Geb. zu Leipzig am 29. September 1783, gestorben zu Göttingen am 15. Oktober 1836.Er war Redakteur des Leipziger Kunstblattes, des (ehem. Becker’schen) Taschenbuches für „Geselliges Vergnügen,“ gab verschiedene wissenschaftliche Werke heraus, wie z. B. Grundzüge der philosophischen Rechtslehre (1811). — Ueber die Hauptperioden der schönen Künste (1831) — und führte in Leipzig ein anerkannt kritisches Regiment.Nach Göttingen ward er an die Universität als Professor der Philosophie berufen.
Geb. zu Leipzig am 29. September 1783, gestorben zu Göttingen am 15. Oktober 1836.
Er war Redakteur des Leipziger Kunstblattes, des (ehem. Becker’schen) Taschenbuches für „Geselliges Vergnügen,“ gab verschiedene wissenschaftliche Werke heraus, wie z. B. Grundzüge der philosophischen Rechtslehre (1811). — Ueber die Hauptperioden der schönen Künste (1831) — und führte in Leipzig ein anerkannt kritisches Regiment.
Nach Göttingen ward er an die Universität als Professor der Philosophie berufen.
Leipzig, 30ten Okt. 1821.
Hochzuverehrender Freund.
Um Ihren theuern Brief auch zu meiner eigenen Befriedigung zu beantworten, will ich von meinen Sünden anfangen, deren er mich zeiht. Denn das Geständniß ist drückend, aber führt die Vergebung herbei.
Also das Register getrost angefangen: 1) ich habe mehrere Nachläßigkeiten in Ihrer Erzählung nicht abgeändert, die ich unter uns gesagt — bei Arnimgewißgeändert hätte, theils weil ich manche Nachläßigkeit in Ihrem Erzählen für einegratanegligentiahielt, und ich immerSieselbst als mündlichen Erzähler vor mir hatte, dem man ja solche Nachläßigkeit so gern verzeiht, wo nicht gar als Tugend anrechnet; theils weil ich in der That noch nicht wußte, wiesensibleSie in dieser Beziehung seyn möchten. 2) Es sind viele garstige Druckfehler in Ihrer Erzählung stehen geblieben, was ich leider schon beim Vorlesen gefunden habe. Die Wahrheit: meine Geschäfte waren zur Zeit des Abdrucks so vielfach und drückend, daß ich die Revision meinem Famulus, einem übrigens geschickten und auch poetisch gebildeten Menschen übergeben mußte. Indessen sind die beiden angeführten Druckfehler doch nur die wichtigsten, und den einen „dasflüchtigeWerk des L.“ hätte ich wohl auch stehen lassen, weil man den individuellen Gegenstand im Sinne haben muss, um das Prädikat wahr oder falsch zu finden. 3) Ich habe die Anzeige von Solgers Erwin in der Leipziger Zeitung gemacht; das ist wahr, aber genügt ihnen nicht —mirvielleicht noch weniger; eben weil es fast nurAnzeigeseyn konnte.
Die geistvollen Ansichten des Buchs erfordern in der That noch eine tiefere Würdigung, als ich damals geben konnte.Indessen bin ich doch davon überzeugt undHegel, den ich neulich darüber gesprochen, theilte mit mir diese Meinung, daß diese Form des Gegenstandes nicht mehr dem Standpunkt der Wissenschaftlichkeit unsrer Zeit eignet. Ich, der ich selbst jetzt an der Aesthetik arbeite, weiß aber auch recht gut, daß Solger keine Vorgänger in derwissenschaftlichen Deductiondes Schönen hatte.
Nach dieser Beichte wird die Absolution von Ihnen sehnlich begehrt, ja mit Zuversicht erwartet, und ich kann getrost zu den Andern fortgehen.
I. DieNovellewird mit beiden Händen angenommen — aber nach IhrereigenenBedingung als Ostern ganz fertig; — denn Sie glauben nicht, welche Verlegenheiten und Bedrängniß nicht blos der Componirende, sondern auch Redacteur und Verleger durch Verspätigung auszuhalten haben.II. Wegen des Honorars habe ich besonders mit Herrn Richter gesprochen und ihm Ihren Brief richtig abgegeben.III. Die vertraute Frage von wegen meines Redactions-Honorars wird vertraulich dahin beantwortet, daß mir der Verleger 300 Thlr. exclusive der Portoauslagen und meiner eigenen Beiträge zu zahlen hat.Das Unannehmlichste bei einer solchen Redaction ist aber die dringende Pünktlichkeit im Correspondiren und Briefe beantworten. Sie glauben doch wohl nicht, wie viele Briefe mir jährlich das Büchlein zu schreiben macht, und in wie manche Verlegenheit es mich deshalb zuweilen setzt. Das es auch angenehme Correspondenzen herbeiführt, wie die gegenwärtige, ist freilich auch nicht zu läugnen, allein ich liebe das Mündliche doch mehr. Diese Bedingung werden Sie sich sehr zu vergegenwärtigen haben, bevor Sie ein solches Verhältniß eingehen. Füreinen Mann wie Sie ist das Schaffen genügender und auch einträglicher, als das Redigiren.IV. Müßte ich Ihnenfastvon letzterm abrathen, so rathe ich Ihnen unbedingt von der dramaturgischen Zeitung ab. Aber Sie fordern ja nicht meinen Rath! — Allerdings, und es würde mir nichts Belehrender, nichts Lesenswerther seyn, als eine solche Zeitung von Ihnen. Aber ich nenne mich nun einmal Ihren Freund, ich will esseyn, und darum beschwöre ich Sie, um Ihrer eigenenRuhewillen, den Gedanken fahren zu lassen. Ich habe bei der Herausgabe meines mit dem ersten Jahrgang geschlossenen Kunstblatts, zu welchem ich wegen Mangel an anfänglicher Unterstützung die große Hälfte selbst schreiben und zubestimmterZeit in die Druckerei liefern mußte, eine Erfahrung in dieser Art gemacht, die mich verpflichtet, Ihnen das Drückende der Sache ganz ins Bewusstseyn zu bringen. Sie haben jetzt in Ruhe gelebt und gedichtet, Sie sind der Unruhe nicht gewohnt, welche die Kritik derDichterundSchauspielerin diesen papiernem Zeitalter hervorbringt, und vergeuden gewiß nicht gern an die Misère Ihre schöne Zeit, welche zu eigenem Schaffen förderlich seyn konnte. Ihre Dichtungen, Ihrevaterländischen Schauspiele, Ihr Werk über Hamlet fordert das Vaterland dringend von Ihnen; die dramaturgische Kritik hat mit dem Interesse an dem Theater abgenommen, das keine Kritik zu veranlassen fähig ist. Was ich aber hätte vorausstellen sollen, ist, daß ich nicht glaube, einen Verleger unter diesen Bedingungen zu finden. Auch Zimmermanns dramaturgische Blätter werden gewiß nicht lange fortgehen, weil, wie die Verleger sagen — „jedes Unterhaltungsblatt Theaterkritik gibt.“ Doch will ich mich noch umsehen.Für jetzt vergeben Sie wenigstens meiner zutraulichen Offenheit, wenn Sie die Ansicht nicht theilen können.V. Kommen die Leipziger Lerchen beifolgend an, so gut meine Frau sie hat bekommen können; denn die Lerchenzeit ist bei uns fast schonvorbei. Sehen Sie dieselben als ein kleines Geschenk aus meiner Küche an, und laßen Sie sich dieselben wohl schmecken — versteht sich, wenn sie wohlbehalten nach Dresden kommen. Sagen Sie den Ihrigen, und vorzüglich der Frau Gräfin, der ich mich bestens zu empfehlen bitte, daß ich mich selbst gern an dem traulichen Tischchen sähe, an welchen ich mit ihnen geseßen.VI. Hrn.Spohrwerden Sie nun wohl gesprochen haben, den ich Ihnen mit einigen Zeilen zusendete. Dies bringt mich auf die Musik, und die Oper, über die Sie, wie mir kürzlich Jemand versichern wollte, nicht sehr schmeichelhaft denken sollen. Nächstens wird ein Band des bei Brockhaus herauskommenden Hermes erscheinen, dort finden Sie eine Recension von mir über 2 Werke von Castil-Blaze. Ueberschlagen Sie die zwei ersten Abschnitte derselben, die sich blos auf dasBuchbeziehen, und lesen Sie dendritten, mit der Absicht, mir Ihre Ansicht über den Gegenstand an der meinigen zu entwickeln, denn gern hätte ich längst mit Ihnen darüber ausführlich gesprochen.
I. DieNovellewird mit beiden Händen angenommen — aber nach IhrereigenenBedingung als Ostern ganz fertig; — denn Sie glauben nicht, welche Verlegenheiten und Bedrängniß nicht blos der Componirende, sondern auch Redacteur und Verleger durch Verspätigung auszuhalten haben.
II. Wegen des Honorars habe ich besonders mit Herrn Richter gesprochen und ihm Ihren Brief richtig abgegeben.
III. Die vertraute Frage von wegen meines Redactions-Honorars wird vertraulich dahin beantwortet, daß mir der Verleger 300 Thlr. exclusive der Portoauslagen und meiner eigenen Beiträge zu zahlen hat.
Das Unannehmlichste bei einer solchen Redaction ist aber die dringende Pünktlichkeit im Correspondiren und Briefe beantworten. Sie glauben doch wohl nicht, wie viele Briefe mir jährlich das Büchlein zu schreiben macht, und in wie manche Verlegenheit es mich deshalb zuweilen setzt. Das es auch angenehme Correspondenzen herbeiführt, wie die gegenwärtige, ist freilich auch nicht zu läugnen, allein ich liebe das Mündliche doch mehr. Diese Bedingung werden Sie sich sehr zu vergegenwärtigen haben, bevor Sie ein solches Verhältniß eingehen. Füreinen Mann wie Sie ist das Schaffen genügender und auch einträglicher, als das Redigiren.
IV. Müßte ich Ihnenfastvon letzterm abrathen, so rathe ich Ihnen unbedingt von der dramaturgischen Zeitung ab. Aber Sie fordern ja nicht meinen Rath! — Allerdings, und es würde mir nichts Belehrender, nichts Lesenswerther seyn, als eine solche Zeitung von Ihnen. Aber ich nenne mich nun einmal Ihren Freund, ich will esseyn, und darum beschwöre ich Sie, um Ihrer eigenenRuhewillen, den Gedanken fahren zu lassen. Ich habe bei der Herausgabe meines mit dem ersten Jahrgang geschlossenen Kunstblatts, zu welchem ich wegen Mangel an anfänglicher Unterstützung die große Hälfte selbst schreiben und zubestimmterZeit in die Druckerei liefern mußte, eine Erfahrung in dieser Art gemacht, die mich verpflichtet, Ihnen das Drückende der Sache ganz ins Bewusstseyn zu bringen. Sie haben jetzt in Ruhe gelebt und gedichtet, Sie sind der Unruhe nicht gewohnt, welche die Kritik derDichterundSchauspielerin diesen papiernem Zeitalter hervorbringt, und vergeuden gewiß nicht gern an die Misère Ihre schöne Zeit, welche zu eigenem Schaffen förderlich seyn konnte. Ihre Dichtungen, Ihrevaterländischen Schauspiele, Ihr Werk über Hamlet fordert das Vaterland dringend von Ihnen; die dramaturgische Kritik hat mit dem Interesse an dem Theater abgenommen, das keine Kritik zu veranlassen fähig ist. Was ich aber hätte vorausstellen sollen, ist, daß ich nicht glaube, einen Verleger unter diesen Bedingungen zu finden. Auch Zimmermanns dramaturgische Blätter werden gewiß nicht lange fortgehen, weil, wie die Verleger sagen — „jedes Unterhaltungsblatt Theaterkritik gibt.“ Doch will ich mich noch umsehen.Für jetzt vergeben Sie wenigstens meiner zutraulichen Offenheit, wenn Sie die Ansicht nicht theilen können.
V. Kommen die Leipziger Lerchen beifolgend an, so gut meine Frau sie hat bekommen können; denn die Lerchenzeit ist bei uns fast schonvorbei. Sehen Sie dieselben als ein kleines Geschenk aus meiner Küche an, und laßen Sie sich dieselben wohl schmecken — versteht sich, wenn sie wohlbehalten nach Dresden kommen. Sagen Sie den Ihrigen, und vorzüglich der Frau Gräfin, der ich mich bestens zu empfehlen bitte, daß ich mich selbst gern an dem traulichen Tischchen sähe, an welchen ich mit ihnen geseßen.
VI. Hrn.Spohrwerden Sie nun wohl gesprochen haben, den ich Ihnen mit einigen Zeilen zusendete. Dies bringt mich auf die Musik, und die Oper, über die Sie, wie mir kürzlich Jemand versichern wollte, nicht sehr schmeichelhaft denken sollen. Nächstens wird ein Band des bei Brockhaus herauskommenden Hermes erscheinen, dort finden Sie eine Recension von mir über 2 Werke von Castil-Blaze. Ueberschlagen Sie die zwei ersten Abschnitte derselben, die sich blos auf dasBuchbeziehen, und lesen Sie dendritten, mit der Absicht, mir Ihre Ansicht über den Gegenstand an der meinigen zu entwickeln, denn gern hätte ich längst mit Ihnen darüber ausführlich gesprochen.
Doch es ist Zeit zu schließen. Darum die Versicherung aufrichtiger Hochachtung und freundlicher Erinnerung von
IhremergebenenA. Wendt.
Ihrem
ergebenen
A. Wendt.
Leipzig, 29ten Juni 1822.
Ach wie gütig sind Sie, mein verehrter Freund! Zwei Briefe in einer Woche von Ihrer Hand, das ist unerhört! aber auch den herzlichsten Dank dafür. Hiermit sende ich Ihnen das Erste von dem Druck, und werde damit immer fortfahren. Wolfsberg musste Wolfsberg bleiben, da sein Name schon im ersten Bogen vorgekommen war, und ich Ihre Entscheidung später erhielt. Ich corrigire sorgfältig, und sollten Sie doch — kein Auge ist untrüglich — einen Fehler von Bedeutung finden, so schreiben Sie mir, und es kann allenfalls am Schlusse des Büchleins angezeigt werden. Dem Setzer habe ich den Auftrag gegeben, das Mscpt. zurückzubehalten, Sie können es dann wohl Ihrem Wunsche gemäß erhalten. Von Eulenböck aber waren nur einige Fetzen übrig. Ueber Esslair’s Tell werden Sie einen Aufsatz nächstens in der eleganten Zeitung finden, auch habe ich an das Morgenblatt Einiges über ihn gesendet. — Nun hab’ ich auch die Stich gesehen — eminentes mimisches Talent, aber unerträgliche Manier, geschraubter affectirter Ton, fatales Singen, und Coquetterie hinter Allem. Juliesehrausgezeichnet — versteht sich, wenn man den Maaßstab desGewöhnlichenanlegt. — Aber die Jungfrau hat fast misfallen wegen jenes affectirten Vortrags.
Dr. Löbel hat mich besucht und mich durch Nachricht von Ihrem Wohlseyn erfreut; es scheint Ihnen unbekannt gewesen zu seyn, daß er an Rüders Stelle zu Brockhaus gegangen ist. Ich werde mit Vergnügen seine nähere Bekanntschaft zu machen suchen.
Zu meinem großen Misvergnügen habe ich durch nähere Erkundigung bei Barth erfahren, daß das orthographische Mscpt. noch nicht an den Verfasser zurückgegangen ist. Letztererbittet auch, auf ihn alle Schuld überzutragen, er habe dem Verf. ohnedies auf einen andern Antrag zu antworten, und wolle esbald, recht bald thun.
Von Hrn. Bernhardi habe ich seitdem nichts weiter gesehen und gehört. Ich will ihn auszuforschen suchen.
Heute sehe ich den Grafen Kalkreuth, mit welchem ich gestern Abend zusammen war, undDr.Kralup hat mich auch schon besucht. Sie sehen also, wie oft und angenehm ich an Dresden erinnert werde. Doch erweckte es mir ein Lächeln, daß Sie in Ihrem letzten Briefe schrieben, ich hätte doch wieder hinüber nach Dresden kommen sollen, weil ich daraus sehe, daß Sie mich für einen leichten Vogel halten, der höchstens eines Eilwagens zu seinem Fluge bedarf. So leicht wird es mir nicht, den Ausflug nach Dresden zu machen — und doch mache ich ihn weit öfter als andere.
Nun — ein andermal! Und nächstens mehr von
IhremtreuverbundenenA. Wendt.
Ihrem
treuverbundenen
A. Wendt.
Leipzig, 27ten Juli 1822.
Geliebter und verehrter Freund.
Hiermit erhalten Sie den Rest des Abdrucks Ihrer Erzählung. Ich wurde durch einige unangenehme ArbeitenjedenPosttag gehindert, Ihnen denselben zuzusenden. Und nun lesen Sie Allen, die es verdienen, zur erbauenden Unterhaltung das geistreiche Werk, das ich nun recht durch und durch kenne, und immer mehr als ein Ganzes zu erkennen genöthigt worden bin, mit der humoristischen Salbung vor, die Ihnenso schön von der Lippe strömt, und trösten Sie die gute Gräfin nun reichlich dafür, daß ich ihr das Manuscript noch rauchend entführte, worüber Sie mir (im Vertrauen nicht ganz mit Unrecht) böse war. — In diesen Tagen machte mich Jemand zu meinem großen Leidwesen darauf aufmerksam, daß Ihre Untersuchungen über Shakspeare, welche alle Kenner Ihres Geistes so lange vermissen, vielleicht durch Aufschieben des Abschlusses oder Ihrer öffentlichen Mittheilung an Neuheit und Interesse verlieren können, wenn nehmlich Ihre Ansichten durch Dritte, die sich damit viel wissen, und denen Sie sich vielleicht in geistiger Mittheilung hingeben, ins Publikum kommen.
Die Veranlassung zu dieser Bemerkung ist, daß Brockhaus ein Werk über alle Schauspiele Shakspearesni fallorvon Franz Horn angekündigt hat, welches in 3 Bänden nächstens erscheinen soll.Vorauswahrscheinlich steht eine Probe, welche über Makbeth handelt, im litterarischen Conversationsblatt 159 No.
Jener Jemand nun behauptete gegen mich, was dort über den Einfluß der Lady Makbeth gesagt sey, sey, soviel er wisse, Ihre Ansicht. — Ob sie auch von Ihnen sey, das wäre nun die Frage, die ich nicht entscheiden will, aber Ihnen vorwerfe, um die Reflexion in sich zu erwecken, welche die Frucht zur Reife bringen können.
Man sagt mir, daß heute die Klebepflanze A. Wagner genanntcum diligentia(das was vorauszusehen, daß er es nicht bis zur Kühnheit des Eilwagens werde bringen können) angelangt sey. Der soll mirvielvon Ihnen erzählen!
IhrA. Wendt.
Ihr
A. Wendt.
Leipzig, 29. Dec. 1822.
Theurer Freund!
Ein scharfes Rescript des Kirchenraths an unsere Universität, keine Weihnachts- oder Neujahrsferien zu machen, und die noch schärfere Kälte benimmt mir von neuem die Hoffnung, Sie in diesen Tagen zu besuchen, und an mein Herz zu drücken. Nun wird es wohl vor Ostern nicht möglich seyn, Sie zu sehen, wenn Sie nicht etwa den Entschluß fassen und sich in den Wagen setzen, wozu Sie von Ihren hiesigen Freunden herzlich eingeladen sind. Zu Ostern hoffe ich auch die mir versprochene Novelle wieder in Empfang zu nehmen.
Aber was sagen Sie zu Müllners Maliçe? In den Probeblättern der Hekate,ni fallor Nr. 2, las ich in schlechten Versen über unser Taschenbuch, daß die Reisenden aus demMerkurin dem Taschenbuch angekommen wären, und wußte nicht, was das heißen sollte. Jetzt lese ich eine noch schlechtere Anzeige des Taschenbuchs in Müllners Literaturblatt, daß diejenigen, welche es interessiren könnte, nun die Novelle:die Reisenden, die sie früher im litterarischen Merkur hätten zerstückelt lesen müssen, hier beisammen fänden. Hätten Sie nicht Lust, dieses Beispiel gründlicher Kritik, die nicht einmal liest, was sie beurtheilen will, und sich ohne Noth eine so herabsehende Miene giebt, durch den litterarischen Merkur zu rügen? „Die Gemälde“ hat er bei seiner vorjährigen Anzeigen nicht einmalgenannt.
Haben Sie denn zu einem Taschenbuch: die Rheinblüthen genannt, eine Erzählung gegeben? ich habe es gehört. Hier aber ist dieses Taschenbuch, so wie das Berliner, welches ich mir besonders habe kommen lassen, um Ihre schöne Novelle zu lesen, nicht gangbar. Sonach sind Sie in diesem Jahre an Novellen sehr fruchtbar gewesen.
Aber was machtShakespear, wasSolgersSchriften, die Sie herausgeben? Brockhaus, der Verleger, ist heute zuerstenMale wieder eine Treppe herab in sein Comtoir gestiegen; er war tödlich krank. Wolf, in Berlin, der Schauspieler nehmlich, hat mir in diesen Tagen seine dramatischen Spiele zugeschickt, und ist ebenfalls wieder hergestellt. Seine Frau soll die Elisabeth in Kenilworth (eine neue Rolle für sie) trefflich darstellen.
Wagner läßt Sie grüßen, er hat nun auch den deutschen Theil des Fahrenkrügerschen Wörterbuches beendet. — Sonst gibt es in der Litteratur wenig Neues. Immermans dramatische Poesieen werden sehr gelobt; ich habe sie noch nicht gelesen. Ich bin sehr mit meiner Aesthetik und mit historisch-philosophischen Untersuchungen beschäftigt und lese dabei so viel — nehmlich Collegia — daß ich jetzt wenig zu anderm Lesen komme, und es daher gern hätte, wenn mich ein lieber theurer Freund zuweilen auf etwas aufmerksam machte, was ich nicht übersehen sollte. Doch so gut will es mir nicht werden; und hierbei fühle ich es wieder recht schmerzlich, daß wir 12 Meilen von einander getrennt sind, und trotz aller Eilposten immer noch Hindernisse genug vorhanden sind, diese Trennung aufzuheben. Mögen Sie dem Wiedersehn so sehnlich entgegensehen als ich, und mich unterdessen den Ihrigenbestensempfehlen.
Das Gedicht von Kleist für die Prof. Krug muß ich mir nun durch Briefpost leider ausbitten. Hoffentlich hatRichternun ihre Wünsche erfüllt! Ich umarme Sie im Geist, und nenne mich stets
IhrentreuergebenenA. Wendt.
Ihren
treuergebenen
A. Wendt.
Ein heiteres Neujahr!!
Sonntags, den 8. Juni 23.
Mein verehrter Freund!
Sie haben mich durch Ihren Brief sehr getröstet und erquickt. Möge das heilende Bad von Töplitz Sie körperlich eben so erquicken. Sie werden nun durch solchen großen Zeitverlust in Arbeiten wieder sehr zurückgesetzt werden und unter mancherlei Unterbrechungen die Stunden einer regelmäßigen Badekur kaum abbrechen können, um die Pressen zu befriedigen, welche alle nach Ihrem Manuscripte schreien. Dieß bestimmt mich, aus wahrer Freundschaft und Besorglichkeit für Ihre neugewonnenen Kräfte, Sie für diesmal Ihres Versprechens zu entlassen, mit der Bitte, wenn es Ihnen möglich ist, wenigstens HerrnBrockhausdas gegebene Versprechen zu erfüllen. Ich habe letzterem als Freund versprechen müssen, ein Wort für ihn in dieser Hinsicht zu sprechen. Doch bleibt letzteres natürlich unter uns.
Gegenwärtige Zeilen bringt Ihnen der junge Schauspieler, den ich dem Herrn Geheimrath Könneritz empfohlen hatte, Herr Jerrmann. Er wird sich sehr freuen, Sie kennen zu lernen. Sie werden ihn gütig belehren und er wird dankbar Ihre Winke aufnehmen und sich sehr freuen, wenn er Sie etwas vorlesen hören kann. Von Eßlair wird er Ihnen manches zu sagen wissen; er ist wohl gewissermaßen sein Schüler gewesen. Was Sie über Wallenstein gesagt, über Otto von Wittelsbach, finde ich treffend. In Hinsicht des Dallner kann ich darum nicht ganz mit Ihnen übereinstimmen, weil ich den Charakter des Dallner für consequenter und wahrer gezeichnet halte, als Sie glauben, weshalb ich auch Ifflands Darstellung für gelungener halte. Die strenge Redlichkeit im Dienste erlaubt eine Härte gegen Angehörige, welche unbilligwird. Sieht der Handelnde, daß er zu weit gegangen, so bricht das alte verdrängte Gefühl wieder hervor. Die Geschäftsmaschine stockt beim Dalner, der Mensch macht seine Rechte wieder geltend, daher die rührende Weichheit des Gekränkten. In Leipzig gab ihn Eßlair von vornherein fast gebrechlich, da kam es freilich nicht zu Contrasten, bei welcher Lösung er sich als Künstler zeigen konnte. So inLeipzig. Vielleicht hat er sich in Dresden wieder mehr zusammengenommen, da seine Reise im vorigen Jahre durch einen großen Theil von Deutschland so wenige Spuren von lebhaftem Interesse an ihn und Anerkennung der Kritik zurück ließ. Gern wünschte ich Ihnen mitzutheilen, was ich über Eßlair geschrieben; aber ich besitze es wahrlich selbst nicht. Vielleicht findenSiees in einem Dresdener Journalinstitut oder in der Königl. Bibliothek, welche auch Unterhaltungsblätter sammelt, nehmlich im Morgenblatt von 1822, Nr. 172 und 173 und 177 bis 178; über Dallner insbesondere Elegante Zeitung 127 bis 136, 1822.
Gestern las ich eine Recension des Romans von Dinoncourt, der ebenfallsden CevennenkriegzurGrundlagehat.Le Camisardpar M. Dinoncourt auteur du serf du XV. siecle 123, T. I-IV Paris chez Lepetit.Die Recension des Romans steht in der hallischen Allgem. Litteratur-Zeitung 127 d. J. Dies zur Notiz.
Daß ich die Sache mit Herrn Richter abgeschlossen, werden Sie durch Zusendung des Geldes hoffentlich erfahren haben; und so werden Sie mich stets finden als Ihren
innig ergebenen und bereitwilligstenF. A. Wendt.
innig ergebenen und bereitwilligsten
F. A. Wendt.
(Ohne Datum.)
Verehrter Herr und Freund!
Im Drange der Geschäfte benutze ich doch die Gelegenheit, die sich mir durch den aus Göttingen kommenden Herrn Sillig darbietet, um Ihnen durch diese wenigen Zeilen zu zeigen, wie gern ich Ihrer gedenke.
Ich sende Ihnen einen Aufsatz mit, den ich über Ihre kürzlich erschienene Novelle geschrieben. Ich lege demselben aber nicht den allergeringsten Werth bei und muß, um Ihre Nachsicht für denselben auszuwirken, noch insbesondere hinzufügen, daß derselbe ursprünglich von mir für diemusikalische Zeitungbestimmt war. Diese wirdmeistvon Musikern gelesen, in deren Hände sonst wenig Litteratur kommt. Da ich nun von diesen Ihre Novelle ganzbesondersgekannt wünschte, so entschloß ich mich denselben das Wesentlichste davon mitzutheilen. Um aber nichtbloßerReferent zu seyn, erlaubte ich mir manchmal die Einrede. Nehmen Sie dieß mit freundlicher Nachsicht auf!
Ueber Krause’s Lage höre ich nicht viel Erfreuliches. Herr Sillig kann Ihnen mehr sagen.Mirhat er noch gar nicht geschrieben; er macht es darin, wie andere Leute, von denen man gern selbst nur ein Zeichen sieht und sich oft darnach sehnen muß.
Raupach war auf einige Tage hier; ich traf ihn beim Hofrath Küstner und fand ihn eben nicht anziehend. Anziehender soll seine Reise nach Italien seyn, die er eben edirt hat. Das hiesige Parterre brachte ihm bei der Vorstellung der großen Fürsten Chawansky ein nothgedrungenes Vivat, zu welchem die Schauspieler, welche herausgerufen wurden, gewissermaßen aufforderten. Jetzt ist die gespenstische Tarnowhier. Lauter fremde Geister! Nur mit Ihrem Besuche will es nicht mehr werden.
Hoffentlich liegt kein Hinderniß in Ihren Gesundheitsumständen. Aber was machen Sie? Dieß wünscht sehnlich zu wissen
IhrtreuergebenerA. Wendt.
Ihr
treuergebener
A. Wendt.
(Ohne Datum.)
Mein sehr theurer Freund!
Lange haben wir nichts von Ihnen gehört, und doch wünschen wir immer etwas von Ihnen zu hören, nehmlich etwas über Ihr künftiges Verhältniß zur Leipziger Bühne. Sobald wir nehmlich (d. h. vor allem ich und mein Schwager Wagner) erfuhren, daß die Dresdner königl. Intendanz der Schauspiele das Theater in Leipzig auf 3 Jahre übernommen habe, sobald war unser erster Gedanke — das gibt eine Aussicht, unsernTiecköfter in Leipzig zu haben. Wir könnten und können uns nehmlich schwerlich denken, daß die königl. Intendanz einen Schauspieler, der zwar vielseitiges Talent und Routine in mehreren Rollenfächern zeigt, aber einer praktischen Totalanschauung, wie sie ein guter Regisseur noch mehr aber der artistische Leiter einer Bühne besitzen muß, völlig ermangelt, ich meine den Herrn Genast, dessen Frau noch dazu ein sehr mittelmäßiges Talent ist, das mit jedem Jahre den Theaterfreunden lästiger werden wird, wie man, sage ich, diesem einen Menschen die ganze Unternehmung in ästhetischer Hinsicht anvertrauen möchte. Und da wir eine obere Leitung für unentbehrlich hielten, so meinten wir, keinem andernwerde sie übertragen werden, als Ihnen, und wir glaubens noch, obgleich wir nichts davon hören, mitZuversicht, weil wir das Gute und Beste hoffen, und weil wir zugleich so egoistisch sind, es zu unserer Freude zuwünschen.
Da ich nun glaube, daß Sie bei der Einrichtung des neuen Theaters mitwirkend seyn werden, so thue ich noch eine andere Frage. Man wird einen Musikdirector für die Oper brauchen. Musikdirector Marschner, den Sie ja kennen und der auf das Engagement seiner Frau wohl nicht besteht, würde entschieden zu dieser Stelle tauglich und ich glaube auch geneigt seyn. Im Publikum und im Orchester hat er sich durch seine neuesten Compositionen und besonders durch den Vampyr viel Respect erworben und es würde der neuen Unternehmung sicher ein gutes Ansehn geben, wenn kein bloßer Routinier, wie es unser bisheriger Herr Präge war, sondern ein solcher Mann, an die Spitze des Orchesters gestellt würde. Ich rede allerdings hiermit nur von der Tüchtigkeit des Mannes, nicht von dem Charakter, den ich so genau nicht kenne; und ich erlaube mir diese Mittheilung auch nur aus wahrer Liebe zur Sache, ich wünschte aber wohl zu wissen, was Sie davon dächten und ob Sie Marschner empfehlen könnten.
Was nun meine eigne Angelegenheit anlangt, so sey dieß die erste Erinnerung an das mir gegebne, theure Versprechen eines poetischen Beitrags zu dem beabsichtigten Taschenbuche. Sie befinden sich wohl; innen und außen haben Sie schönes Wetter und die beste Stimmung, einen poetischen Schmetterling einzufangen. Ich würde weiter fortfahren im Gleichnisse, wenn ich nicht einen gewissen ironischen Blick von Ihnen im Geiste sähe. Darum nur die Bitte, mich auchdiesmalnicht im Stiche zu lassen. Sie sind vom Geiste ausersehen, viel für mein Taschenbuch thun zu können, erstens durch eignen Willen, zweitens auch durch ein freundliches Zureden. Quandt schreibt nehmlich, daß Friedrich von Schlegel nachDresden gekommen sey. Ich habe Ursache zu glauben, daß meine Einladung an ihn durch die lahmere Buchhändlergelegenheit entweder noch nicht in Wien an ihn gelangt sey, oder daß er aus irgend welchem Grunde die Antwort verschoben hat. Da findet sich nun gute Gelegenheit, der Sache gewiß zu werden; kurz ich sende eine zweite Aufforderung durch Ihre gütige Hand an ihn. Die Freundlichkeit, mit welcher Sie Fürsprecher unserer Unternehmung seyn werden, wird mich wieder zu Ihrem dankbaren Schuldner machen. Die Gesellschaft aber soll Sie beide, hoffe ich, nicht gereuen. —
Das Beste, was ich seit langer Zeit über Ihre Poesie gelesen habe, steht im Litteraturblatt im Morgenblatte Nr. 86, 1828, und ist, wenn ich nicht irre von W. Menzel, der mir auch für das Taschenbuch ein humoristisches kleines Drama senden wird. Es ist mir besonders aus der Seele geschrieben, was er von der Grazie sagt, welche Ihre Ironie begleitet. Ich werde nächstens auch Gelegenheit nehmen, mich über Ihre neusten Novellen auszusprechen.
Der Contrast trägt jetzt dazu mächtig bei, uns stets an Ihre Seite oder Ihrem Lesetische gegenüber zu denken. Es ist nehmlich eben ein junger Mann hier, Namens Kiesewetter, Sohn des berühmten Concertmeisters in Hannover, welcheragirendaus Clavigo, Romeo, Hamlet u. s. w. — vorliest. Er verändert die Stimme, die nicht ganz fehlerfrei ist, dreht die Augen nach oben, oder sieht die Damen schmachtend an; indessen hat er es trotz aller Bemühungen, die er sich in eigner Person gegeben, doch nicht so weit bringen können, die Kosten seines Aufenthalts zu decken. Ich zweifle übrigens nicht, daß er die Keckheit besitzt, nach Dresden zu gehen, und Sie selbst, den er aneinigen Ortenseinen Meister nennt, zu seinen Vorlesungen einzuladen.
Doch weg von solcher Carrikatur. Der rasche, durch einen Nervenschlag oder Schlagfluß herbeigeführte Tod unsererlieben, zarten und sinnigen Clodius hat uns sehr erschüttert und betrübt. Sie haben eine aufrichtige Verehrerin verloren; —zweimalhabe ich derselben Ihre kleine Novelle das Fest zu Kenelworth vorgelesen, und ich hatte sie eben zu einer Vorlesung Ihres 15. November eingeladen, als ich nach wenigen Stunden die bestürzende Nachricht Ihres Scheidens erfahren musste.
Lieber! Empfehlen Sie mich den werthen Ihrigen und vergessen Sie nicht
Ihrenergebensten FreundA. Wendt,(der nächstens einige Zeilen von Ihrer Hand inBetreff der obigen Angelegenheit erwartet.)
Ihren
ergebensten Freund
A. Wendt,
(der nächstens einige Zeilen von Ihrer Hand inBetreff der obigen Angelegenheit erwartet.)