15.

In dem nächsten Briefe klingt in bemerkenswerther Weise aus Johanna's durch und durch christlichem Gemüthe eine ergebungsvolle Stimmung heraus, das Gefühl, daß wir auf Erden schon Bürger des Himmels seien, in welchem erst unsere wahre und ewige Heimath sei. So schreibt auch später, gegen Ende des Jahres 1806, Fichte aus Königsberg an seine Gattin: »Ich habe meine Entschiedenheit für das Leben, die in meinem Innern nie zweideutig war, nun auch äußerlich realisirt. Du bist der Erde ohnedies abgestorben, wie das Weib mag, der Mann nie darf noch soll. Du wirst mit dem bescheidenen Platze, den ich mir behalten habe in der letztern, vergnügt sein« (I, 371).Als äußerliche Veranlassung zur Offenbarung dieser Denkart in diesem Briefe müssen wohl die bis zu gewaltsamen Angriffen gehenden Anfeindungen und Beleidigungen betrachtet werden, mit denen Fichte von den Ordensverbindungen der Studenten verfolgt wurde, die er als die Quellen vielfacher Unsittlichkeit erkannt und darum veranlassen wollte sich aufzulösen.

In dem nächsten Briefe klingt in bemerkenswerther Weise aus Johanna's durch und durch christlichem Gemüthe eine ergebungsvolle Stimmung heraus, das Gefühl, daß wir auf Erden schon Bürger des Himmels seien, in welchem erst unsere wahre und ewige Heimath sei. So schreibt auch später, gegen Ende des Jahres 1806, Fichte aus Königsberg an seine Gattin: »Ich habe meine Entschiedenheit für das Leben, die in meinem Innern nie zweideutig war, nun auch äußerlich realisirt. Du bist der Erde ohnedies abgestorben, wie das Weib mag, der Mann nie darf noch soll. Du wirst mit dem bescheidenen Platze, den ich mir behalten habe in der letztern, vergnügt sein« (I, 371).Als äußerliche Veranlassung zur Offenbarung dieser Denkart in diesem Briefe müssen wohl die bis zu gewaltsamen Angriffen gehenden Anfeindungen und Beleidigungen betrachtet werden, mit denen Fichte von den Ordensverbindungen der Studenten verfolgt wurde, die er als die Quellen vielfacher Unsittlichkeit erkannt und darum veranlassen wollte sich aufzulösen.

Jena d. 8. Aprill 1795.

Theurer Bruder!

Schon lange wollt ich Ihnen schreiben, schon lange einliegendes schiken; und immer, und immer gabs Hindernisse: Sie sind eine gar zu gute Seele, da Ihnen mein Geschreibsel angenehm sein kann; freuen thut's mich freylich; da ich mich nun ganz treuherzig hinsezen kann, wenn ich Ihnen schreibe; da ich denken darf, der gute Bruder versteht Dich schon, wie du es meinst, daß ichs gut mit Ihnen meine, das weiß ich, das sagt mir mein Herz, daß Sies aber auch gleich so einsehen, das macht Ihnen Ehre.

Mein Lieber Mann, wird in ein paar Tagen, zuPastorBischoff reisen, um wie erhoft, sich zu erholen, und um zu arbeiten; damit er künftig Sommer nicht so stark arbeiten müsse; ich bleibe bey meinem Vatter, welcher sich nicht ganz wohl befindt, und der Haushaltung, welche man nicht gut allein laßen kann; auch muß verschiedenes im Hause ausgebeßert, und verändert werden; so siehts nun bey uns aus Lieber Bruder; was man im ganzen inJenafür eine Art zu leben führt, werden Sie einst selber sehn; es ist wie überhaubt in der Welt, häußliches Glück, können wir unsnur selber schaffen, Stöhrungen von außen, muß man sich nicht laßen zu Herzen gehn; dies ist auch hier höchst nothwendig; so geht ein Jahr, nach dem andern hin, bis wir am Ziehle unsrer Laufbahn hienieden sind; wohl uns, wenn wir viel Gutes, und nicht Böses thaten.

Ich freue mich, daß Sie so Muthvoll, Ihre Zeit, (ich hoffe, und wünsche daß sie nicht mehr lange daure) ausharren; wir wollen uns nachher mit Ihnen drüber freun.

Mein guter Vatter, und Mann grüßen Sie herzlich, Leben Sie wohl, und errinnern Sie Sich dann und wann Ihrer Schwester

Johanna Fichte.

Aufschrift:Herrn Fichte:bei dem Herrn Con RektorThieme.inMeissen.Inliegend ein Friedrichd'Or(Nur: »Herrn Fichte« von Johanna's Hand.)Die erwähnten Mißhelligkeiten bewogen Fichte, Jena auf einige Zeit zu verlassen und den Sommer in Osmannstädt zuzubringen (I, 260); darauf beziehen sich die folgenden Briefe, von denen der erste der Zeitangabe ermangelt.

Aufschrift:

Herrn Fichte:bei dem Herrn Con RektorThieme.inMeissen.Inliegend ein Friedrichd'Or

Herrn Fichte:bei dem Herrn Con RektorThieme.inMeissen.

Inliegend ein Friedrichd'Or

(Nur: »Herrn Fichte« von Johanna's Hand.)

Die erwähnten Mißhelligkeiten bewogen Fichte, Jena auf einige Zeit zu verlassen und den Sommer in Osmannstädt zuzubringen (I, 260); darauf beziehen sich die folgenden Briefe, von denen der erste der Zeitangabe ermangelt.

Theurer Bruder!

Wir werden wahrscheinlich diesen Sommer auf dem Lande Leben, und Sie werden denn zu uns kommen, worauf ich mich herzlich freue; ich werde Ihnen so bald möglich dasbestimmtere drüber schreiben. Leben Sie wohl! In Eyl Ihre Schwester

Jo. Fichte nee Rahn

Aufschrift:HerrnFichte:Bey demH: Conrector ThiemeinMeissen.Einliegend einenFriedrichs'dor:

Aufschrift:

HerrnFichte:Bey demH: Conrector ThiemeinMeissen.Einliegend einenFriedrichs'dor:

HerrnFichte:Bey demH: Conrector ThiemeinMeissen.

Einliegend einenFriedrichs'dor:

Jena, d. 27. April. 1795.

Da ich durch eine Veranlaßung, worüber mündlich, diesen Sommer frei bekomme, und ihn auf dem Lande zubringen werde, habe ich mich entschlossen, Dich zu mir zu nehmen. Komm daher, sobald Du willst, und kannst. Wenn Du über Leipzig, und Naumburg reisest, so brauchst Du gar nicht nach Jena, sondern hast von Naumburg aus überAuerstedtzu reisen, und da nach dem DorfeOßmannstedtzu fragen, welches zwischenAuerstedtundWeimaran der Straße, wie man mir sagt, liegt. In Oßmannstedt auf dem Schloße trifst Du mich. Ich habe daßelbe, welches sehr schön ist, und in einer angenehmen Gegend liegt, für diesen Sommer gemiethet. Da ich Dich bald zu sprechen hoffe, so halte ich nicht für nöthig, Dir noch irgend etwas zu schreiben, wozu ich ohnedies jezt nicht Zeit hätte.

Ich bin jezt selbst mit meiner Caße etwas dürftig eingerichtet. Ich hoffe daher, daß die inliegenden 2. Dukatenhinlänglich seyn werden, um Dir das nöthige zu Deinem Abgange vonMeisenzu verschaffen, und um damit die Reise anher zu machen.

Lebe wohl. Es wird sich sehr freuen Dich zu sehen

DeinDich liebender BruderF.

Aufschrift:HerrnFichte:inMeissenHierin 2. DucatenAuf einer leeren Seite des 17. Briefes befindet sich ein Herzenserguß Gotthelf's, der in merkwürdiger Art beweist, wie Fichte seinen Bruder von Anfang an nur allzu richtig beurtheilt hatte, als er in seine ausreichende Entwicklungsfähigkeit einigen Zweifel setzte – ein Mißtrauen, dessen Richtigkeit sich bestätigt hatte, als der Professor den Schüler persönlich prüfte. (In welchem Monat Gotthelf nach Osmannstädt kam, ist nicht angegeben.)

Aufschrift:

HerrnFichte:inMeissenHierin 2. Ducaten

HerrnFichte:inMeissen

Hierin 2. Ducaten

Auf einer leeren Seite des 17. Briefes befindet sich ein Herzenserguß Gotthelf's, der in merkwürdiger Art beweist, wie Fichte seinen Bruder von Anfang an nur allzu richtig beurtheilt hatte, als er in seine ausreichende Entwicklungsfähigkeit einigen Zweifel setzte – ein Mißtrauen, dessen Richtigkeit sich bestätigt hatte, als der Professor den Schüler persönlich prüfte. (In welchem Monat Gotthelf nach Osmannstädt kam, ist nicht angegeben.)

Das Glück ist sehr veränderlich. Als ich diesen Brief von meinem Bruder erhielt, so schätze ich mich für außerordentlich glüklich und dachte, von nun an sey mein Glük so fest gegründet, daß es gar nicht mehr wanken könnte. Und siehe! – nie wankte es mehr als eben da, denn dieses war der Anfang, zu meiner jetzigen mißlichen Lage: wäre ich nicht so zeitig aus Meißen weg gekommen, so hätte wohl etwas mit mir werden können. Ich hätte alsdann doch die Lateinische Sprache so ziemlich gelernt gehabt, hätte auch einen Anfang in der Französischen, und vielleicht auch in derGriechischen gemacht gehabt, wäre zu einer weit gelegenern Zeit zu meinem Bruder gekommen, als ich so zu ihm kam, er hätte vielleicht, wenn er vom Anfang an eine bessere Meinung für mich gefaßt gehabt hätte, mich nicht so kalt behandelt, und ich wäre also auch nicht genöthigt gewesen, mich gegen ihn zurükzuhalten, und also hätte die Sache vielleicht ganz anders gehen können, als sie leider jetzt geht. Indessen ist es nun einmal nicht anders, und ich wenigstens kann die Sache nicht ändern, ich habe auch die Teufeleien nicht vorher sehen können. Gute Nacht.

Fichte.

Was Gotthelf hier noch zu seiner Entschuldigung anführt, hat um so weniger Grund, als er ja, wie aus den vorigen Briefen vielfach ersichtlich ist, selbst die Zeit nicht hatte erwarten können, wo er Meißen verlassen und nach Jena kommen durfte. Der trotz des bittern Ernstes fast komische Schluß aber bekundet doch den Humor und die ausreichende »Seelenstärke« (vgl. oben den 8. Brief), womit er die Enttäuschung zu ertragen und sich in einen andern Wirkungskreis zu finden vermochte. Dasselbe bezeugt der folgende Brief, der anderseits einen Beweis liefert, mit welchem Geschicke J. Gottlieb Fichte auch praktische Dinge zu behandeln wußte und mit welcher Energie er einige bei seinem Aufenthaltswechsel eingetretene Mißverhältnisse ordnete.

Was Gotthelf hier noch zu seiner Entschuldigung anführt, hat um so weniger Grund, als er ja, wie aus den vorigen Briefen vielfach ersichtlich ist, selbst die Zeit nicht hatte erwarten können, wo er Meißen verlassen und nach Jena kommen durfte. Der trotz des bittern Ernstes fast komische Schluß aber bekundet doch den Humor und die ausreichende »Seelenstärke« (vgl. oben den 8. Brief), womit er die Enttäuschung zu ertragen und sich in einen andern Wirkungskreis zu finden vermochte. Dasselbe bezeugt der folgende Brief, der anderseits einen Beweis liefert, mit welchem Geschicke J. Gottlieb Fichte auch praktische Dinge zu behandeln wußte und mit welcher Energie er einige bei seinem Aufenthaltswechsel eingetretene Mißverhältnisse ordnete.

Jena, d. 14. November. 95.

Deine Gesinnung, mein lieber Bruder, die in Deinem Briefe sich zeigt, freut mich, und ich wünsche Dir von Herzen Glük dazu. Auch ist es mir sehr angenehm, daß diejenigen, die Dich umgeben, gleichfals in die Lage sich geschikt haben.

An sich – ich gestehe es Dir aufrichtig – sehe ich auchdabei kein Unglük, wenn Du Soldat würdest; es versteht sich auf einige Zeit. Wenn Du Dich appliciertest, könntest Du eine Unter Offizier, eine Fourier Stelle, u. s. w. erhalten: (nur wäre dabei zu wünschen, und nöthig, daß Du eine beßere festere Hand schriebest.) Auch dieser Stand giebt eine eigne Bildung, eine eigne Bearbeitung, eine Gefügigkeit in die Welt, die Dir besonders, so wie ich Dich kenne, sehr nüzlich seyn würde. Da aber allerdings dadurch Dein anderweitiger Plan aufgehalten würde, und was die Hauptsache dabei ist, da Du eine Abneigung gegen diesen Stand hast, so billige ich auch die Weise, wie Du Dich davon befreien willst. Ich würde Deinen Brief noch eher beantwortet haben, wenn nicht die Ueberlegung, ob ich Dir mit Vernunftjetzodie begehrten 30. Rthr schiken könnte, mich einige Zeit aufgehalten. Meine Lage ist die: Ich habe zwar eine gute Einnahme gehabt; aber durch Vergeßlichkeiten war eine solche Unordnung in meinem Hause eingerißen, daß ich an100 rthlr.Schulden habe bezahlen müßen,auf die ich nicht gerechnet, und von denen ich kein Wörtleingewußt; überhaupt, daß ich seit 14. Tagen über 200 rthr. Schulden bezahlt habe. Bedenke selbst welche Unordnung besonders der erste Umstand in einer Haushaltung verursacht, in der ich schlechterdings, es koste was es wolle, von nun an strenge Ordnung haben will. So unbedeutend nun 30. rthr. an sich mir seyn mögen, so sehe ich doch nicht mit Sicherheit vorher, daß ich sie, bis ich wieder Geld bekomme

* * *

Ich hatte den Brief so weit geschrieben, als mir eine unerwartete Schuld einging, die jenesdeficitersezt und michin den Stand sezt, Deinem Begehren selbst zu willfahren. Ich mag den Brief nicht umschreiben; und so mag denn der Anfang stehen bleiben, um Dir einen Beweiß zu geben, daß Du nicht etwa unbedachter Weise auf mich rechnest. Ich wollte Dir rathen, die 30. thr. in Deiner Gegend, auf mein Wort zu borgen; allenfalls auch auf einen Wechsel von mir, zahlbar zur Jubilate-Messe. Ich kann es jezt baar schicken; und so ist es besser.

Aber so erneure ich denn auch meine Versicherung, daß auf mich gar nicht zu rechnen ist. Habe ich etwas übrig, so kann ich es dann wohl zum Vortheil der Meinigen anwenden; aber mein eignes Hauswesen in Unordnung bringen, oder mich in Schulden steken, das thue ich jezt, und in Ewigkeit nicht. –

Ich hoffe, daß der Hauskauf schon gemacht ist. Mit der Werbung wird es nun wohl auch nicht mehr so große Noth haben, weil Sachsen Friede geschlossen hat.

Ein Wink, den Du mir über die Lage der Unsrigen giebst, betrübt mich: ärgert, und empört mich. Ich kann diese zanksüchtigen Menschen recht herzlich haßen. Es bleibt dabei, daß ich künftigen Herbst meinen Vater zu sehen hoffe, sehr darauf mich freue den lieben, guten, würdigen zu sehen: aber ich werde nie über eine Schwelle treten, innerhalb welcher es solche Menschen giebt.

Der Deinige

Fichte.

N. Sch. Ich denke Dir dieses Geld keineswegs zuschenken; sondern ich denke es Dir nur zu borgen: und es mag auf dem Hause, unter uns, stehen bleiben.

Beantworte mir doch nach genauer Erkundigung folgende Fragen: Sind bei Euch auf gute Art, und wohlfeil liegende Gründe zu erkaufen: z. B. Bauergüter, die von Hofdiensten frei gemacht werden könnten; oder beträchtliche Stüke von den herrschaftl. Gründen: Wir möchten es, um gewißer Ursachen Willen, gern wißen.

Meine Frau grüßt Dich herzlich; und dankt für Deinen Brief.

Aufschrift:An HerrnSamuel Gotthelf FichteinRammenau b. BischofswerdaüberLeipzigu.Dresden.Inliegend 5 StückCarolin.Die beigegebenen rührenden Zeilen Johanna's nehmen Bezug auf den am 29. Sept. erfolgten Tod des Vaters Hartmann Rahn.

Aufschrift:

An HerrnSamuel Gotthelf FichteinRammenau b. BischofswerdaüberLeipzigu.Dresden.Inliegend 5 StückCarolin.

An HerrnSamuel Gotthelf FichteinRammenau b. BischofswerdaüberLeipzigu.Dresden.

Inliegend 5 StückCarolin.

Die beigegebenen rührenden Zeilen Johanna's nehmen Bezug auf den am 29. Sept. erfolgten Tod des Vaters Hartmann Rahn.

Ich kann doch den Brief meines Lieben Mannes nicht abgehen lassen, ohne Ihnen auch zu schreiben. Ich freue mich herzlich, daß Sie so glüklich angekommen sind, daß Sie alle Lieben so wohl fanden; und Ihr lieber Brief an mich, voll wahrer Lebensweisheit ist; Sie haben den wirklichen Punkt gefunden, um in der Welt glüklich zu seyn, halten Sie ihn ja fest, denn ohne diesen einzigen wahren Gesichtspunct, können wir nie glüklich sein.

Ich bin ziemlich wohl; aber der Verlust meines theuren, redlichen, mir unvergeßlichen Vatters, macht mich sehrbetrübt; ich fühl auch besonders izt, seinen ganzenWerth, den ganzen Umfang seines edlen Herzens; wie grenzenlos Er mich liebte, was Er für ein herrlicher Mann war; wie oft sagte Er zu mir; ach wüßt ich nur was zu erfinden, um dem guten Fichte, ein glükliches Schiksahl, zu machen; auch hatte er mancherley Pläne, ihrenthalben entworfen, aber der Tod rafte ihn weg. Er wird nicht wieder zu uns kommen, zu ihm aber kommen wir. Das ist auch der einzige Gedanke, welcher mich einigermasen tröstet; und die freudige Ueberzeugung, daß ihm izt unaussprechlich wohl ist; Daß er nun schon so manches weiß, was wir nur hoffend glauben; daß seine Seele, erlößt von der gebrechlichen irdischen Hülle, nun ganz andre Vortschritte macht; was mag das für eine Freude gewesen sein, als er meine theure Edle Mutter wieder fand, die hatte auch ein Herz, wie man nur sehr wenige findt; auch nahm sein Verlangen nach ihr, mit dem Tode sehr zu, es war gleichsam, eine Vorempfindung, daß Er sie nun bald sehen werde. Ach theurer, Lieber Bruder laßen Sie uns Edel und groß sein, und im Guten, immer stärkere Vortschritte machen, damit wir auch zu diesen Edlen kommen. Gott sey mit Ihnen! Es liebt Sie von ganzem Herzen,

Ihre Schwester

Johanna Fichteg.Rahn

Tausend herzliche Grüße, an die lieben Eltern, und Geschwister, mögen Sie Alle recht glüklich und braf sein.

Es folgen nun der Zeit nach eine Reihe von Briefen vom 8. Juni 1797 bis zum 9. December 1798 an den Bruder Gotthelf, diehauptsächlich auf Geldverhältnisse und Geschäftssachen sich beziehen, da Gotthelf und Gottlob ein Haus gekauft hatten und darin die Bandweberei betrieben, wozuJohann GottliebFichte ihnen verschiedene Geldsummen schickte, wofür er sich einen Gewinnantheil ausbedungen hatte. Namentlich wollte er, daß davon seinem unermüdet thätigen Vater Etwas zu Gute kommen sollte. Von anderen seiner Verwandten scheint Fichte mitunter in nicht ganz zarter und bescheidener Weise in Anspruch genommen worden zu sein, so daß er ihnen zuweilen etwas derbe Zurück- und Zurechtweisungen ertheilt.Beachtenswerth ist vorzüglich, wie eingehend Fichte sich nach den Specialitäten des Geschäfts erkundigt, die wandelbaren Werthe der verschiedenen Geldsorten in Anschlag bringt u. s. w., und wie er, der Philosoph, seinen Brüdern, den Geschäftsmännern, vielfach Rathschläge giebt. Man wird dabei an das Wort erinnert, daß der Philosoph auch der beste Schuster sein würde, sofern er nämlich prüft und entdeckt, worauf es ankommt, und also jede Sache, die er in Angriff nimmt, mit Verständniß und mit Erkenntniß des Zweckes behandelt.Ich theile aus diesen Briefen nur mit, was als irgendwie charakteristisch von wirklich allgemeinerem Interesse sein kann, indem ich das rein Geschäftsmäßige und Kaufmännische übergehe und durch Punkte andeute.

Es folgen nun der Zeit nach eine Reihe von Briefen vom 8. Juni 1797 bis zum 9. December 1798 an den Bruder Gotthelf, diehauptsächlich auf Geldverhältnisse und Geschäftssachen sich beziehen, da Gotthelf und Gottlob ein Haus gekauft hatten und darin die Bandweberei betrieben, wozuJohann GottliebFichte ihnen verschiedene Geldsummen schickte, wofür er sich einen Gewinnantheil ausbedungen hatte. Namentlich wollte er, daß davon seinem unermüdet thätigen Vater Etwas zu Gute kommen sollte. Von anderen seiner Verwandten scheint Fichte mitunter in nicht ganz zarter und bescheidener Weise in Anspruch genommen worden zu sein, so daß er ihnen zuweilen etwas derbe Zurück- und Zurechtweisungen ertheilt.

Beachtenswerth ist vorzüglich, wie eingehend Fichte sich nach den Specialitäten des Geschäfts erkundigt, die wandelbaren Werthe der verschiedenen Geldsorten in Anschlag bringt u. s. w., und wie er, der Philosoph, seinen Brüdern, den Geschäftsmännern, vielfach Rathschläge giebt. Man wird dabei an das Wort erinnert, daß der Philosoph auch der beste Schuster sein würde, sofern er nämlich prüft und entdeckt, worauf es ankommt, und also jede Sache, die er in Angriff nimmt, mit Verständniß und mit Erkenntniß des Zweckes behandelt.

Ich theile aus diesen Briefen nur mit, was als irgendwie charakteristisch von wirklich allgemeinerem Interesse sein kann, indem ich das rein Geschäftsmäßige und Kaufmännische übergehe und durch Punkte andeute.

Jena, d. 8. Jun. 97.

Lieber Bruder,

Ich trug Bedenken, Dir das Geld geradezu durch die Post zu übersenden, weil ich das ungeheure Porto fürchtete, und wollte deswegen sehen, ob es etwa durch Wechselbriefe zu übermachen wäre. Ich erfahre so eben auf meine Nachfrage auf der hiesigen sächß. Post, daß

50. Carolins, oder 300 rthr. Sächsisch,

als soviel ich hierdurch übersende, nicht mehr als 30. bis 32. Gr. Porto machen, und dies halte ich denn doch fürKleinigkeit, und trage kein Bedenken, auch diese Unkosten zu verursachen.

Ich erwarte mit umlaufender Post den Empfangsschein, weil ich nicht weiß, wie viel der kleinen Nebenpost, durch die das Geld zu erhalten ist, zuzutrauen werde.

Ich erwarte die Auszahlung von 4. pro Cent, welche ich selbst an meine Frau, deren Schwester dieses Geld gehört,aus meinem Beutel bezahle – abgeredeter Maassen an meinen Vater, als eine kleine Pension–ganz allein zu seiner eigenen Erleichterung bei seinem Alter;besonders, daß er nicht mehr so schwere Lasten trage.

Du, und Bruder Gottlob steht mir für dieses Geld; und icherwarte darüber des nächstens eine Verschreibung eures Vermögens; insoweit es dafür nöthig ist. Der Schein wird ausgestellt nicht auf 300. thlr. sächsisch, weil dieser Werth wandelbar ist, sondern auf 50. Stük neue französischeLouisd'or. – Der Schein wird aufjährige Aufkündigunggemacht.

Ihr verwendet dieses Geld so, daß es so viel möglich auch meinen übrigen Brüdern mit zu Nutz komme: – es versteht sich, daß dies, da ihr beide allein mir dafür steht, nach eurer eignen Einsicht geschieht. – ... ...

So viel über dieses Geschäft. Was den übrigen Inhalt Deines Briefs anbetrift, so wäre darüber viel zu sagen. Was darin unsere Mutter anbetrift, hat mich gerührt; und ich beklage die gute Frau. Gott, der ein anderes Gericht führt, als wir, wird ihr vergeben. Was Du von denübrigen Gliedern unserer Familie, den Vater, und Dich ausgenommen, sagst, hat mich befremdet. Diese drolligen Geschöpfe haben also geglaubt, daß ich, nach ihrem ehemaligen niederträchtigen Betragen gegen mich, noch Pflichten gegen sie hätte, über deren BeobachtungsieRichter wären, und nach denselben mich beurtheilen dürften? Daß ich jetzt durch meinen Besuch diese Pflichten gegen sie erfüllt habe, und daß nunmehr erst sieihreNiederträchtigkeitmirverzeihen könnten? und Du, mein besserer, und wie ich glaubte, vernünftigerer Bruder, trägst kein Bedenken, mir dies zu schreiben, als ob Du halb, und halb derselben Meinung zugethan wärest?

Grüsse mir herzlich den Vater, und lebe wohl.

Dein treuer Bruder

J. G. Fichte.

... ... ...

Indem ich den Brief schliessen will, fällt mir ein, daß es doch sichrer ist, ihn anderwärts hin, als nach Rammenau, zu addressiren; und ich schike ihn daher durch Einschlag an Bursche zu Pulßnitz.

Das Specielle, was Fichte's Mutter betrifft, ist nirgends genau bezeichnet und kann deshalb nicht aufgeklärt werden. Nach einer Stelle am Schlusse des Briefes muß Fichte einige seiner Verwandten besucht haben; die folgenden Briefe aber lehren, daß er in Rammenau nicht gewesen ist.Der nächste Brief ist nach dem bezeichneten Alter seines Sohnes, der am 18. Juli geboren wurde, vielleicht an demselben 11. October 1797 geschrieben, wie derandes Kindes Pathen Johann Erich von Berger gerichtete (II, 479), oder doch an einem der nächsten Tage.

Das Specielle, was Fichte's Mutter betrifft, ist nirgends genau bezeichnet und kann deshalb nicht aufgeklärt werden. Nach einer Stelle am Schlusse des Briefes muß Fichte einige seiner Verwandten besucht haben; die folgenden Briefe aber lehren, daß er in Rammenau nicht gewesen ist.

Der nächste Brief ist nach dem bezeichneten Alter seines Sohnes, der am 18. Juli geboren wurde, vielleicht an demselben 11. October 1797 geschrieben, wie derandes Kindes Pathen Johann Erich von Berger gerichtete (II, 479), oder doch an einem der nächsten Tage.

Mein lieber Bruder,

Ich habe bis jezt so viel Arbeit gehabt, daß ich nicht habe schreiben können. Deiner Bitte um Geld konnte ich nicht willfahren, weil ich das verlangte nicht entbehren konnte. Ich habe das Haus, das ich in Jena bewohnte, und welches Du kennst, gekauft. Das kostet mehr, als das Deinige. Nun ist das zwar nicht von meinem, sondern von meiner Frau Gelde geschehen: aber theils habe ich Vorschüsse machen müssen: theils lasse ich auch fortgesezt darin bauen, und dies geht von meinem Gelde. Da kannst Du nun berechnen, ob viel baares Geld bei mir seyn mag. Ferner, habe ich diesen Sommer Kindtaufe gehabt. Ja: es ist mir ein herrlicher, gesunder, starker Knabe gebohren, der jezt in die 13. Woche geht. Sage das unsern guten Eltern, die ich dadurch zu GroßEltern gemacht habe.

Ueber eine Reise nach Hause habe ich hin und her gedacht: aber es ist nicht möglich gewesen.Zeitist mir das edelste Gut, und ich konnte ihrer für diesmal nicht so viel verlieren, als dazu gehört hätte.Gewiß versprochenhabe ich es nicht. – Ich hoffe, es künftige Ostern möglich zu machen. Vertröste den guten, trefflichen Vater. Gewiß werde ich ihn sehen, und mehrmals, hoffe ich, sehen. Meine Frau will sich's nicht ausreden lassen, mich, mit ihrem Kinde, zu begleiten. Ich gestehe, daß ich dies in mancher Rüksicht nicht gern sehe; und auch das hat mich bisher abgehalten.

Ferner ist solch eine Reise unter hundert, und mehr Thalern nicht gemacht und auch diese habe ich nicht so geradezuzu verlieren. Die glückliche Zeit ist vorbei, da ich meinen Stab nahm, und zu Fusse ging, durch die weite Welt. Jezt bin ich allenthalben gefesselt.

Lebe recht wohl.

Dein treuer BruderF.

Jena, d. 2. Jänner 1798.

Lieber Bruder,

Meine Frau hat es sich nicht wollen nehmen lassen, an unsern guten Vater zu schreiben. Es ist beiliegender Brief, den ich durch Dich überschike.

Es wundert uns nicht wenig, daß wir die Papiere über das übersendete Geld, die nach wenigen Wochen folgen sollten, nicht erhalten haben.

Br. Christian hat mir abermals geschrieben. Sein Brief traf zu einer Zeit ein, da ich ihm nicht antworten konnte, weil ich keine Zeit hatte. Auch jetzt habe ich sehr wenig Zeit: ich bitte alsoDich, ihn zu benachrichtigen,daß es gänzlich ausser meiner Macht liege, ihm in seinem Begehren zu willfahren, und daß er eine völlig unrichtige Vorstellung von meiner Lage zu haben scheine.

Wie geht es euch allen, und wie geht es besonders Dir, und Bruder Gottlob bei eurem Unternehmen geht; ob ihr Hofnung habt, etwas vor euch zu bringen? – ob ihr auch dem Vater das accordirte gebt, und ob es ihm in der Thatzu einiger Erleichterung dient? Besonders auf das letzte wünsche ich eine bestimmte Antwort.

Lebe recht wohl.

Dein treuer BruderF.

Jena, d. 21. August. 98.

Mehrere Gründe haben mich verhindert, Deinen Brief früher zu beantworten. Ich hoffe, daß es jezt mit euerm Unternehmen besser geht. Daß Ihr den Vater mit hineingezogen, ist mir nicht ganz recht. Er hat nun gesorgt, und gearbeitet genug, und meine Absicht war nicht, daß die kleine Pension, die ich ihm zu geben vermochte, als ein Theil des Handelscapitals betrachtet würde, sondern daß er sie in guter Musse genösse.

Nehmt euch ja in Acht, daß das Kapital nicht schwindet. Es gehört, wie ich mehrmals gesagt, nicht mein; auch nicht einmal meiner Frau, sondern einer armen unverheiratheten Schwester derselben. Ich würde es ersetzen müssen, und, wenn ich auch nicht sonst Ursache hätte, bedächtig mit dem meinigen umzugehen, schon dadurch in die Unmöglichkeit versezt werden, euch weiter zu unterstützen.

Aber ich habe Ursache, die Zeiten des Wohlstandes behutsam zu nutzen. Meine Besoldung ist so gering, daß ich durch sie kaum Holz und Licht bestreiten kann. Ich muß von meiner Arbeit leben; und daß diese mir etwas eintrage, hängt von dem Flor dieser Universität ab. Dieser aber könnte in ein paar Jahren ganz sinken, denn schon jezt hatder Kaiser von Rußland alle seine hier studirenden Unterthanen, deren Anzahl sich bis in die 80. belief, zurükberufen, und es ist zu fürchten, daß andere Regierungen diesem Beispiele folgen.

Wenn einer von euch etwas vom Landbaue verstünde, so würde ich ihn zu mir nehmen und mir Ländereien ankaufen. So könnte ich es etwa mit der Zeit zum Besitze eines Rittergutes bringen. Aber auch dies kann ich vor der Hand nicht, weil ich nicht weiß, ob ich noch lange in diesen Gegenden bleiben werde. Ich habe nemlich Vocationen, die annehmbar sind, wenn Jena in Verfall kommt; bei denen ich mich aber verschlimmere, wenn die Lage bleibt, wie sie jezt ist. Kurz, mein ganzer Zustand ist schwankend.

... ... ...

Die herzlichsten Grüße von mir und meiner Frau an Eltern und Geschwister.

Deintreuer BruderJ. Gottlieb Fichte

Die hier erwähnten Vocationen beziehen sich ohne Zweifel auf die beabsichtigte neue Organisation der Universität zu Mainz, bei der man Fichte in's Auge gefaßt hatte (I, 299 ff.).

Die hier erwähnten Vocationen beziehen sich ohne Zweifel auf die beabsichtigte neue Organisation der Universität zu Mainz, bei der man Fichte in's Auge gefaßt hatte (I, 299 ff.).

Jena, d. 16ten 7br. 98.

Lieber Bruder,

Deine Briefe habe ich erhalten. Wenn du, wie ich hoffe, diesen Brief zu rechter Zeit erhältst, d. i. wenigstens den 20sten dieses (Donnerstags) so sey den 21sten (Freytag) bei guter Zeit in Dresden, und frage mir im Gasthofe zum(goldnen glaube ich)Engelnach. Der Wirth heißt Eichhof. Bin ich etwa nicht da, so werde ich doch dort meine Addresse lassen. – Richte Dich so ein, daß Du die Nacht von Hause abwesend seyn kannst, und sey gut angezogen, denn wir wollen den andern Tag wohin reisen.

Uebrigens sey ohne Sorge, und laß Dich ja auf nichts ein, ehe ich Dich gesprochen habe.

Meine Frau grüßt Dich, und die Eltern, so wie ich gleichfals

Der DeinigeF.

Was das Ziel und der Zweck der hier verabredeten Reise war, ist unbekannt.

Was das Ziel und der Zweck der hier verabredeten Reise war, ist unbekannt.

Jena, d. 15. 8br 98.

... ... ...

Ich habe Deinen Brief erst diesen Augenblik erhalten und antworte sogleich indem ich nur noch ½. Stunde bis zu Abgang der Post habe. Daß Du den Donnerstag oder Freitag das Geld haben werdest, ist so ziemlich unmöglich, denn jezt ist Montag Abends.

Ich habe theils bis jezt mit meinen Laubthalern noch keinen vortheilhaften Wechsel machen können; theils wollte ich noch allespianogehen lassen, bis wir Kunden haben. Ich habe darüber an einen Kaufmann, dem ich zugleich die Mustercharte eingeschikt, geschrieben. Die Aspekten für jeden Handel standen in Leipzig auf der Messesehrtraurig. Um jedoch nicht Schaden zu machen,undden Credit auf die Wage zu setzen, schike ich sogleich Geld. Solltest Du mehr brauchen, so schreibe mir.

Grüsse mir Eltern und Geschwister herzlich.

Die Post geht ab, und ich habe keinen Augenblik mehr Zeit. Ich werde Dir aber nächstens weitläufiger schreiben.

Dein treuer BruderF.

Aufschrift:Herrn Samuel Gotthelf FichtezuRammenaup. Bischofswerda, überDresden.frei... ...Die folgenden Briefe vornehmlich zeigen uns den idealistischen Philosophen auch als praktischen Geschäftsmann.

Aufschrift:

Herrn Samuel Gotthelf FichtezuRammenaup. Bischofswerda, überDresden.frei... ...

Herrn Samuel Gotthelf FichtezuRammenaup. Bischofswerda, überDresden.

frei

... ...

Die folgenden Briefe vornehmlich zeigen uns den idealistischen Philosophen auch als praktischen Geschäftsmann.

Jena, d. 26. 8br. 98.

Lieber Bruder!

Ich möchte, daß Du noch vor der Frankfurter Messe einen Brief von mir hättest, damit Du allenthalben Deine Maasregeln darnach nehmen könntest, drum schreibe ich Dir jezt.

Das nothwendigste zuerst. Die Mustercharte habe ich an einen gewissen Kaufmann in Eisenach geschikt. Er hat mir geantwortet, daß ich mich nicht besser hätte addressiren können, als an ihn, daß er in einiger Zeit nach Jena kommen und mit mir mündlich weiter aus der Sache sprechen werde; daß die Waare zwar gut gearbeitet – dies bezieht sich wohl besonders auf die Schurichschen WollenProben, die noch jedermann, der sie bei mir gesehen, äusserst wohlgefallen haben, – daßsie aber viel zu theuer sey. Ueber den lezten Punct erwarte ich seine weitere Erklärung, und Deine Antwort, ob sie, im Falle einer grossen Lieferung, wohlfeiler abgelassen werden könne.

Ich habeanunserm soeben gewesenen Jahrmarkte meiner Frau den Auftrag gegeben, sich in den Bandbuden umzusehen, Preiß, und Güte der Waaren zu erkundigen, und zu erforschen, woher die Kleinhändler ihre Waaren beziehen. Da hat nun meine Frau 3 Stükel (das Stük hält 16. Ellen und das Band 24. Faden.) schmales weisses Band (doch nicht so schmal als unsere Pfennigschnür) für 8. Gr. gekauft, und erfahren, daß hier herum alles ausErfurtgezogen wird, wo sich bis 15. grosse Bandfabriken befinden sollen, deren Unternehmer viele hunderttausend im Vermögen hätten (sagen nemlich dieKleinhändler). So habe ich selbst auf der Leipziger Messe eine mächtige, und sehr gut gefüllte Erfurter Bude (sie steht mitten auf dem Markte) gesehen. – Es ist mir selbst warscheinlich, daß die Erfurter das Garn wohlfeiler haben, als es in unserer Gegend ist, indem in dem Erfurter Gebiet viel gesponnen wird, aber sonst keine Leinweberei ist, und die Lebensmittel gar wohlfeil sind. Auf diese Vergleichung bezieht sich vielleicht des Eisenacher Kaufmanns Ausspruch. Ich werde über alles dieses mich näher erkundigen. Alle diese Umstände nun rathen uns vor der Hand gar sehr daspianogehen an; denn was hilft es eine Menge Waare zu verfertigen, wenn man nicht den Preis halten kann, und sie verschleudern kann.

Kurz – über alles dies werde ich sehr genaue Erkundigungen einziehen; ebenso, wie über den muthmaaßlichen Erfolg des Beziehens der Leipziger Messe. Sehen wir nicht die Möglichkeit, etwas dort zu machen, vorher ein, so rathe ich nicht dazu: denn die Unkosten einer solchen Messe mögen, nach den Klagen aller Kaufleute, und nach der unverhältnißmässigen Theurung aller Waaren in Leipzig gegen andere Meßorte, (z. B. Naumburg, unsern Jahrmarkt) wozu die Krämer geradezu dies als Grund anführen, sehr gros seyn. Eine Bude zwar ist, an einem sehr vortheilhaften Platze, besprochen. Das Standgeld beträgt die Messe über nur 12 Gr. aber eine Bude müste angekauft werden.

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Wechselbriefe kann ich nicht schiklich bekommen.Dresdenist viel zu wenig Handelsort.

Auf Leipzig kann ich sehr leicht assigniren. Jezt zu andern Punkten.

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Grüße Eltern, und Geschwister, und lebe recht wohl.

Dein treuer BruderF.

d. 3. 9br.

Dieser Brief ist, um meiner vielen Geschäfte willen, liegen geblieben. Ich hoffe aber, daß du ihn noch vor der Messe erhältst. ... ...

Jena, d. 18. 9br. 98.

Lieber Bruder,

So eben kehre ich meine Chatoulle bis auf den Boden,in welche ich alles Gold und sächsische Geld, das ich seit meiner Rükkehr eingenommen, geworfen, und noch überdieß wechseln lassen, und finde nicht mehr, als das auf beiliegenden Zettel bemerkte, ... ...

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Ueberhaupt, – plagt mich das Geldschiken bloß um der nicht beizutreibenden Geldsorten willen; aber, sobald etwas nothwendig gebraucht wird, oder wo ein Vortheil zu machen ist, so schreibe ja sogleich. Ich kann Dir vieles, was ich versprochen hatte, heute nicht schreiben, weil ich in Arbeiten vergraben bin. Ich werde bei der ersten Gelegenheit, da ich ein wenig freie Luft habe, schreiben.

Melde mir ausführlich, wie Deine Messe abgelaufen. Die Aussicht für den Handel ist überhaupt höchst betrübt, durch das schändliche Verfahren der Engländer, und die Dummheit der Deutschen. Ich habe wieder etwas aufgetrieben, das unserer Bandfabrik vielleicht Kunden verschaft.

Ferner habe ich vor einigen Tagen eine Sammlung von physikalischen Experimenten in die Hände bekommen, die ich dir bei Gelegenheit zusenden werde. Es ist da manches über Färberei, wovon ich nicht weiß, ob es Dir nützen kann; aber es ist da ein Rezept zu schnellenBleichen, das einige Anlage, und etwas Menschenverstand erfordert, und Dir gewiß nüzlich seyn könnte. Ich werde es selbst noch besser durchdenken, und dann mit meinen Bemerkungen es Dir schiken; kaufe daher nur nicht so viel weisses Garn, sondern rohes.

Ich habe noch mancherlei sehrsichereGedanken zurVerbesserung der Bandfabriken, von denen ich nur zweifle, ob ich sie Dir schriftlich vortragen kann. Hierüber ein andermal.

Die alte Uhr ist, glaub ich des Postgeldes nicht werth. Sonst konnte ich sie durch Schütteln, und Rütteln zum Gehen bringen; da ich sie das leztemal sah, half auch dieses Mittel nicht mehr. Beruhige den guten Vater. Eine Uhr soll er sicher von mir bekommen; ob es grade die aus dem alten Eisen seyn wird, kann ich nicht versprechen. Lebe wohl, und grüsse Eltern, und Geschwister. Dein treuer Bruder

J. G. F.

Du schreibst in Deinem lezten Briefe, daß Du 90 Thlr. in Frankfurt zu bezahlen habest. Und da möchte denn meine Frau, der dies auffiel, wissen, wofür? – undichmöchte es auch wissen.

Aufschrift:Herrn Samuel Gotthelf FichtezuRammenauüberDreßden, undBischofswerda... ...

Aufschrift:

Herrn Samuel Gotthelf FichtezuRammenauüberDreßden, undBischofswerda... ...

Herrn Samuel Gotthelf FichtezuRammenauüberDreßden, undBischofswerda

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Jena, d. 4.Xbr. 98.

Der Kaufmann, dessen ich neuerlich erwähnte, Hr.Streiber, ist hier gewesen. Es hat sich ergeben, daß derselbeselbst eine Wollenbandfabrikhat. Sein Tadel der zu großen Theure bezog sich auf die wollenen Bänder. Er könne sie weit wohlfeiler liefern. Er versende sie, – undhabe ehemals auch leinene ausElberfeld– nach der Schweiz, Italien, Spanien. Er wolle, wenn wir diePreise haltenkönnten (woran er zweifle,) uns welche abnehmen.

Vorläufig soll ichbeiliegende Probenüberschiken: und Du sollst die beiden bemeldeten Fragen beantworten. Thue dies nur – aber nicht mit Deiner gewöhnlichenschlechtenSchreiberei, denn das flös't keinen Respekt für den grossen Fabrikanten ein – auf dem beiliegenden Zettel selbst. Die Proben sollen zurükgesandt werden. Du mußt Dir sonach die Mustermerken. Ist der Preis acceptabel, so will er auf diese Sorten Bestellung machen. – Nun sehe ich freilich, daß beide Proben viertrittig sind, und in derB.auch wollenes Garn ist. Du wirst sie also schwerlich machen können. Aber doch möchte ich nicht, daß wir gleich die erste Bestellung abweisen müßten. Es ist um der Zukunft willen. Stühle mit mehreren Tritten wirst Du ohnedies anlegen müssen, wenn ich Dir Kunden verschaffen soll. – Antworte hierauf sobald Du kannst. Es ist mir hierbei folgendes eingefallen.

1.). Streibers Bänder, von denen ich Dir nächstens eine Mustercharte, und Preistabelle zuschiken werde (da wirst Du zugleich sehen,wie eine Mustercharte aussehenmuß, und dergl. mußt Du Dir zulegen) sind weit dünner, und ich glaube im ganzen viel schlechter, alsSchurigs, aber sie nehmen sich viel besser aus; sie sind sehr schön gefärbt, und wohl zugerichtet. Ob sie viel wohlfeiler sind, wirst Du sehen; ich vermuthe; denn Streiber sagt mir, daß sie auf Mühlen verfertigt werden, die zum Theil bis 30. Gänge haben. Vielleicht nun könntest Du dergleichenin Deiner Gegend, und zu Frankfurt häufig absetzen, etwas darauf verdienen, sie creditirt bekommen, und mit leinenen Bändern Deiner Fabrik bezahlen. Dies wäre, scheint es mir, ein profitabler Handel. Sobald ich Dir die Mustercharte zugeschikt haben werde, nimm darüber Deinen Entschluß.

2.). Ich habe neulich Gelegenheit gehabt, einem Griechischen Kaufmanne zu Chemniz einen Dienst zu erweisen, den er mir hoch anrechnet. Ich werde ihm dafür auftragen, uns Kunden für Bänder zu verschaffen. Halt daher eine Mustercharte in Bereitschaft.

3.). Kann ich durch Streibern genau erfahren, wieunsrePreise sich zu den Preisen anderer Bandmacher, z. B. der Westphälischen, Erfurter, u. s. f. verhalten, und wo etwa ein Vortheil zu machen ist. Er hat nach Proben, Preisen, Garnpreisen geschrieben. Er glaubt, daß dieBraunschweigerGarne wohlfeiler seyen, als die, deren Du Dich bedienst. Wäre dies beträglich, so könnten wir ja dergl. kommen lassen, indem der Transport doch so gar viel nicht ausmachen kann. Berechne daher, wie hoch Dir, in der Regel100 Ellen Dresd.(so müssen wir rechnen, dennWeise, Gebind, und dergl. ist verschieden, und giebt keinen gemeingültigen Maasstab)weises Garn, undrohes Garnkommen; ferner, wie viel ein Geselle die Woche, wenn er fleisig ist, verdienen kann, (auch dies müssen wir so berechnen) und melde mir dies; damit ich einen Ueberschlag machen, und sehen kann, wo etwas zu ersparen ist.

Soviel für jetzo.

Grüsse Eltern, und Geschwister, und lebe wohl. Dein treuer Bruder

F.

Mit dieser sorgfältigsten Pünktlichkeit behandelte er die Geschäftsdetails selbst noch zu einer Zeit, wo ganz andere Angelegenheiten seine Thätigkeit in Anspruch nahmen – nämlich der bekannte Atheismus-Streit, den er im folgenden Briefe mit prächtigem Humor bespricht.

Mit dieser sorgfältigsten Pünktlichkeit behandelte er die Geschäftsdetails selbst noch zu einer Zeit, wo ganz andere Angelegenheiten seine Thätigkeit in Anspruch nahmen – nämlich der bekannte Atheismus-Streit, den er im folgenden Briefe mit prächtigem Humor bespricht.

Jena d. 9.Xbr., 98.

In diesem Augenblike nur das höchstnöthige. Ich werde sehen, ob ich zu diesem Briefe zurük kommen kann.

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2.).MeineEinnahmen, die ich der Compagnie bestimme, sind ziemlich unsicher. Sie hängen davon ab, ob ich künftigen Sommer ein oder mehrere Bücher schreibe; ob ich durch Reisen viel verthue, und dergl.: Doch – ein halbes oder ganzes Hundert kann ich im Fall der Noth immer herbeischaffen.

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Darnach nimm nur Deine Maasregeln. Denn in diesen Detail hineinzugehen, vermag ich nicht, weil ich dies nicht genug verstehe.

3.). Wegen desStandeseiner Bude, (keine Bude selbst, diese müßte besonders angeschaft werden) ist mir etwas über die Topographie von Leipzig entfallen, darüber ich aber warscheinlich allhier selbst Auskunft erhalten kann.

d. 5. Jänner. 99.

So lange ist dieser Brief liegen geblieben, weil mir unsre guten Landsleute, die Chursächsischen, Beschäftigung vollauf gegeben. Ich habe seitdem über den Plaz der Bude mich erkundiget. Er ist gelegen.

Von Hrr. Streiber habe ich beiliegende Westphälinger (Elberfeldische) Leinenband Proben, und Preistabelle erhalten; die ich Dir zur Einsicht und Berechnung, ob wir Preis halten können, mittheilen soll. Die Preistabelle lautet zu deutsch:N. 12(bezieht sich auf die beiliegende Mustercharte) das Duzend Stükel von 19. Pariser Ellen 5.Livres(Ein Livre ist 6 Gr. sächs. wenn der Laubthaler 1 Thlr. 12 Gr. sächs. steht,) daß also von der geringsten Sorte 19 Ellen 60 Pf. kämen. Die zweite Ziffer z. B.N. 14. – 5Livres, 10 – bedeutetsous, und derLivrehat 20sous. und nun kannst Du selbst berechnen. Ich sehe klar ein, daßunsreBänder viel wohlfeiler sind. Nur arbeiten wir blosglatte, und wie diesemodellirtengemacht sind, sehe ich gar nicht ein, und glaube, daß wir sie nicht machen können. Jedoch dürfte mir es etwa auch da gehen, wie mit den Herrnhuter Bändern, wo ich meinen Bandverstand garstig blamirt habe.

Zum Hauskauf wollte ich jetzo, ob mir gleich der Gedanke mit dem Beigute nicht mißfällt, nicht rathen; wenn Du nicht etwa sonst woher ein starkes Capital auftreiben kannst. Es wird immer möglicher, daß sich mein Aufenthaltsort verändert, und daß ich dann selbst Geld bedürfte.

Meinen Vorschlag eines Tauschhandels hat Streiber mit Freuden aufgenommen, aber noch nichtseineMustercharte eingeschikt.

Proben eines Handelsbuches, einen Contract, und dergl. soviel mir auch natürl. selbst daran liegt, kann ich gegenwärtig nicht einschiken. Ich habe wohl andere Dinge zu denken. Dies muß warten auf ruhigere Zeiten.

Sollte nicht auch in der Lausitz der Ruf erschollen seyn, daß die Chursächs. Regierung mich für einen Atheisten erklärt habe, und daß ich wenigstens zu Asche verbrannt, und dann des Landes verwiesen werden würde? Ich sage das nur deswegen, damit, wenn bei Euch das Gerücht erschallt, ihr, und besonders unsere guten Eltern nicht erschreken. Es wird so schlimm nicht werden. In vier Tagen oder 8. erhaltet ihr eine vorläufige Vertheidigungsschrift an das Publicum. Nun hat zwar der Churfürst, nicht zufrieden, mich inseinemLande verschrieen, und meine Schriften confiscirt zu haben, mich auch noch beimeinemHerzoge verklagt, und ich muß nun auch da mich vertheidigen. Aber ich denke, es soll mir auch hier nicht schwerer fallen, als dort. – Dies zur Nachricht, wenn man bei Euch schon etwas weiß. Weiß man aber nichts, so seyd ihr nicht die ersten, die es ausbreiten; denn Geräusch, und Lärm ist nie gut.

Lebe recht wohl.

F.

N. Sch. Wegen der Appretur habe ich bei unserm Professor der Künste erkundigt. Das was jene Fabricanten haben, wird allerdingsLeimseyn, und zwar, wie er in den Läden heißt:Fischleim. Er wird aus den feinsten Schafknochen gekocht, und ist theuer; kann aber sehr vermischt, und sparsam gebraucht werden. Der Professor redete vonSelbstkochen; welches mir aber keineswegs einleuchtet.

Deine leztern Briefe gefallen mir. Sie sind gründlich, klar und gesezt.


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