Geb. den 4. Mai 1772 in Dortmund, gestorben am 20. August 1823 zu Leipzig. Begründer einer weltberühmten buchhändlerischen Firma (F. A. Brockhaus) und mehrfacher genialer bibliographischer wie literarischer Unternehmungen. Er lebte erst in Amsterdam, sodann in Altenburg, undzog endlich nach Leipzig, wo er bis zum Tode wirkte. Der nachstehend mitgetheilte Brief ist nicht unwichtig für eine richtige Anschauung geschäftlicher Verhältnisse zwischen Autor und Verleger, über welche ein großer Theil der gebildeten Welt sich noch immer seltsame Begriffe macht.
Geb. den 4. Mai 1772 in Dortmund, gestorben am 20. August 1823 zu Leipzig. Begründer einer weltberühmten buchhändlerischen Firma (F. A. Brockhaus) und mehrfacher genialer bibliographischer wie literarischer Unternehmungen. Er lebte erst in Amsterdam, sodann in Altenburg, undzog endlich nach Leipzig, wo er bis zum Tode wirkte. Der nachstehend mitgetheilte Brief ist nicht unwichtig für eine richtige Anschauung geschäftlicher Verhältnisse zwischen Autor und Verleger, über welche ein großer Theil der gebildeten Welt sich noch immer seltsame Begriffe macht.
Hr.Dr.LudwigTiekWohlgeb. in Dresden.
Leipzigden 30. May 1823.
Sehr verehrter Freund.
In der Druckerey hat man mir die Versicherung gegeben, daß die Vorschule bis zu Ende der nächsten Woche ausgesetzt seyn solle. Es wird sich also noch machen laßen, daß Sie alles vor Ihrer Reise nach Töplitz corrigiren können.
Wegen der bemerkten Druckfehler, so hat der Setzer in der Druckerei, der solche auszumerzen gehabt hätte, darin allerdings Fehler begangen. Indeßen sind sie doch nicht sehr bedeutend. Ein Verzeichniß derselben wird am Ende aber immer nützlich seyn.
Die Solgeriana liegen mir ausbemerkten Ursachensehr am Herzen!
Daß es die Novelle vor allen Dingen thun muß, können Sie denken. Ich bitte Sie daher auf das dringendste, mich damit nicht stecken zu laßen, da es mich in die empfindlichste Verlegenheit bringen würde!
Was die Herausgabe Ihrer sämtlichen Werke anbetrifft, so glaube ich, daß ich mich auf für Sie verehrtester Freund annehmliche Bedingungen mit Ihnen verstehen würde, wenn Sie deshalb vorab mit Reimer auseinander wären. Aber mich meinerseits mit diesem deshalb in Feindschaft und Streit zu setzen, mag ich nicht und könnte ich Schätze dabei gewinnen.
Wäre ich in Ihrer Stelle, so würde ich R. sehr einfach erklären, daß sowohl Berücksichtigung Ihrer Familie als der Wunsch Ihre Werke gesammelt in einer anständig und einförmig gedruckten Ausgabe erscheinen zu sehen, Sie zu demfesten Beschluß gebracht hätte, im nächsten Jahre eine Gesamtausgabe davon zu veranstalten. Was Wieland, Göthen, Schillern und den Herderschen Erben Recht gewesen und geworden müße es auch Ihnen seyn. Sie glaubten ihm aber vor andern den Vorzug geben zu müßen, weshalb Sie sich zuerst an ihn wendeten. Er möge sich also cathegorisch darüber erklären, wie er darüber denke, und wie er eine solche Gesamtausgabe zu honoriren gedenke. Ihre Bedingung eines saubern guten Drucks sey dabey nicht außer Acht zu laßen.
Können Sie sich dann mit R. nicht einigen und ergeht aus Ihrer Correspondenz mit ihm, daß er darauf resignirt, so trete ich gerne mit Ihnen in nähere Unterhandlung, die auch wohl zu einem Resultate führen dürfte, wenn man dem Publikum in dieser Ausgabe (letzter Hand) wesentliche Verbeßerungen der frühern Schriften und einiges Neue versprechen dürfte und ich der reellen und schnellen Ablieferung des Msc. gewis bliebe.
Auf das Hochachtungsvollste und FreundschaftlichsteBrockhaus.
Auf das Hochachtungsvollste und Freundschaftlichste
Brockhaus.