Starke und schwache Konjugation

Starke und schwache Konjugation

Wie bei den Hauptwörtern zwischen einer starken und einer schwachen Deklination, so unterscheidet man bei den Zeitwörtern zwischen einer starken und einer schwachen Konjugation. Starke Zeitwörter nennt man die, die ihre Formen nur durch Veränderung des Stammwortes bilden, schwache die, die zur Bildung ihrer Formen andrer Mittel bedürfen. Ein starkes Zeitwort ist: ichspringe, ichsprang, ich bingesprungen, ein schwaches: ichsage, ichsagte, ich habegesagt. Die Veränderung des Stammvokals nennt man den Ablaut, die verschiednen Wege, die der Ablaut einschlägt, die Ablautsreihen.[33]Die wichtigsten Ablautsreihen sind: ei, i, i (reite,ritt,geritten), ei, ie, ie (bleibe,blieb,geblieben), ie, o, o (gieße,goß,gegossen), i, a, u (binde,band,gebunden), i, a, o (schwimme,schwamm,geschwommen), e, a, o (nehme,nahm,genommen), i, a, e (bitte,bat,gebeten), e, a, e (lese,las,gelesen), a, u, a (fahre,fuhr,gefahren). Außerdem gibt es noch eine Mischgruppe mit ie im Imperfekt und einunddemselben Vokal im Präsens und im Partizip, wiefalle,fiel,gefallen,stoße,stieß,gestoßen,rufe,rief,gerufen,laufe,lief,gelaufen,heiße,hieß,geheißen, wofür man jetzt bisweilen falschgehießenhören muß, als ob es in die zweite Ablautsreihe gehörte.

Fast noch bewundernswürdiger als in der Deklination der Hauptwörter ist in der Flexion der Zeitwörter die Sicherheit, mit der auch der Mindergebildete der Fülle und Mannigfaltigkeit der Formen gegenübersteht. Freilich gibt es auch hier Schwankungen und Verirrungen, darunter sogar recht ärgerliche und beschämende. Es gibt Verbalstämme, die eine starke und auch eine schwache Flexion erzeugt haben mit verschiedner Bedeutung; da ist dann Verwechslung eingetreten. Es gibt aber auch Zeitwörter,die sich bloß in die andre Flexion verirrt haben ohne Bedeutungswechsel. Bei gutem Willen ist aber doch vielleicht auch hier noch manches zu verhüten oder aufzuhalten.


Back to IndexNext