Collier, John Payne[9].

Geboren 1789, hat P. C. seine literarische Laufbahn als Zeitungsschreiber, und zwar als Mitarbeiter der Londoner Morning Chronicle, begonnen.Im Jahre 1820 gab er einen „poetischen Decamerone“ heraus.Als Literarhistoriker machte er sich zuerst dadurch bekannt, daß er in den Jahren 1825–28 die von Dodsley früher gesammelten und herausgegebenen „alten Dramen“ (Old Plays) neu edirte. Es war ihm bei dieser Gelegenheit gelungen, eilf bisher noch nicht bekannte, alte Stücke, zum Theil aus der Zeit Shakspeare’s aufzufinden und zu publiziren.Im Jahre 1831 gab er eine „Geschichte der dramatischen Poesie“ heraus, welche ihm die Gönnerschaft des Herzogs von Devonshire und anderer mäcenatischen Lords verschaffte, deren reiche Bücher- und Handschriften-Sammlungen ihm fortan zur Verfügung standen. Hier (in der Bibliothek des Lord Ellesmere) fand er angeblich die interessanten, handschriftlichen Erinnerungen an Shakspeare und dessen Schauspieler-Gesellschaft, die er 1835 in dem Buche „Neue Thatsachen Shakspeare’s Leben betreffend“ (New facts regarding the Life of Shakspeare) verwerthete. Diesen „Thatsachen“ folgten im Jahre 1836 „New Particulars“ (neue Einzelheiten) und im Jahre 1839 „Further Particulars“ (Weitere &c.) aus dem Leben des großen dramatischen Dichters. Nachdem er 1842–44 mit Hilfe seiner zwanzigjährigen Studien Shakspeare’s eine neue Ausgabe von dessen Werken besorgt und herausgegeben hatte, wurde ihm vom Parlament eine jährliche Pension von 100 Pfd. Sterl. bewilligt und ward er zum Vicepräsidenten der Archäologischen Gesellschaft (Society of Antiquaries) ernannt.Bemerkenswerth ist auch noch eine von ihm im Jahre 1846 herausgegebene Sammlung von „Denkwürdigkeiten der vornehmsten Schauspieler, die in Shakspeare’s Stücken mitgewirkt.“Am meisten bekannt gemacht, wiewohl leider in einem unrühmlichen Sinne, hat sich aber Payne Collier durch seine im Jahre 1852 erschienenen:„Notes and Emendations to the text of Shakspeare’s Plays, from early manuscript corrections in a copy of the Folio, 1662, in the possession of J. Payne Collier.“In diesem Buche werden über fünfzehnhundert wichtige Correkturen des Shakspeare’schen Textes mitgetheilt, die der Herausgeber in einem zufällig in seinen Besitz gekommenen Exemplare der Folio-Ausgabe des Dichters von 1632 gefunden haben wollte, und zwar war als dieser „alte Korrektor“ ein gewißer Thomas Perkins bezeichnet, der zur Zeit Shakspeare’s bereits gelebt und seine Verbesserungen zum Theil nach eigener besserer Kenntniß des Textes und zum Theil nach Mittheilungen gemacht haben sollte, welche ihm von Schauspielern der Shakspeare-Aera gemacht worden waren.In England wurde von P. C. selbst eine neue Ausgabe Shakspeare’s mit den Emendationen des alten Correktors veranstaltet, und in Deutschland fanden sich gleichzeitig zwei Uebersetzer „des wichtigen Ergänzungsbandes zu allen Uebersetzungen Sh’s“ in den HerrenJulius FreseundF. A. Leo.In England und in Deutschland wurden zwar sofort sehr gewichtige Zweifel an der Echtheit und Einwendungen gegen die Richtigkeit der gedachten Korrekturen erhoben: in England durchKnight,SingerundDyce, und in Deutschland (1853) durchNicolaus Delius, den Herausgeber der vortrefflichen deutschen Ausgabe von Shakspeare’s Werken in englischer Sprache. Das Publikum ließ sich jedoch sechs bis sieben Jahre lang durch die Autorität Colliers täuschen und kaufte seinen verballhornten Shakspeare, bis endlich im Jahre 1859 die Kontroverse, die sich in England und Deutschland erhoben hatte, durch eine gründliche Untersuchung der berufensten Sachverständigen entschieden wurde, an deren Spitze Sir Frederick Madden Oberaufseher der Manuscripte des britischen Museums stand und denen sich die gelehrten Archivare Englands, die Beamten desMaster of the Rolls, angeschlossen hatten.Diese Untersuchung an dem sogenanntenPerkins-Folioselbst, das inzwischen durch P. Collier für hohen Preis an den Herzog von Devonshire verkauft worden war, hat ergeben, daß sämmtliche Korrekturen in diesem alten Buche eine neuere Fabrication seien. Man entdeckte, daß Jemand mit Bleistift sämmtliche Korrekturen vorgezeichnet hatte, worauf sie dann mit Dinte in einer englischen Fracturschrift des siebzehnten Jahrhundertsübermaltworden. Man ermittelte, daß die Bleistift-Vorzeichnungen von P. Colliers Handschrift, daß an einzelnen Stellen die Korrekturen wiederausgewaschenwaren, und daß die Worte „Thomas Perkins his booke,“ die auf dem Deckel des Buches stehen, in einer ganz anderen, neueren Handschrift als die des 17. Jahrhunderts geschrieben seien. Das Protokoll dieser Ermittelungen ist sowohl von einem der Bibliothekare des Britischen Museums, HerrnHamilton, als von einem englischen Kritiker,C. Mansfield Ingelby, in einem ausführlichen Werke „A Complete View of the Shakspeare-Controversy“ publizirt worden.Aus dem letztgedachten Werke ist zugleich ersichtlich, daß auch die früheren Publicationen Payne-Colliers über Shakspeare zum Theil gefälscht seien. Leider ist jedoch ein Theil der sogenannten „Thatsachen aus Sh’s Leben,“ die P. C. ermittelt haben wollte, wie z. B. seine wachsende Betheiligung bei den Theater-Unternehmungen in London, bei dem Pagen-Unterricht am Hofe Jacob’sI.&c. in alle neueren Lebensbeschreibungen des Dichters übergegangen, und auch von deutschen Autoritäten sind sie noch in neuester Zeit vielfach nacherzählt worden, so daß wir selbst in den besten Biographieen des „Schwans vom Avon“ einen fast unentwirrbaren Knäuel von Wahrheit und Dichtung vor uns haben.Payne Collier’s Namen ist jedoch seitdem vollständig verschollen. Er genießt zwar noch seine ihm vom Parlamente bewilligte Pension, jedoch nirgends mehr die Achtung seiner Landsleute.

Geboren 1789, hat P. C. seine literarische Laufbahn als Zeitungsschreiber, und zwar als Mitarbeiter der Londoner Morning Chronicle, begonnen.

Im Jahre 1820 gab er einen „poetischen Decamerone“ heraus.

Als Literarhistoriker machte er sich zuerst dadurch bekannt, daß er in den Jahren 1825–28 die von Dodsley früher gesammelten und herausgegebenen „alten Dramen“ (Old Plays) neu edirte. Es war ihm bei dieser Gelegenheit gelungen, eilf bisher noch nicht bekannte, alte Stücke, zum Theil aus der Zeit Shakspeare’s aufzufinden und zu publiziren.

Im Jahre 1831 gab er eine „Geschichte der dramatischen Poesie“ heraus, welche ihm die Gönnerschaft des Herzogs von Devonshire und anderer mäcenatischen Lords verschaffte, deren reiche Bücher- und Handschriften-Sammlungen ihm fortan zur Verfügung standen. Hier (in der Bibliothek des Lord Ellesmere) fand er angeblich die interessanten, handschriftlichen Erinnerungen an Shakspeare und dessen Schauspieler-Gesellschaft, die er 1835 in dem Buche „Neue Thatsachen Shakspeare’s Leben betreffend“ (New facts regarding the Life of Shakspeare) verwerthete. Diesen „Thatsachen“ folgten im Jahre 1836 „New Particulars“ (neue Einzelheiten) und im Jahre 1839 „Further Particulars“ (Weitere &c.) aus dem Leben des großen dramatischen Dichters. Nachdem er 1842–44 mit Hilfe seiner zwanzigjährigen Studien Shakspeare’s eine neue Ausgabe von dessen Werken besorgt und herausgegeben hatte, wurde ihm vom Parlament eine jährliche Pension von 100 Pfd. Sterl. bewilligt und ward er zum Vicepräsidenten der Archäologischen Gesellschaft (Society of Antiquaries) ernannt.

Bemerkenswerth ist auch noch eine von ihm im Jahre 1846 herausgegebene Sammlung von „Denkwürdigkeiten der vornehmsten Schauspieler, die in Shakspeare’s Stücken mitgewirkt.“

Am meisten bekannt gemacht, wiewohl leider in einem unrühmlichen Sinne, hat sich aber Payne Collier durch seine im Jahre 1852 erschienenen:

„Notes and Emendations to the text of Shakspeare’s Plays, from early manuscript corrections in a copy of the Folio, 1662, in the possession of J. Payne Collier.“

In diesem Buche werden über fünfzehnhundert wichtige Correkturen des Shakspeare’schen Textes mitgetheilt, die der Herausgeber in einem zufällig in seinen Besitz gekommenen Exemplare der Folio-Ausgabe des Dichters von 1632 gefunden haben wollte, und zwar war als dieser „alte Korrektor“ ein gewißer Thomas Perkins bezeichnet, der zur Zeit Shakspeare’s bereits gelebt und seine Verbesserungen zum Theil nach eigener besserer Kenntniß des Textes und zum Theil nach Mittheilungen gemacht haben sollte, welche ihm von Schauspielern der Shakspeare-Aera gemacht worden waren.

In England wurde von P. C. selbst eine neue Ausgabe Shakspeare’s mit den Emendationen des alten Correktors veranstaltet, und in Deutschland fanden sich gleichzeitig zwei Uebersetzer „des wichtigen Ergänzungsbandes zu allen Uebersetzungen Sh’s“ in den HerrenJulius FreseundF. A. Leo.

In England und in Deutschland wurden zwar sofort sehr gewichtige Zweifel an der Echtheit und Einwendungen gegen die Richtigkeit der gedachten Korrekturen erhoben: in England durchKnight,SingerundDyce, und in Deutschland (1853) durchNicolaus Delius, den Herausgeber der vortrefflichen deutschen Ausgabe von Shakspeare’s Werken in englischer Sprache. Das Publikum ließ sich jedoch sechs bis sieben Jahre lang durch die Autorität Colliers täuschen und kaufte seinen verballhornten Shakspeare, bis endlich im Jahre 1859 die Kontroverse, die sich in England und Deutschland erhoben hatte, durch eine gründliche Untersuchung der berufensten Sachverständigen entschieden wurde, an deren Spitze Sir Frederick Madden Oberaufseher der Manuscripte des britischen Museums stand und denen sich die gelehrten Archivare Englands, die Beamten desMaster of the Rolls, angeschlossen hatten.

Diese Untersuchung an dem sogenanntenPerkins-Folioselbst, das inzwischen durch P. Collier für hohen Preis an den Herzog von Devonshire verkauft worden war, hat ergeben, daß sämmtliche Korrekturen in diesem alten Buche eine neuere Fabrication seien. Man entdeckte, daß Jemand mit Bleistift sämmtliche Korrekturen vorgezeichnet hatte, worauf sie dann mit Dinte in einer englischen Fracturschrift des siebzehnten Jahrhundertsübermaltworden. Man ermittelte, daß die Bleistift-Vorzeichnungen von P. Colliers Handschrift, daß an einzelnen Stellen die Korrekturen wiederausgewaschenwaren, und daß die Worte „Thomas Perkins his booke,“ die auf dem Deckel des Buches stehen, in einer ganz anderen, neueren Handschrift als die des 17. Jahrhunderts geschrieben seien. Das Protokoll dieser Ermittelungen ist sowohl von einem der Bibliothekare des Britischen Museums, HerrnHamilton, als von einem englischen Kritiker,C. Mansfield Ingelby, in einem ausführlichen Werke „A Complete View of the Shakspeare-Controversy“ publizirt worden.

Aus dem letztgedachten Werke ist zugleich ersichtlich, daß auch die früheren Publicationen Payne-Colliers über Shakspeare zum Theil gefälscht seien. Leider ist jedoch ein Theil der sogenannten „Thatsachen aus Sh’s Leben,“ die P. C. ermittelt haben wollte, wie z. B. seine wachsende Betheiligung bei den Theater-Unternehmungen in London, bei dem Pagen-Unterricht am Hofe Jacob’sI.&c. in alle neueren Lebensbeschreibungen des Dichters übergegangen, und auch von deutschen Autoritäten sind sie noch in neuester Zeit vielfach nacherzählt worden, so daß wir selbst in den besten Biographieen des „Schwans vom Avon“ einen fast unentwirrbaren Knäuel von Wahrheit und Dichtung vor uns haben.

Payne Collier’s Namen ist jedoch seitdem vollständig verschollen. Er genießt zwar noch seine ihm vom Parlamente bewilligte Pension, jedoch nirgends mehr die Achtung seiner Landsleute.

24 Brompton Squarenear London

Augst 21st. 1842.

Sir

I make no apology for addressing the following question to you.

Have you any information respecting any visit paid by Shakespeare either to Italy or to any other part of the Continent?

It is stated in London that you possess some such information, and as I am now engaged on an edition of Shakespeare’s Works, which will be preceded by a new Life of the Poet, you will see at once how valuable any fresh tidings would be to me.

If I understood your language half, or one quarter, as you have proved that you understand mine, I should be better able to avail myself of the valuable matter you have from time to time printed regarding the biography and writings of our great dramatist.

I do not hesitate a moment in believing that should you have obtained any such information, as that to which I have referred, you will not object to communicate it to a person who has devoted his life to understand a writer, whom it requires more than a life to comprehend and appreciate. I am,

Sir,with the greatest respect and most sincereadmiration your very obedientServant J. Payne Collier.

Sir,

with the greatest respect and most sincereadmiration your very obedientServant J. Payne Collier.

My friend Mr. H. C. Robinson desires me to present to you his best compliments, and to add that he hopes to find you at Berlin, when he visits Prussia next year.

Adresse.Ludwig TieckEsqre.BerlinBy favour of his Excellencythe Chevalier Bunsen.

Adresse.Ludwig TieckEsqre.Berlin

By favour of his Excellencythe Chevalier Bunsen.


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