IhrLudwig Robert.
Ihr
Ludwig Robert.
Es ist mir recht lieb, verehrtester Freund! daß Sie mit Rob. über sein Wegeilen von Dresden zanken. Diesen Winter war ich sehr oft nahe dran, das Heimweh nach Ihnen und Ihren lieben Haußgenossen zu bekommen, doch jetzt wo der häßliche Winter sich entfernt und das Frühjahr sich einstellt — befinde ich mich ziemlich angenehm hier und will icheinmal wieder die Wintervergnügungen der deßhalb berühmten Stadt mitmachen so komme ich im Sommer, wo im Thierjarten dieselben Thees getrunken und dieselben belustigenden Gespräche geführt werden, die den Winter erwärmen sollen. Lassen Sie sich doch meines Mannes Zureden wegen Karlsruhe und Baden zu Herzen gehen; ich hoffe Sie bei unserm Wiedersehen nicht ganz abgeneigt zu finden, vielleicht nächsten Sommer unsern Zaubergarten Baden zu bewohnen. Eine Harfenspielerin-schlägerin macht mich mit ihrem ewigen tik tak tak so confus, daß ich nichts mehr beifügen kann als meinen herzlichsten innigsten Wunsch, Sie Alle recht bald gesund und vergnügt zu sehen.
IhreergebensteFrid. Robert.
Ihre
ergebenste
Frid. Robert.
B. d. 20t. Dec. 1823.
Ein rundes Jahr habe ich mir vorgenommen, Ihnen zu schreiben und da es nun endlich einmal dazu kömmt, bin ich so schüchtern, daß ich nicht weiß, wie ich anfangen soll. Wären Sie kein so berühmter Mann, so hätten Sie, wenn es Ihnen Spaß machte, ein Dutzend Briefe von mir in dieser Zeit erhalten, aber so — was kann ich Ihnen schreiben, das interessant genug wäre, Ihnen einige Minuten Ihrer kostbaren Zeit zu rauben? Glauben Sie ja nicht, daß das Komplimente sind, die ich als Einleitung oder Lückenbüßer einschiebe, nein es ist mein wahrer Ernst, und ich würde vielleicht noch immer geschwiegen haben, wenn ich nicht vor einiger Zeit ein Gedichtchen von Ihnen (in Musik gesetzt von Fanny Mendelsohn) gehört hätte, was mir so wohl gefiel, daß ich mir vornahm, es Ihnen zu schicken. Mit nächster fahrenderPost wird es folgen, und ich lasse, damit Sie auch die Componistin kennen lernen, das Billet von ihr dabei. Sie hat noch mehrere Gedichte aus Ihrem Reiche componirt, doch kann ich nichts darüber sagen, da ich sie nicht gut habe vortragen hören, dieses aber ist hier schon oft mit Beifall gesungen worden, und es wäre zu wünschen, daß Mdme. Devrient, die hier so sehr gefiel, es Ihnen zuerst vorsänge.
Wie oft ich mich schon nach Dresden zu Ihnen zurückwünschte, kann ich nicht sagen, an den gastfreundlichen runden Tisch, Niemand daran als Sie, Ihre theuren Haußgenossen und wir, erzählend und bis ins Innerste vergnügt. So war es hier noch nie. Die Erinnerung hat etwas rührendes, und ich weiß nicht, ob ich weine oder lache. Ich soll Platz lassen zum Siegeln, sagt mein Schicksal, das heißt mein lieber Mann, und ich gehorche
IhreergebensteFriderike Robert.
Ihre
ergebensteFriderike Robert.
Carlsruhed. 15. Obr. 1824.
Verehrtester Freund.
Ihre Besorglichkeit war ungegründet. Ich habe mich in dem ungesellschaftlichen München nicht länger aufgehalten, als eben nöthig war, es kennen zu lernen. Um eine alte Krummstadt herum, und in sie hinein entsteht eben eine neu’st-modige, griechisirende und romantisirende, und giebt so ein Bild dergeistigenBaulichkeiten: der Bildung. Man steht mit dem Einen Fuße tief unten im Wust und Schlamm noch nicht weggeschafter Barbarei, und hat den andern über viele Mittelstufen hinweg, so plötzlich und so hoch erhoben, daß man gar nicht begreifen kann, wo man die Kraft zu einem solchen Sieben-Meilen-Schritt hernehmen soll. Auch machtman diesen Schritt nicht; man spreitzt sich eben nur und wähnt unter Anderm z. B. Preußen weit überflügelt zu haben. Reinlichkeit der Straßen und unelegante finstere Kaufläden; Gewühl von Menschen, Pferden, Soldaten und Güter- und Bier-Wagen, und keine Equipagen, außer denen des Hofes und zweier Gesandten; Napoleonische Polizei und andre Einrichtungen, bei altfränkischen ärgerlichen unnützen Formen; Soldaten-putz und wissenschaftlich-militärisches Treiben, bei höchstem Spießbürgersinn des Volkes; eleganter Pariser Damenputz im Theater, und Fraubasen-Gespräche mit breiter unangenehmer Mundart; ächt deutsche und höchst rührende Liebe zu dem angebohrenen Herrscher, und doch im Ganzen ein höchst undeutsches, ungemüthliches, egoistisches Wesen, das auf den sarmatischen Ursprung des Stammes hindeutet — und so könnt ich noch hundert Gegensätze anführen, die man hier dicht neben einander findet und die Einen bald unangenehm berühren, bald wieder mit Hoffnung für die Zukunft erfüllen, dabei ein rauhes unangenehmes Klima bei ganz unfruchtbarem Kiesboden. Man sieht den Schnee auf den Alpen liegen, der Südwind bringt Eiskälte und in gewöhnlichen Jahren schneit es noch in Juni — Gott sey also gedankt, daß ich wieder in meinem milden, einsamen und freundlichen Carlsruhe bin. — Und nun zur Hauptsache, zu Ihren Geschäften. Ich habe mit Cotta gesprochen und gegen Ihren Forderung von 10,000 Rthlr. für Ihre sämmtlichen Werke hat er, nachdem ich ihm das Geschäft anschaulich machte, Nichts einzuwenden gefunden; dagegen verlangt er hauptsächlich, daß Sie ihn sicher stellen, daß Ihre früheren Verleger nichts gegen diese neue Auflage einwenden und er nicht mit Jenen in Streit komme; dann rechnet er auf die Vor- oder Einleitungsreden, von welchen ich ihm, Ihrem Auftrage gemäß, gesprochen habe; auch wünschte er die Zahl der Bände zu wissen, die ich ihm nicht angeben konnte, aberungefähr auf einige und zwanzig anschlug; endlich fordert er die baldigst schnelle Erscheinung des Werks und will sich vor dem Beginne des Drucks zu keinem Vorschusse verstehen. — Dies ist, mit kurzen Worten, das Resultat eines langen Gesprächs. Sie mögen ihm nun schreiben, sich auf diese Punkte beziehen und sich mit ihm einigen, welches ich Ihnen um so mehr rathe, da mir seine Forderungen billig scheinen und mit ihm, hinsichtlich der prompten Baarzahlungen durchaus nichts zu befürchten ist, welches bei minder reichen Buchhändlern doch mehr oder weniger der Fall seyn dürfte. — Was die Beiträge zum Morgenbl. betrifft, so scheinen sie ihm sehr angenehm zu seyn. So wie ich den Mann kenne, so werden Sie Sich auch hierüber mit ihm einigen, wenn Sie damit beginnen, ihm sogleich einen gewichtigen Beitrag einzusenden. Versäumen Sie aber ja nicht, diese Angelegenheiten zu betreiben!!! Und schmieden Sie das Eisen, dieweil es glüht!!!!! Es ist schon nicht vortheilhaft, daß Sie ihm nicht, wie Sie mir versprachen, bereits geschrieben hatten; ich kam dadurch in einige Verlegenheit. — So weit die Geschäfte! Nun will ich als Unterhändler aber auch ein Douceur haben; und das soll darin bestehen, daß Sie über meinen jetzt herausgekommenen Paradiesvogel ein öffentliches Wort irgendwo sagen. Daß ich kein unbedingtes Lob erwarte, brauche ich Ihnen, der Sie mich kennen, nicht zu sagen; aber — da Sie doch einigen Antheil an meinen Arbeiten nehmen, warum sollte ich nicht begehrlich hoffen, daß mir auch die Ehre werde, daß Sie ein Wort darüber drucken lassen? — Aber nun kommt etwas, das ich fast für eine Pflicht, die Ihnen obliegt, halte. Nehmlich eine Beurtheilung jener Novelle zu geben, die in den diesjährigen Rheinblüten vom Mahler Müller in Rom abgedruckt ist. Sie haben Sich früher für dieses Talent interessirt, sie waren Herausgeber desselben, er hat eine lange Reihe von Jahren geschwiegen und erscheint nun endlich wiederauf dem Felde der deutschen Literatur. Ich glaube, daßSiedieses nicht ignoriren dürfen und gut wäre es, wenn man den derben Tüchtigen, wenn auch ein wenig Unmodischen, neben die süßlichen Zierbengel unserer Almanache zu Nutzen und Frommen des nervenschwachen Publikums hinstellte. Die moralische Kraft in seinen obscönen Schilderungen, die nicht nur nicht lüstern machen, sondern Abscheu erregen und dennoch Produkte der Kunst bleiben, ist bewundernswürdig, ist kunstreich, künstlich und sogar ein Kunststück. Wäre das Ende der Erzählung minder breit, so wäre, ich wenigstens, vollkommen mit ihr zufrieden. Ich bin begierig, was Sie darüber sagen werden; aber thun Sie es ja! Es kostet Sie ja nur ein Stündchen. Aber thun Sie es bald, denn dadurch würden Sie den Debit des Taschenbuchs und also meines Schwagers Nutzen vermehren. Sie dürfen ihm wohl diesen Gefallen erzeigen. Ueber die ihm zum neuen Jahre versprochene Novelle wird er Ihnen selbst schreiben, und ich füge meine Bitte hinzu, diese Angelegenheit nicht zu verschieben, dagegen verpflichte ich mich, Ihnen auch sogleich nach der Einsendung des Mspts. für die rasche Einsendung des Honorars zu sorgen. Schreiben Sie mir doch ein Wörtchen. Grüßen Sie Ihre mir höchst verehrten Hausgenossen freundlichst
vonIhremL. Robert.
von
Ihrem
L. Robert.
So wenig Platz und so viele Gefühle und Einfälle! Gedanken kann ich nicht sagen, denn dazu kömmt es noch lange nicht, denn jetzt habe ich zu viel mit der Poesie, Begeisterung, zu thun; ich richte meine Haushaltung ein, damit Sie nächsten Sommer eine „schöne“ Tasse Thee bei mir trinken können und kaufe Tischchen, einen Lehnstuhl und Leuchter zum Vorlesen! Ueber München bin ich mit Rob. ganz einverstanden,und so wie ich Zeit habe, schreibe ich ausführlicher, für Ihre und Ihres verehrten Hauses Gastfreundschaft zu danken, die ich in München nach ihrem ganzen Werthe hätte können schätzen lernen, wenn mein Herz nicht schon ganz davon überzeugt wäre und überflöße. Mich best. empfehlend
IhreFrid. Rob.
Ihre
Frid. Rob.
Berlin29t. Jan. 29.
Verehrtester Herr und Freund.
Vor einigen Wochen nahm ich mir endlich das Herz, Ihnen, durch meinen Bruder, eine dramatische Arbeit zu überreichen, die, wenn auch nicht viel Gewicht auf sie zu legen ist, doch so gut, wie so vieles Andere der Darstellung auf der Dresdner Bühne werth wäre. Ich dachte, durch Ihre Vermittelung, die Lebendigmachung des Werks und ein übliches Honorar zu erreichen, um so mehr, als ich es nicht versäumte, die für Ihre sämmtlichen Werke von Cotta geforderte Summe bei demselben zu erzielen, die Reise nach Stuttgart, einzig dieser Verhandlung wegen, nicht scheuete, und, als Sie denselben gänzlich ohne Antwort ließen, Reimer aber den Verlag der Werke ankündigte, über die Unannehmlichkeit schwieg, mich kompromittirt zu sehen.
Wohl weiß ich es, mein verehrter Meister, daß Sie Gewichtigeres zu thun haben, als mir Ihr Urtheil über das, was ich zu leisten vermag, aufzuschreiben, oder wohl gar dessen in Ihren öffentlichen Kritiken zu erwähnen. Aber offen will ich es gestehen, daß ich, bei Ihrer Stellung zu dem Dresdner Hoftheater, schon früher erwartete, daß Sie einige meiner Stücke zur Aufführung bringen würden; und ich also um so schmerzlicher berührt bin, da Sie, nachdem ich Ihnenein Werk, das wenigstens die Eigenschaft der Darstellbarkeit hat, übersendet habe, mich auch nicht einer Zeile Antwort würdigen.
Dieses Ihnen unumwunden zu sagen, gebiethet mir meine redliche Offenherzigkeit, zu welcher mich überdies Ihre frühere günstige Meinung über mich berechtigt. Sollte die dortige Bühne von dem übersendeten Stücke keinen Gebrauch machen, oder Sie es derselben nicht vorschlagen können, so erbitte ich mir das Manuscript durch die fahrende Post zurück, und ersuche Sie diese Zeilen sowohl, als daß ich Ihnen überhaupt lästig fiel zu verzeihen.
Mitvollkommen anerkennender HochachtungIhrganz ergebensterLudwig Robert.Leipzigerstraße Nr. 3.
Mit
vollkommen anerkennender Hochachtung
Ihr
ganz ergebenster
Ludwig Robert.
Leipzigerstraße Nr. 3.