Alle vier Wochen oder aller vier Wochen?

Alle vier Wochen oder aller vier Wochen?

Bei periodisch wiederkehrenden Handlungen antwortet auf die Frage: wie oft? der Genitiv vonallemit einem Zahlwort, z. B.:aller vierzehn Tage,aller vier Wochen,aller zwei Stunden,aller halben Jahre,aller Vierteljahre,aller hundert Jahre, ja sogar ohne Zahlwort:aller Augenblicke. Wenigstens in Mitteldeutschland, namentlich in Sachsen und Thüringen, ist dieser Genitiv allgemein, bei Hoch und Niedrig, im Gebrauch. Nicht bloß die Leipziger Straßenjugend spottete von der Leipziger Pferdebahn: undaller fünf Minuten, da bleibt de Karre stehn – auch die gebildete Mutter sagt zu ihrem Kinde: bleib doch nichtaller zehn Schrittestehen, oder: du bleibstja aller drei Zeilen hängen, oder: so was kommt nuraller Jubeljahreeinmal vor (wobei der Zahlbegriff inJubelsteckt: 25, 50, 100), ja sogar: komm doch nichtaller Nasen langgelaufen, oder: du störst michaller Augenblicke, und der Arzt schreibt auf das Rezept:aller zwei Stundeneinen Eßlöffel voll zu nehmen. Mit dem Akkusativ, wie er in Nord- und Süddeutschland üblich ist, erscheint uns nicht das Periodische, die Wiederkehr der Handlung in gleichen Zeitabständen, ausgedrückt. Wenn ich sage: das kann ichalle Augenblicketun, oder von einem geladnen Geschoß: geh zurück! es kannalle Augenblickelosgehen, so heißt das nichts andres als:jeden Augenblick,jederzeit,sogleich,sofort. Sage ich dagegen: es blitztaller Augenblicke, so heißt das (natürlich mit einer starken Übertreibung): es blitzt in regelmäßigen Abständen von je einem Augenblick. Wenn sich jemand beklagt, er habe vierzehn Tage an einem langweiligenBadeorte sitzen müssen, so kann ich ihn fragen: bist du dennalle vierzehn Tagedort gewesen? Das ist eine Zeitdauer, keine Wiederholung. Wenn sich aber die Landpfarrer in regelmäßigen Zwischenräumen von je vierzehn Tagen zu einer Konferenz in der Stadt zusammenfinden, so kommen sie nichtalle, sonderaller vierzehn Tage. Eine Berliner Zeitschrift verspricht ihren Lesern auf dem Umschlagalle sieben Tageein Heft. Sie hält aber ihr Versprechen nicht, denn sie bringt nuraller sieben Tageeins. Wenn ich sage: ich reisealle Jahrenach Italien, so kann ich das einemal im März, das andremal im Mai, das drittemal im Oktober reisen. Will ich dagegen sagen, daß ich die Reise in genauen Abständen von je einem Jahre mache, so würde ich zwar nicht sagen:aller Jahre(das ist nicht gebräuchlich), wohl aber, wo es auf eine genaue Bestimmung einer periodisch wiederkehrenden Handlung ankommt:aller zwölf Monate.[122]

Da es sich bei diesem eigentümlich gefärbten „distributiven“ Genitiv, wie man ihn treffend genannt hat, keineswegs um einen niedrigen Provinzialismus handelt, sondern um eine mundartliche Feinheit, deren das Norddeutsche wie das Süddeutsche entbehrt, so kann es uns niemand verdenken, wenn wir ihn nicht dem unklaren, doppelsinnigen Akkusativ zuliebe fallen lassen. Wir bleiben fest bei unsermaller vier Wochen!


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