VIII. Die Eifel.

Abb. 166. Denkmal Kaiser WilhelmI.in Köln.Nach einer Photographie der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin-Steglitz. (ZuSeite 173.)

Abb. 166. Denkmal Kaiser WilhelmI.in Köln.Nach einer Photographie der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin-Steglitz. (ZuSeite 173.)

Das Siebengebirge.

Es ist vorwiegend das Verdienst des eifrig tätigen Verschönerungsvereins für das Siebengebirge, daß jede Örtlichkeit in dieser herrlichen Landschaft bis heute ihre natürliche Eigenart erhalten hat. Es ist allzeit sein Streben gewesen, die Schönheit des Siebengebirges aufzuschließen, ohne die Naturstimmung der Landschaft irgendwie zu beeinträchtigen. Schöne Landstraßen, von denen die eine rings um das eigentliche Siebengebirge führt, die beiden anderen es vom Margaretenhof am Ölberg zum Rhein hin durchqueren, lassen alle schönen Punkte auch zuWagen leicht erreichen. Aber der Fußgänger braucht nicht überall ihnen zu folgen. Wo sie schattigen Wald durchschneiden, zweigen sich wohlgepflegte Waldwege ab, auf denen es sich herrlich wandert, und der Wanderer fühlt dort sich näher der Natur, den Blumen und Gräsern, den Bäumen und Sträuchern, dem Kuckuck, dessen Ruf ertönt, und der Nachtigall, die dicht neben uns plötzlich ihren schmetternden Schlag anstimmt. Eine andere Sorge des Verschönerungsvereins war darauf gerichtet, den Betrieb der Steinbrüche, die tiefe Wunden in die Bergkuppen rissen und einigen die Schönheit völlig zu rauben drohten, einzuschränken oder durch Ankauf gänzlich zum Stillstand zu bringen. Durch Bewilligung einer Lotterie zur Erhaltung des Siebengebirges sind dem Verein die Mittel gewährt worden, seine gemeinnützigen Bestrebungen in größerem Umfange zu verwirklichen. Durch Ankauf von Gelände soll auch einer weiteren Besiedelung, besonders auch einer Bebauung mit Villen vorgebeugt werden. Denn ein verborgenes Heiligtum der Natur sei diese Landschaft, das nicht ein Opfer werde der menschlichen Habsucht und nicht entweiht vom Menschenhader. Drum Dank den Männern, die an der Rettung und Verschönerung des Siebengebirges, der Perle des Rheinlandes, mitgewirkt haben. Dank auch der preußischen Staatsbehörde, die durch Genehmigung der Siebengebirgs-Lotterie die Bestrebungen des Verschönerungsvereins so wirksam unterstützte und für die Erhaltung der wenigen Ruinen, die vom Kulturschmucke früherer Jahrhunderte in dieser Landschaft übriggeblieben sind, Sorge trug. Gewaltige Schutzmauern stützen den alten Bergfried auf dem Drachenfels, und demnächst sollen auch die geringen Burgreste auf der Löwenburg vor weiterem Verfall geschützt werden. Von anderen Burgen, so von der Wolkenburg, die einst, im zwölften Jahrhundert, den Juden bei einer Verfolgung als Zufluchtsstätte angewiesen wurde, ist kein Stein mehr vorhanden, und riesige Schutthalden, von früherem Steinbruchbetrieb herrührend, verunstalten den Berg dieses Namens. So führt derselbe abschreckend uns vor Augen, was frühere Zeiten gefrevelt haben am schönen Bilde der Natur, und mächtig hallt die Mahnung der Dichterin Fanny Stockhausen in uns wider:

Rheinland, steh’ auf! Laß keinen SteinDir mehr von deinen sieben Bergen brechen,Und laß die kühle Prosa nicht hineinDir sprechen!Rheinland steh’ auf und halte standZum Schutze deiner siebenzack’gen Krone,Daß sie des unbedachten Frevlers HandVerschone!Und standst du auf, ihr Schutz zu sein,Muß dir dein herrlich Rettungswerk gelingen;Welch einen frohen Dank wird dir dein RheinDann singen!

Rheinland, steh’ auf! Laß keinen SteinDir mehr von deinen sieben Bergen brechen,Und laß die kühle Prosa nicht hineinDir sprechen!

Rheinland, steh’ auf! Laß keinen Stein

Dir mehr von deinen sieben Bergen brechen,

Und laß die kühle Prosa nicht hinein

Dir sprechen!

Rheinland steh’ auf und halte standZum Schutze deiner siebenzack’gen Krone,Daß sie des unbedachten Frevlers HandVerschone!

Rheinland steh’ auf und halte stand

Zum Schutze deiner siebenzack’gen Krone,

Daß sie des unbedachten Frevlers Hand

Verschone!

Und standst du auf, ihr Schutz zu sein,Muß dir dein herrlich Rettungswerk gelingen;Welch einen frohen Dank wird dir dein RheinDann singen!

Und standst du auf, ihr Schutz zu sein,

Muß dir dein herrlich Rettungswerk gelingen;

Welch einen frohen Dank wird dir dein Rhein

Dann singen!

Entstehung des Siebengebirges. Das Siebengebirge zur Tertiärzeit.

Wie wir, versunken in die Schönheit des Siebengebirges, freudig dem plaudernden Quell der Sage und Geschichte lauschten, so wollen wir gerne auch dem forschenden Geiste folgen, der uns in das Werden dieses schönen Landes einweihen möchte. Nicht immer standen die sieben Berge so stolz und so schön. Verhältnismäßig jung ist ihr Alter. Als der Boden des Rheinischen Schiefergebirges längst gebildet und der größte Teil desselben emporgetaucht war aus den Wasserfluten des Meeres, auf dessen Grunde es sich abgelagert hatte, da wälzten sich über die Gegend des Siebengebirges mächtige Ströme. Große Massen von Ton, Quarzsand und Kieselgeröll lagerten sie ab, und in Buchten bildeten sich die Ablagerungen der Braunkohle. Nach dieser, für den menschlichen Haushalt so wichtig gewordenen Bildung bezeichnet man jene Ablagerung mit einem allgemein verständlichen Worte als Braunkohlenformation. Sie gehört der Tertiärzeit an. Im Siebengebirge ist sie besonders im Nordwesten verbreitet. Nördlich von Königswinter erstreckt sie sich ostwärts weit in dasselbe hinein, bis über den Wintermühlenhof hinaus reichend. In der Nähe dieses Hofes treffen wir namentlich Lager von weißlich gefärbtem Quarzit an. Beim Zerschlagen dieses etwasschiefrigen Gesteins kommen häufig Abdrücke von Blättern zum Vorschein, von Lorbeer, ferner von Palmen und Myrte. So sind uns die Spuren einer einst im Rheinland heimischen Pflanzenwelt erhalten, die heute nur noch in viel südlicheren Ländern vorkommt. Die Funde beweisen, daß im Rheingebiet zur Tertiärzeit ein wärmeres Klima herrschte.

Abb. 167. Madonna im Rosenhag.Dem Meister Stephan von Köln zugeschriebenes Tafelgemälde im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. (ZuSeite 173.)

Abb. 167. Madonna im Rosenhag.Dem Meister Stephan von Köln zugeschriebenes Tafelgemälde im Wallraf-Richartz-Museum zu Köln. (ZuSeite 173.)

Gesteine des Siebengebirges.

In der Zeit, in der die Braunkohlenlager entstanden, oder etwas später begann auch die vulkanische Tätigkeit im Siebengebirge. Als die ältesten vulkanischenAuswurfsmassen sind die trachytischen Tuffe festgestellt worden, die man eine lange Zeit, weil sie die anderen überlagern, für die jüngsten hielt. Zwei Tatsachen haben bei der Beweisführung hauptsächlich die Entscheidung gebracht. In einer Schlucht im Siebengebirge, die den Namen Hölle führt, erblicken wir an mehreren Stellen in den senkrecht aufsteigenden, gelblich gefärbten Tuffwänden Adern einer anderen Gesteinsmasse. Eine von ihnen ist mit Basalt angefüllt, der von unten emporgequollen sein muß. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß letzteres erst nach Ablagerung des Tuffs geschehen sein kann. Dieser ist also älter als der Basalt. Ferner sehen wir in einer nördlichen Vorkuppe des Siebengebirges, in dem Großen Weilberg, der sich durch seine schönen Säulenbasalte auszeichnet, daß die Tuffhülle, in der der Basalt stecken blieb, an der Berührungszone mit diesem eine rötliche Färbung angenommen hat, eine Folge der Hitze, die der emporgequollene Basalt entwickelte. Wäre der Trachyttuff erst nach diesem, also auch nach dessen Erkaltung abgelagert worden, dann hätte die Feuerwirkung nicht stattfinden können. Hierdurch wird allerdings wiederum nur bewiesen, daß der Trachyttuff älter als der Basalt ist, das Altersverhältnis zu dem Trachyt, der im Siebengebirge ebenfalls sehr viel verbreitet ist, dagegen nicht berührt. Man nimmt an, daß aus Ausbruchsstellen, die heute nicht mehr nachgewiesen werden können, zuerst ein starker Auswurf von Trachyttuff stattfand, daß dann die Trachytgesteine und zuletzt die basaltischen Gesteine hervorquollen.

Der Trachyttuff bedeckte einst wohl das ganze Gebiet des Siebengebirges. In größerer Mächtigkeit lagert er jetzt noch bei der Hölle, die sich als eine echte Cañonschlucht durch die Tuffdecke gebildet hat und mit dem ebenfalls tief eingeschnittenen Nachtigallental zusammenstößt, ferner am Kühlsbrunnen und an der Ofenkaule. Der Quarzit am Wintermühlenhof wird vom Trachyttuff überlagert, ein Beweis, daß die vulkanische Tätigkeit im Siebengebirge erst nach seiner Ablagerung begann.

Abb. 168. Das Hahnentor in Köln. (ZuSeite 173.)

Abb. 168. Das Hahnentor in Köln. (ZuSeite 173.)

Die Trachyte des Siebengebirges sind von verschiedener Beschaffenheit. Der Trachyt des Drachenfels hat keine Hornblende, dafür Feldspat, der auch in Form von schönen, großen Sanidinkristallen dem Gestein eingeschlossen ist. Diese Kristalle, deren Glitzern sofort auffällt, machen den Drachenfels-Trachyt als Baustein minderwertig. Am Kölner Dom, bei dessen Bau er verwendet wurde — der Domsteinbruch befand sich an der Südwestseite des Drachenfels — zeigte es sich, daß die Sanidinkristalle ausgewittert waren, wodurch besonders der Bildhauerschmuck sehr gelitten hatte. Infolgedessen wurde bei der Fortführung des Dombaues kein Trachyt mehr verwandt. Aus echtem Trachyt bestehen auch die Kuppen des Lohrberg, Schallenberg und Geisberg. Am Kühlsbrunnen im Rhöndorfer Tal kommt ein Trachyt vor, der fast nur aus Sanidin besteht,aber keine Sanidinkristalle ausschließt. Es ist dies die einzige Fundstelle eines solchen Trachyts in ganz Nordeuropa. Von ganz anderer Beschaffenheit ist das trachytische Gestein der Wolkenburg. Es ist ein Hornblende-Trachyt oder Andesit, benannt nach den Anden in Südamerika. Die Hornblende bildet oft schöne schwarze Kristalle. Aus Andesit bestehen außerdem noch die Breiberge, der Hirschberg, die Rosenau und der Stenzelberg.

Auch der im Siebengebirge vorkommende Basalt ist nicht gleichartig. Die mächtigsten und die höchsten Kuppen bestehen aus diesem Gestein, aus echtem Basalt der Ölberg, der Petersberg, der Nonnenstromberg und zahlreiche nördliche und südliche Vorberge, aus Dolerit, einer Abart des Basaltes, die Löwenburg.

Abb. 169. Hauptpostamt in Köln. (ZuSeite 173.)

Abb. 169. Hauptpostamt in Köln. (ZuSeite 173.)

Es ist eine Eigenart des Siebengebirges, daß die Trachyt- und Basaltausbrüche nicht in Form von Lavaströmen, die in der Eifel so zahlreich sind, erfolgten. Nur auf der Oberkasseler Heide nördlich vom Weilberg wurden Lavaströme nachgewiesen. Im eigentlichen Siebengebirge dagegen blieben Trachyte und Basalte in der Devon- und Tuffdecke stecken. Von den schönen Formen der Bergkuppen war damals noch nichts zu sehen. Allmählich wurde die Tuffhülle von den Gewässern weggetragen. Es bildeten sich Talfurchen, und stolz traten die bloßgelegten Kuppen heraus, das Bild der Landschaft mit der Schönheit schmückend, die wir heute an ihm bewundern.

Das Siebengebirge.

Die Zahl der Kuppen ist nicht sieben, wie es der Name „Siebengebirge“ vermuten läßt, sondern viel größer. Die „Sieben Berge“, die man in der Kölner Gegend, in einer Reihe liegend, mit dem Drachenfels auf der einen und dem Großen Ölberg auf der anderen Flanke, sieht, und von denen das Gebirge, von dieser Gegend aus, seinen Namen erhielt, sind nicht einmal die sieben höchsten, wie folgende Zusammenstellung der bedeutendsten Kuppen, in der die „Sieben“ durch ein Sternchen bezeichnet sind, erkennen läßt:

Wenn wir die Rangordnung nach der Höhe träfen, so würde also der Drachenfels nicht einmal zu den „Sieben Bergen“ gehören. Doch wenn wir ihn aus der stolzen Berggemeinschaft herausstoßen wollten, die Wogen des Rheins würden wild aufbrausen, und die Sage würde fliehen aus diesem Land, wo nicht der Prosa kaltes Licht, sondern das Farbenreich der Poesie das Gold der Berge malt.

Die Eifel.

Unter „Eifel“ versteht man in geographischem Sinne das Gebirgsland nördlich von der Mosel und westlich vom Rhein, also den nordwestlichen Flügel der großen Gebirgsscholle des Rheinischen Schiefergebirges. So sagen die Geographen und die geographischen Lehrbücher, denen man ja alles glauben soll. Reist man aber durch die Eifel, so fragt man in vielen Gegenden vergeblich nach einem Lande, das so heißt, und mancher ist von einer vieltägigen Eifelreise zurückgekehrt und, nach den Versicherungen der Bewohner, nicht in der Eifel gewesen. „Die Eifel ist noch weit,“ so hieß die Rede, und immer war sie noch weit. Eigentlich haben die Bewohner vollständig recht, wenn sie sich gegen einen Namen sträuben, der so wenig für das Ganze paßt, nach der Nebenbedeutung, die ihm von seinem Heimatlande anklebt. Ursprünglich bezeichnete man mit dem Wort „Eifel“ nur einen kleinen Bezirk im Umkreise der Stadt und früheren Abtei Prüm. Eine Schenkungsurkunde Pippins aus dem Jahre 762 redet von dem „pagus Eflinsis“, dem Eifelgau. Der Name soll von dem keltischen Worteap, das dem lateinischen Worteaquaentspricht und also Wasser heißt, herkommen. Danach würde Eifel soviel als Wasserland oder Land der Quellen bedeuten. In der Tat ist die Gegend von Prüm reich an Gewässern, und etwas nördlicher liegt das Quellgebiet der meisten größeren Eifelbäche. Im Volke aber lebt dieser ursprüngliche Sinn des Wortes nicht fort. Unter „Eifel“ versteht es ein rauhes und ödes Gebirgsland mit langem und kaltem Winter und kurzem Sommer, wo nur wenig Getreide gezogen werden kann und in manchen Jahren die Ernte nicht zur vollen Reife gelangt, wo die Bewohner also arm sind, kurz, wo man nicht gern leben möchte. Arm sind auch in Wirklichkeit viele Gegenden der Eifel. Die Notstände, welche vor Jahren wiederholt herrschten und ein Eingreifen des Staates nötig machten, haben die wirtschaftliche Lage der Bewohner in einem düstern Lichte gezeigt. Dies erklärt noch mehr, warum man sich in den reicheren Nachbargegenden der eigentlichen Eifel gegen die Übertragung dieses Namens sträubt. Indem aber die schreiende Not des armen Eifelvolkes die Blicke der Behörden und auch weiter Kreise der rheinischen Bevölkerung auf ein Land lenkte, von dem fast jeder nur unsichere Vorstellungen und unklare Begriffe hatte, begann sich das Interesse zu regen, die Eifel besser kennen zu lernen. Es bildete sich der Eifelverein, der besonders unter der Leitung des verstorbenen Direktors Dronke sowohl in touristischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht segensreich wirkte, der Bau von Eisenbahnen erleichterte das Reisen, und so ward die „verschriene Eifel“ ein Touristenland. Ungeahnte Schönheiten lernte man kennen. Gar viele lernten die Eifel lieb gewinnen, und viele kehren alljährlich im Sommer oder Herbst zurück in dieses Land, wo das Auge gebannt ist von den merkwürdigen Spuren, die die vulkanische Tätigkeit hinterlassen hat, wo es sich erfreut an des Waldes Pracht und an dem hellen Grün der Wiesen, und wo der Küchenzettel noch oft die leckere Forelle, die in den klaren Gewässern spielt, für das Mahl verheißt. Und selbst die öde Eifelheide mit ihrer Melancholie und mit ihrem Purpurkleide, wenn die Heide blüht, hat ihre Bewunderer gefunden. In dieser kurzen Darstellung kann nicht ein vollständiges Bild des weiten Gebietes, das man heute geographisch Eifel nennt, gezeichnet werden. Es kann nur versucht werden, die charakteristischsten Züge dieses Bildes wiederzugeben.

Vulkane der Eifel.

Für den Wanderer, der das Rheintal als Reiseroute wählt und von ihm aus die Eifel besuchen will, kommt zunächst die Vordereifel, auch vulkanische Eifel genannt, in Betracht. Es ist ein eigenartiges Land, voll von Wunderwerken der Natur, die unser Auge fesseln und unsern Geist bannen. Wir schauen stolze Bergkuppen, deren Scheitel hoch gewölbt ist, und echte Kraterberge, die einen vertieften Kraterschlund umschließen. Wir stehen sinnend vor den kleinen Seen, den Maaren, deren Wasser den früheren Feuerschlund ausgefüllt hat, und verfolgen den Lauf des Lavastromes, der einst aus dem Krater als ein zäher Feuerschleim hervorquoll und sich hinab in die Täler ergoß, so daß die Bäche vielfach ihre Kraft mit dem harten Gestein messen müssen. Und nicht nur in der Nähe der vulkanischen Ausbrüche schreitet unser Fuß über vulkanische Asche, sondern oft auch in weiter Entfernung von diesen. Alles deutet auf eine umfangreiche einstige vulkanische Tätigkeit hin. Im Geiste hören wir das dumpfe Dröhnen des Erdbodens. Er zittert von den Spannungen der Gase, die mit Gewalt einen Ausgang suchen. Die Wellen der Erdbeben durchlaufen das Land. Wir sehen den Feuerschein der Krater, der diese Höllenlandschaft einst beleuchtete, umdüstert von dem qualmenden Rauch und farbig umspielt von den brennenden Gasen, die dem Kraterschlund entstiegen. Wie Raketen fliegen durch den Aschenregen glühende Felsbrocken höher empor, prasselnd fallen sie nieder, und in der Aschenhülle finden wir sie wieder als rundliche, schwärzlich gefärbte Steinkugeln, Bomben genannt, die bald die Größe nur eines Taubeneies, bald die eines Menschenkopfes haben. Immer höher wölbte sich der Aschenkegel. Die Jahrhunderte oder Jahrtausende trugen ihn wieder zum Teil ab. Der Vulkan stellte seine Tätigkeit ein, sein Feuerschlund erkaltete. Noch lange aber blieb seine Umgebung eine Stätte des Todes, bis allmählich die Pflanzenwelt den schwarzen Boden sich eroberte. Nun lacht überall, wo Totenstarre war, die grüne Farbe des Lebens, üppige Wälder, Wiesen und Felder schmücken Berg und Tal, und nur der sinnende Geist des Menschen lebt noch, beim Anblick des vulkanischen Bodens, in der grauen Vorzeit, in der die Vulkane der Eifel entstanden.

Es gibt in der Eifel zwei vulkanische Hauptlinien, eine westliche und eine östliche, auf denen zahlreiche Vulkanberge, sowohl Vulkankuppen als auch echte Kraterberge und Maare, geordnet sind. Manche Vulkanberge liegen auch auf Querlinien. Die westliche vulkanische Hauptlinie beginnt bei Bertrich in der Nähe der Mosel mit der Falkenlei. Sie streicht in nordnordwestlicher Richtung über Daun und Hillesheim und endet erst in der Schneifel (= Schnee-Eifel), wo noch der Goldberg liegt. Zwei wichtige vulkanische Querlinien auf dieser Hauptlinie sind die von Manderscheid und Gerolstein-Birresborn. In diesen Gegenden erreicht das westliche Vulkangebiet eine bedeutende Breite. Am dichtesten drängen sich die Vulkanberge zwischen Daun (Abb. 148), Gerolstein und Hillesheim zusammen, wo wir ein schönes Bergland vor uns zu sehen glauben. Als die höchste Kuppe ragt dort der 700mhohe Ernstberg auf. Sehr zahlreich treffen wir die merkwürdigen Kraterseen, in der Eifel Maare genannt, an. Man hält sie für Vulkane, die früh zur Ruhe gekommen sind, ehe ihnen als ein feuriger Teig Lava entquoll, die sich bei anderen Vulkanen entweder zur Kuppe aufwölbte, wenn sie in der Aschenhülle stecken blieb, oder sich als ein Lavastrom hinabwälzte in die Täler, ehe sie völlig erstarrte. Sehr verschieden ist das Bild der Maare. Das Pulvermaar bei Gillenfeld ist von hohen Kraterwänden, die mit schönen Buchen bewachsen sind, umgeben. Lieblich blinkt uns der Seenspiegel aus dem Grün der Landschaft entgegen. Ein lachendes Bild des Lebens dort, wo einst Feuersglut alles Leben auslöschte! Ein völlig anderes Bild zeigt das Weinfelder Maar. Die düstern Schatten des Todes gleiten über dasselbe. Kein Leben, kein Pflanzenschmuck, kein Laut! Todesruhe! In der Nähe von Daun, wo das Weinfelder Maar liegt, treffen wir noch das Schalkenmehrener (Abb. 149) und Gemündener Maar an. Von anderen bekannten Maaren im westlichenVulkangebiete der Eifel sei noch das Meerfelder Maar bei Manderscheid genannt. Einige von ihnen, wie das Pulver-, Weinfelder und Gemündener Maar, haben keinen, wenigstens keinen sichtbaren Zu- und Abfluß. Auf den gleichen Ursprung wie die Maare führt man auch zahlreiche Kesseltäler der Eifel zurück.

Abb. 170. Vom Kölner Karneval. Der Wagen „Kölner Bauer mit Jungfrau“ (links) und „Wolkenwagen des Prinzen Karneval“ (rechts) auf dem Festzuge des Jahres 1901.Nach einer Photographie von Ad. Fischl jun. in Köln. (ZuSeite 174.)

Abb. 170. Vom Kölner Karneval. Der Wagen „Kölner Bauer mit Jungfrau“ (links) und „Wolkenwagen des Prinzen Karneval“ (rechts) auf dem Festzuge des Jahres 1901.Nach einer Photographie von Ad. Fischl jun. in Köln. (ZuSeite 174.)

Die östliche vulkanische Hauptlinie, die ebenfalls in fast nördlicher Richtung verläuft, läßt sich von Winningen an der Mosel bis in die Ahrgegend südlich von Ahrweiler verfolgen. Den Rodderberg, einen Vulkan mit schwacher Kratermulde, der bei Rolandseck unmittelbar am Rhein aufsteigt, kann man schon zum Vulkangebiet des Siebengebirges rechnen. Den Hauptherd der vulkanischen Tätigkeitbildet im östlichen Vulkangebiete der Laacher See. An seiner Stelle befand sich einst ein riesiger Kraterschlund. Etwa 40 Lavaströme nahmen von ihm ihren Ausgang. Ungefähr ebenso groß ist die Zahl der Vulkanberge, die in der Umgegend des Laacher Sees liegen. Dieser selbst ist von sechs Kraterbergen malerisch umgeben, von denen der Laacher Roteberg (510m), der Laacherkopf (460m) und der Krufter Ofen (453m) die höchsten sind. Letzterer ist der bekannteste und besuchteste.

Der Laacher See.

Durch üppigen Wald steigen wir zum Krufter Ofen hinan. Auf seinem Gipfel entfaltet sich uns ein prächtiger Rundblick auf die schöne Landschaft. Hell blinkt der Wasserspiegel des Sees, dunkel umsäumen ihn die waldigen Berge, und ihr Spiegelbild taucht tief hinab in die Fluten. Am Südende des Sees, wo der hohe Rahmen der Berge sich etwas verflacht, ergänzt ein herrliches Bauwerk, die prächtige Abteikirche des Benediktinerklosters Laach (Abb. 150), die formenschöne Landschaft. Wenden wir uns aber von diesem Bilde ab zur anderen Seite des Gipfels, so blicken wir hinab in den früheren Kraterschlund des Krufter Ofen. Aber kein Bild des Todes ist’s, das wir da schauen. Wald, üppigster Wald hat die frühere Feuerstätte erobert, und wo einst das düstere Grauen wohnte, dort lacht jetzt Pflanzengrün. Muntern Schritts eilen wir hinab, wo der See uns winkt. Er ist kreisrund, 3,3qkmgroß und in der Mitte 53mtief. Sein Durchmesser beträgt 2732m, und zwei Stunden müßten wir wandern, um ihn zu umkreisen. Das zweitgrößte Eifelmaar, das Pulvermaar, ist nur ⅒ so groß. Wie stimmungsvoll paßt die Benediktinerabtei Laach zu der Stille der Landschaft, zu der Ruhe des Sees und dem Schweigen des Waldes! Die schöne Abteikirche, in edlem romanischen Stile erbaut, stammt aus dem Jahre 1156. Sie ist mit einer Kuppel und fünf Türmen geschmückt. Die zierliche Vorhalle wurde 1859 neu hergestellt. Die Ornamentik an den Säulenkapitälen ist überaus fein und sorgfältig ausgeführt (Abb. 151). Der sehr schöne, in romanischem Stile gehaltene Hochaltar wurde vom Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1899 geschenkt.

Abb. 171. Remscheid.Nach einer Photographie im Verlag von Herm. Krumm in Remscheid. (ZuSeite 175.)

Abb. 171. Remscheid.Nach einer Photographie im Verlag von Herm. Krumm in Remscheid. (ZuSeite 175.)

Nach kurzem Aufenthalt wandern wir weiter. Der Hohe Gänsehals ist unser Ziel. Von der Waldespracht des Laacher Sees müssen wir bald Abschied nehmen. Einförmig liegt das Land in seinem düstern, dunkelgrauen Ton vor uns. Es ist Aschenboden, über den wir wandern. Hier und da eine Halde, der die Bewohner von der schwärzlichen Asche entnehmen. Von zahlreichen kleinen und größerenBomben ist die Aschenmasse durchsetzt. Mäßig hohe Berge, Vulkanberge, wölben sich aus der kahl und daher so tot erscheinenden Landschaft heraus. Auch der Gänsehals, der dort vor uns aufsteigt, hat nur eine geringe relative Höhe. Dennoch bietet er als höchster Punkt der Gegend (591mhoch) — und besonders der auf ihm errichtete Aussichtsturm — einen umfassenden Rundblick dar, nach Osten über das waldgeschmückte Gebiet des Laacher Sees, dessen Spiegel hell aufblitzt, und nach Nordwesten über die stolzen Basaltkuppen der Hohen Eifel.

Abb. 172. Kaiser Wilhelm-Brücke bei Müngsten.Nach einer Photographie im Verlage von Herm. Krumm in Remscheid. (ZuSeite 175.)

Abb. 172. Kaiser Wilhelm-Brücke bei Müngsten.Nach einer Photographie im Verlage von Herm. Krumm in Remscheid. (ZuSeite 175.)

Gesteine der Eifel.

Eine große Verbreitung haben in dem östlichen Vulkangebiet der Eifel die Schlackentuffe. Drei Arten derselben sind zu unterscheiden, nämlich basaltische, die in der Umgebung fast eines jeden Eifelvulkans vorkommen, zweitens basaltartige, nämlich Leucitphonolithtuffe, die eine große Verbreitung westlich vom Laacher See haben, und drittens trachytische, die namentlich im Brohltal, wo die Traßgewinnung ein wichtiger Industriezweig geworden ist, verbreitet sind. Als Auswurfsmasse der Vulkane der östlichen Eifel ist ferner noch der Bimssand zu nennen. Er ist eine leichte, durchlöcherte Asche von weißlicher Farbe. Die Vulkanherde im Umkreise des Laacher Sees bedeckten mit ihm, ehe sie völlig erloschen, meilenweit und viele Meter hoch das Land. Bis Moselkern, Boppard, Mayen und Brohl lagern die Bimssandsteinschichten, allein auf der linken Rheinseite ein Gebiet von etwa 800qkmbedeckend. Doch auch auf der rechten Rheinseite sind sie noch weithin verbreitet. Sie bilden die Grundlage einer wichtigen Industrie, der Bimssandsteinziegelei. Der Bimssandstein wird zerkleinert und dann mit Kalkmilch angemengt. Aus dieser Masse werden große Ziegelsteine geformt, die sich durch ihre Leichtigkeit und eine geringe Beeinflussung durch den Witterungswechsel auszeichnen. Namentlich zwischen Andernach und Coblenz, in der Nähe der Orte Weißenturm und Urmitz, sind große Ziegeleien angelegt worden, die man auf der Fahrt mit der Eisenbahn sehen kann. Ein schon älterer Industriezweig ist die Lavagewinnung bei Niedermendig. Schon die Römer brachen dort ihre Mühlsteine. Da die Lava von einer 15 bis 20mmächtigen Schicht Sand, Bimsstein und Löß bedeckt ist, mußten die Steinbrüche unterirdisch angelegt werden. Auch die oberste Schicht der Lavamasse mußte noch durchbrochen werden, weil sie ein minderwertiges Gestein liefert. Das darunter anstehende Gestein bildet Pfeiler, von den Arbeitern Stämme genannt, von 1½ bis 2mStärke.Durch den jahrhundertelangen Betrieb der Steinbrüche sind große Hohlräume entstanden. Labyrinthartig verzweigen diese sich im Innern der Erde. Eine niedrige, fast das ganze Jahr sich gleich bleibende Temperatur herrscht in ihnen. Viele werden wegen dieser wertvollen Eigenschaft als Bierkeller benutzt, und ein blühendes Bierbrauereigewerbe, das diese Gunst ausnutzt, hat sich in Niedermendig entwickelt.

Abb. 173. Solingen.Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Tückmantel & Söhne in Solingen. (ZuSeite 175.)

Abb. 173. Solingen.Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Tückmantel & Söhne in Solingen. (ZuSeite 175.)

Hohe Eifel.

Von der eigentlichen vulkanischen Vordereifel wollen wir hiermit Abschied nehmen. An sie schließt sich nach Norden die Hohe Eifel, nach Nordwesten die Schneifel an, an die sich wieder als viertes Glied das Hohe Venn (= Sumpfland) gliedert. Diese sind die höchstgelegenen Gebiete des weiten Gebirgslandes, zu denen die Vordereifel gleichsam nur das Vorland zum Rhein und zur Mosel hin bildet.

Die jetzigen höchsten Bodenwellen der Eifel entsprechen nicht mehr ihren früheren Hauptgebirgszügen, die sich bei ihrer Auffaltung gebildet hatten. Wie bei allen stark abgetragenen Gebirgen haben wir in ihnen die härteren Reste des Gebirgsbodens zu erblicken. Wieder war es, wie beim Hunsrück, der harte Quarzit, der der Verwitterung am meisten widerstand. Aus ihm besteht z. B. der Rücken der Schneifel, der früher zweifellos von der jetzt etwa 100mtiefer gelegenen Wasserscheide des Losheimer Waldes überragt wurde, ferner ein Höhenzug, der sich südlich von Gerolstein nach Nordosten auf Kelberg zu erstreckt, und der Kandelwald, dessen Rücken südlich von Bertrich in der Nähe der Mosel aufsteigt. Die übrigen Gesteinsschichten, die in der Eifel viel verbreitet sind, wie Schiefer, Grauwacke, Kalke, Mergel und Buntsandstein, sind sehr gleichmäßig verwittert, woraus sich das einförmige Oberflächenbild der meisten Eifelgegenden erklärt. Die stolzen Bergkuppen, die die Hohe Eifel trägt, sind vulkanischen Ursprungs, wie die Basaltkuppen der Hohen Acht (760m), die die höchste Erhebung der Eifel bildet, des Steinberg (670m), des zweigipfligen Kelberg (670m), des Aremberg (623m), dessen mächtige Gestalt an der oberen Ahr aufsteigt, und des Michelsberg (556m) bei Münstereifel, der als die bedeutendste Erhebung am nördlichen Eifelrande einen prächtigen Rundblick über das Vorland, über die vorgelagerte reiche Ebene bis hin zu den stolzen Kuppen des Siebengebirges und zu den hohen Türmen des Kölner Doms darbietet. In der ganzen Eifel beträgt die Zahl der Basaltkuppen 210. Ohne sie und die Kraterberge würde das Eifelland überall so einförmig wie die Hochflächen der Schneifel und des Hohen Venn sein, und nur in den Tälern könnten wir landschaftliche Schönheit suchen. Nur stellenweise ist das auf weiten Strecken also recht eintönige Oberflächenbild derEifel durch Waldesschmuck, der Wechsel und Leben in die Landschaft bringt, verschönert. Einst war sie fast in allen ihren Teilen waldreich. Durch törichte Waldverwüstung wurde sie wie so viele Länder ihres schönen Waldkleides größtenteils beraubt. Größere Reste desselben sind noch der Losheimer Wald, die Wälder der Schneifel, der herrliche Kermeter bei Schleiden in der nördlichen Eifel, sowie die Wälder des Laacher See-Gebiets und am Mittellauf der Kyll. In den höher gelegenen Gegenden der Eifel hatte die Waldverwüstung eine schlimme Wirkung zur Folge. Da das Klima für den Anbau zu ungünstig ist, verfielen weite Strecken Landes dem Zustande der öden Heide. In manchen Eifelkreisen nimmt das Ödland drei Viertel der Bodenfläche ein.

Eifellandschaft.

In trauriger Öde liegt das Land vor uns. Heide, soweit das Auge reicht! Nur der Naturfreund findet, daß auch dieses Land seine Schönheit und seinen Zauber hat. Im Spätsommer kleidet sich die düstere Heide mit ihrem Purpurmantel. Das Heidekraut bildet dann einen großen Blütenteppich. Dazwischen erscheinen hie und da auch wohl eine verkrüppelte Kiefer, Fichte, Lärche, Birke oder niedriges Wacholdergesträuch. Die Ruhe erzählt vom Gottesfrieden in der Natur. Bunte Falter flattern von Blume zu Blume, das Geräusch von Tausenden von Bienen summt an unser Ohr, und über den Boden eilen geschäftig zahlreiche Käfer. Nach dem Menschen suchen und fragen wir nicht in dieser Einsamkeit. Doch dort steigt ein leichter Rauch auf. Er verrät eine menschliche Hütte, ein ärmliches Heim, worin die Entbehrung wohnt. Die Heide vermag nur die Bienen, keine Menschen zu ernähren. Nur für den Schäfer, der einsam mit seiner Herde dahinzieht, die die wenigen Grasbüschel sucht, blieb hier noch Raum. Auch er ist inmitten seiner folgsamen und schweigsamen Herde ein Bild des Friedens und der Ruhe. Tagaus, tagein zieht er hinaus auf die braune Eifelheide. Doch wenn der Winter kommt, wenn wild der eisige Schneesturm heult, dann wagt auch er sich nicht mehr hinaus. Wehe dem Wanderer, der dann den verschneiten Weg verfehlt und verlassen umherirrt auf der Heide! Mit fahlem Glanze bricht der Mond durch die schwarzen Wolken durch und bescheint ein Leichentuch, das den verirrten Wanderer unter sich begrub. Ein Grab im Schnee!

Abb. 174. Schloß Burg an der Wupper. (ZuSeite 178.)

Abb. 174. Schloß Burg an der Wupper. (ZuSeite 178.)

Eifelbilder. Das Vorgebirge.

Noch manche Schönheiten zeigt uns die Eifel, wenn wir von den Hochflächen des Landes hinabsteigen in die Täler, die nach allen Seiten, zum Rhein, zur Mosel und zur Maas hin rinnen. In neuester Zeit ist besonders der durch den Bau der Urft-Talsperre (Abb. 152) geschaffene künstliche See bei Gemünd ein beliebtes Reiseziel geworden. Viel gepriesen wird auch das waldgeschmückte Kylltal, dem auf weiter Strecke die Eifelbahn folgt. Gerolstein (Abb. 153) und Kyllburg (Abb. 154) gelten als Glanzpunkte der Eifel. Manderscheid (Abb. 155) mit seinen beiden schöngelegenen Burgen und seinem steil aufragenden Mosenberg möchte ihnen im Liesertal den Rang streitig machen. Alle drei Orte werden im Sommer viel besucht. In den großen Gasthöfen, die dort entstanden sind, nehmen zahlreiche Familien längeren Aufenthalt. Noch größer ist die Zahl der durchreisenden Touristen, die nur in flüchtiger Reisestunde die Schönheiten dieser Punkte würdigen können. Locken sie doch noch so viele andere Schönheiten des Landes. Versteckt im Eltztale liegt die Burg Eltz (Abb. 156u.157), eine der wenigen rheinischen Burgen, die bei den Raubkriegen der Franzosen der Zerstörung entgingen. Das Nettetal prangt in der Schönheit seiner Wälder, es grüßt sein munteres Flüßchen die schön gelegene Stadt Mayen, und weiter unterhalb mißt dasselbe seine Kraft, wo die viel besuchte Rauscher Mühle liegt, an einem mächtigen Lavastrom, der in sein Bett hinabgeflossen ist, und über dessen Felsmassen es in Wasserstürzen hinabrauscht. Freundliche Bilder entfaltet auch das Brohltal, durch das uns auf der Rückwanderung vom Laacher See der Weg führt, und Eigenartiges bietet es zugleich. Wir grüßen die Ruine Olbrück, uns begleiten die hohen Tuffwände, in denen schon die Römer wühlten, um wertvollen Mörtel für ihre Bauten, besonders für Wasserbauten, zu gewinnen, und in dem Örtchen Burgbrohl sehen wir Kohlensäure dem vulkanischen Boden entsteigen, deren Gewinnung eine neue Industrie ins Leben gerufen hat. Endlich das Ahrtal! Dort weht schon Rheinluft. Darum folgten wir ihm schon auf einer früheren Wanderung.

Wer von Bonn aus die Rheinfahrt nach Köln fortsetzt, bemerkt, wie die Höhen, die bis dahin so malerisch die Ufer schmückten, sich immer mehr von diesen entfernen. Zwischen niedrigen, doch nicht völlig flachen Ufern wälzt der Strom, der schon oberhalb Bonn zu einer stattlichen Breite angewachsen war, seine Fluten dahin. Vom obersten Deck des Dampfers können wir über das Land frei hinwegschauen. Eine schöne Ebene, die geographisch gewöhnlich als Kölner Bucht bezeichnet wird, dehnt sich zu beiden Seiten des Stromes aus, begrenzt im Westen und Osten von niedrigen Höhen, die anfangs von ihm etwa 5, weiter nach Norden etwa 10kmentfernt sind.

Von der Fruchtfülle, den wogenden Getreidefluren des Kölner Landes erhalten wir ein besseres Bild, wenn wir die Reise von Bonn nach Köln statt zu Schiff mit der Eisenbahn machen. In unmittelbarer Nähe des Vorgebirges fahren wir vorbei. Ein Kranz von blühenden Ortschaften säumt dessen Fuß, deren Bewohner einen ausgedehnten Gartenbau, Obst-, Gemüse- und Blumenzucht betreiben. Wenn im Frühjahr die Obstblüte beginnt, dann entfaltet dieser östliche Abhang des Vorgebirges, den man den großen Küchengarten von Köln und Bonn nennen könnte, ein Bild seltener Pracht und Anmut. Die sanftgeneigten Abhänge sind mit Tausenden von großen Blütensträußen geschmückt, die bald dichter stehen und zu einem weißen Blütenmeer verschmelzen, an anderen Stellen mehr einzeln sich aus dem jungen Grün herausheben. Das ist die Zeit, wo die Bonner, die Kölner in Scharen besonders nach dem in einer Einbuchtung des Höhenzuges so sonnig gelegenen Alfter strömen, teils um sich an der Blütenpracht zu ergötzen, teils auch — und manche soll das mehr noch locken — um den ersten Spargel zu kosten.Auch das Städtchen Brühl, wo sich ein Kaiserliches Schloß, das 1725 bis 1728 durch den Kölner Kurfürsten Clemens August erbaut wurde, mit großem, schattigem Park befindet, die von schönen Anlagen umgebene Bahnstation Kierberg, sowie die Waldpartien der Kranzmaar und von Königsdorf, westlich von Köln, locken während des ganzen Sommers viele Ausflügler an, die dem Stadtgewühl entfliehen wollen. So bieten sich auch in diesem Teile Rheinlands, den Bewohnern der Ebene, noch manche schöne Punkte, die eines Besuches wert sind, wenn auch der Zauber fehlt, den rebengeschmückte Berge, sagenumwobene alte Burgen und der stete Anblick des von Schiffen belebten Stromes dem engen Rheintal verleihen.

Rheinfahrt von Bonn nach Köln.

Auf der Fahrt mit dem Dampfschiff von Bonn nach Köln zeigt uns das ebene Land nur wenige Merkwürdigkeiten. Gleich nach der Abfahrt wird rechts die Doppelkirche von Schwarzrheindorf (Abb. 158) sichtbar, die bei den Kunstkennern besonders wegen ihres reizenden Chorrundganges und ihrer altkölnischen Malereien als ein Baudenkmal von hervorragendem künstlerischen Werte gilt. Sie wurde 1149 bis 1151 als Grabkirche für den Erzbischof ArnoldII.von Wied errichtet. Die untere Kirche war für die Gemeinde, die obere für die Nonnen bestimmt. Leider ist die Kirche, die zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts nur noch als Pferdestall und Scheune zu benutzen war, trotz zweimaliger, gründlicher Restaurierung stark in Verfall geraten, so daß Kunstkenner sich über ihren heutigen Zustand sehr besorgt äußern.

Abb. 175. Der Altenberger Dom. (ZuSeite 178.)

Abb. 175. Der Altenberger Dom. (ZuSeite 178.)

Etwa eine Stunde unterhalb Bonn erfolgt die Einmündung der Sieg in den Rhein. Wir können die Mündungsstelle, die durch Weidengebüsch verdeckt wird, vom Schiffe aus nicht sehen; aber ein schwärzlicher Streifen in dem grünen Rheinwasser verrät sie am rechten Ufer. Wenig unterhalb der Siegmündung liegt der Ort Mondorf. Die zahlreichen, am Rheinufer zum Trocknen aufgestellten Netze verraten uns schon die Beschäftigung vieler seiner Bewohner. Ohne auffälligen Wechsel der Uferbilder geht die Fahrt weiter, an dem langen Dorfe Hersel, das hinter den Nußbäumen einer Rheininsel hervorlugt, und an dem Fabrikorte Wesseling vorbei. Vor uns, in der Fahrtrichtung, werden die hohen Türme desKölner Domes immer deutlicher sichtbar. Zuerst erschienen sie über dem rechten Ufer. Plötzlich schauen wir sie zur Linken, dann tauchen sie wieder rechts auf. Wir haben während der Fahrt die Biegungen des Rheines nicht verfolgt und sind fast irre geworden, auf welcher Seite des Stromes eigentlich Köln liege, bis endlich auch das übrige Bild der großen Stadt links vor uns auftaucht. Wie ein Wächter, den frühere Zeiten abzulösen vergaßen, reckt sich am Ufer der hohe Bayenturm heraus, die frühere Zollstelle bezeichnend. Über die neuen Werft- und Hafenanlagen, die von 1892 bis 1898 angelegt wurden, gleitet dann der Blick. Immer großartiger gestaltet sich das Gesamtbild (Abb. 159). Links und rechts fassen hohe Gebäudereihen den breiten Strom ein, über den eine niedrige Schiffbrücke und eine hohe Gitterbrücke (Abb. 160) hinüberführen nach Deutz, dem früheren Brückenkopf von Köln. Besonders das linksseitige Stadtbild, das eigentliche Köln, fesselt den Blick. Aus dem Häusermeer tauchen zahlreiche Kirchen auf; aber alle überragt riesenhaft der majestätische Dom, so daß selbst die hohe Gitterbrücke mit ihren stolzen Türmen zwerghaft in die Tiefe versinkt. Die feste Rheinbrücke wird zurzeit durch eine breitere, die an der nämlichen Stelle, neben der alten, errichtet wird, ersetzt, und außer ihr ist noch eine zweite feste Brücke, die Südbrücke, im Bau begriffen.

Köln.

Von der Landestelle des Dampfers, neben der stets belebten Schiffbrücke, gelangen wir unmittelbar in das alte Köln, zuerst auf den Heumarkt, auf dem das Denkmal des Königs Friedrich WilhelmIII.steht, dann auf den Altenmarkt, den ein Denkmal des berühmten Reitergenerals Jan von Werth aus dem Dreißigjährigen Krieg, der 1651 starb, in Gestalt eines Monumentalbrunnens schmückt. Wie eine heitere Sage erzählt, soll Jan früher Knecht gewesen und wegen verschmähter Liebe Kriegsmann geworden sein. Er wurde ein Reitergeneral, die Bauersmagd aber saß, als er seinen Einzug in Köln hielt, als Apfelweib am Stadttor. Zwei Figuren am Brunnen, einen kölnischen Bauer und ein kölnisches Mädchen aus jener Zeit darstellend, deuten auf diese Sage hin. Ein plattkölnisches Gedicht, von Kramer verfaßt, aus dem der Leser die Kölner Mundart kennen lernen möge, erzählt sie in folgender Weise:

„Zo Köln em ahlen Kümpchens-HofWunt ens nä Boersmann,Dä hat en Mäd, de nannt sich Griet,Nä Knäch, dä nannt sich Jan.Dat Griet, dat wohr en fresche Mäd,Grat we vun Milch un Bloot,Dä Jan, dat wohr nä starke Boorsch,Dem Griet vun Häzen good.Ens säht hä: „Sag,“ esu säht hä:„Sag, Griet, bin ich derr räch?Nemm mich zom Mann, do bes en Mäd,Un ich, ich den nä Knäch.“Do säht it: „Jan, do bes nä Knäch,Und ich en schöne Mäd:Ich well nä däft’gen Halfen hanMed Oes un Köh un Päd.“Un als dä Jan dä Kall gehoot,Do trock hä en dä Kreeg,Schlog immer düchtig en dä Feind,Holf wennen manchen Seeg.We widder hä no Köllen kom,Sos hä op stolzem Päd,Dä Jan dä wohr no Feldmarschall,Dä große Jan vun Wäht.We widder en de Poz hä kom,Sos en der Poz dat Griet,It sos vör einem Appelkrom,Wo it Kruschteien briet.Un als dä Jan dat Griet dät sin,Leht stell sing Päd hä stonn.Un größten it un säht zo im:„Grieht! wer et hät gedonn!“Un als dat Griet dä Jan dät sinSu blänkig usgeroß,Do größt it in un säht zo im:„Jo! wär et hät gewoßt!“Ehr kölsche Mädchen, merkt üch dat,Un sit mer nit so friet,Gar mäncher hät et leid gedonn,Dat lehrt vum Jan un Griet.“

„Zo Köln em ahlen Kümpchens-HofWunt ens nä Boersmann,Dä hat en Mäd, de nannt sich Griet,Nä Knäch, dä nannt sich Jan.

„Zo Köln em ahlen Kümpchens-Hof

Wunt ens nä Boersmann,

Dä hat en Mäd, de nannt sich Griet,

Nä Knäch, dä nannt sich Jan.

Dat Griet, dat wohr en fresche Mäd,Grat we vun Milch un Bloot,Dä Jan, dat wohr nä starke Boorsch,Dem Griet vun Häzen good.

Dat Griet, dat wohr en fresche Mäd,

Grat we vun Milch un Bloot,

Dä Jan, dat wohr nä starke Boorsch,

Dem Griet vun Häzen good.

Ens säht hä: „Sag,“ esu säht hä:„Sag, Griet, bin ich derr räch?Nemm mich zom Mann, do bes en Mäd,Un ich, ich den nä Knäch.“

Ens säht hä: „Sag,“ esu säht hä:

„Sag, Griet, bin ich derr räch?

Nemm mich zom Mann, do bes en Mäd,

Un ich, ich den nä Knäch.“

Do säht it: „Jan, do bes nä Knäch,Und ich en schöne Mäd:Ich well nä däft’gen Halfen hanMed Oes un Köh un Päd.“

Do säht it: „Jan, do bes nä Knäch,

Und ich en schöne Mäd:

Ich well nä däft’gen Halfen han

Med Oes un Köh un Päd.“

Un als dä Jan dä Kall gehoot,Do trock hä en dä Kreeg,Schlog immer düchtig en dä Feind,Holf wennen manchen Seeg.

Un als dä Jan dä Kall gehoot,

Do trock hä en dä Kreeg,

Schlog immer düchtig en dä Feind,

Holf wennen manchen Seeg.

We widder hä no Köllen kom,Sos hä op stolzem Päd,Dä Jan dä wohr no Feldmarschall,Dä große Jan vun Wäht.

We widder hä no Köllen kom,

Sos hä op stolzem Päd,

Dä Jan dä wohr no Feldmarschall,

Dä große Jan vun Wäht.

We widder en de Poz hä kom,Sos en der Poz dat Griet,It sos vör einem Appelkrom,Wo it Kruschteien briet.

We widder en de Poz hä kom,

Sos en der Poz dat Griet,

It sos vör einem Appelkrom,

Wo it Kruschteien briet.

Un als dä Jan dat Griet dät sin,Leht stell sing Päd hä stonn.Un größten it un säht zo im:„Grieht! wer et hät gedonn!“

Un als dä Jan dat Griet dät sin,

Leht stell sing Päd hä stonn.

Un größten it un säht zo im:

„Grieht! wer et hät gedonn!“

Un als dat Griet dä Jan dät sinSu blänkig usgeroß,Do größt it in un säht zo im:„Jo! wär et hät gewoßt!“

Un als dat Griet dä Jan dät sin

Su blänkig usgeroß,

Do größt it in un säht zo im:

„Jo! wär et hät gewoßt!“

Ehr kölsche Mädchen, merkt üch dat,Un sit mer nit so friet,Gar mäncher hät et leid gedonn,Dat lehrt vum Jan un Griet.“

Ehr kölsche Mädchen, merkt üch dat,

Un sit mer nit so friet,

Gar mäncher hät et leid gedonn,

Dat lehrt vum Jan un Griet.“

Vom Altmarkt nehmen wir den Weg nach Westen zum Rathause (Abb. 161), einem interessanten, auf gewaltigem römischen Unterbau ruhenden Bauwerk, andem besonders die zierliche, im Renaissancestil erbaute Vorhalle und der fünfstöckige Turm, der 1407 bis 1414 mit Strafgeldern der Adelsgeschlechter erbaut wurde, gelobt werden. In der Nähe liegt auch der Gürzenich, der alte Festsaal der Stadt Köln. Er wurde 1441 bis 1452 als „der Herren Tanzhaus“ errichtet. Sein Bau kostete damals80000 Gulden. Viele große Feste wurden im Laufe der Jahrhunderte in ihm gefeiert. In der Zeit des Niederganges Kölns, im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert, geriet er so in Verfall, daß er nur noch als Lagerraum benutzt werden konnte, bis ihn in unserer Zeit die neu aufblühende alte Hansastadt nach gründlicher Wiederherstellung des Inneren 1857 wieder seiner früheren Bestimmung übergab.


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