Als, wie, denn beim Vergleich
Ob es richtiger sei, zu sagen:größer alsodergrößer wie, läßt sich am besten mit Hilfe der Sprachgeschichte beantworten. In der Anwendung der drei vergleichenden Bindewörterals,wieunddennist im Laufe der Zeit eine Verschiebung vor sich gegangen. Im Althochdeutschen und noch im Mittelhochdeutschen stand (wie noch heute im Englischen) hinter dem Komparativ stetsdanne,dan,denne, z. B.:wîzer dan ein snê(weißerdennSchnee).Dennbezeichnete also die Ungleichheit. Hinter dem Positiv stand damals stetsalsô(d. h. ganz so),alse,als, z. B.:wîz als ein swan(weißalsein Schwan).Alsbezeichnete also die Gleichheit, und zwar nicht nur hinter dem Positiv, sondern auch bei andern Vergleichungen, wie bei Luther: wer nicht das Reich Gottes empfängtalsein Kind – du sollst deinen Nächsten liebenalsdich selbst – und auch in vergleichenden Zwischensätzen:alssich gebührt. Wie endlich, althochdeutschhwêooderhwio, war ursprünglich überhaupt keine vergleichende Konjunktion, sondern nur Fragewort.
Allmählich erweiterte sich aber das Gebiet vonalsso, daß es nicht bloß bei der Gleichheit, sondern auch bei der Ungleichheit, hinter dem Komparativ verwendet wurde und dort das altedennverdrängte. Dafür wurde aberwiezur Vergleichungspartikel und fing nun seinerseits an, das altealsda zu verdrängen, wo diesesfrüher die Gleichheit bezeichnet hatte, ja es drang sogar noch weiter vor, bis an die Stelle vondennund bezeichnete nun ebenfalls auch die Ungleichheit (größer wie). Diese Verschiebung, die schon im sechzehnten Jahrhundert beginnt, ist im siebzehnten und achtzehnten in vollem Gange und ist eigentlich auch jetzt noch nicht ganz, aber doch ziemlich abgeschlossen. Daß sie noch nicht ganz abgeschlossen ist, daher stammt eben das Schwanken.
Wenn man also auch nicht behaupten kann, es sei falsch, zu sagen:so weiß alsSchnee, es dürfe nur heißen: soweiß wieSchnee, so trifft man doch ungefähr das richtige, wenn man sagt:dennals Vergleichungspartikel ist veraltet (nur in gewissen Verbindungen wie: mehrdenn jeist es noch üblich),alsbezeichnet die Ungleichheit (anders als) und gehört hinter den Komparativ (wie lat.quam, franz.que, engl.than),wiebezeichnet die Gleichheit und gehört hinter den Positiv (wie lat.ut, franz.comme, engl.as). Es könnte nichts schaden, wenn der Unterricht in diesem Sinne etwas nachhülfe und dadurch dem Schwanken ein Ende machte.Wieauch hinter dem Komparativ zu gebrauchen (er sieht ganzandersauswiedie üblichen Sterblichen), müßte dann natürlich der Gassensprache überlassen bleiben. Leider verbreitet es sich neuerdings wieder mehr und mehr auch in der Schriftsprache (besser wie,mehr wie je), wo es dann unsäglich gemein wirkt.
Erhalten hat sich noch die ursprüngliche Bedeutung vonalsim Sinne der Übereinstimmung bei den Appositionen hinterals:als Knabe,als Mann,als König,als Gast,als Fremder. Da kommt es nun nicht selten vor, daß diesesalsunmittelbar hinter einalsbeim Komparativ tritt, z. B.: er betrachtete und behandelte den jungen Mann mehr als Freund,als alsUntergebnen. In diesem Falle pflegt – nach dem alten, nun schon oft bekämpften Aberglauben – gelehrt zu werden, es müsse heißen:denn alsUntergebnen; das Wortalsdürfe nicht zweimal hintereinander stehen. Und so schreibt man denn auch meist ängstlich: die Trennung der Christenheit hat sich eher als Gewinndenn alsSchädigung erwiesen – Bismarck fühlte sich weniger als deutscher Staatsmanndenn alsder ergebne Diener des Hauses Hohenzollern – manche Gymnasiallehrer stellen sich lieber als Reserveoffizieredenn alsBildner der Jugend vor. Es fragt sich aber doch sehr, was anstößiger sei: das doppeltealsoder das auffällige, gesuchte, veraltetedenn, das sonst niemand mehr in diesem Sinne gebraucht. Die Umgangssprache, auch die der Gebildeten, setzt unbefangen ein doppeltesals: mir hat Lewinsky besser als Shylockals alsMohr gefallen. Ein feiner Satz ist: Friedrich Wilhelm der Vierte haßte die Revolution nicht bloßwie, sondernalsdie Sünde. Hier sieht man deutlich hinterwiedie Vergleichung, hinteralsdie Übereinstimmung.