Des Rhein oder des Rheins?

Des Rhein oder des Rheins?

Vielfache Unsicherheit herrscht in der Deklination der Ortsnamen. Haben sie keinen Artikel, wie die meisten Länder- und Städtenamen, so bildet wohl jedermann einen richtigen Genitiv (Deutschlands,Wiens); bei den Berg- und Flußnamen aber, die den Artikel bei sich haben, muß man jetzt immer öfter Genitive lesen wiedes Rhein,des Main,des Nil,des Brocken,des Petersberg,des Hohentwiel,des Vesuv, und ebenso ist es bei Länder- und Städtenamen, wenn sie durch den Zusatz eines Attributs den Artikel erhalten; auch da hat sich immer mehr die Nachlässigkeitverbreitet, zu schreiben: deskaiserlichen Rom, desmodernen Wien, desalten Leipzig, desdamaligen Frankreich, desnordöstlichen Böhmen, des erst nochzu erobernden Jütland. Bei den Personennamen ist ja, wenn sie den Artikel haben, der Genitiv rettungslos verloren; desgroßen Friedrichsoder die Leiden desjungen Werthers(wie Goethe noch 1774 schrieb) getraut sich heute niemand mehr zu schreiben. Ebenso geht es den Monatsnamen. Auch diese wurden früher alle zwölf richtig dekliniert:des Aprils,des Oktobers(Klopstock: Sohndes Mais; Schlegel: Nimm vor desMärzenIdus dich in acht). Heute schreibt man fast nur noch: zu Anfangdes Oktober, wenn man nicht lieber gar stammelt:Anfang Oktober. Aber bei Ortsnamen sind wir doch noch nicht ganz so weit.


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