30.

„Sergey — Sergey Aleksandrowitsch,“ sprach sie und wollte voranschreiten. Der Gehilfe des Portiers besah das Rubelpapier, hielt sie aber an der zweiten Glasthür fest.

„Was wollt Ihr?“ frug er.

Sie hörte weder seine Worte, noch antwortete sie etwas.

Als Kapitonitsch die Verwirrung der Unbekannten bemerkte, kam er selbst zu ihr, ließ sie in die Thür herein und frug, was ihr gefällig wäre.

„Vom Fürsten Skorodumoff komme ich und will zu Sergey Aleksandrowitsch,“ sprach sie.

„Der junge Herr ist noch nicht aufgestanden,“ antwortete der Portier, sie aufmerksam betrachtend.

Anna hatte durchaus nicht erwartet, daß das vollständig unverändert gebliebene Äußere des Vorzimmers dieses Hauses, in welchem sie neun Jahre gelebt hatte, so mächtig auf sie einwirken würde. Eine nach der anderen, erhoben sich frohe und trübe Erinnerungen in ihrer Seele und für einen Augenblick hatte sie vergessen, weshalb sie hier war.

„Wollt Ihr gefälligst warten?“ sagte Kapitonitsch, ihr den Pelz abnehmend. Nachdem er den Pelz abgenommen hatte, blickte er ihr ins Gesicht, erkannte sie und machte schweigend eine tiefe Verbeugung. „Bitte gefälligst, gnädigste Frau,“ sagte er zu ihr.

Sie wollte etwas erwidern, doch versagte ihr die Stimme, so daß sie keinen Ton hervorzubringen vermochte. Wie schuldbewußt bittend, blickte sie den Alten an, und stieg dann mit schnellen Schritten die Treppe hinauf. Ganz vorgebeugt und mit den Kaloschen an den Stufen hängen bleibend, lief Kapitonitsch ihr nach im Bemühen, ihr zuvorzukommen.

„Der Lehrer ist dort, er ist vielleicht nicht angekleidet. Ich muß erst melden.“

Anna ging weiter die ihr bekannte Treppe hinauf, ohne zu verstehen, was der Alte gesprochen hatte.

„Hierher, bitte links. Entschuldigt, daß alles noch unsauber ist. Der junge Herr ist jetzt im früheren Diwanzimmer,“ sagte der Portier keuchend. „Gestattet, geduldet Euch ein wenig, Excellenz, ich will nachsehen,“ sagte er, öffnete, vor sie tretend, die hohe Thür und verschwand in derselben. Anna blieb stehen und wartete.

„Er ist soeben erwacht,“ sagte der Portier, wieder aus der Thür kommend.

Im nämlichen Augenblick, als der Portier dies sagte, hörte Anna den Klang eines kindlichen Gähnens. Schon an der Stimme dieses Gähnens erkannte sie den Sohn und sie sah ihn wie lebendig vor sich.

„Laß mich hinein, laß mich, laß mich!“ sprach sie und trat durch die hohe Thür. Rechts von derselben stand das Bett, und im Bett saß der Knabe, welcher sich aufgerichtet hatte, im halbgelösten Hemdchen, den kleinen Körper vorgebeugt, sich streckend und ausgähnend.

Im Augenblick, als seine Lippen sich schlossen, kräuselten sie sich zu einem glücklichen traumhaften Lächeln, und mit diesem Lächeln legte er sich langsam und zufrieden wieder zurück.

„Mein Sergey!“ flüsterte sie, unhörbar an ihn herantretend.

Während ihrer Trennung von ihm, und unter dem Einfluß der Liebe, welche sie in dieser ganzen letzten Zeit empfunden, hatte sie sich ihn als vierjährigen Knaben, so wie sie ihn am liebsten gehabt hatte, vorgestellt.

Jetzt war er schon nicht einmal mehr so, wie sie ihn verlassen hatte. Er hatte sich noch weiter entfernt vom Alter des Vierjährigen, war noch mehr gewachsen und magerer geworden. — Was war das? — Wie hager erschien sein Gesicht, wie kurz war sein Haar? Wie lang seine Hände! Wie hatte er sich verändert seit jener Zeit, da sie ihn verlassen! Aber er war es doch, mit dieser Form seines Kopfes, seinen Lippen, dem geschmeidigen Hals und den breiten kleinen Schultern.

„Sergey!“ wiederholte sie dicht über dem Ohr des Kindes.

Dieser erhob sich wiederum auf den Ellbogen, wandte den Kopf verwirrt nach beiden Seiten, als suche er etwas und öffnete die Augen. Still und fragend blickte Sergey einige Sekunden auf die unbeweglich vor ihm stehende Mutter, dann lächelte er plötzlich, glückselig, schloß wiederum die noch schlaftrunkenen Augen, und warf sich, nicht mehr zurück, sondern ihr entgegen, in ihre Arme.

„Sergey! Geliebter Knabe!“ sprach sie mit erstickter Stimme, mit beiden Armen den blühenden Körper umfangend.

„Mama!“ sagte er, sich regend in ihren Armen, um mit wechselnden Stellen seines Leibes ihre Arme berühren zu können.

Schlaftrunken lächelnd, noch immer mit geschlossenen Augen, faßte er mit den runden Ärmchen von der Bettlehne nach ihren Schultern, und warf sich auf sie, jenen lieblichen Schlafduft, jene Wärme von sich ausströmend, die nur bei Kindern da ist, und begann dann, sein Gesicht an ihrem Hals und ihren Schultern zu reiben.

„Ich wußte es,“ sagte er, die Augen öffnend. „Heute ist mein Geburtstag. Ich wußte es, daß du kommen würdest. Sogleich werde ich aufstehen.“

Mit diesen Worten kam er zu sich.

Voll Sehnsucht betrachtete ihn Anna; sie sah, wie er gewachsen war und sich in ihrer Abwesenheit verändert hatte. Sie erkannte und erkannte auch nicht seine nackten Füße, die jetzt so groß geworden waren und aus der Bettdecke hervorschauten, sie erkannte diese hager gewordenen Wangen, diese verschnittenen, kurzen Haarlocken im Nacken, auf welchen sie ihn so oft geküßt hatte. Sie befühlte alles dies und vermochte nichts zu sprechen; die Thränen erstickten sie.

„Weshalb weinst du denn Mama?“ sagte er, vollständig aus dem Schlafe erwacht. „Mama, weshalb weinst du?“ rief er aus mit weinerlicher Stimme.

„Ich weine nicht; ich weine vor Freude; ich habe dich so lange nicht gesehen. Nein, ich werde nicht, werde nicht weinen,“ sagte sie, ihre Thränen verschluckend und sich abwendend. „Nun, jetzt mußt du dich aber ankleiden,“ fügte sie, sich aufrichtend hinzu, und setzte sich, ohne seine Hände loszulassen,neben seinem Bett auf einen Stuhl, auf welchem sein Anzug bereit lag.

„Wie kleidest du dich ohne mich an? Wie“ — wollte sie natürlich und heiter zu sprechen beginnen, aber sie vermochte es nicht, und wandte sich abermals ab.

„Ich wasche mich nicht in kaltem Wasser. Papa hat es nicht gestattet. Aber Wasiliy Lukitsch, den hast du wohl noch nicht gesehen? Er wird gleich kommen. Du hast dich ja auf mein Kleid gesetzt!“

Sergey lachte auf; sie blickte ihn an und lächelte.

„Mama, mein Herz, meine Taube!“ rief er aus, sich wieder ihr entgegenwerfend und sie umfangend. Es war, als ob er jetzt erst, indem er ihr Lächeln erblickte, klar erkannt hätte, was vorgefallen sei. „Das ist nicht nötig,“ sagte er, ihr den Hut abnehmend, und gleichsam, als ob er sie aufs neue ohne den Hut erkännte, warf er sich abermals ihr entgegen, um sie zu küssen.

„Aber was hast du von mir gedacht? Du hast nicht gemeint, daß ich tot sei?“

„Niemals habe ich es geglaubt.“

„Du hast es nicht geglaubt, mein Herz?“

„Ich habe gewußt, gewußt!“ wiederholte er mit seiner Lieblingsphrase, und begann, nachdem er ihre Hand ergriffen, die mit seinem Haar spielte, sie mit der inneren Fläche an seinen Mund zu pressen und zu küssen.

Wasiliy Lukitsch, welcher anfangs nicht begriff, wer diese Dame da war, und erst aus dem Gespräch erkannte, dies sei jene selbe Mutter, welche ihren Gatten verlassen, und die er nicht kannte, da er erst nach ihrem Scheiden dieses Haus betreten hatte, befand sich in Zweifel, ob er eintreten oder Aleksey Aleksandrowitsch Mitteilung machen sollte. Nachdem er aber erwogen hatte, daß seine Verpflichtung nur darin bestehe, bei Sergey zur bestimmten Stunde zu inspizieren, und er demgemäß keine Beobachtungen anzustellen habe, wer dort saß, die Mutter oder jemand anderes, sondern nur seine Pflicht erfüllen müsse, so kleidete er sich an, trat zur Thür und öffnete sie.

Aber die Liebkosungen zwischen Mutter und Kind, der Klang ihrer Stimmen und das, was sie sprachen, ließ ihn doch noch seinen Entschluß ändern. Er schüttelte den Kopf, seufzte und schloß die Thür wieder.

„Ich werde noch zehn Minuten warten,“ sagte er zu sich selbst, hustend und sich Thränen abwischend.

In der Dienerschaft des Hauses war mittlerweile eine mächtige Bewegung entstanden. Alle hatten erfahren, daß die Herrin angekommen sei, und Kapitonitsch sie eingelassen habe, daß sie sich jetzt in der Kinderstube befinde, während sich doch der Herr selbst stets in der neunten Stunde dorthin begebe; und alle erkannten, daß eine Begegnung der beiden Gatten unmöglich war, und verhindert werden müsse.

Korney, der Kammerdiener, begab sich in die Portierloge und frug, wer die Dame eingelassen habe, und wie dies zugegangen sei, und als er gehört hatte, daß Kapitonitsch sie empfangen und hereingeleitet habe, machte er dem Alten Vorwürfe. Dieser hörte mit hartnäckigem Schweigen zu, als ihm aber Korney sagte, daß man ihn deswegen davonjagen müßte, sprang Kapitonitsch auf ihn zu und sagte, mit den Händen vor Korneys Gesicht fuchtelnd:

„Ja, du hättest sie freilich nicht eingelassen! Ich habe zehn Jahre hier gedient und nichts als Liebes gesehen, du aber wärest gekommen und hättest gesagt ‚bitte, gefälligst hinaus!‘ — Du verstehst die Politik fein! So ist es! Du scheinst auf deine Weise schon zu verstehen, wie man einen Herrn für sich einnimmt und den Mantel nach dem Winde hängt!“

„Ein Soldat!“ erwiderte Korney verächtlich, und wandte sich zu der eintretenden Amme: „Urteilt Ihr, Marja Jesimowna: Er hat die Gnädige eingelassen, ohne jemandem etwas davon zu sagen,“ wandte sich Korney zu ihr.

„Aleksey Aleksandrowitsch wird sogleich erscheinen und nach der Kinderstube gehen.“

„Was giebt es da für Auseinandersetzungen,“ sagte diese, „Ihr Korney Wasiljewitsch, habt ihn irgendwo ein wenig zurückzuhalten, den Herrn nämlich, und ich laufe sogleich, um die gnädige Frau irgendwie beiseite zu bringen. Sind das Auseinandersetzungen!“ —

Als die Kinderfrau in die Kinderstube trat, erzählte Sergeyder Mutter gerade, wie er mit Nadenka vom Berge herab, beim Eisfahren gefallen sei und daß sich dabei beide dreimal umkugelt hätten. Sie lauschte den Klängen seiner Stimme, sah sein Gesicht und das Spiel seiner Mienen, sie fühlte seine Hand, aber sie verstand nicht, was er sprach.

„Ich muß fort, und ihn verlassen,“ das allein nur dachte und fühlte sie noch. Sie vernahm wohl die Schritte Wasiliy Lukitschs, der zur Thür schritt, und hustete, sie vernahm wohl die Schritte der nahenden Kinderfrau, aber sie saß, wie zu Stein geworden, und nicht bei Kräften zu sprechen oder aufzustehen.

„Gnädige Frau, meine Liebe!“ begann die Amme, sich Anna nähernd, und ihr Hände und Schultern küssend. „Gott hat unserem Geburtstagskinde Freude gebracht. Ihr habt Euch doch gar nicht verändert.“

„Ach, Amme, du Gute, ich habe gar nicht gewußt, daß Ihr noch im Hause seid,“ sagte Anna, für eine Minute zur Besinnung kommend.

„Ich wohne nicht hier, sondern bei meiner Tochter, und bin nur gekommen, um zu gratulieren, Anna Arkadjewna, meine Teure.“

Die Amme brach plötzlich in Thränen aus und küßte von neuem die Hand der Herrin.

Sergey hielt sich, mit glänzenden Augen lächelnd, mit der einen Hand an seiner Mutter, mit der anderen an der Amme an und stampfte mit den wohlgenährten Füßchen auf den Teppich. Die Zärtlichkeit der geliebten Amme gegen seine Mutter versetzte ihn in Entzücken.

„Mama! Sie kommt oft zu mir, und wenn sie kommt“ — wollte er beginnen, hielt aber inne, als er bemerkte, daß seine Amme der Mutter etwas zuflüsterte, und auf deren Gesicht sich Schrecken auspräge, und etwas wie Scham, was der Mutter so gar nicht zu Gesicht stand.

Diese kam zu ihm.

„Mein Liebling,“ sprach sie.

Sie konnte nicht sagen, „lebewohl“, aber der Ausdruck ihres Gesichts sagte es, und er verstand.

„Mein süßer, lieber Kleiner!“ sagte sie zu ihm und nannte ihn mit einem Kosenamen, mit welchem sie ihn als er nochganz klein gewesen, zu rufen pflegte, „wirst du mich auch nicht vergessen? Du“ — doch weiter vermochte sie nicht zu sprechen.

Soviel Worte sie sich auch später noch ausdachte, die sie ihm hätte sagen können — jetzt wußte und vermochte sie nichts zu sagen. — Sergey aber verstand alles, was sie ihm mitteilen wollte. Er verstand, daß sie unglücklich sei und ihn liebte. Er verstand sogar, was die Amme flüsternd gesprochen hatte. Hörte er doch die Worte: „Stets in der neunten Stunde“; und er begriff, daß damit sein Vater gemeint sei, und die Mutter mit dem Vater nicht zusammentreffen dürfe. Dies verstand er; Eins aber konnte er nicht begreifen: weshalb sich auf ihrem Antlitz Schrecken und Scham gezeigt hatte! Sie war nicht schuldig, und fürchtete ihn doch und empfand Scham über Etwas. Er wollte eine Frage stellen, die ihm diesen Zweifel hätte aufklären können, wagte es aber nicht zu thun. Er sah, daß sie litt, und empfand Mitleid mit ihr. Schweigend schmiegte er sich an sie und sprach flüsternd:

„Geh' noch nicht. Er kommt noch nicht gleich.“

Die Mutter schob ihn von sich, um zu erkennen, ob er auch so denke, wie er gesprochen hatte, und las aus dem erschreckten Ausdruck seines Gesichts, daß er nicht nur von dem Vater gesprochen habe, sondern sie sogar gleichsam frage, wie er wohl über seinen Vater denken solle.

„Sergey, mein Herzblatt,“ sagte sie, „liebe ihn, er ist besser und edler als ich, und ich trage eine Schuld vor ihm. Wenn du einmal groß bist, dann wirst du urteilen können.“

„Bessere Menschen als dich giebt es nicht!“ rief er voll Verzweiflung, durch Thränen hindurch, faßte sie an den Schultern, und begann sie aus allen Kräften an sich zu pressen mit vor Anstrengung bebenden Armen.

„Meine Seele, mein liebes Kind!“ sagte Anna, und begann, hingerissen, so nach Kinderart zu weinen, wie er selber weinte.

Da öffnete sich die Thür und Wasiliy Lukitsch trat ein.

An der anderen Thür wurden Schritte vernehmbar, und entsetzt flüsterte ihr die Amme zu „er kommt“ und reichte Anna den Hut.

Sergey ließ sich auf sein Bett sinken und begann zu schluchzen, das Gesicht mit den Händen bedeckend. Annanahm diese Hände weg, küßte ihm noch einmal das bethaute Antlitz und ging schnellen Schrittes zur Thür hinaus.

Aleksey Aleksandrowitsch trat ihr in den Weg. Als er sie erblickt hatte, blieb er stehen und beugte den Kopf.

Ungeachtet dessen, daß sie soeben erst gesagt hatte, er sei besser und edler als sie, erfaßten sie bei dem schnellen Blick, den sie auf ihn warf, seine ganze Erscheinung mit allen ihren Einzelheiten umfangend, die Gefühle des Widerwillens gegen ihn; der Wut und des Neides um den Sohn. Mit schneller Bewegung ließ sie den Schleier fallen, und eilte fast, ihren Schritt verdoppelnd, aus dem Zimmer.

Sie war nicht dazu gekommen, die Geschenke herauszunehmen, die sie mit so großer Liebe und so großem Schmerz gestern im Laden gekauft hatte, und brachte sie wieder mit nach Hause.

So sehr wie Anna auch ein Wiedersehen mit ihrem Sohne gewünscht hatte, so lange sie auch nur hieran gedacht, sich nur hierauf vorbereitet hatte, so hatte sie doch keineswegs erwartet, daß dieses Wiedersehen eine so mächtige Wirkung auf sie ausüben würde.

Zurückgekehrt in ihre einsamen Appartements im Hotel, konnte sie lange nicht fassen, warum sie eigentlich hier sei.

„Ja; das ist alles vorüber und ich bin wieder allein,“ sagte sie zu sich und setzte sich, ohne den Hut abzulegen, auf einen am Kamin stehenden Sessel. Mit unbeweglichen Augen auf die Bronzeuhr blickend, welche auf dem Tische zwischen den Fenstern stand, begann sie zu sinnen.

Die französische Zofe, die mit aus dem Auslande gebracht worden war, trat ein, um sie anzukleiden. Verwundert blickte sie dieselbe an und sagte nur „später“. Der Lakai brachte den Kaffee; sie sagte nur „später“. Die italienische Amme, die das kleine Mädchen geputzt hatte, trat mit demselben ein und brachte es Anna. Das dicke, wohlgenährte Kind hob, wie stets, wenn es die Mutter sah, die nackten mit Bändern umspannten Händchen, die Handflächen nach unten, und begann, mit dem noch zahnlosen Mündchen lächelnd, wie ein Fisch an der Angel mit den Händchen zu arbeiten, und mitihnen an den gesteiften Falten des gestickten Jäckchens zu scheuern.

Man mußte unwillkürlich lächeln und das Kindchen küssen, man mußte ihm einen Finger vorhalten, an dem es anfassen konnte, jauchzend und mit dem ganzen Körper in Bewegung. Man konnte nicht umhin, ihm die Lippe darzubieten, die es anstatt eines Kusses in das Mündchen nahm. Und alles das that Anna, und sie nahm das Kind auf ihre Arme und ließ es hüpfen, und küßte es auf die frische Wange und die entblößten Ärmchen, aber bei dem Anblick dieses Kindes wurde es ihr nur noch klarer, daß das Gefühl, welches sie für dasselbe hegte, nicht einmal Liebe war im Vergleich zu dem, was sie für Sergey fühlte. Alles an diesem kleinen Mädchen war lieblich, aber alles das fand keinen Eingang in ihr Herz. Auf ihrem ersten Kinde — hatte sie es auch gleich von einem ungeliebten Manne — ruhte alle Kraft jener Liebe, die keine Befriedigung gefunden hatte; das Mädchen war unter den schwierigsten Verhältnissen geboren worden, und auf dasselbe war nicht der hundertste Teil der Sorgfalt verwendet worden, wie auf das erste Kind; außerdem war bei diesem Mädchen alles noch Erwartung, Sergey hingegen schon fast wahrhaft Mensch und ein geliebter Mensch; in ihm kämpften bereits Gedanken und Gefühle miteinander. Er begriff und liebte, er beurteilte sie, wie sie meinte, indem sie seiner Worte und Blicke gedachte. Und doch war sie auf immer nicht nur körperlich, sondern auch geistig von ihm getrennt, ließ sich nichts mehr besser gestalten.

Sie gab das kleine Mädchen der Amme zurück, entließ diese, und öffnete ein Medaillon, in welchem ein Porträt Sergeys war, ihn darstellend, als er noch fast das nämliche Alter hatte, wie das kleine Mädchen jetzt. Sie stand auf und nahm, ihren Hut ablegend, von einem kleinen Tische ein Album, in welchem sich Photographieen ihres Sohnes aus anderen Lebensaltern befanden. Sie wollte diese Photographieen vergleichen, und begann sie aus dem Album herauszunehmen; sie nahm sie alle heraus, nur eine einzige, die letzte und beste, war noch übrig. In weißem Hemd saß er darauf auf einem Stuhle, machte böse Augen und lächelte mit dem Munde. Dies war ein ganz eigentümlicher Ausdruck,der ihm am besten stand. Mit den kleinen, flinken Händen, die sich jetzt besonders angespannt mit ihren weißen, schmalen Fingern bewegten, hatte sie mehrmals an die Ecke des Bildes geklopft, aber das Bild war losgerissen und sie konnte es nicht erlangen. Ein Messer befand sich nicht auf dem Tische, und sie nahm daher eine Photographie, welche daneben stand — es war ein in Rom gefertigtes Bild Wronskiys, welches ihn in rundem Hut und langen Haaren darstellte — und stieß damit das Bild ihres Sohnes heraus.

„Das ist ja er!“ sagte sie, auf das Bild Wronskiys blickend, und sich plötzlich vergegenwärtigend, wer die Ursache ihres jetzigen Harmes sei. Sie hatte noch nicht ein einziges Mal während dieses ganzen Morgens an ihn gedacht. Jetzt aber, als sie dieses männliche, edle, ihr so vertraute und liebe Gesicht wieder erblickte, empfand sie plötzlich eine unerwartete Regung der Liebe zu ihm. „Aber wo bleibt er denn? Läßt er mich allein mit meinem Leiden?“ dachte sie mit einem Gefühl des Vorwurfs, und vergaß dabei, daß sie selbst vor ihm doch alles verborgen hielt, was ihren Sohn betraf. Sie sandte zu ihm mit der Bitte, doch sogleich zu ihr zu kommen; mit stockendem Herzen, sich die Worte vergegenwärtigend, mit denen sie ihm alles sagen wollte, und die Worte seiner Liebe, mit welchen er sie trösten würde, erwartete sie ihn. Der Bote kam mit dem Bescheid zurück, der Herr habe Besuch, würde aber sofort kommen; Wronskiy hatte befohlen, bei ihr anzufragen, ob sie ihn zusammen mit dem Fürsten Jaschwin, der nach Petersburg gekommen sei, empfangen könne.

„Er kommt nicht allein, und hat mich doch seit dem gestrigen Mittag nicht gesehen,“ dachte sie, „er kommt nicht allein, daß ich ihm alles sagen kann, sondern mit Jaschwin.“ Und plötzlich tauchte ein seltsamer Gedanke in ihr auf. „Wie wenn er aufgehört hätte, sie zu lieben?“

Und indem sie die Vorkommnisse der letzten Tage musterte, schien ihr, als ob sie in allem eine Bestätigung dieses entsetzlichen Gedankens sehe; schon darin, daß er gestern nicht zu Haus zu Mittag gespeist hatte, daß er darauf bestanden hatte, sie möchten in Petersburg getrennt logieren, wie darin, daß er jetzt nicht einmal allein zu ihr kam, gerade als ober einem Wiedersehen Auge in Auge mit ihr aus dem Wege gehen wollte.

„Aber er muß mir dies sagen. Ich muß es wissen; und so bald ich es weiß, dann weiß ich auch, was ich zu thun habe,“ sagte sie zu sich, ohne Fähigkeit, sich die Lage vorzustellen, in welche sie kommen würde, wenn sie sich von seiner Gleichgültigkeit überzeugte. Sie glaubte, er habe aufgehört, sie zu lieben, sie fühlte sich der Verzweiflung nahe, und infolge dessen besonders reizbar. Sie schellte der Zofe und begab sich nach dem Ankleidezimmer. Beim Ankleiden beschäftigte sie sich mehr als während der letztvergangenen Tage mit ihrer Toilette, als ob Wronskiy sie, wenn er sie nicht mehr lieben sollte, deshalb von neuem lieben müsse, weil sie diese Robe und jene Frisur, die ihr besser standen, trug.

Sie hörte die Glocke, noch bevor sie fertig war. Als sie in den Salon trat, begegnete nicht er, sondern Jaschwin ihrem Blick. Jaschwin betrachtete die Photographieen ihres Sohnes, die sie auf dem Tische vergessen hatte, und er beeilte sich nicht eben, den Blick nach ihr zu wenden.

„Wir sind ja Bekannte,“ sagte sie, ihre kleine Hand in die große Jaschwins legend, der in Verwirrung geraten war — was sich bei dem riesigen Wuchs und dem derben Gesicht desselben sonderbar genug ausnahm. — „Wir sind Bekannte seit dem vorigen Jahre, von den Rennen. Gebt doch her,“ sagte sie, mit schneller Bewegung die Bilder des Sohnes, die er ansah, vor Wronskiy wegnehmend, und ihn bedeutungsvoll mit den blitzenden Augen anschauend. „Waren im gegenwärtigen Jahre die Rennen gut? Anstatt der unsrigen, habe ich die Rennen auf dem Corso in Rom gesehen. Ihr liebt übrigens wohl nicht das Leben im Ausland?“ frug sie mit freundlichem Lächeln. „Ich kenne Euch, und kenne alle Eure Geschmacksrichtungen, obwohl ich Euch wenig begegnet bin.“

„Das thut mir sehr leid, da meine Geschmacksrichtungen immer schlechter werden,“ sagte Jaschwin, sich in seinen linken Schnurrbart beißend.

Nachdem er noch einige Zeit geplaudert und bemerkt hatte, daß Wronskiy nach der Uhr blickte, frug Jaschwin sie, ob sie noch lange in Petersburg bleiben werden und griff, seine mächtige Gestalt einknickend, ans Käppi.

„Wahrscheinlich nicht mehr lange,“ sagte sie voll Verwirrung, auf Wronskiy blickend.

„So sehen wir uns also nicht wieder?“ antwortete Jaschwin, aufstehend und sich an Wronskiy wendend, „wo speisest du?“

„Kommt, mit mir zu dinieren,“ sagte Anna entschlossenen Tones, gleichsam erzürnt über sich selbst wegen ihrer Verlegenheit, aber errötend, wie dies stets bei ihr der Fall war, wenn sie vor einer ihr nicht vertrauten Persönlichkeit ihre Meinung äußerte. „Das Essen ist hier nicht gut, aber Ihr könnt ihn doch wenigstens wiedersehen. Aleksey liebt von allen seinen Kameraden aus dem Regiment keinen so, wie Euch.“

„Sehr erfreut,“ sagte Jaschwin mit einem Lächeln, aus dem Wronskiy ersah, daß ihm Anna sehr gefiel.

Jaschwin empfahl sich und ging, Wronskiy blieb allein zurück.

„Du gehst auch?“ sagte sie.

„Ich habe mich schon verspätet,“ antwortete er, „geh! Ich komme dir sogleich nach!“ rief er Jaschwin nach.

Sie nahm ihn bei der Hand und blickte ihn, ohne das Auge abzuwenden, an, in ihren Gedanken suchend, was sie ihm sagen sollte, um ihn zurückzuhalten.

„Warte, ich habe dir etwas zu sagen,“ seine kleine Hand nehmend, preßte sie dieselbe an ihren Hals, „nicht wahr, es thut nichts, daß ich ihn zum Essen geladen habe?“

„Das hast du ganz recht gemacht,“ sagte er, mit ruhigem Lächeln seine engstehenden Zähne zeigend und ihre Hand küssend.

„Aleksey, du bist nicht anders geworden gegen mich?“ sprach sie, mit beiden Händen seine Rechte drückend. „Aleksey, ich quäle mich hier ab, wann reisen wir?“

„Bald, bald. Du kannst nicht glauben, wie auch mir das Leben hier schwer ist,“ sagte er, seine Hand ausstreckend.

„Nun so geh, geh,“ sagte sie verletzt und ging schnell von ihm hinweg.

Als Wronskiy heimkehrte, war Anna noch nicht wieder da. Bald nach ihm war, wie man ihm sagte, eine Dame angekommen und mit dieser zusammen sei sie weggefahren.

Daß sie weggefahren war, ohne gesagt zu haben wohin, was bei ihr bis jetzt noch nicht der Fall gewesen war, daß sie noch an diesem Morgen ausgefahren, ohne ihm etwas davon zu sagen — alles das, zusammen mit dem seltsam aufgeregten Ausdruck ihres Gesichts heute früh und mit der Erinnerung an die feindselige Haltung, mit welcher sie in Gegenwart Jaschwins die Bilder ihres Sohnes fast seinen Händen entrissen hatte, stimmte ihn nachdenklich.

Er schloß, daß es notwendig sei, sich mit ihr auszusprechen, und er erwartete sie nun in ihrem Salon. Anna kehrte indessen nicht allein zurück, sondern brachte ihre Tante mit sich, eine alte Jungfer, die Fürstin Oblonskaja. Das war die Dame, welche heute früh angekommen und mit welcher Anna Einkäufe zu machen ausgefahren war.

Anna schien den besorgten und fragenden Ausdruck der Züge Wronskiys nicht zu bemerken, und berichtete ihm heiter, was sie heute Morgen gekauft habe. Er sah, daß in ihr etwas Besonderes vorgehe; denn in ihren blitzenden Augen lag, wenn sie sich auf ihn im Vorübergleiten hefteten, eine gespannte Aufmerksamkeit, und in ihrer Rede, in ihren Bewegungen jene nervöse Schnelligkeit und Grazie, die ihn in der ersten Zeit ihrer Bekanntschaft so bestrickt hatte, jetzt aber beunruhigte und erschreckte.

Das Diner wurde für Vier gedeckt. Alle waren bereits versammelt, um in das kleine Speisezimmer zu gehen, als Tuschkjewitsch mit einem Auftrag für Anna von der Fürstin Betsy ankam. Die Fürstin Betsy bat um Entschuldigung, daß sie nicht gekommen sei, um Abschied zu nehmen. Sie fühle sich unwohl, bat aber Anna, zwischen halb acht und neun Uhr zu ihr zu kommen. Wronskiy blickte Anna an bei dieser Zeitbestimmung, welche bewies, daß Maßregeln getroffen waren, sie niemandem begegnen zu lassen, doch schien dies Anna gar nicht zu bemerken.

„Sehr schade, daß ich gerade zwischen halb acht und neun Uhr nicht kann,“ sagte sie mit leisem Lächeln.

„Die Fürstin wird das sehr bedauern.“

„Auch ich.“

„Ihr wollt wahrscheinlich die Patti hören?“ sagte Tuschkjewitsch.

„Die Patti? Ihr gebt mir da einen guten Gedanken ein. Ich würde hinfahren, wenn es möglich wäre, eine Loge zu erhalten.“

„Ich kann sie erhalten,“ brüstete sich Tuschkjewitsch.

„Ach, da würde ich Euch recht sehr dankbar sein,“ antwortete Anna, „aber wollt Ihr nicht mit uns speisen?“

Wronskiy zuckte kaum merklich die Achsel; er verstand absolut nicht, was Anna that. Weshalb brachte sie diese alte Fürstin mit, weshalb veranlaßte sie Tuschkjewitsch, mitzuspeisen, und, was am wunderbarsten war, weshalb schickte sie ihn nach einer Loge? War es denn denkbar, daß sie in ihrer Lage in das Abonnement der Patti fuhr, wo die gesamte, ihr bekannte Welt zugegen sein würde? Mit ernstem Blick schaute er sie an, doch sie antwortete ihm mit jenem herausfordernden, weniger heiteren, als verzweifelten Blick, dessen Bedeutung er nicht verstehen konnte. Bei Tische war sie provozierend heiter, sie kokettierte fast mit Tuschkjewitsch und Jaschwin. Als man vom Tische aufstand und Tuschkjewitsch wegfuhr, um die Loge zu bestellen, während Jaschwin ging, um zu rauchen, begab sich Wronskiy mit letzterem zusammen hinweg in seine Zimmer. Nachdem er einige Zeit hier verweilt hatte, eilte er wieder nach oben. Anna hatte sich schon in eine hellseidene Toilette mit Samt geworfen, die für sie in Paris gefertigt worden war, mit offener Brust und kostbaren weißen Spitzen auf dem Kopfe, die ihr Gesicht einrahmten, und ihre blendende Schönheit besonders vorteilhaft hervorhob.

„Ihr fahrt bestimmt zum Theater?“ sagte er, sie geflissentlich nicht ansehend.

„Weshalb fragt Ihr so voll Furcht?“ antwortete sie, aufs neue verletzt davon, daß er sie nicht anblickte, „weshalb sollte ich nicht?“ —

Sie schien den Sinn seiner Worte gar nicht zu verstehen.

„Natürlich, nicht die geringste Ursache, warum man es nicht thun sollte,“ antwortete er finster werdend.

„Das sage ich eben auch,“ versetzte sie, mit Absicht keine Ironie in ihren Ton legend, und ruhig den schmalen, duftenden Handschuh umwendend.

„Anna, um Gott! Was ist mit Euch?“ frug er, sie zur Besinnung bringend, ganz ebenso, wie einst ihr Mann zu ihr gesprochen hatte.

„Ich verstehe nicht, wonach Ihr fragt.“

„Ihr wißt, es ist unmöglich ins Theater zu fahren.“

„Warum? Ich fahre ja nicht allein. Die Fürstin Barbara geht, um sich anzukleiden, sie wird mit mir fahren.“

Er zuckte die Schultern mit dem Ausdruck der Unentschlossenheit und Verzweiflung.

„Aber wißt Ihr denn nicht“ — begann er.

„Ich will nichts wissen!“ schrie sie fast auf. „Ich will nicht! Bereue ich denn, was ich gethan habe? Nein, nein, und aber nein! Und geschähe wieder das Nämliche, von Anfang an, so wäre es wieder so. Für uns, für mich und Euch ist nur Eines von Wichtigkeit: ob wir uns gegenseitig lieben! — Andere Erwägungen giebt es nicht! Wozu wohnen wir hier gesondert und sehen uns nicht? Warum kann ich nicht ins Theater fahren? Ich liebe dich und mir ist alles gleich,“ sprach sie russisch, mit jenem eigenartigen, unverständlichen Glanz der Augen auf ihn blickend, „wenn du dich nicht verändert hast. Warum schaust du mich nicht an?“

Er blickte sie an. Er sah die ganze Schönheit ihres Gesichts, dieser Toilette, die ihr stets so gut zu Gesicht stand. Aber jetzt war gerade ihre Schönheit und Eleganz das, was ihn betroffen machte.

„Meine Empfindungen können sich nicht ändern; Ihr wißt es, aber ich bitte Euch, nicht dorthin zu fahren, ich beschwöre Euch,“ sprach er, wieder auf französisch, und mit zärtlicher Bitte in der Stimme, aber Kälte im Blick.

Sie hörte seine Worte nicht, sondern sah nur die Kälte des Blicks und antwortete gereizt:

„Ich bitte Euch nur, mir zu erklären, warum ich nicht fahren soll.“

„Weil es Euch Ursache werden könnte zu“ — er blieb stecken.

„Ich verstehe nichts. Jaschwinn'est pas compromettantund die Fürstin Barbara ist in nichts schlechter, als die anderen. — Da ist sie ja!“ —

Wronskiy empfand zum erstenmale ein Gefühl des Verdrusses, fast des Zornes über Anna, wegen ihres absichtlichen Mißverstehens ihrer Situation. Dieses Gefühl verstärkte sich noch dadurch, daß er ihr die Ursache seines Verdrusses nicht aussprechen konnte. Hätte er ihr offen mitgeteilt, was er dachte, dann hätte er ihr gesagt: „In dieser Toilette sich mit der jedermann bekannten, unverheirateten Fürstin im Theater zu zeigen — hieß nicht nur die Lage eines gefallenen Weibes selbst eingestehen, sondern auch, der Welt eine Herausforderung zuschleudern, oder, mit anderen Worten, sich für immer von dieser lossagen.“

Dies konnte er ihr nicht sagen. „Aber wie kann sie es nicht verstehen, und was geht in ihr vor?“ sagte er zu sich. Er fühlte, wie sich zu ein und derselben Zeit seine Achtung vor ihr verminderte, während die Erkenntnis ihrer Schönheit in ihm wuchs.

Finster kehrte er nach seinem Zimmer zurück und befahl, sich zu Jaschwin setzend, welcher seine langen Beine auf einen Stuhl gestreckt hatte und einen Cognac mit Selterwasser trank, ihm das Nämliche zu bringen.

„Du sagst, der Moguschtschij Lankowskiys. Das ist ein gutes Pferd, ich rate dir, es zu kaufen,“ sagte Jaschwin, das finstere Gesicht des Kameraden musternd. „Er hat zwar ein Hängekreuz — aber seine Füße und der Kopf — etwas besseres kann man nicht verlangen!“

„Ich denke, daß ich ihn kaufen werde,“ antwortete Wronskiy.

Das Gespräch über die Pferde beschäftigte ihn zwar, aber er vergaß nicht eine Minute Annas, unwillkürlich dem Klange der Schritte auf dem Korridor lauschend, und nach der Uhr auf dem Kamin blickend.

„Anna Arkadjewna hat befohlen zu melden, daß sie ins Theater gefahren ist.“

Jaschwin stürzte noch ein Glas Cognac mit Sodawasser hinunter, stand auf und knöpfte sich zu.

„Nun, fahren wir?“ sagte er, fein lächelnd unter dem Schnurrbart, und mit diesem Lächeln zeigend, daß er den Grund der Mißstimmung Wronskiys begreife, derselben aber keine Bedeutung beimesse.

„Ich werde nicht mitfahren,“ versetzte Wronskiy.

„Ich aber muß; ich habe es versprochen. Nun denn, auf Wiedersehen. Kommst du in den Klub? Du kannst Krusinskijs Platz nehmen,“ sagte er im Gehen noch.

„Nein, ich habe Geschäfte.“

„Mit einem Weibe hat man schon Sorgen, aber mit einer, die nicht unser Weib ist, ist es noch schlimmer,“ dachte Jaschwin, das Hotel verlassend.

Wronskiy, allein geblieben, erhob sich vom Stuhle und begann im Zimmer auf und abzuschreiten.

„Was ist denn heute? Das vierte Abonnement. Jegor ist mit seiner Frau dort und meine Mutter wahrscheinlich. Das heißt, ganz Petersburg ist da. Jetzt kommt sie nun, legt den Pelz ab und tritt in die Gesellschaft. Tuschkjewitsch, Jaschwin und die Fürstin Barbara,“ malte er sich aus, „und ich? Entweder fürchte ich mich, oder ich habe meine Protektion über sie an Tuschkjewitsch abgetreten. Wie man die Sache auch betrachten mag — sie ist dumm, dumm! — Aber warum bringt sie mich nur in diese Lage?“ sagte er, mit der Hand ausschlagend.

Mit dieser Bewegung traf er den kleinen Tisch, auf welchem das Selterswasser und eine Caraffe mit Cognac stand und stieß ihn fast um. Er wollte ihn halten, ließ ihn aber fallen, und voll Verdruß stieß er ihn mit dem Fuße um. Er schellte.

„Wenn du bei mir dienen willst,“ sagte er zu dem eintretenden Kammerdiener, „so merke dir deinen Dienst. Daß dies nicht wieder vorkommt! Du hast Ordnung zu machen.“

Der Kammerdiener, welcher sich schuldlos fühlte, wollte sich rechtfertigen, mit einem Blick auf seinen Herrn aber gewahrte er an dessen Miene, daß er hier nur zu schweigen habe, und ließ sich, geschäftig zusammengekrümmt, auf denTeppich nieder, auf dem er die ganz gebliebenen und die zerbrochenen Gläser und Flaschen zusammenzulesen anfing.

„Das ist nicht deine Arbeit, geh, der Diener kann das zusammenlesen, lege mir meinen Frack bereit!“ —

Wronskiy ging halb neun Uhr ins Theater. Die Vorstellung war in vollem Gange.

Der Theaterdiener, ein kleiner Alter, nahm Wronskiy den Pelz ab und begrüßte ihn, nachdem er ihn wiedererkannt hatte, mit „Eure Durchlaucht;“ schlug ihm vor, lieber nicht eine Nummer zu nehmen, und rief einfach Fjodor. In dem hellen Korridor war niemand außer dem Theaterdiener und zwei Lakaien mit Pelzen auf den Armen, die an der Thüre horchten. Aus einer verschlossenen Thür heraus waren die Klänge des vorsichtigen Accompagnements des Orchesters instaccatohörbar, sowie die einer weiblichen Stimme, welche ausgezeichnet ein Recitativ vortrug. Die Thür öffnete sich, den Theaterdiener durchlassend und der Satz, welcher zu Ende ging, traf klar ans Ohr Wronskiys. Die Thür schloß sich indessen sofort wieder und Wronskiy hörte das Ende und die Kadenz nicht mehr, nahm aber an dem dröhnenden Beifallsklatschen durch die Thür heraus wahr, daß die Schlußkadenz zu Ende sei.

Als er in den hell von Lustres und bronzenen Gasarmen erleuchteten Saal trat, dauerte der Lärm noch fort. Auf der Scene stand eine Sängerin, schimmernd in ihren entblößten Schultern und ihren Brillanten, sich verbeugend und lächelnd, und sammelte mit Hilfe ihres Tenors, der sie an der Hand führte, die ungeschickt über die Rampe geworfenen Bouquets auf, wobei sie zu einem Herrn, mit einem Scheitel in der Mitte der pomadeglänzenden Haare, welcher sich mit langen Armen mit einem Gegenstande über die Rampe beugte, trat, und das gesamte Publikum im Parterre wie in den Logen, voller Bewegung, sich vorbeugte, rief und klatschte.

Der Kapellmeister auf seinem erhöhten Platze half bei der Übergabe des Gegenstandes und ordnete dann seine weiße Krawatte. Wronskiy trat in die Mitte des Parterre und begann, stehen bleibend, Umschau zu halten. Weniger als je, widmete er seine Aufmerksamkeit der bekannten, gewohntenUmgebung, der Bühne, und diesem Lärm, dieser ganzen, wohlbekannten, bunten Schar der Zuschauer in dem dichtbesetzten Theater, die ihn nicht interessierten.

Dieselben gewissen Damen mit den gewissen Offizieren waren da wieder im Hintergrund der Logen; dieselben buntfarbigen Damen, Gott weiß wer sie waren, und Uniformen und Röcke, der nämliche schmutzige Haufe auf dem Paradies oben, und in dieser ganzen Masse, in den Logen, dem ersten Rang befanden sich nur einige vierzig „wirkliche“ Herren und Damen. Nach dieser Oase richtete sich sogleich Wronskiys Augenmerk und sogleich war auch er mit ihr in Beziehung getreten.

Der Akt war zu Ende, als er eintrat, und daher schritt er, ohne in die Loge seines Bruders zu treten, bis zur ersten Reihe, und blieb an der Rampe bei Serpuchowskoy stehen, welcher, das eine Knie geknickt und mit dem Absatz gegen die Rampe klappend, ihn schon von weitem erblickt hatte, und ihn mit einem Lächeln zu sich rief.

Wronskiy hatte Anna noch nicht wahrgenommen; er blickte absichtlich nicht nach der Seite, auf der sie war, doch sah er schon an der Richtung der Blicke, wo sie sich befand. Verstohlen blickte er um sich, suchte sie aber nicht. Das Schlimmste erwartend, suchte er mit den Augen Aleksey Aleksandrowitsch; doch zu seinem Glück war derselbe für diesmal nicht im Theater.

„Wie wenig vom Soldaten ist doch an dir geblieben,“ sagte Serpuchowskoy. „Diplomat, Artist — das wäre so Etwas für dich.“

„Ja, ja, als ich nach Haus kam, zog ich den Frack an,“ sagte Wronskiy lächelnd, langsam sein Augenglas nehmend.

„Ich beneide dich eigentlich, offen gestanden darin. Stets, wenn ich aus dem Ausland heimkehre, und dies wieder anlege,“ sagte er, seine Epauletten berührend, „dann thut es mir leid um die Freiheit.“

Serpuchowskoy hatte schon längst seine Erwartungen bezüglich einer dienstlichen Wirksamkeit Wronskiys aufgegeben, liebte diesen aber noch wie früher, und war jetzt besonders liebenswürdig gegen ihn.

„Schade, daß du dich zu dem ersten Akte verspätet hast.“

Wronskiy, der nur mit halbem Ohr zuhörte, ließ sein Glas über die Bel-Etage gleiten und musterte die Logen. Neben einer Dame im Turban und einem kahlköpfigen Alten, der zornig in dem Glase des auf ihn gerichteten Krimstechers blinzelte, erblickte Wronskiy plötzlich den Kopf Annas, stolz, frappierend in seiner Schönheit, lächelnd in der Umrahmung der Spitzen. Sie saß nur zwanzig Schritte von ihm von vorn, und sprach, leicht gewendet, zu Jaschwin etwas. Die Haltung ihres Kopfes auf den schönen breiten Schultern und der verhalten herausfordernde Glanz ihrer Augen und ihres ganzen Antlitzes erinnerte ihn ganz an sie, wie er sie ebenso auf dem Balle in Moskau erblickt hatte. Jetzt aber empfand er diese Schönheit ganz anders. In seinem Gefühl für sie lag nichts Geheimnisvolles mehr, und daher zog ihn zwar ihre Schönheit selbst stärker noch als früher an, zugleich damit aber bereitete sie ihm jetzt auch Schmerz. Sie schaute nicht in der Richtung nach ihm, aber Wronskiy fühlte, daß Anna ihn schon gesehen hatte.

Als Wronskiy das Glas abermals nach jener Richtung bewegte, bemerkte er, daß die unverheiratete Fürstin Barbara auffallend rot aussah, unnatürlich lachte und unaufhörlich nach der Nachbarloge blickte. Anna hingegen, die den Fächer zusammengelegt hatte und mit ihm auf den roten Sammet klopfte, schaute in unbestimmter Richtung, und sah nicht, oder wollte offenbar nicht sehen, was in der Nachbarloge vorging. Auf dem Gesicht Jaschwins lag jener Ausdruck, den es annahm, wenn er verspielt hatte. Mürrisch nahm er tiefer und tiefer seinen linken Schnurrbart in den Mund und schielte nach der gleichen Nachbarloge hinüber.

In dieser, ihnen zur Linken, befanden sich die Kartasoff. Wronskiy kannte sie, und wußte auch, daß Anna mit ihnen bekannt war. Die Kartasowa, ein mageres, kleines Weib, stand in ihrer Loge, und warf, mit dem Rücken gegen Anna gewandt, einen ihr von ihrem Gatten gereichten Überwurf um. Ihr Gesicht sah blaß und böse aus und sie sprach in erregtem Tone. Kartasoff, ein dicker, kahlköpfiger Herr, schaute Anna fortwährend an und bemühte sich dabei, seine Frau zu besänftigen. Nachdem diese gegangen war, zögerte er noch lange, suchte mit seinen Augen den Blick Annas und wolltesie offenbar grüßen. Anna jedoch, die ihn offenbar absichtlich nicht bemerkte, hatte sich rückwärts gewandt und sprach zu Jaschwin, der sich zu ihr mit seinem frisierten Kopfe herniederbeugte. Kartasoff ging, ohne grüßen zu können, und die Loge stand leer.

Wronskiy erkannte nicht, was zwischen den Kartasoff und Anna vorgefallen sei, aber er begriff, daß etwas für Anna Erniedrigendes geschehen war.

Er erkannte dies schon an dem, was er wahrnahm, und vor allem an dem Gesicht Annas, die — er wußte es — ihre letzten Kräfte zusammennahm, um die einmal übernommene Rolle zu Ende zu führen. Diese Rolle, die äußerlich Ruhige zu spielen, gelang ihr vollständig. Wer sie und ihre Kreise nicht kannte, nicht alle die Äußerungen des Bedauerns, des Unwillens und der Verwunderung seitens der Frauen darüber hörte, daß sie sich erlaubt hatte, in der Welt zu erscheinen und sich mit ihrem Spitzenschmuck und ihrer Schönheit so bemerkbar zu machen, die bewunderten die Ruhe und Schönheit dieser Frau und ahnten nicht, daß sie die Empfindungen eines Menschen in sich trug, der an den Schandpfahl gestellt ist.

In der Gewißheit, daß Etwas vorgefallen sei, aber ohne zu wissen was, fühlte Wronskiy eine quälende Unruhe und begab sich, in der Hoffnung, etwas darüber erfahren zu können, nach der Loge seines Bruders. Absichtlich einen der Loge Annas gegenüberliegenden Gang im Parterre wählend, stieß er im Hinausgehen mit seinem früheren Regimentskommandeur, der mit zwei Bekannten sprach, zusammen. Wronskiy hörte, daß der Name der Karenin genannt wurde, und bemerkte, wie der Regimentskommandeur sich beeilte, laut den Namen Wronskiys zu nennen, indem er die Sprechenden anblickte.

„Ah, Wronskiy! Wann kommst du denn einmal zum Regiment? Wir können dich nicht ohne ein Fest fortlassen. Du bist unser Stammhalter,“ sagte der Regimentskommandeur.

„Es thut mir sehr leid, ein ander Mal,“ sagte Wronskiy und eilte die Treppe hinauf in die Loge seines Bruders.

Die alte Gräfin, die Mutter Wronskiys, mit ihren stahlblauen Haarlocken befand sich in derselben. Warja unddie Fürstin Sorokina begegneten ihm auf dem Korridor der Bel-Etage.

Nachdem Warja die Fürstin Sorokina zu ihrer Mutter geführt hatte, reichte sie ihrem Schwager die Hand, und begann dann sogleich mit ihm über das zu sprechen, was ihn interessierte. Sie war so aufgeregt, wie er sie nur selten gesehen hatte.

„Ich finde, daß dies niedrig und gemein ist, und Madame Kartasowa dazu nicht das geringste Recht hatte. Madame Kartasowa“ — begann sie.

„Aber was ist denn? Ich weiß gar nicht“ —

„Wie, du hast nicht gehört?“

„Du hörst wohl, daß ich der Letzte bin, der also davon erfährt.“

„Giebt es wohl ein schlechteres Geschöpf, als diese Kartasowa.“

„Aber was hat sie denn gethan?“

„Mir hat es mein Mann erzählt — sie hat die Karenina beleidigt. Ihr Mann hatte mit dieser über die Loge hinüber gesprochen, und die Kartasowa ihm darauf eine Scene gemacht. Sie hat, wie er mir erzählt, sich laut in kränkender Weise ausgesprochen und ist dann gegangen.“

„Graf, Mama läßt Euch rufen,“ sagte die Fürstin Sorokina, aus der Thür der Loge blickend.

„Ich warte schon lange auf dich,“ sprach die Mutter zu ihm, sarkastisch lächelnd. „Man sieht dich ja gar nicht mehr.“

Der Sohn erkannte, daß sie ein Lächeln der Freude nicht unterdrücken konnte.

„Guten Tag,Maman; ich kam eben zu Euch,“ sagte er kühl.

„Warum gehst du denn nicht,faire la cour à madame Karènine?“ fügte sie hinzu, als die Fürstin Sorokina weggetreten war. „Elle fait sensation. On oublie la Patti pour elle.“ —

„Maman, ich bat Euch, nur nicht hiervon zu sprechen,“ antwortete er sich verfinsternd.

„Ich spreche nur das, was alle sprechen.“

Wronskiy erwiderte nichts, und ging wieder, nachdem er der Fürstin Sorokina noch einige Worte gesagt hatte. In der Thür begegnete er seinem Bruder.

„Ah, Aleksey,“ sagte dieser. „Welche Niedrigkeit! Diese Närrin — weiter ist sie nichts! Ich wollte soeben zu ihr gehen. Komm, wir gehen zusammen.“ —

Wronskiy hörte ihn nicht. Mit schnellen Schritten stieg er hinunter; er empfand, daß er etwas thun müsse, wußte aber nicht, was. Sein Verdruß über Anna, daß sie sich und ihn in eine so schiefe Lage gebracht hatte, doch auch das Mitleid mit ihr wegen ihrer Leiden, versetzten ihn in Aufregung. Er ging hinunter ins Parterre und schritt geradenwegs auf den Platz Annas zu. Neben diesem stand Stremoff, der sich mit ihr unterhielt.

„Tenöre giebt es eben nicht mehr.Le moule en est brisé!“

Wronskiy verneigte sich vor ihr und blieb stehen, Stremoff begrüßend.

„Ihr scheint spät gekommen zu sein und die besten Arien nicht gehört zu haben,“ sagte Anna zu Wronskiy, ihn spöttisch anblickend, wie ihm schien.

„Ich bin ein schlechter Kritiker,“ antwortete er, streng auf sie schauend.

„Wie der Fürst Jaschwin,“ sagte sie lächelnd, „welcher findet, daß die Patti zu laut singt. Ich danke Euch,“ mit der kleinen Hand im hohen Handschuh einen von Wronskiy aufgehobenen Theaterzettel nehmend; und plötzlich, in diesem Augenblick, erbebten ihre schönen Züge. Sie stand auf und begab sich in die Tiefe der Loge.

Als Wronskiy bemerkt hatte, daß im folgenden Akt ihre Loge leer war, ging er, während sich in dem bei den Tönen einer Kavatine stillgewordenen Theater ein Zischeln erhob, aus dem Parterre und fuhr heim.

Anna war schon zu Haus. Als Wronskiy bei ihr eintrat, befand sie sich noch in der Toilette, in welcher sie im Theater gewesen war. Sie saß auf dem nächsten an der Wand stehenden Lehnstuhl und starrte vor sich hin. Sie blickte ihn an und nahm dann ihre frühere Stellung wieder ein.

„Anna!“ sagte er.

„Du, du bist schuld an allem!“ rief sie unter Thränen der Verzweiflung und der Wut in der Stimme, und erhob sich.

„Ich habe dich gebeten, dich beschworen, nicht zu fahren; ich habe gewußt, daß es dir unangenehm werden würde“ —

„Unangenehm!“ rief sie, — „entsetzlich! So lange ich lebe, werde ich dies nicht vergessen! — Sie hat gesagt, es sei entehrend, neben mir sitzen zu müssen!“ —

„Die Worte eines thörichten Weibes,“ sagte er, „aber wozu mußtest du dazu herausfordern?“

„Ich hasse deine Ruhe! Du durftest mich nicht so weit bringen. Wenn du mich geliebt hättest“ —

„Anna! Wozu hier eine Frage nach meiner Liebe“ —

„Ja, wenn du mich liebtest, wie ich dich liebe, wenn du dich martertest, wie ich mich martere“ — sprach sie, mit dem Ausdruck des Entsetzens auf ihn blickend.

Es that ihm wehe um sie, und dennoch empfand er auch Verdruß. Er versicherte sie seiner Liebe, weil er sah, daß nur dies allein sie jetzt beruhigen konnte, und machte ihr keine Vorwürfe mit Worten; wohl aber tadelte er sie in seinem Innern.

Und jene Versicherungen der Liebe, die ihm so niedrig erschienen, daß es ihm schwer ankam, sie auszusprechen, sog sie in sich ein und wurde etwas ruhiger. Am andern Tage fuhren beide, vollständig ausgesöhnt, auf das Land.

Darja Aleksandrowna verbrachte den Sommer mit den Kindern in Pokrowskoje bei ihrer Schwester Kity Lewina.

Auf ihrem Gute war das Wohnhaus gänzlich in Verfall geraten, und Lewin mit seiner Gattin hatten ihr zugeredet, den Sommer bei ihnen zuzubringen.

Stefan Arkadjewitsch billigte dieses Arrangement sehr; er drückte sein Bedauern darüber aus, daß der Dienst ihn verhindere, den Sommer mit der Familie zusammen auf dem Dorfe zu verleben, was für ihn das höchste Glück bilde, und kam, in Moskau bleibend, nur selten für einen Tag oder für zwei auf das Land.

Außer den Oblonskiys mit all ihren Kindern und der Gouvernante war bei Lewins während dieses Sommers noch die alte Fürstin, welche es für ihre Pflicht hielt, ihre unerfahrene Tochter im Auge zu behalten, die sich in gewissen Umständen befand. Weiterhin hatte auch Warenka, die Freundin Kitys, von dem Aufenthalt im Auslande her ihr Versprechen erfüllt, zu Kity zu kommen, wenn diese verheiratet sein würde, und war jetzt bei ihrer Freundin zu Besuch.

Alles waren Verwandte und Freunde der Frau Lewins, aber obgleich dieser sie alle lieb hatte, war es ihm doch einigermaßen leid um seine „Lewinsche Welt“ und die Ordnung, welche durch diese Überschwemmung mit dem „Schtscherbazkischen Element“, verschlungen worden war, wie er sich selbst sagte. Von Verwandten seiner Linie weilte in diesem Sommer nur Sergey Iwanowitsch zu Besuch da, und auch dieser war kein Mensch von Lewins, sondern von Koznyscheffschem Schlag, so daß Lewins geistige Sphäre vollständig unterdrückt war.

In Lewins so lange verödet gewesenem Hause befanden sich jetzt so viel Menschen, daß fast alle Räume besetzt waren, und fast jeden Tag kam es vor, daß die alte Fürstin, wenn sie bei Tische sitzend alles überzählte, den dreizehnten, Enkel oder Enkelin, an einen besonderen kleinen Tisch setzen mußte. Auch für Kity, die sich sorgsam mit der Hauswirtschaft befaßte, gab es nicht wenig Sorge um die Beschaffung der Hühner, Kapaunen und Enten, welche bei dem Sommerappetit der Gäste und der Kinder zahlreich verbraucht wurden.

Die ganze Familie saß bei Tische. Die Kinder Dollys machten mit der Gouvernante und Warenka Pläne, wohin sie Pilze suchen gehen wollten. Sergey Iwanowitsch, welcher im Kreise sämtlicher Gäste einen Respekt vor seinem Geist und seiner Gelehrsamkeit genoß, der fast bis zur Verehrung ging, sah alles in die Unterhaltung von den Pilzen vertieft.

„Aber mich nehmt Ihr doch auch mit Euch. Ich gehe sehr gern Pilze suchen,“ sagte er, Warenka anblickend, „und finde, daß das ein sehr hübscher Zeitvertreib ist.“

„Nun, wir werden uns sehr freuen,“ antwortete Warenka errötend. Kity wechselte einen bedeutungsvollen Blick mit Dolly. Der Vorschlag des gelehrten und geistreichen Sergey Iwanowitsch, mit Warenka Pilze suchen zu wollen, stützte gewisse Vermutungen in Kity, welche diese in jüngster Zeit lebhaft beschäftigt hatten. Schnell begann sie mit ihrer Mutter zu sprechen, damit ihr Blick nicht bemerkt werden möchte.

Nach Tisch setzte sich Sergey Iwanowitsch mit seiner Tasse Mokka an das Fenster im Salon, ein mit dem Bruder begonnenes Gespräch fortsetzend und dabei nach der Thür blickend, zu welcher die Kinder hinausgehen mußten, die sich fertig machten, in die Pilze zu gehen.

Lewin saß auf dem Fenster bei seinem Bruder, Kity stand neben ihrem Manne, sichtlich auf das Ende des für sie nicht interessanten Gesprächs wartend, um ihm etwas mitzuteilen.

„Du hast dich sehr verändert, seit du verheiratet bist, und zwar zu deinem Vorteil,“ sagte Sergey Iwanowitsch, Kity zulächelnd und augenscheinlich von der Unterhaltung wenig interessiert, „aber du bist deiner Leidenschaft, die paradoxesten Themen zu verteidigen, getreu geblieben.“

„Katja, es ist für dich nicht gut, zu stehen,“ sagte derGatte zu ihr, einen Stuhl heranschiebend und sie bedeutungsvoll anschauend.

„Ah; ich habe übrigens gar keine Zeit mehr,“ fügte Sergey Iwanowitsch hinzu, die hinauseilenden Kinder erblickend.

Allen voran, von seitwärts im Galopp mit den drallsitzenden Strümpfchen, ein Körbchen und den Hut Sergey Iwanowitschs schwingend, kam Tanja gerade auf letzteren zugeeilt. Frohmutig auf ihn zueilend mit leuchtenden Augen, die in ihrer Schönheit denen des Vaters so ähnlich waren, reichte sie Sergey Iwanowitsch den Hut und that, als wolle sie ihm denselben aufsetzen, mit schüchternem, sanftem Lächeln ihre Ungebundenheit zügelnd.

„Warenka wartet schon,“ sagte sie, ihm den Hut behutsam aufsetzend, nachdem sie an dem Lächeln Sergey Iwanowitschs erkannt hatte, daß sie dies dürfe.

Warenka stand in der Thür, in einem gelben Kattunkleid, um den Kopf ein weißes Tuch geschlungen.

„Ich komme schon, ich komme, Barbara Andrejewna,“ sagte Sergey Iwanowitsch, seine Tasse Mokka leerend und ein Schnupftuch nebst dem Cigarrenetuis in seinen Taschen verteilend.

„Wie reizend ist doch meine Warenka, nicht wahr?“ sagte Kity zu ihrem Manne, sobald Sergey Iwanowitsch aufgestanden war. Sie sagte dies so, daß Sergey Iwanowitsch sie vernehmen konnte, woran ihr offenbar gelegen war. „Und wie schön sie ist, wie edel schön! Warenka!“ rief Kity. „Ihr werdet wohl im Mühlenholz sein? Wir kommen zu Euch hin!“

„Du vergißt doch entschieden deinen Zustand Kity,“ bemerkte die alte Fürstin, schnell zur Thür herauskommend, „du darfst nicht so schreien.“

Warenka, welche die Stimme Kitys sowie die Äußerung der Mutter vernommen hatte, kam leichten Schrittes zu Kity geeilt. Die Schnelligkeit ihrer Bewegungen, die Farbe, welche ihr munteres Gesicht bedeckte — alles das bewies, daß in ihr etwas Ungewöhnliches vorging. Kity wußte, was dieses Ungewöhnliche war, und beobachtete sie aufmerksam. Sie hatte jetzt Warenka nur gerufen, um ihr für ein wichtiges Ereignis, welches sich nach ihrer Erwägung heute, nach Tische im Walde vollziehen mußte, innerlich Segen zu wünschen.

„Warenka, ich würde sehr glücklich, wenn sich etwas ereignen sollte,“ sagte Kity flüsternd und sie küssend.

„Ihr werdet aber mit uns kommen?“ sagte Warenka in Verwirrung geratend, zu Lewin, und gab sich den Anschein, als habe sie gar nicht gehört, was zu ihr gesagt worden war.

„Ich werde kommen, doch nur bis zur Tenne, und dort werde ich bleiben.“

„Was hast du denn vor?“ sagte Kity.

„Ich muß die neuen Fuhren inspizieren und nachzählen,“ antwortete Lewin, „doch wo wirst du bleiben?“

„Auf der Terrasse.“

Auf der Terrasse hatte sich die ganze weibliche Gesellschaft versammelt. Die Damen liebten es, überhaupt dort nach Tische zu sitzen, aber heute gab es da sogar etwas zu thun. Außer dem Nähen und Sticken, womit sich alle beschäftigten, wurde heute Eingemachtes nach einer für Agathe Michailowna ganz neuen Methode — ohne Zuguß von Wasser — zubereitet.

Kity hatte diese neue Methode, welche bei ihr zu Haus in Gebrauch war, eingeführt. Agathe Michailowna, welcher früher dieses Geschäft anvertraut gewesen war, hatte in der Ansicht, daß das, was im Haus der Lewin gemacht wurde, doch nicht schlecht sein könne, gleichwohl ihr Wasser über die Wald- und Gartenerdbeeren mit der Versicherung gegossen, daß es unmöglich anders sein könne, aber sie wurde in ihrer Meinung überführt, und jetzt brodelte vor aller Augen die Himbeere, und Agathe Michailowna mußte sich überzeugt sehen, daß auch ohne Wasser das Eingemachte gut werde.

Agathe Michailowna mit erhitztem, erbittertem Gesicht, wirren Haaren, und bis an den Ellbogen entblößten, hageren Armen schwenkte die Schüssel im Kreise über dem Feuerbecken und blickte grollend auf die Beeren, aus Seelengrunde wünschend, sie möchten nicht gar werden.

Die Fürstin, welche merkte, daß auf sie, als die hauptsächlichste Ratgeberin bei der Zubereitung der Beeren, der Zorn Agathe Michailownas gerichtet sein müsse, bemühte sich, den Anschein zu wahren, als sei sie mit ganz anderen Dingenbeschäftigt, und interessiere sich gar nicht für die Himbeeren; sie sprach von Nebensächlichem, schaute aber immer dabei seitwärts nach dem Kohlenbecken.

„Ich kaufe den Mädchen stets Kleider,“ sagte die Fürstin, ein begonnenes Gespräch fortsetzend — „wollen wir jetzt nicht den Schaum abnehmen, Liebe?“ — fügte sie aber hinzu, sich an Agathe Michailowna wendend. „Das brauchst du durchaus nicht selbst zu thun, es ist heiß,“ hielt Kity diese dabei zurück.

„Ich werde es thun,“ sagte Dolly, stand auf und begann behutsam den Löffel über den schäumenden Zucker zu führen; bisweilen damit, um von ihm das daran haften Gebliebene zu entfernen, auf einen Teller klopfend, der bereits von mischfarbigem, gelbrotem Schaum und flüssigem blutrotem Syrup bedeckt war. „Wie sie das schlecken werden zum Thee,“ gedachte sie dabei ihrer Kinder und rief sich ins Gedächtnis zurück, wie sie selbst, als sie noch ein Kind gewesen, sich schon immer verwundert hatte, daß die Erwachsenen nicht gerade das Beste äßen — nämlich den Schaum — „Stefan sagt, es sei bei weitem besser, Geld zu geben,“ sagte Dolly dabei, das begonnene, interessante Gespräch darüber, wie man die Dienstleute beschenken solle, fortsetzend, „allein“ —

„So viel es möglich ist, Geld,“ sagten wie mit einer Stimme die Fürstin und Kity. „Sie schätzen das.“

„Nun, ich habe beispielsweise im vergangenen Jahre unserer Matrjona Ssemjonowna ein Kleid gekauft,“ sprach die Fürstin.

„Ich besinne mich, zu Eurem Geburtstage ging sie darin.“

„Ein reizendes Muster — so einfach und fein. Ich hätte es mir selbst machen lassen, wenn es nicht ihr gehört hätte; — so, wie das von Warenka war es. So hübsch und billig.“

„Jetzt scheint es fertig zu sein,“ sagte Dolly, den Syrup vom Löffel laufen lassend.

„Wenn Kringel werden, ist es gut. Kocht noch weiter, Agathe Michailowna.“

„Diese Fliegen,“ antwortete Agathe Michailowna gereizt.

„O, wie niedlich, verjagt ihn nicht!“ sprach Kity plötzlich, auf einen Spatz blickend, der sich auf dem Geländer niedergesetzt hatte und das Mark einer Himbeere zu picken begann.

„Ja, aber du mußt etwas weiter vom Kohlenbecken weg,“ sprach die Mutter.

„A propos de Warenka,“ begann Kity französisch, wie sie stets sprachen, damit Agathe Michailowna sie nicht verstehe. „Ihr wißt,maman, daß ich heute aus gewissen Gründen eine Entscheidung erwarte. Ihr versteht wohl, welche. Wie schön wäre das!“

„Ah, welch meisterhafte Freibewerberin du bist,“ sprach Dolly, „wie sie behutsam und geschickt die Leute zusammenführt.“

„Nun,maman, sagt doch, was Ihr dazu meint!“

„Was soll ich meinen? Er“ — unter dem Er verstand man Sergey Iwanowitsch — „konnte stets die erste Partie in Rußland machen, er ist zwar jetzt nicht mehr so jung, aber gleichwohl, ich weiß es, würden ihn auch jetzt noch viele Frauen nehmen. Sie ist sehr gut, aber er könnte doch“ —

„Nein, seht nur erst ein,maman, warum etwas Besseres für ihn, wie für sie nicht zu denken ist. Erstens — sie ist eine Schönheit!“ sprach Kity, einen Finger ausstreckend.

„Sie gefällt ihm sehr, das ist wahr,“ bestätigte Dolly.

„Dann nimmt er eine solche Stellung in der Welt ein, daß ihm ein Vermögen, ein Stand in der Welt für seine Frau ganz und gar nicht erforderlich ist. Ihm ist Eins nur nötig — ein gutes, liebevolles ruhiges Weib.“

„Jawohl, und mit ihr kann man ruhig leben,“ bestätigte Dolly.

„Drittens; sie muß ihn lieben! So ist es ja auch — und soweit wäre alles ganz gut. Ich erwarte, daß sie aus dem Walde kommen und alles entschieden ist. Ich werde es sogleich an ihren Augen erkennen; und würde mich so sehr freuen! Wie denkst du darüber, Dolly?“

„Rege dich nur nicht auf. Du darfst dich durchaus nicht erregen,“ sagte die Mutter.

„Aber ich rege mich ja gar nicht auf,maman; mir scheint nur, daß er heute seinen Antrag machen wird.“

„Ach; es ist so seltsam, wenn ein Mann eine Liebeserklärung macht. Erst ist so eine Scheidewand vorhanden, und plötzlich ist sie durchbrochen,“ sagte Dolly, gedankenvoll lächelnd und sich an die Vergangenheit mit Stefan Arkadjewitsch erinnernd.

„Mama, wie hat Euch denn Papa seine Liebeserklärung gemacht?“ frug Kity plötzlich.

„Es war nichts Außergewöhnliches dabei, sehr einfach,“ antwortete die Fürstin, aber ihr ganzes Gesicht erglänzte bei dieser Erinnerung.

„Nun, wie denn? Ihr habt ihn doch geliebt, bevor Euch noch erlaubt war, mit ihm zu sprechen.“

Kity fand einen eigenen Reiz darin, mit ihrer Mutter jetzt wie mit einer Gleichgestellten über diese höchsten Fragen des Frauenlebens sprechen zu können.

„Versteht sich, liebte er mich! Er kam zu uns auf das Land.“

„Aber wie entschied es sich? Mama?“

„Du denkst wahrscheinlich, daß ihr beide euch etwas Neues ausgedacht hättet? Es war ganz dieselbe Geschichte; mit Blicken und Lächeln“ —

„Wie Ihr das so schön ausgesprochen habt,maman! Ja, die Augen, das Lächeln,“ bestätigte Dolly.

„Aber welche Worte sprach er denn?“

„Was für Worte hat dir dein Konstantin gesagt?“

„Er schrieb sie mit Kreide. Es war wunderbar. Wie weit scheint mir dies schon dahinten zu liegen,“ antwortete Kity.

Die drei Frauen sannen jetzt über ein und dasselbe nach. Kity brach zuerst wieder das Schweigen. Der ganze letzte Winter vor ihrer Verheiratung, ihre Leidenschaft für Wronskiy kam ihr wieder ins Gedächtnis.

„Aber noch Eins — jene frühere Leidenschaft Warenkas,“ sagte sie, in einem natürlichen Gedankengang sich dessen erinnernd. „Ich wollte Sergey Iwanowitsch schon irgendwie Mitteilung machen, ihn vorbereiten. Sie sind ja alle Männer,“ fügte sie hinzu, „und entsetzlich eifersüchtig auf unsere Vergangenheit.“

„Nicht alle,“ antwortete Dolly, „du urteilst so nach deinem Manne; der martert sich noch jetzt ab in der Erinnerung an Wronskiy. Nicht wahr? Habe ich nicht recht?“

„Du hast recht,“ antwortete Kity, gedankenvoll mit den Augen lächelnd.

„Ich weiß nun nicht,“ fuhr die Fürstin fort, ihre mütterliche Obhut für die Tochter wieder übernehmend, „was eigentlichin deiner Vergangenheit ihn stören könnte? Daß Wronskiy dir den Hof machte? Das passiert jedem jungen Mädchen.“

„Ach, sprechen wir nicht davon,“ sagte Kity errötend.

„Nein, gestatte,“ fuhr die Mutter fort, „du selbst wolltest mir ja nicht gestatten, mit Wronskiy Rücksprache zu nehmen. Weißt du noch?“

„Ach, Mama!“ sagte Kity mit einem Ausdruck von Leiden.

„Deine Beziehungen zu ihm konnten ja nicht weitergehen als sie durften; ich selbst würde ihn noch ermutigt haben. Doch im übrigen, liebe Seele, taugt es nicht für dich, wenn du dich erregst. Denke, bitte, hieran, und beruhige dich.“

„Ich bin vollkommen ruhig,maman.“

„Wie war es doch zum Glück damals für Kity, daß Anna kam,“ sagte Dolly, „und wie verhängnisvoll wurde das für sie selbst. Da haben wir es gerade umgekehrt,“ fügte sie hinzu, betroffen über ihren eigenen Gedanken. „Damals war Anna so glücklich und Kity hielt sich für unglücklich. Welch ein völliger Umschlag! Ich denke oft an sie.“

„Das wäre das Weib, an welches man denken dürfte! Ein häßliches, ausschweifendes Weib ohne Herz,“ sprach die Mutter, welche nicht vergessen konnte, daß Kity nicht einen Wronskiy, sondern einen Lewin geheiratet hatte.

„Was ist es für ein Vergnügen, hiervon zu sprechen,“ fuhr Kity voll Verdruß fort, „ich denke nicht daran und will nicht daran denken. Ich will nicht daran denken,“ sprach sie, dabei dem wohlbekannten Klang der Schritte ihres Mannes auf den Stufen zur Terrasse lauschend.

„Wovon ist denn die Rede ‚ich will nicht daran denken?‘“ frug Lewin, die Terrasse betretend.

Niemand antwortete ihm, und er wiederholte seine Frage nicht.

„Ich bedaure, euer Frauenreich gestört zu haben,“ sprach er, mißvergnügt alle anblickend und wohl gewahrend, daß man über etwas gesprochen hatte, wovon man in seiner Gegenwart nicht geredet haben würde.

Einen Augenblick empfand er, daß er die Gefühle Agathe Michailownas teile, die Unzufriedenheit darüber, daß man die Himbeeren ohne Wasser einkoche, und über den fremdartigen Einfluß der Schtscherbazkiy. Er lächelte aber doch und trat zu Kity.


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