1567.
HerzogAlbamit einem spanischen Heere überGenua, Savoyen, Burgundnach den Niederlanden gesandt. Wilhelm von Oranien entflieht nach Nassau. Tausende von Niederländern verlassen ihr Vaterland. Alba übernimmt die Regierung; der von ihm in Brüssel eingesetzte Gerichtshof arbeitet entsetzlich, vom Volk als »Blutrat« bezeichnet.
1568.
Hinrichtung der GrafenEgmontundHoorn.
Wilhelm von Oranienmacht mit Flüchtlingen und deutschen Söldnern, die er in Nassau um sich gesammelt hat, einen Einfall in die Niederlande, wird aber von Alba zurückgeschlagen.
Die willkürlichen, von Alba auferlegten Steuern (der 10te Pfennig von jeder verkauften Ware, der 100ste vom Vermögen) erregen einen neuen Aufstand. Einnahme vonBriel(an der Maasmündung) durch die Wassergeusen 1572. Schnelle Ausbreitung des Aufstandes, besonders in den nördlichen Provinzen, wo Wilhelm von Oranien nach seiner Rückkehr aus Deutschland an die Spitze tritt. Herzog Alba wird auf seinen eigenen Antrag 1573 zurückberufen.
Sein NachfolgerLuis de Requesenssiegt zwar 1574 auf der Mooker Heide, wo zwei Brüder des Prinzen von Oranien fallen, belagert aberLeydenvergeblich (Durchstechung der Deiche, Gründung der Universität) und kann des Aufstandes nicht Herr werden († 1576). Plünderungen der Städte Antwerpen, Mastricht, Gent u. a. durch die königlichen Truppen führen die
1576.
Pazifikation von Gentherbei, einen VertragallerProvinzen, durch welchen sie sich, ungeachtet der religiösen und nationalen Unterschiede, vereinigen, um die spanischen Soldaten aus dem Lande zu treiben.
Der neue StatthalterDon Juan d’Austria, Philipps II. Halbbruder, wird von den meisten Provinzen nicht anerkannt, doch entsteht unter ihnen bald Uneinigkeit. Ihm folgtAlexander Farnese von Parma, Margaretes Sohn (1578–1592), ein staatskluger Fürst und trefflicher Feldherr. Dieser unterwirft unter dem Versprechen der Herstellung ihrer alten politischen Freiheiten diesüdlichen, katholischen Provinzen (Belgien). Die siebennördlichen, überwiegend calvinischen (Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Overyssel, Groningen, Friesland) schließen
1579.
dieUtrechter Union, sagen sich 1581 gänzlich von Spanien los und übertragen die LeitungWilhelm von Oranien. Nach dessen Ermordung zuDelft1584 durch den Fanatiker Balthasar Gerard tritt sein Sohn, der 17jährigeMoritz von Oranien, an die Spitze. Kriegsglück Alexanders von Parma, Einnahme vonAntwerpen1585. Die den Holländern geleistete englische Hilfe (LeicesterStatthalter) bestimmt Philipp zur Ausrüstung derArmāda, welche, angeführt vom Herzog Medina Sidonia, furchtbaren Stürmen und der Tapferkeit der Engländer erliegt (1588). Seitdem Niedergang der spanischen Seeherrschaft. Moritz erobert Breda 1590, dann Nimwegen und Groningen, die Spanier erobern 1604 nach dreijähriger Belagerung Ostende. Endlich wird unter König
1598–1621.
Philipp III.
1609.
ein zwölfjährigerWaffenstillstandgeschlossen. Unter dem schwachen, von Günstlingen beherrschten Könige sinkt Spaniens Macht und Wohlstand weiter, namentlich auch infolge der Austreibung von 500000 Moriskos. Nach Ablauf des Waffenstillstandes mit den Niederländern wird der Kampf wieder aufgenommen, bis unter König
1621–1665.
Philipp IV.dieRepublik der Niederlandeim Westfälischen Frieden 1648 (s. S. 260) die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit von seiten Spaniens und des Deutschen Reiches erlangt.
In dem aufblühenden neuen Staate fehlt es nicht an inneren Parteiungen; deroranischenPartei steht dieGeneralstaaten-Partei gegenüber, den strengen Calvinisten (Gomarianern) die gemäßigten (Arminianer). Die Synode zuDordrechtverurteilt 1619 den verdienten StaatsmannOlden Barneveld, welcher Moritz von Oranien entgegengetreten war, zum Tode;Hugo Grotius, zur Haft verurteilt, flieht 1621 nach Frankreich (sein Buchde iure belli ac pacisGrundlage des Völkerrechts, 1635 schwedischer Gesandter in Paris, † 1645). Die Statthalterwürde wird 1650 aufgehoben, 1672 wiederhergestellt.
Wilhelm I. von Nassau-Oranien,†1584._______________|_____________| |Moritz, Friedrich Heinrich,†1625. †1647.____________|___________| |Wilhelm II., Luise Henriette, †1667.†1650. Gem. Friedrich Wilhelm| v. Brandenburg.| |Wilhelm III., Friedrich I.†1702. von Preußen.
Aufschwung der niederländischen Seemacht: Ostindische Kompagnie 1602 gegründet,Neu-Amsterdam(New York, S. 270) 1612,Bataviaauf Java 1619,Kapstadt1651,Ceylonbesetzt 1656, 1634–54 auchBrasilien.Tasmanumfährt Australien (Neu-Holland) 1642.
Blüte der Wissenschaften auf der UniversitätLeyden(gegr. 1575). Der PhilosophBaruch Spinozageb. zu Amsterdam 1632, † 1677.
Blüte der Malerei (Rembrandt† 1669,Ruysdael† 1682,Hobbema† 1709), der Dichtkunst (Vondel† 1679) und Musik (Roland de Lattre [Orlandus Lassus] † 1594 in München).
In den spanischen Niederlanden die MalerRubens, geb. in Siegen 1577, † in Antwerpen 1640;van Dyk† 1641;Teniersder Ältere † 1649,Teniersder Jüngere † 1690;Snyders† 1657.
Auch inSpanienBlüte der Literatur (Cervantes† 1616,Lope de Vega† 1635,Calderon† 1681) und Malerei(Velasquez† 1660,Murillo† 1682), aber das Volk verarmt und unwissend; Gewerbfleiß, Handel und Seemacht im Niedergang begriffen.
Portugalim Besitz ansehnlicher Kolonien, blühend unterEmanuel dem Großen(1495–1521). Sein UrenkelSebastianfällt 1578 in der unglücklichen Schlacht beiAlkassarin Marokko. Philipp II. von Spanien erhebt Erbansprüche als Sohn einer Tochter Emanuels, nimmt 1580 das Land in Besitz. Alsspanische Provinz (1580–1640)verliert Portugal einen großen Teil seiner Kolonien (Molukken, Sunda-Inseln, Ceylon) an die Niederländer. 1640 Erhebung gegen die spanische Herrschaft; eine fast unblutige Revolution erhebt das HausBraganza(König Johann IV.) auf den Thron, das ihn bis 1910 behauptet.
1485–1603.
Haus Tudor(s. s. 213).
1485–1509.
Heinrich VII.erhöht das Ansehen der Krone, indem er dem Adel verbietet, bewaffnetes Gefolge zu halten (Gerichtshof derSternkammergegen Aufruhrversuche) und die Finanzen ordnet. Er versucht ganz Irland zu unterwerfen (S. 192). Seine TochterMargaretevermählt mitJakob IV., König von Schottland (aus dem HauseStuart, s. S. 212).
1509–1547.
Heinrich VIII., grausam und tyrannisch. Er ist sechsmal vermählt, nämlich mit: 1.Katharina von Aragon, Schwester der »wahnsinnigen« Johanna (S. 225), Witwe seines BrudersArthur, Mutter vonMaria der Katholischen(geschieden). 2.Anna Boleyn, Mutter derElisabeth(hingerichtet). 3.Johanna Seymour(† nach der Geburt ihres SohnesEduard VI.). 4.Anna von Cleve(geschieden). 5.Katharina Howard(hingerichtet). 6.Katharina Parr(überlebt den König). Die verweigerte Scheidung von der ersten Gemahlin (KardinalWolsey, gestürzt 1529) wird für den anfangs streng katholischen König (Defensor fidei) Grund zur Trennung derenglischen Kirchevom Papsttum (1531). Der König kirchliches Oberhaupt. Blutige Verfolgung aller denSuprematseidVerweigernden (der Kanzler Thomas More † 1535); Einziehung vieler Klöster, aber Beibehaltung katholischer Lehren (die 6 Artikel).
Stammtafel der Familien Tudor und Stuart(S. 213):
Heinrich VII.†1509.______________|_____________________________________| | |Heinrich VIII.Margarete, Maria,†1547. Gem. Jakob IV. Gem. Hz.| v. Schottland. v. SuffolkMaria d. Katholische| |†1558.Jakob V.|Elisabeth†1603. v. Schottland Franziska,Eduard VI.†1553. †1542. Gem. Henry Gray.Gem. Maria |v. Guise. Johanna Gray| †1554.Maria (Stuart)†1587.Gem. Darnley.|Jakob VI.v. Schottland †1625.
1547–1553.
Eduard Vl., 10 Jahre alt. Die Regierung geleitet von dem Protektor Herzog vonSomerset, dann von GrafWarwick, Herzog vonNorthumberland. Nun erst finden dieLehrender Reformation in England Eingang. Gründung der episkopalen Hochkirche (High Church).Book of common prayerund Glaubensbekenntnis in 42 Artikeln, verfaßt von ThomasCranmer, Erzbischof von Canterbury.
1553–1558.
Maria die Katholische, »die Blutige«.NorthumberlandsVersuch,Johanna Gray, die Gemahlin seines Sohnes, auf den Thron zu setzen, mißlingt; alle drei werden hingerichtet. Maria vermählt sich mit Philipp II. von Spanien, dem aber keine Regierungsrechte zugestanden werden. Wiederherstellung der katholischen Religion. Grausame Verfolgung der Protestanten, ErzbischofCranmerund viele andere verbrannt.Calaisan Frankreich verloren (s. S. 236).
1558–1603.
Elisabeth.Wiederherstellung deranglikanischen Kirche(Episkopalkirche), protestantische Lehre mit Beibehaltung der katholischen Hierarchie und teilweise des Kultus. Glaubensbekenntnis die39 Artikel. ZahlreicheDissenters(Presbyterianer, Puritaner). Handel und Schiffahrt entwickeln sich, besonders seit der Vernichtung der Armada. Entdeckungsreisen (Franz Drake, zweite Erdumsegelung 1577 bis 1580, S. 223). Ansiedelungen in Nordamerika,Walther Raleighgründet die KolonieVirginia1584. Ostindische Kompagnie 1600. Die Kaufleute der deutschen Hanse werden 1598 aus ihrem Hause in London, demStalhof, vertrieben, erhalten es jedoch später noch einmal zurück. — Unter Elisabeths Regierung lebt der große dramatische DichterWilliam Shakespeare(1564 bis 1616 und der Philosoph Franz Bacon von Verulam, 1561 bis 1626).
1587. 8. Febr.
Hinrichtungder KöniginMaria Stuart.
Maria Stuart, TochterJakobs V.von Schottland und derMaria von Guise(S. 236), Urenkelin Heinrichs VII. von England, geb. 1542, zuerst vermählt mitFranz II.von Frankreich († 1560), nimmt nach dem Tode der KöniginMaria der Katholischenden TitelKönigin von Englandan. Nach dem Tode ihres Gemahls Franz übernimmt sie die Regierung inSchottland(1561). Streit mit den schottischen Calvinisten. (John Knox, in Genf mitCalvinbefreundet, † 1572). Maria heiratet ihren VetterHeinrich Darnley, der ihren GünstlingRiccioermorden läßt (1566) und dann unter Mitwissenschaft der Königin vonBothwellermordet wird (1567). Maria heiratet gleich darauf in dritter Ehe den MörderBothwell. Aufstand der Schotten, Maria gefangen, ihr und Darnleys einjähriger SohnJakobals König anerkannt. Maria entflieht nach England (1568). Hier wird sie bis 1587 gefangen gehalten und zuletzt in Fotheringhay wegen Teilnahme an Verschwörungen gegen das Leben Elisabeths hingerichtet.
1588.
Krieg mit Spanien, Vernichtung der spanischenArmada(130 große Schiffe) durch Seegefechte imKanalund durch Stürme an den Küsten von Schottland und Irland (S. 244). Eine englische Flotte (unter GrafEssexund AdmiralHoward) erobert 1596Cadizund kehrt mit reicher Beute zurück. GrafEssex, Günstling der Königin, wird darauf nachIrlandgesandt, um den Aufstand dort zu dämpfen, kehrt eigenmächtig zurück, wird wegen Empörung hingerichtet (1601). Die von Spanien unterstützten katholischen Iren 1601 besiegt. Irland damit endgültig unterworfen (S. 245, 192). Nach Elisabeths Tode folgt in England als Erbe des Hauses Tudor das in Schottland (S. 212) seit 1371 regierende
1603–1649 (1714).
Haus Stuart.Personal-Union zwischen England und Schottland.
1603–1625.
Jakob I.(als König von Schottland Jakob VI.), Sohn der Maria Stuart, in Schottlandcalvinischerzogen, bekennt sich dann zuranglikanischenKirche. Das Fehlschlagen der Hoffnungen, welche die Katholiken auf ihn als Sohn der Maria Stuart gesetzt hatten, bewirkt die sogenanntePulververschwörung(1605). Doch wird der Plan, König und Parlament in die Luft zu sprengen, noch rechtzeitig vereitelt. Streitigkeiten mit dem Parlament wegen der schlechten Finanzwirtschaft des Königs und der geplanten Vermählung des Thronfolgers mit einer spanischen Infantin.
1625–1649.
Karl I., Gemahl der katholischenHenriettevon Frankreich, strebt nach unumschränkter Gewalt des Königtums. Geldverlegenheiten nötigen ihn zur Erhöhung des »Tonnen- und Pfundgeldes«, einer Steuer für ein- und ausgeführte Waren, und dann nach vergeblicher Auflösung von zwei Parlamenten zur Bewilligung derBitte um Recht(Petition of Right1628) gegen willkürliche Besteuerung und Verhaftungenglischer Bürger. Karls Günstling, der Herzog vonBuckingham, wird ermordet, als er in Portsmouth den Befehl über die zum Entsatz vonLa Rochelle(s. S. 239) bestimmte Flotte übernehmen will.
Nach Auflösung des dritten Parlaments (1629) regiert Karl 11 Jahre lang willkürlich ohne Parlament. Seine Ratgeber LordStrafford, früher Mitglied der Oppositionspartei im Unterhause, und ErzbischofLaud. Willkürliche Erhebung des »Schiffsgeldes«, einer Geldabfindung der Seestädte für die Stellung von Schiffen zum Küstenschutz;John Hampdenverweigert die Zahlung dieser Abgabe, wird gerichtlich dazu verurteilt. Dieser Prozeß ruft große Aufregung hervor. Auswanderung bedrückterPuritaner(John Milton ihr Dichter † 1674) nach den amerikanischen Kolonien,Bostongegründet 1630.
1637.
Der unkluge Versuch, die Liturgie und Verfassung der englischen Episkopalkirche in Schottland einzuführen, bewirkt offenen Aufruhr und einen förmlichenBund der Schotten(Covenant) zum Schutze der religiösen und politischen Rechte und Freiheiten ihres Landes. Um Geld zum Kriege gegen die Schotten zu erlangen, beruft der König (April 1640) ein Parlament. Dieses bewilligt nichts, sondern erneuert die alten Beschwerden. Ein kleines, durch freiwillige Spenden und Darlehen der königlich Gesinnten aufgebrachtes Heer marschiert gegen die Schotten, wird aber zurückgeschlagen.
1640. Nov.
Karl beruft von neuem ein Parlament. Dieses, das sogenannteLange Parlament, wird bald mächtiger als der König. Der MinisterStrafford, vom Unterhause vor dem Oberhause angeklagt, wird trotz seiner glänzenden Verteidigung verurteilt und hingerichtet. ErzbischofLaudverhaftet und später ebenfalls hingerichtet. Ein Aufstand der katholischenIrländervermehrt den Unwillen des englischen Volkes. Der Versuch des Königs, 5 Häupter der Opposition persönlich im Parlament zu verhaften, bringt den Aufruhr in London zum Ausbruch (1642). Parteinamen derKavaliere(Royalisten) und derRundköpfe(Republikaner). Karl verläßt London und geht nach York.
1642–1649.
Bürgerkrieg in England; den Truppen des Königs tritt einParlamentsheerentgegen. Der König, anfangs siegreich, beruft das Parlament nachOxford(1644), wo sich 83 Lords und 165 Mitglieder des Unterhauses einfinden. Dagegen Vereinigung derSchottenmit dem englischenParlamentsheere. Die Königlichen werden beiMarstonmoor(der ReiterführerCromwell) und 1645 beiNasebygeschlagen. Karl, in Oxford belagert, flieht zu den Schotten, die ihn an das englische Parlament ausliefern (Januar 1647).
Während des Bürgerkrieges wird dieEpiskopalkirchein Englandaufgehoben; gegen diePresbyterianeraber, die zum Vergleich mit dem Könige geneigt sind, erhebt sich die Partei derIndependenten, an ihrer SpitzeOliver Cromwell. Sie erlangen das Übergewicht im Heere und bemächtigen sich auch des gefangenen Königs. Cromwell schlägt die jetztzu Gunsten Karlsin England einfallendenSchottenbeiPrestonund verjagt seine presbyterianischen Gegner aus dem Parlament (1648). Das nunmehrigeRumpfparlament(Rump-Parliament) setzt den König ab und läßt ihn durch einen Gerichtshof verurteilen.
1049.
30. Jan.Karl I.zu Whitehall in Londonhingerichtet.
Abschaffung des Oberhauses. England wirdRepublik, geleitet von dem Parlament und einem Staatsrat von 42 Mitgliedern.
Christian II.vonDänemark(1513–23) versucht Schweden zu unterwerfen (vgl. S. 216), aber dasStockholmer Blutbad(1520) führt die vollständige Auflösung derskandinavischen Unionherbei. Aufstand der Talbewohner (Dalkarlar) unterGustav Wasa(geb. 1496, als Geisel nach Dänemark geführt 1518, flüchtet 1519 nach Lübeck, kehrt 1520 insgeheim zurück). Er wird 1521 zum Reichsverweser, 1523 zum König erwählt, nimmtStockholmein mit Hilfe der hansischen, von Lübeck und Danzig gestellten Kriegsflotte.
1523–1654.
HausWasa in Schweden. UnterGustav I.Wasa (1523–1560) Einführung der Reformation. Der Thron erblich; die Handelsprivilegien der deutschen Hanse werden bald beschränkt, schließlich aufgehoben (S. 201, 246).
1561.
Auflösung des deutschen Ordensstaates in Kurland,Livlandund Estland (S. 217). Der größte Teil seines Gebiets kommt anPolen, Estland anSchweden; der letzte Landmeister Gotthard Kettler wird als Herzog vonKurlandpolnischer Vasall.
Gustav Wasas ältester, geisteskranker SohnErich XIV. wird 1568 entthront von seinem BruderJohann III.Dessen SohnSigismundkatholisch und seit 1587 König von Polen, wird in Schweden 1598 verdrängt von seinem OheimKarl IX., dem jüngsten Sohne Gustavs I. Dieser ordnet die zerrüttete Verwaltung des Landes und behauptet gegen Polen den Besitz Estlands. Sein Sohn
1611–1632.
Gustav II. Adolfgewinnt im Kriege mit RußlandKarelienundIngermanland(1617), im Kriegemit Polen (S. 256),Livland(1621), schließt 1629 unter Richelieus Vermittelung mit Polen Waffenstillstand, um den Krieg in Deutschland (S. 256) zu beginnen. Ihm folgt, zuerst unter Vormundschaft des Reichsrats, seine Tochter
1632–1654.
Christine,gelehrt, aber ohne Lust für die Regierungsgeschäfte. Sie dankt 1654 ab zu Gunsten ihres VettersKarl Gustavvon Pfalz-Zweibrücken (Sohn einer Schwester Gustav Adolfs), wird dann katholisch, stirbt in Rom 1689.
DänemarkundNorwegenbleiben bis 1815 vereinigt. Schon unter Christian II., Schwager Kaiser Karls V., dringt die Reformation in Dänemark ein. Christian von seinem Oheim, dem Herzog von Schleswig-Holstein, verdrängt, der alsFriedrich I.(1523–1533) mit Hülfe Lübecks den dänischen Thron besteigt und die Reformation begünstigt.
1534–1536.
DieGrafenfehde: Jürgen Wullenwever, protestantischer Bürgermeister vonLübeck, unterstützt den Grafen Christoph von Oldenburg gegen Friedrichs I. SohnChristian III.Dieser aber behauptet die Herrschaft in Dänemark (1534–1559) und führt die Reformation vollständig durch. Wullenwever vom Erzbischof von Bremen verhaftet, an den Herzog von Braunschweig ausgeliefert, 1537 in Wolfenbüttel hingerichtet.
1559–1588.
Friedrich II.beginnt seine Regierung mit der Unterwerfung derDithmarschen(S. 216), führt
1563–1570
im Bunde mit Lübeck Krieg gegenSchweden, beschränkt die Privilegien der Hansa.
1588–1648.
Christian IV.,nimmt am 30jährigen Kriege teil (s. S. 255). Im Frieden zuBrömsebro1645 werden von ihm an Schweden die Provinzen Jämtland und Herjedalen, die Inseln Gotland und Ösel abgetreten, auch wird den schwedischen Schiffen Freiheit vomSundzollzugestanden.
Polengewinnt unter denJagellonen (1386–1572)seine größte Ausdehnung (Ostsee, Karpathen, Schwarzes Meer), doch schon in dieser Zeit entwickelt sich durch diePrivilegien des zahlreichen Adelsder Keim des Verfalls. Seit 1572 ist PolenWahlreich. Einführung desliberum vetoauf den Reichstagen. Wahlkönige:Heinrich von Anjou(s. S. 237),Stephan Bathŏryvon Siebenbürgen, dann (1587–1668) 3 Könige aus dem HauseWasa: Sigismund III.† 1632,Wladislaw IV.† 1648,Johann Kasimir(dankt ab 1668).
RußlandunterIwan IV.,dem Schrecklichen(1533 bis 1584) vergrößert durch Eroberung der ReicheKasanundAstrachan; der Kosakenhetman Jermak beginnt 1581 die EroberungSibiriens. Nach dem Aussterben des HausesRurikmit Iwans IV. SohnFeodor I.1598 (Feodors jüngerer BruderDemetrius war von Boris Godunow [Zar von 1598–1605] umgebracht worden) mehrjähriger Thronstreit; 1605–1606 regiert der von Polen unterstütztefalsche Demetrius, dem dann noch zwei andere folgen. Ein Reichstag zu Moskau erhebt 1613 MichaelRomanowauf den Thron, dessen Haus bis 1762 regiert.
Das Reich derosmanischen Türkenerreicht seine höchste Blüte unterSoliman II.(1520–1566), dem Zeitgenossen Kaiser Karls V. (vgl. S. 230–232). Er stirbt in Ungarn bei der Belagerung der vonZrinytapfer verteidigten FesteSzigeth(1566). Unter seinen Nachfolgern beginnt der Verfall, namentlich infolge der Unbotmäßigkeit derJanitscharen.
In China kommt die Dynastie derMandschuoderTsingzur Regierung (1644 bis jetzt noch). Im 17. Jahrh. der größte Teil der Dsungarei, ganz Turkestan und Tibet erobert. Auch den Russen, Franzosen und Engländern (Kanton) Handelsverkehr gestattet (S. 223f.).
Japanwird nach Abschaffung des Shogunats (1573–1603) dem Mikado nach und nach wieder Untertan. Ende des mehr als 500jährigen Bürgerkrieges. Begünstigung des Christentums. Unglücklicher Eroberungskrieg gegenKorea1598.
1603.
Das Shogunat wird vom Mikado der Familie Tokugawa erblich übertragen. Ihre Residenz Tokio. Seitdem 250jähriger Friede und hohe Kulturentwickelung. Seiden- und Baumwollenindustrie, Aufschwung der Porzellanfabrikation. Unter den Tokugawa (1603–1867) Abschließung Japans gegen das Ausland. Fernhaltung der Fremden. 1614 die fremden Priester für Landesfeinde erklärt und Ausrottung des Christentums befohlen; grausame Verfolgungen. Erst seit dem Niedergang der Tokugawa-Herrschaft Handelsbeziehungen mit Europa und Amerika angeknüpft und von 1854 an einzelne Häfen geöffnet.
1556–1564.
Ferdinand I., seit 1526 König vonBöhmenundUngarn; doch muß er die größere Hälfte Ungarns den Türken überlassen. Unter ihm und seinem Nachfolger Friedenszeit in Deutschland, aber dieOstseeprovinzen(S. 249) und dieNiederlande(S. 242ff.) gehen dem Deutschtum verloren. Während die Protestanten sich durch theologische Streitigkeiten entzweien (Haß der strengen Lutheraner an der 1548 eröffneten Universität Jena gegen den »Kryptocalvinismus« Melanchthons), befestigt sich der Katholizismus durch das eifrige Wirken derJesuiten(S. 231) und das Tridentinum(S. 232). Beginn derGegenreformation in Österreich, Bayern und den geistlichen Fürstentümern.
1564–1576.
Maximilian II.,mild und den Protestanten zugetan, denen er in seinen Erblanden freie Religionsübung gestattet. Doch wird HerzogJohann Friedrichvon Sachsen-Gotha, der im Bunde mit dem gewalttätigen Reichsritterv. Grumbachdie Länder seines Vaters (S. 232 f.) wiederzugewinnen trachtet, 1566 geächtet und bis an seinen Tod (1595) in Österreich gefangen gehalten (Grumbachsche Händel).
1576–1612.
Rudolf II.,von den Jesuiten erzogen, gelehrt, aber unfähig zu regieren. Die AstronomenTycho de Brahe(aus Schonen, † 1601) undKepler(S. 227) an seinem Hofe in Prag.
Im Reiche nehmen Streitigkeiten überhand. Sonderung der Lutheraner von den Reformierten durch dieKonkordienformel,1580 zuerst in Sachsen verkündet, aber nicht von allen lutherischen Landeskirchen angenommen. Auf den Reichstagen Streit über den geistlichen Vorbehalt (S. 234). Der Kurfürst vonKölnGebhard Truchseß von Waldburg 1583 vertrieben, weil er zum Protestantismus übertritt. InStraßburg1592 zwiespältige Bischofswahl; der von den Protestanten gewählte Administrator muß 1604 zurücktreten. Die ReichsstadtDonauwörth, vom Kaiser in die Acht erklärt, weil das Volk eine katholische Prozession gestört hatte, wird vonMaximilian von Bayern,der die Acht vollstreckt (1607), besetzt und mit Bayern vereinigt. Deshalb
1608.
Gründung der protestantischenUnion; Oberhaupt der reformierte Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz;
1609.
KatholischeLiga,Oberhaupt Herzog Maximilian von Bayern. Beide Fürsten sindWittelsbacher(S. 200, Anm. 2); Sachsen bleibt der Union fern.
1609–1014.
Jülich-Clevescher Erbfolgestreit.Johann Sigismund vonBrandenburgund Wolfgang Wilhelm vonPfalz-Neuburgnehmen das Land als das Erbe ihrer Gemahlinnen nach dem Tode des letzten Herzogs Johann Wilhelm gemeinsam in Besitz und werden von der Union gegen den vom Kaiser gesandten Erzherzog Leopold Wilhelm geschützt. Später entzweien sie sich, Wolfgang Wilhelm wirdkatholischund ruft die Hilfe derLigaundSpaniensan. Johann Sigismund tritt zurreformiertenLehre über und findet Rückhalt anHollandund Heinrich IV. von Frankreich († 1610, S. 238), doch wird ein Krieg vermieden.
Vertrag zuXanten1614:Cleve, MarkundRavensbergkommen an Brandenburg,JülichundBergan Pfalz-Neuburg. Spanische und holländische Besatzungen bleiben noch längere Zeit, erst 1666 wird der Vertrag vollständig ausgeführt.
Kaiser Rudolf, von seinem BruderMatthiasgezwungen, ihm Ungarn, Mähren und Österreich zu überlassen, gibt den Böhmen, um sie für sich zu gewinnen, den
1609.
Majestätsbrief. Dieser gestattetallen BewohnernBöhmens den Anschluß an die »utraquistische«, auf entschieden protestantischem Standpunkt stehendeBöhmische Konfessionvon 1575 und erlaubt den 3 Ständen derHerren,Ritterundköniglichen Städteden Bau von Kirchen. Der zugleich abgeschlossene, vom Kaiser anerkannte ständischeVergleichgibt diese Erlaubnis auch denUntertanenauf denköniglichen Gütern.
1611.
Rudolf verliert auch die Herrschaft über Böhmen, stirbt 1612 machtlos in Prag.
1612–1619.
Matthiasverschafft, da er kinderlos ist und seine Brüder Verzicht leisten, seinem streng katholischen, von den Jesuiten erzogenen VetterFerdinand, Herzog von Steiermark, Kärnten und Krain, die Nachfolge auch in Böhmen und Ungarn, trotz des Widerwillens der protestantischen Stände.
1618–1648.
Versuch des HausesHabsburg, im Bunde mit der katholischen Kirche die Machtstellung des Kaisertums zu erhöhen. In den drei ersten Abschnitten des Krieges überwiegt diereligiöseParteiung; aus dem Aufstand in Böhmen entwickelt sich ein großer Kampf des katholischen Europa gegen das protestantische. Zuletzt führen Schweden und Frankreich im Kampf gegen das Haus HabsburgEroberungskriegeauf deutschem Boden.
Veranlassung: Schließung der utraquistischen Kirche in Braunau im Gebiet des dortigen Abts und Niederreißung der Kirche in Klostergrab im Sprengel desErzbischofs von Prag, also in GebietengeistlicherStände, welche nach Auffassung der Protestanten kraft der böhmischen Landesverfassung alskönigliche Güterzu betrachten waren. Versammlung der 1609 mit Zustimmung des Kaisers eingesetztenDefensorenund der protestantischen Stände.
1618.23. Mai.
Aufstand in Prag; an der Spitze steht GrafMatthias von Thurn. Die StatthalterMartinitzundSlawataund der GeheimschreiberFabriciuswerden aus den Fenstern der kaiserlichen Burg hinausgestürzt, kommen aber mit dem Leben davon. Die Aufständischen übertragen die Regierung Böhmens an 30Direktoren. Aus Italien kommt GrafErnst von Mansfeldzu Hilfe, gesandt vom Herzog von Savoyen; aus Schlesien zieht Markgraf Johann Georg vonJägerndorfherbei.
1619.
Kaiser Matthias stirbt; Graf Thurn zieht gegenWien. Die österreichischen, meist protestantischenStände stellen drohende Forderungen anFerdinand, der durch die Ankunft einiger Truppen aus der gefährlichsten Lage gerettet wird. Thurn wird durch eine ungünstige Wendung des Krieges in Böhmen zum Abzug bewogen. Ferdinand begibt sich nachFrankfurt, wird dort von den drei geistlichen Kurfürsten und den Gesandten von Pfalz, Sachsen, Brandenburg zum Kaiser gewählt.
1619–1637.
Ferdinand II.Unterdessen sprechen die Böhmen seine Absetzung als König von Böhmen aus und wählen den jungenFriedrich V., Kurfürsten von der Pfalz, Oberhaupt der Union und der deutschenCalvinisten, Schwiegersohn Jakobs I., Königs von England.
Graf Thurn zum zweitenmal vor Wien, mitBethlen Gabor, Fürsten von Siebenbürgen, vereinigt (Nov. 1619). Kälte, Mangel und der Einfall eines kaiserlichen Parteigängers in Ungarn bewirken den Rückzug.
Ferdinand verbündet sich mit seinem JugendfreundeMaximilian, Herzog vonBayern, dem Haupt der katholischen Liga, welcher ihm die österreichischen Stände unterwerfen hilft, mit Spanien (Spinŏla bricht in die Kurpfalz ein) und mit dem lutherischen KurfürstenJohann Georgvon Sachsen, welcher die Lausitz und Schlesien wieder unterwirft. Maximilian von Bayern zieht mit dem Heere der Liga (Tilly) nach Böhmen, vereinigt sich mit dem kaiserlichen FeldherrnBuquoi. Beide siegen in der
1620.8. Nov.
Schlachtauf demWeißen BergebeiPragüber Friedrichs V., vom FürstenChristian von Anhaltgeführte Truppen. Friedrich, der »Winterkönig«, entflieht nach Holland, wird vom Kaiser trotz kurfürstlichen Protestes geächtet, ebenso Christian von Anhalt und der Markgraf von Jägerndorf. Strenges Walten der Sieger inBöhmen; die Häupter des Aufstandes hingerichtet, viele Güter eingezogen, der Protestantismus ausgerottet. GewaltsameGegenreformationauch in Österreich und (weniger hart) in Schlesien.
Die protestantischeUnionlöst sich auf, als die Kriegsgefahr näher rückt. Das KurfürstentumPfalzwird in Vollstreckung der Reichsacht von Maximilians FeldherrnTillymit Hilfe spanischer Truppen unterSpinŏlaerobert. Heidelberg erstürmt, die Bibliothek (Palatina) nach Rom gebracht. Tilly, 1622 beiWieslochvon Mansfeld geschlagen, siegt bald darauf beiWimpfenüber den Markgrafen von Baden-Durlach, beiHöchstüber Christian von Braunschweig, Administrator des Bistums Halberstadt.
1623.
Tilly dringt nachWestfalenvor, siegt beiStadtlohnabermals über Christian, bleibt mit seinen Truppen im niedersächsischen Kreise zum Schutz der geistlichen Gebiete. Herzog Maximilian erhält auf dem Fürstentag zu Regensburgdie pfälzischeKurwürdeund dieOberpfalz, Sachsen dieLausitz(zunächst als Pfand).
Christian IV., König von Dänemark (S. 250) und Herzog von Holstein, als Oberster des niedersächsischen Kreises (S. 224) an der Spitze der Protestanten, vonHollandundEnglandzur Wiedereinsetzung Friedrichs V. angetrieben, aber unzureichend unterstützt.
Albrecht vonWallenstein(eig.Waldstein) geb. 1583 in Böhmen, aus utraquistischer Familie, aber katholisch erzogen, 1619 Oberst, 1623 Fürst, 1625 Herzog vonFriedland, wird kaiserlicher Obergeneral über ein von ihm selbst errichtetes, durch ein Raubsystem zu erhaltendes Söldnerheer.
1626.
WallensteinschlägtMansfeldbei derDessauer Brücke, verfolgt ihn durch Schlesien und Mähren nach Ungarn, wo sich Mansfeld mitBethlen Gaborvereinigt, aber von diesem keine Hilfe erhält. Mansfeld stirbt in Bosnien. (»Imperatorem decet stantem mori!«)
1626. Aug.
Tilly schlägt Christian IV. beiLutter am Barenbergein Braunschweig. Tilly und Wallenstein erobernHolstein(1627), Wallenstein alleinSchleswigundJütland. Er besetztMecklenburg, wird vom Kaiser 1628 mit diesem Herzogtum belehnt und zum General des Baltischen und Ozeanischen Meeres ernannt. Er zwingt den Herzog vonPommernzur Unterwerfung, erhält aber von den Hansestädten keine Schiffe und belagert vergebensStralsund(1628), dessen Bürger sich mit dänischer und schwedischer Hilfe zehn Wochen lang tapfer verteidigen. Sein UnterfeldherrArnimzieht darauf mit 15000 Mann nach Westpreußen, um die Polen gegen Gustav Adolf (S. 250) zu unterstützen.
1629.
Friede zu Lübeckzwischen dem Kaiser und Christian IV. Dieser erhält seine Länder zurück, entsagt aber jeglicher Teilnahme an den deutschen Streitigkeiten. Ferdinand II. erläßt das
Restitutionsedikt: 1. Auf Grund desgeistlichen Vorbehaltes(S. 234) sollen die seit dem Passauer Vertrage 1552 von protestantischen Fürsten in Besitz genommenen geistlichen Güter herausgegeben werden. Dies betrifft 2 Erzbistümer:MagdeburgundBremen; 12 Bistümer:Minden,Verden,Halberstadt,Lübeck,Ratzeburg,Meißen,Merseburg,Naumburg(diese drei werden jedoch demKurfürsten von Sachsenausnahmsweise belassen),Brandenburg,Havelberg,LebusundKammin, außerdem viele Klöster und Stifter. 2.Nurdie Bekenner derAugsburgischenKonfession sollen freie Religionsübunghaben, alle anderen »Sekten« — also auch die Reformierten — sollen aufhören. — Anfang rücksichtsloser Ausführung des Resitutionsedikts durch die Truppen der Liga und Wallensteins.
1630.
Kurfürstentag zu Regensburg.
Die katholischen Kurfürsten, gestützt auf die lauten Klagen aller Reichsstände über die von Wallensteins Truppen verübten Grausamkeiten und Erpressungen, erlangen vom Kaiser Ferdinand II. dieAbsetzung Wallensteins.
1630.Juni
Gustav II. Adolf, König von Schweden, landet auf der Insel Usedom.
Zwecke und Gründe seiner Einmischung: Schutz der unterdrückten Protestanten; Wiedereinsetzung der Herzöge von Mecklenburg, seiner Verwandten; Sicherung seiner Herrschaft gegen die mit dem Kaiser verbündete polnische Linie des Hauses Wasa (s. S. 250); Besorgnis vor der Begründung einer kaiserlichen Seemacht auf der Ostsee.
DamaligeMachtstellungSchwedens: Finnland, Karelien, Ingermanland, Estland, Livland (S. 249 f.), gehörten zu Gustav Adolfs Reiche, Kurland stand unter schwedischem Einfluß. Es lag für einen ehrgeizigen Monarchen nahe, an die Erwerbung vonPreußenundPommernzu denken, welche das Baltische Meer völlig unter den beherrschenden Einfluß Schwedens gebracht hätte.
Nach der Eroberung der InselnUsedom,WollinundRügenbesetzt Gustav AdolfStettin, schließt ein Bündnis mit Herzog Bogislaw XIV., vertreibt die kaiserlichen Truppen aus Pommern. Subsidienvertrag mit Frankreich (Richelieu). Er rückt an der Oder vor, wo ihm Tilly entgegentritt (1631), wendet sich nach Mecklenburg, dann zur Oder zurück, nimmt die Stadt Frankfurt ein. Inzwischen hat TillyMagdeburgzu belagern begonnen. Gustav Adolf unterhandelt mit seinem SchwagerGeorg Wilhelm, Kurfürsten vonBrandenburg, der Bedenken trägt, vom Kaiser abzufallen; endlich wird ihm die FestungSpandaueingeräumt. Weitere Unterhandlungen mit Kurfürst Johann Georg vonSachsen, der neutral zu bleiben versucht. Währenddessen
1631.
(10./20. Mai.) EroberungMagdeburgsdurch Tilly. Der Sturm geleitet vonPappenheim. Furchtbares Blutbad und Plünderung durch die zügellosen Soldaten Tillys. Durch eine plötzlich an verschiedenen Stellen ausbrechende Feuersbrunst wird die Stadt Magdeburg mit Ausnahme des Domes in Asche gelegt (nichtauf Tillys Befehl).
Tilly will den Kurfürsten von Sachsen zum Anschluß an den Kaiser zwingen. Johann Georg ruft Schwedens Hilfe an.
1631.7. / 17.Sept.
Schlacht bei LeipzigoderBreitenfeld. Zuerst werden die Sachsen von Tilly in die Flucht geschlagen, dann glänzender Sieg Gustav Adolfs.
Die Sachsen unterArnim, dem früheren Unterfeldherrn Wallensteins, rücken inBöhmenein und nehmenPrag. Gustav Adolf zieht durchThüringenundFrankennach dem Rhein (über Erfurt, Würzburg, Hanau, Frankfurt). Die Pfalz erobert.Mainzbesetzt, hier Winterquartiere.
Wallenstein, vom Kaiser wieder zum Kommando und unbeschränkten Oberbefehl über alle kaiserlichen Truppen berufen, wirbt ein neues Heer und vertreibt (Mai 1632) die Sachsen aus Böhmen. Gustav Adolf zieht nachNürnbergund siegt über Tilly beiRainam Lech (5./15. April). Tilly, tödlich verwundet, stirbt in Ingolstadt.
Gustav Adolf nimmtAugsburgein, belagert vergeblich Maximilian in Ingolstadt, zwingtMünchenzur Übergabe. Wallenstein von Maximilian zu Hilfe gerufen.
1632.Juli–Sept.
Festes Lager bei Nürnberg.Gustav Adolf und Wallenstein lagern einander 7 Wochen gegenüber. Ein Angriff der Schweden auf Wallensteins Verschanzungen wird blutig zurückgeschlagen. Darauf rückt Gustav Adolf gegen die Donau, Wallenstein nach Sachsen. Auf den Hilferuf des Kurfürsten kommt Gustav Adolf in Eilmärschen herbei, vereinigt sich mitBernhard von Weimarund greift, als er hört, daß Wallenstein von Leipzig aus Pappenheim nach Nordwesten abgesandt hat, die Kaiserlichen (etwa 18000 gegen 20000 Schweden) an.
6./16. Nov.
Schlacht bei Lützen.Gustav Adolf fällt.Pappenheim, der, schnell zurückgerufen, von 3 Uhr ab mit seinen Reitern an der Schlacht teilgenommen hatte, war kurz vor dem König tödlich verwundet worden. Der Sieg der Schweden wird durch Bernhard von Weimar vollendet.
Bernhard,Gustav HornundBanérerhalten den Befehl über die schwedischen Heere. Die politische Leitung übernimmt der schwedische ReichskanzlerAxel Oxenstierna; er schließt denHeilbronner Bund: Schweden an der Spitze der 4 oberdeutschen Reichskreise (Baden, Württemberg, Hessen-Kassel, die süddeutschen Reichsstädte).