Schlosser, Johann Heinr. Friedrich.

Geb. 1780 in Frankfurt a./M., gestorben daselbst am 22. Jan. 1851.Er war der Neffe von Johann Georg (Goethe’s Schwager), studirte Jurisprudenz, wurde Advocat, späterhin Stadtgerichtsrath in seiner Vaterstadt, und lebte, nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, theils auf seinem Landgute im Neckarthale, theils in Frankfurt.Die morgenländische orthodoxe Kirche (1845.) — die Kirche in ihren Liedern (1851.) &c. —

Geb. 1780 in Frankfurt a./M., gestorben daselbst am 22. Jan. 1851.

Er war der Neffe von Johann Georg (Goethe’s Schwager), studirte Jurisprudenz, wurde Advocat, späterhin Stadtgerichtsrath in seiner Vaterstadt, und lebte, nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, theils auf seinem Landgute im Neckarthale, theils in Frankfurt.

Die morgenländische orthodoxe Kirche (1845.) — die Kirche in ihren Liedern (1851.) &c. —

Frankfurt, 21. Jul. 1822.

Wenn ich seit den schönen Tagen, die ich in Dresden verlebte, und deren Genuß durch Ihre Güte, Hochverehrtester Herr und Freund, und durch die Güte der theuren Ihrigen, mir und meiner Frau so ungemein erhöht worden ist, Ihnen kein Wort dankbarer Erinnerung und kein Lebenszeichen zugesendet habe, so bitte ich Sie, dies nicht einem Mangel an herzlichem Vorsatze, sondern so manchen Abhaltungen und Hindernissen, wie der Tag sie auf den Tag fortzupflanzen pflegt, zuschreiben zu wollen. Wir waren, nachdem wir Sie verlassen, und nach heiterm Verweilen bei Freunden in andern Gegenden Sachsens, kaum nach der Heimath zurückgekehrt, als uns die Nachricht, daß mein Bruder seine treffliche und uns Allen theure und geliebte Frau, nach einer unglücklichen ersten Entbindung, verloren habe, ungeahndet, wie ein Blitz aus heiterm Himmel, zu Boden schreckte, und die von einer genußreichen Reise mitgebrachten heitern Bilder und Erinnerungen gewaltsam in den Hintergrund drängte. Nachdem die erste Bewegung heftigen Schmerzes über diesen manche schöne Pläne für’s Leben auch für mich und meine Frau zerstörenden Verlust vorüber war, und die freundlichen von Ihnen mitgebrachten Erinnerungen wieder ihr Recht zu behaupten anfiengen, war es oft mein Vorhaben, Ihnen ein Wort der Verehrung und des Dankes zuzusenden, aber es fiel mir, ohne bestimmtern äußern Anlaß schwer, den Faden aufzufassen, und so verstrichen über anderthalb Jahre, ohne daß mein Vorsatz zur Ausführung gedieh. Um so rascher ergreife ich die Einladung eines gütigen Freundes, des Herrn Grafen von Beust, ihm etwas nach Dresden, wohin er, auf einer weitern Reise gelangen werde, mitzugeben, um Ihnen endlich zu sagen, wie dankbar wir Ihrer und Ihres theuern Kreises, und der vielen Güte gedenken, die wir von Ihnenerfahren haben. Mögen wir hoffen dürfen, daß diese Zeilen Sie und die theuren Ihrigen bei erwünschtem Wohlseyn treffen. Ich, mit meiner Frau, befinde mich Gottlob im Ganzen wohl, und vor wenigen Wochen ist mir auch die Freude zu Theil geworden, meinen Bruder, den ich seit dem Winter 1819 und seit jenem seinem schmerzlichen Verluste, nicht gesehen hatte, und der diese ganze Zeit hindurch in Frankreich geblieben war, wieder hier bei uns zu sehen, und mich wenigstens von seinem Wohlbefinden, das lange für uns ein Gegenstand schwerer Sorge gewesen war, zu überzeugen. Ich hoffe ihn, der jetzt sich auf kurze Zeit von uns entfernt hat, vor seiner Rückkehr nach Frankreich, wo er wenigstens ein Jahr noch zu verweilen gedenkt, noch einmal hier zu sehen, und dann bis in die Gegend von Strasburg zu begleiten, um den spätern Sommer dann mit meiner Frau in dem paradisischen Baden zu verleben.

Noch muß ich meinen und meiner Frau, die sich Ihnen und den theuern Ihrigen mit mir herzlich empfiehlt, wärmsten Dank für die schönen Worte ausdrücken, die Sie in das von der Gräfin Eglofstein für uns bestimmte Buch eingezeichnet haben. Diese liebenswürdige Freundin hier zu sehen, hegen wir seit kurzem einige, obwohl bis jetzt nur sehr schwache Hoffnung. Sollte sie sich erfüllen, so wird dies unser Verlangen nach Dresden, wo wir zuerst ihre Bekanntschaft machten, erhöhen, und auch den von uns herzlich gehegten Wunsch, Sie, theuerster Freund und die theuern Ihrigen, am Rheine oder an der Elbe, einmal wieder zu sehen, noch in uns mehren. Erhalten Sie sämmtl. uns indessen Ihr gütiges Wohlwollen. Sollte Ihr Herr Schwager Möller und dessen Gemahlin bei Ihnen seyn, so bitte ich auch diesen uns herzlich zu empfehlen.

Mit verehrungsvollster Ergebenheit

Ganz der IhrigeF. Schlosser.

Ganz der Ihrige

F. Schlosser.

Frankfurt, 7. April 1830.

Verehrtester Freund!

Mit Freude benutze ich den Anlaß, den mir anliegender vor wenigen Wochen vollendeter Abdruck meiner Uebersetzung des Manzoni’schen Adalgis giebt, mich, nach längerm Schweigen, in Ihr freundschaftliches Andenken zurückzurufen. Mögen Sie meinem Versuche, wie in den mir unvergeßlichen Tagen, in welchen wir Ihres lieben Besuches am schönen Neckarufer uns erfreuten, so auch jetzt, gütigen und nachsichtigen Antheil schenken, auf welchen, wenn auch nicht der Werth der Arbeit, doch der gute Wille, mit welchem sie unternommen und ausgeführt worden, einigen Anspruch verleiht, und für welchen Ihre freundschaftliche Gesinnung mir bürgt.

Noch steht das Bild der schönen Tage des 1820r Sommers, die Sie uns verschönten, in unserer eben so lebhaften als dankbaren Erinnerung. Seit jenen schönen Tagen hat sich Manches bei uns verändert, und mancher schmerzliche Verlust hat tief in unser Leben eingegriffen. Hoffentlich haben Sie, und die lieben Ihrigen den traurigen Sommer und Herbst des verflossnen Jahres, und diesen harten Winter, gesund und ohne dauernd nachtheilige Einwirkung auf Ihr Befinden, überstanden, wie ich dies Gottlob von uns sagen kann; der Frühling, welcher bereits kräftig sich einzustellen beginnt, wird hoffentlich bald alle noch vorhandene Spuren winterlicher Beschwerden tilgen, und gebe Gott, daß uns in diesem Jahre ein besserer Sommer zu Theil werden möge. In etwa vierzehn Tagen gedenken wir, wenn keine ungeahndete Hemmung dazwischentritt, unsern ländlichen Wohnsitz wieder zu beziehen.

Ungemein würde es mich erfreuen von Ihnen und den lieben Ihrigen glückliche und beruhigende Nachrichten zu erhalten, vorzüglich erfreulich aber würde uns seyn, wenn freundlicheSommerplane Sie einmal wieder aus den reizenden Elbegegenden an den Rhein und Neckar führen, und uns den Genuß des Wiedersehens bereiten würden.

Meine Frau empfiehlt sich auf’s herzlichste, und wir beide bitten Sie uns dem freundlichen Andenken der lieben Ihrigen auf’s wärmste empfehlen zu wollen.

Mit herzlichster Verehrung und Ergebenheit

Ganz der IhrigeF. Schlosser.

Ganz der Ihrige

F. Schlosser.

Frankfurta/M., 6. Jun. 1842.

Hochverehrtester Freund!

Hierher zurückkehrend von einer vierwöchentlichen kleinen Rheinreise, fand ich vor wenigen Tagen die mir durch Ihre Güte zu Theil gewordene Anzeige der Verlobung Ihrer Fräulein Tochter vor. Mit innigem Antheil vernahmen wir, ich und meine Frau, diese Nachricht, und herzlich vereinigen wir uns in dem Wunsche, daß die Verbindung, deren Kunde wir Ihrer Güte und Freundschaft verdanken, für die Verbundenen und für Sie, in jedem Sinne recht glücklich und erfreulich seyn, und sich reicher ungetrübter Segen daran knüpfen möge. Haben Sie die Güte Ihrer theuern Fräul. Tochter und dem Verlobten derselben diesen unsern herzlichen Antheil und unsre herzlichsten Glücks- und Segenswünsche auszusprechen, und mögen Sie selbst uns immer Ihre uns unschätzbare Freundschaft erhalten.

Wir sind im Begriff, nächstens, so Gott will, nicht später als gewöhnlich, uns ins liebliche Neckarthal zu übersiedeln. Sollten freundliche Sterne Sie dort in unsre Mitte führen, so würde es für uns ungemein erfreulich seyn. Meine Frau, die sich Ihnen herzlichst empfiehlt, bittet mit mir, unsauch dem gütigen Andenken der Frau Gräfin v. Finkenstein empfehlen zu wollen.

Mit inniger Verehrung und Ergebenheit

Ganz der IhrigeF. Schlosser.

Ganz der Ihrige

F. Schlosser.


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