Chapter 36

Still wie in dem Kloster La Trappe war es jetzt in Wallersee. Zynthio traf Reiseanstalten, er mußte für seine Gefährten mit denken, denn Georg und Betty schlichen traurig ab und zu; ihnen war eine Zeichnung von Adelaidens schöpferischen Händen — eine Blumenguirlande, so diese in ihren Haaren getragen, eine ihrer Lieblingscompositionenfür Guitarre oder Pianoforte das wichtigste, was sie als Erbstücke mitzunehmen und sorgfältig einzupacken würdig erachteten. Schon war der Tag ihrer Abreise festgesetzt, als Georg eines Abends athemlos und zitternd in seines Freundes Zimmer stürzte. Adelaidens Geist! rief er — oder mich täuscht ein Blendwerk der Hölle. Er riß Zynthio mit sich nach dem untern Stockwerk, wo er die Erscheinung gehabt —

Still wie in dem Kloster La Trappe war es jetzt in Wallersee. Zynthio traf Reiseanstalten, er mußte für seine Gefährten mit denken, denn Georg und Betty schlichen traurig ab und zu; ihnen war eine Zeichnung von Adelaidens schöpferischen Händen — eine Blumenguirlande, so diese in ihren Haaren getragen, eine ihrer Lieblingscompositionenfür Guitarre oder Pianoforte das wichtigste, was sie als Erbstücke mitzunehmen und sorgfältig einzupacken würdig erachteten. Schon war der Tag ihrer Abreise festgesetzt, als Georg eines Abends athemlos und zitternd in seines Freundes Zimmer stürzte. Adelaidens Geist! rief er — oder mich täuscht ein Blendwerk der Hölle. Er riß Zynthio mit sich nach dem untern Stockwerk, wo er die Erscheinung gehabt —

Ist’s möglich? rief Zynthio, als er die Fremden erblickte — Wen sehe ich? —

Ihre Schwester Seraphine, Signor Camillo! — sagte Graf Bendheim. Ich bedaure! ich glaubte Freude zu bringen, und finde ein Haus der Trauer.

Verzeihen Sie, Herr Graf, wenn ich überzeugt bin, daß Sie ein Haus des Friedens in Trauer und Verwirrung zu versetzen hofften. Sie sehen, Ihre Absicht ist vereitelt, der Zweck Ihrer Reise nach Italien verfehlt, und Sie geben mir wirklich, gegen Ihren Willen, den Trost, eine geliebte mir anvertraute Schwester früher wieder zu finden,als ich hoffen durfte, nachdem ich die Andere verlor! — Und wer ist ihre zweite Begleiterin? —

Zynthio! Kennst du mich nicht mehr? — Aloyse Prospero!

Zynthio lag in den Armen seiner Schwester und ihrer mütterlichen Freundin. Wirklich, Herr Graf! Sie haben weder Aufwand noch Mühe gespart, in dies Haus der Trauer Freude zu locken. Möchte Ihnen das Bewußtseyn genügen, daß es Ihnen gelungen ist! — Georg, du meldest wohl den Herrn Grafen bei dem Herrn des Hauses —

Der ist? — frage Bendheim gespannt.

Graf Theodor von Wallersee.

Wir sind — ich möchte ihn belästigen — Sie haben ja einen guten Gasthof im Orte. Morgen mit dem frühesten reise ich wieder ab. Ich habe das Meinige gethan, und bin belohnt, daß ich mit dieser Ueberraschung Ihren Dank verdient habe — sagte in verbißnem Grimm der Ueberraschende, schüttelte den Staub von seinen Füßen, und zog wieder von dannen.

So wurden wir getäuscht? fragte Signora Prospero. — Er meldete sich als Bevollmächtigter der Gräfin, welche Seraphinen bei sich zu haben wünschte, und als ihres Gemahls Tochter anerkannte. Er legitimirte sich durch Briefe, selbst an Seraphinen hatte die Generalin geschrieben.

Zynthio eröffnete den Getäuschten das Verständniß —

O, es ahndete mir wohl! nahm die redliche Matrone wieder das Wort. — Ein boshafter Mensch kann auch ein Verführer der Unschuld seyn — Nur unter meiner Aufsicht bewilligte ich Seraphinens Mitreise.

Georg, welcher die Zeit über Seraphinen angestaunt, und seinen Sinnen kaum glauben wollte, rief jetzt aus: Dies wäre meines Freundes Schwester?

Und die Deinige! antwortete dieser, indem er sie ihm in den Arm warf.

Betty kam. Gott im Himmel! schrie sie — die junge Gräfin! —

Meine und deine Schwester Seraphine!— Georg, Betty, Seraphine — wir alle ein Bund — eine Familie! — Adelaide! — Sieh herab und lispele dein heiliges Amen! — Signora Prospero, Sie verloren Ihren Gatten — lassen Sie uns ihre Kinder seyn!

Adelaidens freundlicher Segen mußte über der Gruppe geschwebt haben. — Unvergeßlich war ihnen der verklärte Engel, aber die hoffnungslose Trauer gieng bald in sanfte dankbare Erinnerung über. Zynthio Camillo erfüllte, was er der Verewigten gelobte; er machte Betty glücklich, und ward es mit ihr als Gatte und Vater. — Georg, der in Seraphinen Adelaidens Ebenbild verehrte, freuete sich — da zu dieser Verehrung sich bald die zärtlichste Liebe gesellte — der Großmuth seiner Wohlthäterin, kaufte sich im Canton Zürich sehr vorteilhaft an, und Zynthio umarmte nun den Freund auch als den liebenden und geliebten Gatten seiner Schwester.


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