Vorwort.

Einband- und Vorsatzentwurf von Georg Baus, Leipzig.

Einband- und Vorsatzentwurf von Georg Baus, Leipzig.

Vorwort.

In diesem Buche habe ich den Bericht über eine Reise nach Tibet niedergelegt, die von mir während des Frühjahrs, Sommers und Herbstes 1897 ausgeführt worden ist. Der Bericht ist teils nach Photographien, teils nach Skizzen, die ich an Ort und Stelle aufgenommen habe, illustriert. Nur die Folterungsszenen hatte ich aus dem Gedächtnis zu zeichnen; man wird mir aber zugeben, daß diese Eindrücke in mir lebendig genug bleiben konnten!

Die Karte ist nach meinen Aufnahmen entworfen, die sich im eigentlichen Tibet auf ein Gebiet von über 22000 Quadratkilometer erstrecken. Die Höhen von indischen Gipfeln wie Nanda Dewi und Trisul sind der trigonometrischen Landesvermessung entnommen, ebenso die astronomisch festgelegten Anfangs- und Endpunkte meiner Aufnahme an den Stellen, wo ich Tibet betrat und verließ.

In der Schreibweise geographischer Namen folgte ich dem System derRoyal Geographical Society, die Laute genau so wiederzugeben, wie sie an Ort und Stelle gesprochen werden.

In aller Bescheidenheit bezeichne ich als geographische Ergebnisse meiner Reise:

Die Entscheidung der noch offenen Frage, ob der Mansarowar-See und der Rakastal wirklich voneinander getrennt sind.

Die Ersteigung einer Höhe von 6700 Meter und die photographische Aufnahme einiger großer Himalajagletscher.

Den Besuch und die Festlegung der zwei Hauptquellen des Brahmaputra, die vor mir von keinem Europäer erreicht worden sind.

Endlich die Tatsache, daß ich mit nur zwei Mann Begleitung in dem bevölkertsten Teil von Tibet reisen konnte.

Im Anschluß an Obiges freue ich mich mitteilen zu können, daß infolge meiner durch die »Daily Mail« weitverbreiteten Berichte über die auf britischem Boden sich abspielenden Schändlichkeiten der Tibeter die indische Regierung in diesem Jahre den tibetischen Behörden zu verstehen gegeben hat, daß es ihnen in Zukunft nicht mehr gestattet sein wird, Grundsteuer von britischen Untertanen zu erheben. Dies ist mir eine besondere Genugtuung wegen der außerordentlichen Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit, die mir die bergbewohnenden Schokas erwiesen haben.

September 1898.

H. S. L.


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