Chapter 28

1881.

FrankreichnimmtTunisin Besitz, ohne die Proteste der Türkei und die Verstimmung Italiens zu beachten.

1883.

Das ReichAnamin Hinterindien (vgl. S. 369) tritt die ProvinzTonkingan Frankreich ab und wird bald darauf französischer Schutzstaat. Frankreich behauptet diese Erwerbung im Kriege gegen China (1884–1885).

1885.

Die InselMadagaskarkommt unter französische Schutzherrschaft; die Regierung der Königin der malaiischenHova,Ranavalo Manjaka III., inTananarivo1896 aufgehoben.

1887–1894.

PräsidentCarnot; Wehrgesetz, Freundschaft mit Rußland. Carnot wird von einem Italiener ermordet, sein NachfolgerPérierdankt Jan. 1895 ab, dann folgtFaure, 1899–1906Loubet, beide bemüht, die Freundschaft mit Rußland zu erhalten. 1897 Unfallversicherung, 1901 Vereinsgesetz zur Beschränkung der geistlichen Orden und Kongregationen. 1903 Unterrichtsgesetz, Einrichtung weltlicher Volksschulen an Stelle der von Geistlichen geleiteten. 1905 Gesetz über Trennung von Kirche und Staat; deshalb Streit mit der katholischen Kirche. Der Kirchenbesitz wird den Gemeinden überwiesen. Gesetz über Altersunterstützung und Sonntagsruhe. Seit 1906 PräsidentFallières. 1907 und 1911 Winzerunruhen. Die Beziehungen Frankreichs zu England gestalten sich immer enger; das Bündnis mit Rußland bleibt erhalten.

1890.

Frankreichs Herrschaft im Gebiet des mittlerenNiger(Sudan), der westlichen und mittlerenSaharavon England anerkannt (S. 407) und 1904 erweitert (s. S. 405).

1891.

Tahiti, schon früher französischer Schutzstaat, wird nach dem Tode des englisch-protestantischen Königs Pomare V. französisches Gebiet.

1892.

Behanzin, König vonDahomey, (Ober-Guinea) besiegt. Sein Reich wird französische Kolonie.

1893.

In Hinterindien weiter vordringend nimmt Frankreich einen großen Teil des ReichesSiamin Besitz. 1904 derMenamals Grenze der französischen und englischen Einflußsphäre festgesetzt. 1907 wieder 3 Provinzen an der Grenze von Kambodscha an Frankreich abgetreten.

1898.

Frankreich versucht vom Kongo aus vordringendFaschodaam oberen Nil zu besetzen (GeneralMarchand), wird aber durch Kriegsdrohung Englands und Einmarsch des Gen.Kitchenergenötigt, dies aufzugeben.

1905.

NachAbschluß eines Vertrages mit England(8. April 1904), der alle kolonialen Differenzen aus dem Wege räumt (Frankreich erkennt Englands Herrschaft in Ägypten an, England räumt den Franzosen die Vorherrschaft inMarokkoein u. a. m.), sucht Frankreich die Schutzherrschaft über das ReichMarokkozu erwerben. WiderspruchDeutschlands; Reise Kaiser Wilhelms II. nachTanger. Eine Konferenz der am Handel mit Marokko beteiligten Staaten inAlgeciras(bei Gibraltar) beschließt (Febr. 1906) Reformen für Marokko unter gemeinsamer Aufsicht der in Tanger wohnenden Gesandten. Frankreich erhält eine bevorzugte Stellung in Marokko.

Ein östlicher, an Tunis angrenzender Teil des Reiches Marokko bleibt von den Franzosen besetzt; 1907 besetzen sie auch die HafenstadtCasablancaund das benachbarte Schauja-Gebiet. Sultan Muley Hafid, seit 1908 von den europäischen Staaten anerkannt, sucht sich ihren Forderungen zu entziehen. 1909 KriegSpaniensgegen dieRifkabylen. Schwere Kämpfe umMelilla(s. S. 413). Die Häuptlinge unterwerfen sich. Gleichzeitig der ThronprätendentBu Hamaraim Kampfe gegen Muley Hafid. Ersterer besiegt und gefangen. Die Konsuln der Mächte schreiten ein gegen Muley Hafids Grausamkeiten.

1911.

Neue Unruhen in Marokko. Der Sultan, von feindlichen Stämmen inFezeingeschlossen, ruftFrankreichsHilfe an. Darauf französische Expedition nach Fez, angeblich zum Schutz der bedrohten Europäer. Der Sultan gerät ganz in die Gewalt der Franzosen. Diese treten ziemlich unbeschränkt im Lande auf. (Juli) Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes nachAgadirzur Verteidigung bedrohter deutscher Interessen. Nach schwierigen Unterhandlungen, wobei Frankreich von dem verbündeten England geleitet und unterstützt wird, 4. Nov.Marokkoabkommen zwischen Deutschland und Frankreich:Deutschland verzichtet auf jeden Landerwerb im Scherifenreich(Sus-Provinz), nachdem seine handelspolitischen und wirtschaftlichen Interessen nach Möglichkeit sicher gestellt sind.Frankreich übernimmt das Protektorat in Marokko, tritt vonÄquatorial-Afrikaein Gebiet von etwa 300000qkm im Süden und Osten vonKamerunmit Zugang zumKongoundUbangian das Deutsche Reich ab. Das Dreieck zwischenLogoneundSchari(12000 qkm) von Deutschland an Frankreich überlassen.

Frankreich erwirbt einen erheblichen Teil der NegerrepublikLiberia. Östlich von Tunis besetzt es die OaseDjanet(zu Tripolis gehörig).

England1837–1901 unter derKönigin Viktoria(S. 353) ist hauptsächlich bestrebt, sein ungeheuresKolonialreichzu erhalten und zu erweitern.

1867.

Krieg gegen NegusTheodor von Abessinien. Magdala von Sir RobertNapiersmit indischen Truppen erstürmt; Theodor †. Abessinien wird von den Engländern geräumt.

1869.

Der Suez-Kanaleröffnet, 160 km lang; nach zehnjähriger Bauzeit vollendet unter Leitung des Franzosen Ferdinandde Lesseps(früher franz. Konsul in Kairo). Abkürzung des Seewegs nach Indien, Ostasien, Australien. Jährlich benutzen den Kanal jetzt gegen 4000 Schiffe.

1876.

Die Königin Viktoria nimmt auch den TitelKaiserin von Indienan. Seitdem nach jedem Thronwechsel besondere Krönungsfeierlichkeiten inDelhi(S. 219).

1877–1881.

Krieg inAfghanistan,um die dem Emir 1869 auferlegte Schutzherrschaft zu erhalten GeneralRobertsbesetzt 1879 die Hauptstadt Kabul und dringt bis Kandahar vor (s. S. 419f.).

1877.

Erweiterung des Besitzes inSüdafrika.DieTransvaalrepublik, begründet 1848 von holländischen Buren, die aus derKapkolonie[61]auswanderten, wird dem englischen Kolonialgebiet einverleibt; bald wird auch ein großer Teil des Kaffernlandes englischer Schutzstaat. Unabhängig bleibt der 1854 von England anerkannteOranje-Freistaat.

1878.

England nimmtCypernin Verwaltung (S. 401).

1879.

Krieg gegen dieZulukaffern(Cetewayo). Prinz Louis Napoleon † (S. 403).

1881.

Erhebung derBurengegen die englische Herrschaft und Sieg beiMajubahill. Die Transvaalrepublik (Südafrikanische Republik) wieder hergestellt, doch behält England in dem 1884 geschlossenen Vertrage sich die Genehmigung der Verträge dieses Staates mit anderen Staaten vor.

1882.

Besetzung vonÄgypten, veranlaßt durch einen Militäraufstand in Alexandrien unterArabi Paschagegen den KhediveTewfikund durch die Ermordung vieler Europäer; Arabi beiTel-el-KebirvonWolseleybesiegt und gefangen. Dem Namen nach bleibt die Regierung des dem türkischen Sultan tributpflichtigen Vizekönigs (Khedive); tatsächlich wirdÄgypten ein englischer Schutzstaat.Neuordnung derVerwaltung und des Heeres (BaringundKitchener); Nilstauwerk beiAssuan.

1883–1885.

Aufstand des ägyptischen Sudan gegen die Engländer unter Führung desMahdi, eines mohammedanischen Propheten. Vernichtung eines ägyptischen Heeres von 11000 Mann (Hicks Pascha) beiEl Obeïd. Der englische GeneralGordonversuchtKhartumzu behaupten, wird bei der Eroberung der lange belagerten Stadt von den Truppen des Mahdi getötet (Jan. 1885). Fruchtlose Nilexpedition der Engländer; sie behalten im Sudan nur den HafenSuakin, verteidigen aber Ägypten mit Erfolg gegen wiederholte Angriffe der Mahdisten (1885–1898). In derÄquatorprovinz (Wadelai)hält sich der deutsche AfrikaforscherEmin Pascha(Dr. Schnitzer) als Statthalter des Khedive, bis er 1889 vonStanleynach der Küste (Bagamoyo) geführt wird. 1893 wird Emin bei einem Versuch, bis zum Kongo vorzudringen, ermordet.

1884.

BritischNeu-Guineawird unter englischen Schutz gestellt.

1886.

England erweitert sein indisches Reich durch völlige Unterwerfung vonBirmain Hinterindien (S. 353).

1889.

Vertrag mit Deutschland und den Vereinigten Staaten über dieSamoa-Inseln.

1890.

Vertrag mit Deutschland überOstafrika.Das Wituland, Uganda und Sansibar englisch; das deutsche Gebiet zwischen Kilimandscharo und Rovumafluß reicht im Innern bis zu den großen Seen.

Vertrag mit Frankreich überWestafrika: England herrscht im Gebiet des unteren Niger (Nigeria) bis zum Tsadsee. Abgrenzung der englischen und französischen Gebiete gegen das Deutsche Hinterland vonKamerundurch Verträge mit dem Deutschen Reiche 1893 und 1894.

1890–1893.

England erweitert sein Gebiet inSüdafrikadurch Unterwerfung desBetschuana- undMatabele-Landes.Cecil Rhodes, Leiter der Britischen Südafrika-Gesellschaft, seit 1890 Minister der Kapkolonie, verfolgt noch weitergreifende Pläne, findet aber Widerstand bei denBuren-Republiken (S. 408). Transvaal wehrt einen Einfall englischer Streifscharen (800 Mann) unterJamesonbeiKrügersdorpab (1. Jan. 1896). Jameson gefangen, an England ausgeliefert, zu längerer Haft verurteilt, aber bald begnadigt.

1897.

Die Engländer besetzenTirah, ein afghanisches Grenzgebiet.

1898.

England gewinnt die Herrschaft über denägyptischen Sudanzurück; General Kitchener siegt beiOmdurmanund erobertKhartum.

1899.

Abermaliger Vertrag über dieSamoa-Inseln; sie werden geteilt zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. England verzichtet auf einen Anteil, erhält dafür bedeutenden Gebietszuwachs im Hinterlande von Togo, außerdem dieTongainseln und die InselnChoiseulundlsabel(Salomoninseln).

1899–1902.

Krieg Englands gegen die Buren in Südafrika.

Äußerer Anlaß: Zurücksetzung der Ausländer in Transvaal. Die Buren in Transvaal (PräsidentKrüger) schließen ein Bündnis mit dem Oranje-Freistaat (PräsidentSteijn) und erklären den Engländern den Krieg. Sie dringen in das englische GebietNatalein und führen den Krieg anfangs erfolgreich. Einschließung einer englischen Division inLadysmith; die Entsatzversuche des Gen.Bullerwerden (Dez.) beiColensound (Jan. 1900) amSpion-Kopabgeschlagen. Ebenso werden englische Truppen, die in den westlichen Teil von Transvaal eingedrungen sind, inKimberleyundMafekingeingeschlossen.

1900.

Umschwung zu Gunsten der Engländer, nachdem LordRobertsden Oberbefehl übernommen hat; ihr Heer wird bald auf 100000 Mann gebracht, gegen etwa 45000 Buren. Doch erschwert die weite Ausdehnung des Kriegsschauplatzes die Erfolge. Im Febr. wirdKimberleyentsetzt, Gen.Cronjemit 4000 Buren am Modderfluß gefangen. AuchLadysmithwird von Gen. Buller entsetzt. Roberts mit der Hauptmacht besetztBlomfontein, Hauptstadt des Oranje Freistaats, dann weiterJohannesburg, Pretoria, Hauptstadt von Transvaal, Middelburg, Lydenburg. Im Rücken des englischen Heeres beginnen die Burenführerde WetundOliviereinen erfolgreichen Kleinkrieg; in der Kapkolonie erheben sich dieAfrikanderzu Gunsten der Buren. PräsidentKrügerreist nach Europa, um Hilfe zu suchen, wird in Frankreich und den Niederlanden begeistert aufgenommen, erlangt aber keine Einmischung in den Krieg. († 1904 in der Schweiz.)

1901–1902.

Fortdauer des Kleinkrieges. Die Engländer unterKitchener(über 200000 Mann) versuchen vergeblich die vonBotha, de Wetu. a. geführten Streifscharen der Buren einzuschließen, führen aber viele Gefangene, namentlich Frauen und Kinder, hinweg in die durch Stacheldraht eingehegten Konzentrationslager. Andere werden nach Ceylon, Indien, St. Helena gebracht. Unterstützung mit Geldmitteln und Kriegsbedarf aus den Niederlanden, Frankreich und Deutschland reicht nicht aus, um den Buren zum Siege zu verhelfen. Friedensschluß 31. Mai 1902: die Burenstaaten sind aufgehoben: die Buren müssen in die Einverleibung ihrer beiden Staaten in das britische Südafrika willigen; jedoch wird ihnen baldige Selbstverwaltung versprochen (S. 409). Sie erhalten als englische Untertanen zur Herstellung zerstörter Wohnorte eine Beihilfe von 3 Mill. Pfund Sterling (60 Mill. Mark).

1900.

Die englischen Kolonien inAustralien(S. 302) werden durch eine Bundesverfassung zueinemStaat (Commonwealth) vereinigt.

Unter der langen Regierung der Königin Viktoria wechseln konservative und liberale Ministerien miteinander. 1843 irische Waffenbill (verbietet Einführung von Waffen nach Irland). 1845 Steuer- und Zollreform. 1869 Aufhebung der irischen Staatskirche. 1881 irische Landbill, vom MinisterGladstonebeantragt, um die Mißstände und Unruhen in Irland zu bessern. 1885 Parlamentsreform (vgl. S. 348), nachdem schon 1867 das Wahlrecht erweitert war; Bildung gleichmäßiger Wahlkreise, das Wahlrecht bleibt an den Nachweis einer eigenen, wenn auch gemieteten Wohnung geknüpft (Minimalmietzins 10 Pfund Sterling). Der 1886 mit großer Mehrheit verworfene Antrag Gladstones, für Irland ein eigenes Parlament einzurichten (Home-rule-bill) wird 1893 vom Unterhaus angenommen, vom Oberhaus und dann von den Wählern verworfen. 1897 Haftpflichtgesetz zum Schutze der Arbeiter.

1901–1910.Jan. Mai.

König Eduard VII.(S. 352). Der MinisterChamberlainbetreibt einen engeren Anschluß der Kolonien an das Mutterland (Zollbund und Beiträge zur Unterhaltung der Kriegsflotte), tritt aber 1903 zurück. Neue irische Landbill 1903; die Pächter können mit Beihilfe des Staates Landeigentümer werden. Die Einsetzung eines Verwaltungsrats für Irland, 1907 vom Unterhause beschlossen, wird nicht vollzogen, da die Iren Widerspruch erheben und ein eigenes Parlament fordern. 1908 Gesetz über Altersunterstützung. 1909–1910 sozialpolitische Gesetzgebung.Lord Roberts’Antrag auf Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1909 vom Oberhaus abgelehnt.

1904.

Englisch-französischer Vertrag über Ägypten und Marokko (s. S. 405). Die Neutralität des Suezkanals durch England garantiert.

1904.

Englische Expedition von Indien aus nachTibet.Lhassa, Residenz desDalai-Lama, des Oberhauptes der Buddhisten, erreicht. Ergebnis: Tibet darf ohne Englands Zustimmung kein Gebiet an eine fremde Macht abtreten und keine Erlaubnis zur Anlage von Eisenbahnen, Telegraphenlinien und Bergwerken geben.

1909.

Englisch-russisches Abkommen überPersien(s. S. 403). Das englische Parlament genehmigt eine Bundesverfassung für dieSüdafrikanische Unionmit Einschluß der früheren Burenstaaten, welche die 1902 versprochene Selbstregierung 1906 erhielten.BothaPremier-Minister.

Siamtritt die StaatenKelantan, TrengganuundKedah(auf Malakka) an England ab.

1910-x.

König Georg V.

1911.

Englisch-amerikanischer Schiedsvertrag. Infolgedessen Revision des englisch-japanischen Bündnisses (s. S. 423).

Japan nähert sich Rußland wieder (s. S. 402).

Durch die radikale Parlamentsbill (Vetobill) des MinistersAsquithwird das Oberhaus fast aller seiner Rechte beraubt; es behält nur ein aufschiebendes Veto.

Während des Krönungsdurbar in Indien (Delhi) wird der alte HerrschersitzDelhi(S. 219, 300, 368) von König Georg V. an Stelle vonKalkuttazurHauptstadt Indienserhoben.

Englisch-ägyptische Truppen besetzen den Hafen und das Gebiet vonSolumim Osten derCyrenaica(Tripolis).

Das Königreich derNiederlandeunterWilhelm III.1849 bis 1890 (vgl. S. 340 u. 363). 1873–1879 Krieg gegen den Sultan vonAtschinauf Sumatra. Der Widerstand der Atschinesen erst 1895 gebrochen. 1887 Verfassungsrevision. Nach dieser folgt dem König seine TochterWilhelmina, bis 1898 unter Vormundschaft der MutterEmmavon Waldeck, seit 1901 mit dem Prinzen Heinrich von Mecklenburg-Schwerin vermählt. 1911 Gesetz über Alters- und Invalidenversicherung.

Das GroßherzogtumLuxemburg(S. 380), seit 1842 im deutschen Zollverein, kommt 1890 durch männliche Erbfolge anAdolf, den früheren Herzog vonNassau(S. 379). Ihm folgt 1905 sein SohnWilhelm, der letzte männliche erbberechtigte Oranier. Regentin die GroßherzoginMaria Annavon Braganza. Thronerbin: PrinzessinMarie(kath.).

BelgienunterLeopold II.(1865–1909, s. S. 350) in friedlicher Entwickelung als Industriestaat, doch nicht ohne Parteikämpfe (Liberale und Klerikale) und Arbeiterunruhen.

1884–1885.Nov. Febr.

Konferenz zu Berlinunter Vorsitz des FürstenBismarcküber das durchStanleysReise 1876 bis 1877 erschlosseneKongo-Gebiet. Ein neutralerKongostaatwird gegründet unter der Oberhoheit Leopolds II., Königs der Belgier.

1908.

DerKongostaatwird Kolonialgebiet des KönigreichsBelgien.

1909-x.

KönigAlbert I.Neffe Leopolds II. (S. 352). GemahlinElisabeth, Herzogin in Bayern.

1910.

Weltausstellung inBrüssel, zum Teil durch Feuer zerstört.

InDänemarkunterChristian IX.(1863–1906) lange Zeit Zwiespalt zwischen Regierung und Volksvertretung, besonders wegen der Befestigung von Kopenhagen, 1901 beigelegt durch Nachgeben des Königs. Kopenhagen befestigt. Herstellung freundlicher Beziehungen zu Deutschland seit dem Tode der KöniginLuise1898 (S. 362). KönigFriedrich VIII.seit 1906, vermählt mitLuisevon Schweden. Befestigung der Verbindung mit den auswärtigen Besitzungen. 1904 neue Verfassung fürIsland. Reise des KönigsFriedrich VIII.nachIsland. Eifrige Pflege der Handels- und Verkehrsbeziehungen. 1903 Dampffähre für Eisenbahnzüge zwischenWarnemündeundGjedsereröffnet. (Direkte DampferlinieKopenhagen-Bangkok.) Entsendung des Prinzen Waldemar zur Krönung des Königs vonSiam1911.

Schweden,1872–1907 unterOskar II., Bruder Karls XV. (S. 363), kann die seit 1814 bestehende Personalunion mit Norwegen nicht behaupten. Norwegen sagt sich 1905 los. Prinz Karl von Dänemark, Sohn Friedrichs VIII., Großneffe Oskars II., nennt sich als König von NorwegenHakon VII.(s. S. 215). Seine GemahlinMaud, Tochter Eduards VII. von England. InSchwedenseit 1907Gustav V., GemahlinViktoriavon Baden. 1909 Dampffähre zwischenTrelleborgundSaßnitz(Rügen) eröffnet.

In derSchweiz1874 Änderung der Bundesverfassung; für neue Gesetze wird der Bundesversammlung (S. 354) die Entscheidung entzogen undVolksabstimmung(Referendum) vorgeschrieben, wenn 8 Kantone oder 30000 Bürger sie verlangen. Ein Gesetz über Kranken- und Unfallversicherung wird 1900 durch Volksabstimmung verworfen, 1912 angenommen.

1905 Internationale Arbeiterschutz-Konferenz in Bern. Durchstich desSimplon1906 vollendet, neue Eisenbahnverbindung mit Italien, für Frankreich erwünscht seit der Eröffnung der St. Gotthardbahn 1882. Bundespräsident ist seit 1903 Dr.Deucher.

Italien,seit 1861 einheitliches Königreich unterViktor Emanuel II.(S. 370, 379, 381).

DemPapsteist durch das Garantiegesetz von 1870 der Besitz der Peterskirche, des Vatikan- und des Lateranpalastes, dazu ein Jahreseinkommen von über 3 Mill. Francs gesichert; aber der Anspruch auf Herstellung des Kirchenstaats wird von päpstlicher Seite nicht aufgegeben. Aufhebung vieler Klöster, doch bleiben die Ordensgenerale und die geistlichen Seminare in Rom unter dem Schutz des Papstes.

Unter KönigHumbert(1878–1900) schließt der MinisterRobilant1887 denDreibund(S. 395), den der MinisterpräsidentCrispi, mit Bismarck persönlich befreundet, aufrecht erhält. Sorge für Besserung der Finanzen, Ausbau der Eisenbahnen, Anbau der römischen Campagna, Ausgrabungen und Neubauten in Rom. Der König wird 1900 (Juli) von einem Anarchisten in Monza ermordet.

1885.

Italiennimmt den HafenMassauaam Roten Meer in Besitz. Erweiterung des Gebiets im Kriege gegen denNegusNegestiJohannesvon Abessinien 1887–1889 zurColonia Eritrea. Neue Kämpfe mit dem NegusMenelik(reg. 1889–1910 in Addis Abeba, seitdem sein EnkelLidj Jeassu[geb. 1896], zunächst unter Vormundschaft). 1896 Niederlage der Italiener beiAdua, nur Massaua mit dem Küstengebiet (118000 qkm.) wird behauptet.

1887.

Italien erwirbt dasSomaligebiet.

1900-x.

Viktor Emanuel III.(Gem.Elenavon Montenegro). Der Dreibund wird trotz aller Vorliebe der Italiener für die Franzosen aufrechterhalten. (1909 Begegnung des Königs mit Zar Nikolaus II. inRacconigi.)

1906

Verderblicher Ausbruch des Vesuv.

1907, 28. u. 29. Dez.

Messina und Reggio durch Erdbeben zerstört.

1903.

Papst Leo XIII. † (S. 393). Ihm folgtPius X.,der sich 1907 in einer Allocution und einer Encyclica gegen denReformkatholizismusund die sog.Modernistenwendet.

1911–1912.

Krieg Italiens gegen die Türkei: Italien, schon lange auf Ausbreitung seiner Macht inNordafrikabedacht (S. 404), erhält 1901 von Frankreich (und bald darauf auch von England) die Anerkennung seiner Anwartschaft aufTripolis. Zunächst nur wirtschaftliche Durchdringung des Landes geplant. Infolge des deutsch-französischen Abkommens über Marokko 1911 will Italien seine Entschädigung in Tripolis suchen. Die Stadt Tripolis nach kurzem Bombardement besetzt (Okt.), ebensoBenghasi, Dernaund andere Hafenplätze. Im Nov. die unwiderrufliche Besitzergreifung von Tripolis und Cyrenaica verfügt und den Mächten angezeigt. Das Deutsche Reich übernimmt den Schutz der Italiener in der Türkei und der türkischen Untertanen in Italien. Einspruch von Rußland, Frankreich und England gegen eine Blockade der Dardanellen (S. 401). Unterstützung der Türken durch die Araber und die islamitische Welt. Die Eroberung des tapfer verteidigten Hinterlandes (Oasen Ain Zara, Tadjura, Birtobras, Gargaresch) geht nur langsam vorwärts. ImRoten Meerwerden Jan. 1912 sieben türkische Kanonenboote durch italienische Torpedobootzerstörer vernichtet. Der Krieg dauert noch fort.

Spanien: 1868 (Sept.)Aufstand;Königin Isabella II.(S. 351, 363) vertrieben, flüchtet nach Frankreich. Die nach Madrid einberufenenCortesbeschließen, trotz des Widerstandes der republikanischen Partei, eine neue konstitutionell-monarchischeVerfassung; MarschallSerranoeinstweilen Regent. Nach mehrfachen Verhandlungen mit auswärtigen Fürsten nimmt PrinzLeopoldvon Hohenzollern-Sigmaringen 1870 die spanische Krone an. Nach seinem Rücktritt wird während des deutsch-französischen Krieges derHerzog von Aosta,zweiterSohn des KönigsViktor Emanuel II.von Italien, von den Cortes zum König gewählt und besteigt alsAmadeo I.1870 (s. a. S. 381) den spanischen Thron. Jedoch fortdauernde Parteikämpfe veranlassen Amadeo schon 1873 zur Abdankung. Dann Bürgerkrieg; gegen die in Madrid eingesetzte republikanische Regierung kämpfen die Anhänger desDon Carlos(Enkel des S. 351 erwähnten). Herstellung der Monarchie 1875; KönigAlfons XII., Sohn der 1868 vertriebenen Königin Isabella bringt dem Lande Frieden, unterstützt von dem MinisterCanovas. Don Carlos entflieht nach Frankreich. Alfons XII. stirbt 1885; für seinen SohnAlfons XIII.regiert bis 1902 die Mutter Marie Christine von Österreich, unterstützt von dem MinisterSagasta.

1898.

Krieg mit den Vereinigten Staaten von Amerika(S. 418).

1899.

An Deutschland werden gegen eine Geldentschädigung überlassen: dieMarianen,Karolinen(schon 1885 von Deutschland besetzt, aber durch Schiedsspruch des Papstes Leo XIII. den Spaniern zuerkannt) undPalau-Inseln(S. 396). Spanien behält von seinem alten Kolonialbesitz nur noch die Kanarischen Inseln, Span. Guinea (Rio Muni, Fernando Po, Corisco), die Küste von Rio de Oro und die 5Presidios(Ceuta, Velez de la Gomera, Alhucemas, Melilla, Chafarinas) an derKüste von Marokko.

1903 u. 1904.

Sozialistische Aufstände, namentlich inBarcelona; doch bleibt die Monarchie erhalten.

1906.

Vermählung des Königs mit ViktoriaEugenie(Ena) von Battenberg (Nichte Eduards VII. von England). Bombenattentat am Hochzeitstage des Königpaares.

1909.

Tod des Prätendenten Don Carlos.

1909–1910.

Krieg gegen die Rifkabylen in Marokko, die ein 300 km langes, 100 km breites Gebiet vom Kap Tres Forcas, unweit Melilla, bis an die Straße von Gibraltar beherrschen. Blutige Kämpfe umMelilla. Infolge der Truppensendungen nach Afrika schwere Ruhestörungen in Barcelona und ganz Katalonien. Der »Freiheitsapostel«Ferrertrotz vieler Protestkundgebungen hingerichtet.

1910.

Erneuerte Kämpfe umMelilla. 1911 (Jan.) Reise des Königs Alfons XIII. nach Marokko. Endlich (Nov.) Friedensvertrag mit den Kabylen.

Unterdessen und besonders infolge des deutsch-französischen Marokkoabkommens (S. 405) auch manche Reibereien zwischen Spaniern und Franzosen in Marokko. Die Verhandlungen mit Frankreich über die Abgrenzung der spanischen Besitzungen und Rechte in Marokko sind zur Stunde noch nicht abgeschlossen.

Portugal(S. 363) gelangt nach früheren Bürgerkriegen zu ruhigeren Zuständen unter den Königen aus dem HauseKoburg, seit 1853 (S. 352). Doch erhebt sich 1907 eine starke Bewegung gegen den Ministerpräsidenten Franco; am 1. Febr. 1908 wird KönigKarl I., mit ihm der Kronprinz Ludwig Philipp von Verschwörern erschossen. Sein zweiter Sohn und NachfolgerManuel II.wird 1910 (Okt.) durch eine Revolution vertrieben, lebt in England. Portugal alsRepublikvon den Mächten anerkannt. Trennung von Kirche und Staat durchgeführt. Bewegungen zu Gunsten der Monarchie mehrfach unterdrückt. Präsident:Manuel d’Arriaga(seit 1911).

Rumänien(S. 367, 399ff.) nimmt auf fast allen Gebieten einen erfreulichen Aufschwung. Eifrige Sorge des Fürsten Karl für Heer und Landesbefestigungen, Finanzen und Unabhängigkeit des Landes, Handel und Ackerbau, Volksbildung und Gesetzlichkeit. 1881 erklären die Kammern Rumänien alsKönigreich.König Karl I.erhält gute Beziehungen zum Dreibund, schließt eine Militärkonvention mit Österreich.

InSerbiennimmt FürstMilan(Obrenowitsch) 1882 denKönigstitelan, dankt aber 1889 ab zu Gunsten seines 12jährigen SohnesAlexander. Dieser erklärt sich bereits 1893 für mündig, wird 1903 samt seiner GemahlinDragadurch eine Verschwörung ermordet. Milan, von seiner GemahlinNataliegeschieden, † 1901 in Wien. Seit 1903Peter I.(Karageorgiewitsch)KönigvonSerbien(s. S. 399).

InMontenegroseit 1860 FürstNikita(Nikolaus). Bei der Feier seines Regierungsjubiläums 1910 nimmt er ebenfalls denKönigstitelan.

InBulgarienwird 1879 PrinzAlexandervon Battenberg (Hessen), ein Neffe des russischen Kaisers Alexander II. von der Sobranje (Deputiertenkammer) zum Fürsten erwählt.

1885.

Erhebung derBulgarengegen die Türken;Ostrumelien(S. 401) vereinigt sich mit dem FürstentumBulgarien, gegen Rußlands Willen.Serbien(König Milan) beginnt Krieg gegen Bulgarien. Fürst Alexander besiegt dieSerben beiSlivnitza und Pirot(Nov. 1885), schließt aber auf Verlangen Österreichs Frieden. Er wird 1886 von der russischen Partei vertrieben, doch bleibt Ostrumelien mit Bulgarien vereinigt. Sein NachfolgerFerdinand I.von Koburg-Kohary (S. 352) stützt sich zunächst auf Österreich, wird 1896 auch von Rußland anerkannt. Seine Diplomatie und das Ansehen seines Heeres setzen ihn in den Stand, 1908 dieErhebungBulgariens(mit Ostrumelien) zu einem von der Türkei völlig unabhängigenKönigreichohne Schwertstreich durchzusetzen. Seitdem entschiedene Anlehnung an Rußland.

Griechenland, seit 1863 unterKönig Georg I.(v. Dänemark), 1864 durch Abtretung derIonischen Inselnvon seiten Englands (s. S. 341) vergrößert, erhält 1881, da die Großmächte ihr Verlangen an die Türkei (S. 401) erneuern, Thessalien und einen kleinen Teil von Epirus.

1897.

Krieg Griechenlands gegen die Türkei, veranlaßt durch einen Aufstand auf der InselKretagegen die türkische Herrschaft. Die Griechen werden in Thessalien und Epirus geschlagen, müssen Frieden schließen und Kriegskosten zahlen. Kreta erhält auf Verlangen der europäischen Großmächte selbständige Verwaltung unter türkischer Oberhoheit; Prinz Georg von Griechenland Gouverneur bis 1906. Die Nichtbenutzung der Gelegenheit, die Insel Kreta in dem Augenblick anzugliedern, wo Österreich und Bulgarien 1908 Bosnien und Ostrumelien einverleibten, ruft in Griechenland lebhafte Erregung hervor, besonders im Heere. Mehrere Prinzen scheiden 1909 aus Armee und Flotte aus und erhalten mehrjährigen Auslandsurlaub. Auf Kreta (August 1909) überall die griechische Flagge gehißt. Die türkische Oberhoheit bleibt jedoch erhalten.

Dastürkische Reich, seit 1878 (russisch-türkischer Krieg, s. S. 399ff.) in seinem europäischen Bestande sehr eingeschränkt (S. 401), hat immer wieder mit Empörungen seiner christlichen Untertanen zu kämpfen.

1895.

Blutige Verfolgung derArmenierund dersyrischen Christen; England, Frankreich und Rußland gebieten Einhalt.

1903.

Aufstand inMacedonien, von denBulgarenunterstützt; Österreich und Rußland nötigen die türkische Regierung zu Reformen, die aber nur halb zur Ausführung kommen. Der Kriegszustand dauert fort.

1908.

Für dieTürkeierzwingt ein Militäraufstand (Jungtürken) vom SultanAbdul Hamid(1876–1909) die Gewährung einerVerfassung(Senat und Deputiertenkammer), die schon 1876 verkündet, aber nach kurzer Zeit wieder aufgehoben worden war. Bosnien (S. 398 f.), Ostrumelien (s. oben) verloren; Novipazar wieder gewonnen (S. 398, 399).

1909.

Sultan Abdul Hamid ebenso wie 1876 sein älterer Bruder SultanMurad V.abgesetzt. Seitdem SultanMohammed V.

1911.

Die türkische Regierung beschränkt die Weiterführung der von Konstaninopel ausgehendenAnatolischen Eisenbahn(Bagdadbahn; ihre Erbauung 1893 durchGeorg von Siemensfür die deutsche Arbeit [Deutsche Bank] gesichert, zunächst bis Kaisarie gestattet, 1902 einem deutsch-französischen Syndikat übertragen) auf die StreckeEl Halif(zwischen Harran und Mosul) bisBagdad. Später sollKuweitam Persischen Meerbusen Endpunkt sein. Zweigbahn nachAlexandrette, Anschluß an dieHedschasbahn vonDamaskusnachMedina-Mekkaund die russisch-persischen Bahnen über Teheran nach Bagdad gesichert (S. 397).

1911–1912.

Italienisch-türkischer Krieg(s. S. 412).

DieVereinigten Staatenvon Amerika, deren Gebiet seit 1848 bis zum Stillen Ozean reicht (S. 301 f.), an Volkszahl schnell wachsend durch Einwanderung aus Europa (1860: 31½ Mill. Einwohner), aufblühend durch Handel und großstädtische Industrie, geraten in schwere Gefahr durch Zwiespalt zwischen den Nordstaaten und den Sklaven haltenden Südstaaten. Die WahlAbraham Lincolnszum Präsidenten der Union von seiten der Nichtsklavenstaaten führt zum

1861–1865.

Bürgerkrieg. Die 11 Südstaaten erklären ihren Austritt (secession) aus der Union und schließen einenSonderbund.Jefferson DavisPräsident. Sie erklären die Fortdauer der Negersklaverei wegen des Plantagenbaues (Zucker, Reis, Tabak, Baumwolle) für notwendig. Hauptschauplatz des Krieges der zu den Südstaaten gehörige StaatVirginiaund das angrenzendeMaryland. Die Sonderbundstruppen bedrohen 1861 nach dem Siege beiBull-Runund 1862 nach der siebentägigen Schlacht beiRichmonddie Bundeshauptstadt Washington, werden jedoch wieder zurückgedrängt. Die Unionstruppen erobern 1862New-Orleans, 1863Vicksburgam Mississippi.

1863. 1. Jan.

Eine Proklamation Lincolns erklärt alle Sklaven der Südstaaten für frei. Der SüdstaatengeneralLeesiegt beiFredericksburg(Virginia), überschreitet den Grenzfluß Potomac, wird aber beiGettysburgin Pennsylvanien zurückgeschlagen.

1864.

Der NordstaatengeneralGrantkämpft gegen Lee in derWildernessund beiSpotsylvania, belagert ihn dann in der starken Stellung zwischen den FestungenRichmondundPetersburg. Ein zweites Heer der NordstaatenunterShermansiegt beiAtlantaim Staate Georgia, dringt bis zur Küste vor nach Savannah, zieht im Frühjahr 1865 gegen Petersburg heran.

1865. April.

General Lee räumt Richmond und Petersburg, kapituliert mit 26000 Mann, bald darauf ergeben sich auch die übrigen Truppen der Südstaaten. Die Union bleibt erhalten, doch fügen die Südstaaten sich nicht bedingungslos.

PräsidentLincoln, der umsichtige Leiter der Union, wird von einem Anhänger der Südstaaten ermordet (14. April); sein NachfolgerJohnsonzeigt sich nachgiebiger in der Sklavenfrage und gerät deshalb in Konflikt mit dem Kongreß, welcher die Aufhebung der Sklaverei im ganzen Unionsgebiet als Gesetz verkündet und den Negern Bürgerrecht und Stimmrecht verleiht. Daraus ergeben sich Übelstände, die zur Folge haben, daß unter dem PräsidentenGrant(1869–1877) die Südstaaten in mancher Hinsicht noch unter der Diktatur des Kongresses bleiben.

Aussöhnung erst unter PräsidentHayes(1877–1881), der auch die bei großer Steigerung des Handelsreichtums eingerissene Bestechlichkeit und Ämterjagd bekämpft, unterstützt von dem DeutschenKarl Schurzals Minister des Innern. Sein NachfolgerGarfield, der diese Bestrebungen weiterführt, wird nach wenigen Monaten ermordet (1881).

1867.

Erwerbung des russischen Amerika (Alaska) für 7200000 Dollar.

1869.

Eröffnung der erstenPacificbahn(Omaha bis San Francisco). Schnellere Verbindung zwischen den Küsten des Atlantischen und des Großen Ozeans.

Auf die Streitigkeiten dermittel-undsüdamerikanischen Republikenwirkt die Union oft vermittelnd ein, so 1869 bei dem Frieden zwischen Spanien und dem erfreulich aufstrebendenChile, das 1879–1884 Bolivia und Peru niederwirft, aber 1891 in einen gefährlichen Bürgerkrieg hineingerissen wird. InBrasilienwird 1889 eine Föderativrepublik von 20 Staaten (Vereinigte Staaten von Brasilien) eingerichtet (1888 die Sklaverei plötzlich abgeschafft); Kaiser Pedro II. (S. 346) zieht sich nach Portugal zurück. Seit 1910 PräsidentHermes da Fonseca. Gegenüber den europäischen Staaten nimmt die Union öfters eine feindliche Haltung an; s. Frankreich S. 371. Streit mitEnglandüber Schadenersatz, weil während des Bürgerkrieges Kaperschiffe für die Südstaaten in England ausgerüstet waren; ein Schiedsgericht zu Genf entscheidet 1872, daß England über 3 Mill. Pfund Sterling zu zahlen habe.

In der Union stark anwachsende Bevölkerung; 1890: 63 Mill., 1910: 88 Mill. Einwohner. Viele Eisenbahnen gebaut, um das weite Gebiet aufzuschließen (vgl. S. 421). Die Mac Kinley-Bill1890 erhöht den Zolltarif der Vereinigten Staaten, um die europäische Einfuhr zu beschränken; 1891 Gesetz gegen die Einwanderung unbemittelter Personen.

1896–1901.

PräsidentMac Kinley; die Union beginnt auswärtige Besitzungen zu erwerben, zuerst 1897 dieSandwich-Inselnannektiert (seit 1900 Territorium).

1898.

Krieg gegen Spanienzur Unterstützung der schon 1895 aufCubaund den seit 1569 spanischenPhilippinen(S. 223, 242) ausgebrochenen Aufstände. Die spanische Flotte wird in zwei Seetreffen, beiCavite(Insel Luzon) undSantiago(Insel Cuba) vernichtet. Im Frieden zuParistritt Spanien Puerto Rico und die Philippinen gegen eine Geldentschädigung an die Union ab.Cuba wird eine Republik, muß aber der Union gewisse Aufsichtsrechte und mehrere Flottenstationen einräumen (Insel Guam s. S. 426).

1899.

Bei der Teilung derSamoa-Inseln (S. 407) nimmt die UnionTutuilamit dem Hafen Pago-Pago und die Manuagruppe (203 qkm).

1901–1909.

PräsidentRoosevelt, Nachfolger des ermordeten Mac Kinley. Das Deutsche Reich tritt in engere Beziehungen zur Union. Als Deutschland, England und Italien wegen Handelsstörungen mit der RepublikVenezuela(PräsidentCastro) in Streit geraten und ihre Küste durch Kriegsschiffe blockieren, Vermittlung durch den Vertrag zuWashington(Juli 1903); Venezuela muß bedeutende Entschädigung zahlen.

1903.

Vertrag der Union mitColombia(S. 346) über Gebietsabtretung zum Ausbau des 1881 von französischen Kapitalisten (Panamagesellschaft, 1889 aufgelöst) begonnenenPanama-Kanals. Da in Colombia sich Widerspruch erhebt, bildet sich eine besondere RepublikPanamaunter dem Schutze der Vereinigten Staaten. Der Kanal (Schleusenkanal) soll am 1. Jan. 1915 eröffnet werden, wie der Suezkanal neutral und allen Völkern unter den gleichen Bedingungen geöffnet sein.

1906.

San Franziskodurch Erdbeben größtenteils zerstört, doch bald wiederhergestellt.

1907.

Verschärftes Gesetz über die Einwanderung.

Seit 1909.

PräsidentTaft, vorher Kriegsminister und Gouverneur der Philippinen, hält das gute Einvernehmen mit dem Deutschen Reiche aufrecht.

1910–1911.

Aufstand inMexiko. Verschwörung gegen den PräsidentenPorfirio Diaz(S. 371). Die Vereinigten Staaten ziehen Truppen an der Grenze zusammen. Porfirio Diaz dankt 1911 ab.Madero, der Hauptführer der Aufständischen, wird zu seinem Nachfolger gewählt, Ende des Aufstandes. 1912 neue Unruhen.


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