Geb. am 8. Juli 1803 in Marieneg in sächsischen Voigtlande.Lied vom Ritter Wahn (1831.) — Ahasver (1838.) — Gedichte (1836.) — Novellen (1837.) — Congreß von Verona, Roman, 2 Bde. (1842.) — Theater (1842.) enthält: Kaiser Otto III. — die Bräute von Florenz — Cola Rienzi — Wendelin und Helene. — Bilder im Moose, 2 Bde. (1846.) — Spätere Dramen: Bernhard von Weimar — der Sohn des Fürsten — Johann von Oesterreich — u. s. w.Seine Briefe an T. stammen aus jener Zeit, wo er als Rechtsanwalt in Dresden gelebt. Im Jahre 1844 wurde er, mit dem Titel eines Hofrathes belehnt, zum dramaturgischen Direktor des Großherzoglichen Theaters in Oldenburg berufen, dessen Intendant, der biedere und wahrhaft redliche Graf Bochholtz (gest. d. 18. Nov. 1863) ihm fördernd zur Seite stand. Vor einem kleinen, aber hochgebildeten Publikum durfte dieses Hoftheater, innerhalb seiner Grenzen, ein dauerndes Bestreben nach künstlerischem Zusammenspiel verfolgen, weil der würdige Großherzog, das k. k. Hofburgtheater Wiens als Vorbild betrachtend, lediglich recitirendes Schauspiel verlangte, und jede Störung durch Oper oder Ballet ausgeschlossen hielt. Durch solche Verhältnisse begünstiget, und durch Adolf Stahr’s begeisterte Aufsätze in der Bremer Zeitung ermuntert und aufgefrischt, konnte derDichtersich an seiner Theaterdirektion (ausnahmsweise) dauernd erfreuen; und er wäre glücklich zu preisen gewesen, hätten nicht schwere körperliche Leiden ihn daniedergeworfen und seine Thätigkeit — wenn nicht gelähmt, doch häufig beeinträchtigt. WelchegeistigeKraft in diesem vieljährigen DulderleiblichenSchmerzen entgegen wirkt, läßt sich aus zwei Zeilen ersehen, die er für ein in Bremen erscheinendes Album lithographisch nachgebildeter Handschriften gab; die da heißen (wir citiren aus dem Gedächtniß und können wörtliche Treue nicht verbürgen, wenn auch den Sinn):„Der Schwache mag zum Altar treten,Der Starke wird durch Thaten beten!“Aus der Feder des körperlich Paralysirten ein mächtiges Wort wider den krassen Materialismus dieser Tage!
Geb. am 8. Juli 1803 in Marieneg in sächsischen Voigtlande.
Lied vom Ritter Wahn (1831.) — Ahasver (1838.) — Gedichte (1836.) — Novellen (1837.) — Congreß von Verona, Roman, 2 Bde. (1842.) — Theater (1842.) enthält: Kaiser Otto III. — die Bräute von Florenz — Cola Rienzi — Wendelin und Helene. — Bilder im Moose, 2 Bde. (1846.) — Spätere Dramen: Bernhard von Weimar — der Sohn des Fürsten — Johann von Oesterreich — u. s. w.
Seine Briefe an T. stammen aus jener Zeit, wo er als Rechtsanwalt in Dresden gelebt. Im Jahre 1844 wurde er, mit dem Titel eines Hofrathes belehnt, zum dramaturgischen Direktor des Großherzoglichen Theaters in Oldenburg berufen, dessen Intendant, der biedere und wahrhaft redliche Graf Bochholtz (gest. d. 18. Nov. 1863) ihm fördernd zur Seite stand. Vor einem kleinen, aber hochgebildeten Publikum durfte dieses Hoftheater, innerhalb seiner Grenzen, ein dauerndes Bestreben nach künstlerischem Zusammenspiel verfolgen, weil der würdige Großherzog, das k. k. Hofburgtheater Wiens als Vorbild betrachtend, lediglich recitirendes Schauspiel verlangte, und jede Störung durch Oper oder Ballet ausgeschlossen hielt. Durch solche Verhältnisse begünstiget, und durch Adolf Stahr’s begeisterte Aufsätze in der Bremer Zeitung ermuntert und aufgefrischt, konnte derDichtersich an seiner Theaterdirektion (ausnahmsweise) dauernd erfreuen; und er wäre glücklich zu preisen gewesen, hätten nicht schwere körperliche Leiden ihn daniedergeworfen und seine Thätigkeit — wenn nicht gelähmt, doch häufig beeinträchtigt. WelchegeistigeKraft in diesem vieljährigen DulderleiblichenSchmerzen entgegen wirkt, läßt sich aus zwei Zeilen ersehen, die er für ein in Bremen erscheinendes Album lithographisch nachgebildeter Handschriften gab; die da heißen (wir citiren aus dem Gedächtniß und können wörtliche Treue nicht verbürgen, wenn auch den Sinn):
„Der Schwache mag zum Altar treten,Der Starke wird durch Thaten beten!“
„Der Schwache mag zum Altar treten,Der Starke wird durch Thaten beten!“
„Der Schwache mag zum Altar treten,Der Starke wird durch Thaten beten!“
„Der Schwache mag zum Altar treten,
Der Starke wird durch Thaten beten!“
Aus der Feder des körperlich Paralysirten ein mächtiges Wort wider den krassen Materialismus dieser Tage!
Leipzig, d. 2. Jul. 1827.
Hochwohlgeborner,Höchstzuverehrender Herr Hofrath!
Auf mein Glück vertrauend, das mich verwichene Michaelis zu Ihnen, höchstzuverehrender Herr! und in den Kreis der Ihrigen führte, und mit heiterer Zuversicht, daß Sie Sich meiner, wenigstens wünsche ich es von ganzer Seele, noch einigermaßen erinnern möchten, wage ich jetztdiese Zeilen zu schreiben, und Ihnen sammt einer großen Bitte beiliegendes Manuscript zu übersenden. Wie ich aber zu dieser Kühnheit kommen konnte, das würde ich am allerbesten entwickeln können, wenn Eure Hochwohlgeboren mir vergönnen würden, einige Worte über die Geschichte des Manuscripts zu erzählen. Die Sache war so:
Wie ich mit meinem Freunde D. Kluge von Perugia nach Arezzo reiste, lockte uns die Wiß- und Neubegierde von Cummoccia hinauf nach Cortona. Dort war eben Jahrmarkt, und Alles ging bunt durcheinander. Als wir über den Marktplatz gingen, sahen wir, wie es in Italien so häufig geschieht, eine Menge Menschen um einen Mandolinenspieler herumstehen. Wir hörten ihm zu, und etliche Strophen gefielen mir so, daß ich die ganze Mähr gern gewußt hätte. Ich nahm mir den Mann mit in den Gasthof, und ließ mir dieottave rimein die Feder diktiren. Ich ward von dieser Volkssage so innerlich bewegt, daß der Gedanke mir keine Ruhe mehr ließ, diesen schönen Stoff zu benützen und auszuarbeiten. Das that ich denn bald mit Lust und Liebe. Schon in Florenz wurden die ersten vier Abentheuer beendigt, und wie ich weiter nach Oberitalien und der Heimath zureiste, so gedieh auch mein Lied vom Ritter Wahn immermehr seinem Ende entgegen, bis ich es endlich in meiner Heimath ganz vollendete.
Ich hatte den Plan in Italien gefaßt, dieses Heldenlied dem edlen Ludwig, Könige von Baiern, zu verehren. Allein aus den Zeitungen erfuhr ich zu meinem Leidwesen, daß er von lauter schönen Sachen so bedrängt wird, daß etwas, von keinem berühmten Meister, und ohne allen weitern Anspruch Gefertigtes, wohl kaum dort Einlaß finden würde.
Allein doch möchte ich auch gar so gerne ein gewichtiges Urtheil über dieses Lied hören, das ich mit so großer Vorliebe ausgearbeitet habe. So wie nun in den alten schönenZeiten der Jünger sich gerne einem Meister anschloß, und ihn um Rath fragte, und liebreich berathen ward, also komme auch ich noch nach diesem alten Brauche zu Ihnen mit der Bitte:
Daß Eure Hochwohlgeboren gelegentlich das Heft durchlesen und mir mit dem Ihnen eigenen Wohlwollen Ihre Meinung kund thun möchten. In dieser frohen Hoffnung verbleibe ich
Eur. Hochwohlgeborenganz ergebenster VerehrerJulius Mosen,d. Zeit wohnhaft in Leipzig, inder Petersstraße No. 60.
Eur. Hochwohlgeboren
ganz ergebenster Verehrer
Julius Mosen,
d. Zeit wohnhaft in Leipzig, inder Petersstraße No. 60.
Leipzig, am 29sten Fbr. 1828.
Eure Wohlgeboren,Höchstzuverehrender Herr Hofrath!
Da ich in einigen Wochen Leipzig verlassen werde, so sehe ich mich genöthigt, Ihnen diese Veränderung meines Wohnortes zu melden. Ich werde nach Marktneukirchen, ein Städtchen im Voigtländischen Kreise gehen. Wollten Eure Wohlgeboren noch so gütig seyn, mir Etwas über das Lied vom Ritter Wahn zu schreiben, so würde mich zunächst eine so erwünschte Nachricht dort treffen. Fast an jedem Posttage fragte ich bei dem Buchhändler in der letztern Zeit, oder um die Wahrheit einzugestehen, in jedem Monate in diesem Halbjahr an. Allein ich hoffte, immer vergebens. Dieses aber betrübte mich um so mehr, da ich jetzt bei Weiten schwieriger hier in Leipzig einen Buchhändler ausmachen kann, der mir das Gedicht abnimmt, wenn Sie mir endlich das Manuscript zurückschicken sollten. Sollten Sie, Herr Hofrath,Sich noch nicht entschlossen haben, dieses Gedicht durchzulesen, so bitte ich Sie nochmals recht herzlich darum. Sie werden gewiß finden, daß — mag auch meine Bearbeitung der Sage sehr nichtsnutzig seyn — der Stoff wenigstens vor Allem großartig und herrlich ist, so wie fast alle Volksdichtungen, die durch Jahrhunderte sich gerungen haben. Möchten Sie meiner und meines Wunsches in einer Stunde der Erholung gütig gedenken! —
Mit dem aufrichtigen Wunsche, daß Ihnen Gott dauerhafte, freudige Gesundheit verleihen möchte, damit Sie unbehindert den blühenden Garten Ihrer Dichtkunst pflegen mögen, verbleibt
Eurer Wohlgeborenbeständiger VerehrerJulius Mosen.
Eurer Wohlgeboren
beständiger Verehrer
Julius Mosen.
Dr., am 31. May 1836.
Hochverehrtester Herr Hofrath!
Sie feiern heute Ihren Geburtstag, wie ich vernommen habe. Mit aufrichtigster Gesinnung nahe ich mich Ihnen mit Glückwünschen und geringen Gaben. Wenn Sie dieselben eben so wohlwollend annehmen, als sie fröhlich huldigend gereicht werden, so ist mein bester Wunsch erfüllt. Möchten Ihnen noch recht viele, gesunde und glückliche Jahre und in ihnen die eine Hälfte der Tage zu Gedeihen herrlicher Schöpfungen, die andere zu heiterem Lebensgenusse geschenkt sein! Das und Anderes würde ich Ihnen mündlich aussprechen, wenn der Zufall nicht immer wollte, an Ihre Thüre gerade dann klopfen zu müssen, wenn nur Ihre vertrauteren Freunde kommen dürfen, was heute zwiefach derFall sein wird. Deshalb kann ich nur Wunsch und Gruß dem Papiere anvertrauen, welches doch nie Blick und Sprache und warmen Handschlag ersetzt. Gedenken Sie meiner freundlich und schenken Sie mir Ihre Wohlgewogenheit.
Mit vollkommenster Hochachtung verharrend
Eur. Hochwohlgeborenganz ergebensterJulius Mosen.
Eur. Hochwohlgeboren
ganz ergebenster
Julius Mosen.
Dr., am 10ten Juli 1836.
Hochverehrtester Herr Hofrath!
Wenn von den sieben Bitten nur eine auf jeden Tag der Woche käme, so wäre es genug; ich wage jedoch zwei Bitten auf einmal vorzutragen, zuerst: daß Sie mir erlaubten, Sie heute Abend besuchen, und dann: meinen jüngeren Bruder, designirter Pfarrvicar in Pegau, welcher Sie seit langer Zeit verehrt und liebt, mitbringen zu dürfen? Mit dem Wunsche, daß das heutige Sciroccowetter nur über Ihr Dach, nicht aber auch durch Sie Selbst, wie es bei mir der Fall ist, hinüberziehe, verharre ich hochachtungsvoll und wie immer als
IhrVerehrerJ. Mosen.
Ihr
Verehrer
J. Mosen.
Hier, am 7ten Octbr. 1836.
Hochverehrtester Herr Hofrath,Gönner und Freund!
Seitdem es mir vergönnt war, in den Zauberwald der deutschen Poesie einzutreten, ist mir Ihre Musa vor Allenund am freundlichsten entgegengekommen; was soll ich es läugnen, daß Sie und Novalis erst das Buch der Natur mir aufgeschlagen haben, in welchem ich seitdem treu und ehrlich studirt habe! Deshalb blicke ich so gern in Ihre klaren Augen, die nie vergessen können, daß sie das große Geheimnis gesehen haben! Wie könnte es Ihr Herz? Und wie könnte ich Sie lieben, wenn dieses mitten aus dem harten Leben heraus nicht die Liebe erwiedern könnte? Deshalb bin ich getrost und vertraue getrost dieses mein neustes Gedicht dieser Liebe an! Sie können ihm das Leben, mir aber das Bewußtsein schenken, nicht vergebens gestrebt zu haben. Auch will ich nicht verbergen, daß ich dadurch für meinen jüngsten Bruder, den ich nach meines Vaters Tode aus eigenen, schwachen Mitteln erziehen lasse, eine Beihilfe mir verschaffen möchte. Unterdessen behalten Sie mich lieb, der ich mit aller Verehrung verharre
Eur. Hochwohlgeborentreu ergebnerJulius Mosen.
Eur. Hochwohlgeboren
treu ergebner
Julius Mosen.
am 20. Octbr. 1836.
Hochverehrtester Herr Hofrath und Doctor!
Ihre Andeutungen über das vielbesprochene Stück haben mich, irre ich sonst nicht, ganz und gar zur Klarheit damit gebracht. Zudem ich Rienzi in Wechselwirkung mit seinem Weibe bringe, welche mit ihrem Charakter die Stelle der Livia und die von ihr ausgefüllten Scenen geeignet überkommt, wird das Stück auch in dieser Parthie rund werden. Ich habe die verwichene Nacht hindurch die erstere Exposition des damaligen römischen Zustandes im 1ten Acte und dasandere Nöthige aus- und umgearbeitet. Wenn Sie mir das Manuscript auf einige Tage wieder zustellen lassen wollen, so glaube ich Ihren Ansichten das Werk näher rücken zu können. Könnte ich, wenn auch nicht Ihren ganzen Beifall, doch Ihre Zufriedenheit mit mir erringen, so hoffe ich auch, daß Sie dem Stücke das Leben auf der Bühne schenken werden. Ich möchte nicht gern wieder etwas drucken lassen, ohne sagen zu dürfen: es ist vorgestellt worden; ja außerdem würde das Buch auch Niemand sich anschaffen. Noch habe ich eine historische Notiz gefunden, die mir lieb ist. R....’s Vater soll der natürliche Sohn Heinr. IV. gewesen sein. Oft erklärt sich aus solchen Zufälligkeiten das ganze Schicksal eines Menschen. Wenn R....’s Weib, bei deren Einführung in das Stück und gehoffter Aufführung desselben ich an Fräulein Bauer gedacht habe, von dieser Künstlerin, Montorale von unserem Weymar und R...i von Devrient gegeben würde, so glaube ich, daß es schon seinen Theaterabend gut genug ausfüllen wird. Doch das Alles lege ich in Ihre gütige Hand. Auf Ihr Wohl habe ich gestern noch mit Hr. G. R. v. Ungarsternberg in dessen Behausung eine Flasche Wein getrunken; — er wie ich waren von Ihrer Vorlesung des Homburg über das ganze Herz hinüber warm und begeistert. Nicht nur Ihren Mund, auch Ihre Seele hat die schöne Muse geküßt! Ich sehe Sie bald wieder! Wie immer mit aller Verehrung
IhrergebensterJulius Mosen.
Ihr
ergebenster
Julius Mosen.
am 25. Octbr. 1836.
Hochverehrtester Herr Hofrath!
So darf ich denn beifolgendes Stück wiederum in Ihre Hände zurückgeben, indem ich nicht nur das EingreifendeIhrer Andeutungen als entscheidend eingesehen, sondern auch nach Kräften befolgt habe. Es geht nun, wie es mir vorkommt, besser zusammen, indem die Farben selbst gesättigter sind. Ein Verdienst wird es haben, daß es fast zuerst den Standpunct der Kirche zu den italischen Staaten im Mittelalter würdigt. Lästern ist ja leichter, als anerkennnen. Finden Sie im Manuscripte noch einen Ausdruck, welcher unlauteren Gemüthern anstößig sein sollte, so bitte ich einen solchen kürzlich zu verwischen. Da ich als Geschäftsmann hier meinen Namen öffentlich nicht preisgeben mag, so habe ich den Verfasser in: Louis Morgenländer umgetauft. Es war der erste Namen, der mir einfiel, deshalb habe ich ihn auch gewählt. Daß Sie, hochverehrtester Gönner, mit der mir so oft erwiesenen Liebe und Güte meines Rienzi Sich annehmen werden, bin ich überzeugt. Dieser empfehle ich mich und ihn und verharre mit jeglicher Verehrung
Eur. Hochwohlgeborenganz ergebenerJulius Mosen.
Eur. Hochwohlgeboren
ganz ergebener
Julius Mosen.
April 1837.
Hochverehrtester Herr Hofrath!
Einer meiner Jugendfreunde, ein Advocat aus dem Voigtlande ist eben auf Besuch bei mir, dem ich den Rienzi vorlesen möchte. Wollten Sie wol so gut sein, und mir die Reinschrift, welche Sie haben, durch den Bringer Dieses, meinen kleinen Schreiber, verabfolgen lassen? Ihre Vorrede zu Lenz, und ihn dazu, bitte ich mir noch einige Tage zu überlassen, da ich nunmehr in diesem Buche gerne blättere, nachdem ich es in aller Andacht gelesen. Von Ihrem Wohlbefinden bin ich unterrichtet; möchten Sie in den neuen Frühling eben somunter hinüber gehen! In diesen Tagen hoffe ich, Ihnen meine persönliche Aufwartung wieder machen zu können, nachdem mich der Nachwinter in harte Buße genommen hat. Wie immer mit aller und alter Verehrung
Eur. WohlgeborenergebensterJ. Mosen.
Eur. Wohlgeboren
ergebenster
J. Mosen.
am 13. Januar 1840.
Hochverehrtester Herr Hofrath!
Schon seit mehren Tagen, denn ich bin erst von einer mehrwöchentlichen Reise zurückgekommen, wollte ich Sie besuchen, aber immer kam etwas Unabweisbares dazwischen. Da fällt mir ein, daß dasjenige, was ich zu schicklicher Zeit Ihnen mitsagen wollte, schriftlich am besten abgethan ist. Man hat mir von verschiedenen Seiten her weiß machen wollen, als wenn Sie mir nicht gewogen wären, das habe ich nicht geglaubt, ich bin aber erst dann ruhig, wenn Sie bei ähnlichen Gelegenheiten ebenso urtheilen sollten. Warum soll man das kurze, so traumähnliche Leben sich noch verbittern lassen durch unbedeutende Menschen, welche sich gern eine Folie geben möchten? — Werden Sie aber nicht am Ende diese Zeilen übel aufnehmen? Ich glaube nicht, da Ihre Seele das Höchste und Schönste, was je die Menschheit gottähnlich macht, gefühlt hat, und die Stätte, wo die Gottheit wandelt, bleibt immer heilig. Ich war in Jena, wo Sie an dem Kirchenrathe Schwarz einen eifrigen Verehrer haben; in Weimar sprach ich Riemer, der sich lebendig noch der Zeit erinnerte, wo er mit Ihnen bei der Schopenhauer zusammengewesen wäre. Professor Brockhaus, bei dem ich eigentlichauf Besuch war, läßt Sie durch mich mit aller Verehrung grüßen. Das ist Alles, was ich für Sie von der Reise mitgebracht habe, nächstens aber komme ich selbst und hoffe wie immer ein freundliches Willkommen zu erhalten. Wenn das, was ich oben im Eingange erwähnt habe, Ihnen gemäß ist, so vergessen Sie es; denn dann war es überflüssig. Wie immer mit ausgezeichnetster Hochachtung und Verehrung
Eur. Hochwohlgeborenganz ergebensterJulius Mosen.
Eur. Hochwohlgeboren
ganz ergebenster
Julius Mosen.