Um 1500.
Reich Assur am oberen Tigris.Alte Hauptstadt gleichen Namens; spätere Residenzen der Könige sindNinua(Ninive)[6]undKalach. Ausbildung des Kriegswesens und geordnete Verwaltung; die Jahre werden nach dem Wechsel der obersten Staatsbeamten (Limu) gezählt.
Um 1450.
KönigAssurubállitvon Assur, befreundet mitBurnaburjaschvon Babel, zerstört das Nachbarreich derMitaniam oberen Euphrat. Lange Zeit bestehen die drei ReicheBabel,Elam,Assurnebeneinander, verbunden durch Handelsverkehr, aber auch öfters in Feindschaft.Tiglatninibvon Assur herrscht um 1280 eine Zeitlang auch über Babel,Nabukudrossor I.(Nebukadnezar I.) von Babel ist um 1130 siegreich gegen Elam, führt die geraubte Mardukstatue aus Susa zurück.
Um 1100.
Tiglatpilêsar I.von Assur schlägt einen Angriff der kleinasiatischenMuski(S. 15) zurück, dringt erobernd vor nachNaīri(den Gebieten nördlich vom oberen Tigris) und nachNordsyrien, wo das Reich der Hethiter (S. 5) sich in kleinere Staaten aufgelöst hat; er erreicht bei Arwad (Aradus) in Phönizien das Mittelmeer. Die nächstfolgenden Könige haben diesen Umfang der Herrschaft nicht behauptet; dann aber folgt die Gründung derAssyrischen Großmacht.
885–860.
Assurnâssirpal(III.) erobert die Länder am oberen Euphrat und Nordsyrien und dringt wieder bis zum Mittelmeer vor. Tyrus und Sidon zahlen Tribut.
860–825.
Salmanâsar II.wiederholt diese Züge, greift zwarDamaskusmehrfach vergeblich an, hält aber Tyros, Sidon und das Reich Israel (König Jehu) tributpflichtig, ebenso im Osten die indogermanischenMadai(Meder) (S. 17); inBabelgreift er bei einem Thronstreit mit Heeresmacht ein. Sein zweiter NachfolgerRâman-nirari III.(um 800) erobert auchDamaskusund führt reiche Beute davon. Unter ihm reicht die assyrische Macht von Medien über ganz Palästina bis nach Edom. Dann folgt eine Zeit des Niedergangs;Salmanâsar III.(um 780) kämpft erfolglos gegen das in den nördlichen Bergländern (Armenien) entstandene ReichUrarthu.
745–727.
Tiglatpilêsar III.(Pulu), ein Usurpator, stürzt den schwachen König Assur-nirari und erhebt die assyrische Macht aufs neue. Er bekriegt das westlicheMedien, bricht die Macht derUrarthier, stellt die Herrschaft überSyrienwieder her. Die Könige von Damaskus, Israel, Tyros zahlen ihm Tribut. InBabelbestätigt er zuerst den KönigNabunâssir[7]als aber nach dessen Tode Ukînzêr, Fürst der Kaldi (Chaldäer, im südlichen Babylonien) sich des Thrones bemächtigt, vertreibt er diesen und macht sich selbst unter dem Namen Pulu zum König von Babylon, Sumer und Akkad. So wird er der Gründer des assyrischen Weltreichs, indem er
729.
Assur und Babel vereinigt.
722–705.
Sarrûkîn(Sargon), Begründer einer neuen Dynastie, beendet die von seinem Vorgänger Salmanâsar IV. begonnene Belagerung vonSamaria, führt die Einwohner nach Medien, schlägt einen Angriff des ägyptischen Königs Schabăka (S. 6) beiRaphia(unweit Gaza) zurück, vernichtet durch Eroberung vonGargamisch(Karchemisch) den letzten Hethiterstaat in Syrien (S. 8). Dann unterwirft er das westlicheMedien, siegt über den König Rusas vonUrarthu, zwingt Mita, den König derMuski(Midas von Phrygien, S. 8), zur Huldigung. Cypern tributpflichtig. Inzwischen hat sich inBabelMardukbaliddin, Fürst der Kaldi, von Elam her unterstützt, der Herrschaft bemächtigt; Sarrûkîn besiegt ihn 710 und stellt die Vereinigung beider Reiche wieder her. Elam bleibt selbständig. Neue Residenz Dûr-Sarrûkîn (Chorsâbâd) nördlich von Ninive. Sein Sohn
705–681.
Sinachirib(Sanherib) behauptet Syrien gegen die Ägypter, belagert aber Tyros und Jerusalem vergeblich (König Hiskia), zerstört die Stadt Babel nach abermaligem Aufstande der Einwohner.
681–668.
Assurachiddin(Assarhaddon) stellt Babel wieder her, begünstigt die Babylonier, unterwirftÄgypten(S. 6, Memphis 670 erobert) und mehrerearabischeStämme. Sidon erobert und zerstört, wird assyrische Provinzialstadt. Unter diesem König hat das Reich seine größte Ausdehnung. Aber schon unter seiner Regierung beginnen nomadische Indogermanen, dieSkutschaundGimirai(Skythen und Kimmerier), das Reich vom Norden her zu bedrohen.
668–626.
Assurbanipal(Sardanapal) wird durch den Aufstand seines BrudersSamassumukîn, den Assurachiddin zum König von Babel eingesetzt hatte, genötigt, Ägypten aufzugeben (vgl. S. 6), unterwirft jedochBabelwieder und macht dem ReicheElamein Ende durch Eroberung der HauptstadtSusa. Seine durch Bauten verschönerte Residenzstadt istNinive; dort ist in den umfangreichen Ruinen der größte Teil seiner großartigen Bibliothek aufgefunden worden (Tafeln und Zylinder aus Ton mit Keilschrift). Nach seinem Tode wirdBabelwieder selbständig und erhebt sich bald zu großer Macht, während das assyrische Reich durch die verheerenden Kriegszüge derSkythen, die bis nach Syrien vordringen, geschwächt wird.
626–539.
Das Neu-Babylonische (chaldäische) Reich.
626–605.
Nabupalôssor, ein Chaldäerfürst, König von Babel, erkennt die assyrische Oberhoheit nicht mehr an, verbündet sich mit dem König derMederKyaxāres (S. 17).
606.
Ende des assyrischen Reiches,die vier Residenzstädte, namentlichNinive, von den Medern unter Kyaxāres zerstört. KönigNekovon Ägypten, welcher Syrien zu erobern versucht (609 Schlacht bei Megiddo, wo König Josia von Juda fällt), wird vonNabukudrossor, Nabupalôssors Sohn, zurückgeschlagen.
605–561.
Nabukudrossor II.(Nebukadnezar) läßt die vergrößerte Stadt Babel (Babylon) mit einer doppelten Mauer umziehen, legt die sogen. schwebenden Gärten der Semiramis (Terrassen) an, stellt den Tempel des Bêl und die das Land vor Versumpfung schützenden Kanäle wieder her (Wasserbecken beiSippāra), sichert das Land im Norden durch die vom Euphrat bis zum Tigris reichende medische Mauer. Amasis von Ägypten, der sich mit griechischen Inselmächten verbündet hat, 605 bei Karchemisch besiegt. Krieg gegen Juda. 586 Jerusalem zerstört, die Einwohner am Euphrat angesiedelt, 573 Tyros unterworfen.
Nach dem Tode des großen Königs Verfall des Reiches durch Thronstreit. Kurze Regierungen der drei Nachfolger aus Nebukadnezars Familie; dann wird die chaldäische Dynastie von den Priestern gestürzt, die einen BabylonierNabunêdauf den Thron erheben. Dieser bemüht sich um Herstellung der Tempel und Einkünfte der Priester, erliegt aber dem Angriffe derPerser.
539.
Babylon von Kyros erobert; Babylonien wird zunächst ein Kronland der Perserkönige, dann nach einem Aufstand unter Xerxes persische Provinz. Der Marduktempel von Xerxes zerstört, bleibt seitdem in Trümmern.
Syrien, von semitischen Völkern bewohnt, hat nach dem Verfalle der Macht derHethiter(S. 8) keine zusammenfassende Staatsbildung aufzuweisen; im 9. Jahrhundert wird es von denAssyrernabhängig. Doch behalten die Einwohner ihre alte Religion und Sprache; in Nordsyrien herrscht diearamäischeSprache.
Geschichtlich bedeutsam durch seineReligionist das im LandeKanaan(Palästina) wohnende jüdische Volk, dessen ältere Geschichte sagenhaft ist. Stammväter:Abraham,Isaak,Jakob; Auswanderung nach Ägypten, Rückkehr unterMose, Gesetzgebung amSinai. UnterJosuasFührung werden die Völker Kanaans besiegt; Verteilung des Landes zu beiden Seiten desJordanunter die 12 Stämme; der Stamm Levi zur Priesterschaft bestimmt. Verehrung des einigen unsichtbaren GottesJahveh(Jehovah); sein Heiligtum die tragbare Stiftshütte, darin die Bundeslade, in welcher die Gesetztafeln aufbewahrt werden. Das Gesetz Jahvehs beherrscht das ganze bürgerliche Leben. (Theokratie.)
Weitere Kämpfe mit den Völkern Kanaans unter Führung derRichter: Gideon, Jephtah, Simson, Samuel.
Um 1000.
Auf Verlangen des Volkes salbt Samuel denSaul(aus dem Stamme Benjamin) zumKönig. Saul, siegreich gegen die Nachbarvölker, entzweit sich bald mit dem Priestertume. Samuel salbt einen andern König,David, aus dem Stamme Juda. Diesen nötigt Saul zur Flucht, tötet sich aber selbst nach einem unglücklichen Kampfe gegen die Philister.
Um 980.
Davidtreibt die Feinde zurück, entreißt den JebusiternJerusalem, wohin die Bundeslade gebracht wird, und macht diese Stadt zur Hauptstadt.
Um 950.
Salomobaut den Tempel zu Jerusalem; Freundschaft mit dem König Hirôm I. von Tyros, gemeinsame Seefahrten nach dem LandeOphir(Ostarabien?); glänzende Regierung. Nach seinem Tode
Um 925.
Teilungdes Reiches der Juden. Die Stämme Juda und Benjamin halten zuRehabeam,dem Sohne Salomos, die andern zehn Stämme unterJerobeambilden das ReichIsrael(Hauptstadt Sichem, später seit Ahab Samaria).
Im ReicheIsraelgelangt unter KönigAhab(um 870) durch den Einfluß seiner GemahlinIsebel, TochterItobaals I.von Tyros, der phönikische Baal- und Astartedienst zu großer Verbreitung. Kampf derPropheten(Elîa,Elisau. a.) gegen das götzendienerische Königtum. Ahab fällt im Kampf gegen Damaskus. Der FeldhauptmannJehu, von Elisa gesalbt, tötet Isebel, rottet das Geschlecht Ahabs aus, macht sich zum König und verbietet den Baaldienst; er wird 842 demassyrischenKönige Salmanâsar II. tributpflichtig (S. 9). Dann Bedrängnis durch die Könige vonDamaskus, glücklichere Zeit unterJerobeam II.KönigMenachemwird 738 wiederum den Assyrern untertan; KönigHoseawird, als er sich der assyrischen Herrschaft zu entziehen sucht, 724 von Salmanâsar IV. geschlagen und gefangen. Nach 3 jähriger Belagerung wird
722.
SamariavonSarrûkin(S. 9) erobert, dasReich Israel zerstört;über 27000 Einwohner weggeführt und in Assyrien und Medien angesiedelt.
Das ReichJudawird noch unterRehabeamsRegierung von den Ägyptern unterScheschonk(S. 6) mit Krieg überzogen. KönigJosaphat(um 870) vermählt, um ein friedliches Verhältnis mit dem Reiche Israel herzustellen, seinen Sohn mitAthalja, der Tochter Ahabs von Israel und der Isebel. Athalja bemächtigt sich 843 in Jerusalem der Herrschaft, ermordet, um Davids Stamm auszurotten, ihre eigenen Enkel (nurJoaswird wunderbar gerettet und im Tempel Jehovahs auferzogen) und führt in Jerusalem den Baaldienst ein. Sie wird 837 von dem HohenpriesterJojadagestürzt und getötet, der jungeJoasauf den Thron gesetzt, der Baaldienst aufgehoben.
KönigHiskia(um 700), der Leitung des ProphetenJesajafolgend, verbannt aufs neue die Abgötterei, verweigert den Assyrern den Tribut und verbindet sich mit Ägypten. Die Assyrer unterSinachiribbelagern vergeblich Jerusalem, führen aber viele Bewohner des offenen Landes in die Gefangenschaft.
UnterJosia(640–609) verheeren dieSkythen(s. S. 10) das Land. Herstellung des Jehovahdienstes nach Auffindung des Gesetzbuches im Tempel (621); der ProphetJeremia. König Josia fällt im Kampfe gegen den ägyptischen KönigNeko(s. S. 10) beiMegiddo609. Das Reich Juda wird den Ägyptern und nach der Schlacht beiGargamisch(S. 6) denBabyloniern Untertan. Ein Versuch des letzten KönigsZedekia, die Unabhängigkeit wieder zu gewinnen, mißlingt trotz ägyptischer Hilfe.
v. Chr. 586.
Nabukudrossor, König von Babylon,zerstört Jerusalem. Viele Juden in diebabylonische Gefangenschaftgeführt.
539.
Kyrosgestattet den Juden die Rückkehr nach Palästina und die Wiederherstellung eines Staates Juda. Jerusalem und der Tempel wieder aufgebaut. Herstellung des mosaischen Gesetzes durchEsra458, Mauerbau unterNehemia445. An der Spitze des kleinen Staates steht unter persischer Oberhoheit derHohepriester; Feindschaft gegenSamaria, wo Vermischung mit anderen Völkern eingetreten ist.
Phönikien, der schmale, hafenreiche Küstenstrich westlich vom Gebirge Libanon, bewohnt von einem semitischen Volke, welches frühzeitig Städte gründete:Arwad(Arados),Gubal(Byblos),Berut(Berytos),Sidon,Zor(Tyros).Sidonseit etwa 1500 v. Chr. die bedeutendste Stadt.
DieReligionder Phönīker mit der babylonischen verwandt, durch Ausschweifung und Grausamkeit entstellt. HauptgötterBaal,AstarteundMoloch, der Feuergott, welchem Menschenopfer dargebracht wurden. In TyrosMelkartbesonders verehrt, in Gubal der FrühlingsgottAdonis.
Die Phöniker trugen alsHandelsvolkdie in Ägypten und Babylonien begründete Kultur nach den Ländern des Westens. Ihre Häfen standen durch Karawanenstraßen (über Damaskus und Thadmor) mit dem Euphratlande in Verbindung. MannigfacheGewerbtätigkeit: Weberei, Purpurfärberei, Glasbereitung, Bergbau, Bearbeitung der Metalle. Ausbildung der (konsonantischen) Lautschrift, von der die europäischen und neueren asiatischen »Alphabete« abstammen.
Gründung zahlreicherKolonieenauf Cypern, Rhodos, Kreta, Kythera, auf Inseln des Ägäischen Meeres, auf Sicilien, an der Nordküste vonAfrika(Utica, Leptis), an der Südküste vonSpanien(Gades). Weitere Handelsfahrten teils nach der Westküste Afrikas, teils nach Britannien und der deutschen Seeküste, wo sie u. a. den Bernstein fanden.
Um 1100.
Tyrosgelangt an Stelle von Sidon zum Vorrang unter den phönikischen Seestädten.
Um 950.
Blüte vonTyrosunter KönigHirôm I., dem Freunde Salomos (S. 11).Neu-Tyros, auf einer Insel der Altstadt gegenüber gelegen, wird erweitert, befestigt und durch einen Damm mit dem Festlande verbunden. Später entsteheninnere Zwistigkeiten; ein großer Teil der alten Geschlechter verläßt unter Führung der KönigstochterElissadie Stadt Tyros und gründet
v. Chr. Um 814.
Karthāgo, punischKartchadast(d. h. die neue Stadt), an der Meeresbucht zwischen demSchönenund demHermäischenVorgebirge, nicht weit von dem heutigenTunis(Doppelhafen, BurgByrsa). Die GründerinElissawird später als GöttinDido-Astarte(Beschützerin der Kolonisation) verehrt.
Verfassung Karthagos: Aristokratische Republik, die Herrschaft in der Hand der reichen Großkaufleute und Gewerbetreibenden, an der Spitze zwei jährlich erwählteSuffeten, d. h. Richter, auch Könige genannt, ein engerer und ein weiterer Senat; die Bürgerschaft hat das Wahlrecht und wird bei wichtigen Entscheidungen befragt.
Allmähliches Sinken der Städte des Mutterlandes; sie geraten unter die Botmäßigkeit derAssyrer, dann derBabylonier; nurTyroserhält sich bis 573 frei. Währenddessen breiten sich dieGriechen, welche schon früher (um 1000 v. Chr.) die Phöniker aus dem Ägäischen Meere verdrängt hatten, an den Küsten und Inseln des westlichen Mittelmeeres aus und bedrohen die phönikischen Niederlassungen mit Vernichtung.
Um600.
Gegenüber dieser Gefahr beginntKarthagodie Phöniker des Westens unter seiner Führung zu sammeln und gründet einseemächtiges ReichinNordafrika,WestsicilienundSüdspanien. Grenzkriege mit den Griechen vonKyrēne; die Altäre der Philänen (östlich von Groß-Leptis) als Grenze festgestellt. AuchSardinienwird von den Karthagern besetzt; ausKorsikavertreiben sie, im Bunde mit den Etruskern, die Griechen von Phokäa (Seeschlacht bei Alalia 540).
586–573.
Tyroshält eine dreizehnjährige Einschließung (von der Landseite) durchNabukudrossoraus, muß aber zuletzt die Oberherrschaft des Königs von Babylon anerkennen (S. 10).
539.
Nach Zerstörung des Babylonischen Reiches durchKyroswerden die Phöniker den Persern Untertan, sie stellen fortan den Hauptteil derpersischen Seemacht.Sidonwird nunmehr wieder die erste Stadt Phönikiens.Tripolisals Bundesstadt gegründet von Arados, Sidon und Tyros.
332.
Nach der Eroberung von Tyros durchAlexander d. Gr.wird Phönikien und ganz Syrien, bald auch Ägypten und Babylonien ein Teil der großengriechisch-makedonischenMonarchie.
Ein neues Zeitalter beginnt mit dem Auftreten derArier(Indoeuropäer). Zuerst treten dieasiatischenZweige dieser Völkergruppe hervor in Iran, Kleinasien, Armenien, Indien, dann diesüdeuropäischen(Griechen und Italiker), weiterhin die Kelten und Germanen, zuletzt die Slaven und Letten.
Um 1500 v. Chr. erscheinen zuerst die den Phrygern verwandtenMuskiund Stämme der iranischenSaken(Skythen) in Kleinasien. Sie verdrängen dieHethiter(S. 5, 8, 9), von deren früherer gewaltiger Herrschaft sich Denkmäler westlich vom Halys in Syrien, Mesopotamien, Kilikien, Kappadokien, auch am Sipylos finden. DasPhrygische Reich, dessen König Mita (Midas) 710 den Assyrern huldigt (S. 9), erliegt bald darauf dem Ansturm derKimmerier(S. 10), die ebenso wie dieSakenoderSkytheniranische Stämme sind, die nicht seßhaft werden. Als selbständige seßhafte Stämme erscheinen die Armenier, Kappadokier, Lykier; an der Westküste bildet sich dasLydische Reichund gewinnt dann weitere Ausdehnung.
Um 670.
KönigGyges, Begründer derMermnaden-Dynastie, huldigt dem assyrischen Reiche, fällt im Kampf gegen dieKimmerier, welche die HauptstadtSardesbis auf die Burg erobern, dann aber zurückweichen. Seine Nachfolger unterwerfenMysienundPhrygien, bekämpfen die Griechenstädte.Alyattes, der vierte Mermnade, gerät in Krieg mit Kyaxâres von Medien.
585.
Unentschiedene Schlacht am Halys zwischenAlyattesundKyaxâres(Sonnenfinsternis, vorhergesagt von Thales von Milet). DerHalyswird als Grenze zwischen dem lydischen und dem medischen Reiche festgesetzt. DesAlyattesTochter wird mitAstyages, dem Sohne desKyaxâres, vermählt.AlyattesunterwirftBithynien,Paphlagonien,Karien, auch die meisten Griechenstädte, zerstörtSmyrna. Aufhäufung großer Schätze in der Königsburg von Sardes.
554–541.
Kroisos, Sohn des Alyattes; er unterwirft nach der Einnahme vonEphĕsosalle griechischen Küstenstädte, mit Ausnahme vonMilet, mit dem er das von Alyattes erzwungene Bundesverhältnis erneuert. Reger Verkehr mit dem europäischen Griechenland.
Nach der Entthronung seines SchwagersAstyagesvon Medien durch den PerserKyrosüberziehtKroisosdas persische Reich mit Krieg. Auf den (zweideutigen) Rat des delphischenOrakels überschreitet er denHalys. Unentschiedene Schlacht beiPterĭa. Kroisos geht unschlüssig nach Sardes zurück. Kyros folgt ihm, siegt in einer zweiten Schlacht, erobert Sardes und nimmt Kroisos gefangen.
Um545.
Untergang des lydischen Reichs,das mit dem persischen vereinigt wird.
Um 1500 v. Chr. EinwanderungarischerStämme in das Tiefland desIndus; sie breiten sich allmählich aus über dasGangesland, über die HalbinselDekhanund die InselCeylon(Singhala), überall eine dunkelfarbige Urbevölkerung (Dravidas) verdrängend. Gründung zahlreicher Staaten.
Der alt-arische Götterglaube, den die Eroberer mitbrachten, bilderlose Verehrung der Naturmächte (der HimmelsgottDiausch-Asura,der Gott des allumfassenden WeltraumesVáruna,der FeuergottAgni, der GewittergottIndrau. a.), ward unter dem Einfluß der Priester allmählich zu der mehr monotheistischenBrahma-Religion umgebildet, die das gesamte Denken und Leben in strenge Satzungen einfügte. Viele Vorschriften der Reinigung, Lehre von der Seelenwanderung. Das Volk wird in vier streng geschiedene Stände (Kasten) geteilt: Priester (Brahmanen), Krieger (Kschatrija), Ackerbauer und Gewerbetreibende (Vaiçja), die unterworfenen Ureinwohner als Dienende (Çudra): am niedrigsten stehen die als unrein verachtetenParia. Die Könige gehen aus dem Kriegerstande hervor, sie wählen ihre Ratgeber und Beamten aus den Brahmanen.
Reiche Entwickelung der Literatur;Sanskritdie Schriftsprache, von der Volkssprache unterschieden.Vedasdie heiligen Bücher (Hymnen, Gebete, Sprüche), Gesetzbuch desManu. Die epischen DichtungenMahabhârataundRamâjanaschildern die Heldentaten der Kriegszeit, doch hat ihr ursprünglicher Inhalt manche Umbildung in priesterlichem Sinne erfahren. In Baukunst und Skulptur ist seit dem 6. JahrhundertpersischerEinfluß erkennbar.
Um 520.
Buddha,ein Königssohn (seine Heimat an den Vorhöhen des Himâlaya), tritt als Reformator auf, verwirft die strengen Satzungen und Kastenunterschiede, lehrt sittliche Vervollkommnung durch Entsagung und Mitleid, stellt als Ziel die Ruhe der Seele (Nirwāna) auf. Er wird später selbst als Gott verehrt, sein Bild in den Tempeln aufgestellt.
Um 450.
Das Reich vonMagādhaim Gangeslande erhebt sich nach Unterwerfung mehrerer Nachbarstaatenzu größerer Bedeutung: seine Könige nehmen den Buddhismus an. ResidenzPataliputra(Patna).
317–291.
Tschandragupta, ein Flüchtling aus Magadha, vertreibt die Makedonier aus demInduslande, macht sich zum König von Magadha und erweitert das Reich fast über die ganze vorderindische Halbinsel. Sein Enkel
263–226.
Açokadurch milde und sorgsame Regierung berühmt. Blütezeit des Buddhismus; dieStupa, Kuppelbauten zum Schutz der Reliquien Buddhas,Bhagavātidie pyramidenförmig aufsteigenden Tempel (Pagoden). Anlage von Straßen, Brunnen, Krankenhäusern (auch für Tiere). Inschriften bezeugen seine Beziehungen zu den Herrschern der Diadochenreiche.
Im Reiche Magadha lebte im 6. JahrhundertnachChr. der Dramendichter Kalidâsa (Sakuntăla). Im 3. Jahrhundert gelangt dieBrahmalehre wieder zur Herrschaft; der Buddhismus breitet sich nach Hinterindien, Tibet, China, Japan aus. Das Eindringen fremder Eroberer beginnt erst in der Zeit des Islam.
Das HochlandIran(Ariân, Land der Arier) ist ein Land der Gegensätze; zwischen schneebedeckten Gebirgen und glühenden Sandwüsten liegen oasenartig Strecken fruchtbarsten Bodens, die natürlichen Mittelpunkte des Landes. Am stärksten bewohnt sind die Gebirgsländer am Rande des Hochlandes; im WestenMedienundPersien, im NordenHyrkanienundParthien, im OstenBaktrienundArachosien; dort hat sich in der LandschaftArīa(Herat) auch der alte Gesamtname erhalten.
Der alte Götterglaube erfuhr auch hier eine priesterliche Umbildung durch die Lehre desZarathuschtra(Zoroaster), der in unbekannter Zeit unter einem FürstenVistâspalebte. Als Staatsreligion erscheint diese Lehre erst unter Dareios I., um 520. Über die anderen Götter erhebt sichAhura-Mazda(Ormuzd), Beschützer des Ackerbaues und Verteidiger der Wahrheit; ihm stehen zur Seite die 6 guten Geister,Amĕscha-Spenta. Sein Dienst fordert die Bekämpfung der verderblichen Mächte, an deren SpitzeAngramanjusch(Ahriman) steht. Keine Götterbilder und Tempel; nur Feueraltäre im Freien, namentlich auf Bergen; das Feuer gilt als heiliges Symbol der Reinheit. Später (um 400 v. Chr.) finden auch Götter der alten Volksreligion wieder große Verehrung, namentlichMithra, der Gott des Sonnenlichts, undAnāhĭta, Göttin der Gewässer, denen man auch Bilder und Tempel errichtet. Heiliges BuchAvesta, nur zum Teil erhalten in einer aus der Sassanidenzeit(3. Jahrhundert nach Chr.) stammenden Bearbeitung. Die Priester (Magier) zu einer erblichen Kaste vereinigt.
DieMederim nordwestlichen Gebirgslande, seit 835 denAssyrernUntertan (S. 9), doch oft sich empörend, befreien sich zur Zeit des Einbruchs derSkythen(S. 10). Schon um 670 wirdKastarita, ein medischer Fürst, von den Assyrern als gefürchteter Gegner genannt. Nach Herodot istDeiokes(700 bis 647) als der Begründer des medischen Reiches anzusehen. Der Befreier Mediens von den unterPartatua(Protothyas bei Herodot) infolge des babylonisch-assyrischen Krieges in großen Scharen (S. 10) eingedrungenenSkutscha(Skythen), die unter Madyas, dem Sohn Partatuas, 28 Jahre über »Asien« herrschten, war
624–585.
Kyaxâres, vermutlich ein Nachkomme Kastaritas. Er ist wohl der eigentlicheGründer des Mederstaates, schuf ein stehendes Heer, stand im Bunde mit Babylonien (S. 10). Er zerstört Ninive, kämpft mit den Lydern (S. 15) und dehnt seine Herrschaft über andere iranische Stämme (Sagartier, Hyrkanier, Parther) aus. Sein Reich vom Halys im Westen bis an die Grenze Elams (zu Babylon) im Südosten. Residenz Hagmatâna (Agbatana). Sein Nachfolger ist
584–550.
Astyages(babylonisch Ischtuvegu). Er macht einen Vorstoß gegen das neubabylonische Reich und belagert um 555Harrân. Seine Erfolge werden vereitelt durch den Aufstand derPerser, eines medischen Vasallenstaates in Elam, unterKurusch II.
Um 630.
DiePerserdringen aus ihrem Gebirgslande im Südwesten Irans nachElamvor und gründen hier unter dem AchämenidenTschischpisch(Teïspes bei Herodot) das KönigreichAntschan. Hier herrschen die KönigeKurusch I.undKambudschija I., dann des letzteren Sohn
558–529.
Kyros(Kurusch II.), welcher 550 seinen LehnsherrnAstyagesstürzt und die medische HauptstadtHagmatânaerobert. Er vereinigt die persischen Stämme unter seiner Herrschaft und gründet das große
559–330.
Persische Reich,
welches die Völker Vorderasiens zu einer politischen Einheit zusammenfaßt. Ihm gehorchen die früher den Medern unterworfenen Völker Irans, die Armenier und Kappadoker; er stürzt das lydische Reich (S. 16), und während seine Feldherren Mazares und Arpagos die Griechenstädte an der kleinasiatischen Küste unterwerfen, erobert erBabylon. Das babylonische Reich wird dem persischen angegliedert (S. 11), jedoch in Sitteund Religion nicht angetastet. Die phönikischen Städte und die Kilikier behalten ihre einheimischen Könige unter persischer Oberhoheit, in den Griechenstädten werden persisch gesinnte Fürsten (Tyrannen) eingesetzt, den Juden wird die Rückkehr nach Palästina gestattet. Hauptstadt zunächst wohl Susa, denn Kyros’ Stammland Antschan gehörte zu Elam.
DieMedersind in diesem Reiche zunächst den Persern gleichgestellt, ebenso wie die Babylonier; auch aus ihnen nimmt der König seine Beamten. Bei denPersernherrschen einfache Sitten; als kräftiges Gebirgsvolk sind sie den in der Kultur vorgeschrittenen Nachbarvölkern überlegen. Kyros fällt 529 im Kampfe gegen die Nomaden im Nordosten des Reiches (Massageten, ihre Königin Tomyris nach Herodot); sein Grabmal zuPasargădãist erhalten. Sein Sohn und Nachfolger
529–522.
Kambyses(Kambudschĭja)tötet seinen jüngeren Bruder (Smerdis)Baraĭja, der sich an die Spitze eines Aufstandes der östlichen Reichshälfte gestellt hat. (Kyros hatte sich nicht auf das Persertum gestützt, sondern auf die alten Kulturländer; erst unter Dareios gewann das Persertum die führende Stellung im Reich.) Er erobertÄgypten(S. 6), zieht den Nil aufwärts gegenNapata, das sich unterwirft. Die Griechen inKyreneerkennen ebenfalls die Oberherrschaft der Perser an, aber eine beabsichtigte Unternehmung gegenKarthagoscheitert an der Weigerung der Phöniker, gegen ihre Pflanzstadt Schiffe zu stellen. Inzwischen empört sich in Medien der Magier (Priester)Gaumâta, indem er sich für den getötetenBardijaausgibt. Kambyses stirbt auf der Rückkehr aus Ägypten; der falsche Bardija wird nach kurzer Herrschaft gestürzt von den sieben Stammfürsten der Perser, derenersterKönig wird, der Sohn des Achämeniden Vischtâspa (Hystaspes),[8]
521–485.
Dareios I.(Darijavahusch). Aufstände im ganzen Reiche, zuerst in Elam und Babylon, dann empören sich die Meder, Sagarter, Hyrkanier und Parther unter angeblichen Nachkommen desKyaxâres, die Armenier, in Persien selbst ein zweiter falscherBardija. Die Niederwerfung aller dieser Aufstände (Babylon durch die List des Zopyrus erobert) berichtet die dreisprachige Keilinschrift (persisch, elamitisch,babylonisch) an der Felswand vonBagistâna(Behistun, südwestlich von Agbatana am oberen Choaspes).
Darauf Neuordnung des Reiches; es wird in 20Satrapiengeteilt, die bestimmte Steuern zu entrichten haben in Geld und Naturalien. Nur die eigentlichen Perser sind steuerfrei, nicht mehr die früher ihnen gleichgestellten Meder. Die Perser bilden den Kern des Heeres. Die übrigen Reichsvölker stellen Truppen oder Schiffe. Einheitliche Reichswährung, deren Einheit der Dareikos (Goldmünze von etwa 23 M. Wert) bildet, der auch in Griechenland und Indien in Umlauf kommt. 300 Dareiken gleich einem babylonischen Silbertalent, 7030 M. unseres Geldes. Große Heerstraßen angelegt, namentlich die Königsstraße vonSardesnachSusamit Stationen für die reitenden Boten des Königs. Palastbauten inSusaund der neuen HauptstadtPersepŏlis; auchBabylonundAgbatānableiben Residenzen des Großkönigs.
Dareios erweitert das Reich durch Unterwerfung desInduslandes, läßt von der Indusmündung aus Arabien umfahren und den Nilkanal nach dem Roten Meer (S. 6) vollenden. Karthago zahlt Tribut. Nach Westen vordringend überschreitet er 514 mit Heeresmacht denBosporus, dann auch die untere Donau, dringt in das Skythenland ein, muß jedoch umkehren (Histiaios, Tyrann von Milet, rettet die Donaubrücke gegen den Rat des Atheners Miltiades) (S. 36); sein Feldherr Megabazos unterwirftThrakienundMakedonien. Von den griechischen Inseln werdenLemnosundImbrosUntertan, wie früher schonLesbos,Chios,Samos.
500–494.
Aufstand der ionischen Griechen,
angestiftet durch den mit einem Fürstentum in Thrakien beschenkten, dann aber bei Dareios verdächtigten und nach Susa berufenen TyrannenHistiaios von Miletund dessen SchwiegersohnAristagŏras. Mit Hilfe vonAthenundEretriawirdSardeseingenommen, die Stadt geht in Flammen auf. Aber bald werden die Ionier von dem persischen Landheere geschlagen, von den Bundesgenossen aus Athen und Eretria verlassen, die ionische Flotte wird bei der InselLade(vor Milet, 494) besiegt. Nach Unterwerfung der IonierMilet zerstört, die noch übrigen Einwohner an der Mündung des Tigris angesiedelt. Histiaios gekreuzigt. 492 folgt die Wiederunterwerfung von Thrakien und Makedonien (S. 38).
490.
Seezug der Perser, um die Unterwerfung der griechischen Inseln zu vollenden; die Landung in Attika mißlingt. Weitere Unternehmungen gegen Griechenland gehemmt durch einen Aufstand derÄgypter.
485–465.
Xerxes I. (Khsijârscha) unterwirft Ägypten, sein Zug gegen Griechenland mißlingt; die Herrschaft über Thrakien, Makedonien, die Inseln, die kleinasiatischen Griechenstädte geht verloren. Schwelgerisches Leben am Königshofe; die alten einfachen Sitten der Perser schwinden. Xerxes und sein ältester Sohn werden von Artabān, dem Führer der Leibwache, in Susa ermordet. Es folgt der zweite Sohn
465–424.
Artaxerxes I.(Artachschâtra) mit dem Beinamen Langhand (Longimănus). Zweiter Aufstand der Ägypter unterInărōs, von den Athenern unterstützt, vonMegabyzos, dem Satrapen von Syrien, unterdrückt (S. 44). Friede mit den Griechen nach 449; Empörung des Megabyzos durch Verhandlungen beigelegt. Sein SohnXerxes II.wird im zweiten Monat seiner Regierung ermordet von seinem jüngeren BruderSogdianos; diesen stürzt der Halbbruder
424–405.
Dareios II.(Nothos), der dann mit Satrapenaufständen zu kämpfen hat. Dritter Aufstand derÄgypter, die über 60 Jahre lang ihre Unabhängigkeit behaupten.
405–359.
Artaxerxes II. (Mnemon) besiegt seinen jüngeren BruderKyros, der als Statthalter in Kleinasien sich empört hat, 401 beiKunaxaunweit Babylon, nimmt die Griechenstädte in Kleinasien wieder unter seine Herrschaft (S. 55).
359–338.
Artaxerxes III.(Ochos) unterwirft die Phönīker, nach drei Kriegen auch die Ägypter, herrscht als tatkräftiger Despot, wird endlich von seinem Günstling, dem ÄgypterBagoas, vergiftet. Dieser setztArses, des Königs jüngsten Sohn, auf den Thron, beseitigt ihn aber nach zwei Jahren und macht den Enkel eines Bruders von Artaxerxes II.,
336–330.
Dareios III.(Kodomannos), zum König. Bagoas muß den Giftbecher trinken. Dareios regiert wohlwollend, erliegt aber dem Angriff der makedonischen Macht.
330.
Vernichtung des PerserreichesdurchAlexander d. Gr.Die griechische Kultur kommt in Vorderasien zum Siege.
Durch die weiten Hochflächen des inneren Asiens von den westlichen Kulturvölkern getrennt entsteht frühzeitig inChinaein bedeutendes Reich, gegründet auf denAckerbauin den fruchtbaren Flußtälern des Hoangho und Jantsekiang. Die sagenhafte Überlieferung stellt an den Anfang fünf große Kaiser, die in der Zeit von 3300–2207 v. Chr. regiert haben sollen. Als Gründer des Reiches giltFohi, der seine Untertanen denGebrauch der Haustiere und die Schriftzeichen lehrte;Schinnungführte den Ackerbau ein,Hoang-tilehrte die Zeitrechnung und ordnete die Verwaltung der Provinzen, seine Gemahlin begründete die Seidenweberei.
Zwei Dynastieen regieren von 2207–1122 v. Chr.; unter der zweiten wird die Macht des Kaisers durch die großen Lehnsträger sehr beschränkt.Wu-wang, Begründer der dritten Dynastie (1122–256). Diese erwirbt zu dem ursprünglichen Reichsgebiet am unteren Hoangho auch die Länder am Jantsekiang, verliert aber alle Macht an die großen Feudalherren.
551–478.
In einer Zeit des Verfalls und innerer Wirren trittKong-fu-tse(Confucius) als religiöser Reformator auf. Er sammelt Sittensprüche und Lieder der älteren Zeit in den fünf heiligen Büchern (King); seine Lehre wird zu seinen Lebzeiten nicht beachtet, später jedoch unter der Dynastie Han zur Staatsreligion erhoben. Die Grundzüge der alten Religion (Verehrung des Himmels, der mächtigen Geister und der Ahnen) hat er nicht verändert. Er will die Menschen glücklich machen als Mitglieder der Familie und des Staates. Das Einzelindividuum hat sich der Gewalt und Autorität der Älteren und Höheren unbedingt zu unterwerfen.
255–206.
Der KaiserSchi-huang-ti, Begründer der vierten Dynastie, bricht die Feudalherrschaft der Großen, stellt die Einheit des »Reiches der Mitte« her, beginnt den Bau derGroßen Mauer(2500 km lang, mit Wachttürmen) zur Abwehr der Einfälle nördlicher Mongolenvölker.
206 vor Chr. bis 263 nach Chr.
DieHan-Dynastie gibt dem Reiche seine größte Ausdehnung und höchste Blüte im Innern. Im Süden werden Tongking, Anam, Cochinchina unterworfen, im Westen das Tarim-Gebiet, im Nordosten Korea.
Seit 65 n. Chr.
Eindringen desBuddhismus. Handelsverbindungen nach dem Westen; den Römern wird die Seide (vestis Serĭca) bekannt. Der römische Kaiser Marcus Aurelius soll 166 eine Gesandtschaft nach China geschickt haben.
220–617.
Zeit innerer Kriege; es bilden sich mehrere Reiche, die aber unterWuti, dem Stifter der Dynastie Tsin (263–420) und dem großen KaiserTaitsung(627–659) aus der DynastieTang(618–906) vorübergehend wieder vereinigt werden. Später China unter tatarischen und mandschurischen Dynastien.
Die chinesische Kultur verbreitet sich namentlich nachJapan, dessen Geschichte um 600 v. Chr. mit der Gründung eines Reiches auf der InselKiusiubeginnt.
Einen großen Fortschritt in der weltgeschichtlichen Entwickelung hat das hochbegabte Griechenvolk bewirkt. Gegenüber der religiösen und politischen Gebundenheit der asiatischen Völker zeigt es diefreieEntwickelung der menschlichen Kräfte und hat in Staat, Kunst und Wissenschaft eine noch jetzt in vieler Beziehung vorbildliche Höhe erreicht. Die griechische Kultur, begünstigt durch ein wohlgelegenes, reich gegliedertes Land, stand noch in Blüte, als dasChristentumin die Welt eintrat, und hat ihm die Wege gebahnt.
Der NameGriechenist deutsche Umformung des von den Römern gebrauchten NamensGraeci.[9]Sie selbst nannten sichHellenen; als Ureinwohner ihres Landes bezeichneten sie diePelasger. Alte Heiligtümer des pelasgischen Zeus waren zuDodōnain Epirus und auf dem BergeLykaiosin Arkadien. Der NameHellenenerscheint bei Homer noch nicht als Gesamtname des Volkes; die später gewöhnliche Ansicht unterschied vier Hauptstämme des hellenischen Volkes:Äŏler,Achäer,Dorier,Ionier.
Merkwürdige Überreste aus der hellenischen Vorzeit sind seit 1870 durch die vonSchliemannund seinen Nachfolgern zuerst inTroja(Hissarlik), dann inAmyklä,Mykenä,Orchomenos,Tirynsveranstalteten Ausgrabungen zu Tage gekommen. Man fand in den Unterbauten weit ausgedehnter Königspaläste und in wohlerhaltenen Gräbern vielerlei Waffen, eine erstaunliche Menge Goldschmuck, Wandmalereien, bemalte Tongefäße und anderes. »Schatzhaus des Atreus«, Löwentor in Mykenä. Weitere Grabungen auf denInseln, namentlich Cypern, Rhodos, Thera, Kreta, haben gezeigt, daß eine frühe altertümliche Kultur die Küsten und Inseln des Ägäischen Meeres umfaßte und unter orientalischem Einfluß, hauptsächlich infolge der regen Handelsbeziehungen mit den Phönīkern, sich höher entwickelte. Die Zeit dieserMykenischen Kultur, deren bedeutsamster MittelpunktKretawar (KönigMinos), ist 1500 bis 12 v. Chr.; eine jüngere Zeit schildern dieHomerischen Gedichte. Von alters her viele kleine Staaten unter kriegerischen Königen, aber kein grausamer Despotismus wie bei den Assyrern; milde Behandlung der Sklaven.
Religion. Die den arischen Völkern gemeinsame Verehrung der Naturkräfte bildet sich bei den Griechen frühzeitig um zur Verehrungpersönlichgedachter Götter. Aus demChaossollen Himmel und Erde (UrănosundGaia) entstanden sein, von diesen stammt das Göttergeschlecht derTitanen (Krŏnos, Rhea, Promētheusu. a.). Dieses verdrängen dieolympischen Götter, an ihrer Spitze der HimmelsgottZeus, Sohn des Kronos und der Rhea, welcher die Herrschaft der Welt mit seinen BrüdernPoseidon(Meer) undHadesoderPluton(Unterwelt) teilt. Alsolympische Götterwerden besonders folgende 12 zusammengefaßt:Zeus,Hera,Poseidon,Demēter,Hestia,Hephaistos,Ares,Apollon,Artĕmis,Pallas Athene,Aphrodite,Hermes(die letzten 7 gelten als Kinder des Zeus). Andere Gottheiten:Persephŏne(Tochter von Zeus und Demeter, Gemahlin Plutons),Eros, der ständige Begleiter der Aphrodite,DionysosoderBakchos(Sohn des Zeus und der thebanischen KönigstochterSemĕle), in seinem Gefolge der HirtengottPan, die Satyrn und Nymphen;Asklepios(Sohn des Apollon), die 9Musen(Klio, Euterpe, Thalīa, Melpomĕne, Terpsichŏre, Erăto, Polymnia, Urania, Kalliŏpe, Töchter des Zeus und der Mnemosy̆ne), fernerEos,Iris; die MeergottheitenNereus(seine Töchter die Nereĭden),Amphitrīte,Triton,Proteus,Glaukos.
Die Abhängigkeit des Menschengeschlechts von den Göttern gibt sich kund inGebeten, Opfern, Festzügen; durchOrakel, Vorzeichen(Weissagung aus dem Vogelflug und aus den Eingeweiden der Opfertiere) geben die Götter ihren Willen kund. Glaube an ein Fortleben nach dem Tode (Elysion, Tartăros).
Reiche Entwickelung derGötter- und Heldensage, ein Schatz für die griechische Poesie der folgenden Zeiten.
Die Erinnerung an die Tatsache, daß Griechenland die Anfänge höherer Kultur von den Völkern des Ostens erhalten hat, spiegelt sich wieder in denEinwanderungssagen:
Danăos, Gründer der Burg vonArgos, soll ausÄgyptengekommen sein, seine 50 Töchter, dieDanaiden, ermorden ihre Männer, die Söhne des Äigyptos; nur Hypermnestra rettet den Lynkeus. Ihr NachkommePerseus, Sohn des Zeus und der Danae, gründet nach der Rückkehr von seinen Heldentaten (Medusa getötet, Andromĕda befreit) die Burg vonMykēnäals Herrschersitz. Aus seinem Geschlecht stammenEurystheusundHerăkles.
Pelops, Sohn des KönigsTantălos, soll ausLydiennach Elis gekommen sein. Seine SöhneAtreusundThyestesbemächtigen sich, nachdem Eurystheus im Kampfe gegen die Herakliden gefallen ist (s. S. 25), der Herrschaft inMykenä. Atreus’ SohnAgamemnonherrscht nach ihm in Mykenä, der jüngere SohnMenelāosinSpartaals Erbe des Königs Tyndareos, dessen Tochter Helĕna ihm vermählt ist.
Kadmos, Sohn des phönikischen Königs Agenor vonSidon, gründet die Burg vonTheben(Kadmēa), wo seine Nachkommen herrschen; er soll den Griechen die Buchstabenschrift gebracht haben.
In Attika gilt als uraltereinheimischerKönigKekrops, Gründer der Burg von Athen; an ihn knüpft sich die attische Königsreihe, in welcherErichthonios,Erechtheus,Jon,Ägeus,Theseushervortreten. Unter Ägeus soll Attika der Seeherrschaft des KönigsMinosvonKretauntertan geworden sein. Letzterem wird, wie dem Kadmos,phönikischeAbstammung zugeschrieben; er gilt als Sohn des Zeus und derEuropa, Tochter des Königs Agenor.
Nationalhelden der griechischen Sage sindHerăklesundTheseus.
Herăkles(Hercŭles), Sohn des Zeus und derAlkmēneaus Perseus’ Stamm, inThebengeboren, wird seinem VetterEurystheusinMykenädienstbar,[10]zieht in Gemeinschaft mitTelămonundPeleus, den Söhnen des KönigsAiăkosvon Ägina, gegenTroja(König Laomĕdon, Vater des Priamos), besiegt den KönigNeleusinPylos. InKaly̆donheiratet er die KönigstochterDejaneira, welche ihm später das mit dem Blut des KentaurenNessosgetränkte Gewand sendet; er verbrennt sich selbst auf demÖtaund wird unter die Götter aufgenommen. DieDorierhaben ihn zu ihremStammherosgemacht; ihre Könige nannten sich seine Nachkommen, von ihm leiten sie ihr Recht auf den Besitz der Peloponnes ab. Seine Söhne, dieHerakliden, sollen gegen die Verfolgungen des Eurystheus beiTheseusin Athen Schutz gefunden haben; sie versuchen vergebens die Rückkehr, erst den Nachkommen gelingt sie (dorische Wanderung, S. 28).
Theseus; Sohn des KekropidenÄgeus, ist der Stammheros derIonier, insbesondere derAthener. Er fährt nachKreta, tötet dort denMinotaurosund rettet mit Hilfe der KönigstochterAriadnedie demselben zum Opfer bestimmten athenischen Jünglinge und Jungfrauen. Bei der Rückfahrt bleibt Ariadne aufNaxoszurück und wird Gemahlin des Gottes Dionysos; Theseus vergißt das schwarze Segel mit dem weißen zu vertauschen, Ägeus stürzt sich in das nach ihm benannte Meer. Theseus wirdKönig von Athen, vereinigt die Bewohner Attikas zueinemStaate. Er stirbt auf der InselSkyrosim Kampf gegen den König Lykomēdes.
Als Gründer des attischen Staates soll er das Volk in dreiStändegeschieden haben:Eupatriden(Adel),Geomoren(Bauern) undDemiurgen(Gewerbtreibende). Dagegen wird die Einrichtung der vier altenPhylen(d. i. Stämme):Geleonten,Hoplēten,Argadeis,Aigikoreis(die Glänzenden, Wehrhaften, Feldarbeiter, Ziegenhirten), deren jede wieder in drei Phratrien zerfiel, aufIon, den mythischen Stammvater des ionischen Stammes, zurückgeführt.
Drei gemeinsame Unternehmungen in der heroischen Zeit sind durch Sagen verherrlicht, die den Hauptstoff für die griechische Poesie bilden.
1. DerArgonautenzug.Phrixos, Sohn des MinyerkönigsAthămasvonOrchomĕnos, flüchtet vor der Stiefmutter Ino mit seiner SchwesterHelleauf dem Widder mit goldenemVlies, den beide von ihrer MutterNephĕleerhalten haben.Hellestürzt auf der Flucht bei Abȳdos ins Meer, welches nunHellespontos, d. h. »Meer der Helle«, heißt.Phrixoskommt nachKolchis(amPontos Euxeinos, Schwarzen Meere) zum KönigeAiētes. Der Widder wird geopfert, das goldene Vlies in einem Haine des Gottes Ares von einem Drachen bewacht. —IasonausIolkos, von seinem OheimPelĭasaufgefordert, fährt auf dem SchiffeArgoan der Spitze einer Heldenschar nach Kolchis, um das Vlies zu holen; es wird mit Hilfe der ZauberinMedeia, Tochter desAiētes, gewonnen. Rückkehr nachIolkos;Pelĭasauf Antrieb derMedeiagetötet.—
2.Krieg der Sieben gegen Theben.Ödipus, Sohn desLaïos, Königs von Theben aus Kadmos’ Stamm (die Labdakiden) und derJokaste, wird infolge eines unheilverkündenden Orakels von den Eltern ausgesetzt, in Korinth vonPoly̆boserzogen. Er tötet bei Delphi den Vater, ohne ihn zu kennen, löst das Rätsel derSphinx, wird König in Theben und heiratet seine eigene Mutter. Als ihm der Greuel entdeckt wird, beraubt er sich selbst des Augenlichts. Seine TöchterAntigŏneundIsmēnegeleiten ihn in die Verbannung.Theseusgewährt ihm Aufnahme; sein Grab am HügelKolōnosbei Athen. In Theben Bruderzwist seiner Söhne Eteŏkles und Polyneikes.
Mit dem vertriebenenPolyneikesziehen gegen Theben:Adrastos(König von Argos),Tydeus,Amphiarāos,Kapăneus,Hippomĕdon,Parthenopaios. Die feindlichen Brüder fallen im Zweikampf, auch die andern Fürsten alle bis aufAdrastoskommen um.Kreon, der Oheim der Brüder, wird König von Theben, verurteiltAntigŏnezum Tode, weil sie den Polyneikes bestatten wollte.
Zehn Jahre später Zug derEpigonen(Söhne derSieben). Theben wird eingenommen;Thersandros, desPolyneikesSohn, als König eingesetzt.
3.Trojanischer Krieg.[11]Priămos, König vonTrojaoderIlios; seine GemahlinHekăbe (Hekŭba). Von seinen Söhnen treten in der Sage hervor:Hektor(Gem.Andromăche) undParis(Alexandros). Dieser entführtHelĕna, die Gemahlin desMenelāosvonSparta. Um sie zurückzuholen, vereinigen sich die edelsten Fürsten aller griechischen Gaue: desMenelāosBruderAgamemnonvonMykēnä, Anführer der Griechen:NestorvonPylos;Achilleus, König derMyrmidonenausPhthiain Thessalien, Sohn desPeleusund der NereïdeThĕtis; sein FreundPatroklos;AiasundTeukros, Söhne Telamons ausSalămis; der jüngereAiasdes Oïleus Sohn, Anführer der Lokrer;DiomedesvonArgos, desTydeusSohn;OdysseusvonIthăka, desLaërtesSohn;Idomĕneusvon Kreta, Enkel des Minos, u. a.
Bundesgenossen der Troer: Thraker, Päoner, Paphlagonier, Myser, Phryger, Lyder, Karer; die Lykier unterSarpēdonundGlaukos; später die Amazonen unter ihrer KöniginPenthesileia, die Äthiopen unterMemnon.
Abfahrt der Griechen vom böotischen HafenAulis(der SeherKalchas; Opferung derIphigeneia, welche nachTaurisentrückt wird). Schiffslager an der troischen Küste, Beutezüge in die Umgegend. Im zehnten Jahre Streit zwischenAgamemnonundAchilleuswegen der SklavinBrisēis, Achilleus zieht sich vom Kampfe zurück. Die Troer dringen unterHektorsFührung siegreich in das Schiffslager ein, werden aber zurückgetrieben, alsAchilleus, um den Tod desPatrokloszu rächen, wieder am Kampfe teilnimmt. Hektor von Achilleus getötet, dieser durch einen Pfeil desParis. Das hölzerne Pferd aufOdysseus’Rat gezimmert. Bei der Einnahme Trojas tötetNeoptolĕmos, Achills Sohn, den greisen Priamos.Aeneasentkommt, rettet seinen VaterAnchīses. Irrfahrten der heimkehrenden Helden (Odysseus).
Agamemnonwird nach der Rückkehr von seiner GemahlinKlytämnestraundAigisthosgetötet; sein SohnOrestesrächt ihn, wird von denErinnyen, den strafenden Göttinnen der Unterwelt, verfolgt, in Athen auf dem Areopag freigesprochen, nachdem er seine Schwester Iphigeneia aus Tauris zurückgeführt hat. Er herrscht dann inMykenä.
Eine große Umwandlung trat ein durch dieWanderungenhellenischer Stämme. Die aus Epīrus in das nach ihnen benannte Land einwanderndenThessălerverdrängen dieBöoteraus ihren Wohnsitzen in Arne; diese nehmen nach Unterwerfung der Kadmeer und Minyer die fortan nach ihnen benannte LandschaftBöotienin Besitz. Ebenso wandern die am Pindos in Thessalien ansässigenDoriernach Süden; ein Teil von ihnen bleibt in dem BerglandeDorisam Öta, die anderen ziehen, durchÄtōlerverstärkt, beiNaupaktosüber die Meerenge nach der Peloponnes. Diese