IhrE. Malsburg.
Ihr
E. Malsburg.
(Ohne Datum.)
Mein geliebter theurer Freund!
Nur um Ihr Haupt mit feurigen Kohlen zu sengen und Ihnen zu sagen, daß Sie ein recht abscheulicher Freund sind, nehme ich die Feder in meine vor Wuth zitternde Hand und gebe Ihnen Zeichen eines Lebens, das Sie diesmal mit gehörigem Gleichmuth zu betrachten scheinen. Und doch, denke ich mir, welch’ eine Marter es ist, wenn man nicht gern Briefe schreibt, gern schreiben mögte und es doch nicht kann, wie diese Marter eben größer ist, je mehr man den liebt, an dem man sich versündigt, so fühle ich einen solchen Vorrath von Liebe und Rührung in mir, daß ich Ihnen nicht einmal ernsthaft böse seyn kann, sondern nur daran eine hämische Lust empfinde, wie ich Sie, wenn wir uns wiedersehen, mit Ihrem Vergehen quälen will, daß Sie doch manches Mal im Stillen wünschen sollen, Sie hätten mir geantwortet. Was meiner Langmuth sehr zu Hülfe kommt, ist von Kalkreuth zu wissen, daß Sie wohl und munter sind, auch welche große Leute Sie gesehen haben, z. B. Fouqué, nur daß Sie nicht selbst hierüber schreiben, nicht sagen, was sie Dummes und Kluges geschwatzt haben, das ist für mich ein großer, unersetzlicher, fast literarischer Verlust und im Nachdenken hierüber würde es mir ein Leichtes werden, mich wieder in Zorn zu schreiben, wenn ich es nicht lieber gewaltsam abbrechen wollte. Ihren lieben Frauen und Kindern nehme ich es fast noch ungnädiger, daß auch sie nicht einen Hauch aufs Papier für mich thun, da man weiß, daß Frauen wie gern sprechen auch gern schreiben und sie zum Theil bey der frommen Wallfahrt nach Mariaschein wohl gelernt haben sollten, daß die Krone und Zier der Frauen, die einzige Himmelsfrau, mildthätig war und keinenGruß ohne Erwiederung ließ. Sehen Sie, wie groß ich thue, wenn ich mich einmal außer Schuld weiß, das aber will ich mir wenigstens nicht wieder sagen lassen, daß ich aus Angst kurz vor dem Thorschlusse geschrieben hätte, denn wenn Sie es anders wollen, so haben Sie noch volle Zeit zu antworten (aber nach Cassel, von wo wir erst Ende dieses Monates abgehen.) Thun Sie es nur, dann verspreche ich Ihnen auch ein parlamentarisches Silentium über Ihre Grausamkeit sowohl als über den gleichen Thorschlußfall. Auch unser herrlicher Loeben theilt oft Wehmuth und Schmälen über Sie, aber wir sind Beyde so außerordentlich gut, daß wir schon dahin gekommen sind, Sie gegenseitig durch das Grauen zu entschuldigen, das Ihnen der Gedanke an Zwey auf Einmal schreiben zu müssen einflößen werde. Punktum.
Wir haben, mein Geliebter, den Sommer dichterisch aber nicht dichtend durchlebt und sehen nun doch fast mit Freude auf den gelbenden Blättern den Abschied von hier und das Wiedersehen und Wiederschaffen in Dresden geschrieben. Wie die Blätter es anfangen, so löst sich auch allmählig das Leben aus unserm hiesigen Kreise ab. Erst reisten Mutter und Schwester meiner Schwägerin, dann bald dieser, bald der, und gestern komme ich mit dem Freunde über Paderborn und Neuhaus, wo Loeben seine Cousine wiedersah, von Detmold zurück, bis wohin wir die gute und geistreiche Fräul. Calenberg auf der Reise ins Stift begleitet haben. Bald reisen auch wir (nächste Woche zuvor mein englischer Vetter), mein Vater geht nach Cassel und nach genossener Waidlust, im November, führe ich Ihnen einmal Bruder und Schwägerin ins Haus.
Auch zu einem rechten ächten Lesen hat es ein Leben nicht kommen lassen, das fast noch zerstreuter war als das Winterleben, über das Sie so oft schelten und ich selbst seufze. Jetzt eben aber bin ich mit einem Buche beschäftigt, das Sie gewiß auch kennen und für mich gern in den Katalog der verbotenen Bücher gesetzt haben würden, denn es ist selbst ein Katalog, nämlich der Eschenburgische, in welchem ich aus Bosheit alle Artikel doppelt anstreiche, von denen ich denken kann, daß Sie sie haben mögten, z. B. die dramatischen, theatralischen u. dgl. Den Ärger bin ich wenigstens dem Racheteufelchen schuldig, daß Sie mit Nichts großzufüttern wissen. Wollen Sie aber Schreckliches verhüten, so entschließen Sie sich schnell mit umgehender Post zu schreiben, denn Anfang Oktober gehen meine Commissionen nach Braunschweig. In dieser Hoffnung lassen Sie sich von uns beyden Freunden umarmen, Sie lieber Gottloser, und umarmen Sie die Lieben, die Sie noch umgeben und die Freunde, die etwas weiter wohnen wieder von Ihrem
Ernst Malsburg.
Ernst Malsburg.
N. S. Die Kinder kriegen diesesmal zur Strafe nichts. Das ist ja herrlich mit Ihrem Fleiße und der neuen Novelle! wie freue ich mich darauf und auf das Wiedersehen meinerReisenden, mit denen ich dieVerlobungschon vorausgefeyert habe.
Dresden, 23. Juny 1824.Gegen Mitternacht.
Lassen Sie sich nochmals danken, Sie Liebster, für den heutigen schönen Tag, für Ihren Gruß und Segen auf den Weg.
Seyn Sie doch so lieb, beykommendes Buch der lieben Gräfin an Ihrem nahen Geburtstage zu den Gaben zu legen.
Ich bin sehr müde und darf doch nicht schlafen; ich gehe gar nicht zu Bette und krame. Leben Sie wohl, ängstigen Sie sich ja nicht über Ihren Cervantes; er ist nicht verlohren,aber ich habe ihn unstreitig irgendwo aufs Trefflichste niedergelegt.
Gute Nacht, ich umarme Sie tausendmal; wäre die gute Gräfin nur schon ganz wieder gesund!
IhrE. Malsburg.
Ihr
E. Malsburg.
Escheberg, 8. August 1824.
Eine geraume Zeit ist verstrichen, mein theurer geliebter Freund, und ich habe Ihnen noch nicht geschrieben, auch Ihre liebe Stimme noch nicht anders vernommen, als tief in meinem Herzen, und da leider gewaltig zürnend und scheltend. Aber ich versichere Sie, ich bin doch, bey allem Anschein, so übel nicht und Sie würden ein Paket erhalten, das alle Postmeister entsetzte, wenn ich Ihnen die tausend Gedanken aufschriebe, die ich an Sie gerichtet habe, seit Sie mir so lieblich aus dem dritten Fenster am Altmarkt Lebewohl zuriefen.
Inzwischen ist es sonderbar: wenn sonst Angst und Unruhe meine Gemächlichkeit quälend zu einem Briefe spornten, so habe ich jetzt die behaglichste Empfindung, wenn ich meine ganze Seele zu Ihnen hin transportire (Sie wissen ja:translate) und statt wie sonst von Katarrh und Gicht zermartert, am Migränentage mit weißem Überrock und schwarzen Käppchen im Sorgenstuhl kauernd, oder gar noch viel kränker und schmerzhafter, umseufzt und umweint, kann ich Sie mir jetzt nur höchst annehmlich und bequemlich, innerlich und äußerlich rein gewaschen, sehr freundlich faul und nach Morgen-, Mittags- und Nachtschlaf sehr munter, gescheut und witzig vorstellen. Zu diesem erquicklichen Gestaltchen rede ich denn jetzt in Liebe und leidlichem Aberwitz, und weiß doch, daß Sie mit kleiner inwendiger Freude holdselig dazu zuschmunzeln geruhen. In Töplitz muß Sie dieser Brief durchaus noch vorfinden, sonst verrückt sich der ganze Standpunkt, aus dem ich ihn schreibe, denn das ist doch entschieden, daß man zu demselben Menschen nicht dasselbe Ding in zwey verschiedenen Stuben sagen würde, geschweige an zwei verschiedene Orte schreiben. Nun denn, Sie lieber herrlicher Mann! sind Sie denn recht gebadet vergnügt, nun noch eingewohnter in Töplitz, in Luft und Wasser den zweyten Theil des himmlischenDichterlebenssaugend, wie ich Sie Tag und Nacht vor mir sehen muß? sollte mir der Blüthengeist der Gesundheit, aus dem mir das Ende der Cevennen und des Tischlers und der Anfang des Shakespearewerkes &c. entgegenstrahlt, nur ein Phantom gewesen seyn? gewiß nicht.
Es ist so lange her geworden mit meiner Reise, daß ich sie fast vergessen habe, und Ihnen nicht ein Zehntel der Dinge zu sagen weiß, die Ihnen zu ihrer Zeit Gemüth und Phantasie zu sagen gedachten. In Weimar empfieng Goethe mich und mein Buch, ja selbst meinen kleinen, mich ihn mitzunehmen peinigenden Neffen sehr holdselig und väterlich; ich fand den alten Herrn schöner und größer (an Leibesstatur) als vor zwey Jahren, keine Spur von Krankheit, warme und schalkhafte Augen. Er sprach schön über Sie, über Shakspeare, über Calderon, und ich verließ ihn nach einer Stunde viel zufriedener über ihn als über mich, denn ich weiß nicht, was für ein Dämon in mich gefahren war, ihm tausend Dinge sagen, ich glaube gar ihm gefallen zu wollen, worüber ich, bald dies bald jenes vergessend, bald manches im bewegten Gespräch nicht anbringen könnend, mir in holdem Wechsel bald ein zerstreutes bald ein albernes Aussehen anfühlte. Und wie ich fort war, glaubte ich gar meine Hauptsachen ausgelassen (d. h. sie nicht ausgelassen), manches was er sagte, nicht gehörig aufgefaßt, dagegen fast nie benutzt, oder aufs Dümmste beantwortet zu haben. Gestehen Sie nur, großer Mann,daß Ihnen meine Physiognomie recht oft in einem ähnlichen Spiegel gegenüber gesessen hat, als hier in meiner Selbstbespiegelung, besonders im Anfang unsrer Bekanntschaft; ich habe gewiß mehr als Jemand Unbefangenheit und Breite (der Zeit) nöthig, um nicht horribel zu erscheinen. Glücklicher lief ich (bin ich nicht mit meinem kühnen Ichgeschreibe etwas wie Kuhn?) bey der Schopenhauer ab (die Arnim nennt sie Hopfenschauer). Thee, Morgenfahrt nach Belvedere, Mittags-Essen, wieder Thee und Abschied, bezeichnen die Hauptpunkte meines Lebens in ihrem Hause. Bey der Frau und ihrer ganzen Art empfand ich wieder dieselbe Gattung von Anmuth wie das erstemal, gleichsam ein kühlwarmes und durchsichtiges Gemüthsbad ohne Schwüle und Tiefe; ihre sehr verbindliche Freundlichkeit tanzte wie eine angenehme Libelle um die verschiedenen Brunnquellchen meiner dankbaren und diplomatischen Seele. Mein süßer Gerstenfreund setzte sich mit seinem Malzgenossen (ein Tröpfchen Wasser auf Ihre Mühle und für Ihr Biergedicht) in chemisch äugelnde Wahlverwandtschaft, aber mit entsetzlichem Geistesgepolter rasselte und stolzirte die Tochter, alle Schellen und Orgelzüge ihres Genius aufgezogen, durch und umher. Diese Bekanntschaft war mir neu, und ich gestehe, im Anfang entsetzlich, fast lächerlich, dann in Momenten wieder recht leidlich, so daß ich zwischen Schrecken und Verwunderung, manchmal auch tragischem Mitleid und Angezogenheit auf- und abschwankte. Es ist etwas Sonderbares mit solchen Geistreichen; man wird sehr häufig von Erstaunen angefallen, wie bey einem kunstreichen Uhrwerke auf einem Marktthurme, aber auf einmal, und da, wo man sich bewandert glaubt, erscheinen sie Einem ganz unwissend oder einfältig, und so gieng es mir recht oft bey dieser berühmten Adele. Jeder Ort hat seinen Heiligen; wie man in Dresden bey Ihnen schwört (in Cassel bei Arnim), so in Weimar bey Goethe, aber wie es Ihnen dort geht, so auch diesem großenManne hier; man rafft Fäserchen auf, zaselt sie umher und schmückt sich damit, aber das Ganze, das eigentliche, innerste Wesen wird nicht verstanden, oder neben aller Bewunderung her noch gar misdeutet. Dabey wird in Weimar der Einfluß der Goetheschen Kritik, über deren Schwäche wir oft gesprochen haben, besonders empfindlich, und ich hätte nur gewünscht, daß Sie bey manchem Aberwitze, der auf diesem Instrumente gespielt wurde, gegenwärtig gewesen wären, oder mir etwas von den Waffen Ihrer wunderbaren Geistesgegenwart, höflichen Ruhe und ironischen Beweglichkeit dagegen hätten herleihen wollen. Denken Sie sich u. a., daß man da über Ihre Theaterkritiken höchst verstimmt ist; im herrlichen Aufsatze über Wallenstein finden sie ein modiges Herabsetzen Schillers, auch Goethe würde es mit dem Shakspeare zu arg, und sey er ganz ärgerlich darüber, und dergl. Plattituden mehr. Wie selten wird doch ein Geist verstanden!
Zu Neuhausen verlebte ich zwey angenehme Tage und wohl zweyhundertmal klang Ihr Nahme über vier bis sechs Lippen. Zu Cassel wurde ich zwey Wochen aufgehalten, ehe ich nach Escheberg kommen konnte, und seitdem bin ich hier in der sogenannten ländlichen Ruhe. Mein Bruder, Fräul. Calenberg, der englische Vater mit den Söhnen aus Dresden und Brüssel sind die nahen Umgebungen, die ferneren wechseln wie das Wetter und dies ist ja in diesem Sommer meist schlimm. So hat Carl jetzt zwey Familien aufgegabelt, leidliche Männer mit unleidlichen Frauen, worunter Eine eine standeserhöhte Bäckerstochter mit einem gespreitzten greulich singenden oder vielmehr schnalzenden Töchterchen. Während ich mich möglichst zurückziehe und der Scheidestunde mit Verlangen entgegensehe, wird der gute Carl nicht müde, sie zum Bleiben zu nöthigen, und er ist so unruhig und bewegsam, daß ich nicht einmal die Zeit finde ihm zuzuwinken: lasse sie ziehen. Im Übrigen ist Escheberg hübsch. Eine neue Felsenpartie, zu der Carl die Basalte von der Malsburg fahren läßt, überraschte mich; zur Nachfeyer meines Geburtstages ließ mich der gute Junge mit klingendem Spiel in mein bekränztes neues Haus einziehen, dessen Anblick mich wahrhaft erquickt hat, indem es manche innere Unruhe durch das Harmonische seines Eindrucks beschwichtigte. Daneben haben sich mir manche Geschäfte gehäuft; der Morgen geht sie abhaspelnd hin, die übrige Zeit in heiterer Unterhaltung, von manchen Rührungen und Erinnerungen wie von einem bald dunkeln bald schimmernden Saume umdrängt. Wären Sie nur einmal hier! ich denke mir immer, wie Ihnen dieses gefallen, jenes Sie entsetzen würde — aber schön wäre es doch, Sie, wenn auch in Ihren Gewitterstündchen, zu haben. Daß ich Carl wegen des Weinverrathes weidlichst abgescholten habe, können Sie denken; noch behauptet er, die zwölf Apostel für Sie aufbewahrt zu haben und damit die verscherzte Gunst wieder zu erringen. Er küßt und liebt Sie zärtlich, Ihr Ruhm stirbt nicht auf seinen Lippen.
Von unserm Loeben habe ich ein silbernes Lorbeerzweiglein zum Geburtstag und einen schönen lieben Brief erhalten, der von Gesundheit nicht spricht, aber Lebenslust und Vergnüglichkeit athmet. Albrecht hat meinen Bruder hier besucht.
Die Dualität meiner Lebenserscheinungen führte mir in Cassel zwey geniale Weibsleute vorbey. Primo die Helwig, die auf die Gallerie lief, um kein einzig Bild anzusehen, sondern über ihre eigenen zu schwatzen, und sich einen Abend durch bey Fräul. Calenberg mit untermischten Klagen über ihre Halsschwindsucht absprach; secundo die Arnim, die einen andern Abend bey meiner Cousine so unablässig schraubelte, daß sie von einem plötzlichen Halskrampfe ergriffen wurde. Die Grimms und Andere saßen ihr bewundernd und beyfallachend gegenüber und es ist wahr, daß mitten unter dem Tollen, Rohen und Groben, das ihre Zunge drosch, auch wohldann und wann ein Mutterwitzkorn emporflog. Diesmal fand ich, daß die vormalige Verliebtheit in Sie einer ziemlichen Ungezogenheit Platz gemacht hatte; doch ist freylich nicht zu läugnen, daß Sie auf einen solchendépit amoureuxreichlich pränumerirt haben.
Auf dringendste Selbstempfehlung der Helwig haben wir ihre Helene von Tournon hier gelesen. Die arme Person wird ohnmächtig, weil sie der Amant nicht auf die richtige Art ansieht, und stirbt, weil er sie nicht auf die richtige Art anredet; das ist die ganze Geschichte auf 165 Seiten. Am Schlusse sieht man wohl, wo die würdige Vf. hinausgewollt hat und daß so etwas vielleicht einmal hätte poetisch passiren können, aber der gespreitzte, geschnörkelte Stylus, der in ellenlangen, heckerlingartig geschnitzelten Perioden tausend Abgeschmacktes zu Markte trägt, macht das Büchelchen gewaltig widerwärtig. Jetzt habe ich ein Buch angefangen, das Goethe dreymal gelesen hat, vier dicke BändeDon Alonso ou l’Espagne, deren erste 52 Seiten allerdings einen eigenthümlichen Karakter zu haben scheinen. Wissen Sie denn auch, daß das erbärmliche Buch W. Meisters Meisterjahre wieder von einem Pseudo-Pustkuchen ist? Schade, denn der Kuchen ist um nichts besser als die Hefe.
Was lesen, was treiben, was schreiben Sie denn? wie geht es der lieben Gräfin und Amalien? sind die Kinder von der Hochzeit zurück? haben Sie mein Buch abgegeben? hat es Freude gemacht? haben Sie mir etwas in der Auction gekauft? was macht unser armer Kalkreuth? hat er Sie in T. besucht? glauben Sie mir es, daß ich Sie auch in diesem Sommer gern besucht hätte, und nicht nach Prag gelaufen wäre? Sehen Sie, das sind tausend Fragen, ach und nicht Eine werden Sie mir beantworten, fauler, hartherziger Freund! Und doch waren Ihre Briefe vor drey Jahren so schön! und vor zwey Jahren schrieben Sie mir gar nicht!Die winzige Beylage, nach welcher der Postbote bereits die Hand ausstreckt, wird auch nichts helfen, denn ich sehe schon das höhnische Kind, wie es sagt: was will mir das? mit Speck fängt man die Mäuse! und so werde ich nichts von Ihnen erfahren, bis ich wiederkomme, und das ist doch noch recht lange. Dieser Gedanke macht mich wahrhaft melankolisch, deshalb sage ich Ihnen ein trauriges, halb empfindliches Lebewohl, wie denn nie Jemand das Talent gehabt hat, meine Empfindlichkeit so schmerzlich zu reitzen, aber freylich auch ihr so wohl zu thun, als eben Sie. Leben Sie wohl, lieber herrlicher Mann! umarmen Sie die Ihrigen, wie ich Sie und Alle von meinem Bruder und Frl. C. begrüßen und umarmen soll, und lassen Sie Ihre Gedanken jeden Kuß zurückgeben Ihrem Sie zärtlich liebenden Freunde
Ernst Malsburg.
Ernst Malsburg.