Hallwachs.

Geheimrath H. und dessen Gemahlin bildeten gewissermaßen den Mittelpunkt des Kreises, von dem zu seiner Zeit inDarmstadtdas geistige Leben ausging. Staatsbeamter, Familienvater — und Musensohn zugleich, belebte dieser für Kunst und Wissen lebende Mann, im Vereine mit Höpffner, Gottfr. Weber, Jaup, Georg Heumann, Hout’s u. a. GleichgesinntenjeneGeselligkeit, die nicht einzig und allein auf Essen und Trinken gestellt sein will. — Sein unbedingter, fast ausschließlicher Goethe-Cultus hat ihn, wie drei Briefe bezeugen, doch nicht abgehalten, einen hübschen Seitenaltar für eine Tieck-Kapelle zu stiften, und diesen ebenfalls gebührend auszustatten. —Er starb als Großherzogl. Minister. Die Lücke, die sein Tod in der Staatsverwaltung verursachte, mag genügend ausgefüllt worden sein.Was er den Seinigen, den Freunden, der gebildeten Welt Darmstadt’s gewesen ist und bedeutet hat, — dafür giebt eskeinenErsatz.

Geheimrath H. und dessen Gemahlin bildeten gewissermaßen den Mittelpunkt des Kreises, von dem zu seiner Zeit inDarmstadtdas geistige Leben ausging. Staatsbeamter, Familienvater — und Musensohn zugleich, belebte dieser für Kunst und Wissen lebende Mann, im Vereine mit Höpffner, Gottfr. Weber, Jaup, Georg Heumann, Hout’s u. a. GleichgesinntenjeneGeselligkeit, die nicht einzig und allein auf Essen und Trinken gestellt sein will. — Sein unbedingter, fast ausschließlicher Goethe-Cultus hat ihn, wie drei Briefe bezeugen, doch nicht abgehalten, einen hübschen Seitenaltar für eine Tieck-Kapelle zu stiften, und diesen ebenfalls gebührend auszustatten. —

Er starb als Großherzogl. Minister. Die Lücke, die sein Tod in der Staatsverwaltung verursachte, mag genügend ausgefüllt worden sein.

Was er den Seinigen, den Freunden, der gebildeten Welt Darmstadt’s gewesen ist und bedeutet hat, — dafür giebt eskeinenErsatz.

Darmstadt, d. 21. Aug. 1836.

Auf Ihren Brief vom 14. d., verehrtester Freund, würde ich sogleich geantwortet haben, wenn ich nicht den Schluß der verspäteten und oft unterbrochenen Versteigerung hätte abwarten wollen. Aus der Anlage sehen Sie nun das Resultat. Wenn wir auch 4 Schriften nicht erhalten haben, so können wir doch wohl triumphiren. Sie haben nun ihren Holinshed und es kostet Sie derselbe mit der Dreingabe der anderen 7 Bde. noch lange nicht das, was Sie für die beiden geliebten Folianten (welche 3 Thle. umschließen) geben wollten. Ihre Leidenschaft kann sich nun Genüge thun; ich mache nur eine einige Bedingung dabei, nämlich die, daß Sie Ihrer Jagd auf Holinshed und dessen glücklichem Fund eine halb ernst- und halb scherzhafte Novelle widmen, welche noch einen Vorläufer zu Ihrem Buche über S. machen soll. Ich werde Ihren Schatz aufbewahren, bis Sie ihn zu heben kommen; wenn er mir nur bis dahin nicht verbrannt, oder gestohlenoder (damit ich Sie mit einer gegenwärtigeren Gefahr zu uns herantreibe) von den vielen Kindern im Hause beschädigt wird!

Ihr Unglück bei Wiesloch hat die regste Theilnahme bei uns gefunden; überzeugen Sie uns bald, daß es nichts an Ihnen zurückgelassen hat. Aber wie kommen Sie über Wiesloch? Haben Sie Dstdt. incognito überfahren? Sie werden sich in diesem Punkte rechtfertigen müssen.

Der nach Mainz versetzte Hallwachs ist mein Doppeltgänger, nämlich mein Bruder. (Diese Jean Paulische Phrase nebst Parenthese gebrauche ich zu Ihrer Strafe, weil der Argwohn wegen Ihres Durchschleichens nach B. mir zum voraus nicht zu beseitigen zu seyn scheint.)

Rehbergs Tod ist Ihnen bekannt; er soll in der letzten Zeit noch viel gelitten haben. Mein Schwager Höpfner kam zufällig zu seinem Tode und hat ihn nicht mehr gesehen. Die Rehberg wird wahrscheinlich in der Nähe von Hannover, bei dem Stift Marienwerder, ihren Wohnsitz nehmen. Ein anderer Schwager von mir (der seine Familie in betrübteren Verhältnissen zurückläßt, als Rehberg die seinige) starb auch in diesen Tagen, und die Frau meines Bruders in Mainz liegt zu Frankfurt tödtlich krank, was uns alles vielen Kummer bereitet.

Heumann ist wohl zurück; ein Bayer ist er längst, jedoch nicht durch Verbauern, sondern durch Verprinzeln.

Er grüßt Sie herzlichst, wie wir alle, sammt und sonders, und alle bitten wir Sie, der Frau Gräfin unsere innige Verehrung auszudrücken und unsere Freude, daß sie mit Ihnen komme.

Nun noch eine Frage; Ihre Freunde haben sich hier eher vermehrt, als vermindert. Wäre es Ihnen recht, wenn sich dieselben, in ähnlicher Weise wie damals, als Sie zum erstenmal bei uns waren, bei einem Mittagessen auf dem bekannten Karlshofe, um Sie versammelten? Oder wollen Sienichts dergleichen? Schreiben Sie mir solches aufrichtig und womöglich den Tag Ihrer Ankunft, damit wir hübsch zu Hause bleiben und am Tage des Dichters nicht fortlaufen.

Herzlichst

IhrW. Hallwachs.

Ihr

W. Hallwachs.

Darmstadt, d. 2. Juli 1841.

Verehrtester Freund!

Wir schwiegen, weil wir mit Ihnen fühlten.

Ja, kommen Sie doch endlich. Wir harren schon lange. Und wenn es Ihnen und den Ihrigen in meiner kinderreichen Wohnung nicht zu lärmend und unbequem ist, so erfüllen Sie unsere freudige Hoffnung und kehren alle bei uns ein.

Da Sie Montags nach Baden zurückkommen, so schreibe ich dahin. Wenn ich bis Mittwoch den 7. nichts Weiteres von Ihnen höre, nehme ich an, daß dieses Blatt Sie nicht in Baden getroffen, und schreibe nochmalsposte restantenach Heidelberg. Findet solches aber Sie zur rechten Zeit, so laßen Sie am 5. oder 6ten eine weitere Zeile an mich abgehen und sagen Sie mir kurz, daß und wann Sie zu uns kommen, auch ob die Damen ihre Bedienung ganz nahe bei sich haben müßen, so wie überhaupt, welche Bequemlichkeiten Sie etwa besonders wünschen. Und wenn nicht Sie, so schreibt vielleicht die verehrteste Gräfin darüber an meine Frau, oder Ihre liebe Tochter Agnes an meine Tochter Auguste.

Heumann befindet sich zu Brückenau. Die liebe Rehberg reist am 7. von Hannover ab und hofft am 14. hier einzutreffen.

Mehrere Ihnen befreundete Seelen finden Sie nicht mehr hier.

Alle die noch leben und in unserer Mitte sind grüßen Sie und winken Ihnen mit klopfenden Herzen.

Unwandelbar

der IhrigeHallwachs.

der Ihrige

Hallwachs.

N. S.Ihr lieber Brief traf mich in der Frühe, mitten in meiner Familie, an meinem Geburtstage und krönte die Geschenke, welche auf dem Tische für mich ausgebreitet lagen.

Darmstadt, d. 27. Sept. 1842.

Verehrtester Freund!

Der wahrscheinliche Ueberbringer dieses Blattes ist der Landgerichts-Präsident Bessel von Saarbrücken, welcher sich auf seiner Reise nach Berlin einige Stunden bei uns aufgehalten hat, und den wir gebeten haben, sich womöglich von Ihrem Befinden persönlich zu überzeugen, da, nach so vielen guten Nachrichten, plötzlich eine von einem Ihnen zugestoßenen Unwohlseyn in die Zeitungen übergegangen ist.

Alle Getreuen in D. grüßen Sie herzlichst und laßen Ihnen sagen, wie sie an allem, was man von Ihnen hört und liest, mit Freude und Sehnsucht und Bangen, mit vollstem Herzen hängen.

Laßen Sie mich noch mit unseren herzlichen Glückwünschen zur Verlobung, vielleicht jetzo schon Vermählung, Ihrer lieben Tochter Agnes die Nachricht verbinden, daß meine Auguste deren Beispiel schnell gefolgt ist und sich mit einem hiesigen braven Officier, der zugleich militärischer Schriftsteller ist, Oberlieutnant Scholl, versprochen hat. Wollen wir nicht etwa beide Hochzeiten zusammen auf dem Heidelberger Schloß feiern?

Aber ach! der König wird Sie uns nun auf immer entrissen haben!

Möchten Sie doch, indem Sie diese Zeilen fassen, ganz wohl seyn, und unter den innigsten Begrüßungen der Ihrigen, mit ganz heiterem Auge zugleich die erneuerte Zusage unserer frischesten Liebe und Verehrung aufnehmen.

W. Hallwachs.

W. Hallwachs.


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