Tochter des Schauspieldirektor Koch, unter dessen Leitung sie bei einer reisenden Truppe vergangener Zeiten, im guten Sinne geführt, zur beliebten Schauspielerin emporwuchs, und sich auch in Berlin Geltung erwarb. Eine Zeitlang hatte sie dann, mit ihrem Gatten, Hrn. Krickeberg, im Verein, die Direktion des Schweriner Theaters. Während Graf Brühl’s Intendanz ward sie Mitglied der Königl. Schauspiele, und behauptete, obgleich im Ganzen wenig beschäftigt, bis zum Todeden Rang einer durch Geist und sanfte Sitten bevorzugten und im geselligen Umgange hochgeschätzten Schauspielerin. Sie hat sich auch mit Erfolg in verschiedenen Umarbeitungen (nicht Übersetzungen) französischer Stücke versucht. Aber von Allem was sie geschrieben möchte wohl nichts zu vergleichen seyn, mit dem zweiten dieser Briefe; und keine Rolle, in welcher sie auf mehr denn sechszigjähriger Theaterlaufbahn Beifall erworben, kannderRolle gleich kommen, die sie hier bekleidet. Wir haben sehr beklagt, daß alle ihren andern Zuschriften an T. abhanden gekommen sind, und schieben, als Ersatz für das Verlorengegangene einen Tieck’schen Brief dazwischen; einen der wenigen, die sich für solchen Zweck ins Reine geschrieben, und von seiner Hand korrigirt, vorfinden.
Tochter des Schauspieldirektor Koch, unter dessen Leitung sie bei einer reisenden Truppe vergangener Zeiten, im guten Sinne geführt, zur beliebten Schauspielerin emporwuchs, und sich auch in Berlin Geltung erwarb. Eine Zeitlang hatte sie dann, mit ihrem Gatten, Hrn. Krickeberg, im Verein, die Direktion des Schweriner Theaters. Während Graf Brühl’s Intendanz ward sie Mitglied der Königl. Schauspiele, und behauptete, obgleich im Ganzen wenig beschäftigt, bis zum Todeden Rang einer durch Geist und sanfte Sitten bevorzugten und im geselligen Umgange hochgeschätzten Schauspielerin. Sie hat sich auch mit Erfolg in verschiedenen Umarbeitungen (nicht Übersetzungen) französischer Stücke versucht. Aber von Allem was sie geschrieben möchte wohl nichts zu vergleichen seyn, mit dem zweiten dieser Briefe; und keine Rolle, in welcher sie auf mehr denn sechszigjähriger Theaterlaufbahn Beifall erworben, kannderRolle gleich kommen, die sie hier bekleidet. Wir haben sehr beklagt, daß alle ihren andern Zuschriften an T. abhanden gekommen sind, und schieben, als Ersatz für das Verlorengegangene einen Tieck’schen Brief dazwischen; einen der wenigen, die sich für solchen Zweck ins Reine geschrieben, und von seiner Hand korrigirt, vorfinden.
Berlin, d. 6ten August 1823.
Es würde eitler seyn, als erlaubt ist, wenn ich mir schmeicheln wollte, der Name am Ende des Blattes hätte jemals so viel Interreße für Sie gehabt, um Ihrer Erinnerung einmal wieder vorzuschweben, und Vermeßenheit darauf einen Empfehlungsbrief zu bauen. Mein Name indeß gehört zu Ihrer Jugend und wer möchte sich deßen erinnern wollen, wenn Sie der Morgenröthe nicht gern gedächten, die solch einem Tage voranging? Die Liebe einer Mutter zu dem Sohne ließ mich die Furcht überwinden, daß Sie Blatt und Überbringer unwillig bey Seite werfen möchten, und so steht denn, wenn Sie diese Zeilen lesen, ein junger Mensch vor Ihnen, dem das Glück Sie von Angesicht zu sehen, wie der Stern geleuchtet hat, der einst die Hirten führte.
Er hatte sich zum Juristen bestimmt und zwey Jahre studirt; aber der poetische Anklang in seiner Seele, ließ dem Kopfe keinen Raum für die trockene Wißenschaft, und er hat eine Künstlerlaufbahn eingeschlagen, auf der ich ihn nicht ganz ohne Sorgen wandeln sehe.
Er kömmt nach Dresden, um sich von den Italienern einUrtheil über seine Stimme zu holen, so will es seine Lehrerin, Mad. Fischer. Mit Freuden habe ich diese Reise veranstaltet, sie wird ihm in jedem Falle von großem Nutzen seyn. Erlauben Sie ihm, Sie zuweilen zu sehen; schicken Sie ihn fort, wenn er Sie stört, aber vergönnen Sie ihm das Glück, wornach er strebt. Er wird Ihnen sagen, mit welcher Freude wir Ihre belehrenden Kritiken studirt haben; wie uns die Kunst neu belebt erscheint, wenn solche Männer uns mit ihrem Urtheil zur Wahrheit führen. Mein Wirkungskreis ist beschränkt, nicht dankbar, aber ich wollte ums Brod stricken, wenn der warme Eifer für die gute Sache in mir erkalten könnte. Ich höre auf, um Sie nicht zu ermüden. Grüße von unserm Freunde L. Robert bringt Ihnen Karl, und ich lasse mir es nicht nehmen, die freundlichsten von seiner schönen Frau zu schreiben.
Frau von Varnhagen wollte selbst schreiben und das wäre ein ganz andrer Schutzbrief für meinen Sohn gewesen. — Sie sollten nur sehen und hören, wie oft, mit welcher Verehrung Ihr theurer Name in diesem achtbaren Kreise tönt, gewiß Sie würden schon um deßenwillen, den armen kleinen Brief nicht unfreundlich ansehen, den ich so gern selbst gebracht hätte.
Ist mirs doch als könnte ich nicht enden! Der Himmel erhalte Ihre, der Welt so theure, unschätzbare Gesundheit, damit sie nicht den hellen Geist trübe, der sie erleuchtet durch seinen Genius verklärt.
Mit der innigsten Verehrung empfiehlt sich Ihrer Güte
IhreergebensteFr. Krickeberggeb. Koch.
Ihre
ergebenste
Fr. Krickeberg
geb. Koch.
Dresden, den 15. Mai 1835.
Ludw. Tieck an Friederike Krickeberg.
Wenn ich Sie, geehrte theure Freundin, so spät mit diesen Zeilen begrüße, so müssen Sie aus Ihrem guten liebevollen Herzen nur nicht glauben, daß Vernachläßigung oder Vergessenheit die Ursache daran sind, — sondern ein unglückliches Aufschieben, ein verwöhntes Gefühl, als wenn man wie viele hundert Jahre zu leben hätte, und zu allen guten und nothwendigen Dingen noch die gehörige Zeit finden würde. Es gehört zu den schönen Erinnerungen meines Lebens und meiner Jugend, daß ich Sie, Theure, in den Jahren 1794 und 1795 so oft gesehn habe, so manches mit Ihnen besprochen, daß Sie mir so freundlich waren. Späterhin trennten uns Schicksale und der Wechsel des menschlichen Lebens. Mich hat es bis jetzt sehr erfreut, daß Sie meiner so wohlwollend gedenken, daß mein Bild nicht ganz in Ihrer Phantasie erloschen ist. Wie viel Begebenheiten, Zeiten, Weltgeschichte liegt zwischen jetzt und jenem Abende, als Sie mir auf Ihrem Zimmer die Briefe von Gentz und Ihre Gefühle so vertrauend mittheilten.
Wie es gekommen, daß ich Sie im Jahre 1819 in Berlin nicht aufgesucht habe, begreife ich jetzt selbst nicht. Meine Zeit verrann mir unter den Fingern bei den tausend Bekanntschaften meiner Vaterstadt. Oder waren Sie damals noch nicht in Berlin? Doch glaube ich, ja! —
Was Sie mir vor einiger Zeit von Ihrer Tochter schrieben, fiel grade in eine Zeit, in der unser Theater überfüllt war, und es in dem Fach, in welchem Ihre Tochter auftreten konnte, keine Lücke gab. Wo befindet sich diese jetzt?
Hochtragische ältere Frauen, ältere Anstandsdamen,ältere Coquetten, dies Fach ist es, welches vielleicht in einiger Zeit hier zu besetzen sein dürfte.
Wie gern sähe, spräche ich Sie einmal wieder. Mir sind fast alle Freunde schon dahin gegangen, mit welchen wir damals lebten, die in jenen Tagen noch jung und rüstig waren. Dann ist es mir eine wehmüthige Erquickung, mit jemand, der diese auch noch gekannt hat, über alle Dahingegangenen und über die Stimmungen jener Tage so recht aus vollem Herzen sprechen zu können. — Kommen Sie denn nicht einmal zu uns herüber? Vielleicht daß ich bald einmal nach Berlin gehe, wo ich dann nicht unterlassen werde, eine alte Freundin wieder aufzusuchen. Viel möchte ich auch von Ihnen, von Ihren ehemaligen Freunden und Bekannten hören, die mir ganz aus dem Gesicht gekommen sind: ich denke, Sie wissen doch noch von vielen. Gedenken Sie immer meiner mit demselben Wohlwollen und sein Sie versichert, daß ich immer, wenn ich auch ein sehr nachläßiger Briefsteller bin, immer bin und bleibe
Ihrergebener FreundL. Tieck.
Ihr
ergebener Freund
L. Tieck.
Berlin, d. 9ten May 1841.
Sie würden, mein sehr verehrter, nimmer vergeßner Freund, es gewiß nicht bereuen, ein paar Minuten an mich verschwendet zu haben, wenn Sie Zeuge der Freude gewesen wären, die mir Ihr theurer lieber Brief brachte. Aus der Kirche zurückkehrend, wo ich das Abendmahl empfangen, fand ich ihn, den beglückenden Gruß aus der Ferne, und mit zehnfachem Willkommen ward er von mir begrüßt. Recht herzlichen Dank dafür! Und welche schöne Hoffnungenthält er außerdem noch! Sie werden zu uns kommen. Sie werden Ihre Vaterstadt wiedersehen, die so viele, so sehr viele Ihrer Verehrer in sich faßt, wie werden wir alle uns Ihrer Anwesenheit freuen! Und ich — vielleicht die einzige noch lebende aus dem jugendfrohen Kreise — ich werde wieder jung werden.
Ja, mein theurer Freund, noch jetzt im 71ten Jahre bewahre ich lebhaft und treu die Erinnerungen aus jener schönen Zeit — aber sie ist vorüber! Nicht für mich allein — für Alle! Es ist nicht das Alter, was mich so sprechen läßt, Sie selbst werden es finden. Welch ein geistreiches Treiben war damals unter der jungen Welt; welch ein Kreis junger Männer reihte sich um Sie her; welche Blüthen entfalteten sich da, und welche Früchte reiften der litterarischen Welt entgegen! Es mag seyn, daß ich nicht mehr in diese Welt komme, aber ich höre auch nichts davon. Ihre Anwesenheit bey uns möchte vielleicht zeigen, was hier noch zu finden ist, denn um Sie wird sich gewiß Alles drängen, was fähig ist, Sie zu begreifen, zu verehren! Aber wo gerathe ich hin! Wollten Sie denn das von mir wissen?
Sie sprachen von einer vergangenen schönen, sehr schmerzhaft theuer bezahlten Zeit.
Sie wünschen Briefe von Gentz an mich, um sie der heutigen krittlichen Welt zu übergeben? fodern Sie das nicht von mir! Ihnen durfte ich Sie damals vertrauen, Sie würden sie noch heute fühlen — aber wer sonst? Auch diese Zeit ist vorüber; die Liebe hat ein anderes Gewand umgehängt; die zarten Stoffe sind verweht, und ich glaube, ein junger Mann, der jetzt solche Briefe schrieb, würde sich nicht mehr männlich erhaben vorkommen. Die Briefe würden durch den Namen Intereße vielleicht erregen, aber kein ehrenvolles für ihn; ich habe den lebenden geschont, wenn er auch das ganze Leben mir zerstört, und sollte nun des Todten Aschestören? Zudem, wer würde es beachten, daß ein Mann der die geheimen Fäden der Staatsgeheimniße ent- und verwirren konnte, das Herz eines armen Mädchens durch seine hinreißende Beredtsamkeit entzückte, bethörte und — brach? Nein mein Freund — wie ich mit Todesschmerzen sagte: Vergebung dem Lebenden, so sagt heute die alte Frau mit gefalteten Händen: Friede dem Todten! Er soll nicht, wenn er mir auf einem andern Sterne einmal begegnete, sagen: — „Auch du?“ —
Seyn Sie mir nicht böse daß ich Ihnen abschlage, was Sie wünschen; gewiß ich vermag es nicht. Auch nach meinem Tode soll Niemand finden, was mir so nahe war!
Ich will aufhören, sonst muß ich befürchten, Sie geben mir nie wieder die Erlaubniß mich mit Ihnen zu unterhalten. Wie viel hätte ich Ihnen zu sagen, über unser künstlerisches Treiben! Aber nur Ihnen; hier spreche ich nie darüber. Kommen Sie nur, Sie finden mich noch in voller Aktivität; zwar bey der Invalidenkompagnie; aber noch kann ich, wenn eine meiner Colleginnen plötzlich heiser wird, eine Rolle vom Tage vorher, auch noch denselben übernehmen, und das will doch etwas sagen, wenn man 66 Jahreauf dem Comödienzettel steht. Wie freue ich mich Ihnen eine Reliquie zu zeigen, einen Comödienzettel woraufEkhofund ich stehen.
Legen Sie das Blatt nicht weg, ich schreibe kein Wort mehr! Nur meinen nochmaligen innigen Dank für Ihren Brief, und die Bitte auch ferner noch meiner zu gedenken; gewiß Sie würden es, wenn Sie wüßten, wie sehr, wie über Alles Sie dadurch beglücken und ehren Ihre
alte treue Verehrerin und FreundinFr. Krickeberggeb. Koch.
alte treue Verehrerin und Freundin
Fr. Krickeberggeb. Koch.