Hundertdreiundzwanzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 11. März 1849.
Nach kläglichem Sinken sind (wie ich schon gestern schrieb) unsere Aktien in den letzten drei Tagen über alle Erwartung gestiegen, und die Aussichten bleiben noch immer günstig. So traf ich gestern beim Präsidenten Simson einen, neu angekommenen österreichischen Abgeordneten, welcher die Sendung von Heckscher, Hermann und Schuselka nach Olmütz ganz thöricht fand, und über die Verbindung vieler seiner Landsleute mit der Linken empört war. Dieser grundlose und grundsatzlose Bund löset sich täglich mehr auf, und jede Partei sieht abgekühlt ein, daß die andere sie nur als Mittel für ihre Zwecke benutzen will. Die Österreicher spüren: es sei nur darauf abgesehen, mit ihrer Hülfe ein Wahlgesetz durchzutreiben, das in ihrer Heimat am wenigsten anwendbar und nützlich sein würde; auch sagt ihnen die Linke gerade heraus: nachdem dieser Zweck erreicht worden, wolle sie sich für, oder gegen Österreich erklären, je nachdem es ihr bequemer erscheine. Nach vielem Redenfürdie Einheit, liebäugelte die Linke (aus Haß gegen, und Furcht vor Preußen) mit der Vielheit, und den österreichischen, unklaren Vorschlägen. Jetzt scheint ihr Preußen doch annehmlicher, als Österreich im Bunde mit Rußland. Wenigstens möchten Manche sich der über 200 Mann starken entschlossenen Gesellschaft des Weidenbusches lieber nähern, als sich dem schwarzgelben Österreich, oder dem blauweißen Baiern hingeben.
Ich wiederhole, daß es sehr irrig ist zu wähnen, mit der diesjährigen Vereitelung frankfurter Bestrebungen wären gewisse Grundgedanken von Einheit und Freiheit in Deutschland ausgetilgt. Ohne Annahme und Durchführung desWesentlichenin den Grundrechten, und ohne ein, das Ganze darstellendes und zusammenhaltendesVolkshauskann man in Deutschland nicht mehr auf die Dauer regieren: weder Einer, noch Drei, noch Fünf, noch Sieben, noch 34!
Da man, so viel als irgend möglich (conservativerseits) die Bemerkungen der einzelnen Regierungen berücksichtigen will; so kommen wir auch in dieser Richtung einer friedlichen Lösung immer näher. — Mit Recht sieht man ferner täglich mehr ein: das Zerspalten in viele Klubs, nach gewissen kleineren Verschiedenheiten der Ansichten, sei (wie ich stets behauptete) unrathsam, ja schädlich; es komme vielmehr darauf an, wenige große Grundsätze aufzustellen, dafür eine überlegene Zahl zu gewinnen, und dann wie eine Phalanx für das als recht Anerkannte einzustehen: — uneingeschüchtert durch Drohungen, unverlockt durch Schmeicheleien!