Schall, Karl.

Geb. am 24. Februar 1780 zu Breslau, gestorben ebendaselbst am 18. August 1833.Schall mag wohl nicht der einzige Poet sein, dessen eigentliche That- und Schöpfungs-Kraft durch liebenswürdige Gesellschaftsgaben und vielseitigen Verkehr im Kleinen gleichsam zersplittert worden sind. Er wußte viel, er erlernte täglich mehr, er konnte mit den Gelehrten verschiedenster Fächer wissenschaftliche Gespräche durchfechten, machte geistreiche, zierliche Gedichte, schrieb unzählige witzige pikante Billetchen, war und blieb ein Orakel für Schriftsteller, Schauspieler und Studenten, die sich um ihn schaarten, galt bei Männern aus allen Ständen für eine bedeutende Autorität, und brachte es dabei doch nur zu wenigen Lustspielen, von denendreiallerdings zu ihrer Zeit, wirklich Epoche machten:Kuß und Ohrfeige — Trau schau wem — die unterbrochene Whistpartie. — Ein viertes: — Mehr Glück als Verstand — hat weniger gefallen. Und seine größte Arbeit —Theatersucht— ist auf dem Berliner Hoftheater (in Breslau machte sie Glück) ausgepfiffen worden, als sie neu war (1815); wohl hauptsächlich weil sie die Narrheiten der Dilettanten-Theater verspottet, und weil die zahlreichen Mitglieder derselben Anstalten sich gegen solchen Spott auflehnten. So ging das vorzüglichste seiner Lustspiele halb und halb verloren und dieses Mißgeschick hemmte die frischbegonnene Thätigkeit. Er ließ sich einschüchtern und wurde verzagt. Durch eine im Jahre 1827 versuchte Wiederaufnahme der Theatersucht, welche im königstädter Theater glücklich von Statten ging, ließ er sich neu anregen. Doch was er fürder mühsam schuf, ist breit, schleppend, ohne rechtes theatralisches Leben. Wenn man Stücke betrachtet wie: Das Kinderspiel — Eigne Wahl — der Knopf am Flausrock — Schwert und Spindel u. s. w. kann man nur bedauern, daß solche Fülle von Geist, Witz, Gemüth und Wissen zu einem wirkungslosen Hin- und Herredenverschwendet worden. Für „Schwert und Spindel“ waren zehnjährige Studien gemacht und ganze Stöße von Excerpten zusammen getragen worden, um einige — auf der Bühne langweilige — Scenen damit auszustaffieren! Und dies von einem berufenen Kenner dramatischer und dramaturgischer Zustände; von einem in’s Detail gehenden Theaterkritiker! — Es ist lehrreich, und fordert zu ernsten Betrachtungen auf, daß ähnliche Selbsttäuschungen fortwähren konnten bis zum Tode. (Siehe den vorletzten, ein Jahr vor seinem Ende geschriebenen Brief.) — Eines kleinen Gelegenheitsstückes haben wir noch zu gedenken, welches Schall für die Bühne seiner Vaterstadt schrieb, und in welchem Ludwig Devrient, damals in vollster Blüthe des Genie’s, die Hauptrolle gab. Es hieß:das Heiligthum, und galt dem Jahresfeste der Königin Luise von Preußen. Es war ein Meisterwerk dieser Gattung; es war zugleich ein kühnes Wagstück: umgeben von Spionen, unter französischem Drucke, treue Preußenherzen zu solcher Huldigung aufzurufen. — Nur Wenige der Jetztlebenden werden noch eine Erinnerung an jenen festlichen Abend in ihrer Seele bewahren; aber bei diesen wird sie auch erst mit dem Leben erlöschen.

Geb. am 24. Februar 1780 zu Breslau, gestorben ebendaselbst am 18. August 1833.

Schall mag wohl nicht der einzige Poet sein, dessen eigentliche That- und Schöpfungs-Kraft durch liebenswürdige Gesellschaftsgaben und vielseitigen Verkehr im Kleinen gleichsam zersplittert worden sind. Er wußte viel, er erlernte täglich mehr, er konnte mit den Gelehrten verschiedenster Fächer wissenschaftliche Gespräche durchfechten, machte geistreiche, zierliche Gedichte, schrieb unzählige witzige pikante Billetchen, war und blieb ein Orakel für Schriftsteller, Schauspieler und Studenten, die sich um ihn schaarten, galt bei Männern aus allen Ständen für eine bedeutende Autorität, und brachte es dabei doch nur zu wenigen Lustspielen, von denendreiallerdings zu ihrer Zeit, wirklich Epoche machten:

Kuß und Ohrfeige — Trau schau wem — die unterbrochene Whistpartie. — Ein viertes: — Mehr Glück als Verstand — hat weniger gefallen. Und seine größte Arbeit —Theatersucht— ist auf dem Berliner Hoftheater (in Breslau machte sie Glück) ausgepfiffen worden, als sie neu war (1815); wohl hauptsächlich weil sie die Narrheiten der Dilettanten-Theater verspottet, und weil die zahlreichen Mitglieder derselben Anstalten sich gegen solchen Spott auflehnten. So ging das vorzüglichste seiner Lustspiele halb und halb verloren und dieses Mißgeschick hemmte die frischbegonnene Thätigkeit. Er ließ sich einschüchtern und wurde verzagt. Durch eine im Jahre 1827 versuchte Wiederaufnahme der Theatersucht, welche im königstädter Theater glücklich von Statten ging, ließ er sich neu anregen. Doch was er fürder mühsam schuf, ist breit, schleppend, ohne rechtes theatralisches Leben. Wenn man Stücke betrachtet wie: Das Kinderspiel — Eigne Wahl — der Knopf am Flausrock — Schwert und Spindel u. s. w. kann man nur bedauern, daß solche Fülle von Geist, Witz, Gemüth und Wissen zu einem wirkungslosen Hin- und Herredenverschwendet worden. Für „Schwert und Spindel“ waren zehnjährige Studien gemacht und ganze Stöße von Excerpten zusammen getragen worden, um einige — auf der Bühne langweilige — Scenen damit auszustaffieren! Und dies von einem berufenen Kenner dramatischer und dramaturgischer Zustände; von einem in’s Detail gehenden Theaterkritiker! — Es ist lehrreich, und fordert zu ernsten Betrachtungen auf, daß ähnliche Selbsttäuschungen fortwähren konnten bis zum Tode. (Siehe den vorletzten, ein Jahr vor seinem Ende geschriebenen Brief.) — Eines kleinen Gelegenheitsstückes haben wir noch zu gedenken, welches Schall für die Bühne seiner Vaterstadt schrieb, und in welchem Ludwig Devrient, damals in vollster Blüthe des Genie’s, die Hauptrolle gab. Es hieß:das Heiligthum, und galt dem Jahresfeste der Königin Luise von Preußen. Es war ein Meisterwerk dieser Gattung; es war zugleich ein kühnes Wagstück: umgeben von Spionen, unter französischem Drucke, treue Preußenherzen zu solcher Huldigung aufzurufen. — Nur Wenige der Jetztlebenden werden noch eine Erinnerung an jenen festlichen Abend in ihrer Seele bewahren; aber bei diesen wird sie auch erst mit dem Leben erlöschen.

Breslau, d. 16t. Febr. 1820.

Verehrtester!

Mit einer etwas verspäteten Erwiederung Ihres Schreibens vom 22ten Junius vorigen Jahres, welches mir durch Karl von Raumer zugekommen war, sandte ich Ihnen die beiden Schauspiele:Fair EmundArden of Feversham, denen ich einige selbst verfaßte Lustspiel-Makulatur beigelegt hatte. Da ich nicht wußte, daß Sie zur Zeit der Absendung, von Ziebingen bereits ab und nach Dresden gereist waren, hatte ich das Paket nach dem ersteren Ort adressirt und abgeschickt. Es kam nicht zurück und ich setzte demnach voraus, es sey Ihnen nachgesandt worden. Von dieser Voraussetzung unterrichtete ich Sie durch einige nach Dresden geschriebene Zeilen. Da Sie, böser Mann, mir nun auf meine beiden Epistelchen nicht ein einziges kleines Sylblein geantwortet und mir den Empfangdes Uebersandten keineswegs bestätigt haben; so kann ich es nun nicht länger anstehen lassen, und muß Ihnen hiermit noch einmal schriftlich zu Leibe gehen und Sie bey Shakspeare’s Schatten beschwören, mich recht bald wissen zu lassen: ob diedramata questionisin Ihren Händen sind; ob Sie selbige noch länger zu behalten wünschen; ob sie Lust haben sie zu übersetzen — nemlich die Englischen in’s Deutsche, nicht etwa meine Chosen in’s Englische; — was Sie davon halten u. s. w.

Ich bin seit dem 1. Januaranni currentisein Zeitungsschreiber geworden und gebe hierselbst vom Fürsten Staatskanzler berechtigt und begünstigt eine politisch-szientivisch-artistische mit einem sogenannten Intelligenzblatt versehene Zeitung unter dem TitelNeue Breslauer Zeitungim Vereine mit einem sehr tüchtigen Mitarbeiter, meinem Freunde dem DoktorLöbell, einem Ihrer größten Verehrer, heraus. Meine hiesigen Freunde,Steffens, der sich sehr freundlich und lebhaft für mein Unternehmen interessirt,Hagen,Büsching,Menzelu. a. nehmen thätigen Antheil an meinem Blatt, mit dessen Erfolg ich für den Anfang alle Ursache habe zufrieden zu seyn. AuchRaumerhat mir schon einige Mittheilungen von Berlin aus gemacht, mit denen sich etwas sehr Spaßhaftes zugetragen hat, indem er jetzt selbst als Mitgleid der Ober-Censur-Commission über ein Paar Aufsätze zu richten hat, die er mir anonym geschickt hatte und denen von der hiesigen Censur dasimprimaturverweigert wurde. Sie haben doch Nachrichten von ihm? Sein Aufenthalt in Berlin ist ihm durch Manches verleidet, besonders durchSolgersTod, der auch Ihnen höchst schmerzlich gewesen seyn muß. Solgers trefflicher Schwanengesang, die Beurtheilung der dramaturgischen Vorlesungen Schlegel’s, ist mir im höchsten Grade erfreulich und belehrend gewesen. Könnten Sie nicht einen besonderen Abdruck dieses Aufsatzes veranlassen? mir scheint ein solcher sehr wünschenswerth undersprießlich. In den geistreichen, tiefen, und zum Theil ganz neuen Ansichten sowohl Shakspeares als auch Calderons ist Ihre Mitwirkung unverkennbar. Warum lassen Sie Einen denn so ungebührlich lange schmachten und zappeln nach Ihrem Werke über Meister William, ach und nach so vielem, vielem Anderem!!??

Vielleicht ist es Ihnen nicht uninteressant zu erfahren, daß auf meine Anregung unser Theater sich kürzlich an eine Aufführung von Romeo und Julie, nach Schlegels Uebersetzung undsehr mäßiggestrichen, gewagt und zwar mit sehr glücklichem Erfolge gewagt hat. Ich habe mich in meiner Zeitung über dieses Wagstück des Breiteren vernehmen lassen. Der jetzige Dramaturg unserer Bühne, ein Regierungsrath Heinke, mit dem ich in gutem Vernehmen stehe, der sehr auf mich hört und achtet und Sinn für das Bessere und Beste hat, will im Laufe dieses Jahres noch mehrere Shakspeariana möglichst unbeschnitten auf unser hiesiges kleines o bringen[14].

Doch genug, vielleicht schon zu viel des Gekritzels! Ehe ich aber die Ehre habe zu seyn &c. wage ich doch noch eine Bitte an Sie. Sie sollen sich nemlich zur Strafe, daß Sie mir noch nicht geschrieben haben, nicht nur die Verpflichtung auflegen: mir wirklich bald zu schreiben, sondern sich als Extra-Pönitenz noch zu irgend einigen Notizen verpflichten, die Sie mit Hochdero Namensunterschrift dem Herausgeber der Neuen Breslauer Zeitung als eine höchst erfreuliche Gabe zukommen lassen. Bitte, bitte, bitte!

Vale et faveTuo TuissimoK. Schall.

Vale et fave

Tuo Tuissimo

K. Schall.

Breslau, am 28t. Oktober 1826.

Verehrtester Freund!

Ueberbringerin dieser Zeilen istMadame Brunner, die bei dem hiesigen Theater ein paar Jahre hindurch das Fach einer Bravoursängerin mit vielem und anhaltendem Beifall ausgefüllt hat. Es ist ihr Wunsch, wo möglich in Dresden zu einigen Gastrollen zu gelangen und daß Sie die Güte haben, für dieses Wunsches Erfüllung, so viel Sie vermögen, beizutragen, ist der Zweck dieserlettera— oder vielmehrletterinellina—di raccommandazione, um welche die Künstlerin, die auch eine Virtuosin auf der Geige ist, mich ersucht hat. Doch bedarf ich’s leider! wohl eigentlich selbst Ihnen empfohlen zu sein!

Mit unveränderlicher inniger und ausnehmender Verehrung

IhrtreuergebensterKarl Schall.

Ihr

treuergebenster

Karl Schall.

Breslau, am 17t. März 1827.

Lassen Sie, mein Höchstverehrter, sich den Ueberbringer dieser Zeilen, Herrn Heinrich Romberg, Sohn des trefflichen verstorbenen Andreas auf das angelegentlichste empfehlen. Der sehr ausgezeichnete junge Künstler, der sich durch sein sehr gründlich ausgebildetes und höchst graziöses Violinspiel hier, wie in Berlin, verdienten großen Beifall ergeigt hat, ist Allen, die ihn näher kennen lernten, auch durch sein ganzes anmuthiges und feines Wesen lieb und werth geworden, und so empfiehltsich dieser Empfohlene freilich selbst besser, als man ihn durch ein Rekommandationsschreiben zu empfehlen vermag. Sein Sie ihm räthlich und thätlich in dem, was er in Dresden bezweckt, nach Vermögen behülflich. Die Musen werden’s Ihnen lohnen!

Für wie so Vieles aus Ihrem reichen Geistesschatz der Lesewelt Gegönnte, hab’ ich Ihnen wieder zu danken!! Das soll und muß ausführlich geschehen, noch ehe der März uns in den April schickt. Bis dahin und immer, mit dem Toast Tieckfor ever!

Ihrtreuergebenster und Siehöchstverehrenderadmirer friend and servantCharles Sound.

Ihr

treuergebenster und Sie

höchstverehrender

admirer friend and servant

Charles Sound.

Breslau, am 22. August. (Ohne Jahreszahl.)

Mit der am 19. dieses von hier abgegangenen Fahrpost hab’ ich, unter der Adresse der „Intendanz des Königlichen Hoftheaters zu Dresden,“ einecontradictio in adjecto, i. e.einDruckmanuskriptabgesandt, das ichIhrerAufmerksamkeit und Güte, mein Hochverehrter, zu empfehlen wage, obgleich ich einiges Bedenken tragen sollte dies zu thun, wenn ich nämlich bedenke, wie ganz unbeachtet von Ihnen mein vor mehreren Jahren an Sie abgesandtes Lustspiel „Eigene Wahl“ geblieben ist. Nun, es geht mir diesmal wohl glücklicher mit dem Manne, an dessen günstigem Urtheil mir so sehr, sehr viel gelegen ist und den ich so innig verehre wie wenige Lebende, welche Casualzweideutigkeit im doppelten Sinne gilt. Mit der nächsten, am 26., von hier abgehenden Fahrpost, send’ ichIhnen ein Exemplar des fraglichen Lustspiels zumPrivatgebrauch; (möchten Sie es einesvorlesendenwerth finden!) Dann schreib’ ich Ihnen mehr als heute und mancherlei von

IhremIhnen höchst und tiefst ergebnenKarl Schall,Eigenthümer und Redakteurder Breslauer Zeitung.

Ihrem

Ihnen höchst und tiefst ergebnen

Karl Schall,

Eigenthümer und Redakteur

der Breslauer Zeitung.

Breslau, am 26. August 1832.

Ich weiß nicht ob Sie, Verehrtester, zufällig wissen, daß ich eine ziemlich lange Zeit, (von AnfangApril1830 bis AnfangJulidieses Jahres), in Berlin gelebt und geliebt habe, wo es mir bei sehr lieben freundschaftlichen Verbindungen sehr wohl und durch arge, ganz ungewöhnlich andauernde Leiden, mit denen ein gar böser Krankheitsdämon, ein chronisches Asthma von der schlimmsten Gattung, mich geplagt, sehr schlecht ergangen ist. Nachdem diese Leiden durch eine höchst glückliche Pillenerfindung meines dortigen, mir sehr befreundeten, Arztes, des MedicinalrathCasper, sich bedeutend verringert, hab’ ich die poetische Feder in starke, fleißige Bewegung gesetzt. Da ist denn mancherlei zu Papiere gebracht worden, darunter das schon neulich erwähnte Lustspiel „Schwert und Spindel,“ wovon Sie nun beiliegend ein Exemplar, ein Ihnen gewidmetes, erhalten. Ein zweites Druckmanuskript, auch ein Lustspiel, wird übermorgen sendungsfertig und soll dann in zwei Exemplaren alsbald nachDresdenan die Direktion Ihrer Bühne und an Sie abgehen. DenOktoberund imDezemberversend’ ich dann noch zwei größere,einen Theaterabend füllende, Lustspiele und ein Roman von mir „die Leute“ wird auch noch im Laufe dieses Jahres der Lesewelt und der Kritik geboten.

Möchte mir für diese Produktionen die FreudeIhresBeifalls zu Theil werden! Es ist keine Schmeichelredensart, sondern die reinste, ehrlichste Wahrheit, wenn ich Sie versichere, daß mir an dem Beifall keines auf Erden lebenden Menschen — ich darf sagen nur halb so viel — gelegen ist, als an dem Ihrigen; doch sollen Sie mir, wenn Sie mir ihn versagen, oder wie Sie ihn bedingen und beschränken müssen, das unumwunden und ehrlich sagen, d. h. schreiben. Nächsten Mittwoch geht das oben erwähnte zweite Lustspiel an Sie ab und wenn Sie es erhalten und gelesen, schreiben Sie mir wohl baldmöglichst — ich bitte schönstens darum — über die beiden Stücke.

Es hat mich freilich, wie ich schon neulich berührte, recht sehr stutzig und unmuthig gemacht, daß Sie, als ich Ihnen vor mehreren Jahren das Lustspiel „Eigene Wahl“ sandte, diese Sendung gar nicht beantworteten und das Stück nicht zur Aufführung brachten. Wenn ich da so las und bedachte, was doch so für Stücke mitunter auf Ihre Bühne gekommen sind, — — dochpassons là dessusund lassen Sie mich Ihnen in dieser Beziehung nur noch sagen, daß ich doch mindestens gar zu gern gewußt hätte, warum Sie jenes Lustspiel, auf das ich zwar keinen besonderen, aber doch einigen, Werth lege, so ganz ignorirt haben.

Für wie Schönes, Herrliches haben Ihnen im vorigen Jahr alle diejenigen zu danken gehabt, die den ganzen Werth und die mannichfache gediegene Trefflichkeit Ihrer Werke zu fühlen und zu erkennen vermögen! Ich glaube mich zu diesen zählen zu dürfen und habe durch dieMondscheinnovelleund denNovellenkranzFeierstunden des poetischen Genusses gehabt und mir wiederholt, wie man sie, wenn vonlebenden Dichtern die Rede ist, nur noch durch Sie erleben kann.

Aber Sie wissen doch, daß nicht nurRobert, mit dem ich, ehe ihn Cholerafurcht und Verletzungen seines Selbstgefühls, des sehr reizbaren, im vorigen Jahre vonBerlinnachBadentrieben, sehr viel zusammengelebt, eintodterDichter ist, sondern auch seine schöne, liebe Frau eine todte Dichterin. Für mich ein paar schwer zu verschmerzende Verluste!

Warum soll ich nicht hier und gegen Sie erwähnen, was Sie vielleicht schon vonFriedr. v. Raumerselbst wissen, daß ich nämlich inBerlinmit ihm ganz auseinander gekommen bin.[15]— — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — Das verletzte mich ungemein, und ich mied von da ab den Verletzer. Das war Unrecht von mir, da mir Gelegenheit, mich mit ihm ausgleichend zu besprechen, wiederholt geboten war. Gern hätt’ ich mich vor meiner Abreise vonBerlinmit ihm erklärt und versöhnt, das wollt’ ich aber nicht, weil ich ebenSchwert und Spindeldem dramaturgischencomitéeingereicht, dessen Mitglied, wie Sie wissen,Raumer, ich weiß nicht, soll ich sagenwaroderist. Er sollte nicht glauben, ich wolle seine Zustimmung gewinnen. Das Stück wurde angenommen kurz vor meiner Abreise. Auch das andere, Ihnen mit der nächsten Fahrpost zu sendende, ist nun angenommen, aber der Bericht, der mir das anzeigt, läßt einencomitéganz unerwähnt, und ist von BaronArnim,dem SchwagerBettinensund sogenanntemPitt-Arnim, unterzeichnet, der in GrafRedernsAbwesenheit interimistischer Intendant ist und wohl perpetuirlicher werden wird. Dercomitèist oder war eine höchst verkehrte Einrichtung und es hat mich erboßt, daßRaumersich dazu hergegeben. — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — Ich kann seinen sich meist sehr vornehm anstellenden dramaturgischen Urtheilen selten ganz beistimmen und finde sie oft, wo er nicht mit Ihren Kälbern pflügt — und auch da durch falsche Anwendung zuweilen — recht verkehrt und persönlich-partheiisch.

Gern möcht’ ich Ihnen einmal über die Berliner Theaterverhältnisse, und über wie vieles Andere und Wichtigere, mein Herz und meinen Geist ausschatten, aber mündlich. Als ich nachBerlinging (nämlich bei meiner letzten Hinreise) wollt’ ich im Herbst 1830 oder Frühling 1831 einen Abstecher nachDresdenmachen, aber diesen festen Vorsatz ließ mein Kranksein nicht zur Ausführung gelangen. Nun,il vaut mieux tard que jamaisunddeo faventesoll das Jahr 1833 nicht vorübergehen, ohne daß mir einer meiner liebsten Erdenwünsche in Erfüllung geht, der nämlich, eine Zeitlang Ihres persönlichen Umgangs, Ihrer Belehrung, Ihres Wohlwollens, das ich mir gegönnt hoffe, mich recht gründlich und innerlich und förderlich zu erfreuen. Nur leidliche Gesundheit, wie ich sie jetzt — Gott sei dafür gepriesen! — genieße. Sie fehle Ihnen, mein innigst Verehrter, nicht und befähige Sie Ihr schönes, helles, magisches Licht noch lange leuchten zu lassen.Ainsi soit-il!

Mit der aufrichtigsten und herzlichsten Verehrung

IhrKarl Schall,Eigenthümer der Breslauer Zeitung.

Ihr

Karl Schall,

Eigenthümer der Breslauer Zeitung.

Breslau, d. 17. Sept. 1832.

Erlauben Sie mir Ihnen, höchstverehrter Freund, in dem Ueberbringer dieses unverwelklichen grünen Blättchens, Herrn Geheimen Regierungsrath und General-Landschafts-Repräsentantenvon Kracker, einen meiner ältesten Freunde angelegentlichst zu empfehlen. Er wünscht bei seinem Aufenthalt inDresdenIhre persönliche Bekanntschaft zu machen und Sie werden in ihm einen ausgezeichnet wackeren und vielseitig gebildeten und unterrichteten Mann kennen lernen.

Möcht’ ich, wenn Sie diese Zeilen erhalten, schon freundliche Nachricht durch einen Brief von Ihnen bekommen haben!

TreuergebenstK. Schall.

Treuergebenst

K. Schall.


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