Chapter 14

315. Wie die Atome, so üben auch die Körper eine Wirksamkeit auf einander aus, welche je nach der Beschaffenheit derselben entweder mechanischer, chemischer oder organischer Art ist. Erstere äussert sich als Schwere, indem ein Körper den andern vermöge seiner überlegenen Masse, die zweite als Wahlverwandtschaft, indem ein Körper den andern vermöge seiner innigeren Verwandtschaft, die dritte als Geschlechtsneigung, indem ein Körper den andern in Folge des geschlechtlichen Gegensatzes an sich zieht. Wie durch die erstere eine Ablenkung des angezogenen Körpers, wenn derselbe bewegt ist, von seiner ursprünglichen Richtung, wenn er unbewegt ist, eine Annäherung an den Ort des anziehenden Körpers, in beiden Fällen jedoch, wenn kein anderweitiges Hinderniss, z. B. die widerstrebende Eigenbewegung des angezogenen Körpers, dazwischen tritt, eine Vereinigung des angezogenen mit dem anziehenden und dadurch eine Vergrösserung der Masse des letzteren herbeigeführt wird, so wird durch die zweite eine Auflösung der bisherigen Verbindung des angezogenen Körpers und die Entstehung einer neuen Verbindung durch die Verschmelzung desselben mit dem anziehenden veranlasst, auf dem dritten Wege aber durch die organische Vereinigung zweier geschlechtlich entgegengesetzten belebten Körper ein neues organisches Individuum auf Kosten und aus dem Stoffe der Zeugenden erzeugt. Jene, die mechanische Anziehung associirt bisher getrennte Körper zu einem neuen, welcher dieselben in sich begreift; die zweite trennt nicht zusammengehörige Körper, die vereinigt, und führt zusammengehörige zusammen, die getrennt waren; die dritte leitet aus bisher vereinzelt gestandenen organischen Individuen durch Zusammenschluss derselben ein neues, in keinem derselben für sich allein, aber in beiden zusammengenommen wol- und vollbegründetes Individuum ab. Das Wirken der ersten wie der zweiten Art bringt als producirende Thätigkeit zwar nicht dem Stoff, aber der Form nach neue Körper, die letztgenannte als reproducirende weder dem Stoff, noch der Form nach neue, sondern denjenigen, aus welchen sie entstanden sind, gleiche Körper d. h. sie bringt das in der Zeugung untergegangene in einem neuen Individuum wieder hervor. Während durch die erstere, die schaffende („die Phantasie der physischen Welt”) Thätigkeit dergegebene Stoff in vorher nicht gegebener Gestalt umgebildet, wird durch die letztere, die fortpflanzende („das Gedächtniss der Materie”) Thätigkeit die Spur des einmal vorhanden Gewesenen in allem Folgenden mehr oder minder getreu aufbewahrt und dessen Andenken durch dasselbe erneuert. Auf ersterem Wege bilden sich aus dem im Weltraum gleichmässig vertheilten Stoffe durch locale Verdichtung frei schwebende, sogenannte „kosmische Wolken”, durch Anhäufung desselben um einen dichtern Kern sogenannte „Nebelflecke” und „schweifende Kometen”; wachsen durch Vereinigung kleinerer Weltkörper allmälig jene im Weltraum zerstreuten Massenkugeln heran, die andern als Central- und, wie es das Niederstürzen von Sternschnuppen und Meteorsteinen auf deren Oberfläche beweist, zum Sammelpunkte dienen. Auf dem zweiten Wege bildet sich jener wirthschaftliche Haushalt in der Natur, durch welchen die von den pflanzlichen Organismen aufgenommene Kohlensäure im Inneren derselben zersetzt, der Kohlenstoff zurückbehalten und der Sauerstoff durch die Lungen der Pflanze, die Blätter, ausgeathmet, von den thierischen Organismen dagegen eingeathmet und in den Lungen zur Oxydirung des Blutes verwendet wird. Auf dem letztgenannten Wege endlich werden wenigstens in den höheren pflanzlichen und thierischen Gattungen die unzähligen Nachkommen gezeugt, während auf den niederen Stufen der vegetabilischen Organismen die Fortpflanzung durch Keimzellen (Sporen) und Sprossen, bei den animalischen durch Theilung und Zerfällung der ursprünglich zu einem einzigen vereinigt gewesenen in mehrere selbstständige Individuen die Stelle der sexualen Generation vertritt.316. Wie die Atome, so sind die Körper in verschiedenen regelmässigen oder unregelmässigen Abständen durch den Weltraum ausgestreut, so dass einzelne derselben unter einander, wie die Atome zu Körpern, so die Körper zu Systemen und weiter diese selbst wieder zu ihrerseits unter sich zu einem Ganzen verknüpften Aggregaten von Systemen gehören, während andere keinem in sich geschlossenen Körperverband einverleibt, sei es aus dem Gebiet eines in das eines anderen Körpersystems hinüberstreifen, theils frei durch den Weltraum irren. Zu den ersteren gehören die Systeme einzelner Centralkörper mit ihren in ihren Bewegungen von ihnen abhängigen Begleitern, welche ihrerseits wieder von solchen begleitet sein können. Dieselben bilden im Weltmeer des mit Körpern erfüllten Raumes gleichsam „Weltinseln” und können ihrerseits mit anderen ihresgleichen zu einem „Inselmeer” d. i. zu einem Archipelagosvon Weltsystemen vereinigt sein. Ein solches bildet allem Anschein nach der selbst um einen, sei es idealen, sei es realen (nach Mädler Alpha Herculis) Mittelpunkt gravitirende Weltring der sogenannten Milchstrasse, von welchem unser Sonnensystem mit seiner Centralsonne, seinen Planeten und Planetoiden, deren Trabanten und Ringen, sowie mit den theils gleichfalls ringförmig angeordneten, theils zerstreut rotirenden Asteroiden, Sternschnuppen und Meteormassen einen Bestandtheil ausmacht. Der Inbegriff sämmtlicher Weltkörper bildet das sichtbare Universum, das mechanisch durch das Gesetz der Gravitation beherrscht und chemisch, wie die Spectralanalyse gezeigt hat, durchgängig aus solchen Stoffen zusammengesetzt ist, welche auch auf oder innerhalb der Erde vorkommen. Flüssige und luftartige Bildungen (Meere und Atmosphären) sind auch auf von der Erde verschiedenen Weltkörpern beobachtet, dagegen Spuren organischen Lebens bisher nur auf dieser wahrgenommen worden, daher von vegetabilischen und animalischen, so wie von menschenähnlichen Bewohnern erfahrungsgemäß bisher nur auf dieser die Rede sein kann.317. Sowol die Zwischenräume zwischen den Welt-, so wie jene zwischen den festen und flüssigen Körpern auf der Erde sind von luftartigen Körpern (auf der Erde von einem aus Sauerstoff und Stickstoff, so wie einigem Ozon bestehenden Luftkörper, der sogenannten atmosphärischen Luft) ausgefüllt, deren Gegenwart auch in den scheinbar leeren Theilen des Weltraums durch die Widerstände, welche bewegte Weltkörper mittels derselben erlitten haben (z. B. durch die allmälige Verengung der Bahn des Enke’schen Kometen), erwiesen ist. Die Zwischenräume der physikalischen Atome werden, wie oben bemerkt, durch Atome des sogenannten Weltäthers erfüllt gedacht, auf dessen Zustände diejenigen Phänomene, welche sonst je specifisch verschiedenen sogenannten „unwägbaren” Stoffen (Imponderabilien), z. B. die Lichterscheinungen einem Lichtstoff, die magnetischen einem magnetischen Fluidum u. s. w. zugeschrieben wurden, nunmehr als auf deren gemeinsamen Träger zurückgeführt zu werden pflegen. Dieselben zerfallen in solche, bei welchen die qualitative Beschaffenheit der Körperatome gleichgültig, und solche für welche dieselbe bestimmend ist. Zu den ersteren gehören die Licht- und Wärmeerscheinungen, die sich deshalb (wenngleich in unzähligen Graden der Abstufung) zwischen und in allen Körpern des Weltalls vorfinden; zu den letzteren lassen sich die sogenannten, magnetischen und elektrischen Erscheinungen zählen, deren ersterean die Gegenwart eines bestimmten chemischen Stoffs (des Eisens), deren letztere an die Gegenwart und gegenseitige Berührung mindestens zweier qualitativ heterogener Stoffe (z. B. Zink und Kupfer) gebunden ist. Der Zustand des Aethers selbst wird als kleinste periodische Bewegung der Aetheratome (Schwingung) in verschiedener Menge und Richtung vorgestellt, wobei der Unterschied stattfindet, dass diejenigen, welche als Träger des Lichtphänomens angesehen werden, an der Oberfläche der Körper (mit Ausnahme der durchsichtigen oder durchscheinenden) stattfinden und diese daher im Inneren dunkel erscheinen, während diejenigen, welche die Träger des Wärmephänomens sind, auch im Inneren der Körper statthaben, diese daher je nach dem Grade derselben innerlich erhitzt oder erkältet erscheinen. Bei den magnetischen und elektrischen Erscheinungen lässt sich die Betheiligung des Aethers in der Weise verschieden denken, dass derselbe in dem Körper, welcher den erforderlichen Stoff, das Eisen enthält, an zwei entgegengesetzten Enden, den Polen, angehäuft erscheint, wobei die Erfahrung zeigt, dass gleichnamige Pole einander abstossen, während bei den elektrischen Erscheinungen an den zu ihrer Entstehung erforderlichen heterogenen Körpern der Aether an zwei einander der Richtung nach entgegengesetzten Enden (+ und -) sich anhäuft, wobei die Erfahrung zeigt, dass entgegengesetzte Pole sich anziehen. Inwieweit bei den elektrischen Strömen, von welchen Muskelcontractionen begleitet zu werden pflegen, sowie bei den Erscheinungen des sogenannten thierischen Magnetismus und der thierischen Elektricität eben so wie bei jenen der sogenannten animalischen Wärme die Betheiligung des Aethers eine Rolle übernehme, muss um so mehr dahingestellt bleiben, als mit Ausnahme der elektrischen Muskelströme und der thierischen Wärme die übrigen sogenannten Thatsachen noch allzu sehr der empirischen Bestätigung bedürfen. Insofern jene dem Weltäther zugeschriebenen Phänomene, mit den auf die physikalischen Atome zurückgeführten Erscheinungen verglichen, dem der groben Masse der letzteren gegenüber verfeinerten Charakter ihrer materiellen Grundlage entsprechend selbst einen gleichsam „vergeistigten” Stempel tragen, sind sie es, welche durch ihre Gegensätze der Helligkeit und der Finsterniss, der Hitze und der Kälte, der magnetischen und elektrischen Spannung und Lösung der Physiognomie der physischen Körperwelt ein an die wechselnden Stimmungsgegensätze des menschlichen Gemüthes mahnendes Gepräge aufdrücken und daher als Bilder und Gleichnisse für die letzteren mitVorliebe pflegen verwendet zu werden. Steigern sich dieselben so weit, dass sie namhafte Veränderungen in der Welt der physischen Körper verursachen, die Lichterscheinung als Brand, die Wärmeerscheinung als Explosion oder Eruption, der Magnetismus als magnetisches, der elektrische Strom als atmosphärisches Ungewitter auftritt, so nimmt deren Wesen eine an die plötzliche, aber auch vorübergehende Natur der von unwillkürlichen Körperbewegungen begleiteten Gemüthserschütterungen, der sogenannten Affecte, an und liefert für diese („flammender Zorn”, „leidenschaftlicher Ausbruch”) das treffendste Gleichniss.318. Wie dem denknothwendigen das durch die Erfahrung gegebene Wirkliche, so steht dem denknothwendigen das empirisch gegebene Wirken gegenüber. Die Vorstellung des letzteren unterliegt um so mehr logischen Schwierigkeiten, als weder der Begriff eines Wirkens durch den leeren Raum, wie er durch die discrete Vertheilung der Atome im Raume gefordert ist, noch der Begriff eines Dinges, welches eins und zugleich der Träger vielfach sich ändernden Wirkens, noch endlich jener der Veränderung d. h. eines Dinges, welches anders geworden und doch dasselbe geblieben sein soll, und jener der unter den letztgenannten fallenden Bewegung als Ortsveränderung ohne schwerwiegende kritische Bedenken bleibt. Erstgenannter ficht durch die Einsicht in die Unmöglichkeit, dass von dem angeblich Einfachen Theile sich loslösen und durch einen Sprung über das Leere hinüber einem andern eben so Einfachen einverleibt werden könnten, streng genommen die Möglichkeit so wol der Anziehung wie der Abstossung und damit die Basis des physischen Zusammenhangs unter den Elementen der Körperwelt an. Die Einheit des Dinges, während dessen Wirken ein vielartiges sein soll, ruft den Widerspruch, wie Eins = Vielem gedacht werden könne, die Identität des Dinges, nachdem es ein anderes geworden, ruft den Widerspruch, wie Eines und dasselbe zugleich nicht dasselbe sein könne, wider sich hervor und nöthigt, dem ersteren durch die Annahme, dass das Wirken eines Dinges das Product nicht eines einzigen Atoms, sondern des Zusammenseins einer Gruppe mehrerer Atome sei und demnach, wenn die Bestandtheile dieser Gruppe verschiedene seien, sehr wol ein Verschiedenes nicht nur sein könne, sondern sein müsse, dem zweiten dagegen durch die Bemerkung zu begegnen, dass, weil jedes sogenannte „Ding” nur eine Gruppe von Atomen, also ein Ganzes sei, dasselbe durch das Ausscheiden einzelner und Eintreten anderer, während der Restderselbe geblieben ist, sehr wol eine Veränderung erlitten und doch (in Bezug auf obigen Rest) seine Identität aufrecht erhalten haben könne. Bezüglich der Bewegung als Ortsveränderung aber gilt, dass dieselbe nur dann einen Widerspruch einschliesse, wenn dieselbe in dem Sinn verstanden wird, dass das Bewegliche im selben Zeitpunkt an einem und demselben Orte befindlich und nicht befindlich, keineswegs aber, wenn dieselbe so aufgefasst wird, dass das Bewegliche in jedem stetig auf einander folgenden Zeitpunkt in einem anderen Orte befindlich sei. Dieselbe setzt daher eben so nothwendig die Zeit als den Raum voraus und wird durch das Verhältniss des in einem gewissen Zeitabschnitt zurückgelegten Raumes d. i. durch die Geschwindigkeit gemessen.319. Das in der Zeit vor sich gehende erfahrungsmässig gegebene Geschehen, die Veränderung des Zustandes der Körperwelt, ist eine dreifache, und zwar tritt dasselbe, je nachdem entweder nur der Ort des Körpers, wobei dessen Form sowol als Stoff dieselben bleiben, oder nur die Form des Körpers, während der Stoff unberührt bleibt, oder schliesslich auch dieser eine Veränderung erleidet, als Orts-, Form- oder Stoffwechsel auf. In ersterer Hinsicht kann die Bewegung der Richtung nach entweder eine fortschreitende, wie bei dem Stoss und Wurf, oder eine in sich zurückkehrende, wie bei den rotirenden Weltkörpern und den Blutkörperchen im Blutkreislauf, oder eine zugleich fortschreitende und in sich zurückkehrende Bewegung, wie bei dem um die Erde sich drehenden und zugleich mit dieser um die Sonne bewegten Monde sein. Der Qualität nach kann dieselbe entweder eine in gleichen Zeitabschnitten auf gleiche Weise sich wiederholende (gleichförmige) oder in gleichen Zeiträumen abnehmende (retardirende) oder zunehmende (accelerirende) Bewegung, in ersterer Hinsicht überdies entweder eine am selben Ort sich gleichförmig wiederholende (schwingende), oder dabei zugleich im Raume fortschreitende, entweder nach der nämlichen, oder abwechselnd nach entgegengesetzten Richtungen von der Fortschrittslinie gleichförmig ausschlagende Bewegung sein: jene ergibt die periodische Bogen-, diese die Wellenbewegung. Hinsichtlich des Formenwechsels findet beim mechanischen und chemischen Körper ein Uebergang des festen in den flüssigen und luftartigen Zustand, oder des flüssigen in den festen und luftförmigen, oder des letztgenannten in den festen und flüssigen statt, während beim organischen die sogenannte Transformationslehre (Darwinismus) im Gegensatz gegen die Theorie von der Constanz der Arten und Gattungenes mehr als wahrscheinlich gemacht hat, dass nicht nur in der vegetabilischen Natur die Arten und Gattungen der Organismen durch allmälige Umbildung einer oder weniger ursprünglichen Pflanzentypen („Urpflanze”, „Metamorphose der Pflanze”: Goethe), sondern auch in der animalischen Welt die Arten und Gattungen des Thierreichs durch allmälige Umbildung eines oder einiger ursprünglicher Thiertypen („Bathybios”, „Gastraea”: Haeckel), sei es auf dem Wege immanenter Teleologie (Goethe), sei es auf dem natürlicher Zuchtwahl (Darwin), oder unwillkürlicher, reflexartiger Nachahmung („Mimicry”: Wallace) in einander übergehen. Was den Stoffwechsel betrifft, so hat die Erfahrung bis heute zwar die Vermuthung, dass der unorganische chemische Stoff nur eine Umbildung des primitiven mechanischen Stoffs sei, durch die chemische Typentheorie wahrscheinlich zu machen, für die Behauptung aber, dass der organische Stoff nur eine Umbildung des unorganischen, der belebteNaturkörperaus leblosen, etwa durch Urzeugung (generatio æquivoca), entstanden sei, eben so wenig einen jeden Zweifel ausschliessenden Beweis durch Thatsachen zu führen vermocht, wie für die weitere, dass das „Phänomen der Empfindung”, durch welches der (anderes und sich selbst) vorstellende Organismus sich von dem nicht vorstellenden, obgleich ebenfalls organischen Körper unterscheidet, nichts anderes als eine Umbildung des derselben entsprechenden „Nervenreizes” und demnach als psychischer oder Bewusstseinsvorgang von diesem als physiologischem d. i. Nervenzustand, eben so wenig wie dieser als organischer Vorgang von den unorganischen Vorgängen der mechanisch-chemischen Körper dem Wesen nach verschieden sei. Insbesondere was die letztgenannte von den positivistischen und materialistischen Gegnern einer weder mit Biologie noch mit Phrenologie und Physiologie identischen Psychologie immer von neuem wiederholte, aber niemals bewiesene Versicherung betrifft, haben ausgezeichnete Physiologen (Ludwig, Fick) ein offenes: ignoramus, einer der ausgezeichnetsten (Dubois-Reymond) sogar ein eben solches: ignorabimus ausgesprochen.320. Wie die Gesammtheit der im Weltraum vertheilten (unorganischen und der auf einem oder dem andern derselben anzutreffenden organischen) Körper in ihrer gegenseitigen physischen Zusammengehörigkeit mit und in ihrer Abhängigkeit von einander, so weit dieselben unserer Erfahrung zugänglich sind, dasphysische Weltall, denKosmos, so macht die Gesammtheit des in und zwischen denselben in der Zeit vor sich gehenden Geschehens, deren periodischerund nichtperiodischer Orts-, Formen- und Stoffwechsel von der unmessbaren, primitiven Oscillation des Aethers bis zu den Umläufen der Weltkörper und dem schwankenden Gleichgewicht einander äquilibrirender Weltsysteme, von der Zerlegung des Wassertropfens durch den elektrischen Funken in seine Elemente bis zu den ein System von Weltkörpern erleuchtenden und erwärmenden Verbrennungsprocessen gasförmiger Centralsonnen, von der molecularen Anziehung und Abstossung primitiver Stofftheile bis zu den verwickelten mechanisch-chemischen Processen, welche die Erscheinung des Lebens und das Erwachen des Bewusstseins bedingen, herauf, so weit dasselbe unserer Erfahrung zugänglich ist, dieNaturgeschichte der physischen Welt, dieGeschichte des Weltallsaus.

315. Wie die Atome, so üben auch die Körper eine Wirksamkeit auf einander aus, welche je nach der Beschaffenheit derselben entweder mechanischer, chemischer oder organischer Art ist. Erstere äussert sich als Schwere, indem ein Körper den andern vermöge seiner überlegenen Masse, die zweite als Wahlverwandtschaft, indem ein Körper den andern vermöge seiner innigeren Verwandtschaft, die dritte als Geschlechtsneigung, indem ein Körper den andern in Folge des geschlechtlichen Gegensatzes an sich zieht. Wie durch die erstere eine Ablenkung des angezogenen Körpers, wenn derselbe bewegt ist, von seiner ursprünglichen Richtung, wenn er unbewegt ist, eine Annäherung an den Ort des anziehenden Körpers, in beiden Fällen jedoch, wenn kein anderweitiges Hinderniss, z. B. die widerstrebende Eigenbewegung des angezogenen Körpers, dazwischen tritt, eine Vereinigung des angezogenen mit dem anziehenden und dadurch eine Vergrösserung der Masse des letzteren herbeigeführt wird, so wird durch die zweite eine Auflösung der bisherigen Verbindung des angezogenen Körpers und die Entstehung einer neuen Verbindung durch die Verschmelzung desselben mit dem anziehenden veranlasst, auf dem dritten Wege aber durch die organische Vereinigung zweier geschlechtlich entgegengesetzten belebten Körper ein neues organisches Individuum auf Kosten und aus dem Stoffe der Zeugenden erzeugt. Jene, die mechanische Anziehung associirt bisher getrennte Körper zu einem neuen, welcher dieselben in sich begreift; die zweite trennt nicht zusammengehörige Körper, die vereinigt, und führt zusammengehörige zusammen, die getrennt waren; die dritte leitet aus bisher vereinzelt gestandenen organischen Individuen durch Zusammenschluss derselben ein neues, in keinem derselben für sich allein, aber in beiden zusammengenommen wol- und vollbegründetes Individuum ab. Das Wirken der ersten wie der zweiten Art bringt als producirende Thätigkeit zwar nicht dem Stoff, aber der Form nach neue Körper, die letztgenannte als reproducirende weder dem Stoff, noch der Form nach neue, sondern denjenigen, aus welchen sie entstanden sind, gleiche Körper d. h. sie bringt das in der Zeugung untergegangene in einem neuen Individuum wieder hervor. Während durch die erstere, die schaffende („die Phantasie der physischen Welt”) Thätigkeit dergegebene Stoff in vorher nicht gegebener Gestalt umgebildet, wird durch die letztere, die fortpflanzende („das Gedächtniss der Materie”) Thätigkeit die Spur des einmal vorhanden Gewesenen in allem Folgenden mehr oder minder getreu aufbewahrt und dessen Andenken durch dasselbe erneuert. Auf ersterem Wege bilden sich aus dem im Weltraum gleichmässig vertheilten Stoffe durch locale Verdichtung frei schwebende, sogenannte „kosmische Wolken”, durch Anhäufung desselben um einen dichtern Kern sogenannte „Nebelflecke” und „schweifende Kometen”; wachsen durch Vereinigung kleinerer Weltkörper allmälig jene im Weltraum zerstreuten Massenkugeln heran, die andern als Central- und, wie es das Niederstürzen von Sternschnuppen und Meteorsteinen auf deren Oberfläche beweist, zum Sammelpunkte dienen. Auf dem zweiten Wege bildet sich jener wirthschaftliche Haushalt in der Natur, durch welchen die von den pflanzlichen Organismen aufgenommene Kohlensäure im Inneren derselben zersetzt, der Kohlenstoff zurückbehalten und der Sauerstoff durch die Lungen der Pflanze, die Blätter, ausgeathmet, von den thierischen Organismen dagegen eingeathmet und in den Lungen zur Oxydirung des Blutes verwendet wird. Auf dem letztgenannten Wege endlich werden wenigstens in den höheren pflanzlichen und thierischen Gattungen die unzähligen Nachkommen gezeugt, während auf den niederen Stufen der vegetabilischen Organismen die Fortpflanzung durch Keimzellen (Sporen) und Sprossen, bei den animalischen durch Theilung und Zerfällung der ursprünglich zu einem einzigen vereinigt gewesenen in mehrere selbstständige Individuen die Stelle der sexualen Generation vertritt.316. Wie die Atome, so sind die Körper in verschiedenen regelmässigen oder unregelmässigen Abständen durch den Weltraum ausgestreut, so dass einzelne derselben unter einander, wie die Atome zu Körpern, so die Körper zu Systemen und weiter diese selbst wieder zu ihrerseits unter sich zu einem Ganzen verknüpften Aggregaten von Systemen gehören, während andere keinem in sich geschlossenen Körperverband einverleibt, sei es aus dem Gebiet eines in das eines anderen Körpersystems hinüberstreifen, theils frei durch den Weltraum irren. Zu den ersteren gehören die Systeme einzelner Centralkörper mit ihren in ihren Bewegungen von ihnen abhängigen Begleitern, welche ihrerseits wieder von solchen begleitet sein können. Dieselben bilden im Weltmeer des mit Körpern erfüllten Raumes gleichsam „Weltinseln” und können ihrerseits mit anderen ihresgleichen zu einem „Inselmeer” d. i. zu einem Archipelagosvon Weltsystemen vereinigt sein. Ein solches bildet allem Anschein nach der selbst um einen, sei es idealen, sei es realen (nach Mädler Alpha Herculis) Mittelpunkt gravitirende Weltring der sogenannten Milchstrasse, von welchem unser Sonnensystem mit seiner Centralsonne, seinen Planeten und Planetoiden, deren Trabanten und Ringen, sowie mit den theils gleichfalls ringförmig angeordneten, theils zerstreut rotirenden Asteroiden, Sternschnuppen und Meteormassen einen Bestandtheil ausmacht. Der Inbegriff sämmtlicher Weltkörper bildet das sichtbare Universum, das mechanisch durch das Gesetz der Gravitation beherrscht und chemisch, wie die Spectralanalyse gezeigt hat, durchgängig aus solchen Stoffen zusammengesetzt ist, welche auch auf oder innerhalb der Erde vorkommen. Flüssige und luftartige Bildungen (Meere und Atmosphären) sind auch auf von der Erde verschiedenen Weltkörpern beobachtet, dagegen Spuren organischen Lebens bisher nur auf dieser wahrgenommen worden, daher von vegetabilischen und animalischen, so wie von menschenähnlichen Bewohnern erfahrungsgemäß bisher nur auf dieser die Rede sein kann.317. Sowol die Zwischenräume zwischen den Welt-, so wie jene zwischen den festen und flüssigen Körpern auf der Erde sind von luftartigen Körpern (auf der Erde von einem aus Sauerstoff und Stickstoff, so wie einigem Ozon bestehenden Luftkörper, der sogenannten atmosphärischen Luft) ausgefüllt, deren Gegenwart auch in den scheinbar leeren Theilen des Weltraums durch die Widerstände, welche bewegte Weltkörper mittels derselben erlitten haben (z. B. durch die allmälige Verengung der Bahn des Enke’schen Kometen), erwiesen ist. Die Zwischenräume der physikalischen Atome werden, wie oben bemerkt, durch Atome des sogenannten Weltäthers erfüllt gedacht, auf dessen Zustände diejenigen Phänomene, welche sonst je specifisch verschiedenen sogenannten „unwägbaren” Stoffen (Imponderabilien), z. B. die Lichterscheinungen einem Lichtstoff, die magnetischen einem magnetischen Fluidum u. s. w. zugeschrieben wurden, nunmehr als auf deren gemeinsamen Träger zurückgeführt zu werden pflegen. Dieselben zerfallen in solche, bei welchen die qualitative Beschaffenheit der Körperatome gleichgültig, und solche für welche dieselbe bestimmend ist. Zu den ersteren gehören die Licht- und Wärmeerscheinungen, die sich deshalb (wenngleich in unzähligen Graden der Abstufung) zwischen und in allen Körpern des Weltalls vorfinden; zu den letzteren lassen sich die sogenannten, magnetischen und elektrischen Erscheinungen zählen, deren ersterean die Gegenwart eines bestimmten chemischen Stoffs (des Eisens), deren letztere an die Gegenwart und gegenseitige Berührung mindestens zweier qualitativ heterogener Stoffe (z. B. Zink und Kupfer) gebunden ist. Der Zustand des Aethers selbst wird als kleinste periodische Bewegung der Aetheratome (Schwingung) in verschiedener Menge und Richtung vorgestellt, wobei der Unterschied stattfindet, dass diejenigen, welche als Träger des Lichtphänomens angesehen werden, an der Oberfläche der Körper (mit Ausnahme der durchsichtigen oder durchscheinenden) stattfinden und diese daher im Inneren dunkel erscheinen, während diejenigen, welche die Träger des Wärmephänomens sind, auch im Inneren der Körper statthaben, diese daher je nach dem Grade derselben innerlich erhitzt oder erkältet erscheinen. Bei den magnetischen und elektrischen Erscheinungen lässt sich die Betheiligung des Aethers in der Weise verschieden denken, dass derselbe in dem Körper, welcher den erforderlichen Stoff, das Eisen enthält, an zwei entgegengesetzten Enden, den Polen, angehäuft erscheint, wobei die Erfahrung zeigt, dass gleichnamige Pole einander abstossen, während bei den elektrischen Erscheinungen an den zu ihrer Entstehung erforderlichen heterogenen Körpern der Aether an zwei einander der Richtung nach entgegengesetzten Enden (+ und -) sich anhäuft, wobei die Erfahrung zeigt, dass entgegengesetzte Pole sich anziehen. Inwieweit bei den elektrischen Strömen, von welchen Muskelcontractionen begleitet zu werden pflegen, sowie bei den Erscheinungen des sogenannten thierischen Magnetismus und der thierischen Elektricität eben so wie bei jenen der sogenannten animalischen Wärme die Betheiligung des Aethers eine Rolle übernehme, muss um so mehr dahingestellt bleiben, als mit Ausnahme der elektrischen Muskelströme und der thierischen Wärme die übrigen sogenannten Thatsachen noch allzu sehr der empirischen Bestätigung bedürfen. Insofern jene dem Weltäther zugeschriebenen Phänomene, mit den auf die physikalischen Atome zurückgeführten Erscheinungen verglichen, dem der groben Masse der letzteren gegenüber verfeinerten Charakter ihrer materiellen Grundlage entsprechend selbst einen gleichsam „vergeistigten” Stempel tragen, sind sie es, welche durch ihre Gegensätze der Helligkeit und der Finsterniss, der Hitze und der Kälte, der magnetischen und elektrischen Spannung und Lösung der Physiognomie der physischen Körperwelt ein an die wechselnden Stimmungsgegensätze des menschlichen Gemüthes mahnendes Gepräge aufdrücken und daher als Bilder und Gleichnisse für die letzteren mitVorliebe pflegen verwendet zu werden. Steigern sich dieselben so weit, dass sie namhafte Veränderungen in der Welt der physischen Körper verursachen, die Lichterscheinung als Brand, die Wärmeerscheinung als Explosion oder Eruption, der Magnetismus als magnetisches, der elektrische Strom als atmosphärisches Ungewitter auftritt, so nimmt deren Wesen eine an die plötzliche, aber auch vorübergehende Natur der von unwillkürlichen Körperbewegungen begleiteten Gemüthserschütterungen, der sogenannten Affecte, an und liefert für diese („flammender Zorn”, „leidenschaftlicher Ausbruch”) das treffendste Gleichniss.318. Wie dem denknothwendigen das durch die Erfahrung gegebene Wirkliche, so steht dem denknothwendigen das empirisch gegebene Wirken gegenüber. Die Vorstellung des letzteren unterliegt um so mehr logischen Schwierigkeiten, als weder der Begriff eines Wirkens durch den leeren Raum, wie er durch die discrete Vertheilung der Atome im Raume gefordert ist, noch der Begriff eines Dinges, welches eins und zugleich der Träger vielfach sich ändernden Wirkens, noch endlich jener der Veränderung d. h. eines Dinges, welches anders geworden und doch dasselbe geblieben sein soll, und jener der unter den letztgenannten fallenden Bewegung als Ortsveränderung ohne schwerwiegende kritische Bedenken bleibt. Erstgenannter ficht durch die Einsicht in die Unmöglichkeit, dass von dem angeblich Einfachen Theile sich loslösen und durch einen Sprung über das Leere hinüber einem andern eben so Einfachen einverleibt werden könnten, streng genommen die Möglichkeit so wol der Anziehung wie der Abstossung und damit die Basis des physischen Zusammenhangs unter den Elementen der Körperwelt an. Die Einheit des Dinges, während dessen Wirken ein vielartiges sein soll, ruft den Widerspruch, wie Eins = Vielem gedacht werden könne, die Identität des Dinges, nachdem es ein anderes geworden, ruft den Widerspruch, wie Eines und dasselbe zugleich nicht dasselbe sein könne, wider sich hervor und nöthigt, dem ersteren durch die Annahme, dass das Wirken eines Dinges das Product nicht eines einzigen Atoms, sondern des Zusammenseins einer Gruppe mehrerer Atome sei und demnach, wenn die Bestandtheile dieser Gruppe verschiedene seien, sehr wol ein Verschiedenes nicht nur sein könne, sondern sein müsse, dem zweiten dagegen durch die Bemerkung zu begegnen, dass, weil jedes sogenannte „Ding” nur eine Gruppe von Atomen, also ein Ganzes sei, dasselbe durch das Ausscheiden einzelner und Eintreten anderer, während der Restderselbe geblieben ist, sehr wol eine Veränderung erlitten und doch (in Bezug auf obigen Rest) seine Identität aufrecht erhalten haben könne. Bezüglich der Bewegung als Ortsveränderung aber gilt, dass dieselbe nur dann einen Widerspruch einschliesse, wenn dieselbe in dem Sinn verstanden wird, dass das Bewegliche im selben Zeitpunkt an einem und demselben Orte befindlich und nicht befindlich, keineswegs aber, wenn dieselbe so aufgefasst wird, dass das Bewegliche in jedem stetig auf einander folgenden Zeitpunkt in einem anderen Orte befindlich sei. Dieselbe setzt daher eben so nothwendig die Zeit als den Raum voraus und wird durch das Verhältniss des in einem gewissen Zeitabschnitt zurückgelegten Raumes d. i. durch die Geschwindigkeit gemessen.319. Das in der Zeit vor sich gehende erfahrungsmässig gegebene Geschehen, die Veränderung des Zustandes der Körperwelt, ist eine dreifache, und zwar tritt dasselbe, je nachdem entweder nur der Ort des Körpers, wobei dessen Form sowol als Stoff dieselben bleiben, oder nur die Form des Körpers, während der Stoff unberührt bleibt, oder schliesslich auch dieser eine Veränderung erleidet, als Orts-, Form- oder Stoffwechsel auf. In ersterer Hinsicht kann die Bewegung der Richtung nach entweder eine fortschreitende, wie bei dem Stoss und Wurf, oder eine in sich zurückkehrende, wie bei den rotirenden Weltkörpern und den Blutkörperchen im Blutkreislauf, oder eine zugleich fortschreitende und in sich zurückkehrende Bewegung, wie bei dem um die Erde sich drehenden und zugleich mit dieser um die Sonne bewegten Monde sein. Der Qualität nach kann dieselbe entweder eine in gleichen Zeitabschnitten auf gleiche Weise sich wiederholende (gleichförmige) oder in gleichen Zeiträumen abnehmende (retardirende) oder zunehmende (accelerirende) Bewegung, in ersterer Hinsicht überdies entweder eine am selben Ort sich gleichförmig wiederholende (schwingende), oder dabei zugleich im Raume fortschreitende, entweder nach der nämlichen, oder abwechselnd nach entgegengesetzten Richtungen von der Fortschrittslinie gleichförmig ausschlagende Bewegung sein: jene ergibt die periodische Bogen-, diese die Wellenbewegung. Hinsichtlich des Formenwechsels findet beim mechanischen und chemischen Körper ein Uebergang des festen in den flüssigen und luftartigen Zustand, oder des flüssigen in den festen und luftförmigen, oder des letztgenannten in den festen und flüssigen statt, während beim organischen die sogenannte Transformationslehre (Darwinismus) im Gegensatz gegen die Theorie von der Constanz der Arten und Gattungenes mehr als wahrscheinlich gemacht hat, dass nicht nur in der vegetabilischen Natur die Arten und Gattungen der Organismen durch allmälige Umbildung einer oder weniger ursprünglichen Pflanzentypen („Urpflanze”, „Metamorphose der Pflanze”: Goethe), sondern auch in der animalischen Welt die Arten und Gattungen des Thierreichs durch allmälige Umbildung eines oder einiger ursprünglicher Thiertypen („Bathybios”, „Gastraea”: Haeckel), sei es auf dem Wege immanenter Teleologie (Goethe), sei es auf dem natürlicher Zuchtwahl (Darwin), oder unwillkürlicher, reflexartiger Nachahmung („Mimicry”: Wallace) in einander übergehen. Was den Stoffwechsel betrifft, so hat die Erfahrung bis heute zwar die Vermuthung, dass der unorganische chemische Stoff nur eine Umbildung des primitiven mechanischen Stoffs sei, durch die chemische Typentheorie wahrscheinlich zu machen, für die Behauptung aber, dass der organische Stoff nur eine Umbildung des unorganischen, der belebteNaturkörperaus leblosen, etwa durch Urzeugung (generatio æquivoca), entstanden sei, eben so wenig einen jeden Zweifel ausschliessenden Beweis durch Thatsachen zu führen vermocht, wie für die weitere, dass das „Phänomen der Empfindung”, durch welches der (anderes und sich selbst) vorstellende Organismus sich von dem nicht vorstellenden, obgleich ebenfalls organischen Körper unterscheidet, nichts anderes als eine Umbildung des derselben entsprechenden „Nervenreizes” und demnach als psychischer oder Bewusstseinsvorgang von diesem als physiologischem d. i. Nervenzustand, eben so wenig wie dieser als organischer Vorgang von den unorganischen Vorgängen der mechanisch-chemischen Körper dem Wesen nach verschieden sei. Insbesondere was die letztgenannte von den positivistischen und materialistischen Gegnern einer weder mit Biologie noch mit Phrenologie und Physiologie identischen Psychologie immer von neuem wiederholte, aber niemals bewiesene Versicherung betrifft, haben ausgezeichnete Physiologen (Ludwig, Fick) ein offenes: ignoramus, einer der ausgezeichnetsten (Dubois-Reymond) sogar ein eben solches: ignorabimus ausgesprochen.320. Wie die Gesammtheit der im Weltraum vertheilten (unorganischen und der auf einem oder dem andern derselben anzutreffenden organischen) Körper in ihrer gegenseitigen physischen Zusammengehörigkeit mit und in ihrer Abhängigkeit von einander, so weit dieselben unserer Erfahrung zugänglich sind, dasphysische Weltall, denKosmos, so macht die Gesammtheit des in und zwischen denselben in der Zeit vor sich gehenden Geschehens, deren periodischerund nichtperiodischer Orts-, Formen- und Stoffwechsel von der unmessbaren, primitiven Oscillation des Aethers bis zu den Umläufen der Weltkörper und dem schwankenden Gleichgewicht einander äquilibrirender Weltsysteme, von der Zerlegung des Wassertropfens durch den elektrischen Funken in seine Elemente bis zu den ein System von Weltkörpern erleuchtenden und erwärmenden Verbrennungsprocessen gasförmiger Centralsonnen, von der molecularen Anziehung und Abstossung primitiver Stofftheile bis zu den verwickelten mechanisch-chemischen Processen, welche die Erscheinung des Lebens und das Erwachen des Bewusstseins bedingen, herauf, so weit dasselbe unserer Erfahrung zugänglich ist, dieNaturgeschichte der physischen Welt, dieGeschichte des Weltallsaus.

315. Wie die Atome, so üben auch die Körper eine Wirksamkeit auf einander aus, welche je nach der Beschaffenheit derselben entweder mechanischer, chemischer oder organischer Art ist. Erstere äussert sich als Schwere, indem ein Körper den andern vermöge seiner überlegenen Masse, die zweite als Wahlverwandtschaft, indem ein Körper den andern vermöge seiner innigeren Verwandtschaft, die dritte als Geschlechtsneigung, indem ein Körper den andern in Folge des geschlechtlichen Gegensatzes an sich zieht. Wie durch die erstere eine Ablenkung des angezogenen Körpers, wenn derselbe bewegt ist, von seiner ursprünglichen Richtung, wenn er unbewegt ist, eine Annäherung an den Ort des anziehenden Körpers, in beiden Fällen jedoch, wenn kein anderweitiges Hinderniss, z. B. die widerstrebende Eigenbewegung des angezogenen Körpers, dazwischen tritt, eine Vereinigung des angezogenen mit dem anziehenden und dadurch eine Vergrösserung der Masse des letzteren herbeigeführt wird, so wird durch die zweite eine Auflösung der bisherigen Verbindung des angezogenen Körpers und die Entstehung einer neuen Verbindung durch die Verschmelzung desselben mit dem anziehenden veranlasst, auf dem dritten Wege aber durch die organische Vereinigung zweier geschlechtlich entgegengesetzten belebten Körper ein neues organisches Individuum auf Kosten und aus dem Stoffe der Zeugenden erzeugt. Jene, die mechanische Anziehung associirt bisher getrennte Körper zu einem neuen, welcher dieselben in sich begreift; die zweite trennt nicht zusammengehörige Körper, die vereinigt, und führt zusammengehörige zusammen, die getrennt waren; die dritte leitet aus bisher vereinzelt gestandenen organischen Individuen durch Zusammenschluss derselben ein neues, in keinem derselben für sich allein, aber in beiden zusammengenommen wol- und vollbegründetes Individuum ab. Das Wirken der ersten wie der zweiten Art bringt als producirende Thätigkeit zwar nicht dem Stoff, aber der Form nach neue Körper, die letztgenannte als reproducirende weder dem Stoff, noch der Form nach neue, sondern denjenigen, aus welchen sie entstanden sind, gleiche Körper d. h. sie bringt das in der Zeugung untergegangene in einem neuen Individuum wieder hervor. Während durch die erstere, die schaffende („die Phantasie der physischen Welt”) Thätigkeit dergegebene Stoff in vorher nicht gegebener Gestalt umgebildet, wird durch die letztere, die fortpflanzende („das Gedächtniss der Materie”) Thätigkeit die Spur des einmal vorhanden Gewesenen in allem Folgenden mehr oder minder getreu aufbewahrt und dessen Andenken durch dasselbe erneuert. Auf ersterem Wege bilden sich aus dem im Weltraum gleichmässig vertheilten Stoffe durch locale Verdichtung frei schwebende, sogenannte „kosmische Wolken”, durch Anhäufung desselben um einen dichtern Kern sogenannte „Nebelflecke” und „schweifende Kometen”; wachsen durch Vereinigung kleinerer Weltkörper allmälig jene im Weltraum zerstreuten Massenkugeln heran, die andern als Central- und, wie es das Niederstürzen von Sternschnuppen und Meteorsteinen auf deren Oberfläche beweist, zum Sammelpunkte dienen. Auf dem zweiten Wege bildet sich jener wirthschaftliche Haushalt in der Natur, durch welchen die von den pflanzlichen Organismen aufgenommene Kohlensäure im Inneren derselben zersetzt, der Kohlenstoff zurückbehalten und der Sauerstoff durch die Lungen der Pflanze, die Blätter, ausgeathmet, von den thierischen Organismen dagegen eingeathmet und in den Lungen zur Oxydirung des Blutes verwendet wird. Auf dem letztgenannten Wege endlich werden wenigstens in den höheren pflanzlichen und thierischen Gattungen die unzähligen Nachkommen gezeugt, während auf den niederen Stufen der vegetabilischen Organismen die Fortpflanzung durch Keimzellen (Sporen) und Sprossen, bei den animalischen durch Theilung und Zerfällung der ursprünglich zu einem einzigen vereinigt gewesenen in mehrere selbstständige Individuen die Stelle der sexualen Generation vertritt.316. Wie die Atome, so sind die Körper in verschiedenen regelmässigen oder unregelmässigen Abständen durch den Weltraum ausgestreut, so dass einzelne derselben unter einander, wie die Atome zu Körpern, so die Körper zu Systemen und weiter diese selbst wieder zu ihrerseits unter sich zu einem Ganzen verknüpften Aggregaten von Systemen gehören, während andere keinem in sich geschlossenen Körperverband einverleibt, sei es aus dem Gebiet eines in das eines anderen Körpersystems hinüberstreifen, theils frei durch den Weltraum irren. Zu den ersteren gehören die Systeme einzelner Centralkörper mit ihren in ihren Bewegungen von ihnen abhängigen Begleitern, welche ihrerseits wieder von solchen begleitet sein können. Dieselben bilden im Weltmeer des mit Körpern erfüllten Raumes gleichsam „Weltinseln” und können ihrerseits mit anderen ihresgleichen zu einem „Inselmeer” d. i. zu einem Archipelagosvon Weltsystemen vereinigt sein. Ein solches bildet allem Anschein nach der selbst um einen, sei es idealen, sei es realen (nach Mädler Alpha Herculis) Mittelpunkt gravitirende Weltring der sogenannten Milchstrasse, von welchem unser Sonnensystem mit seiner Centralsonne, seinen Planeten und Planetoiden, deren Trabanten und Ringen, sowie mit den theils gleichfalls ringförmig angeordneten, theils zerstreut rotirenden Asteroiden, Sternschnuppen und Meteormassen einen Bestandtheil ausmacht. Der Inbegriff sämmtlicher Weltkörper bildet das sichtbare Universum, das mechanisch durch das Gesetz der Gravitation beherrscht und chemisch, wie die Spectralanalyse gezeigt hat, durchgängig aus solchen Stoffen zusammengesetzt ist, welche auch auf oder innerhalb der Erde vorkommen. Flüssige und luftartige Bildungen (Meere und Atmosphären) sind auch auf von der Erde verschiedenen Weltkörpern beobachtet, dagegen Spuren organischen Lebens bisher nur auf dieser wahrgenommen worden, daher von vegetabilischen und animalischen, so wie von menschenähnlichen Bewohnern erfahrungsgemäß bisher nur auf dieser die Rede sein kann.317. Sowol die Zwischenräume zwischen den Welt-, so wie jene zwischen den festen und flüssigen Körpern auf der Erde sind von luftartigen Körpern (auf der Erde von einem aus Sauerstoff und Stickstoff, so wie einigem Ozon bestehenden Luftkörper, der sogenannten atmosphärischen Luft) ausgefüllt, deren Gegenwart auch in den scheinbar leeren Theilen des Weltraums durch die Widerstände, welche bewegte Weltkörper mittels derselben erlitten haben (z. B. durch die allmälige Verengung der Bahn des Enke’schen Kometen), erwiesen ist. Die Zwischenräume der physikalischen Atome werden, wie oben bemerkt, durch Atome des sogenannten Weltäthers erfüllt gedacht, auf dessen Zustände diejenigen Phänomene, welche sonst je specifisch verschiedenen sogenannten „unwägbaren” Stoffen (Imponderabilien), z. B. die Lichterscheinungen einem Lichtstoff, die magnetischen einem magnetischen Fluidum u. s. w. zugeschrieben wurden, nunmehr als auf deren gemeinsamen Träger zurückgeführt zu werden pflegen. Dieselben zerfallen in solche, bei welchen die qualitative Beschaffenheit der Körperatome gleichgültig, und solche für welche dieselbe bestimmend ist. Zu den ersteren gehören die Licht- und Wärmeerscheinungen, die sich deshalb (wenngleich in unzähligen Graden der Abstufung) zwischen und in allen Körpern des Weltalls vorfinden; zu den letzteren lassen sich die sogenannten, magnetischen und elektrischen Erscheinungen zählen, deren ersterean die Gegenwart eines bestimmten chemischen Stoffs (des Eisens), deren letztere an die Gegenwart und gegenseitige Berührung mindestens zweier qualitativ heterogener Stoffe (z. B. Zink und Kupfer) gebunden ist. Der Zustand des Aethers selbst wird als kleinste periodische Bewegung der Aetheratome (Schwingung) in verschiedener Menge und Richtung vorgestellt, wobei der Unterschied stattfindet, dass diejenigen, welche als Träger des Lichtphänomens angesehen werden, an der Oberfläche der Körper (mit Ausnahme der durchsichtigen oder durchscheinenden) stattfinden und diese daher im Inneren dunkel erscheinen, während diejenigen, welche die Träger des Wärmephänomens sind, auch im Inneren der Körper statthaben, diese daher je nach dem Grade derselben innerlich erhitzt oder erkältet erscheinen. Bei den magnetischen und elektrischen Erscheinungen lässt sich die Betheiligung des Aethers in der Weise verschieden denken, dass derselbe in dem Körper, welcher den erforderlichen Stoff, das Eisen enthält, an zwei entgegengesetzten Enden, den Polen, angehäuft erscheint, wobei die Erfahrung zeigt, dass gleichnamige Pole einander abstossen, während bei den elektrischen Erscheinungen an den zu ihrer Entstehung erforderlichen heterogenen Körpern der Aether an zwei einander der Richtung nach entgegengesetzten Enden (+ und -) sich anhäuft, wobei die Erfahrung zeigt, dass entgegengesetzte Pole sich anziehen. Inwieweit bei den elektrischen Strömen, von welchen Muskelcontractionen begleitet zu werden pflegen, sowie bei den Erscheinungen des sogenannten thierischen Magnetismus und der thierischen Elektricität eben so wie bei jenen der sogenannten animalischen Wärme die Betheiligung des Aethers eine Rolle übernehme, muss um so mehr dahingestellt bleiben, als mit Ausnahme der elektrischen Muskelströme und der thierischen Wärme die übrigen sogenannten Thatsachen noch allzu sehr der empirischen Bestätigung bedürfen. Insofern jene dem Weltäther zugeschriebenen Phänomene, mit den auf die physikalischen Atome zurückgeführten Erscheinungen verglichen, dem der groben Masse der letzteren gegenüber verfeinerten Charakter ihrer materiellen Grundlage entsprechend selbst einen gleichsam „vergeistigten” Stempel tragen, sind sie es, welche durch ihre Gegensätze der Helligkeit und der Finsterniss, der Hitze und der Kälte, der magnetischen und elektrischen Spannung und Lösung der Physiognomie der physischen Körperwelt ein an die wechselnden Stimmungsgegensätze des menschlichen Gemüthes mahnendes Gepräge aufdrücken und daher als Bilder und Gleichnisse für die letzteren mitVorliebe pflegen verwendet zu werden. Steigern sich dieselben so weit, dass sie namhafte Veränderungen in der Welt der physischen Körper verursachen, die Lichterscheinung als Brand, die Wärmeerscheinung als Explosion oder Eruption, der Magnetismus als magnetisches, der elektrische Strom als atmosphärisches Ungewitter auftritt, so nimmt deren Wesen eine an die plötzliche, aber auch vorübergehende Natur der von unwillkürlichen Körperbewegungen begleiteten Gemüthserschütterungen, der sogenannten Affecte, an und liefert für diese („flammender Zorn”, „leidenschaftlicher Ausbruch”) das treffendste Gleichniss.318. Wie dem denknothwendigen das durch die Erfahrung gegebene Wirkliche, so steht dem denknothwendigen das empirisch gegebene Wirken gegenüber. Die Vorstellung des letzteren unterliegt um so mehr logischen Schwierigkeiten, als weder der Begriff eines Wirkens durch den leeren Raum, wie er durch die discrete Vertheilung der Atome im Raume gefordert ist, noch der Begriff eines Dinges, welches eins und zugleich der Träger vielfach sich ändernden Wirkens, noch endlich jener der Veränderung d. h. eines Dinges, welches anders geworden und doch dasselbe geblieben sein soll, und jener der unter den letztgenannten fallenden Bewegung als Ortsveränderung ohne schwerwiegende kritische Bedenken bleibt. Erstgenannter ficht durch die Einsicht in die Unmöglichkeit, dass von dem angeblich Einfachen Theile sich loslösen und durch einen Sprung über das Leere hinüber einem andern eben so Einfachen einverleibt werden könnten, streng genommen die Möglichkeit so wol der Anziehung wie der Abstossung und damit die Basis des physischen Zusammenhangs unter den Elementen der Körperwelt an. Die Einheit des Dinges, während dessen Wirken ein vielartiges sein soll, ruft den Widerspruch, wie Eins = Vielem gedacht werden könne, die Identität des Dinges, nachdem es ein anderes geworden, ruft den Widerspruch, wie Eines und dasselbe zugleich nicht dasselbe sein könne, wider sich hervor und nöthigt, dem ersteren durch die Annahme, dass das Wirken eines Dinges das Product nicht eines einzigen Atoms, sondern des Zusammenseins einer Gruppe mehrerer Atome sei und demnach, wenn die Bestandtheile dieser Gruppe verschiedene seien, sehr wol ein Verschiedenes nicht nur sein könne, sondern sein müsse, dem zweiten dagegen durch die Bemerkung zu begegnen, dass, weil jedes sogenannte „Ding” nur eine Gruppe von Atomen, also ein Ganzes sei, dasselbe durch das Ausscheiden einzelner und Eintreten anderer, während der Restderselbe geblieben ist, sehr wol eine Veränderung erlitten und doch (in Bezug auf obigen Rest) seine Identität aufrecht erhalten haben könne. Bezüglich der Bewegung als Ortsveränderung aber gilt, dass dieselbe nur dann einen Widerspruch einschliesse, wenn dieselbe in dem Sinn verstanden wird, dass das Bewegliche im selben Zeitpunkt an einem und demselben Orte befindlich und nicht befindlich, keineswegs aber, wenn dieselbe so aufgefasst wird, dass das Bewegliche in jedem stetig auf einander folgenden Zeitpunkt in einem anderen Orte befindlich sei. Dieselbe setzt daher eben so nothwendig die Zeit als den Raum voraus und wird durch das Verhältniss des in einem gewissen Zeitabschnitt zurückgelegten Raumes d. i. durch die Geschwindigkeit gemessen.319. Das in der Zeit vor sich gehende erfahrungsmässig gegebene Geschehen, die Veränderung des Zustandes der Körperwelt, ist eine dreifache, und zwar tritt dasselbe, je nachdem entweder nur der Ort des Körpers, wobei dessen Form sowol als Stoff dieselben bleiben, oder nur die Form des Körpers, während der Stoff unberührt bleibt, oder schliesslich auch dieser eine Veränderung erleidet, als Orts-, Form- oder Stoffwechsel auf. In ersterer Hinsicht kann die Bewegung der Richtung nach entweder eine fortschreitende, wie bei dem Stoss und Wurf, oder eine in sich zurückkehrende, wie bei den rotirenden Weltkörpern und den Blutkörperchen im Blutkreislauf, oder eine zugleich fortschreitende und in sich zurückkehrende Bewegung, wie bei dem um die Erde sich drehenden und zugleich mit dieser um die Sonne bewegten Monde sein. Der Qualität nach kann dieselbe entweder eine in gleichen Zeitabschnitten auf gleiche Weise sich wiederholende (gleichförmige) oder in gleichen Zeiträumen abnehmende (retardirende) oder zunehmende (accelerirende) Bewegung, in ersterer Hinsicht überdies entweder eine am selben Ort sich gleichförmig wiederholende (schwingende), oder dabei zugleich im Raume fortschreitende, entweder nach der nämlichen, oder abwechselnd nach entgegengesetzten Richtungen von der Fortschrittslinie gleichförmig ausschlagende Bewegung sein: jene ergibt die periodische Bogen-, diese die Wellenbewegung. Hinsichtlich des Formenwechsels findet beim mechanischen und chemischen Körper ein Uebergang des festen in den flüssigen und luftartigen Zustand, oder des flüssigen in den festen und luftförmigen, oder des letztgenannten in den festen und flüssigen statt, während beim organischen die sogenannte Transformationslehre (Darwinismus) im Gegensatz gegen die Theorie von der Constanz der Arten und Gattungenes mehr als wahrscheinlich gemacht hat, dass nicht nur in der vegetabilischen Natur die Arten und Gattungen der Organismen durch allmälige Umbildung einer oder weniger ursprünglichen Pflanzentypen („Urpflanze”, „Metamorphose der Pflanze”: Goethe), sondern auch in der animalischen Welt die Arten und Gattungen des Thierreichs durch allmälige Umbildung eines oder einiger ursprünglicher Thiertypen („Bathybios”, „Gastraea”: Haeckel), sei es auf dem Wege immanenter Teleologie (Goethe), sei es auf dem natürlicher Zuchtwahl (Darwin), oder unwillkürlicher, reflexartiger Nachahmung („Mimicry”: Wallace) in einander übergehen. Was den Stoffwechsel betrifft, so hat die Erfahrung bis heute zwar die Vermuthung, dass der unorganische chemische Stoff nur eine Umbildung des primitiven mechanischen Stoffs sei, durch die chemische Typentheorie wahrscheinlich zu machen, für die Behauptung aber, dass der organische Stoff nur eine Umbildung des unorganischen, der belebteNaturkörperaus leblosen, etwa durch Urzeugung (generatio æquivoca), entstanden sei, eben so wenig einen jeden Zweifel ausschliessenden Beweis durch Thatsachen zu führen vermocht, wie für die weitere, dass das „Phänomen der Empfindung”, durch welches der (anderes und sich selbst) vorstellende Organismus sich von dem nicht vorstellenden, obgleich ebenfalls organischen Körper unterscheidet, nichts anderes als eine Umbildung des derselben entsprechenden „Nervenreizes” und demnach als psychischer oder Bewusstseinsvorgang von diesem als physiologischem d. i. Nervenzustand, eben so wenig wie dieser als organischer Vorgang von den unorganischen Vorgängen der mechanisch-chemischen Körper dem Wesen nach verschieden sei. Insbesondere was die letztgenannte von den positivistischen und materialistischen Gegnern einer weder mit Biologie noch mit Phrenologie und Physiologie identischen Psychologie immer von neuem wiederholte, aber niemals bewiesene Versicherung betrifft, haben ausgezeichnete Physiologen (Ludwig, Fick) ein offenes: ignoramus, einer der ausgezeichnetsten (Dubois-Reymond) sogar ein eben solches: ignorabimus ausgesprochen.320. Wie die Gesammtheit der im Weltraum vertheilten (unorganischen und der auf einem oder dem andern derselben anzutreffenden organischen) Körper in ihrer gegenseitigen physischen Zusammengehörigkeit mit und in ihrer Abhängigkeit von einander, so weit dieselben unserer Erfahrung zugänglich sind, dasphysische Weltall, denKosmos, so macht die Gesammtheit des in und zwischen denselben in der Zeit vor sich gehenden Geschehens, deren periodischerund nichtperiodischer Orts-, Formen- und Stoffwechsel von der unmessbaren, primitiven Oscillation des Aethers bis zu den Umläufen der Weltkörper und dem schwankenden Gleichgewicht einander äquilibrirender Weltsysteme, von der Zerlegung des Wassertropfens durch den elektrischen Funken in seine Elemente bis zu den ein System von Weltkörpern erleuchtenden und erwärmenden Verbrennungsprocessen gasförmiger Centralsonnen, von der molecularen Anziehung und Abstossung primitiver Stofftheile bis zu den verwickelten mechanisch-chemischen Processen, welche die Erscheinung des Lebens und das Erwachen des Bewusstseins bedingen, herauf, so weit dasselbe unserer Erfahrung zugänglich ist, dieNaturgeschichte der physischen Welt, dieGeschichte des Weltallsaus.

315. Wie die Atome, so üben auch die Körper eine Wirksamkeit auf einander aus, welche je nach der Beschaffenheit derselben entweder mechanischer, chemischer oder organischer Art ist. Erstere äussert sich als Schwere, indem ein Körper den andern vermöge seiner überlegenen Masse, die zweite als Wahlverwandtschaft, indem ein Körper den andern vermöge seiner innigeren Verwandtschaft, die dritte als Geschlechtsneigung, indem ein Körper den andern in Folge des geschlechtlichen Gegensatzes an sich zieht. Wie durch die erstere eine Ablenkung des angezogenen Körpers, wenn derselbe bewegt ist, von seiner ursprünglichen Richtung, wenn er unbewegt ist, eine Annäherung an den Ort des anziehenden Körpers, in beiden Fällen jedoch, wenn kein anderweitiges Hinderniss, z. B. die widerstrebende Eigenbewegung des angezogenen Körpers, dazwischen tritt, eine Vereinigung des angezogenen mit dem anziehenden und dadurch eine Vergrösserung der Masse des letzteren herbeigeführt wird, so wird durch die zweite eine Auflösung der bisherigen Verbindung des angezogenen Körpers und die Entstehung einer neuen Verbindung durch die Verschmelzung desselben mit dem anziehenden veranlasst, auf dem dritten Wege aber durch die organische Vereinigung zweier geschlechtlich entgegengesetzten belebten Körper ein neues organisches Individuum auf Kosten und aus dem Stoffe der Zeugenden erzeugt. Jene, die mechanische Anziehung associirt bisher getrennte Körper zu einem neuen, welcher dieselben in sich begreift; die zweite trennt nicht zusammengehörige Körper, die vereinigt, und führt zusammengehörige zusammen, die getrennt waren; die dritte leitet aus bisher vereinzelt gestandenen organischen Individuen durch Zusammenschluss derselben ein neues, in keinem derselben für sich allein, aber in beiden zusammengenommen wol- und vollbegründetes Individuum ab. Das Wirken der ersten wie der zweiten Art bringt als producirende Thätigkeit zwar nicht dem Stoff, aber der Form nach neue Körper, die letztgenannte als reproducirende weder dem Stoff, noch der Form nach neue, sondern denjenigen, aus welchen sie entstanden sind, gleiche Körper d. h. sie bringt das in der Zeugung untergegangene in einem neuen Individuum wieder hervor. Während durch die erstere, die schaffende („die Phantasie der physischen Welt”) Thätigkeit dergegebene Stoff in vorher nicht gegebener Gestalt umgebildet, wird durch die letztere, die fortpflanzende („das Gedächtniss der Materie”) Thätigkeit die Spur des einmal vorhanden Gewesenen in allem Folgenden mehr oder minder getreu aufbewahrt und dessen Andenken durch dasselbe erneuert. Auf ersterem Wege bilden sich aus dem im Weltraum gleichmässig vertheilten Stoffe durch locale Verdichtung frei schwebende, sogenannte „kosmische Wolken”, durch Anhäufung desselben um einen dichtern Kern sogenannte „Nebelflecke” und „schweifende Kometen”; wachsen durch Vereinigung kleinerer Weltkörper allmälig jene im Weltraum zerstreuten Massenkugeln heran, die andern als Central- und, wie es das Niederstürzen von Sternschnuppen und Meteorsteinen auf deren Oberfläche beweist, zum Sammelpunkte dienen. Auf dem zweiten Wege bildet sich jener wirthschaftliche Haushalt in der Natur, durch welchen die von den pflanzlichen Organismen aufgenommene Kohlensäure im Inneren derselben zersetzt, der Kohlenstoff zurückbehalten und der Sauerstoff durch die Lungen der Pflanze, die Blätter, ausgeathmet, von den thierischen Organismen dagegen eingeathmet und in den Lungen zur Oxydirung des Blutes verwendet wird. Auf dem letztgenannten Wege endlich werden wenigstens in den höheren pflanzlichen und thierischen Gattungen die unzähligen Nachkommen gezeugt, während auf den niederen Stufen der vegetabilischen Organismen die Fortpflanzung durch Keimzellen (Sporen) und Sprossen, bei den animalischen durch Theilung und Zerfällung der ursprünglich zu einem einzigen vereinigt gewesenen in mehrere selbstständige Individuen die Stelle der sexualen Generation vertritt.316. Wie die Atome, so sind die Körper in verschiedenen regelmässigen oder unregelmässigen Abständen durch den Weltraum ausgestreut, so dass einzelne derselben unter einander, wie die Atome zu Körpern, so die Körper zu Systemen und weiter diese selbst wieder zu ihrerseits unter sich zu einem Ganzen verknüpften Aggregaten von Systemen gehören, während andere keinem in sich geschlossenen Körperverband einverleibt, sei es aus dem Gebiet eines in das eines anderen Körpersystems hinüberstreifen, theils frei durch den Weltraum irren. Zu den ersteren gehören die Systeme einzelner Centralkörper mit ihren in ihren Bewegungen von ihnen abhängigen Begleitern, welche ihrerseits wieder von solchen begleitet sein können. Dieselben bilden im Weltmeer des mit Körpern erfüllten Raumes gleichsam „Weltinseln” und können ihrerseits mit anderen ihresgleichen zu einem „Inselmeer” d. i. zu einem Archipelagosvon Weltsystemen vereinigt sein. Ein solches bildet allem Anschein nach der selbst um einen, sei es idealen, sei es realen (nach Mädler Alpha Herculis) Mittelpunkt gravitirende Weltring der sogenannten Milchstrasse, von welchem unser Sonnensystem mit seiner Centralsonne, seinen Planeten und Planetoiden, deren Trabanten und Ringen, sowie mit den theils gleichfalls ringförmig angeordneten, theils zerstreut rotirenden Asteroiden, Sternschnuppen und Meteormassen einen Bestandtheil ausmacht. Der Inbegriff sämmtlicher Weltkörper bildet das sichtbare Universum, das mechanisch durch das Gesetz der Gravitation beherrscht und chemisch, wie die Spectralanalyse gezeigt hat, durchgängig aus solchen Stoffen zusammengesetzt ist, welche auch auf oder innerhalb der Erde vorkommen. Flüssige und luftartige Bildungen (Meere und Atmosphären) sind auch auf von der Erde verschiedenen Weltkörpern beobachtet, dagegen Spuren organischen Lebens bisher nur auf dieser wahrgenommen worden, daher von vegetabilischen und animalischen, so wie von menschenähnlichen Bewohnern erfahrungsgemäß bisher nur auf dieser die Rede sein kann.317. Sowol die Zwischenräume zwischen den Welt-, so wie jene zwischen den festen und flüssigen Körpern auf der Erde sind von luftartigen Körpern (auf der Erde von einem aus Sauerstoff und Stickstoff, so wie einigem Ozon bestehenden Luftkörper, der sogenannten atmosphärischen Luft) ausgefüllt, deren Gegenwart auch in den scheinbar leeren Theilen des Weltraums durch die Widerstände, welche bewegte Weltkörper mittels derselben erlitten haben (z. B. durch die allmälige Verengung der Bahn des Enke’schen Kometen), erwiesen ist. Die Zwischenräume der physikalischen Atome werden, wie oben bemerkt, durch Atome des sogenannten Weltäthers erfüllt gedacht, auf dessen Zustände diejenigen Phänomene, welche sonst je specifisch verschiedenen sogenannten „unwägbaren” Stoffen (Imponderabilien), z. B. die Lichterscheinungen einem Lichtstoff, die magnetischen einem magnetischen Fluidum u. s. w. zugeschrieben wurden, nunmehr als auf deren gemeinsamen Träger zurückgeführt zu werden pflegen. Dieselben zerfallen in solche, bei welchen die qualitative Beschaffenheit der Körperatome gleichgültig, und solche für welche dieselbe bestimmend ist. Zu den ersteren gehören die Licht- und Wärmeerscheinungen, die sich deshalb (wenngleich in unzähligen Graden der Abstufung) zwischen und in allen Körpern des Weltalls vorfinden; zu den letzteren lassen sich die sogenannten, magnetischen und elektrischen Erscheinungen zählen, deren ersterean die Gegenwart eines bestimmten chemischen Stoffs (des Eisens), deren letztere an die Gegenwart und gegenseitige Berührung mindestens zweier qualitativ heterogener Stoffe (z. B. Zink und Kupfer) gebunden ist. Der Zustand des Aethers selbst wird als kleinste periodische Bewegung der Aetheratome (Schwingung) in verschiedener Menge und Richtung vorgestellt, wobei der Unterschied stattfindet, dass diejenigen, welche als Träger des Lichtphänomens angesehen werden, an der Oberfläche der Körper (mit Ausnahme der durchsichtigen oder durchscheinenden) stattfinden und diese daher im Inneren dunkel erscheinen, während diejenigen, welche die Träger des Wärmephänomens sind, auch im Inneren der Körper statthaben, diese daher je nach dem Grade derselben innerlich erhitzt oder erkältet erscheinen. Bei den magnetischen und elektrischen Erscheinungen lässt sich die Betheiligung des Aethers in der Weise verschieden denken, dass derselbe in dem Körper, welcher den erforderlichen Stoff, das Eisen enthält, an zwei entgegengesetzten Enden, den Polen, angehäuft erscheint, wobei die Erfahrung zeigt, dass gleichnamige Pole einander abstossen, während bei den elektrischen Erscheinungen an den zu ihrer Entstehung erforderlichen heterogenen Körpern der Aether an zwei einander der Richtung nach entgegengesetzten Enden (+ und -) sich anhäuft, wobei die Erfahrung zeigt, dass entgegengesetzte Pole sich anziehen. Inwieweit bei den elektrischen Strömen, von welchen Muskelcontractionen begleitet zu werden pflegen, sowie bei den Erscheinungen des sogenannten thierischen Magnetismus und der thierischen Elektricität eben so wie bei jenen der sogenannten animalischen Wärme die Betheiligung des Aethers eine Rolle übernehme, muss um so mehr dahingestellt bleiben, als mit Ausnahme der elektrischen Muskelströme und der thierischen Wärme die übrigen sogenannten Thatsachen noch allzu sehr der empirischen Bestätigung bedürfen. Insofern jene dem Weltäther zugeschriebenen Phänomene, mit den auf die physikalischen Atome zurückgeführten Erscheinungen verglichen, dem der groben Masse der letzteren gegenüber verfeinerten Charakter ihrer materiellen Grundlage entsprechend selbst einen gleichsam „vergeistigten” Stempel tragen, sind sie es, welche durch ihre Gegensätze der Helligkeit und der Finsterniss, der Hitze und der Kälte, der magnetischen und elektrischen Spannung und Lösung der Physiognomie der physischen Körperwelt ein an die wechselnden Stimmungsgegensätze des menschlichen Gemüthes mahnendes Gepräge aufdrücken und daher als Bilder und Gleichnisse für die letzteren mitVorliebe pflegen verwendet zu werden. Steigern sich dieselben so weit, dass sie namhafte Veränderungen in der Welt der physischen Körper verursachen, die Lichterscheinung als Brand, die Wärmeerscheinung als Explosion oder Eruption, der Magnetismus als magnetisches, der elektrische Strom als atmosphärisches Ungewitter auftritt, so nimmt deren Wesen eine an die plötzliche, aber auch vorübergehende Natur der von unwillkürlichen Körperbewegungen begleiteten Gemüthserschütterungen, der sogenannten Affecte, an und liefert für diese („flammender Zorn”, „leidenschaftlicher Ausbruch”) das treffendste Gleichniss.318. Wie dem denknothwendigen das durch die Erfahrung gegebene Wirkliche, so steht dem denknothwendigen das empirisch gegebene Wirken gegenüber. Die Vorstellung des letzteren unterliegt um so mehr logischen Schwierigkeiten, als weder der Begriff eines Wirkens durch den leeren Raum, wie er durch die discrete Vertheilung der Atome im Raume gefordert ist, noch der Begriff eines Dinges, welches eins und zugleich der Träger vielfach sich ändernden Wirkens, noch endlich jener der Veränderung d. h. eines Dinges, welches anders geworden und doch dasselbe geblieben sein soll, und jener der unter den letztgenannten fallenden Bewegung als Ortsveränderung ohne schwerwiegende kritische Bedenken bleibt. Erstgenannter ficht durch die Einsicht in die Unmöglichkeit, dass von dem angeblich Einfachen Theile sich loslösen und durch einen Sprung über das Leere hinüber einem andern eben so Einfachen einverleibt werden könnten, streng genommen die Möglichkeit so wol der Anziehung wie der Abstossung und damit die Basis des physischen Zusammenhangs unter den Elementen der Körperwelt an. Die Einheit des Dinges, während dessen Wirken ein vielartiges sein soll, ruft den Widerspruch, wie Eins = Vielem gedacht werden könne, die Identität des Dinges, nachdem es ein anderes geworden, ruft den Widerspruch, wie Eines und dasselbe zugleich nicht dasselbe sein könne, wider sich hervor und nöthigt, dem ersteren durch die Annahme, dass das Wirken eines Dinges das Product nicht eines einzigen Atoms, sondern des Zusammenseins einer Gruppe mehrerer Atome sei und demnach, wenn die Bestandtheile dieser Gruppe verschiedene seien, sehr wol ein Verschiedenes nicht nur sein könne, sondern sein müsse, dem zweiten dagegen durch die Bemerkung zu begegnen, dass, weil jedes sogenannte „Ding” nur eine Gruppe von Atomen, also ein Ganzes sei, dasselbe durch das Ausscheiden einzelner und Eintreten anderer, während der Restderselbe geblieben ist, sehr wol eine Veränderung erlitten und doch (in Bezug auf obigen Rest) seine Identität aufrecht erhalten haben könne. Bezüglich der Bewegung als Ortsveränderung aber gilt, dass dieselbe nur dann einen Widerspruch einschliesse, wenn dieselbe in dem Sinn verstanden wird, dass das Bewegliche im selben Zeitpunkt an einem und demselben Orte befindlich und nicht befindlich, keineswegs aber, wenn dieselbe so aufgefasst wird, dass das Bewegliche in jedem stetig auf einander folgenden Zeitpunkt in einem anderen Orte befindlich sei. Dieselbe setzt daher eben so nothwendig die Zeit als den Raum voraus und wird durch das Verhältniss des in einem gewissen Zeitabschnitt zurückgelegten Raumes d. i. durch die Geschwindigkeit gemessen.319. Das in der Zeit vor sich gehende erfahrungsmässig gegebene Geschehen, die Veränderung des Zustandes der Körperwelt, ist eine dreifache, und zwar tritt dasselbe, je nachdem entweder nur der Ort des Körpers, wobei dessen Form sowol als Stoff dieselben bleiben, oder nur die Form des Körpers, während der Stoff unberührt bleibt, oder schliesslich auch dieser eine Veränderung erleidet, als Orts-, Form- oder Stoffwechsel auf. In ersterer Hinsicht kann die Bewegung der Richtung nach entweder eine fortschreitende, wie bei dem Stoss und Wurf, oder eine in sich zurückkehrende, wie bei den rotirenden Weltkörpern und den Blutkörperchen im Blutkreislauf, oder eine zugleich fortschreitende und in sich zurückkehrende Bewegung, wie bei dem um die Erde sich drehenden und zugleich mit dieser um die Sonne bewegten Monde sein. Der Qualität nach kann dieselbe entweder eine in gleichen Zeitabschnitten auf gleiche Weise sich wiederholende (gleichförmige) oder in gleichen Zeiträumen abnehmende (retardirende) oder zunehmende (accelerirende) Bewegung, in ersterer Hinsicht überdies entweder eine am selben Ort sich gleichförmig wiederholende (schwingende), oder dabei zugleich im Raume fortschreitende, entweder nach der nämlichen, oder abwechselnd nach entgegengesetzten Richtungen von der Fortschrittslinie gleichförmig ausschlagende Bewegung sein: jene ergibt die periodische Bogen-, diese die Wellenbewegung. Hinsichtlich des Formenwechsels findet beim mechanischen und chemischen Körper ein Uebergang des festen in den flüssigen und luftartigen Zustand, oder des flüssigen in den festen und luftförmigen, oder des letztgenannten in den festen und flüssigen statt, während beim organischen die sogenannte Transformationslehre (Darwinismus) im Gegensatz gegen die Theorie von der Constanz der Arten und Gattungenes mehr als wahrscheinlich gemacht hat, dass nicht nur in der vegetabilischen Natur die Arten und Gattungen der Organismen durch allmälige Umbildung einer oder weniger ursprünglichen Pflanzentypen („Urpflanze”, „Metamorphose der Pflanze”: Goethe), sondern auch in der animalischen Welt die Arten und Gattungen des Thierreichs durch allmälige Umbildung eines oder einiger ursprünglicher Thiertypen („Bathybios”, „Gastraea”: Haeckel), sei es auf dem Wege immanenter Teleologie (Goethe), sei es auf dem natürlicher Zuchtwahl (Darwin), oder unwillkürlicher, reflexartiger Nachahmung („Mimicry”: Wallace) in einander übergehen. Was den Stoffwechsel betrifft, so hat die Erfahrung bis heute zwar die Vermuthung, dass der unorganische chemische Stoff nur eine Umbildung des primitiven mechanischen Stoffs sei, durch die chemische Typentheorie wahrscheinlich zu machen, für die Behauptung aber, dass der organische Stoff nur eine Umbildung des unorganischen, der belebteNaturkörperaus leblosen, etwa durch Urzeugung (generatio æquivoca), entstanden sei, eben so wenig einen jeden Zweifel ausschliessenden Beweis durch Thatsachen zu führen vermocht, wie für die weitere, dass das „Phänomen der Empfindung”, durch welches der (anderes und sich selbst) vorstellende Organismus sich von dem nicht vorstellenden, obgleich ebenfalls organischen Körper unterscheidet, nichts anderes als eine Umbildung des derselben entsprechenden „Nervenreizes” und demnach als psychischer oder Bewusstseinsvorgang von diesem als physiologischem d. i. Nervenzustand, eben so wenig wie dieser als organischer Vorgang von den unorganischen Vorgängen der mechanisch-chemischen Körper dem Wesen nach verschieden sei. Insbesondere was die letztgenannte von den positivistischen und materialistischen Gegnern einer weder mit Biologie noch mit Phrenologie und Physiologie identischen Psychologie immer von neuem wiederholte, aber niemals bewiesene Versicherung betrifft, haben ausgezeichnete Physiologen (Ludwig, Fick) ein offenes: ignoramus, einer der ausgezeichnetsten (Dubois-Reymond) sogar ein eben solches: ignorabimus ausgesprochen.320. Wie die Gesammtheit der im Weltraum vertheilten (unorganischen und der auf einem oder dem andern derselben anzutreffenden organischen) Körper in ihrer gegenseitigen physischen Zusammengehörigkeit mit und in ihrer Abhängigkeit von einander, so weit dieselben unserer Erfahrung zugänglich sind, dasphysische Weltall, denKosmos, so macht die Gesammtheit des in und zwischen denselben in der Zeit vor sich gehenden Geschehens, deren periodischerund nichtperiodischer Orts-, Formen- und Stoffwechsel von der unmessbaren, primitiven Oscillation des Aethers bis zu den Umläufen der Weltkörper und dem schwankenden Gleichgewicht einander äquilibrirender Weltsysteme, von der Zerlegung des Wassertropfens durch den elektrischen Funken in seine Elemente bis zu den ein System von Weltkörpern erleuchtenden und erwärmenden Verbrennungsprocessen gasförmiger Centralsonnen, von der molecularen Anziehung und Abstossung primitiver Stofftheile bis zu den verwickelten mechanisch-chemischen Processen, welche die Erscheinung des Lebens und das Erwachen des Bewusstseins bedingen, herauf, so weit dasselbe unserer Erfahrung zugänglich ist, dieNaturgeschichte der physischen Welt, dieGeschichte des Weltallsaus.

315. Wie die Atome, so üben auch die Körper eine Wirksamkeit auf einander aus, welche je nach der Beschaffenheit derselben entweder mechanischer, chemischer oder organischer Art ist. Erstere äussert sich als Schwere, indem ein Körper den andern vermöge seiner überlegenen Masse, die zweite als Wahlverwandtschaft, indem ein Körper den andern vermöge seiner innigeren Verwandtschaft, die dritte als Geschlechtsneigung, indem ein Körper den andern in Folge des geschlechtlichen Gegensatzes an sich zieht. Wie durch die erstere eine Ablenkung des angezogenen Körpers, wenn derselbe bewegt ist, von seiner ursprünglichen Richtung, wenn er unbewegt ist, eine Annäherung an den Ort des anziehenden Körpers, in beiden Fällen jedoch, wenn kein anderweitiges Hinderniss, z. B. die widerstrebende Eigenbewegung des angezogenen Körpers, dazwischen tritt, eine Vereinigung des angezogenen mit dem anziehenden und dadurch eine Vergrösserung der Masse des letzteren herbeigeführt wird, so wird durch die zweite eine Auflösung der bisherigen Verbindung des angezogenen Körpers und die Entstehung einer neuen Verbindung durch die Verschmelzung desselben mit dem anziehenden veranlasst, auf dem dritten Wege aber durch die organische Vereinigung zweier geschlechtlich entgegengesetzten belebten Körper ein neues organisches Individuum auf Kosten und aus dem Stoffe der Zeugenden erzeugt. Jene, die mechanische Anziehung associirt bisher getrennte Körper zu einem neuen, welcher dieselben in sich begreift; die zweite trennt nicht zusammengehörige Körper, die vereinigt, und führt zusammengehörige zusammen, die getrennt waren; die dritte leitet aus bisher vereinzelt gestandenen organischen Individuen durch Zusammenschluss derselben ein neues, in keinem derselben für sich allein, aber in beiden zusammengenommen wol- und vollbegründetes Individuum ab. Das Wirken der ersten wie der zweiten Art bringt als producirende Thätigkeit zwar nicht dem Stoff, aber der Form nach neue Körper, die letztgenannte als reproducirende weder dem Stoff, noch der Form nach neue, sondern denjenigen, aus welchen sie entstanden sind, gleiche Körper d. h. sie bringt das in der Zeugung untergegangene in einem neuen Individuum wieder hervor. Während durch die erstere, die schaffende („die Phantasie der physischen Welt”) Thätigkeit dergegebene Stoff in vorher nicht gegebener Gestalt umgebildet, wird durch die letztere, die fortpflanzende („das Gedächtniss der Materie”) Thätigkeit die Spur des einmal vorhanden Gewesenen in allem Folgenden mehr oder minder getreu aufbewahrt und dessen Andenken durch dasselbe erneuert. Auf ersterem Wege bilden sich aus dem im Weltraum gleichmässig vertheilten Stoffe durch locale Verdichtung frei schwebende, sogenannte „kosmische Wolken”, durch Anhäufung desselben um einen dichtern Kern sogenannte „Nebelflecke” und „schweifende Kometen”; wachsen durch Vereinigung kleinerer Weltkörper allmälig jene im Weltraum zerstreuten Massenkugeln heran, die andern als Central- und, wie es das Niederstürzen von Sternschnuppen und Meteorsteinen auf deren Oberfläche beweist, zum Sammelpunkte dienen. Auf dem zweiten Wege bildet sich jener wirthschaftliche Haushalt in der Natur, durch welchen die von den pflanzlichen Organismen aufgenommene Kohlensäure im Inneren derselben zersetzt, der Kohlenstoff zurückbehalten und der Sauerstoff durch die Lungen der Pflanze, die Blätter, ausgeathmet, von den thierischen Organismen dagegen eingeathmet und in den Lungen zur Oxydirung des Blutes verwendet wird. Auf dem letztgenannten Wege endlich werden wenigstens in den höheren pflanzlichen und thierischen Gattungen die unzähligen Nachkommen gezeugt, während auf den niederen Stufen der vegetabilischen Organismen die Fortpflanzung durch Keimzellen (Sporen) und Sprossen, bei den animalischen durch Theilung und Zerfällung der ursprünglich zu einem einzigen vereinigt gewesenen in mehrere selbstständige Individuen die Stelle der sexualen Generation vertritt.

316. Wie die Atome, so sind die Körper in verschiedenen regelmässigen oder unregelmässigen Abständen durch den Weltraum ausgestreut, so dass einzelne derselben unter einander, wie die Atome zu Körpern, so die Körper zu Systemen und weiter diese selbst wieder zu ihrerseits unter sich zu einem Ganzen verknüpften Aggregaten von Systemen gehören, während andere keinem in sich geschlossenen Körperverband einverleibt, sei es aus dem Gebiet eines in das eines anderen Körpersystems hinüberstreifen, theils frei durch den Weltraum irren. Zu den ersteren gehören die Systeme einzelner Centralkörper mit ihren in ihren Bewegungen von ihnen abhängigen Begleitern, welche ihrerseits wieder von solchen begleitet sein können. Dieselben bilden im Weltmeer des mit Körpern erfüllten Raumes gleichsam „Weltinseln” und können ihrerseits mit anderen ihresgleichen zu einem „Inselmeer” d. i. zu einem Archipelagosvon Weltsystemen vereinigt sein. Ein solches bildet allem Anschein nach der selbst um einen, sei es idealen, sei es realen (nach Mädler Alpha Herculis) Mittelpunkt gravitirende Weltring der sogenannten Milchstrasse, von welchem unser Sonnensystem mit seiner Centralsonne, seinen Planeten und Planetoiden, deren Trabanten und Ringen, sowie mit den theils gleichfalls ringförmig angeordneten, theils zerstreut rotirenden Asteroiden, Sternschnuppen und Meteormassen einen Bestandtheil ausmacht. Der Inbegriff sämmtlicher Weltkörper bildet das sichtbare Universum, das mechanisch durch das Gesetz der Gravitation beherrscht und chemisch, wie die Spectralanalyse gezeigt hat, durchgängig aus solchen Stoffen zusammengesetzt ist, welche auch auf oder innerhalb der Erde vorkommen. Flüssige und luftartige Bildungen (Meere und Atmosphären) sind auch auf von der Erde verschiedenen Weltkörpern beobachtet, dagegen Spuren organischen Lebens bisher nur auf dieser wahrgenommen worden, daher von vegetabilischen und animalischen, so wie von menschenähnlichen Bewohnern erfahrungsgemäß bisher nur auf dieser die Rede sein kann.

317. Sowol die Zwischenräume zwischen den Welt-, so wie jene zwischen den festen und flüssigen Körpern auf der Erde sind von luftartigen Körpern (auf der Erde von einem aus Sauerstoff und Stickstoff, so wie einigem Ozon bestehenden Luftkörper, der sogenannten atmosphärischen Luft) ausgefüllt, deren Gegenwart auch in den scheinbar leeren Theilen des Weltraums durch die Widerstände, welche bewegte Weltkörper mittels derselben erlitten haben (z. B. durch die allmälige Verengung der Bahn des Enke’schen Kometen), erwiesen ist. Die Zwischenräume der physikalischen Atome werden, wie oben bemerkt, durch Atome des sogenannten Weltäthers erfüllt gedacht, auf dessen Zustände diejenigen Phänomene, welche sonst je specifisch verschiedenen sogenannten „unwägbaren” Stoffen (Imponderabilien), z. B. die Lichterscheinungen einem Lichtstoff, die magnetischen einem magnetischen Fluidum u. s. w. zugeschrieben wurden, nunmehr als auf deren gemeinsamen Träger zurückgeführt zu werden pflegen. Dieselben zerfallen in solche, bei welchen die qualitative Beschaffenheit der Körperatome gleichgültig, und solche für welche dieselbe bestimmend ist. Zu den ersteren gehören die Licht- und Wärmeerscheinungen, die sich deshalb (wenngleich in unzähligen Graden der Abstufung) zwischen und in allen Körpern des Weltalls vorfinden; zu den letzteren lassen sich die sogenannten, magnetischen und elektrischen Erscheinungen zählen, deren ersterean die Gegenwart eines bestimmten chemischen Stoffs (des Eisens), deren letztere an die Gegenwart und gegenseitige Berührung mindestens zweier qualitativ heterogener Stoffe (z. B. Zink und Kupfer) gebunden ist. Der Zustand des Aethers selbst wird als kleinste periodische Bewegung der Aetheratome (Schwingung) in verschiedener Menge und Richtung vorgestellt, wobei der Unterschied stattfindet, dass diejenigen, welche als Träger des Lichtphänomens angesehen werden, an der Oberfläche der Körper (mit Ausnahme der durchsichtigen oder durchscheinenden) stattfinden und diese daher im Inneren dunkel erscheinen, während diejenigen, welche die Träger des Wärmephänomens sind, auch im Inneren der Körper statthaben, diese daher je nach dem Grade derselben innerlich erhitzt oder erkältet erscheinen. Bei den magnetischen und elektrischen Erscheinungen lässt sich die Betheiligung des Aethers in der Weise verschieden denken, dass derselbe in dem Körper, welcher den erforderlichen Stoff, das Eisen enthält, an zwei entgegengesetzten Enden, den Polen, angehäuft erscheint, wobei die Erfahrung zeigt, dass gleichnamige Pole einander abstossen, während bei den elektrischen Erscheinungen an den zu ihrer Entstehung erforderlichen heterogenen Körpern der Aether an zwei einander der Richtung nach entgegengesetzten Enden (+ und -) sich anhäuft, wobei die Erfahrung zeigt, dass entgegengesetzte Pole sich anziehen. Inwieweit bei den elektrischen Strömen, von welchen Muskelcontractionen begleitet zu werden pflegen, sowie bei den Erscheinungen des sogenannten thierischen Magnetismus und der thierischen Elektricität eben so wie bei jenen der sogenannten animalischen Wärme die Betheiligung des Aethers eine Rolle übernehme, muss um so mehr dahingestellt bleiben, als mit Ausnahme der elektrischen Muskelströme und der thierischen Wärme die übrigen sogenannten Thatsachen noch allzu sehr der empirischen Bestätigung bedürfen. Insofern jene dem Weltäther zugeschriebenen Phänomene, mit den auf die physikalischen Atome zurückgeführten Erscheinungen verglichen, dem der groben Masse der letzteren gegenüber verfeinerten Charakter ihrer materiellen Grundlage entsprechend selbst einen gleichsam „vergeistigten” Stempel tragen, sind sie es, welche durch ihre Gegensätze der Helligkeit und der Finsterniss, der Hitze und der Kälte, der magnetischen und elektrischen Spannung und Lösung der Physiognomie der physischen Körperwelt ein an die wechselnden Stimmungsgegensätze des menschlichen Gemüthes mahnendes Gepräge aufdrücken und daher als Bilder und Gleichnisse für die letzteren mitVorliebe pflegen verwendet zu werden. Steigern sich dieselben so weit, dass sie namhafte Veränderungen in der Welt der physischen Körper verursachen, die Lichterscheinung als Brand, die Wärmeerscheinung als Explosion oder Eruption, der Magnetismus als magnetisches, der elektrische Strom als atmosphärisches Ungewitter auftritt, so nimmt deren Wesen eine an die plötzliche, aber auch vorübergehende Natur der von unwillkürlichen Körperbewegungen begleiteten Gemüthserschütterungen, der sogenannten Affecte, an und liefert für diese („flammender Zorn”, „leidenschaftlicher Ausbruch”) das treffendste Gleichniss.

318. Wie dem denknothwendigen das durch die Erfahrung gegebene Wirkliche, so steht dem denknothwendigen das empirisch gegebene Wirken gegenüber. Die Vorstellung des letzteren unterliegt um so mehr logischen Schwierigkeiten, als weder der Begriff eines Wirkens durch den leeren Raum, wie er durch die discrete Vertheilung der Atome im Raume gefordert ist, noch der Begriff eines Dinges, welches eins und zugleich der Träger vielfach sich ändernden Wirkens, noch endlich jener der Veränderung d. h. eines Dinges, welches anders geworden und doch dasselbe geblieben sein soll, und jener der unter den letztgenannten fallenden Bewegung als Ortsveränderung ohne schwerwiegende kritische Bedenken bleibt. Erstgenannter ficht durch die Einsicht in die Unmöglichkeit, dass von dem angeblich Einfachen Theile sich loslösen und durch einen Sprung über das Leere hinüber einem andern eben so Einfachen einverleibt werden könnten, streng genommen die Möglichkeit so wol der Anziehung wie der Abstossung und damit die Basis des physischen Zusammenhangs unter den Elementen der Körperwelt an. Die Einheit des Dinges, während dessen Wirken ein vielartiges sein soll, ruft den Widerspruch, wie Eins = Vielem gedacht werden könne, die Identität des Dinges, nachdem es ein anderes geworden, ruft den Widerspruch, wie Eines und dasselbe zugleich nicht dasselbe sein könne, wider sich hervor und nöthigt, dem ersteren durch die Annahme, dass das Wirken eines Dinges das Product nicht eines einzigen Atoms, sondern des Zusammenseins einer Gruppe mehrerer Atome sei und demnach, wenn die Bestandtheile dieser Gruppe verschiedene seien, sehr wol ein Verschiedenes nicht nur sein könne, sondern sein müsse, dem zweiten dagegen durch die Bemerkung zu begegnen, dass, weil jedes sogenannte „Ding” nur eine Gruppe von Atomen, also ein Ganzes sei, dasselbe durch das Ausscheiden einzelner und Eintreten anderer, während der Restderselbe geblieben ist, sehr wol eine Veränderung erlitten und doch (in Bezug auf obigen Rest) seine Identität aufrecht erhalten haben könne. Bezüglich der Bewegung als Ortsveränderung aber gilt, dass dieselbe nur dann einen Widerspruch einschliesse, wenn dieselbe in dem Sinn verstanden wird, dass das Bewegliche im selben Zeitpunkt an einem und demselben Orte befindlich und nicht befindlich, keineswegs aber, wenn dieselbe so aufgefasst wird, dass das Bewegliche in jedem stetig auf einander folgenden Zeitpunkt in einem anderen Orte befindlich sei. Dieselbe setzt daher eben so nothwendig die Zeit als den Raum voraus und wird durch das Verhältniss des in einem gewissen Zeitabschnitt zurückgelegten Raumes d. i. durch die Geschwindigkeit gemessen.

319. Das in der Zeit vor sich gehende erfahrungsmässig gegebene Geschehen, die Veränderung des Zustandes der Körperwelt, ist eine dreifache, und zwar tritt dasselbe, je nachdem entweder nur der Ort des Körpers, wobei dessen Form sowol als Stoff dieselben bleiben, oder nur die Form des Körpers, während der Stoff unberührt bleibt, oder schliesslich auch dieser eine Veränderung erleidet, als Orts-, Form- oder Stoffwechsel auf. In ersterer Hinsicht kann die Bewegung der Richtung nach entweder eine fortschreitende, wie bei dem Stoss und Wurf, oder eine in sich zurückkehrende, wie bei den rotirenden Weltkörpern und den Blutkörperchen im Blutkreislauf, oder eine zugleich fortschreitende und in sich zurückkehrende Bewegung, wie bei dem um die Erde sich drehenden und zugleich mit dieser um die Sonne bewegten Monde sein. Der Qualität nach kann dieselbe entweder eine in gleichen Zeitabschnitten auf gleiche Weise sich wiederholende (gleichförmige) oder in gleichen Zeiträumen abnehmende (retardirende) oder zunehmende (accelerirende) Bewegung, in ersterer Hinsicht überdies entweder eine am selben Ort sich gleichförmig wiederholende (schwingende), oder dabei zugleich im Raume fortschreitende, entweder nach der nämlichen, oder abwechselnd nach entgegengesetzten Richtungen von der Fortschrittslinie gleichförmig ausschlagende Bewegung sein: jene ergibt die periodische Bogen-, diese die Wellenbewegung. Hinsichtlich des Formenwechsels findet beim mechanischen und chemischen Körper ein Uebergang des festen in den flüssigen und luftartigen Zustand, oder des flüssigen in den festen und luftförmigen, oder des letztgenannten in den festen und flüssigen statt, während beim organischen die sogenannte Transformationslehre (Darwinismus) im Gegensatz gegen die Theorie von der Constanz der Arten und Gattungenes mehr als wahrscheinlich gemacht hat, dass nicht nur in der vegetabilischen Natur die Arten und Gattungen der Organismen durch allmälige Umbildung einer oder weniger ursprünglichen Pflanzentypen („Urpflanze”, „Metamorphose der Pflanze”: Goethe), sondern auch in der animalischen Welt die Arten und Gattungen des Thierreichs durch allmälige Umbildung eines oder einiger ursprünglicher Thiertypen („Bathybios”, „Gastraea”: Haeckel), sei es auf dem Wege immanenter Teleologie (Goethe), sei es auf dem natürlicher Zuchtwahl (Darwin), oder unwillkürlicher, reflexartiger Nachahmung („Mimicry”: Wallace) in einander übergehen. Was den Stoffwechsel betrifft, so hat die Erfahrung bis heute zwar die Vermuthung, dass der unorganische chemische Stoff nur eine Umbildung des primitiven mechanischen Stoffs sei, durch die chemische Typentheorie wahrscheinlich zu machen, für die Behauptung aber, dass der organische Stoff nur eine Umbildung des unorganischen, der belebteNaturkörperaus leblosen, etwa durch Urzeugung (generatio æquivoca), entstanden sei, eben so wenig einen jeden Zweifel ausschliessenden Beweis durch Thatsachen zu führen vermocht, wie für die weitere, dass das „Phänomen der Empfindung”, durch welches der (anderes und sich selbst) vorstellende Organismus sich von dem nicht vorstellenden, obgleich ebenfalls organischen Körper unterscheidet, nichts anderes als eine Umbildung des derselben entsprechenden „Nervenreizes” und demnach als psychischer oder Bewusstseinsvorgang von diesem als physiologischem d. i. Nervenzustand, eben so wenig wie dieser als organischer Vorgang von den unorganischen Vorgängen der mechanisch-chemischen Körper dem Wesen nach verschieden sei. Insbesondere was die letztgenannte von den positivistischen und materialistischen Gegnern einer weder mit Biologie noch mit Phrenologie und Physiologie identischen Psychologie immer von neuem wiederholte, aber niemals bewiesene Versicherung betrifft, haben ausgezeichnete Physiologen (Ludwig, Fick) ein offenes: ignoramus, einer der ausgezeichnetsten (Dubois-Reymond) sogar ein eben solches: ignorabimus ausgesprochen.

320. Wie die Gesammtheit der im Weltraum vertheilten (unorganischen und der auf einem oder dem andern derselben anzutreffenden organischen) Körper in ihrer gegenseitigen physischen Zusammengehörigkeit mit und in ihrer Abhängigkeit von einander, so weit dieselben unserer Erfahrung zugänglich sind, dasphysische Weltall, denKosmos, so macht die Gesammtheit des in und zwischen denselben in der Zeit vor sich gehenden Geschehens, deren periodischerund nichtperiodischer Orts-, Formen- und Stoffwechsel von der unmessbaren, primitiven Oscillation des Aethers bis zu den Umläufen der Weltkörper und dem schwankenden Gleichgewicht einander äquilibrirender Weltsysteme, von der Zerlegung des Wassertropfens durch den elektrischen Funken in seine Elemente bis zu den ein System von Weltkörpern erleuchtenden und erwärmenden Verbrennungsprocessen gasförmiger Centralsonnen, von der molecularen Anziehung und Abstossung primitiver Stofftheile bis zu den verwickelten mechanisch-chemischen Processen, welche die Erscheinung des Lebens und das Erwachen des Bewusstseins bedingen, herauf, so weit dasselbe unserer Erfahrung zugänglich ist, dieNaturgeschichte der physischen Welt, dieGeschichte des Weltallsaus.


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