mit den Missionären (280). – Gefangennahme Cameron’s und Streitigkeiten mit England (281). – Magdala (284). – Beginn der englischen Invasion (287). – Erstürmung von Magdala und Tod Theodor’s (293). – Rückzug der Engländer (297).Die hierzu gehörigen Tonbilder sind einzuheften:König Theodoros, Audienz ertheilendTitelbild.Teiit, Partie von Totscha in SemiénSeite 43Charakter des Hochgebirges Awirr in Semién" 49Herzog Ernst von Sachsen-Koburg-Gotha auf der Jagd in Mensa" 215Im Lager des Negus. Priester und Krieger" 276Innerer Theil der Bergfeste Magdala. Südliche Ansicht" 286