Geb. 1758 zu Oberndorf am Lech, Kassierer in Lemberg, — Sekretair in Wien, — Direktor des Theaters in Lemberg, — Gutsbesitzer — gestorben...?Der Augarten, Gedicht. — Der junge Maler am Hofe. — Das Schleifermädchen aus Schwaben, Romane.Über seine dramatischen Arbeiten dürfen wir billig schweigen, da der Leser durch den Autor im nachstehenden Briefe genügend davon unterrichtet wird. Der Brief hat wirklich um seiner Form willen wenig Anspruch auf öffentliche Mittheilung zu machen, und wäre die darin enthaltene Bitte an irgend einen andern Menschen gerichtet, so wäre gar nichts Besonderes dabei.Daß aber Herr Kratter sich mit seinem Ansuchen zu Tieck wendet, übersteigt die Grenzen kindlicher Naivetät.Ludwig Tiecksoll ihm einen Verleger für alte, längst von den Brettern verschwundene Dramen auftreiben, die gerade von den Kritikern, zu denen sich damals T. so heftig gesellte, ohne Erbarmen und Schonung perhorrescirt worden sind? Es wäre zum Todlachen — wär’s nicht zugleich wahrhaft rührend! Man erinnere sich nur des A. W. Schlegel’schen Sonettes aus der „Triumph- und Ehren-Pforte“ für den aus Sibirien zurückkehrenden „Theaterpräsidenten:“„&c. Und wie ein Jeder kann, so fei’r’ ihn Jeder:Du kratz’ das Herz mit Höllenfratzen Kratter,Du siede neue Zauberinnen Zschokke,Du lass’ die Bestien tanzen Schikaneder!“Was ihm wohl Tieck geantwortet haben mag? — Je nun, wir denken, das ist leicht errathen. Gar nichts!
Geb. 1758 zu Oberndorf am Lech, Kassierer in Lemberg, — Sekretair in Wien, — Direktor des Theaters in Lemberg, — Gutsbesitzer — gestorben...?
Der Augarten, Gedicht. — Der junge Maler am Hofe. — Das Schleifermädchen aus Schwaben, Romane.
Über seine dramatischen Arbeiten dürfen wir billig schweigen, da der Leser durch den Autor im nachstehenden Briefe genügend davon unterrichtet wird. Der Brief hat wirklich um seiner Form willen wenig Anspruch auf öffentliche Mittheilung zu machen, und wäre die darin enthaltene Bitte an irgend einen andern Menschen gerichtet, so wäre gar nichts Besonderes dabei.
Daß aber Herr Kratter sich mit seinem Ansuchen zu Tieck wendet, übersteigt die Grenzen kindlicher Naivetät.Ludwig Tiecksoll ihm einen Verleger für alte, längst von den Brettern verschwundene Dramen auftreiben, die gerade von den Kritikern, zu denen sich damals T. so heftig gesellte, ohne Erbarmen und Schonung perhorrescirt worden sind? Es wäre zum Todlachen — wär’s nicht zugleich wahrhaft rührend! Man erinnere sich nur des A. W. Schlegel’schen Sonettes aus der „Triumph- und Ehren-Pforte“ für den aus Sibirien zurückkehrenden „Theaterpräsidenten:“
„&c. Und wie ein Jeder kann, so fei’r’ ihn Jeder:Du kratz’ das Herz mit Höllenfratzen Kratter,Du siede neue Zauberinnen Zschokke,Du lass’ die Bestien tanzen Schikaneder!“
„&c. Und wie ein Jeder kann, so fei’r’ ihn Jeder:Du kratz’ das Herz mit Höllenfratzen Kratter,Du siede neue Zauberinnen Zschokke,Du lass’ die Bestien tanzen Schikaneder!“
„&c. Und wie ein Jeder kann, so fei’r’ ihn Jeder:Du kratz’ das Herz mit Höllenfratzen Kratter,Du siede neue Zauberinnen Zschokke,Du lass’ die Bestien tanzen Schikaneder!“
„&c. Und wie ein Jeder kann, so fei’r’ ihn Jeder:
Du kratz’ das Herz mit Höllenfratzen Kratter,
Du siede neue Zauberinnen Zschokke,
Du lass’ die Bestien tanzen Schikaneder!“
Was ihm wohl Tieck geantwortet haben mag? — Je nun, wir denken, das ist leicht errathen. Gar nichts!
Lemberg, den 16ten April 1829.
Hochzuverehrender Herr!
Einer der vorzüglichsten Verehrer Ihrer litterarischen Verdienste ist so frei, aus dem fernen Norden Ihre Güte in Anspruch zu nehmen. Man hat mir so viel Rühmliches von der Humanität Ihres Charakters gesagt, daß ich kein Bedenken trage, mich mit einer Bitte an Sie zu wenden, deren gefällige Gewährung für mich von großer Bedeutung wäre.
Der Buchhändler Wallishauser in Wien übernahm den Verlag der Ausgabe meiner sämmtlichen dramatischen Arbeiten. Allein die Wienerzensur verboth von den ersten sechs zum Drucke eingesendeten Schauspielen zwei der Interessantesten, und verstümmelte die Übrigen so unbarmherzig, daß sie mir diese Ausgabe in den Östreichischen Staaten platterdings unmöglich machte. Da diese Schriften durchaus reine Moralität zum Zwecke haben, so ist mir die zwecklos übertriebene Strenge dieser Zensur unerklärbar.
Da ich seit vielen Jahren nichts in den Druck gegeben habe, so sind alle meine litterarischen Verhältnisse mit dem Auslande nach und nach gänzlich erloschen. Ich wage es daher, Sie in meiner Angelegenheit um Ihren gütigen Beistand zu bitten. Ihre vielfältigen Verhältnisse würden es meiner Meinung nach Ihnen nicht schwer machen, mich in Hinsicht des Verlages besagter Schriften mit irgend einer soliden Buchhandlung in Verbindung zu bringen. Deuten Sie mir es nicht ungütig, wenn ich mich dann unterfange, Ihre Bemühung im Falle eines guten Erfolges erkenntlich zu honoriren.
Verzeichniß der zum Drucke fertigen Schauspiele.
1.Der Weise im Unglück.Sch. in 5 A. von der Zensur verbothen. Ob es gleich vor vielen Jahren unter dem Titel: Der Vizekanzler auf dem K. K. Hoftheater sehr oft mit grossem Beifall gegeben worden ist. Als eine jugendliche Arbeit verwarf ich es nun, und gründete auf den sehr anziehenden Stoff ein ganz neues Schauspiel unter der obigen Benennung.2.Das Mädchen von Marienburg, ein fürstliches Familiengemählde in 5 A. nach der neuen Verbesserung von der Zensur verbothen, nachdem es auf dem K. K. Hoftheater mehr denn hundertmal dargestellt worden ist.3.Die Pflegesöhne, ein Trauerspiel in 5 A. Noch ungedruckt. In Jamben. Es war mehrere Jahre hindurch auf dem K. K. Hoftheater ein Repertoirstück. Ich glaube nun, daß es durch eine fleissige Umarbeitung an Werth gewonnen habe.4.Athenais, Sch. in 5 A. in Jamben. Als ein Gegenstück zum Mädchen von Marienburg von nicht weniger interessantem Stoff. Es ist noch ungedruckt.5.Der Blutzins an die Mauren.Heroisches Sch. in 5 A. in Jamben, und noch ungedruckt. Aus denZeiten, als die christlichen Städte in Spanien jährlich eine Anzahl Jungfrauen als Tribut an die Sarazenen abliefern mußten.6.Bruder Franz von Paula.Heroisches Sch. in 5 A. in Jamben, und noch ungedruckt. Meines Erachtens der interessanteste Stoff von allen meinen Schauspielen.7.Die Sklavin in Surinam.Sch. in 5 A. Zwar vor mehrern Jahren von Eßlinger in Frankfurt verlegt, nun aber gänzlich umgearbeitet.8.Das Oktoberfest, oder das Paradies des Gutsherrn. Ländliches Gemählde in 5 A. So eben verfaßt, und vielleicht kein unkräftiges Wörtchen zu unserer Zeit. Noch ungedruckt.9.Die Verschwörung wider Peter den Großen.Tr. in 5 A. Im Jahre 1790 von der deutschen gelehrten Gesellschaft in Manheim mit dem Preise gekrönt. Demungeachtet fand ich es jetzt nöthig, demselben durch Umarbeitung eine neue Gestalt zu geben.10.Der Friede am Pruth, Sch. in 5 A. Als Fortsetzung des Mädchens von Marienburg.
1.Der Weise im Unglück.Sch. in 5 A. von der Zensur verbothen. Ob es gleich vor vielen Jahren unter dem Titel: Der Vizekanzler auf dem K. K. Hoftheater sehr oft mit grossem Beifall gegeben worden ist. Als eine jugendliche Arbeit verwarf ich es nun, und gründete auf den sehr anziehenden Stoff ein ganz neues Schauspiel unter der obigen Benennung.
2.Das Mädchen von Marienburg, ein fürstliches Familiengemählde in 5 A. nach der neuen Verbesserung von der Zensur verbothen, nachdem es auf dem K. K. Hoftheater mehr denn hundertmal dargestellt worden ist.
3.Die Pflegesöhne, ein Trauerspiel in 5 A. Noch ungedruckt. In Jamben. Es war mehrere Jahre hindurch auf dem K. K. Hoftheater ein Repertoirstück. Ich glaube nun, daß es durch eine fleissige Umarbeitung an Werth gewonnen habe.
4.Athenais, Sch. in 5 A. in Jamben. Als ein Gegenstück zum Mädchen von Marienburg von nicht weniger interessantem Stoff. Es ist noch ungedruckt.
5.Der Blutzins an die Mauren.Heroisches Sch. in 5 A. in Jamben, und noch ungedruckt. Aus denZeiten, als die christlichen Städte in Spanien jährlich eine Anzahl Jungfrauen als Tribut an die Sarazenen abliefern mußten.
6.Bruder Franz von Paula.Heroisches Sch. in 5 A. in Jamben, und noch ungedruckt. Meines Erachtens der interessanteste Stoff von allen meinen Schauspielen.
7.Die Sklavin in Surinam.Sch. in 5 A. Zwar vor mehrern Jahren von Eßlinger in Frankfurt verlegt, nun aber gänzlich umgearbeitet.
8.Das Oktoberfest, oder das Paradies des Gutsherrn. Ländliches Gemählde in 5 A. So eben verfaßt, und vielleicht kein unkräftiges Wörtchen zu unserer Zeit. Noch ungedruckt.
9.Die Verschwörung wider Peter den Großen.Tr. in 5 A. Im Jahre 1790 von der deutschen gelehrten Gesellschaft in Manheim mit dem Preise gekrönt. Demungeachtet fand ich es jetzt nöthig, demselben durch Umarbeitung eine neue Gestalt zu geben.
10.Der Friede am Pruth, Sch. in 5 A. Als Fortsetzung des Mädchens von Marienburg.
Die noch ungedruckten und umzuarbeitenden Stücke sind:
1.Sebastian der Unächte.Tr. in 5 A. in Jamben.
2.Der Mohrenkönig.Sch. in 5 A.
3.Appius der Dezemvir.Tr. in 5 A. in Jamben.
4.Eginhard und Emma.Sch. in 5 A.
5.Die Kriegskammeraden.L. in 5 A.
6.Der Brautwerber.L. in 5 A.
Sie dürften in zwei Jahren zum Drucke fertig werden.
Ich ließ diese Schriften größten Theils noch ungedruckt liegen, bis ich theils zur wesentlichen Verbesserung, theils zur gänzlichen Umarbeitung derselben einen von allen Geschäftenfreien Zeitpunkt gewinnen würde. Dieser traf endlich vor zwei Jahren ein, und ich benützte ihn mit besonderem Fleiß. Ich glaube daher weder Ihre gütige Verwendung zu kompromittiren, noch von einer bescheidenen Kritik etwas Arges fürchten zu müssen. In der Beilage sind die zum Drucke fertigen Stücke verzeichnet.
Herr Wallishauser würde sich herbeilassen, von dem Verleger eine bedeutende Anzahl Exemplare zu übernehmen, wenn ihm von demselben der ausschliessende Absatz in den Österr. Staaten zugesichert würde. Gegen auswärts gedruckte Schriften ist die Wienerzensur ziemlich nachsichtig. Es wäre daher von ihr nichts Schlimmes in dieser Hinsicht zu besorgen.
Ich ersuche Sie um eine gefällige Antwort, indem ich mit der geziemendsten Hochachtung die Ehre habe zu seyn
IhrergebensterFranz Kratter,Gutsbesitzer.
Ihr
ergebenster
Franz Kratter,
Gutsbesitzer.
N. Sch. Haben Sie die Güte, Ihr Schreiben bei Herrn Doktor und Professor Maus in der grossen Armeniergasse abgeben zu lassen. — Unangenehm ist es mir, daß der Brief nur bis zur Grenze frankirt werden konnte.