Witte, Karl.

Geb. am 1. Juli 1800 zu Lochau bei Halle. Kam 1822 als Extraordinarius zur juristischen Fakultät nach Breslau, wo er sehr bald eine Heimath fand und in verschiedensten Kreisen gelehrter, litterarisch-wirksamer, strebender, heiterer Genossen einen belebend-anregenden Mittelpunkt bildete. Poesie, Philologie, ästhetische Studien, trieb er neben seiner Berufswissenschaft, der Jurisprudenz. Er übersetzte Michel Angelo’s Sonette, dichtete selbsteigene, vertiefte sich in Dante’s Unergründlichkeit, schrieb treffende und eingehende Aufsätze über Kunstausstellungen und behielt immer noch Zeit übrig für geselligen Verkehr, den er mit Frohsinn, stets guter Laune und herzlicher Freundlichkeit zu schmücken wußte. Früh vermählt, wurde er sehr bald wieder Wittwer. Durch zweite Ehe zu vielen schlesischen Familien in verwandtschaftliche Beziehung getreten, rief ihn doch die Beförderung im Amte aus Schlesiens Hauptstadt gen Halle, wo er als K. Geheimerath seit geraumer Zeit lebt, lehrt, arbeitet — und immer noch seiner geliebten romanischen Poesie anhängt. Die rechtswissenschaftlichen Werke die er edirte, haben der Uebertragung von Dante’s lyrischen Gedichten, 2 Bde. (1842–43) — nicht im Wege gestanden.

Geb. am 1. Juli 1800 zu Lochau bei Halle. Kam 1822 als Extraordinarius zur juristischen Fakultät nach Breslau, wo er sehr bald eine Heimath fand und in verschiedensten Kreisen gelehrter, litterarisch-wirksamer, strebender, heiterer Genossen einen belebend-anregenden Mittelpunkt bildete. Poesie, Philologie, ästhetische Studien, trieb er neben seiner Berufswissenschaft, der Jurisprudenz. Er übersetzte Michel Angelo’s Sonette, dichtete selbsteigene, vertiefte sich in Dante’s Unergründlichkeit, schrieb treffende und eingehende Aufsätze über Kunstausstellungen und behielt immer noch Zeit übrig für geselligen Verkehr, den er mit Frohsinn, stets guter Laune und herzlicher Freundlichkeit zu schmücken wußte. Früh vermählt, wurde er sehr bald wieder Wittwer. Durch zweite Ehe zu vielen schlesischen Familien in verwandtschaftliche Beziehung getreten, rief ihn doch die Beförderung im Amte aus Schlesiens Hauptstadt gen Halle, wo er als K. Geheimerath seit geraumer Zeit lebt, lehrt, arbeitet — und immer noch seiner geliebten romanischen Poesie anhängt. Die rechtswissenschaftlichen Werke die er edirte, haben der Uebertragung von Dante’s lyrischen Gedichten, 2 Bde. (1842–43) — nicht im Wege gestanden.

Halle, 25. Mai 1840.

Verehrter Herr Hofrath!

Es geschieht mir so sehr selten, daß von mir Gedrucktes irgend sich eignete, Ihnen angeboten zu werden, daß ich die beifolgenden Bogen, die ein uns gemeinsam theures Land betreffen, schnell, wie sie als Aushängebogen ohne Inhaltsangabe u. s. w. mir gestern zugekommen sind, zusammenpacke, um einen Vorwand zu gewinnen, mich Ihnen wieder in’s Gedächtniß zu rufen. Daß ich wünschte, Sie könnten Sich entschließen, ein wenig von dieser Speise zu kosten, das kann ich freilich nicht läugnen; verzeihn Sie mir aber, wenn ich, um ihr einen etwas neapolitanischen Geschmack zu geben, ein Paar Flaschen Calabreser Wein (Diamante), den ich kürzlich aus Italien zum Geschenk erhielt, mit beipacke.

Noch habe ich ein Geständniß Ihnen abzulegen: Vor wenig Tagen habe ich einen, nun fast 11 Wochen alten, Knaben taufen, und ihm in der Taufe den Namen Ludwig beilegen lassen. Wollen Sie es, theurer Herr Hofrath, genehm halten, daß der Knabe, hoffentlich nach manchem Jahrzehend, sich stolz erinnere, daß er diesen Namen von dem Manne trägt, den noch manches kommende Geschlecht eben so innig verehren wird, wie ich es thue. Daß diese Bitte nicht minder die meiner Frau als die meinige ist, darf ich wol nicht erst aussprechen, da Sie ihre Gesinnung kennen.

Zum 31. Mai wäre ich dies Jahr, wo die Communication erleichtert ist, und der Tag auf einen Sonntag trifft,sehrgern nach Dresden gekommen, Ihnen mündlich meine Verehrung und meine Wünsche zu sagen, die beide gleich innig sind. Ich fühle indeß, wie Viele an diesem Tage Sie umgeben werden, die Ihnen näher stehn und denen mich beizuzählen mir nicht ziemt. —

Meine Frau und ich, wir haben uns Ihres gütigen Andenkens, von dem Professor Erdmann uns berichtet, sehr gefreut. Die Erstere geht mit zweien der Kinder in den nächsten Tagen nach Kösen in das Bad. Hoffentlich führt noch der Sommer uns, oder doch Einen von uns nach Dresden.

Der gnädigen Gräfinn und Ihren Fräulein Töchtern empfehlen wir Beide uns angelegentlich, ich aber bin mit der innigsten, Ihnen wohlbekannten Verehrung

IhrergebnerKarl Witte.

Ihr

ergebner

Karl Witte.

Halle, 26. Dec. 1846.

Innigst verehrter Herr Geheimer Rath!

Zu einer Zeit, als ich kaum umgekehrt war von der Schwelle des Todes erquickten mich unbeschreiblich die theilnehmenden Grüße und Anfragen, welche Frau Professorin Solger von Ihnen meiner Frau überbrachte. Haben Sie dafür tausend herzlichen, wenn auch verspäteten, Dank. Allmälig ist denn die Krankheit nun ja mehr und mehr gewichen. Einige im Westen und Süden verbrachte Monate haben neue Kräfte gegeben, und als Zeichen, daß der Genesene nach seinen Vorlesungen und überhäuften Acten-Arbeiten auch noch zu andern Dingen rüstig ist, sende ich Ihnen beifolgendes, freilich ziemlich interesseloses Sendschreiben. Vielleicht indeß erinnern die Notizen über alte Ausgaben der göttlichen Komödie Sie an eine Episode einer Ihrer herrlichen Novellen.

Auf das Aeußerste erschreckte mich, als ich von Mailand zurückkehrte, die Nachricht von Ihrer bedenklichen Erkrankung. Zwar lauteten seitdem die Nachrichten Gottlob fortwährendgünstiger, doch werde ich erst dann vollkommen beruhigt seyn, wenn ich sie durch die zum Feste nach Berlin gegangenen Freunde zu weiterem Guten bestätigt höre. Wie gerne wäre ich während dieser kurzen Ferienzeit selber nach Berlin geeilt, um mich persönlich von Ihrem Befinden zu überzeugen, wäre diese kalte Winterluft meiner noch immer leidenden Brust nicht allzu gefährlich und hätte nicht der ungewöhnliche Schnee mein sonst so beliebtes Communicationsmittel, die Eisenbahn, fast außer Thätigkeit gesetzt.

Meine Frau, die mich beauftragt, ihre wärmste Verehrung und Anhänglichkeit Ihnen auszudrücken, wie wir beide der Frau Gräfin uns angelegentlich empfehlen, ist schon seit ein Paar Jahren fast immer etwas leidend und der Gebrauch von Ems hat ihr dieses Jahr eher übel als gut gethan.

Möchten im neuen Jahre meine herzlichen Wünsche für Ihr Ergehn recht vollständig erfüllt werden, und möchten Sie Ihr theures Wohlwollen auch ferner Dem erhalten, der mit innigster Verehrung sich nennt

IhrenIhnen ganz ergebnenKarl Witte.

Ihren

Ihnen ganz ergebnen

Karl Witte.


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