Gustav Fischer, Buchbinderei

Gustav Fischer, Buchbinderei

Eine Geschmacklosigkeit, die sich in der Sprache unsrer Geschäftsleute mit großer Schnelligkeit verbreitet hat, besteht darin, zu einem Personennamen eine Sache als Apposition zu setzen, z. B.:Gustav Fischer, Buchbinderei–Th. Böhme, Schuhmacherartikel und Schäftefabrik–B. Fricke, Kartoffelmehlen gros–Leopold Wallfisch, Leder. Früher sagte man vernünftigerweise:Gustav Fischer, Buchbinder, und wer zu verstehen geben wollte, daß er sein Geschäft nicht allein, sondern mit einer Anzahl von Gesellen betreibe (jetzt heißt es vornehmer: Gehilfen, obwohl ein Geselle von damals viel mehr zu bedeuten hatte als soein moderner „Gehilfe“!), sagte:Gustav Fischers BuchbindereioderBuchbinderei von Gustav Fischer. Der Unsinn, einen Menschen eine Buchbinderei zu nennen, ist unsrer Zeit vorbehalten geblieben.

Man könnte nun einwenden, in solchen Verbindungen solle der Personenname gar nicht den Mann bedeuten, sondern die Firma, das Geschäft; in dem Zusatz solle also gar keine Apposition liegen, sondern mehr eine „Juxtaposition“. In den altmodischen Firmen sei nur der eine Satz ausgedrückt gewesen: (hier wohnt)Gustav Fischer; in den neumodischen Firmen seien zwei Sätze ausgedrückt: (hier wohnt)Karl Bellach, (der hat eine)photographische Anstalt, oder: (hier hat sein Geschäft)Siegfried Goldmann, (der verkauft)Wolle. Wie steht es denn aber dann, wenn man in einem Ausstellerverzeichnis lesen muß: HerrF. A. Barthel, Abteilungfür Metallklammern, oder in einer Verlobungsanzeige: HerrMax Schnetger, Rosenzüchterei, mit Fräulein Luise Langbein, oder in einem Fremdenbuche:Rudolf Dahme, Kognakbrennerei, mit Gattin und Tochter, oder in einer Zeitung: HerrGustav Böhme jun., Bureaufür Orientreisen, telegraphiert uns? Ist da auch noch die Firma gemeint?

Zum Teil ist dieser Unsinn eine Folge der Prahlsucht[107]unsrer Geschäftsleute; es will niemand mehrGärtneroderBrauer,TischleroderBuchbindersein, sondern nur nochGärtnereibesitzer,Brauereibesitzer,Tischlereibesitzer,Buchbindereibesitzer– immer großartig! Da darf natürlich die Buchbindereiauch in der Firma nicht fehlen. Zum andern Teil ist er aber doch auch eine Folge der Verwilderung unsers Sprachgefühls.W. Spindlers WaschanstaltundGotthelf Kühnes Weinkellereien– das wäre Sprache;W. Spindler Färberei und WaschanstaltundGotthelf Kühne Weinkellereien– das ist Gestammel. Man will aber gar nicht mehr sprechen, man will eben stammeln.


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