Heidecksburg
Heidecksburg
Heidecksburg
Vorwort
Wissenschaftlich oder künstlerisch aufmerksame Besucher von nah und fern stellen nicht selten Fragen nach Personen, Örtlichkeiten, Geschichts- oder Kunstdenkmälern auf der Heidecksburg. Die Heimatkunde vermochte bisher wohl allgemeine Auskunft zu erteilen, das Schloß mit seinen geistigen Beziehungen war aber doch nur wenig in der Öffentlichkeit bekannt geworden.
Wenn auch die Fürstin Elisabeth zur Lippe bei ihren Lieblingsstudien in Familien- und Kunstgeschichte vieles festgestellt hatte, so ging das doch nur selten über die Zeiten ihrer persönlichen Erinnerungen zurück. Mehreren Hofbeamten hatten die Pflichten ihres Dienstes nahegelegt, sich um die historische Bedeutung einzelner der ihrer Obhut anvertrauten Schätze zu bekümmern. Dankbar erkenne ich diese Vorarbeiten an.
Seit mir die Aufgabe zufiel, zuerst im Auftrag der Güntherstiftung und dann im Dienst der Thüringischen Regierung, die Sammlungen der Heidecksburg zu beaufsichtigen und an ihrer Erhaltung zu tun, was unter den trüben Verhältnissen der Gegenwart möglich ist, trafen oft Anfragen von wissenschaftlichen Anstalten,Kunstvereinen und Gelehrten aus dem In- und Auslande ein, die ohne genauere Kenntnis der Archivakten nicht zu beantworten waren. Deshalb war es nötig, planmäßig zunächst im Staatsarchiv alles zu suchen, was Aufschluß über die Kunstwerke geben konnte, dann aber auch in Verbindung mit der Verwaltung anderer Schlösser und Archive zu treten. So ist es jetzt zum Beispiel möglich, von dem Ende des sechzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts 56 Maler zu unterscheiden, deren Werke vorhanden waren oder sind und in Beziehung zur thüringischen oder auch deutschen Kunstgeschichte stehen. Mit Architektur, Bildhauerei und Kunstgewerbe verhält es sich ähnlich.
Aus dem, was von den Ergebnissen dieser Arbeit zunächst vielleicht die Aufmerksamkeit eines größeren Leserkreises erwarten kann, lege ich hiermit eine kleine Auswahl vor.
Daß mich dabei Liebe zur Heimat geleitet hat, hoffe ich nicht besonders versichern zu müssen. Aus der Bekanntschaft mit der Vergangenheit kann für die Zukunft treue Erinnerung hervorgehen.
Der Verwaltung des Staatsarchivs bin ich für nie ermüdende Geduld und dem Greifenverlag für unbekümmerten Wagemut zu großem Danke verpflichtet.
Rudolstadt, Ostern 1926.
Dr. Berthold Rein.