Geboren den 26. Januar 1781 zu Berlin, gestorben am 21. Januar 1831 auf seinem Gute Wiepersdorf bei Dahme. Indem wir seiner Werke: des Knaben Wunderhorn (1806–8) — der Novellensammlung „Wintergarten“ (1809) — der Gräfin Dolores (1810) — des Studentenspieles und der Pilgerabentheuer „Halle und Jerusalem“ (1811) — der „Schaubühne,“ worin die „Befreiung von Wesel“ ein immer junges, kräftig-deutsches Drama glänzt (1813) — der Kronenwächter (1817) gedenken, in Ehren und Liebe, wie diesem hervorragenden Romantiker gebührt, finden wir darin doch nur ein schwaches Bild seiner, über diesen Erzeugnissen stehenden, unbeschreiblichen Persönlichkeit. Selten wohl haben sich in einem Menschen: poetisches Feuer, anmuthige Ruhe, würdevolle Haltung, umgängliche Milde, wohlwollende Strenge, liebevolle Theilnahme für Anderer Streben, inniger verschmolzen, als in Achim Arnim. Es ist sehr zu bedauern, daß von seinen Briefen an Tieck nur die drei nachstehenden aufbewahrt blieben. Wenn die verloren gegangenen diesen glichen, so wären sie geeignet gewesen, uns den ganzen Mann vor’s Auge des Geistes zu zaubern.
Geboren den 26. Januar 1781 zu Berlin, gestorben am 21. Januar 1831 auf seinem Gute Wiepersdorf bei Dahme. Indem wir seiner Werke: des Knaben Wunderhorn (1806–8) — der Novellensammlung „Wintergarten“ (1809) — der Gräfin Dolores (1810) — des Studentenspieles und der Pilgerabentheuer „Halle und Jerusalem“ (1811) — der „Schaubühne,“ worin die „Befreiung von Wesel“ ein immer junges, kräftig-deutsches Drama glänzt (1813) — der Kronenwächter (1817) gedenken, in Ehren und Liebe, wie diesem hervorragenden Romantiker gebührt, finden wir darin doch nur ein schwaches Bild seiner, über diesen Erzeugnissen stehenden, unbeschreiblichen Persönlichkeit. Selten wohl haben sich in einem Menschen: poetisches Feuer, anmuthige Ruhe, würdevolle Haltung, umgängliche Milde, wohlwollende Strenge, liebevolle Theilnahme für Anderer Streben, inniger verschmolzen, als in Achim Arnim. Es ist sehr zu bedauern, daß von seinen Briefen an Tieck nur die drei nachstehenden aufbewahrt blieben. Wenn die verloren gegangenen diesen glichen, so wären sie geeignet gewesen, uns den ganzen Mann vor’s Auge des Geistes zu zaubern.
Cassel, den 3. Dezember 1807.
Ich lege eben Müllers edles Schreiben über Kotzebue aus den Händen, das Ihrer Vermittelung sein Daseyn für mich dankt, da fällt mir so manches ein, was ich Ihnen danke und wie ich von mannigfaltigem Jammer bezwungen, Ihnen davon so gar nichts in Sandow gesagt habe; ich ging da neben Ihnen und freute mich, daß mir noch etwas Freude am Grünen geblieben, mit dem ich meiner einsamen Natur nach viel vertraulicher bin, als ich mit Ihnen in einem Tage werden konnte. Jetzt wünsche ich die Stunden zurück, erinnere mich, wie Sie Sich so einsam fühlten und mich ausforderten, Ihnen zu schreiben. Ich hätte Ihnen mancherley zu schreiben, wie wir, ich meine darin Bettine und Clemens Brentano, Sie hieher wünschten, das glauben Sie uns ohne weitres; dann wie wir Ihnen einen angemessenen Wirkungskreis wünschen und planeln, den Sie nicht blos beleben, der Sie auch wiederbelebt. Den möchten Sie aber nicht annehmen wollen, denn in der Gewohnheit liegt das Schönste wie das Schlimmste und das Kunststück der Transfiguration gelingt immer nureinmal vollständig, also davon kein Wort: Sie hören Ihre Stunden sicher heller schlagen als ich. Also zu den Nebenwerken, die mir aber Hauptsachen sind. Ich war bey Dieterich in Göttingen, der sich schmerzlich beklagt, daß Sie die Niebelungen ihm nicht früher geschickt haben, der jetzt fürchtet, durch Hagens Arbeit sey aller Absatz vernichtet, ich glaube das nicht, kann auch nicht wissen, wie weit er sich beklagen kann, ich beklage mich selbst, daß Ihr Werk nicht erschienen, denn Hagen gefällt mir nicht in dem baroken Dialekte, in den langweiligen Anmerkungen und wegen der Auslassung aller andern Erzählungen, die Sie so pasrecht verbunden hatten. Ernste Critiker, (hier giebt es einen sehr gelehrten deutschen Sprach und Literaturkenner, Hr. Kriegssekretär Grimm, er hat die vollständigste Sammlung über alle alte Poesie) tadeln noch mehr, und sind so wie ich ganz überzeugt, das Ganze müsse entweder mit neuem Saft durchdrungen sich selbst neue Wurzeln treiben, oder in seiner Alterthümlichkeit ruhig trocken, unzerbrochen zwischen Papier von einem Geschlechte dem andern übergeben werden. Haben Sie in dieser Hinsicht irgend etwas mit Dietrich zu verhandeln, oder wollen Sie die Herausgabe mit dem Heldenbuche bey Zimmer verbinden, so entbiete ich meine Vermittelung, der erste ist mir ganz nahe und den andern denke ich zu Weihnachten zu sprechen.
Die historische Einleitung über die Niebelungen könnte immer späterer Zeit bleiben, es sind die Perspectivlinien, wonach der Maler arbeitet, sie verschwinden, wenn das Gemälde fertig, das allein bewährt, ob sie richtig; es braucht Sie nicht zu stören, daß andre z. B. Grimm, Hagen andre historische Entdeckungen gemacht zu haben glauben, die mit Ihren nicht stimmen. Wer jemals eine historische Begebenheit mit Erhebung angesehen hat, weiß was das heist, jeder muß es aber treiben, wie man Füße braucht um beym Schreibpult zu stehen, ungeachtet sehr wenig Leute mit den Füßen schreiben.Die Kritik ist an den Dichtern eine nothwendige Absonderung, damit der Geist rein wird, unsre verkehrte Zeit hat aber oft das Abgesonderte, wie beym Dalailama, für das Heiligste gehalten, davon alles das Geschwätze über die Dinge, ohne die Dinge selbst zu geben, alle die elende Wirtschaft mit Geschichten der Poesie, der Künste, ohne daß diese dadurch selbst verscheucht werden, während alles was Kunst zugleich Geschichte. Ein solches unnützes Buch hat Görres über Volksbücher geschrieben statt eins herauszugeben, so schreibt Docen zwey Bände Miscellaneen, worin fast gar nichts als literarischer Kram, während das Schöne in Handschriften verrottet; darum werde ich kein Wort zum zweyten Theile des Wunderhorns sagen, der sehr viel enthalten wird, aufmerksam sind die Leute darauf gemacht, wenn sie ihn nicht verstehen, so sollte es nicht seyn und der Teufel mag sie holen. — Bei Riepenhausen in Göttingen sah ich zwei zierliche Bilder von seinen Söhnen zu einem Almanach religiöser Musiklieder bestimmt, erscheint der bald? Wird er auch die besten lateinischen Texte enthalten? Haben Sie etwas darüber zu vermitteln? — Haben Sie Müllers Schriften geordnet? Alles wartet sehnlich auf die Herausgabe, die Ihnen keine Mühe machen kann, da in Müller seiner ganzen Anlage nach, nichts zu ändern sein kann. Soll ich darüber etwas bestellen? Ueber die Herausgabe Ihrer eignen Poesieen, Volksmährchen? — — — Sie werden in alle dem keine Zudringlichkeit finden, sondern meine Art, dankbar zu seyn, indem ich nach mehr verlange! Wer überhaupt etwas geben kann, dem ist das Geben das Liebste, wer anzunehmen versteht, dem ist es wie ein Vorwurf; es gehört zu beydem gleichviel. Außer sich ist man doch nur etwas in sich; der kleinste Kreis kann genügen, aber er ist doch nicht außer der großen Welt und so ward ich Morgens aus dem kleinen Winkel, worin ich mein gutes alltägliches Leben führe mit allen meinen Gedanken fast gewaltsam zu Ihnen gezogen, als wenn es mir eine Pflicht,Ihnen ein großer Vortheil wäre, wenn ich Ihnen meine literarische Anerbiethungen machte. Wofür Sie es nehmen, das ist es und wird es etwas, so wollen wir es ein Schicksal nennen, und wird es nichts, so kann es darum doch etwas gewesen seyn; treibt mich so ein Gedanke, so schreibe ich mich von ihm los, ungefähr das Gegentheil vom Doktor Faust, der sich einem Gedanken verschrieb. Haben Sie mir etwas darüber zu sagen, so schreiben Sie hieher Cassel in Hessen, abzugeben an Hrn. Banquier Carl Jardis; meine Freundschaft für Sie bleibt unverändert, wenn Sie auch schweigen, schweige ich doch meist auch, wo ich reden könnte.
Ludwig Achim v. Arnim.
Heidelberg, den 31. März.
Ich überschicke Ihnen, geehrter Freund, die ersten Bogen meiner Zeitung; aufZimmersVerantwortung habe ich ein Stück aus dem König Rother genommen, das mir gar wohl gefiel, er hat es auch übernommen den schuldigen Ehrensold dafür zu entrichten: Er wartet sehnlich auf Briefe von Ihnen. — Geben Sie mir einen Ueberblick Ihrer Untersuchungen über die Nibelungen! — Von Görres folgen in den nächsten Blättern merkwürdige Resultate über denselben geschichtlichen Kreis, denken Sie wieviel Vorarbeiten Sie den Freunden alter Literatur ersparten, wie die dann lustig auf Ihrem Grunde fortbauen könnten; die schlimmsten Sünden in unsrer Zeit sind die Unterlassungssünden. — Meinen Wunsch aus der Fortsetzung des Sternbald, aus dem Faust eine recht sonnenbeleuchtete Stelle zu besitzen, habe ich, denk ich, in meinem letzten Briefe ernstlich vorgetragen, ich bitte nicht für mich allein, ich bitte mit für viele Freunde ihrer Werke und sie haben hier sehr viele. Es wird manche fromme Erzählung aus alten Chroniken folgen, ich würde Ihre ernsten musikalischen Gedichte wohl anbringen, daß der Nachbaren Handwerk Sie nicht störte. So leicht meine Zeitung aussieht und beginnt, ich wünsche viel Ernsthaftes damit und fühle mich rein von leerer Sonderbarkeit und parteyischer Begrenztheit, auch Arbeiten Ihrer Freunde von Mad. Bernhardi von Schütz, Schierstädt u. a. werden mir willkommen seyn, was Sie billigen ist mir gerecht: Kritik allein gestatte ich nur als Scherz oder über Zeiten, die vor unseren Augen durch veränderte Sprache und Seltenheit der Ueberbleibsel fast verschlossen. Neuigkeiten erscheinen eben so nur als Scherz und sind mit sympathetischer Tinte geschrieben, die nicht jedem erscheint. — Brentanos verzweiflungsvoll elende Heiraths und Ehestandsgeschichte macht mir Kummer und religiöse Zweifel über den Ehestand, sie stecken da wie im geläbberten Meere und können nicht zu einander und nicht von einander. — Der Himmel erhalte Sie.
Achim Arnim.
Heidelberg, Ende November 1808.
Lieber herzlich verehrter Tieck! Sie erhalten die beyden ersten Hefte meiner Zeitung; es würde mir Freude machen, wenn Sie nicht mißbilligten, was mir nach ruhiger Uebersicht wohlgefällt; wie lange ich die ganze Sache fortsetze hängt von dem Absatze auf dieser Messe ab. Pr. L’Epigue gab mir den Müller, der ritterlich thätige Schluß des Stücks veranlasste mich besonders zur Mittheilung, es perlt darin wie im siedenden Wasser und er vergleicht sich darin so leicht mit der ruhigen Erhebung, in welcher ihr Werk schliest. Brentano, der seit einiger Zeit zu mir gezogen und seine Frau zu einem Prediger aufs Land geschickt hat, wird ins nächste Heft eingar lustiges Werklein, die Geschichte des Bärenhäuter einrücken, er ist fröhlicher als je und wünscht Sie hieher laden zu können, nur stehen die äusseren Verhältnisse schwankend und wie lange der alte Großherzog lebt und wie früh französische Oekonomie eingeführt wird, dem sehn wir wie der Ratiostatus mit zwey Köpfen entgegen. Ich wohne mit Clemens in einer Bierkneipe am Schloßberge, Kegelbahn und Vogelgesang, Nachts singende Waschweiber und fernes Neckarrauschen um uns, und der schöne Himmel verschlingt uns in Trägheit. Die Zeitungen sagen von einem Romantischen Journale, das Sie herausgeben, ich freue mich dessen, es muß den Bienen der Honig genommen werden, daß sie wieder arbeiten und ich bescheide deswegen meine Bitte um Beyträge von Ihnen noch nicht; Görres Untersuchungen über die Nibelungen finden Sie fast beendigt, von Grimm erwarte ich schöne Resultate; es geht so unendlich viel zugrunde, lassen Sie Ihre Untersuchungen nicht darum schweigen, weil der eine oder andre vielleicht schon einiges davon berührt hat. — In wenigen Tagen bin ich in Winkel bey Brentanos. — Meine Ergebenheit Ihren Hausgenossen, hochachtungsvoll
Achim Arnim.
Eben erhalte ich einen Brief von Hagen, der mir schreibt, daß er zu den Nibelungen Ihre Unterstützung erhalten, es freut mich dies glückliche Verständniß, es scheint jetzt ein allgemeiner Sturm zu werden gegen die tückische Bosheit falscher Kritik. Sind wir nur erst im Graben, ich stehe dafür der Wall, der so entsetzlich aussieht ist nichts als der Unrath der Garnison, den sie so regelmässig aufgestapelt hat.