Chapter 22

1795.

England (Minister William Pitt der Jüngere) verspricht den Österreichern Subsidiengelder. Wurmser undClerfaithalten die Rheinlinie gegen Jourdan und Pichegru.

1796.

ErzherzogKarl von Österreich, Bruder des Kaisers Franz, besiegt den französischen General Jourdan beiAmberg(in der bayrischen Oberpfalz) undWürzburg, wendet sich dann gegen Moreau, der sich durch den Schwarzwald zurückzieht. Zur selben Zeit

Napoleon Bonapartes glänzender Feldzug in Italien.Er besiegt wenige Wochen nach seiner Vermählung mitJosephine, Witwe des GeneralsBeauharnais(S. 314), von Nizza aus vordringend, die Österreicher beiMillesimo, die Sardinier beiMondoviund zwingt den KönigViktor Amadeusvon Sardinien zumFrieden; Abtretung vonSavoyenundNizzaan Frankreich. Nach Erstürmung der Addabrücke beiLodi(10. Mai) zieht er inMailandein und erobert die ganzeLombardeibis aufMantua. Die Herzöge vonParmaundModĕna, derPapstundNeapelerkaufen Waffenstillstand und Frieden durch Geld und Kunstschätze. Papst Pius VI. tritt im Frieden zuTolentino(Febr. 1797) Avignon und Venaissin, die Romagna und Ancona, Bologna und Ferrara ab.

1796–1797.Juli–Febr.

Belagerung von Mantua.Die Österreicher versuchen, die Festung (General Wurmser) zu entsetzen, werden aber in mehreren Schlachten, namentlich beiArcole(Nov. 1796) undRivoli(Jan. 1797) besiegt.

1797.März

Nach dem Falle Mantuas dringtBonaparteüber die Ostalpen vor gegen Wien, währendHocheundMoreauwieder über den Rhein gehen.

Die Bewohner desvenetianischenGebiets erheben sich gegen die Franzosen, inTirolundBöhmenwird die Bevölkerung unter die Waffen gerufen.Bonaparte, in Gefahr abgeschnitten zu werden, knüpft Unterhandlungen an; Friedenspräliminarien zuLeoben(an der Mur).

Mai.

Bonaparte kehrt nach Oberitalien zurück und erklärt der RepublikVenedigden Krieg, besetzt Stadt und Gebiet ohne bedeutenden Widerstand.

In Oberitalien wird dieCisalpinische Republik(Mailand, Modĕna, Ferrara, Bologna, Romagna) eingerichtet; die RepublikGenuawird umgewandelt in dieLigurische Republik; beide von Frankreich abhängig.

1797.Sept.

Staatsstreich in Paris, die Royalisten aus dem Rat der Alten und dem Rat der Fünfhundert ausgestoßen, zwei Mitglieder des Direktoriums (CarnotundBarthélemy) zur Deportation verurteilt. Die Republik wird dadurch auf Betreiben des von Bonaparte nach Paris abgesandten GeneralsAugereaubefestigt.

Okt.

Friede zu Campo Formio(bei Udine) zwischen Frankreich und Österreich.öffentliche Bedingungen: 1. Österreich tritt dieLombardeiund dieNiederlande(Belgien und Luxemburg, S. 274) ab, erhältVenedigund dessen Gebiet, S. 304 (Venetien, Istrien, Dalmatien, aber nicht die Ionischen Inseln). 2. Zur Herstellung des Reichsfriedens und Festsetzung der Entschädigungen tritt ein Kongreß zuRastattzusammen.Geheime Bedingung: Österreich willigt in die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich; die beeinträchtigten Fürsten sollenin Deutschland entschädigt werden.

1797–1840.

Friedrich Wilhelm III., König von Preußen(s. Anhang).

1797–1799. Dez. April.

Kongreß zu Rastatt, keine Einigung erzielt.

1798.Febr.

Die Franzosen besetzen und brandschatzenRom. Errichtung derRömischen Republik. PapstPius VI.wird als Gefangener nach Valence (an der Rhone) geführt, wo er im folgenden Jahre stirbt.

Agitationen in der Schweiz (Waadtland) gegen die Regierung in Bern. Eindringen der Franzosen.

April.

Der Bund der Eidgenossen wird in dieHelvetische Republik(19 gleichberechtigte Kantone, S. 225) umgewandelt; der Bundesschatz (16 Mill. Francs) ausgeliefert;Genfan Frankreich abgetreten.

1798–1799.

Bonapartes Zug nach Ägypten, vorbereitet unter der Maske einer Unternehmung gegen England, dessen Seeherrschaft zu brechen am ersten im Mittelländischen Meere gelingen konnte.

Auslaufen der Flotte ausToulon(Mai 1798), mit 35000 Mann unterBonaparte,Berthier,Kléber,Desaix. Die bisher dem Johanniterorden (S. 242) gehörige InselMaltawird für Frankreich in Besitz genommen. Landung in Ägypten, Einnahme vonAlexandrīa. Sieg über dieMameluckenin der Schlacht bei denPyramiden(21. Juli), darauf die HauptstadtKairobesetzt. Desaix dringt nach Oberägypten vor. Französische Gelehrte (Denon, Generaldirektor der Museen, unter ihm dieVendômesäule errichtet) beginnen die Altertümer Ägyptens zu erforschen (S. 4, Anm. 1).

1798.1. Aug.

Seeschlacht bei Abukir(Nelson). Die französische Flotte von den Engländern fast vernichtet, dem Landheere die Verbindung mit Frankreich abgeschnitten. Kriegserklärung der Türkei an Frankreich.

Bonaparte unterdrückt einen Aufstand inKairound zieht darauf nachSyrien, erstürmtJaffa, kann aber das mit Hilfe von Engländern verteidigteSt. Jean d’Acre(Akkon) nicht nehmen. Pest im französischen Heere, Rückzug nach Ägypten; Landung und Niederlage der Türken beiAbukir1799.

1799–1802.

Zweiter Koalitionskrieg.

Der englische MinisterWilliam Pitt(S. 300) gewinntÖsterreich,Rußland,Neapel,Portugal,die Türkeizum Bündnis gegen Frankreich. KaiserPaul von Russland(1796 bis 1801) wird 1798 zum Großmeister des Malteserordens erwählt; eine russisch-türkische Flotte vertreibt die Franzosen von den Ionischen Inseln. Preußen unter Friedrich Wilhelm III. bleibt neutral.

Eröffnung des Krieges Ende 1798 durch einen Einfall der Neapolitaner unter dem österreichischen GeneralMackin die Römische Republik. Der Einfall wird zurückgeschlagen, der König Ferdinand IV. von Neapel (S. 305) flieht nach Palermo, sein festländisches Gebiet wird von den Franzosen besetzt und in die

1799.Jan.

Parthenopeische Republikverwandelt. Auch der Großherzog Ferdinand III. vonToskanawird verjagt. Der König Karl Emanuel IV. vonSardinienentflieht aus Turin nach der Insel Sardinien, seine festländischen Besitzungen werden in französische Verwaltung genommen und 1802 in Frankreich einverleibt.

März.

Jourdan, von ErzherzogKarlbeiOstrachund beiStockach(nördlich vom Bodensee) geschlagen, geht über den Rhein zurück.

April.

Auflösung des Kongresses zu Rastatt. Zwei von den abreisenden französischen Gesandten werden von österreichischen Husaren ermordet.

Juni.

MassénabeiZürichvon ErzherzogKarlgeschlagen, behauptet aber seine Stellung am Vierwaldstätter See. Inzwischen ist ein russisches Heer unterSuwōrow(geb. 1729) in Italien erschienen und hat sich mit den Österreichern (unterMelas) vereinigt. Die Siege beiCassanound an derTrebbiabewirken die Auflösung der Cisalpinischen, Römischen und Parthenopeischen Republik. In Neapel grausames Blutvergießen nach der mit UnterstützungNelsonserfolgten Rückkehr Ferdinands IV.

Ein neues französisches Heer unter Joubert wird beiNovi(15. Aug.) ebenfalls geschlagen; dann muß Suwōrow auf Betreiben des österreichischen MinistersThugutItalien räumen und über die Alpen ziehen (berühmter Marsch über den St. Gotthardpaß), um sich mit dem zweiten russischen Heere unterKorsakowin der Schweiz zu vereinigen. Aber dieses Heer war, da ErzherzogKarlsich nach dem Rhein gewandt hatte, vor Suwōrows Ankunft von Masséna in derzweitenSchlacht beiZürich(25. 26. Sept.) geschlagen. Suwōrow gelangt nach weiteren erstaunlich beschwerlichen Märschen und Kämpfen im Okt. in das Rheintal, führt dann voll Erbitterung gegen Österreich sein Heer nach Rußland zurück († 1800).

1799.Okt.

Einenglisch-russischesHeer unter dem Herzog vonYork(Sohn Georgs III.), welches in Holland gelandet war, wird von den Franzosen zurückgedrängt und durch die Kapitulation beiAlkmarzum Abzug genötigt.

Bonaparteeilt, nachdem er den Befehl in Ägypten anKléber(ermordet 1800) übertragen hat, mit wenigen Begleitern nach Frankreich zurück, um das Mißgeschick der französischen Waffen wieder gutzumachen. Er stürzt im Einverständnis mit den DirektorenSieyèsundRoger-Ducosund seinem BruderLucian Bonaparte, Präsidenten des Rates der Fünfhundert,

9. Nov.

durch denStaatsstreich des 18. Brumairedas Direktorium und treibt am folgenden Tage den Rat der Fünfhundert auseinander.

1799–1804.

Konsularregierung,

Napoléon Bonapartean der Spitze des Staates alserster Konsulauf 10 Jahre; neben ihm zwei von ihm ernannte Konsuln mit nur beratender Stimme.

Dieneue (vierte) Verfassung, vonSieyèsentworfen, aber von Napoleon bedeutend verändert, durch Abstimmung von der ganzen Nation angenommen, läßt denSchein einer Republikbestehen, schafft aber in Wirklichkeit eineMilitärmonarchie. EinSenat(80 reich besoldete und wenig beschäftigte Senatoren) ernennt aus den von den Departements eingesandten Namenlisten dieMitglieder der gesetzgebenden Gewalt, die obersten Beamten und Richter. Gesetzgebende GewaltohneVorschlagsrecht: a)Tribunat(100), verhandelt über die Vorschläge der Regierung, ohne abzustimmen; b)Gesetzgebender Körper(300), hat diese Vorschlägeohne Debatteanzunehmen oder abzulehnen. Dieausübende Gewalthat dererste Konsul, dem ein Staatsrat zur Seite steht.Talleyrand(früher Bischof von Autun, dann im Dienst der Revolution) Minister des Auswärtigen (bis 1807).

Die Verwaltung wird neu geordnet und wieder zentralisiert (S. 308): strenge Abhängigkeit derPräfektenin den Departements und ihrer Unterbeamten von der Regierung in Paris. Ordnung der Finanzen hergestellt; Verbesserung der Rechtspflege, Ausarbeitung eines neuen Gesetzbuches (Code Napoléon1804).

Die Friedensanträge des ersten Konsuls werden zurückgewiesen, nur KaiserPaulvon Rußland wendet sich von der Koalition ab. Er erneuert die bewaffnete Seeneutralität (S. 297). Denselben Zweck verfolgt dieNordische Konventionzwischen Rußland, Schweden, Dänemark, Preußen (1800), gegen England gerichtet.

1800.

Napoleonführt sein Heer (32000 Mann) über denGroßen St. Bernhard(Umgehung des FortsBard), schlägt die Österreicher unterMelasbeiMarengo(14. Juni, Gen. Desaix †, als er Napoleon im kritischen Augenblick noch zu Hilfe kommt) und stellt die Cisalpinische Republik wieder her.

In Deutschland dringt GeneralMoreauunter siegreichen Gefechten bisMünchenvor, schlägt (3. Dez.) die Österreicher nochmals beiHohenlinden(östlich von München), schließt dann Waffenstillstand zuSteyer.

1801.

Friede zu Lunéville: 1.Kaiser und Reichwilligen in dieAbtretung des linken Rheinufers an Frankreich; die Fürsten, welche Gebiet verlieren, sollenin Deutschland entschädigtwerden. 2. Anerkennung der Batavischen, Cisalpinischen, Ligurischen, Helvetischen Republik. — Deutschland verliert durch diesen Frieden mit Einschluß des belgischen Gebietes (vgl. S. 225, 316) 63000 qkm. (1150 □ Meil.) mit beinahe 3½ Mill. Einwohnern. Die schmachvollen Unterhandlungen über die Entschädigungen ziehen sich2 Jahrehin.

Toskanaendlich wird zu Gunsten des inParmaregierenden spanisch-bourbonischen Herzogs Ludwig I. (S. 284) in ein von Frankreich abhängigesKönigreich Etrurienverwandelt. Ferdinand III. von Toskana erhält dafür das vergrößerte Erzbistum Salzburg und die Kurwürde. Ebenso tauscht HerzogHerkules III.vonModena(S. 341) gegen sein Land den Breisgau und die Ortenau ein.

1801–1825.

Alexander I., Kaiser von Russland, nach Ermordung seines Vaters Paul I. durch Verschworene. Aussöhnung Rußlands mitEngland, Auflösung der Nordischen Konvention.

1801.

Die Franzosen räumen Ägypten; das Heer wird auf englischen Schiffen nach Frankreich zurückgebracht.

Konkordatzwischen dem neuen (S. 316) PapstPius VII.und der französischen Republik. Der Papst erkennt die Einziehung der Kirchengüter an, willigt ein, daß die Erzbischöfe und Bischöfe von der französischen Regierung ernannt werden, und behält sich nur die Bestätigung vor, begnügt sich mit dem Besitz desverkleinertenKirchenstaats (S. 315).

1802.März.

Friede zu Amienszwischen Frankreich und England (nach Rücktritt des MinistersPitt):

1. Herausgabe aller von England gemachten Eroberungen an Frankreich und seine Verbündeten mit Ausnahme vonTrinidad, welches Spanien, undCeylon(S. 314), welches die Batavische Republik abtritt. 2.Malta(von den Engländern 1800 erobert) soll dem Johanniterorden zurückgegeben werden. Infolge dieses Friedens ebenfallsFriedezwischenFrankreichund derPforte.

Stiftung desOrdens der Ehrenlegion; monarchisches AuftretenNapoleons. Er läßt sich zum Präsidenten derItalienischen(bisher Cisalpinischen) Republik wählen und übernimmt auf Grund einer Volksabstimmung in Frankreich (3½ Millionen Stimmen) das

1802.Aug.

Konsulat auf Lebenszeit.ElbaundPiemontwerden mit Frankreich vereinigt. DieHelvetische Republikerhält durch dieMediationsakteeine neue Verfassung (1803).

Für die inneren VerhältnisseDeutschlandswird der Friede zu Lunéville nach einem vonFrankreichundRußlandfestgesetzten Entschädigungsplan zur Ausführung gebracht durch den

1803.Febr.

Reichsdeputations-Hauptschlußzu Regensburg. VongeistlichenStänden bleiben nur: 1. der bisherige Kurfürst von Mainz, von jetzt abKurerzkanzlerund Fürst Primas (v. Dalberg), mit einem Gebiet, gebildet aus Überresten des Erzstifts Mainz auf demrechtenRheinufer, dem BistumRegensburgund den StädtenRegensburg,AschaffenburgundWetzlar; 2. derJohanniter- und derDeutschordensmeister. Von den 52 freienReichsstädtenbestehen nur6fort, die 3 HansestädteLübeck,Hamburg,Bremen, fernerFrankfurt,Augsburg,Nürnberg. Alle übrigen geistlichen Gebiete und Reichsstädte werden zu Entschädigungen verwendet. Die KurfürstentümerTrierundKölngehen ein.Vier neue Kurfürstentümer: Hessen-Kassel, Baden, Württemberg, Salzburg.

Hauptsächlichste Entschädigungen: 1. Großherzog vonToskana:SalzburgundBerchtesgaden. 2. Herzog vonModĕna:Breisgau(wofür Österreich die StifterTrientu.Brixenerhält). 3.Bayern: BistümerWürzburg,Bamberg,Freising,Augsburg, Abteien und Reichsstädte in Franken und dem östlichen Schwaben. 4.Badenerhält den rechtsrheinischen Teil derPfalz(Heidelberg, Mannheim) und der Bistümer Straßburg,Speier, Basel, Konstanz. 5.Württemberg: mehrere Klöster und Reichsstädte, besondersReutlingen,Eßlingen,Heilbronn.6.Preußen: die BistümerMünster,Paderborn,Hildesheim,das mainzischeThüringen(Eichsfeld und Erfurt), mehrere Abteien, besondersQuedlinburg, und die ReichsstädteMühlhausen,Nordhausen,Goslar.7.Oldenburg: BistumLübeck.8.Hannover: BistumOsnabrück. 9.WilhelmvonOranien,Sohn des Erbstatthalters von Holland: StifterFuldaundCorvey.Im allgemeinengewinnendie entschädigten Fürsten bedeutend an Gebiet und Untertanen, z.B. erhält Preußen 13000 qkm (240 □ Meilen), für 2600 qkm (48 □ Meilen); die übergroße Zahl der deutschen Kleinstaaten wird vermindert.

1803.

Neuer Bruch zwischenFrankreichundEngland. England gibt Malta nicht heraus, fordert die Entfernung französischer Truppen aus der Batavischen Republik und der Schweiz, auch Herausgabe von Piemont. Aufenthalt der bourbonischen Prinzen in London. Die Franzosenbesetzen Hannover;das Lager beiBoulognebedroht England mit einer Landung. WilliamPittwiederum leitender Minister in England († 1806).

1804.

Verschwörung gegen das Leben des ersten Konsuls entdeckt.Pichegruerdrosselt im Gefängnis gefunden,George Cadoudalhingerichtet,Moreauverbannt, geht nach Amerika. DerHerzog von Enghien(bourbonischer Prinz von der Nebenlinie Condé) wird als an der Verschwörung beteiligt aus Ettenheim in Baden mit Gewalt entführt und auf Napoleons Befehl in Vincennes (bei Paris) erschossen. Tribunat und Senat beschließen die Umwandlung der Republik Frankreich in ein erblichesKaiserreich; der Beschluß wird durchVolksabstimmung(mit über 3½ Mill. Stimmen) genehmigt.

1804. 2. Dez.

Napoleonkrönt sich und seine GemahlinJosephine Beauharnaisin der KircheNotre-Damezu Paris, nachdem Papst Pius VII. die Ceremonie der Salbung vollzogen hat.

1804–1814(15).

Napoleon I., Kaiser der Franzosen.Einrichtung eines glänzenden Hofstaates. Großwürdenträger, 18 Maréchaux de l’Empire. Neuer Adel.Senatundgesetzgebender Körperbleiben, aber ohne selbständige Befugnisse, das Tribunat wird 1807 aufgehoben.

1805.

Napoleon,König von Italien.Sein StiefsohnEugenBeauharnais, Vizekönigvon Italien. DieLigurische Republikwird in Frankreich einverleibt.

Die Familie Bonaparte.Carlo Bonaparte, †1785, Gem. Maria Lätitia Ramolino, †zu Rom 1836.____________________________|________________________________...|                       |                |             |Joseph,Napoléon I.Lucian,        Elise,K. v. Neapel 1806, 1804–1814,          F. v. Canino,  Fürstin vonK. v. Span. 1808,  †1821.              †1840.         Piombino,†als Gr. v.        Gem.                 |             †1820.Sur-villiers      1. Josephine          |1844.             Beauharnais,       Karl Lucian,†1814.             F. v. Canino.2. Marie Luise v.Österreich, †1847.(Hzgin. v. Parma.)______________|______________________________|                              |              |Stiefkinder:                Adoptiert:    Eigenes Kind:a) Eugen,    b) Hortense,   c) Stephanie, Napoleon (II.),Vizek. v.    Gem. v. Ludw., Großhzgin.    König v. Rom,Italien      K. v. Holland, v. Baden,     †als Hz.(Gem. Przn.  †1837.         †1860.        v. Reichstadtv. Bayern),                               1832.†als Hz. v.Leuchtenberg1824._|_____________________________________________________________________|              |               |           |                |           |Josephine   Eugenie         August,      Amalie          Theodelinde   Max,(Gem. Oskar (Gem. Fürst von Hz. v.       (Gem. Pedro I., (Gem. Gr. v.  Hz. v.I., König   Hohenzollern-   Leuchtenberg Kaiser          Württemberg)  Leuchtenberg,von         Hechingen),     (Gem. d.     v.              †1857.        †1852.Schweden)   †1847.          Kgin. v.     Brasilien),†1876.                      Portugal).   †1873.†1835.Carlo Bonaparte, †1785, Gem. Maria Lätitia Ramolino, †zu Rom 1836....____________________________|_______________________|              |              |               |Ludwig,Pauline,      Karoline,      Jérôme,K. v. Holland   (Gem. Fürst   (Gem. Joachim  K. v. Westf.(Gem. Hortense, v. Borghese), Murat, K. von  (Gem. Przn.Stieftochter    †1825.        Nepal),        v. Württemb.),Napoleons I.).                †1839.         †1860.†1846.                                         ||                                           |__|____________                          Jérôme Napoléon, †1891,|               |                    Gem. Clotilde v. Italien, †1911.Ludwig,     Karl Ludwig                _____________|_____________Großhzg. v. (seit dem                 |             |             |Berg u.     Tode seines          Napoleon Victor,  Louis.   Maria Lätitia,Cleve,      Bruders gen.         Gem. Clementine            Gem. Amadena,†1831.Louis Napoléon)        v. Belgien.              Hz. v. Aosta,als Kaiser                                      †1890 (König v.Napoléon III.,        Gem. Eugenie Montijo,     Spanien1852–1870. †1873.     Gräfin v. Teba.           1870–1873).|____________________||Napoleon (Prince-Impérial),†1879.

Napoleons Pläne zur Vernichtung Englands (die Flotte inBrestsoll die Landung des Heeres in England decken, die Geschwader inToulonundRochefortdie englische Flotte nach Westindien locken) werden vereitelt durchNelsonsenergische Maßregeln und durch den

1805.

Dritten Koalitionskrieg.

England, Rußland, ÖsterreichundSchweden(Gustav IV., 1792–1809) einigen sich zur Herstellung des europäischen Gleichgewichts.Spanienmit Frankreich verbündet.

Das Lager beiBoulognewird aufgehoben. Die französischen Heere rücken unterDavout, Soult, Lannes, Neynach dem Rhein zu gegen Österreich,Napoleonvereingt seine Truppen (200000 Mann) an der oberen Donau.Bernadotte, von Hannover kommend, marschiert durch das neutrale ansbachische Gebiet Preußens.Bayern, Württemberg, Badenverstärken Napoleons Heer. Nach mehreren unglücklichen Treffen wird der österreichische General

1805.Okt.

MackinUlmmit 25000 Mann zur Ergebung genötigt und kriegsgefangen.

Der Seekrieg (seit 1803) von England glänzend beendet durch

21. Okt.

Nelsons Seesieg bei Trafalgarunweit Cadiz über die französische und spanische Flotte, welche auf Napoleons bestimmten Befehl aus Cadiz ausgelaufen war.Nelson† (»England expects every man to do his duty«).

Die Franzosen marschieren aufWien, das Napoleons SchwagerMuratohne Widerstand einnimmt. ErzherzogKarl,der in Italien mitMassénagekämpft hat, zieht sich über die Ostalpen zurück; ein russisches Heer unterKutūsow, ein zweites unterKaiser Alexanderrückt heran.

3. Nov.

Bündnis Alexanders mit Friedrich Wilhelm III. zuPotsdam(am Sarge Friedrichs d. Gr.).

2. Dez.

Drei-Kaiser-Schlacht bei Austerlitz(in Mähren).Napoleonsiegt über die vereinigtenRussenundÖsterreicher, ehe Erzherzog Karl angekommen ist. Waffenstillstand mit Österreich, Rückzug der Russen.

15. Dez.

VertragPreußens, das soeben noch bereit war, der Koalition beizutreten, mitNapoleonzuSchönbrunn(Gesandter Graf Haugwitz). Preußen tritt an Frankreich den rechtsrheinischen Rest vonCleve(Wesel) undNeuchâtel,an Bayern, dasBergan Frankreich überläßt,Ansbachab, erhält dafür (das den Engländern erst abzuringende)Hannover,schließt mit Frankreich ein Schutz- und Trutzbündnis.

26. Dez.

Friede zu Preßburg: 1. Österreich trittVenedignebst Gebiet (S. 316) an das KönigreichItalienab, als dessen König esNapoleonanerkennt. 2. Österreich tritt anBayernab:Tirol,Vorarlberg,Burgau,Lindau,ferner die BistümerBrixen, Trient, Eichstädt, Passau; außerdem erhält Bayern die freie StadtAugsburg. 3. Von Österreich erhaltenWürttembergundBadendie noch übrigen vorderösterreichischen Besitzungen in Oberschwaben, den Breisgau, die StadtKonstanzu. a., dazu kommen die Gebiete des Deutschen Ordens und der Johanniter (Malteser) in Süddeutschland (Mergentheim, s. S. 179). 4. Bayern und Württemberg werden alsKönigreicheanerkannt. 5. Österreich erhält als Entschädigung:Salzburg, Berchtesgadenund die Güter desDeutschen Ordens; der Kurfürst vonSalzburgbekommt von BayernWürzburgals Entschädigung.Rußlandbleibt im Kriegsstande, ebenso England und Schweden.

1805.Dez.

Das Haus Bourbon inNeapel(S. 305) wird durch eine Verfügung Napoleons aus Schönbrunn (La dynastie de Naples a cessé de régner) entthront. Von Paris aus verfügt er weiter über die unterworfenen Länder.

1806.

Joseph, Napoleons älterer Bruder, wird König von Neapel. Der Hof von Neapel zieht sich nachPalermozurück. Sicilien ist für Napoleon unerreichbar, da die Engländer das Meer beherrschen.

Joachim Murat,Schwager Napoleons, wird Großherzog vonBerg(bisher zu Bayern gehörig, S. 289, 323). MarschallBerthierwird Fürst vonNeuchâtel.LouisBonaparte, Napoleons dritter Bruder, Gemahl seiner StieftochterHortense Beauharnais,wird König vonHolland(frühere Batavische Republik). Seine SchwesternEliseundPaulineerhalten die FürstentümerPiombino(mitLuccaundCarrara) undGuastalla.

Juli.

Errichtung des Rheinbundes(s. S. 266).

NapoleonProtektor.Der bisherige Kurerzkanzler des ReichesFürst Primasdes Rheinbundes, die Könige vorBayernundWürttemberg, Großherzöge vonBaden, Hessen DarmstadtundBerg, Herzog vonNassauu. a. treten bei. Die andern regierenden deutschen Fürsten schließen sich nach und nach an mit Ausnahme derer vonÖsterreich, Preußen, BraunschweigundKurhessen.

Viele bis jetzt reichsunmittelbare Fürsten (Fürstenberg, Öttingen, Hohenlohe, Thurn und Taxis, Leiningen, Solms, Sayn-Wittgenstein u. a.), Grafen (Castell, Erbach, Stolberg, Metternich u. a.) und Ritter (Reichsfreiherr vomStein) werden alsMediatisierteden Rheinbundfürsten untertan; die bisherige ReichsstadtNürnbergkommt an Bayern,Frankfurtan den Fürsten PrimasDalberg(Großherzog von Frankfurt). Der Rheinbund hat dem französischen Kaiserreich 63000 Mann Truppen zu stellen.

KaiserFranz, der schon 1804 den TitelKaiser von Österreichangenommen hatte, legt (6. Aug.) die deutsche Kaiserwürde nieder.Ende des alten Deutschen Reiches.

1806–1807.

Krieg Frankreichs gegen Preußen und Rußland.

Gründe der preußischen Kriegserklärung: Errichtung des Rheinbundes, Wegnahme vonEssenundWerdendurch den Großh. von Berg; Anerbieten Napoleons an England, Preußen das ihm soeben aufgedrängte LandHannoverwieder abzunehmen, während er Preußen zur Bildung einesnorddeutschen Bundesauffordert (den betreffenden Fürsten aber heimlich abrät).

Gefahrvolle Lage Preußens beim Ausbruch des Krieges. Das Heerwesen veraltet (Kanton- und Werbesystem), die Leitung unentschlossen. Keine Bundesgenossen außerKursachsen, Weimar(HerzogKarl August),Oldenburg, Mecklenburgund dem fernenRußland; dazu Entzweiung mit England wegen Hannover.

1806.Sept.

Zusammenziehung des preußischen Heeres in Thüringen unter Anführung desHerzogs von Braunschweig(S. 313).

10. Okt.

Die Vorhut der Preußen beiSaalfeldgeschlagen, PrinzLouis Ferdinand, Neffe Friedrichs des Großen (geb. 1772), fällt. Das Hauptheer wird in der

14. Okt.

Doppelschlacht bei Jena und Auerstädtvollständig besiegt. BeiJenakämpft Napoleon selbst gegen den Heeresteil des Fürsten Hohenlohe, beiAuerstädtMarschall Davout gegen den Herzog von Braunschweig und König Friedrich Wilhelm III. Rückzug des geschlagenen Heeres über Magdeburg; die FestungErfurtergibt sich am 16. Oktober. Die Reservearmee unter Prinz Eugen von Württemberg wird am 17. Oktober beiHallevon Bernadotte geschlagen.Spandauergibt sich am 25. Oktober, am 27. zieht Napoleon inBerlinein. Friedrich Wilhelm III. flüchtet mit der königlichen Familie über Küstrin und Graudenz nach Königsberg.

Hohenlohe kapituliert mit 10000 Mann beiPrenzlau(28. Okt.).Blücher[53]schlägt sich mit 18000 Mann durch bisLübeck, wird dort von französischer Übermacht besiegt (6. Nov.) und ergibt sich mit dem Rest seiner Truppen (9400 Mann) beiRatekau(7. Nov.). Sehr bald ergeben sich die FestungenStettin,Küstrin,Magdeburg,Hameln; dagegenKolberg(Gneisenau,Schill,Nettelbeck) undGraudenz(Courbière) halten sich tapfer bis zum Frieden.

Ganz Norddeutschland von den Franzosen besetzt. Der bei Auerstädt schwer verwundete Herzog von Braunschweig stirbt als Flüchtling (10. Nov.) zu Ottensen bei Hamburg.

21. Nov.

Von Berlin aus verfügt Napoleon dieKontinentalsperregegen England. Einmarsch der Franzosen, Bayern und Württemberger inSchlesien, wo nur die FestungenKoselundGlatzsich behaupten.

Dez.

Napoleon schließt inPosenFrieden und Bündnis mit dem KurfürstenFriedrich August III.vonSachsen, welcher als König dem Rheinbunde beitritt. Inzwischen sind zweirussische Heereherangekommen; blutige Gefechte beiPultuskzwischen Russen und Franzosen. Letztere beziehen Winterquartiere an der Weichsel (Napoleon 2. Jan. in Warschau), dringen dann nach Ostpreußen vor.

1807.7. u. 8. Febr.

Schlacht bei Preußisch-Eylau.Der mörderische Kampf bleibt unentschieden, doch schlagen die Preußen (unterL’EstocqundScharnhorst) den rechten Flügel der Franzosen zurück. Abermals Winterquartiere. KönigFriedrich Wilhelm III.geht mit seiner GemahlinLuise, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz (geb. 1776) und seinen Kindern nachMemel

26. Mai.

Danzignach tapferer Verteidigung (Gen.v. Kalkreuth) von den Franzosen genommen. Nach mehreren unentschiedenen Treffen siegt Napoleon in der

14. Juni.

Schlacht bei Friedlandüber dieRussen.Königsbergund das Land bis zumNiemenvon Napoleon besetzt. Waffenstillstand. ZusammenkunftNapoleons,AlexandersundFriedrich Wilhelms III.auf demNiemen. Vergeblicher Versuch der Königin Luise, Napoleon zu milden Friedensbedingungen zu bewegen.

7. u. 9. Juli.

Friede zu Tilsit. A. Rußlanderkennt 1. das HerzogtumWarschau(gebildet aus bisher preußischen Gebieten, S. 298) unter dem Könige von Sachsen an.Danzigwird freie Stadt, ein Teil vonNeu-Ostpreußen(Bialystock) an Rußland abgetreten. 2. Rußland erkenntJoseph Bonaparteals König von Neapel,Louis Bonaparteals König von Holland,Jérôme Bonaparteals König des neu zu bildenden KönigreichsWestfalen, ferner den Rheinbund an. 3. Es nimmt Napoleons Vermittelung zum Frieden mit den Türken an (1806 russische Kriegserklärung an die Türkei wegen Verletzung des Friedens vonJassy, S. 297),Napoleondagegen die VermittelungAlexanderszum Frieden mit England. In einemgeheimenArtikel verpflichtet sich Alexander, falls England den Frieden nicht annimmt, zu einem Bündnis mit Frankreich gegen EnglandB. Preußentritt ab: a) zur freien Verfügung Napoleonsalle Länder zwischen Rhein und Elbe,b) anSachsenden Kottbuser Kreis, c) zur Bildung des HerzogtumsWarschaualle nach 1772 von Polen gewonnenen Länder, auchDanzigund Gebiet. 2. Es erkennt die drei Brüder Napoleons als Könige an. 3. Alle preußischen Häfen sind bis zum Frieden mit England dem britischen Handel verschlossen. — Über die Rückgabe und Räumung der preußischen Provinzen und Festungen bestimmt derVertrag zu Königsberg(12. Juli), daß erst alle rückständigen Kriegsentschädigungen von Preußen abgetragen werden müssen.

Die Entschädigungen, nach preußischer Rechnung noch 19 Millionen Franks, nach französischer 154, werden 1808 durch denVertrag zu Parisauf 140 Millionen festgesetzt; auch wird bestimmt, daß Preußen nur ein Heer von 42 000 Mann halten dürfe. Starke französische Besatzungen bleiben in den OderfestungenStettin, Küstrin, Glogau; das übrige Land wird Ende 1808 geräumt. Bis dahin muß der von 5570 auf 2877 □ Meilen verminderte preußische Staat 150000 Franzosen ernähren.

1807. Aug.

Gründung desKönigreichs Westfalen(HauptstadtKassel) durch eine Verfügung Napoleons, der sich die Hälfte der Domänen vorbehält.Hannoverbleibt von den Franzosen besetzt, ebenso die StädteDanzigundErfurt.

SchwedenunterGustav IV.(1792–1809) verharrt in Feindschaft gegen Frankreich.StralsundundRügenwerden von französischen Truppen besetzt (1807, Aug.),Finnlandvon russischen.

Gewalttat der Engländer gegenDänemark, das aufgefordert war, ein Bündnis zu schließen und seine Flotte den Engländern in Gewahrsam zu geben. Eine englische Flotte beschießt (1807, Sept.)Kopenhagenund führt die dänische Flotte weg. Die InselHelgolandwird englische Seestation. BündnisDänemarksmit Frankreich;Rußlanderklärt den Krieg an England.

Portugal, welches, mit England verbündet, dem Kontinentalsystem nicht beitreten will, wird von einem französischen Heere unterJunotbesetzt (1807, Nov.). Die königliche Familie flieht nach Brasilien.

InSpanienrücken unter dem Vorwande, die Küsten gegen die Engländer zu schützen, 80000 Franzosen ein. KönigKarl IV.dankt infolge eines gegen seinen GünstlingGodoy(S. 315) ausgebrochenen Aufstandes zu Gunsten seines SohnesFerdinand VII.ab (1808, März). Vater und Sohn geraten in Streit, werden von Napoleon nachBayonnegelockt und gezwungen, dem Throne zu entsagen (Mai). Napoleon ernennt seinen BruderJosephzum König von Spanien; an Josephs Stelle wird Murat König von Neapel.Etrurien(S. 319) mit Frankreich vereinigt.

AllgemeinerAufstand der Spanier; der französische General Dupont wird beiBaylen(in der Sierra Morena) mit 20000 Mann gefangen (1808, Juli). Die Engländer unterWellesley(geb. 1769, anfangs in holländischen Diensten, dann 1796–1805 Offizier in Ostindien, † 1852) landen in Portugal und zwingen Junot beiCintrazur Ergebung (Aug.); er wird mit 21000 Mann auf englischen Schiffen nach Frankreich gebracht.

1808–1814.

Krieg Napoleons in Spanien und Portugal.

Napoleon, seit demFürstentag zu Erfurt(1808, Okt.), wo ihm 4Königeund 34Fürstenund Prinzen aus Deutschland ihre Huldigungen darbringen, enger mitKaiser Alexanderverbündet, eilt selbst mit 150000 Mann nach Spanien, rückt bisMadridvor, vertreibt (mitSoult) die Engländer aus Spanien, kehrt dann nach Paris zurück (1809, Jan.). Fortdauernder Volkskrieg (Guerilla) der Spanier, von den Engländern unterstützt. Die FestungSaragossawird nach heldenmütiger Verteidigung (GeneralPalafox) im Februar 1809 von den Franzosen erobert. GeneralWellesleynötigt den Marschall Soult zum Abzug ausOporto, wird nach dem Siege überJosephbeiTalavera(1809, Juli) zumLord Wellingtonerhoben und leitet die fernere Kriegführung in Spanien mit Ausdauer und Umsicht (S. 331, 337 ff.).

1807–1811.

Neubau des preußischen Staates.

König Friedrich Wilhelm III. beruft den Freiherrnvom Stein[54]als leitenden Minister nach Königsberg.Aufhebung der Erbuntertänigkeit1807 (9. Okt.),Städteordnung1808 (19. Nov.). Vereinfachung der Ministerien und Verwaltungbehörden. Auf Verlangen Napoleons Stein entlassen Nov. 1808; dann durch ein Dekret Napoleons aus Madrid geächtet flieht er nach Österreich. Sein Nachfolgerv. Hardenberg[55]ordnet die Steuern, führtGewerbefreiheitein. GleichzeitigNeuordnung des Heeresauf Grund derallgemeinen Wehrpflicht(1814gesetzlich eingeführt) durchScharnhorst.[56]Seine Mitarbeiterv. Gneisenau,v. Grolmann,v. Boyen,v. Clausewitzu. a.

InBerlinhältFichte, während noch französische Besatzung dort liegt, seine »Reden an die deutsche Nation«. Friedrich Wilhelm III. kehrt Ende 1809 von Königsberg nach Berlin zurück.1810, am19. Juli, Tod der edlen KöniginLuisein Hohenzieritz. Errichtung derBerliner Universität(W. v. Humboldt, Fichte, Niebuhr, Savigny, Schleiermacher). 1811 eröffnetF. L. Jahnden erstenTurnplatzin der Hasenheide bei Berlin.

Die Befreiung Deutschlands und Europas von dem französischen Joche wird vorbereitet. (E. M. ArndtsSchrift: Geist der Zeit, die LiederTh. Körners,Fr. Rückerts[Geharnischte Sonette],M. v. Schenkendorfs.) Vergebens versucht Österreich (leitender Minister seit 1805 GrafStadion) allein diese Befreiung, als Napoleon durch den Kampf in Spanien gehemmt zu sein scheint.

1809.

Krieg gegen Österreich.

ErzherzogKarl, als Befehlshaber des nachBayern, ErzherzogJohannan der Spitze des nachItalienvorrückenden österreichischen Heeres, fordern die deutschen Völker auf zur Teilnahme an dem Kampfe gegen die französische Herrschaft. NurTirolerhebt sich (Andreas Hofer,Speckbacher,Haspinger).

Napoleon greift, namentlich mitdeutschenTruppen, den ErzherzogKarlin Bayern an, drängt ihn nach

April.

fünftägigen Gefechten beiAbensberg,Landshut,EckmühlundRegensburgüber die Donau nach

13. Mai.

Böhmen und besetztWienzum zweitenmal. Sein Versuch, von der InselLobauaus das linke Donauufer zu besetzen, wird vereitelt durch die blutige


Back to IndexNext