XIX.

DeinA. W. Schlegel.

Dein

A. W. Schlegel.

Berlin, d. 20. Sept. 1802.

Liebster Freund!

Ich habe mich sehr gefreut, einmal Nachricht von Dir zu erhalten, auch über die Sendung vom Manuscript. Den wiedergefundenen Aufsatz von Hardenberg haben wir alle mit großem Entzücken gelesen, es ist ein herrliches und vielleicht sein eigenthümlichstes Werk.

Versäume nun nur nicht, das übrige zu rechter Zeit zu schicken, damit der Druck nachher nicht wieder still stehen muß. Die Correctur werde ich mit allem Fleiß besorgen.

Ich dachte es gleich, daß es mit dem Span. Theater bei Nicolovius nichts wäre: er liebt die kleinen Honorare, außer wo er einmal den Glauben hat, wie bei Voß. Mahlmann ist vollends ein knauseriger Patron. — Ich habe daher hier mit Reimer gesprochen, dieser hat es auch angenommen, eine Auflage von 1000 Ex., für den Bogen im Format meines Shaksp. d. h.à27 Zeilen die Seite, gleich nach dem Druck 2½ Lsd. und nach Absatz der Auflage noch ½ Lsd. Letzthin sagte er mir aber, er habe sich verrechnet, und komme bei solchem Format und Honorar bei dem Preise, den er für den Band setzen könne, nicht heraus. Er schlug deswegen vor,kleineres Format zu nehmen, etwa 23 statt 27 Zeilen, und dann das Honorar nach diesem Verhältniß zu berechnen, wobei der Uebersetzer dann nichts verlieren würde. Auf diese Art ließen sich aber wohl nur 2 Stücke in einen Band bringen; kleines Format ist übrigens ganz schicklich, da die meisten Verse so kurz sind. Bis der Erfolg gesichert ist, hat er sich freilich nur auf eine Probe eingelassen: auf 1 Th. von 3 oder 2 Bänden, jeden zu 2 Stücken.

Der Titel Spanisches Theater hat ihm für das große Lesepublikum vortheilhafter geschienen. Da es mir aber gar zu disperat vorkommt, die Stücke von Calderon mit denen der übrigen zu vermischen, gerade als wenn man in meinem Englischen Theater Shakespeare mit Ben Jonson und Fletscher u. s. w. zusammenstellen wollte, so wird die Einrichtung getroffen, noch einen 2ten Titel voran zu schicken.Schauspiele von Don Pedro Calderon de la Barca.1 Th., so daß diese besonders gesammelt werden können, und wir die Schauspiele von andern: Cervantes, Lope, Moreto &c. immer in eigne Bände zusammenbringen.

Die Andacht zum Kreuzehabe ich seit kurzem fertig und von Ulyß und Circe,El mayor encanto amorden Anfang übersetzt. Jetzt gehe ich wieder mit Eifer an dies letzte, und hoffe Dir bald beides zusammen mittheilen zu können.

Es wäre der Mannichfaltigkeit wegen schön, wenn Du Lust hättest, zuerstLas blancas manos no ofendenvorzunehmen, damit wir auch ein eigentliches Intriguenstück mit modernen Sitten haben.

Was die Assonanz betrifft, so hat mich ihre Behandlung in dem bisher übersetzten noch mehr überzeugt, daß vollkommener Gleichlaut in den Vocalen erforderlich ist, daß sie nur durch völlige Gleichartigkeit in einer bedeutenden Masse wirken kann.

Ich halte dahereundö(e und ä sind völlig gleich, undeins muß häufig die Stelle des andern vertreten;lebenundwählenmacht vollkommene Assonanz mitSeeleu. s. w.) ferneriundüaucheiundeuauseinander. Ich habe lange Stücke mit bloßemi—eund bloßemei—egemacht, oben eins mitü—e, welches sich sehr gut ausnimmt, und einen ganz anderen Charakter hat, wie dasi. Wir gewinnen dadurch auch mehr Mannichfaltigkeit, da wir zum zweiten Vokal immer nurehaben und die Spanier mito,a,evariiren. Calderon bringt nicht leicht in demselben Stück ganz dieselbe Assonanz wieder. Mein Grundsatz ist, wenn er eine einsylbige hat, sie ebenfalls einsylbig und in demselben Vocal zu nehmen; bei den zweisylbigen so viel möglich das analogste heraus zu fühlen. Seine häufigsten Assonanzen sinde—o,e—a,e—e. Wollen wir uns bei diesen immer nach dem accentuirten Vocal richten, so bekommen wir ganz übermäßig viele, welches zwar bequem, aber nicht schön ist. Ich habe in derDevocion de la Cruzeinmale—edurchi—egegeben, in dem 2ten S.e—odurchü—e, welches sich vortrefflich macht.

i—odenke ich, kann man in der Regel am besten durchei—e, vielleicht auch durcheu—e(wo denn auchäumit hingehört) geben.a—ehabe ich einmal durchau—egegeben, welches aber eine von den schwierigsten Assonanzen.

Daß ich sie immer eben so lange behalte wie C. versteht sich.

Wie ich es überhaupt mit dem Uebersetzen des Calderon nehme, wirst Du am besten sehn, wenn ich Dir die beiden Stücke schicke; wo Du Dir dann wohl die Mühe nicht verdrießen läßt, sie im Einzelnen mit dem Original zu vergleichen, und mir Dein Urtheil zu sagen. Ich habe diesen Sommer noch viel Calderon gelesen und studirt, doch ist noch viel zurück, und es kann nicht leicht genug geschehn.

Mit den Amazonen bin ich noch nicht weiter. Wir habenletzthin einmal einige Glossen gemacht, und da haben wir folgende Verse von Dir:

Liebe denkt in süßen Tönen,Denn Gedanken stehn zu fern,Nur in Tönen mag sie gernAlles, was sie will, verschönen.

Liebe denkt in süßen Tönen,Denn Gedanken stehn zu fern,Nur in Tönen mag sie gernAlles, was sie will, verschönen.

Liebe denkt in süßen Tönen,Denn Gedanken stehn zu fern,Nur in Tönen mag sie gernAlles, was sie will, verschönen.

Liebe denkt in süßen Tönen,

Denn Gedanken stehn zu fern,

Nur in Tönen mag sie gern

Alles, was sie will, verschönen.

die in den Fantasieen stehen, und die Friedrich schon einmal als schicklich dazu ausgefunden hatte, glossirt. Deine Schwester und ich, jeder 2 mal, Schütze hat auch eine Glosse darauf gemacht. Es wird mir lieb sein, wenn Du mir den Tristan zurückschickst. Die beiden katholischen Gesangbücher bringst Du mir wohl mit, wenn Du herkommst. DasLied der Nibelungenkann ich vielleicht hier auf der Bibliothek haben, dann magst Du es immer noch behalten. Ich will doch Reimer wieder treiben, daß er Dir noch die Müllerschen Sachen zu schaffen sucht. — Auf den Winter möchte ich von Dir wohl zum Gebrauch bei meinen Vorlesungen wieder einiges haben: DeinenBen Jonson, dieSix old playsund denDodsley. Wenn du von Dresden weggehst, so nimmst Du sie vielleicht mit nach Ziebingen, und bringst sie mir von da mit, oder schickst sie. DieSpurious playsvon Shakspeare werde ich auch Noth haben, hier zu kriegen.

Was Du über den Tristan schreibst, ist mir sehr interessant, aber über meinen Plan muß ich mich nicht recht deutlich gemacht haben, denn wie Du es meinst, das würde ich allerdings für höchst fehlerhaft halten.

Man muß, däucht mir, diese Geschichte als eine Mythologie betrachten, wo man wohl modificiren, erweitern, flüchtige Winke glänzend benutzen, aber nicht rein heraus erfinden darf. Das ist schon in den ältesten Bearbeitungen des Tristan, daß er an den Hof des Artus kommt. Diese Indication hat schon der Verfasser desNouveau Tristan(freilich eines ziemlich schlechten Buchs); Du wirst es in Dresden finden, es istklein Folio, aus dem 16ten Jahrhundert; Tressan hat nichts anders gekannt, als gerade dieses, und es auf seine Weise zu benutzen gesucht. Ich glaube, schon in der Minnesänger-Behandlung wird die Bekanntschaft mitLancelotausdrücklich erwähnt. Hier wollte ich nun einen Theil von der Geschichte des letzten, wie sie in dem großen in Dresden befindlichen Ritterbuche befindlich, erzählen lassen, überhaupt eine Aussicht auf die Herrlichkeit von Artus Hof öffnen, wo das Graal dann, als ein noch unaufgelöstes Abentheuer prachtvoll im Hintergrunde stehen sollte. Lancelot sowohl als Tristan reitennichtnach dem Graal, sie wissen wohl, daß sie sich entsetzlich prostituiren würden, wenn sie es thäten, weil ein jungfräulicher Ritter dazu erfordert wird.

Aber das ist gerade ihre Wehmuth und ihre Reue, daß sie, sonst in allem die ersten, hier ausgeschlossen sind. Weiter steht nichts in der Ankündigung in meinem 1 sten Gesange, und sollte diese dennoch an dem Misverständnisse Schuld sein, so kann sie nachher verändert werden, wenn ich mit dem Gedichte fertig bin. Darüber kann ich nicht mit Dir einig sein, daß das religiöse im alten Tristan spöttisch zu nehmen sei: es scheint mir rechter Ernst, daß Gott der schuldigen Isolde bei der Feuerprobe durchhilft. Dieses Gemisch von Sündlichkeit und Unschuld, von Leichtfertigkeit und Frömmigkeit scheint mir eben der eigenste Geist des Gedichts und Tristan besonders wird als ein wahrer Heiliger und Märtyrer der Treue aufgestellt.

Ueber das Alter des Romans möchte es schwer sein, etwas auszumitteln, ohne in der französischen National-Bibliothek alle die alten Manuscripte vor sich zu haben und zu vergleichen. Lies doch auch die Bearbeitung im Buch der Liebe.

Viele Grüße an Deine liebe Frau. Deine Schwestermußt Du entschuldigen, das Schreiben fällt ihr jetzt gar zu schwer, sonst ist ihr Befinden leidlich. — Bernhardi ist mit seiner Grammatik fertig.

DeinA. W. S.

Dein

A. W. S.

B., d. 24. Dec. 1802.

Liebster Freund.

Eben sehe ich, daß die Post nach Frankfurt heute Vormittag abgeht, und kann also nur wenige Zeilen schreiben, um sie nicht zu versäumen.

Das Manuscript vom Ion nimm mit nach Dresden, wenn Du nämlich bald dahin gehst und händige es meiner Schwester ein. Bleibst Du noch lange in Ziebingen, so schicke es nach gemachtem Gebrauch mit der Post an sie.

Empfiehl mich bey dieser Gelegenheit dem Grafen von Finkenstein, und entschuldige mich, daß ich mein Versprechen, ihm den Ion mitzutheilen, nicht eher halten können.

Die Andacht zum Kreuze hätte ich Dir früher geschickt, wenn ich sie nicht erst eben wieder zurück erhalten. Es findet sich wohl Gelegenheit, sie mir mit den beyden Bänden der Müllerschen Altdeutschen Sachen nach Berlin zurückzubesorgen. Ich wollte diese Abschrift bey dem bald anzufangenden Druck gebrauchen.

Reimer hat für Dich aus einer Auction das Lied der Nibelungen, den Tristan und einige andre Stücke der Müllerschen Sammlung erstanden, Du wirst also mein Exemplar entbehren können. Es fehlt hauptsächlich nur der Parcival.

Einen Ariost für Dich habe ich nun hier, mag Dir aberkein Porto dafür verursachen, Du erhältst ihn mit Gelegenheit.

Schütze hat mir gesagt, der Graf v. Finkenstein habe einiges aus dem Petrarca übersetzt. Kannst Du mir die Privatmittheilung davon verschaffen, so wäre es mir sehr angenehm. Ich habe letzthin auch eine Anzahl Sonette und ein paar Canzonen übersetzt, und werde noch mehrere hinzufügen, daher interessirt es mich, da Schütze sie als sehr gelungen beschreibt. Meine lasse ich eben abschreiben und schicke sie Dir mit nächster Post, sowie die Glossen.

Deine Schwester befindet sich jetzt wieder ziemlich gut und die Bäder und stärkende Mittel werden ihr bald auch ihre Kräfte wiedergeben. Die Kinder sind frisch und gesund. Dein Bruder in Weimar arbeitet viel und ist wohl.

Lebe recht wohl, grüße Deine liebe Frau und theile bald etwas mit

DeinemA. W. S.

Deinem

A. W. S.

Berlin, d. 15. Febr. 1803.

Liebster Freund!

Vor ein paar Posttagen bekam ich einliegenden Brief von Frommann. Um sein Verlangen zu erfüllen, ist es das beste, denke ich, Dir den Brief selbst zu schicken. Was die Airs betrifft, so muß man es mit Frommann so genau nicht nehmen, sonst spricht aber die Sache für sich selbst. Zu seinen Buchhändler-Argumenten möchte ich nun eine Menge poetische hinzufügen, Du wirst Dir das alles aber schon selbst sagen. Es wäre wirklich jetzt an der Zeit, daß Du einmal wieder ein großes Kunstwerk aufstelltest, und je länger Du es aufschiebst, je schwerer wird Dir die Vollendung werden.Wenn Du einen Theil des Manuscripts um die Mitte März, und das übrige Ende März hinschickst, so kann es gewiß noch auf die Messe fertig werden. Welchen Triumph alle Deine Freunde haben würden, brauche ich nicht erst zu sagen.

Ich habe immer gehofft, Du würdest mir mein Manuscript vonder Andacht zum Kreuzmit einer Gelegenheit zukommen lassen. Mein Brouillon wird in der Druckerei gebraucht, zum Vorlesen im Collegium muß ich jenes nothwendig haben, ich bitte Dich also, es mir nicht länger vorzuenthalten. Mit meinem Exemplar der Nibelungen und dem Moreto hat es weniger Eil, diese können auf eine Gelegenheit warten, und ich hoffe, Du bringst sie mir noch selbst mit. Den Ion wirst Du wohl schon an meine Schwester geschickt haben, sonst thu’ es doch unverzüglich.

Ich habe immer noch Deine Velin-Exemplare vom 2ten Band Novalis in Verwahrung. Reimer hat mir nachher ein eignes Velin-Exemplar vom 2ten Band für mich geschenkt, welches ich allerdings durch mein fleißiges Corrigiren redlich verdient habe. Indessen fehlt mir der 1te, wenn Du davon noch ein Exemplar übrig hättest, könnten wir Deiner Schwester damit ein Geschenk machen. Hast Du das aber durchaus nicht, und ergänzt Dir dieser 2te Band ein Exemplar, so bin ich bereit, einen Tausch einzugehn. —

Mein Bruder hat mir umständlich geschrieben. Er ist entzückt über Deine musikalischen Gedichte und ladet Dich dringend zur Theilnahme an der Europa ein, wovon wir bald das 1ste Stück erhalten sollen. Besonders die Fortsetzung Deiner Briefe über Shakspeare wünscht er sich außerordentlich.

Ich möchte Dir gern vieles aus seinem Briefe mittheilen, habe aber heute unmöglich Zeit. Nur so viel, daß er sehr fleißig ist, schon Persisch gelernt hat, und Indisch bald anfangen wird.

Ich habe unterdessen mancherlei Proben mit Uebersetzungen aus den Griechen gemacht, die Dir interessant sein würden.

Gegen ehemals spüre ich große Fortschritte in dieser Kunst, die ich ebensowohl wie die Nachbildung der Romantischen Dichter bis auf den höchsten Punkt zu cultiviren gesonnen bin.

Deine Schwester läßt Dich auf’s zärtlichste grüßen. Diese ganze Zeit her hat sie gewünscht, Dir recht umständlich zu antworten, allein theils ist sie nicht allein gewesen, theils hat sie sich so befunden, daß ihr das Schreiben sehr beschwerlich fällt. Sie rechnet gewiß darauf, Dich, wie Schütze[18]uns gesagt, im März noch hier zu sehen, und ladet Dich auf’s herzlichste dazu ein. Wegen ihrer Gesundheit darfst Du nicht in Sorgen sein, ich hoffe, es ist auf dem guten Wege damit, sie gebraucht die Mittel anhaltend, und besonders erwarte ich viel Frucht vom Baden, welches sie theils wegen der Kälte, theils wegen eintretender Zufälle noch wenig hat thun können. Die Kinder sind sehr gesund.

Das dramatische Mährchen (noch hat es weiter keinen Namen) habe ich jetzt endlich in’s Reine geschrieben, Dir eine Abschrift zu besorgen war nicht möglich. Komme nur her, so wollen wir es zusammen lesen. — Deine Schwester hat ein neues angefangen und es auch schon ziemlich weit geführt, bis sie durch ihr Befinden abgehalten wurde, fortzufahren.

Lebe recht wohl, es ist mir unmöglich, mehr zu schreiben, ich stecke tief in Arbeiten. Der Himmel weiß, wie ich noch alles bestreiten werde, was ich vorhabe.

Wenn Du den Octavian fertig schreibst, so bittet Friedrich recht sehr um eine Selbstanzeige davon für die Europa.

Leb nochmals wohl, grüße Deine liebe Frau und Burgsdorff.

DeinA. W. S.

Dein

A. W. S.

Berlin, d. 15. März 1803.

Liebster Freund!

Am Sonnabend Mittag ist Dein Brief angekommen, und ich habe noch gleich an demselben Tage den Octavian, Deinem Auftrage gemäß, an Frommann mit einem Briefe abgeschickt. Es freut mich außerordentlich, daß er nun noch auf Ostern erscheint; ich bin begierig zu wissen, ob allein, oder als dritter Band derRomantischen Dichtungen. Melde doch, was Du jetzt vorhast, und ob die zweite Hälfte des Octavian bald nachfolgen wird.

Deine Schwester hatte sich schon vorigen Posttag und wiederum heute vorgenommen, Dir zu schreiben, allein nicht Kräfte genug gehabt; es würde sie zu sehr ergreifen. Sie ist leider die ganze Zeit unpäßlich gewesen, jedoch hoffe ich, daß Du Dich deswegen nicht zu beunruhigen brauchst. Ihre Uebel rühren wohl hauptsächlich aus allzu großer Schwäche und Reizbarkeit her. Wir waren heute Vormittag spatzieren, und wollen auch jetzt eben in’s Schauspiel. Es ist heute das Benefiz der Unzelmann, eine neue französische Operette.

Ich bin beschämt, daß ich Dir in Erwiederung des Octavian immer noch nicht den Ion habe senden können. Meinen Brouillon mag ich nicht gern hergeben, und die erste Abschrift, die ich selbst hier habe nehmen lassen, hat mein Abschreiber noch in Händen, um die zweite danach zu verfertigen. Ich hoffe allernächstens eine große Sendung nach Dresden zu veranstalten, wo der letzte Band vom Shakspeare für Dich, die fertig gedruckten Mährchen Deiner Schwester, worin verschiedenes, was Du noch nicht kennst, der D. O. 4 Th., die Abschrift vom Ion, und die Exemplare vom Alarcos zugleich ankommen sollen. Sage doch Friedrichen, er möchte mirwegen der Zahl derselben, die er selbst oder ich in seinem Namen von Unger begehren möchte, und wegen der Vertheilung und Versendung Aufträge ertheilen. Da ich mir vorläufig einige von Unger ausgebeten, hat er mir 6 auf Velin geschickt, wobei der Medusenkopf sich beträchtlich besser ausnimmt, und mir dazu sagen lassen, die übrigen wären beim Buchbinder und würden brochirt. Da sie ungeheftet sind, habe ich sie sogleich zum Buchbinder geschickt.

Die Aushängebogen, sage an Friedrich, hätte ich Humboldten und Brinkmann auf ihr dringendes Bitten geliehen. Den letzten sprach ich noch nicht darüber; Humboldt ist eigends zu mir gekommen und hat sich mit vielem Respect geäußert. Dein Bruder ist sehr fleißig, und hat, da er nicht mehr lange wird hier bleiben können, viel zu arbeiten. Die Büste der Tochter des Ministers Haugwitz, Gräfin Kalkreuth, ist eben fertig geworden, die der Frau von Berg wird auch bald so weit sein, und jetzt modellirt er die Gräfin Voß. Er hat fast gewisse Aussichten, das Portrait der Königin ebenfalls zu machen, wenn es nicht etwa durch Schadow, dessen Schwester Kammerfrau bei ihr ist, hintertrieben wird. Man muß also nicht davon reden. Indessen hat die Königin es selbst verschiedentlich gesagt, und hinzugefügt: sie wünsche den Bildhauer Tieck besonders auch deswegen kennen zu lernen, um mit ihm von seinem Bruder zu sprechen, den sie als Dichter so sehr habe rühmen hören. — Es scheint, daß wir jetzt unter den Prinzen bei Hofe und sonst verschiedne Freunde haben; es wäre drollig, wenn einmal die verrufene Parthei die protegirte würde.

Noch habe ich jetzt keine neue Arbeit angefangen, ich kann nicht wohl eher, bis das Collegium zu Ende ist, welches mich wöchentlich zweimal stört; dann wird es aber mit großem Eifer geschehen.

Deine Schwester will Dir mit nächster Post das nähere über ihre Reise nach Dresden schreiben. Gehab Dich unterdessen wohl, grüße Deine liebe Frau und Friedrich.

A. W. S.

A. W. S.

Berlin, d. 28. Mai 1803.

Zu Deiner Beruhigung, liebster Freund, melde ich Dir, daß ich von Wilmans Deine Gedichte vor dem Abdruck zurück erhalten. Suche nun Friedrichen die getäuschte Hoffnung (die Du denn doch wirklich erregt hast, ob Du es schon nicht eingestehen willst) auf andre Weise zu ersetzen. Das 2te Stück der Europa wird in ein paar Wochen fertig sein, und eben erhalte ich einen Brief von Friedrich, worin er verspricht, die Fortsetzung sehr rasch zu liefern, mir aber zugleich aufträgt, die Freunde zu Mitarbeiten zu ermahnen. Schick mir also nur bald etwas für das 3te Stück. Gleich nach Deiner Abreise habe ich angefangen, Deine Bearbeitung der Minnelieder mit den Originalen zu vergleichen. Ich wollte sie alle auf diese Weise durchgehen, allein eine Privat-Vorlesung, die ich noch zu meinen andern Arbeiten übernommen, hat mich nicht dazu kommen lassen. Ich schicke Dir also hier meine Bemerkungen über die ersten 26 Nrn. Achte sie Deiner Prüfung werth, und schreib mir unverzüglich, ob Du einige, und welche von meinen Vorschlägen Du annimmst. Willst Du mir nach dieser Probe Vollmacht ertheilen, bei der Correctur nach Vergleichung mit den Originalen, Kleinigkeiten (versteht sich nur solche, über die ich gewiß bin) zu berichtigen, so will ich sie mit aller Vorsicht ausüben. Du siehst leicht ein, daß ich keine andere Triebfeder hierbei habe, als Interesse an der Sache selbst. Ich kann mirs auch gefallen lassen, ein bloß passiverCorrector zu sein. Der Druck soll nach Reimers Aeußerung bald anfangen.

Deine Schwester läßt Dich herzlich grüßen. Es hat uns sehr leid gethan, von Genelli zu erfahren, daß wir für jetzt die Hoffnung aufgeben müssen, Dich wieder hier zu sehen. Hufelands Kur schlägt sehr gut an, sie hat sich innerhalb 14 Tagen ganz bedeutend erholt. Der Kleine ist auch glücklich entwöhnt worden, und sehr gesund. Nun sinnt sie nur darauf, die Reise nach Dresden, welche Hufeland sehr anräth, noch vor Ende des nächsten Monats zu bewerkstelligen.

Melde doch etwas von der Zeit Deiner Ankunft in Dresden, wovon uns Genelli nichts zu sagen wußte. Es ist wichtig, daß Deine Schwester noch im Juni reist, weil sie sich nach ihren Gesundheitsumständen richten muß, und sonst zuweit in den Juli herein würde warten müssen.

Dein Bruder befindet sich wohl, ist nur mit Arbeiten überhäuft, die ihm, wie es scheint, außerordentlich gelingen.

Wenn unter Humboldts oder Burgsdorfs Spanischen Büchern sich alte Cancionero’s oder Romancero’s oder alte Canciones und Romances in andern Sammlungen finden, so laßt sie mir zukommen, und bald, für mein Taschenbuch. Ihr wißt, daß es gut bei mir aufgehoben ist.

Du mußt noch den 3ten Theil der Müllerschen Sammlung, so wie den ersten, auch das von Casperso (?) von mir haben. Ich finde es angemerkt und bin in dergleichen Dingen sehr genau.

Lebe recht wohl, grüße Deine Lieben und Burgsdorf, und empfiehl mich der Finkensteinschen Familie. Ich muß eilig schließen.

DeinA. W. S.

Dein

A. W. S.

B., d. 2. Juni 1803.

Aus Deiner Antwort sehe ich, liebster Freund, daß wir über die Minnelieder uns schwerlich in unsern Meinungen vereinigen werden; wir wollen uns nicht darum entzweien, es behalte jeder seine Ueberzeugung und wisse sie in Zukunft so gut als möglich zu vertheidigen. Verzeih meine Offenheit und schick mir die Blätter mit den Bemerkungen wieder.

Ich habe übernommen, eine Correctur oder vielmehr Revision zu machen, dieß nehme ich auch noch nicht zurück, jedoch muß ich eine Bedingung ausdrücklich hinzufügen; es ist die, daß ich ganz und gar keine Verantwortlichkeit haben will. Denn zuvörderst ist es eine Sache, wobei die Setzer sehr leicht Versehen machen können, zweitens traue ich mir selbst nicht die Geduld zu, Dein Manuscript in allen Pünktchen mit den gedruckten Bogen zu vergleichen, drittens ist Deine Hand nicht so leserlich, daß ich nicht, so sehr ich an sie gewohnt bin, zuweilen über die Leseart zweifelhaft sein sollte, und endlich habe ich nach unsern gegenseitigen Erklärungen gar kein Kriterium mehr für das, was ein offenbarer Schreibfehler ist, und muß also auch stehen lassen, was ich dafür halte.Trauren-Schwenderinschien mir einer, Du nahmst es aber bei Deinem Hiersein in Schutz, führst es auch jetzt nicht unter denen an, die Du verbessert zu sehen wünschest.Sehndeninsehnendenzu verwandeln verdirbt an manchen Stellen nach den vorgenommenen Veränderungen den Vers, wie gleich vorn in dem Liede von Veldeck, wo jetztGedankenfürDenkensteht u. s. w. Ich werde die Correctur, wenn auch der Druck anfängt, nicht eher machen, bis ich Deine förmliche und unverklausulirte Lossprechung von aller Verantwortlichkeit habe; Du kannst dagegen gewiß sein, daß ich meinenUeberzeugungen nicht ein Tüttelchen Deiner Handschrift aufopfern werden.

Deine Schwester läßt herzlich grüßen, sie hat wieder einige schlimme Tage gehabt, es fehlt viel, daß das Uebel schon aus dem Grunde gehoben wäre. Indessen wird sie alles thun, um die Reise nach Dresden baldmöglichst zu bewerkstelligen.

Reimer hatte Dir schon geschrieben, wie ich gestern zu ihm kam.

Lebe recht wohl, grüße Deine liebe Frau.

DeinA. W. S.

Dein

A. W. S.

Berlin, d. 8. Febr. 1804.

Liebster Freund!

Verzeih, daß ich auf Deine öftern freilich kurzen Briefe so lange geschwiegen; ich stecke sehr in Arbeiten und dann wollte ich sogleich das Buch der Liebe mitschicken, was ich nicht eher als jetzt konnte. Es fällt mir schwer, mich davon zu trennen, und ich bitte Dich zu glauben, daß ich Dir etwas anvertraue, was mir sehr viel werth ist, und woran ein Schade mir nicht leicht würde ersetzt werden können. Ich rechne darauf, daß Du es bei Deiner Hieherkunft wohl eingepackt wieder mitbringen wirst.

Wegen der beiden nordischen Bücher haben wir sogleich auf die Königl. Bibl. geschickt, aber zur Antwort erhalten, daß sie nicht da sind. Das Kjämpa Wisar ist mir unmittelbar aus Herders Volksliedern bekannt, wo einige vortreffliche Romanzen daraus sich finden. Melde mir doch, was sonst noch außer diesen und der Heimskringla Saga das wichtigste zum Studium der nordischen Mythologie und Geschichte für unsist, so wollte ich versuchen, alles mit einemmal zu bekommen. Der dänische Gesandte Graf Baudissin ist nämlich mein sehr eifriger Zuhörer, und würde gewiß auf meine Bitte gern in Dänemark Auftrag ertheilen, auch solche Bücher, die nicht im Buchladen zu haben sind, für mich zu kaufen. Mit Steffens ist in diesem Punkte nicht viel zu machen.

Die Trutz-Nachtigall von Spee haben wir ebenfalls unterdessen entdeckt, und Deine Schwester besitzt sie jetzt sogar eigen. Ich weiß nun, wo sich so manche Lieder herschreiben, die ich in meinen katholischen Gesangbüchern lange geliebt und bewundert habe. Es sind mir auch die Lebensumstände des Verfassers bekannt.

Das lateinische Gedicht von Walther von Aquitanien, worauf ich Dich aufmerksam machen ließ, ist allerdings dasselbe, welches Du, wie ich sehe, schon kennst. Wenn es Dir nicht so wichtig vorkommt wie mir, so ist unsre Ansicht eben verschieden. Daß es schlecht Latein und zum Theil in schlechten Hexametern geschrieben, hat mir am wenigsten dabei Anstoß gegeben.

Das Althertum des latein. Textes wird sich an gewissen Kennzeichen, wenigstens auf ein Jahrhundert nach, bestimmen lassen, und ich glaube einige dergleichen schon gefunden zu haben, denen zufolge es zwar nicht so alt sein würde, als der Herausgeber will, aber immer noch viel älter, als unser heutigerTextder Niebelungen. Was aber mir das Wichtige dabei scheint, ist die über allen Zweifel einleuchtende Gewißheit, daß der latein. Verfasser nach einem deutschen Gedicht im Styl und aus dem Zeitalter der Niebelungen gearbeitet, und solches bloß mit Virgil. Phrasen zugestutzt. Es finden sich zwar über manches abweichende Angaben in beiden, die aber zur Bestätigung der Aechtheit dienen, gerade wie die mythischen Widersprüche in der Ilias und Odyssee. Die Uebereinstimmung, besonders bis in das tiefste und feinste der Charakterdarstellunghierin ist desto merkwürdiger. Uebrigens hat Fischer auch den Schluß des Gedichts aus einem andern Codex herausgegeben. Das Stück, welches ich in meinen Vorlesungen aus den Niebelungen bloß in etwas erneuter Sprache mitgetheilt, Dir zu schicken, wäre in der That nicht der Mühe werth. Du kannst Dir denken, daß eine Arbeit, die schnell nur für den Augenblick hingeworfen wurde, nicht mit aller nöthigen Sorgfalt und reiflichen Ueberlegung ausgebildet werden konnte. Ich hab mir zum Gesetz gemacht, nichts grammatisch durchaus veraltetes stehen zu lassen, und mußte daher oft auch die Reime ändern.

Deiner lieben Frau sage, sobald ich denLazarillo de Tormesbesäße, würde ich ihn ihr gewiß mittheilen, ich zweifle aber, ob es ihr so viel Vergnügen machen wird, wie mir, indem ich einen ganz besondern Sinn und eine angeborne Freude am Bettelhaften und Lustigen habe.

Du hast Glück mit altdeutschen Seltenheiten, der Tyturell ist gewiß eine große. Da die alte Bearbeitung schon in Strophen und kurzen Versen war, so ist es vermuthlich weniger alterirt, als das Heldenbuch.

Deine Schwester läßt auch herzlich grüßen, und bitten, die Herkunft möglichst zu beschleunigen, und ihr dendeutschen Amadismitzubringen. Dies vergiß ja nicht. Sie war diese Zeit her etwas wohler, hat aber seit einigen Tagen viel Krämpfe gehabt. Dein Bruder ist wohl und fleißig. Grüße an Burgsdorf!

DeinA. W. Schlegel.

Dein

A. W. Schlegel.

Berlin, d. 13. März 1804.

Verzeih, geliebter Freund, daß ich mit der Antwort so lange im Rückstande geblieben bin, ich bin sehr mit Arbeiten geplagt, und habe außerdem noch vielerlei Störungen. Das Geschenk an die Schwester habe ich gehörig besorgt, sie läßt Malchen herzlich dafür danken, es hat ihr eine große Freude gemacht. Ihr müßt sie entschuldigen, daß sie euch nicht schriftlich selbst ihren Dank gesagt hat, das Schreiben wird ihr bei ihrem jetzigen Befinden schwer. Die letzten drei Wochen ist es gar nicht so gewesen, wie ich gewünscht hätte. Wenige Tage vor ihrem Geburtstage hatte sie einen schlimmen Krampfzufall, wir bemühten uns um so mehr, ihr auch etwas hübsches zu schenken, und diesen Tag heiter zu feiern. — Hufeland, mit dem ich neulich am dritten Orte über ihren Zustand sprach, giebt alle Hoffnung, er rechnet besonders auf den Frühling, auf ihre Reise, und die mit verändertem Aufenthalt und Verhältnissen verbundne Beruhigung und Aufheiterung. Er bediente sich noch gegen mich des Ausdrucks, sie müsse sich nothwendig herausreißen. Wenn Du kommst, und die Aufwallung der Freude sie etwa wohler aussehen macht, so bittet sie Dich, Dir ja darüber nichts merken zu lassen, weil Bernhardi die Wichtigkeit ihrer Uebel niemals eingestehen will.

Die Materie von den Niebelungen ist zu weitläuftig, um darüber zu schreiben, ich verspare alles auf das mündliche. Mit Johannes Müller, der seit einigen Wochen hier ist und nun auch hier bleibt, da ihn der König in Dienste genommen, habe ich ein ausführliches Gespräch darüber gehabt, und verschiedenes, was ich noch nicht wußte, über manche historische Punkte erfahren.

Wenn Du nicht bald kommst, so schick mir noch vorherdas Verzeichniß der zu unsern nordischen Studien nothwendigen Bücher, ich wollte es dem Grafen Baudissin gerne noch vor meiner Abreise von hier einhändigen. Ich werde wohl auf die Messe nach Leipzig gehen, und nachher eine Zeitlang in Nennhausen zubringen. — Daß Du das Buch der Liebe wieder mitbringst, darauf verlasse ich mich, mein Herz hängt daran.

Knorring läßt Dich und Burgsdorff schönstens grüßen, und den letztern bitten, die Commission wegen der Pferde nicht zu vergessen, da jetzt, wo ich nicht irre, der bewußte Pferdemarkt ist. Es liegt viel daran, er wird sich vielen Dank erwerben, wenn er die Sache sich will empfohlen sein lassen.

Die dramatischen Fantasieen Deiner Schwester werden in diesen Tagen fertig gedruckt sein, sobald ein gutes Exemplar zu haben ist, sollst Du es bekommen.

Ich werde das Vergnügen haben, Dir eine kleine Sammlungdramatischer Spielevon einem jungen Freunde, der sich Pellegrin genannt hat, als Herausgeber einzuhändigen. Das meinem Bruder bestimmte Exemplar von den Minneliedern solltest Du hier jemand in Verwahrung geben, um eine Gelegenheit nach Paris zu benutzen; von Ziebingen aus wird sich schwerlich eine finden. Friedrich ist übel daran, wenn er die neuen Sachen so spät erhält.

Ich weiß nicht, was mir den Verdacht zugezogen haben kann, gegen Dich erkaltet zu sein, als daß ich in Aeußerung meiner Urtheile über Deine kritischen Arbeiten und Plane zurückhaltender geworden bin, weil Dir meine offenherzigen Bemerkungen über die Minnelieder misfallen haben, und Du sie zurückgewiesen hast. Da Du aber meine Meinung über die metrische Form der Niebelungen wissen willst, so will ich sie gern sagen. Der längere Vers am Schluß der 4ten Zeile scheint mir durchaus wesentlich. Mit der Assonanz, das finde ich problematisch. Hier und da sehe ich Spuren des ehemaligenvollkommnen Reims in der Mitte, an den meisten Stellen so wenig assonirendes, daß ich mir gar nicht denken kann, wie der alte Text sollte gewesen sein. Und doch glaube ich Spuren zu sehen, daß er sehr geschont ist, und nur das nothwendigste verändert worden. Bedenke auch, daß in den Zeilen des Urtextes die weiblichen Endsylben noch nicht durch das durchgängige e gleichgemacht waren, sondern mit a, o, i, u wechselten und also die Beobachtung der weiblichen Assonanz doppelt künstlich gewesen wäre. Ueberhaupt würde ich für die wenigst möglichen Veränderungen des Textes stimmen, so daß nur das undeutlich gewordne und störend Veraltete weggenommen würde. Doch jeder hat hierbei seine eigne Weise.

Den Codex von St. Gallen wird man zum Collationiren nicht habhaft werden können, die ganze Bibliothek ist versprengt, und steckt in einzelnen Kisten und Verschlägen in Tyrol und da herum, wie mir Joh. Müller gesagt.

Wie kommst Du auf Wolfram von Eschilbach als Bearbeiter des jetzigen Textes vom Heldenbuch, des gedruckten nämlich? Dieses ist ja viel später. Wie Du aus Adelungs Nachrichten sehen kannst, sind die wichtigsten Handschriften vom Heldenbuch in Rom.

Doch ich muß abbrechen. Dein Bruder in Weimar ist wohl und sehr fleißig. — Mit dem 2ten B. Span. Theater bin ich leider immer noch in der Arbeit, das zweite Stück ist immer noch nicht ganz fertig und das 3te nicht angefangen. Seit einigen Tagen ist meine Schwester mit den ihrigen aus Dresden hier.

Grüße Malchen schönstens, ihr Eifer für das Spanische freut mich sehr, meine hiesigen Schüler haben, Schierstädt ausgenommen, seit meinen im vorigen Winter gegebenen Stunden nicht viel darin gethan. DenLazarillo de Tormeshabe ich leider immer noch nicht habhaft werden können.Wer weiß, ob er ihr so viel Vergnügen macht, denn ich bin von diesem Fache des Bettlerischen und Lausigen nämlich, ein ganz besondrer Liebhaber.

Leb recht wohl.

DeinA. W. S.

Dein

A. W. S.

Genf, d. 4ten April 1809.

Dein Brief, geliebter Freund, war mir ein sehr werthes Lebens- und Liebeszeichen, und ich begreife kaum, wie ich ihn so lange habe unbeantwortet lassen können. Indessen wird es Dir durch Friedrich und Deine Schwester nicht an Nachrichten von mir gefehlt haben. Was ich diesen Winter von Deiner Gesundheit gehört habe, bekümmert mich; der Winter in Jena wo Du zur Aufheiterung der Andern so viel beytrugest, wiewohl Du selbst so viel littest, ist mir noch lebhaft im Gedächtnisse. Wie mancherley ist seitdem mit uns und in der Welt vorgegangen! Wir sollten uns wirklich einmal wieder irgendwo zusammen finden, um aus dem Herzen darüber zu sprechen.

Solltest Du nach der Schweiz kommen, so wirst Du auf dem Schlosse meiner Freundin bestens aufgenommen seyn. Sie trägt mir auf, Dich zu grüßen. Schon seit langer Zeit hat sie lebhaft gewünscht, Dich kennen zu lernen, wenn es nur irgend eine Sprache giebt, worin ihr euch verständigen könnt. Sie hat fast alles von Dir gelesen, den Sternbald liebt sie am meisten.

Ich danke Dir für diedesengañosüber unsre ehemaligen Bekannten in Berlin. Deine Berichte scheinen mir nur allzu glaubhaft, auch von andern Seiten ist mir dergleichen zuOhren gekommen. Es kann mir wohl sehr gleichgültig seyn, was jene in ihrer armseligen und dunkeln Existenz über mich ausbrüten. Nur bedauert man seine verlohrne Auslage an redlichen Gesinnungen. Schütz ist nach seinen Tragödien zu urtheilen ein großer Fratz geworden, die wahnwitzige Eitelkeit richtet solche Menschen zu Grunde. Ueber Fichte bist Du nun selbst besser aufgeklärt, sein Betragen in der Sache Deiner Schwester scheint unverantwortlich zu seyn. Von seinen Schriften will ich nichts sagen, es ist aus mit ihm. Was ist lächerlicher ja lästerlicher als seine Einbildung, das Christenthum wieder herstellen zu wollen, und seit dem Evangelisten Johannes der erste zu seyn, der es versteht? Man ist versucht, ihm seine Reden an die Deutschen des Muthes wegen anzurechnen; allein es ist eine solche Mischung von Zaghaftigkeit, Unwissenheit der Geschichte und Unvernunft darin, daß man sich darüber noch am bittersten betrüben möchte, daß wir keine besseren Propheten haben. — Schleiermacher, der Friedrichen und mir doch manches verdankt, soll sich ebenfalls feindselig betragen. Der einzige dankbare Schüler, den ich gehabt, ist Fouqué.

Auf Deine Uebersetzung vonLove’s labours lostbin ich sehr begierig. Du solltest sie doch ja fertig machen und in demselben Format wie die meinige drucken lassen. Ich habe die Uebung in Wortspielen ganz verlohren, und würde sehr verlegen seyn, wie ich dieß Stück übersetzen sollte. Ueberhaupt geht es mir seltsam mit diesem gebenedeyten Shakspeare: ich kann ihn weder aufgeben, noch zum Ende fördern. Indessen hoffe ich diesen Sommer einen großen Ruck zu thun. Richard III. ist fertig, und Heinrich VIII. angefangen. Es ist leicht möglich, daß mir Mad. Unger Deine Arbeit am Shakspeare in einem etwas veränderten Lichte vorgestellt hat, damit es mir ein Antrieb zur Eile werden möchte. Uebrigens klagte sie vor einiger Zeit über Mangel an Nachrichten vonDir, und daß sie von manchem, was Du ihr versprochen, nichts weiter höre. Du hast freylich nicht nur ihr, sondern der Welt überhaupt vieles versprochen. Was wird aus allen Deinen dichterischen Planen? Auch über Shakspeare, über die altdeutschen Gedichte wolltest Du schreiben. Ich gestehe, ich bestellte mir von Dir lieberetwasalsüber etwas.

Melde mir baldigst, wohin ich Dir den zweyten Band des Spanischen Theaters und den ersten meiner Vorlesungen, die jetzt eben, auf die Messe, erscheinen, schicken lassen soll?

Lebe tausendmal wohl, und behalte mich in gutem Andenken. Dein Bruder wird Dir manches von mir erzählen können.

Unveränderlich Deintreuer FreundA. W. S.

Unveränderlich Dein

treuer Freund

A. W. S.

Bonn, d. 30sten März 1828.

Nach so langen Jahren der Entfernung muß ich Dich, theurer Freund, doch endlich einmal wieder brüderlich begrüßen. Es war mir sehr Ernst, Dich vorigen Sommer von Berlin aus zu besuchen: ich forderte Deinen Bruder dazu auf; er konnte sich nicht los machen; und so unterblieb es, da mich ohnehin Familien-Verhältnisse ganz den entgegengesetzten Weg nach Hamburg und Hannover hinzogen. Dein Bruder hat herrliche Werke an’s Licht gefördert, und ist immer der alte getreue. Deine Novellen habe ich mit unendlichem Ergötzen gelesen — besonders die Zopfgeschichte — so etwas ist seit dem Don Quixote gar nicht wieder geschrieben.

Das Dichterleben ist hinreißend, es sollte in’s Englische übersetzt werden —farebbe furore! In meinen jetzt gesammeltenkritischen Schriften ist von Dir die Rede, zwar kurz, aber ich hoffe, Du wirst zufrieden sein. Meine „Berichtigung einiger Mißdeutungen“ wird Dir nun auch wohl schon vorgekommen sein. Ich habe mich schwer dazu entschlossen, aber das Verhältniß zu Friedrich nöthigte mir diese Erklärung ab. Ich bin mit seinen neueren schriftstellerischen Offenbarungen im höchsten Grade unzufrieden. War’s nicht ein Jammer, daß ein solcher Geist so zu Grunde gegangen ist? Vor allen Dingen ermahne ich Dich, bitte Dich, beschwöre Dich, DeineCevennen[19]zu vollenden. Es ist nicht nur ein hinreißendes Werk, sondern auch in den jetzigen Zeitläufen eine männliche Handlung.

Komm doch einmal an den Rhein, laß Dich von Deinem Bruder mitbringen. Du solltest herzlich willkommen sein, und würdest mich ganz artig eingerichtet finden.

Meine Gesundheit hatte sehr gelitten, hat sich aber wieder befestigt. Fast täglich durchfliege ich die schöne Umgegend auf edlen und muthigen Rossen. Ich bin heiterer, wie je, die alte Neigung zum Scherze ist auch immer da.

Lebe tausendmal wohl und behalte mich in freundschaftlichem Andenken.

Ewig DeinA. W. v. Schlegel.

Ewig Dein

A. W. v. Schlegel.

Bonn, d. 7ten October 1829.

Geliebtester Freund!

Ich empfehle angelegentlich Deiner wohlwollenden Aufnahme Herrn Bildhauer Cauer, einen geistreichen und talentvollen Künstler, der sich einige Jahre bei uns aufgehalten hat.Wir, nämlich Welcker und D’Alton mit mir, hätten ihn gern als Zeichenlehrer hier behalten; allein wir haben es nicht durchsetzen können: und so ist es natürlich, daß er einen Ort verläßt, wo wenig Aufmunterungen und Hülfsmittel für die Kunst vorhanden sind. Ich bin Hrn. Cauer noch besonders verpflichtet wegen der Gefälligkeit, womit er einem armen Knaben, den ich zum Künstler zu erziehen unternommen, sehr schätzbaren Unterricht ertheilt hat.

Lebe mit den Deinigen recht wohl, und behalte mich in freundschaftlichem Andenken.


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