Leopolds von Ranke oder Leopold von Rankes?

Leopolds von Ranke oder Leopold von Rankes?

Verlegenheit bereitet vielen auch die Deklination adliger Namen oder solcher Namen, die adligen nachgebildet sind. Soll man sagen: die DichtungenWolframs von EschenbachoderWolfram von Eschenbachs? Richtig ist – selbstverständlich – nur das erste, denn Eschenbach ist, wie alle echten Adelsnamen, ein Ortsname, der die Herkunft bezeichnet; den kann man doch hier nicht in den Genitiv setzen wollen.[11]So muß es denn auch heißen: die HeimatWalters von der Vogelweide, die BurgGötzens von Berlichingen, die LebensbeschreibungWiprechts von Groitzsch, die GedichteHoffmanns von Fallersleben, auch die WerkeLeonardos da Vinci, die SchriftenAbrahams a Sancta Clara.

Wie steht es aber mit den Namen, die nicht jedermann sofort als Ortsnamen empfindet, wieHutten? Wer kann alle deutschen Ortsnamen kennen? Soll man sagenUlrichs von HuttenoderUlrich von Huttensdeutsche Schriften? Und nun vollends die zahllosen unechten Adelsnamen, über die sich schon Jakob Grimm lustig gemacht hat: diesevon Richterundvon Schulz,von Schmidtundvon Weber,von BärundvonWolf, wie stehts mit denen? Soll man sagen:Heinrichs von WeberLehrbuch der Physik,Leopolds von RankeWeltgeschichte? Streng genommen müßte es ja so heißen; warum behandelt man Namen, die alles andre, nur keinen Ort bezeichnen, als Ortsnamen, indem man ihnen das sinnlosevonvorsetzt! Im achtzehnten Jahrhundert war das Gefühl für die eigentliche Bedeutung der adligen Namen noch lebendig; da adelte man einenPeter Hohmannnicht zumPeter von Hohmann, sondern zumPeter von Hohenthal, einenMaximilian Specknicht zumMaximilian von Speck, sondern zumMaximilian Speck von Sternburg, indem man einen (wirklichen oder erdichteten) Ortsnamen zum Familiennamen setzte; in Österreich verfährt man zum Teil noch heute so. Da aber nun einmal die unechten Adelsnamen vorhanden sind, wie soll man sich helfen? Es bleibt nichts weiter übrig, als dasvonhier so zu behandeln, als ob es nicht da wäre, also zu sagen:Leopold von Rankessämtliche Werke, besonders dann, wenn der Genitiv vor dem Worte steht, von dem er abhängig ist; steht er dahinter, so empfiehlt es sich schon eher, den Vornamen zu flektieren: die WerkeLeopolds von Ranke, denn man möchte natürlich den Genitiv immer so dicht wie möglich an das Wort bringen, zu dem er gehört. Und so verfährt man oft auch bei echten Adelsnamen, selbst wenn man weiß, oder wenn kein Zweifel ist, daß sie eigentlich Ortsnamen sind. Es ist das ein Notbehelf, aber schließlich erscheint er doch von zwei Übeln als das kleinere.


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