Geboren zu Leipzig 1791 an Shakspeare´s Geburtstage; gestorben 1854 zu Breslau einen Tag nach Goethe´s Geburtstage.Aus dem Englischen, aus dem Italienischen, aus dem älteren Französischen, gab dieser sehr gelehrte, tief in den Geist der Zeit wie der Sprache eindringende Forscher Uebersetzungen, die vielleicht nurdenFehler haben mögen, daß sie demungelehrten Leser zu hoch stehen. Sowohl ShakspearesSonette— (geläufiger scheint uns sein Timon von Athen) — als denBojardo, vorzüglich aber denRabelaismuß der Deutsche aus Regis Verdeutschung sich gewissermaßen noch einmal übersetzen. Und deshalb dürften den ganzen unschätzbaren Werth dieser Riesenarbeit nur diejenigen vollkommen anzuerkennen fähig sein, die seine gewissenhaften Uebersetzungen als Schlüssel betrachten, der ihnen den Zugang zum Verständniß der Originale eröffnet und erleichtert.Regis, seit 1825 in Breslau einheimisch bis zum Tode, war selbst was man „ein Original“ zu nennen beliebt, wobei sich denn freilich ein Jeder denkt, was ihm einfällt, und womit nicht viel gesagt ist. Er was menschenscheu, zurückhaltend, mißtrauisch gegen Fremde, auch möglicherweise ein Bischen cynisch, was herkömmliche Ausstaffirung des Studierzimmers und der eigenen Person betrifft, doch weit entfernt, ein Menschenfeind zu sein, wofür ihn oberflächliche Schwätzer ausschreien wollten. Was Wunder, wenn er dem Verkehre mit solchen, den Verkehr mit seinen Büchern vorzog! Seine Bedürfnisse sind gering gewesen, doch auch für diese geringen Ansprüche reichte der Ertrag so streng abgeschlossenen philologischen Wirkens nicht aus. Deshalb suchten und fanden Gönner den Weg zum Herzen des Königs Friedrich Wilhelm IV., welches dergleichen Bitten stets offen, dem bescheidenen Gelehrten ein Jahrgehalt von 300 Thl. zuwendete. Als die näheren Freunde gewahrten, daß er auch damit nicht hauszuhalten verstehe, schossen sie unter sich eine gleiche Summe zusammen, die sie ihm (um sein Zartgefühl zu schonen) alljährlich bis an seinen Tod auszahlen ließen, als ob sie Gott weiß aus welcher ebenfalls Königlichen oder andern Chatoulle flöße. Er hat den großmüthigen Betrug niemals entdeckt.Schon zum Tode krank, sein nahbevorstehendes Ende ahnend, arbeitete er, zuletzt mit fast schwindendem Bewußtsein, ängstlich an einer Reinschrift der „Epigramme der griechischen Anthologie,“ welche, „in den Versmaßen der Urschrift verdeutscht,“ im Jahre 1856 von seinem getreuesten Freunde ProfessorDr.Haase herausgegeben worden ist.
Geboren zu Leipzig 1791 an Shakspeare´s Geburtstage; gestorben 1854 zu Breslau einen Tag nach Goethe´s Geburtstage.
Aus dem Englischen, aus dem Italienischen, aus dem älteren Französischen, gab dieser sehr gelehrte, tief in den Geist der Zeit wie der Sprache eindringende Forscher Uebersetzungen, die vielleicht nurdenFehler haben mögen, daß sie demungelehrten Leser zu hoch stehen. Sowohl ShakspearesSonette— (geläufiger scheint uns sein Timon von Athen) — als denBojardo, vorzüglich aber denRabelaismuß der Deutsche aus Regis Verdeutschung sich gewissermaßen noch einmal übersetzen. Und deshalb dürften den ganzen unschätzbaren Werth dieser Riesenarbeit nur diejenigen vollkommen anzuerkennen fähig sein, die seine gewissenhaften Uebersetzungen als Schlüssel betrachten, der ihnen den Zugang zum Verständniß der Originale eröffnet und erleichtert.
Regis, seit 1825 in Breslau einheimisch bis zum Tode, war selbst was man „ein Original“ zu nennen beliebt, wobei sich denn freilich ein Jeder denkt, was ihm einfällt, und womit nicht viel gesagt ist. Er was menschenscheu, zurückhaltend, mißtrauisch gegen Fremde, auch möglicherweise ein Bischen cynisch, was herkömmliche Ausstaffirung des Studierzimmers und der eigenen Person betrifft, doch weit entfernt, ein Menschenfeind zu sein, wofür ihn oberflächliche Schwätzer ausschreien wollten. Was Wunder, wenn er dem Verkehre mit solchen, den Verkehr mit seinen Büchern vorzog! Seine Bedürfnisse sind gering gewesen, doch auch für diese geringen Ansprüche reichte der Ertrag so streng abgeschlossenen philologischen Wirkens nicht aus. Deshalb suchten und fanden Gönner den Weg zum Herzen des Königs Friedrich Wilhelm IV., welches dergleichen Bitten stets offen, dem bescheidenen Gelehrten ein Jahrgehalt von 300 Thl. zuwendete. Als die näheren Freunde gewahrten, daß er auch damit nicht hauszuhalten verstehe, schossen sie unter sich eine gleiche Summe zusammen, die sie ihm (um sein Zartgefühl zu schonen) alljährlich bis an seinen Tod auszahlen ließen, als ob sie Gott weiß aus welcher ebenfalls Königlichen oder andern Chatoulle flöße. Er hat den großmüthigen Betrug niemals entdeckt.
Schon zum Tode krank, sein nahbevorstehendes Ende ahnend, arbeitete er, zuletzt mit fast schwindendem Bewußtsein, ängstlich an einer Reinschrift der „Epigramme der griechischen Anthologie,“ welche, „in den Versmaßen der Urschrift verdeutscht,“ im Jahre 1856 von seinem getreuesten Freunde ProfessorDr.Haase herausgegeben worden ist.
Sr. Hochwohlgeboren, dem Herrn HofrathLudwig Tieck.
Breslau, d. 2. Februar 1833.
Hochverehrter Freund und Gönner.
Unbesorgt um Ihre gewogene Aufnahme meines endlich ans Licht dringenden Rabelais, wage ich Ihnen denselben zu senden. Denn Sie selbst waren es ja, der schon vor Jahren so gütig an ihm Theil nahm, und ihn herausgefördert hätte, wenn es an Ihnen gelegen hätte. Er tritt nun in aller seiner Sünden Maienblüthe vor Sie, „calzadas las espuelas para ir á besar las manos á V. E.“ und bittet um ein ganz offenes Gericht — denn leider weiß ich wie wunderlich seine Sprache im Deutschen lauten muß — die ich mir immer noch nicht ganz zu Dank habe bilden, aber auch, nach 20jährigen Versuchen, bei Anspruch aufTreue, (das bin ich mir bewußt) nicht besser habe machenkönnen.
Nehmen Sie daher vorlieb mit dem Mäslein meiner Kräfte und seyn Sie versichert, daß jede Zurechtweisung, deren Sie mich würdigen wollten, dem Buche selbst in der Folge, wenn ich dazu Gelegenheit finde, zu gute kommen soll. Den Commentar, eine mühsame, aber nun doch auch schon, Gott sey Dank! größtentheils beendigte Arbeit, nehme ich mir die Freiheit, zu seiner Zeit Ihnen nachzuliefern.
Eine Freude hat mir die Zeit vereitelt; denn ich hatte schon mehr als ein Briefconzept geschrieben, womit ich es Göthen noch senden wollte!
Haben Sie noch innigen Dank für Ihre Worte zudessenGedächtniß, wobei Sie auch meiner gedenken wollten! Denn Carus, als er zu meinem Geburtstag sie mir schickte, schrieb daßSie sie mir selbst bestimmt.
Durch diesen bin ich seit so manchem Jahr meiner Entfernung von Dresden, doch nie ganz von Ihnen geschiedengewesen. Denn wie könnten die Briefe eines mit Ihnen verbundenen Mannes von Ihnen leer seyn. Aber so manche herzliche Freude, die ich in einsamen Stunden auch diese Zeit her, Ihrer Muse wieder verdankte, ging doch zunächst von Ihnen aus. Seyn Sie für alles auf immer gesegnet!
Gienge es mir nach, so müßte Sie nie etwas Uebles treffen. Noch immer denke ich mit unauslöschlichem Dank Ihres unverdienten Wohlwollens, das Sie mir, hochverehrter Mann, selbst mit eigner Zeit-Aufopferung in Dresden bewiesen, und ich klage mich wegen letzterer noch oft im Stillen an, weil ich weiß, was die Arbeitsstunden werth sind, in denen ich störend bisweilen zuIhnenhereintrat, ohne auch nur den mindesten Ersatz dafür mitzubringen. Diese Abbitte an Sie liegt mir fürwahr noch auf dem Herzen. Behalten Sie mir die Sünde nicht!
Möge dieser Sommer, wo Sie ihn auch verleben, Ihnen heilsam seyn! sowie alle folgende Jahreszeiten. Ein Wunsch, den gewiß selbst die nächsten Ihrigen nicht ehrlicher für Sie meinen können als
Ew. Hochwohlgeborentreu verpflichteterFreund und DienerGottlob Regis.
Ew. Hochwohlgeboren
treu verpflichteter
Freund und Diener
Gottlob Regis.