Marbach, Gotthard Oswald.

Geb. zu Jauer in Schlesien, wo er dem dort verstorbenen Senior K. C. H. M. am 13. April 1810 geboren wurde. Unter Franke in Liegnitz gediehen seine ersten poetischen Versuche. In Halle gerieth er aus der Theologie in die Philosophie, und diese führte ihn auf Spinoza, den er 1831 in einer Gedächtnißrede gefeiert. Nachdem er als Doktor promovirt hatte, zog er nach Leipzig, wo er sich an der Universität habilitirte, sich mühsam aber energisch durchkämpfte, und sowohl wissenschaftlich wie kritisch anerkennende Achtung erwarb. Er ist mit Rosalie Wagner (siehe Ad. Wagners Briefe in dieser Sammlung) verheirathet gewesen; und die Verbindung mit dieser liebenswerthen, sanften Künstlerin (die der Tod ihm nach kurzer, beglückender Ehe raubte) hat ihn, den Gelehrten, wohl auch zur Theilnahme an belletristischen Unternehmungen bewogen. Neben philosophischen, philologischen, physikalischen Werken trat er mit litterarischen Abhandlungen, ja mit Poesieen verschiedener Gattung hervor. Er lebt jetzt (so viel uns bekannt) als Gymnasial-Professor in Leipzig, und ist Sächs. Hofrath.

Geb. zu Jauer in Schlesien, wo er dem dort verstorbenen Senior K. C. H. M. am 13. April 1810 geboren wurde. Unter Franke in Liegnitz gediehen seine ersten poetischen Versuche. In Halle gerieth er aus der Theologie in die Philosophie, und diese führte ihn auf Spinoza, den er 1831 in einer Gedächtnißrede gefeiert. Nachdem er als Doktor promovirt hatte, zog er nach Leipzig, wo er sich an der Universität habilitirte, sich mühsam aber energisch durchkämpfte, und sowohl wissenschaftlich wie kritisch anerkennende Achtung erwarb. Er ist mit Rosalie Wagner (siehe Ad. Wagners Briefe in dieser Sammlung) verheirathet gewesen; und die Verbindung mit dieser liebenswerthen, sanften Künstlerin (die der Tod ihm nach kurzer, beglückender Ehe raubte) hat ihn, den Gelehrten, wohl auch zur Theilnahme an belletristischen Unternehmungen bewogen. Neben philosophischen, philologischen, physikalischen Werken trat er mit litterarischen Abhandlungen, ja mit Poesieen verschiedener Gattung hervor. Er lebt jetzt (so viel uns bekannt) als Gymnasial-Professor in Leipzig, und ist Sächs. Hofrath.

Leipzig, 5. Aug. 1839.

Hochverehrtester Herr!

Auch der Ruhm und die Größe haben ihre Beschwerlichkeiten! Dies werden Sie, hochverehrter Herr, wahrscheinlich heut nicht zum erstenmale erfahren. Die Huldigungen, welche ich Ihnen hiermit als dem Sängerkönige des deutschen Vaterlandes darbringe, sind mit einer Bitte verknüpft. Das Amt eines Richters, welches ich Sie bei Übersendung der beiliegenden Proben zu üben bitte, kann beschwerlich, aber auch erfreulich sein. Beschwerlich, wenn das Urtheil ungünstig; erfreulich, wenn es günstig ausfallen muß. Dennoch weigern Sie Sich nicht es zu übernehmen! Müssen Sie Ihrer Überzeugung nach das Verdammungsurtheil sprechen; so brauchen Sie eines namenlosen Jünglings nicht zu schonen, sind vielmehr der Poesie, welche Sie mit unsterblichen Kränzen geschmückt hat, verpflichtet, jeden Andrang eines ungeweihten streng zurückzuweisen. Können Sie aber einen strebenden, für alles Höchste begeisterten Jüngling durch Ihre Aufmunterung größere Schwungkraft des Geistes und freudigeren Muth verleihen; gewiß so wird dieß Geschäft um so angenehmer für Sie sein, je mehr Sie selbst zu der Überzeugung gelangt sind, daß unsere Zeit begeisterter und begeisternder Rede vor allem bedürfe.

Finden Sie, Hochverehrtester Herr, Gedichte ähnlich des beiliegenden werth das Licht der Welt zu erblicken, so bitteich um die Erlaubniß, Ihnen dieselben, sobald ich einen Verleger gefunden, überreichen zu dürfen. Überglücklich würd’ ich mich preisen, wenn die Hand des Sängers, vor dem ich mich am ehrfurchtvollsten neige, den Schüler würdigte, durch sie in die Welt eingeführt zu werden. Doch ich wage nicht es zu hoffen.

Ich müßte nicht das unbegrenzte Vertrauen auf Ihre Humanität haben, welches mir der Umgang mit Ihrem Geiste, durch Ihre Schriften gewährt, mir einflößte wenn ich daran zweifeln könnte, daß ich Verzeihung wegen meiner Zudringlichkeit erlangen werde. Ich wage sogar auf eine Antwort, die mein Urtheil enthält, zu hoffen. Wie dies auch ausfalle, ich verharre stets, Hochverehrtester Herr, Ihres Genius

eifrigster VerehrerDr.G. O. Marbach.

eifrigster Verehrer

Dr.G. O. Marbach.

Leipzig, 17. Aug. 1838.

Hochwohlgeborner Herr,Hochverehrtester Herr Hofrath!

Mit großer Bangigkeit schicke ich dieses Schreiben an Sie, Verehrtester Herr, ab, denn die Furcht durch die Bitte, welche ich an Sie wage, Ihnen zu mißfallen und keine oder eine zurückweisende Antwort zu erhalten, ist in mir fast eben so groß, als der Wunsch lebhaft mit Ihrem allverehrten Namen ein Unternehmen schmücken zu dürfen, mit welchem ich selbst etwas Ausgezeichnetes leisten und meine Zukunft als Schriftsteller begründen möchte. Ich will mir das freundliche Wohlwollen vor die Seele rufen, mit welchem Sie mich mehr als einmal in Ihrem Hause aufgenommen haben, um mir Muth zu machen, meine Bitte vorzutragen.

Aus der Beilage werden Sie, Hochverehrtester Herr, ersehen, daß ich in Begriff stehe, eine Zeitschrift herauszugeben und Sie werden in den Worten des Prospects auch die Tendenz angedeutet finden, welche ich in diesem Unternehmen verfolge: eine Zeitschrift herauszugeben, welche durch die Gediegenheit des Inhaltes, so wie durch die Art ihres Erscheinens dem buntscheckigen, auf gemeine Weise die Zeitinteressen verwirrenden und ausbeutenden Treiben der Tageblätter und ihrer Verfasser einen starken Damm entgegen zu stellen, dem besten und edelsten Theil des Publikums eine kräftige Geistesnahrung zu bieten und dadurch die Literatur selbst, welche durch eine gewisse Klasse moderner Schriftsteller auf das tiefste erniedrigt worden ist, in der Achtung des Publikums wieder zu heben bestimmt ist.

Meine Kräfte zu diesem Unternehmen sind, ich weiß es wohl, noch gering, aber mein Muth und mein Eifer sind groß, und ich hoffe, daß auch die Kraft mit der Übung zunehmen wird. Prüfen Sie, Hochverehrtester Herr, ob mein mit dem besten Willen und einer gewiß Ihren Beifall habenden Tendenz unternommenes Werk, wohl verdient, daß der größte Dichter der Nation mit seinem gewichtigen Namen und mit einigen, wenn auch vielleicht an Umfang nur kleinen, doch durch die Fülle der Poesie bedeutenden Beiträgen dasselbe unterstütze!

Vor Allem vergeben Sie meine Dreistigkeit, ich habe mich zu ihr in keiner gemeinen Absicht entschlossen.

Indem ich diesen Brief absende, nehme ich mir noch die Freiheit dasjenige, was in meinen „Volksbüchern“ bisher erschienen ist, beizulegen. Vielleicht sehen Sie alte Bekannte, über deren poetischen Werth Sie zuerst der Mitwelt die Augen geöffnet, nicht ungern in dem volksthümlichen Gewande und sind mit meiner für das Volk bestimmten Bearbeitung nicht ganz unzufrieden.

Genehmigen Sie, Herr Hofrath, die Versicherung der innigsten Verehrung von

Euer Hochwohlgeborengehorsamstem DienerG. O. Marbach.

Euer Hochwohlgeboren

gehorsamstem Diener

G. O. Marbach.


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