Geb. zu Görlitz 1800.Chrysostomus, Drama. — Alexander und Darius. — Rosamunde. — Die Babylonier in Jerusalem — u. a. m.Albrecht Holm, Roman, 7 Bde. (1852–53.)Vom Jahre 1822 bis zum März 1827 fehlen Uechtritzens Briefe. Diese Lücke, welche wir mit zwei Zuschriften Tieck’s ausfüllen zu können so glücklich waren, fällt nun gerade in jene Zeit, wo der junge Dichter des „Alexander und Darius“ durch dieses hochpoetische Werk Meister Ludwig’s Zuneigung gewann, die beinähererpersönlicher Bekanntschaft sehr bald in aufrichtigste Freundschaft überging, und deshalb so dauernd festhielt, weil sie sich von Tieck’s Seite, trotz der Ungleichheit der Jahre auf Achtung gründete. Er sah in Uechtritz eine, von den Erscheinungen der Zeit scharf gesonderte Specialität, die sich durch frommen Ernst, durch heiligen Eifer für das Höchste und Reinste in der Dichtkunst auszeichnete, ohne dabei rigoristisch und exklusiv aufzutreten. Empfänglich für die Bestrebungen Anderer, nachsichtig in seinen Urtheilen über deren Versuche, war Uechtritz nur streng gegen sich selbst und seine Arbeiten. Wer „Alexandarius,“ (so nannten ihn scherzhafterweise die Berliner Freunde unter sich)gesehenhat, wenn er mit der abermaligen (vielleicht zehnten) Emendation einiger Zeilen — gleichviel ob Verse, oder Prosa — zum Regisseur, zum darstellenden Schauspieler, zum Vorleser, zum Buchdrucker eilte, um wo möglich noch anzubringen, was er für deutlichere Entwickelung desGedankens, für wohlklingendere Abrundung der Form gethan, — nun,derhat einen rechten Begriff vom innersten Respekt, von der wahrhaften Ehrfurcht, welche den Dichter für die Sache der Poesie durchdringen soll. — Als Gerichtsrath, als Immermann’s Kollege in Düsseldorf lebend, ward er Genosse und fördernder Theilnehmer der schönen Tage, welche am dortigen Kunsthimmel strahlten. Und daß deren Heiterkeit durch ihn niemals getrübt worden ist; daß er sich einer so entschieden dominirenden Herrschernatur wie Immermann gewesen, liebevoll zu fügen verstand, ohne an eigener edeler Selbstständigkeit sich etwas zu vergeben... darin liegt wohl das glänzendste Zeugnis für seinen vortrefflichen, reinen Charakter.
Geb. zu Görlitz 1800.
Chrysostomus, Drama. — Alexander und Darius. — Rosamunde. — Die Babylonier in Jerusalem — u. a. m.
Albrecht Holm, Roman, 7 Bde. (1852–53.)
Vom Jahre 1822 bis zum März 1827 fehlen Uechtritzens Briefe. Diese Lücke, welche wir mit zwei Zuschriften Tieck’s ausfüllen zu können so glücklich waren, fällt nun gerade in jene Zeit, wo der junge Dichter des „Alexander und Darius“ durch dieses hochpoetische Werk Meister Ludwig’s Zuneigung gewann, die beinähererpersönlicher Bekanntschaft sehr bald in aufrichtigste Freundschaft überging, und deshalb so dauernd festhielt, weil sie sich von Tieck’s Seite, trotz der Ungleichheit der Jahre auf Achtung gründete. Er sah in Uechtritz eine, von den Erscheinungen der Zeit scharf gesonderte Specialität, die sich durch frommen Ernst, durch heiligen Eifer für das Höchste und Reinste in der Dichtkunst auszeichnete, ohne dabei rigoristisch und exklusiv aufzutreten. Empfänglich für die Bestrebungen Anderer, nachsichtig in seinen Urtheilen über deren Versuche, war Uechtritz nur streng gegen sich selbst und seine Arbeiten. Wer „Alexandarius,“ (so nannten ihn scherzhafterweise die Berliner Freunde unter sich)gesehenhat, wenn er mit der abermaligen (vielleicht zehnten) Emendation einiger Zeilen — gleichviel ob Verse, oder Prosa — zum Regisseur, zum darstellenden Schauspieler, zum Vorleser, zum Buchdrucker eilte, um wo möglich noch anzubringen, was er für deutlichere Entwickelung desGedankens, für wohlklingendere Abrundung der Form gethan, — nun,derhat einen rechten Begriff vom innersten Respekt, von der wahrhaften Ehrfurcht, welche den Dichter für die Sache der Poesie durchdringen soll. — Als Gerichtsrath, als Immermann’s Kollege in Düsseldorf lebend, ward er Genosse und fördernder Theilnehmer der schönen Tage, welche am dortigen Kunsthimmel strahlten. Und daß deren Heiterkeit durch ihn niemals getrübt worden ist; daß er sich einer so entschieden dominirenden Herrschernatur wie Immermann gewesen, liebevoll zu fügen verstand, ohne an eigener edeler Selbstständigkeit sich etwas zu vergeben... darin liegt wohl das glänzendste Zeugnis für seinen vortrefflichen, reinen Charakter.
Berlin, am 23. März 1822.
Hochzuverehrender Herr!
Als ich vor anderthalb Jahren eine Erzählung, Aurelio, Ew. Wohlgeboren schüchtern vorlegte, empfahlen Sie mir, die gestaltlose Unbestimmtheit, die man so leicht in frühern Jahren für die recht eigentliche Poesie halte, zu fliehen und dafür die Wirklichkeit als den natürlichen Boden der Poesie anzusehen. Ich habe mich seitdem mit Eifer bestrebt, diesem Rathe nachzukommen und mich besonders um feste Zeichnung der Charaktere, Rundung des Ganzen und, im Otto, raschfortschreitende Handlung bemüht. Auch hatte nach Vollendung des Otto die Hoffnung endlichen Gelingens meine Zweifel an mir selbst in einzelnen Augenblicken wenigstens zurückgescheucht. Seit kurzem aber bin ich durch mehrere Ereignisse auf traurige Weise irre an mir geworden, so daß ich nicht weiß, ob ich nicht besser thue, mich in den Pflug des praktischen Lebens einspannen zu lassen, ohne weiter mich nach den Wiesen und Blumen der Poesie umzusehn. Aber ich werde nicht können. Und dieses innre Drängen und Treiben nach etwas, wovon ich nicht weiß, ob es die Welt jemals einen Pfennig werth achten wird, macht mich eben nicht glücklich, besonders,da ich recht kluge Menschen um mich sehe, die aber sehr mittelmäßige Gedichte machen und sie dennoch für viel besser halten, als ich die meinigen. Denn da die Kunst es doch nicht einzig und allein mit der Form zu thun hat, so wird der schlechte Dichter, wenn er sonst nicht stumpf an Geist und Gemüth ist, in die schlechten Formen, die ihm zu Gebote stehn, so viel trefflichen Gehalt zu seiner eignen Ergötzung hineinfühlen, daß seine Augen nicht Unrecht haben, wenn sie sein Machwerk für ein Meisterwerk halten. Es war daher nicht der eitle Wunsch, von Ew. Wohlgeboren meine poetische Bestallung schriftlich zu erhalten, um damit zu prunken, was mich dazu trieb, mich Ew. Wohlgeboren als meinem Meister und Richter anzuvertrauen. Einige Worte mündlich im einsamen Kabinet, wie ich sonst so glücklich war von Ihnen zu hören, wären mir eben so theuer gewesen. Aber eine lange, ganz ungewiße Zeit liegt dazwischen, ehe ich das schöne Dresden wiederzusehn hoffen darf. Ich ersuche daher Ew. Wohlgeboren, wenn Sie nicht einmal die Hoffnung zu etwas Tüchtigem in meinem Otto finden, mir denselben ohne weitere Beylage und Brief, unfrankirt mit der Post zurückzusenden.
Ihre nachsichtige Güte, Hochzuverehrender Herr, wird dem jungen Manne, der seine theuersten Interessen in Ihre Hände gelegt hat, diese vielleicht zudringliche Bitte verzeihen. Wie aber auch Ihre Entscheidung ausfallen mag, so werde ich sie mit der Ehrfurcht annehmen, die mir im Verhältniß zu einem der größten Dichter meines Vaterlandes geziemt.
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung habe ich die Ehre zu verharren
Ew. Wohlgeborenganz ergebensterv. Uechtritz.
Ew. Wohlgeboren
ganz ergebenster
v. Uechtritz.
Berlin, den 29. August 1822.
Hochverehrter Herr!
Ihnen, mein hoher Meister, der mich durch seine freundliche Güte zuerst auf ungewohnter Bahn ermuthigte und stärkte, sende ich dieses erste Produkt meines Geistes, das es wagt, allein und für sich in die Welt zu treten. Ich möchte es fast für eine verlassene Waise erklären, denn ich bin nichts mehr dafür zu thun im Stande und Alles andre ermangelt ihm, selbst eine namhaftere Buchhandlung, was es nur so weit empfehlen könnte, daß es gelesen werde. Aber Ihre gegen mich stets bewiesne Güte ist mir ein freundlicher Stern der Hoffnung. Ihrem Schutze empfehle ich die arme Verlassne. Ob sie dieses Schutzes würdig sey, weiß ich nicht. Ich übergebe sie Ihnen auf Gnade und Ungnade.
Mit der ehrerbietigsten Hochachtung
Fr. v. Uechtritz.
Fr. v. Uechtritz.
Berlin, den 15. Dezember 1822.
Wohlgeborner Herr!Hochzuverehrender Herr!
Ew. Wohlgeboren haben mir auf die Uebersendung des Chrysostomus nicht erwiedert und dennoch wage ich auf die Gefahr hin, zudringlich zu erscheinen, Ihnen einen neuen dramatischen Versuch in dem einzigen Manuscript, das ich davon besitze, vorzulegen. Ich hoffe mich darin von den Irrthümern befreyt zu haben, die mich bey der Wahl des Stoffes sowie der Behandlung des Chrysostomus verleiteten. Wenigstens für ein sich bildendes poetisches Talent ungünstige Umgebungen,unter denen ich A. Müller nennen muß, tragen, wiewohl nur mittelbar, die Schuld dieser Irrthümer, die freylich für mein Talent kein günstiges Zeugniß ablegen. Im Otto glaube ich endlich zu mir selbst zurückgekommen zu seyn und die vielleicht zu eitle Hoffnung von Ew. Wohlgeboren auf diesem wiedergewonnenen Wege, wenn auch nur mit wenigen Worten, berathen und ermuntert zu werden, hat mich so kühn gemacht, Ew. Wohlgeboren nochmals zu belästigen.
Genehmigen Ew. Wohlgeboren die ehrerbietigste Versicherung meiner Hochachtung und Verehrung, womit ich die Ehre habe zu verharren
Ew. Wohlgeborenganz ergebensterDer Referendarv. Uechtritz.
Ew. Wohlgeboren
ganz ergebenster
Der Referendarv. Uechtritz.
Ludwig Tieck an Uechtritz.
Dresden, den 10. Dec. 1825.
Geehrter Herr von Uechtritz!
Es freut mich Ihnen melden zu können, daß das hiesige Theater Ihren Darius und Alexander mit großem Vergnügen empfangen und angenommen hat. Vorläufig ist die erste Aufführung auf den 24ten Januar kommenden Jahres angesetzt, und da ich allen Fleiß anwenden werde, damit das Stück, so weit mein Einfluß nur reicht, gut gespielt und würdig überhaupt dargestellt werde, so verspreche ich mir einen glücklichen Erfolg, und glaube, daß wenn selbst die Darstellung um einige Tage aufgeschoben werden sollte, sie doch gewiß noch im Februar erfolgt. Auf jeden Fall melde ich Ihnen selbst oder durch jemand anders noch einmal den ganz festen Tag der Aufführung, und es wird uns allen hier große Freudemachen, Sie alsdann auf einige Zeit hier zu sehn. Es wird mir sehr angenehm sein, da ich Ihnen schon so manches vorgelesen habe, Ihnen Ihr eignes Gedicht vorzutragen, das bei dem kleinen Publicum, dem ich es bis jetzt zu verschiedenen Malen mitgetheilt habe, großen Beifall gefunden hat. Auch Ihren Wunsch, etwas über dieses Gedicht öffentlich zu sagen, denke ich zu erfüllen, und an einem Orte, wo es Ihnen hoffentlich nicht unangenehm sein wird. Sprache und Vers könnten hie und da mehr ausgearbeitet sein: der Ausdruck schwankt: hie und da, auch im Anfang, erinnert er an Kleist, dem man nicht nachahmen soll: aber mit allen Fehlern, die die Kritik vielleicht entdecken kann und soll, hat mir seit dem Homburg kein dramatisches Gedicht eine so reine Freude gewährt. Wahre Begeisterung hat es hervorgebracht; darum muß es auch andre begeistern. —
Mündlich mehr; jetzt nur noch die Versicherung, daß ich mit wahrer Liebe und Hochachtung bin und bleibe
Ihr wahrer FreundL. Tieck.
Ihr wahrer Freund
L. Tieck.
Ludwig Tieck an Uechtritz.
Den 11ten Febr. 1827.
Mein theuerster Freund!
Zürnen Sie mir nicht, daß ich Ihre Briefe so lange ohne Antwort gelassen und Ihnen auch noch über Ihr neues Schauspiel nichts gesagt habe. Glauben Sie mir indeß, keine Nachlässigkeit oder verminderte Freundschaft ist Schuld an der Verzögerung, sondern überhäufte Geschäfte und Arbeiten, mit Unpäßlichkeit wechselnd. — Ich hatte, aufrichtig gestanden, bei Ihrer Verstimmung und Kränklichkeit dies neueSchauspiel[10]noch lange nicht erwartet, denn ein solches Gedicht verlangt den ganzen Menschen und volle Kraft, es kann zuweilen den Gesunden krank, schwerlich den Kranken, Ueberreizten gesund machen.
Ich las es sogleich mit der größten Begierde und finde, daß ich Ihnen denn doch nicht gut gerathen habe. Nachdem ich Ihr Schauspiel drei, viermal wieder durchgelesen habe, fühle ich immer deutlicher, was ich schon das erstemal sah, daß die eigentliche Kraft und Begeisterung, der Enthusiasmus, das Tragische, und daher die Wahrheit und Ueberzeugung ermangelt. Sie haben zu schnell, zu sehr und zu arbeitend gearbeitet. Ich glaube auch, daß die Scene nicht in Nürnberg, sondern etwa in Mailand und zwar in einer frühern Zeit sein müsse. So wie es da ist, erscheint der Gegenstand zu kleinlich und, wie gesagt, ohne Motive. Es wird Ihnen gewiß, wenn Sie die Sache ein wenig ruhen lassen, nicht schwer werden, die eigentliche Begeisterung, die Leidenschaft für die Gegenstände zu finden, wodurch sich doch nur der Enthusiasmus dem Zuschauer mittheilt.
Ich gestehe unverholen, daß es mir nicht lieb ist,daß Sie schon andern Freunden Ihr Gedicht gezeigt haben: auch der Stich, — darüber kommen Meinungen, von den Schauspielern ganz schiefe Urtheile herum, die auch der künftigen Umarbeitung schaden können. So, wie das Stück jetzt da liegt, rathe ich nicht, es irgend einer Bühne anzubieten.
Ich wünschte aber, wir hätten Gelegenheit uns mündlich über diesen Gegenstand zu besprechen, weil die Briefe so gar ungenügend sind, sich auch die Sache nicht in so kurze Worte fassen läßt. Ein Schauspiel, welches auf der Politik ruht, ist überhaupt vielleicht das schwierigste, weil die Grundsätzeund Ansichten der Klugheit, Verfassung, Reform und Revolution in Leidenschaft müssen gesetzt und mit den übrigen Leidenschaften verbunden werden, dabei aber doch so viel Vernunft für sich haben, daß sie auf diesem Wege täuschen und beruhigen können.
Nehmen Sie meine Freimüthigkeit, wie sie gemeint ist. Mein Gefühl ist aufrichtig und für Sie wahrhaft zärtlich freundschaftlich. Sie müssen nach Alexandern keinen Rückschritt thun. Dieser ist auch keiner, nur zu eilig gethan, vorschnell. — Kann ich nicht vom Alexander ein Exemplar auch eine Vorrede oder diese allein erhalten? Warum sind Ihre Briefe so ceremoniös, nicht so natürlich, wie die meinigen.
In Eil. Ein andermal mehr.
Ihr aufrichtiger FreundL. Tieck.
Ihr aufrichtiger Freund
L. Tieck.
Berlin, 3. März 1827.
Mein theuerster hochverehrter Freund!
Sobald ich Ihren Brief erhalten hatte, bin ich sogleich zum Grafen Brühl gegangen und habe gebeten, die Aufführung meines Ehrenschwerdtes, die zum April festgesetzt war, bis zum nächsten Winter aufzuschieben. Im Mai oder Juni denke ich nach Dresden zu kommen und Ihnen ein neues Ehrenschwerdt vorzulegen, das bis dahin wohl seine Vollendung erhalten wird. Seit dem Augenblicke, daß ich Ihnen meine, ich möchte es gern Skizze nennen, schickte, habe ich nicht aufgehört, zu überarbeiten und sorgfältiger auszuarbeiten. Aber ohne Ihren liebevollen Zuruf wäre doch nichts rechtes daraus geworden. Der hat mich im Innersten aufgewühlt und mir die Kraft gegeben, die Bande, die man sichdurch eine verfehlte erste Bearbeitung immer auflegt, zu zersprengen und in wiedererrungener Freiheit ganz neues Werk zu dichten, bei dem ich aber von dem ältern vieles zu brauchen denke. Warum ich mich nicht entschließen kann, die Scene von Nürnberg wegzulegen, werde ich Ihnen mündlich vortragen, doch hoffe ich einen großartigern Hintergrund zu gewinnen, indem ich die demokratische Richtung derZünftegegen die adligen Stadtgeschlechter, die sich ungefähr um diese Zeit in fast allen Reichsstädten offenbarte, als historisches Motiv benutze. Ich werde die Bürger, in deren Schilderung mich das Beispiel Shakespeares leitete, edler und wichtiger nehmen, den Rudolf Welfinger aber, wie jetzt, bloß seineignesRecht, ohne Rücksicht auf politische Zwecke verfolgen lassen. Aber ich fühle, daß ich mir mehr schade, indem ich Ihnen das so trocken hinschreibe, und verspare lieber Alles auf mündliche Unterredung, bis zu welcher ich schon, wie ein Kind, die Stunden zähle.
Wie tief mich der Ton Ihres Briefes gerührt hat, mein väterlicher, hochverehrter Freund, soll Ihnen der Eifer beweisen, mit dem ich mich bestreben werde, mich dieses Briefes würdig zu zeigen. Der Schauspieler Krüger hat mich gebeten, ihm einen Brief an Sie mitzugeben, und ich werde wohl genöthigt sein, die Farben etwas stärker aufzutragen, da ich nicht weiß, was er damit anfangen kann.
Empfehlen Sie mich, mein gütiger, liebevoller Meister und Freund, der Frau Gräfin von Finkenstein zu Gnaden, so wie allen theuern Ihrigen auf das herzlichste.
Ihr ewig dankbarerFr. v. Uechtritz.
Ihr ewig dankbarer
Fr. v. Uechtritz.
(Bruchstück.)
Trier, den 24. Juny 1828.
Mein hochverehrter Freund!
Wie Sie wissen, bin ich zum hiesigen Landgerichte versetzt worden und Ihre Frau Gemahlin, die ich so glücklich war, auf dem Dampfschiff von Coblenz bis Bonn zu begleiten, sagt mir, daß Sie mit dieser Veränderung meines Aufenthaltes und meiner Entfernung von Berlin zufrieden seyen. Meine Entfernung von Berlin mag nun allerdings ihre guten Seiten haben, denn es ist in meinen Jahren gewiß wohlthätig, von Zeit zu Zeit in neue Verhältnisse versetzt zu werden, wenn man die frühern — ich möchte sagen — ausgelebt hat, und Berlin war zur Zeit meiner Abreise der Tummelplatz sehr unedler Streitigkeiten. Auch mein Name, den ich bis jetzt von solchem Schmutze rein zu erhalten gesucht habe, ist dabey genannt worden, aber ganz ohne mein Wissen und Willen, wie Ihnen vielleicht Raumer schon mitgetheilt haben wird. Man hat ihn (so wie den Namen desDr.Förster) unter die ganz verfehlte Erklärung der Dreyzehn[11], ohne mich vorher zu befragen, mit unterdrucken lassen. Meine Entfernung zu einer solchen Zeit konnte mir nur angenehm seyn — aber leider tritt mir das hiesige Leben nicht als ein sonderlicher Ersatz für so manches, was ich in Berlin verloren habe, entgegen.
Düsseldorf, den 15. May 1832.
Mein theuerster, hochverehrter Freund!
Es ist sehr unrecht von mir, daß ich nicht schon längst gegen Sie selbst meinen innigen Dank für die außerordentliche Güte und Freundschaft, die Sie in letzter Zeit für mich bewiesen, ausgesprochen habe, — aber aus meinen Briefen an unsre theure Dorothea werden Sie wenigstens ersehen haben, daß ein Mangel des Gefühls nicht die Ursache davon war. Ich gestehe, daß ohne Ihr Versprechen, die Rosamunde herauszugeben, die Dresdner Geschichte doch am Ende etwas ungünstig auf mich und meine Stimmung gewirkt haben möchte. Denn schwerlich würde ich unter den obwaltenden Umständen einen Buchhändler gefunden haben und bloß für mein Pult zu dichten ist eine Aussicht, die nicht sehr ermuntern kann. — Die Verbesserungen in dem beyfolgenden Manuscript betreffen nur Sprache und Versbau, ich hoffe aber doch, daß sie nicht ohne günstige Wirkung für das Ganze sind. Fast keine derselben ist in den letzten Tagen und in Eile gemacht, die bey weitem meisten haben schon die Prüfung einer gewissen Zeit überstanden. Doch bleiben Sie, wie sich von selbst versteht, oberster Herr und Richter, wenn ich auch eine gewisse Vorliebe für die übersendete Bearbeitung letzter Hand nicht verhehlen kann. Vor einigen Wochen war Freund Löbell hier, dem ich am Rheine viel näher gekommen bin, als in Berlin und den ich in jeder Hinsicht sehr hoch halte. Er vertheidigt, wie Sie wissen, die strengste Unterordnung der dramatischen Poesie unter die Gedichte oder vielmehr die Einheit von beyden, — ihm gegenüber will Immermann der Willkühr des Dichters fast gar keine Schranken setzen lassen. Ich selbst repräsentire bey den darüber entstehendenStreitigkeiten eine Art vonJuste milieuund schmeichle mir im Geheimen, Sie, wenn ich mich einmal recht gegen Sie aussprechen könnte, auf meiner Seite zu haben. Auf der einen Seite kann ich nicht zugeben, wie Immermann meint, daß der Dichter mit seinem Stoffe wie ein Russe mit seinen Leibeignen schalten dürfe — von der andern Seite muß ich aber darauf bestehen, daß wenn er wie Jakob um die schöne Rahel sieben Jahre gedient, dann die Reihe an ihn komme, Herr im Hause zu seyn. Aber, wie gesagt, er muß erstdienen. — — Mit meinen Verhältnissen hier bin ich übrigens noch fortdauernd sehr zufrieden und das Schicksal hätte mich für meine Art zu seyn und da ich nun einmal am großen Staatskarren mit ziehen muß, nicht günstiger stellen können. Wie glücklich würde es uns Alle machen, Sie einmal in unsrer Mitte zu sehn und auch Ihnen denke ich sollte es bey uns gefallen. Es ist eine wahre Freude, jezt unsre Akademie zu betreten und man darf die schönsten Hoffnungen darauf gründen. Auf Schadow selbst hat zwar, nach meiner Meynung, die Italienische Reise und die Auffrischung früherer religiös künstlerischer Eindrücke und noch mehr der Aufenthalt Overbecks hier, nicht günstig gewirkt und ihn an seinem eignen Werke irre gemacht. Er schien sich wie ein Abtrünniger vorzukommen, der früher von Rom als Kunstapostel ausgesandt das Himmelreich vergessen und der Eitelkeit der Welt gefröhnt, mit andern Worten statt einer Madonnen- eine Genremalerschule gestiftet habe. Doch wird sich das Alles wohl ins Gleichgewicht setzen. Wenn ich meine Ansicht über unsre neueste Kunst aussprechen darf, so möchte ich sagen, daß wie die alte große Kunst aus einem gemeinsamen Volksgefühle hervorging, an dem der Einzelne, so verschieden davon seine individuellen Gefühle und Ansichten seyn mochten, doch mehr oder weniger theilnahm, so jene neueste Kunst durchaus auf dem individuellsten Gefühle und seinerintensiven Kraft beruht. Die Folge davon ist, daß im Mittelalter auch der weniger fromme Maler religiöse Gegenstände mit Glück und ich möchte sagen Unschuld malen konnte, während ich in jetziger Zeit die Hoffnung Schadows, einen Künstler wie Lessing (der in seinen besten Sachen manche Aehnlichkeit mit Lord Byron hat) noch einmal Madonnen malen zu sehn, beinahe unter die Verkehrtheiten rechnen muß.
Tausend Grüße an die theuern Ihrigen, besonders Freundin Dorothea. Wenn es mir irgend möglich ist, sehen Sie im Herbst
IhrenF. v. Uechtritz.
Ihren
F. v. Uechtritz.
Eben erhalte ich den Rest meines Dresdner Honorars und erlaube mir die Quittung beyzulegen.
Düsseldorf, 30. März 1836.
Sie werden, verehrtester Freund, aus den beygehenden Schreiben schon ersehen haben, welch ein fataler Streich dem hiesigen Theater in dieser Nacht durch den Schauspieler J. gespielt worden ist. Die Flucht desselben droht allerdings das ganze Institut zu Grunde zu richten, da sich gar nicht absehen läßt, woher, und besonders in der nöthigen Eile, ein irgend passendes Subject für das ihm übertragne Rollenfach herbeyzuschaffen seyn dürfte. Mehrere Darstellungen bedeutender Werke, die uns in nächster Zeit versprochen waren, werden durch seine Flucht geradezu unmöglich gemacht. Insbesondre schmerzt es mich, daß auch die Wiederholung Ihres Blaubart aufgegeben werden müßte, wenn man des Flüchtlinges nicht wieder habhaft werden könnte.
Eine große Anzahl Ihrer Verehrer hatte sich in diesemWinter vereinigt, den Verwaltungsrath des Theaters, in dem leider einige Individuen aus dem Publicum des gestiefelten Katers Sitz und Stimme haben, dringend um diese Wiederholung im Laufe des gegenwärtigen Winters zu bitten. Im Namen und Interesse derselben, so wie in dem meinigen, erlaube ich mir daher, Sie auf das inständigste zu bitten, dem widerrechtlich Entlaufenen keine Aufnahme, auch nur zu Gastspielen, zu verstatten, ihn vielmehr durch alle Mittel, die Ihnen zu Gebote stehen, so schnell als möglich zu uns zurückzutreiben.
In größter Eile und mit gewohnter Verehrung, so wie mit der Bitte mich den theuern Ihrigen und der Frau Gräfin von Finkenstein herzlichst und angelegentlichst zu empfehlen
IhrF. Uechtritz.
Ihr
F. Uechtritz.
Düsseldorf, 23. Febr. 1842.
Was müssen Sie von mir denken, mein verehrter Freund, daß ich Ihre liebe, freundschaftliche Zuschrift so lange unbeantwortet gelassen habe. Von Entschuldigung kann hier gar keine Rede seyn, obwohl ich manches wenigstens zur Milderung meines Vergehens anführen könnte.
So hausen Sie also jetzt in der Stadt der Gräber. Ich kann es mir lebhaft denken, wie sehr gerade Sie von den großen Erinnerungen bewegt werden müssen, die sich in Weimar auch dem weniger tief Empfindenden und zur Melancholie Geneigten entgegendrängen. Geben Sie sich nur nicht zu sehr dieser Anregung und der Seite des Todes und Grabes hin. Auch das Leben behält seinen Werth und seine Reize und wir ehren jene großen Gestorbenen am höchsten, wenn wir uns an ihnen als an ewig Lebenden und Lebenspendenden erquicken.
Ich habe kürzlich einen größeren Aufsatz über Schiller publicirt (in der deutschen Vierteljahrsschrift von Cotta, Jahrgang 1842, erstes Heft) und bin begierig wie er Ihnen zusagen wird. Derselbe schließt sich unmittelbar an meine Betrachtungen über Goethe im zweiten Bande der Blicke in das Düsseldorfer Kunst- und Künstlerleben an. Ich hoffe, Sie sollen damit nicht unzufrieden seyn, wenn ich Ihnen auch manchmal früher in meiner Anerkennung und Beurtheilung Schillers nicht genug gethan habe.
In diesem Augenblicke bin ich wieder, der kritische Beschäftigungen müde, zur alten geliebten Leier zurückgekehrt. Ich habe ein größeres Gedicht Ehrenspiegel des deutschen Volkes vollendet, das in sieben romanzenartigen Dichtungen eben so viele Glanzpunkte des deutschen Volkslebens feiert.
Jetzt bin ich mit den Vorarbeiten zu einem größeren Romane beschäftigt, die mich sehr in Anspruch nehmen. Die Aufgabe ist, die Reformationszeit nach ihren innersten geistigen Bewegungen darzustellen. Doch hat sich diese Aufgabe erst aus der besondern Fabel entwickelt, die mir vor einigen Jahren aufging und sich in mir immer mehr zu einem beinahe erlebten Ereigniß ausgebildet hat. Es ist nicht möglich, in der Kürze eine auch nur einigermaßen genügende Anschauung davon zu geben. — Sie sehen, daß ich thätig bin und mich in frischer Lust des Schaffens bewege. Möchte ich bald dasselbe von Ihnen hören.
Mit der Bitte mich und meine Frau den Ihrigen auf das angelegentlichste und herzlichste zu empfehlen
IhrF. Uechtritz.
Ihr
F. Uechtritz.
Düsseldorf, ... Januar 1846.
Mein hochverehrter Freund!
Beigehend erhalten Sie die gewünschten Briefe (und zwar auch die bereits in Abschrift zugesandten, da doch irgend ein Abschreibefehler übersehen worden seyn könnte) im Original. Leider sind einige derselben nicht ganz vollständig erhalten. Ihre gütige Zusage, mir diese Briefe baldmöglichst wieder zurückzustellen, nehme ich mit Dank an. Sie werden am besten fühlen, welch’ ein Schatz dieselben für mich sind.
Recht innig hat es mich gerührt, daß Sie meiner in Ihren gesammelten dramaturgischen Blättern gedenken wollen. Fühle ich mich doch oft so ganz vergessen und aus der Literatur abhanden gekommen. Vielleicht würde ich mehr für die Bühne geleistet haben; aber die ungünstige Aufnahme der Rosamunde in Dresden, die durch die Zeitverhältnisse verhinderte Aufführung in Wien (Schreivogel interessirte sich sehr dafür), so wie die Zurückweisung derselben in Berlin, wobei unser Freund Raumer nicht ohne Schuld ist, hatten mich in meinen Erwartungen, die ich auf die Bühne setzte, irre gemacht und die Zuflucht, bloß für den Leser Dramen zu dichten, wollte auch nicht genügen. Lassen sie sich doch von dem Werke, das ich jetzt wieder unter der Feder habe und woran ich, wenn mich nicht mein fortdauerndes Unwohlseyn hemmte, mit Lust und Liebe arbeiten würde, durch Röstell erzählen, der während meines letzten Aufenthaltes in Berlin einen großen Theil des ersten Bandes kennen gelernt hat.
Wie herrlich, daß wir bald wieder etwas von Ihrer Hand und etwas so wichtiges, wie Ihre dramaturgischen Mittheilungen zu erwarten haben.
Die Immermann war sehr glücklich über die ihr zugestellten Grüße. Ich aber bin und bleibe
Ihr ewig dankbarerF. Uechtritz.
Ihr ewig dankbarer
F. Uechtritz.
Düsseldorf, den 28. November 1846.
Mein hochverehrter Freund!
Der Dichter Emanuel Geibel, mit dem ich diesen Sommer in Marienbad zusammengetroffen bin, hat mich gebeten, ihn bei Ihnen einzuführen oder doch in Erinnerung zu bringen. Was sein entschiedenes und großes Talent als Dichter angeht, das sich in den bereits erschienene sechs Auflagen seiner Gedichte in immer steigender Fülle, Anmuth und Tiefe bewährt hat, wird er keiner Empfehlung bei Ihnen bedürfen. Doch auch was seine Persönlichkeit, seine Ansichten über Litteratur, Drama und Theater betrifft, hoffe ich, daß er Ihnen in seiner frischen, selbstständigen, im ächten Sinne freien Stellung gewiß zusagen wird. Er wandelt, keinem der Vorschreier des Tages huldigend, ja ihnen zum Theile muthig den Krieg erklärend, seinen eigenen Weg und ich werde der wenigen mit ihm verlebten Tage immer mit der frohen Erinnerung gedenken, mich einmal mit der Jugend der Zeit in einem ihrer besten Vertreter im Einklange gefühlt zu haben.
Die schwermüthige Stimmung und Ansicht des Lebens, die in Ihren bei Rücksendung der Briefe Dorotheens an mich gerichteten Zeilen herrscht, hat mich nicht bloß gerührt, sondern wahrhaft erschüttert. Auch Sie, der in so vollem Sinne in der Poesie „die heitre Wissenschaft“ gefunden haben, am Schlusse des Lebens von so dunklem Flore umfangen! Ich wage es nicht, diese Saite (besonders hier, wo es doch nur oberflächlich geschehen könnte) weiter zu berühren. Meines tiefsten Antheiles und wohlwollendsten Verständnisses sind Sie ja auch ohne Versicherung gewiß. Ihre Zeilen habe ich jenen theuern Briefen, gleichsam als das Schlußwort derselben, beigefügt; sie sollen miteinander bewahrt bleiben.
Empfangen Sie, mein hochverehrter Freund, meinen innigsten Glückwunsch zu Ihrer Genesung, die ich zu meiner Freude in demselben Zeitungsblatte gemeldet fand, wo mir die erste Nachricht von Ihrem Erkranken bei Gelegenheit der gebrauchten Weintraubenkur wurde. Möchte diese Kur trotz der bösen Störung wenigstens nachträglich die gewünschten Früchte getragen haben. Mit mir geht es in Folge meiner Badekur in Marienbad und einer ebenfalls später gebrauchten Weintraubenkur ganz leidlich; doch bin ich noch immer angewiesen, die besten Erfolge erst von der Zukunft zu hoffen.
Mit der freudigen Hoffnung auf ein durch beiderseitiges besseres Befinden erheitertes Wiedersehen im nächsten Herbste und der Bitte, mich der Frau Gräfin, so wir Raumer, Waagen und allen Freunden angelegentlichst zu empfehlen
Ihr dankbarerund getreuerF. Uechtritz.
Ihr dankbarer
und getreuer
F. Uechtritz.