Und doch ermahnen uns dazu die Klosterregeln, wie die Vorbilder der heiligen Väter. Der heilige Benediktus giebt über das Lehren und Lernen des Gesangs keine bestimmte Vorschrift, wohl aber hat er genaue Bestimmungen über das Lesen. Er setzt für das Lesen wie für die Arbeit eine bestimmte Zeit genau fest und ist für die Übung im Lesen und Schreiben so besorgt, daß er unter den notwendigen Gegenständen, die der Mönch von seinem Abt anzusprechen hat, auch Feder und Papier nicht vergißt. Er hat unter anderem die Bestimmung, daß bei Beginn der Fasten jeder Mönch aus der Bibliothek ein Buch empfangen soll, das er ganz durchzulesen hat; was aber wäre lächerlicher als seine Zeit mit Lesen zu verbringen, ohne darauf zu achten, ob man den Inhalt versteht oder nicht? Bekannt ist das Wort jenes Weisen: „Lesen ohne zu verstehen ist mißverstehen“. Auf einen solchen Leser paßt das Wort des Philosophen vom Esel vor der Leier. Denn ein Leser, der ein Buch in der Hand hält, ohne daß er etwas damit anfangen kann, ist wie ein Esel, der vor einer Leier sitzt. Und viel vernünftiger wäre es, wenn solche Menschen sich sonstwie nützlich beschäftigen würden, statt müßig dazusitzen, die Buchstaben anzusehen und die Blätter umzudrehen. An solchen Lesern sehen wir das Wort des Jesaia sich erfüllen: „Daß euch aller Propheten Gesichte sein werden wie die Worte eines versiegelten Buchs, welches, so man’s gäbe einem, der lesen kann, und spräche:‚Lieber, lies das‘, und er spräche: ‚Ich kann nicht, denn es ist versiegelt‘. Oder gleich als wenn man’s gäbe dem, der nicht lesen kann, und spräche: ‚Lieber, lies das,‘ und er spräche: ‚Ich kann nicht lesen‘. Und der Herr spricht ‚Darum, daß dies Volk zu mir nahet mit seinem Munde, und mit seinen Lippen mich ehret, aber ihr Herz ferne von mir ist, und mich fürchten nach Menschengebot, das sie lehren: so will ich auch mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs wunderlichste und seltsamste, daß die Weisheit seiner Weisen untergehe und der Verstand seiner Klugen verblendet werde‘“.
Man sagt im Kloster, daß die sich auf die Schrift verstehen, die sie lesen können. Allein wenn sie hinsichtlich des Verständnisses der Schrift gestehen müssen, daß sie davon nichts wissen, so ist ihnen ihr Buch versiegelt, so gut wie denen, die da sagen, sie können nicht lesen. Gott aber bezichtigt sie, daß sie ihm mit Mund und Lippen nahen, nicht aber mit dem Herzen, weil sie das, was sie allenfalls lesen können, nicht im mindesten verstehen. Solche Menschen, indem sie des Verständnisses der Schrift entbehren, machen nur eine äußerliche Gewohnheit mit, haben aber keinen Nutzen von der Schrift. Darum droht der Herr, daß er auch ihre sogenannten Weisen und Gelehrten mit Blindheit schlagen wolle.
Hieronymus, der größte Lehrer der Kirche und die schönste Zierde des Mönchsstandes, ermahnt uns zur Liebe der Wissenschaften, indem er sagt: „Liebe die Wissenschaft und du wirst die schnöde Lust des Fleisches nicht lieben“; und er legt selbst Zeugnis davon ab, wie viel Zeit und Mühe er darauf verwandt habe. Neben dem, was er, um uns durch sein Beispiel zu lehren, über sein eigenes Studium schreibt, sagt er in einem Brief an Pammachius und Oceanus folgendes: „In meiner Jugend war ich von einer brennenden Lernbegierde erfüllt. Und ich war nicht, wie andere sich heraus nehmen, mein eigener Lehrer, sondern ich habe zu Antiochia fleißig den Apollinaris gehört und bin mit ihm verkehrt, während er mich in den heiligen Schriften unterrichtete.Schon färbte mein Haar sich grau, und ich hätte demnach eher Lehrer sein sollen als noch Schüler. Dennoch ging ich nach Alexandria. Ich hörte da den Didymus; viel verdanke ich ihm, viel Neues hat er mich gelehrt. Die Leute meinten, nun hätte ich endlich ausgelernt. Da lernte ich noch in Jerusalem und in Bethlehem mit Mühe und um teures Geld nächtlicherweile Hebräisch bei Barannias. Denn er fürchtete sich vor den Juden und ward mir ein zweiter Nikodemus“. Wahrlich, er hatte sich treulich gemerkt, was im Buch Sirach zu lesen ist: „Liebes Kind, laß dich die Weisheit ziehen von Jugend auf, so wird ein weiser Mann aus dir“. Nicht allein aus den Worten der Schrift, sondern auch aus dem Vorbild der heiligen Väter hat er sich belehrt, und unter den Lobsprüchen, die er dem dortigen musterhaften Kloster spendet, findet sich folgende Bemerkung über die ausgezeichnete Pflege des Schriftstudiums in demselben: „Nirgends habe ichein so tiefes Studium und Verständnis der Heiligen Schrift und eine so eifrige Pflege der Gottesgelehrtheit gefunden, wie hier. Man hätte jeden der Mönche für einen Lehrer der göttlichen Weisheit halten können“.
Auch der heilige Beda, der schon als Knabe ins Kloster aufgenommen wurde, wie er in der „Geschichte der Angelsachsen“ berichtet, sagt: „Seitdem brachte ich mein ganzes Leben in ein und demselben Kloster zu und habe mich ganz dem Studium der Heiligen Schrift hingegeben; neben der Beobachtung der Klosterregel und der täglichen Pflicht des Singens in der Kirche war es allezeit mein höchstes Vergnügen, zu lernen oder zu schreiben“.
Jetzt aber bleiben die, die in Klöstern erzogen werden, so einfältig, daß sie, zufrieden mit dem leeren Schall der Worte, sich um das Verständnis der Schrift nicht kümmern, und nicht fürs Herz etwas lernen, sondern nur die Zunge üben wollen. Sie trifft der Spruch Salomos: „Das Herz des Weisen sucht Weisheit, aber des Narren Mund weidet sich an der Thorheit“, nämlich wenn er sich an Worten erfreut,die er nicht versteht. Solche Leute können ja Gott nicht lieben und in Liebe zu ihm entbrennen, da sie vom Verständnis der Schrift, die uns über Gott belehrt, so weit entfernt sind.
Diese Zustände in den Klöstern sind hauptsächlich auf zwei Ursachen zurückzuführen: einmal auf die Eifersucht der Laien und Laienbrüder, ja auch der Vorgesetzten selbst, sodann auf das leere Geschwätz und die Müßiggängerei, die in den heutigen Klöstern vielfach zu Hause sind. Jene wollen mit uns nur in irdischem Handel und Wandel zu thun haben, nicht aber in geistlichem Verkehr mit uns stehen und gleichen den Philistern, die den Isaak verfolgten, als er einen Brunnen graben wollte, und ihm das Wasser wehrten, indem sie Erde hineinwarfen. Gregorius legt diese Geschichte in seinen „Moralia“, Kapitel XVI, also aus: „Oft, wenn wir uns mit der Heiligen Schrift beschäftigen, haben wir unter den Angriffen der bösen Geister schwer zu leiden: sie streuen uns den Staub irdischer Gedanken in den Sinn, um das Auge unserer Betrachtung für das Licht der inneren Beschauung blind zu machen“. Dies hatte der Psalmist nur allzusehr erfahren, als er sagte: „Weichet von mir, ihrÜbelthäter, ich will erforschen die Gebote meines Gottes“. Er erklärt damit deutlich, daß er die Gebote Gottes nicht erforschen konnte, weil sein Geist zu kämpfen hatte gegen die Anläufe der Dämonen. Sie sind dasselbe, was die bösen. Philister bei Isaaks Brunnen waren, als sie ihn mit Erde füllten. Denn solche Brunnen graben wir in der That, wenn wir in die verborgenen Tiefen der Schrift eindringen. Es ist, als deckten die Philister uns den Brunnen zu, wenn unreine Geister, während wir zum Himmel streben, uns irdische Gedanken eingeben, und uns gleichsam das Wasser der göttlichen Erkenntnis, das wir gefunden haben, entziehen. Aber weil niemand diese Feinde aus eigener Kraft zu überwinden vermag, sagt Eliphas uns das Wort: „Und der Allmächtige wird gegen deine Feinde sein, und Silber wirddir zugehäuft werden“. Das soll heißen: wenn der Herr mit seiner Stärke die bösen Geister von dir treibt, dann wird der Schatz des göttlichen Wortes leuchtend in dir sich vermehren.
Gregorius hatte wohl gelesen die Homilien des großen Christenphilosophen Origenes über die Genesis und hat aus dessen Brunnen geschöpft, was er uns über diese Brunnen sagt. Denn dieser eifrige geistliche Brunnengräber ermahnt uns nicht nur eindringlich, aus diesen Brunnen zu schöpfen, sondern auch sie zu graben. So sagt er in der zwölften der genannten Homilien: „Lasset uns thun, wozu die Weisheit uns ermahnt: ‚Trinke Wasser aus deiner Grube und Flüsse aus deinem Brunnen; habe du sie aber alleine‘. Trachte also auch du, mein lieber Zuhörer, danach, einen eigenen Brunnquell zu haben, daß, wenn du ein Buch der Heiligen Schrift vornimmst, du auch durch eigenes Nachdenken einen Sinn herausbringest, und nach dem, was du in der Kirche gelernt hast, trachte auch du zu trinken aus dem Brunnen deines Geistes. Es sprudelt in dir ein Quell lebendigen Wassers, Geist und Vernunft durchströmen dich in unversieglichen Adern und reichlichen Fluten, nur dürfen sie nicht mit Erde und Schmutz angefüllt werden. Darum gieb dir Mühe, dein Land umzugraben und den Unrat auszufegen, d. h. den Geist zu bilden, die Trägheit auszurotten und des Herzens Härtigkeit zu erweichen. Höre, was die Schrift sagt: ‚Wenn man das Auge drückt, so gehen Thränen heraus, und wenn man einem das Herz trifft, so läßt er sich merken‘. Reinige auch du deinen Geist, damit du dereinst aus deinem eigenen Brunnen trinkest und aus deinen Quellen lebendiges Wasser schöpfest. Denn hast du in dir aufgenommen das Wort Gottes, hast du von Jesus Lebenswasser empfangen, im Glauben empfangen, so wird es in dir ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt“.
Derselbe Origenes sagt in der folgenden Homilie überden obenerwähnten Isaaksbrunnen: „Unter den Philistern, die den Brunnen mit Erde bedeckten, sind ohne Zweifel die Leute zu verstehen, welche den Weg zur geistlichen Erkenntnis verschließen, so daß sie selbst nicht trinken können und auch andere daran verhindert werden“. Höre, was der Herr spricht: „Wehe euch Schriftgelehrten und Pharisäern, die ihr den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen habt. Ihr kommt nicht hinein, und wehret denen, die hinein wollen“. Wir aber wollen nicht aufhören, Brunnen lebendigen Wassers zu graben, und bald mit Altem, bald mit Neuem uns beschäftigend wollen wir jenem Schriftgelehrten im Evangelium ähnlich werden, von dem der Herr sagt: „Der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt“.
Ebenso heißt es dort: „Lasset uns zu Isaak gehen und mit ihm graben einen Brunnen lebendigen Wassers; auch wenn die Philister uns widerstehen und Streit anfangen, wollen wir doch mit ihm ausharren beim Brunnen, damit man auch zu uns sagen könne: ‚Trinke Wasser aus deinen Gefäßen und aus deinem Brunnen‘. Und also wollen wir graben, daß unsere Gefäße überströmen vom Wasser des Brunnens, daß wir nicht genug haben, wenn wir für uns allein die Schrift verstehen, sondern auch andere lehren und anweisen, zu trinken. Mensch und Vieh sollen trinken, wie der Prophet sagt: ‚Tier und Menschen machst du gesund, Herr‘“.
Und weiter unten heißt es: „Wer ein Philister ist und nach Irdischem trachtet, der weiß auf der ganzen Erde kein Wasser zu finden, noch auch verständigen Sinn“.
Was nützt es dich, Wissenschaft zu haben, wenn du sie nicht zu gebrauchen weißt? Was nützt dich das Wort, wenn du es nicht anwenden kannst? Das ist die Art der Knechte Isaaks, die in irgend einem beliebigen Land nach lebendigem Wasser graben. Ihr aber nicht also: lasset ferne von euch sein alles leere Geschwätz, und diejenigen unter euch, denen die Gabe des Lernens verliehen ist, sollen sich mit Eifer in den göttlichen Dingen unterrichten lassen, wie es von demfrommen Manne heißt: „Sondern er hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht“. Und welchen Nutzen das unermüdliche Studium im Gesetz des Herrn bringe, das besagen gleich die folgenden Worte: „Der ist wie ein Baum, gepflanzet an den Wasserbächen“. Denn wer von den Wassern des göttlichen Wortes nicht benetzt wird, der ist wie ein dürrer, unfruchtbarer Baum. Dieses Wort ist gemeint, wenn es heißt: „Von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen“. Das sind jene Fluten, von welchen die Braut im Hohenlied zum Lobe ihres Bräutigams singt: „Seine Augen sind wie Taubenaugen an den Wasserbächen, mit Milch gewaschen, und stehen in der Fülle“.
Auch ihr also setzet euch, mit Milch gewaschen, d. h. im reinen Glanze eurer Keuschheit strahlend, wie Tauben an diese Wasserbäche, und schöpfet Weisheit daraus, auf daß ihr nicht bloß lernet, sondern auch lehren und andern den Weg zeigen könnet; daß ihr den Bräutigam nicht bloß selber sehen, sondern auch andern beschreiben möget!
Wir wissen: von der Einen Braut, die den Bräutigam durch das Ohr des Herzens zu empfangen gewürdigt worden ist, steht geschrieben: „Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“. Also die Mutter des höchsten Wortes nahm seine Worte mehr zu Herzen als in den Mund und bewegte sie im Herzen; sie überlegte jedes einzelne mit Fleiß und verglich sie miteinander, ob sie genau übereinstimmen.
Aus dem Gesetz wußte sie, daß alles Tier unrein genannt wird, das nicht wiederkäuet und die Klauen spaltet. So ist auch keine Seele rein, die nicht die göttlichen Gebote wiederkäuet, indem sie darüber nachdenkt, so viel sie vermag, und ihren Verstand anwendet, um sie zu befolgen, so daß sie nicht bloß äußerlich Gutes thut, sondern wirklich gut, d. h. mit der richtigen Gesinnung, handelt. Die gespaltenen Klauen aber bedeuten das Unterscheidungsvermögen der Seele,worüber geschrieben steht: „Wenn du recht anbietest, aber nicht recht teilest, so sündigst du“.
„Wer mich liebt,“ sagt die ‚Wahrheit‘, „der hält meine Worte.“ Wer aber wird die Worte und Gebote seines Herrn gehorsam halten können, wenn er sie nicht vorher verstanden hat? Niemand wird eifrig im Thun sein, der nicht vorher ein aufmerksamer Hörer war. So, wie wir von dem frommen Weib lesen, das, alles andere vergessend, zu Jesu Füßen saß und auf seine Worte hörte, gewiß mit jener verständnisvollen Aufmerksamkeit, die der Herr selbst von uns verlangt, wenn er sagt: „Wer Ohren hat zu hören, der höre“. Könnet ihr euch aber nicht zu solch hingebender Glut entflammen, dann ahmet im Eifer und in der Begeisterung für die heiligen Wissenschaften wenigstens jene frommen Schülerinnen des heiligen Hieronymus nach: Paula und Eustochium, auf deren Antrieb dieser große Lehrer die Kirche durch so manche Schrift erleuchtet hat.
(Mit 42 biblisch-theologischen Fragen.)
Deiner Weisheit ist es besser bekannt als meiner Einfalt, wie der selige Hieronymus der frommen Marcella das Studium der Heiligen Schrift und der damit zusammenhängenden Fragen, für welches sie glühend begeistert war, gar sehr empfohlen und sie nachdrücklich darin bestärkt hat, und wie er ihr weithintönendes Lob dafür gespendet hat. In seinem Kommentar zum Brief des Paulus an die Galater thut er ihrer im ersten Buch in folgender Weise Erwähnung: „Ich kenne ihren Eifer, ich kenne ihren Glauben und das glühende Verlangen, das sie in der Brust trägt: ihr Geschlecht zu überwinden, die Menschen zu vergessen, den Paukenschall des göttlichen Wortes ertönen zu lassen unddas Rote Meer dieser Welt zu durchschreiten. In der That, so oft ich in Rom war, hat sie mich nie auch nur einen Augenblick gesehen, ohne mir irgend eine Frage über die heiligen Schriften vorzulegen. Dabei war sie nicht nach Pythagoräer Weise mit jeder beliebigen Antwort zufrieden; auch beugte sie sich nicht unter die bloße Autorität, wenn triftige Gründe fehlten; vielmehr prüfte sie alles und mit scharfem Verstand wog sie alles ab, so daß ich oft das Gefühl hatte, ich habe nicht eine Schülerin, sondern eine Richterin vor mir“.
Hieronymus sah sie infolge dieses Eifers bald solche Fortschritte machen, daß er sie den anderen Frauen, die sich um das gleiche Studium bemühten, zur Lehrerin setzte. Daher schreibt er an die Jungfrau Principia unter anderem folgendes: „Du hast dort zur Leitung im Studium der Schrift und in der Heiligung des Leibes und der Seele Marcella und Asella; die eine mag dich durch die grünenden Wiesen und durch den bunten Blumenflor der heiligen Schriften zu dem führen, der im Lied der Lieder sagt: ‚Ich bin eine Blume zu Saron, und eine Rose im Thal‘; die andere, selbst eine Blume des Herrn, ist würdig, zugleich mit dir das Wort zu vernehmen: ‚Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern‘“.
Wozu aber sage ich dies, du von vielen Geliebter, uns aber Geliebtester? Ich will dir ja nichts erzählen, ich will dich mahnen: meine Worte sollen dich an deine Schuld erinnern und dich nicht länger säumen lassen mit der Einlösung. Die Mägde Christi, deine geistlichen Töchter, hast du in eigenem Oratorium vereinigt und sie mit dem Dienste Gottes betraut; stets pflegtest du uns das Studium des göttlichen Wortes und das Lesen heiliger Schriften besonders ans Herz zu legen. Ja, so nachdrücklich hast du uns die Kenntnis der Heiligen Schrift empfohlen, daß du sie einen Seelenspiegel nanntest, in dem man seiner Schönheit oder Häßlichkeit gewahr werde, und du verlangtest, daß keineBraut Christi dieser Spiegel fehlen dürfe, wenn sie dem Herrn gefallen wolle, dem sie sich angelobt. Du sagtest noch weiter zu unserer Aufmunterung, das Lesen der Heiligen Schrift, wenn man sie nicht verstehe, nütze so viel, wie dem Blinden ein Spiegel.
Durch diese Mahnungen sind wir, ich sowohl wie die Schwestern, zu mächtigem Eifer angeregt worden, indem wir auch in diesem Stück nach Kräften dir zu gehorchen bestrebt sind. Allein während wir uns alle Mühe geben und von derjenigen Liebe zu den Wissenschaften ergriffen sind, über die der obengenannte Lehrer einmal sagt: „Liebe die Wissenschaften, und du wirst die Laster des Fleisches nicht lieben“, — wird unser Eifer durch die vielen Fragen, die uns verwirren, lahmgelegt. Und was wir in den heiligen Schriften weniger verstehen, das müssen wir notwendig auch weniger lieben, da wir fühlen, daß es eine fruchtlose Arbeit ist, die wir thun.
Darum stellen die Schülerinnen ihrem Lehrer, die Töchter ihrem Vater einige Fragen, und bitten demütigst, du möchtest es nicht unter deiner Würde achten, dieselben für sie zu lösen. Denn auf dein mahnendes Wort, ja auf deinen Befehl hin haben wir dies Studium in Angriff genommen. Wir haben bei der Aufstellung der Fragen nicht die Reihenfolge der heiligen Schriften eingehalten, sondern wie sie uns täglich aufgestoßen sind, so haben wir sie aufgezeichnet und übersenden sie nun dir zur Lösung.
(Begleitschreiben zu einer Sammlung geistlicher Lieder, von Abaelard gedichtet für die Nonnen des Paraklet.)
Meine liebe Schwester Heloise, einst in der Welt mir teuer und nun erst recht teuer in Christus, auf deine dringendeBitte habe ich Lieder gedichtet, auf griechisch Hymnen, auf hebräisch Tehillim geheißen. Da du und deine frommen Frauen mich wiederholt zu der Abfassung solcher Lieder drängtet, so habe ich nach dem Grund eures Wunsches geforscht. Denn ich sagte mir, es sei unnötig, neue Lieder zu dichten, während ihr alte in reicher Fülle habt, ja, es wollte mir wie ein Verbrechen erscheinen, den alten Gesängen heiliger Dichter neue von sündigen Menschen vorzuziehen oder an die Seite zu stellen.
Während ich nun von verschiedenen Seiten verschiedene Meinungen zu hören bekam, führtest du, soviel ich mich erinnere, unter anderem folgenden Grund an. „Wir wissen,“ sagtest du, „daß die römische und besonders die gallicanische Kirche in betreff der Psalmen und Hymnen sich mehr nach ihrer Gewohnheit richten als nach einer Autorität. Wir wissen ja heute noch nicht, von wem die Übersetzung des Psalters herrührt, welche in unserer, d. h. in der gallicanischen Kirche, im Gebrauch ist, und nach den Äußerungen derjenigen zu urteilen, die uns über die Verschiedenheit derÜbersetzungen belehrt haben, weicht die unsrige von allen übrigen weit ab und kann, wie ich glaube, auf ein höheres Ansehen keinen Anspruch machen. Allein ihr Gebrauch hat sich durch langjährige Gewohnheit so sehr eingebürgert, daß wir gerade beim Psalter, den wir doch am häufigsten brauchen, einer apokryphenÜbersetzung folgen, während wir die andern biblischen Bücher in der korrekten Übersetzung des seligen Hieronymus lesen. Was aber die Hymnen betrifft, die wir jetzt gebrauchen, so herrscht hierin eine solche Unordnung, daß fast nie eine Überschrift ihre Art oder ihre Verfasser bezeichnet. Und wenn man doch bei einigen mit Wahrscheinlichkeit auf bestimmte Verfasser schließen kann, als deren älteste man Hilarius und Ambrosius, dann Prudentius und viele andere annimmt, so ist häufig das Silbenmaß so wenig entsprechend, daß man den Liedern kaum eine Melodie unterlegen kann, ohne die doch ein Hymnus keinenZweck hat, der ja ein wohltönendes Lob Gottes sein soll.“
Auch fügtest du noch bei, daß es für die meisten Feste an eigentümlichen Liedern fehle, so auch für die Feier der unschuldigen Kindlein, der Evangelisten oder derjenigen weiblichen Heiligen, die weder Jungfrauen noch Märtyrerinnen waren. Es fehle auch nicht an solchen, versichertest du, bei denen die Singenden eine Unwahrheit aussprechen müssen, sei’s wegen der Zeitumstände, die nicht zum Liede passen, oder wegen des falschen Inhaltes. Manche der Gläubigen halten aus irgend einem zufälligen Grund oder infolge besonderer Erlaubnis die bestimmte vorgeschriebene Stunde nicht ein und kommen nun entweder zu früh oder zu spät, so daß sie genötigt sind, wenigstens in Beziehung auf die Zeit zu lügen, wenn sie die für die Nacht bestimmten Lieder bei Tag, die für den Tag bestimmten bei Nacht singen. Nach der Vorschrift des Propheten und der Satzung der Kirche soll ja auch während der Nacht das Lob Gottes nicht verstummen, wie geschrieben steht: „Des Nachts gedenke ich an deinen Namen, o Herr“ und: „Mitten in der Nacht erhebe ich mich, mit dir zu reden“, d. h. dich zu lobpreisen. Dagegen darf der siebenfache Lobgesang, dessen der Prophet Erwähnung thut mit den Worten: „Siebenmal des Tages lobe ich dich“ — nur bei Tage dargebracht werden. Der erste derselben, der Morgenlobgesang genannt, und von demselben Propheten bezeichnet mit den Worten: „Des Morgens gedenke ich dein, o Herr“ — soll angestimmt werden in der ersten Frühe des Tages, wenn die Morgenröte oder der Morgenstern erscheint.
Bei den meisten Hymnen giebt sich diese Unterscheidung von selber. So kennzeichnen sich gewisse Lieder selbst deutlich als solche, die bei Nacht zu singen sind, wenn es z. B. heißt: „Wohl auf zur Nacht und laßt uns alle wachen“ — oder: „Gesang durchtönt die stille Nacht“; ferner: „Die lange Nachtzeit kürzen wir, erstehen zum Bekenntnis dir“.Oder ein andermal: „Die schwarze Nacht hält nun bedeckt, was auf der Erd’ in Farben strahlt“ — oder: „Wir stehn von unsrem Lager auf zur Zeit der ruhig stillen Nacht“, und ferner: „Wie wir die Stunden stiller Nacht nun unterbrechen mit Gesang“ u. s. w.
So geben auch manche Morgenhymnen die Zeit, zu welcher sie zu singen sind, selber an. Zum Beispiel, wenn es heißt: „Der nächt’ge Schatten weichet schon“ — oder: „Golden erstrahlt des Tages Licht“; ferner: „Am Himmel steht das Morgenrot“ — „Das Morgenrot im Rosenlicht“ oder „Der Vogel ist des Tags Herold; er kündet uns des Lichtes Nahn“ — und: „Wie schön leuchtet der Morgenstern“. Solche Lieder belehren uns selbst darüber, zu welcher Zeit sie gesungen sein wollen, und wollten wir diese ihre Zeiten nicht einhalten, so würden wir bei ihrem Vortrag als Lügner erfunden. Allein in den meisten Fällen ist es weniger die Nachlässigkeit, die solche Abweichungen verursacht, als der Zwang der Verhältnisse oder die förmliche Befreiung davon; dazu nötigt namentlich in den kleineren Parochialkirchen schon die Beschäftigung der Bevölkerung fast jeden Tag, so daß hier aller Gottesdienst fast das ganze Jahr hindurch bei Tag abgehalten werden muß.
Aber nicht bloß das Nichteinhalten der Zeit bringt uns in die Lage, lügen zu müssen, sondern bei gewissen Liedern sind es die Verfasser selbst, die uns dazu veranlassen. Diese nämlich, sei es, daß sie von ihrer eigenen Zerknirschung auf den Seelenzustand anderer schlossen, oder daß sie ihre Heiligen durch übertrieben frommen Eifer erheben wollten — haben manchmal so sehr das Maß überschritten, daß wir in manchen Liedern oft gegen unsere eigene Überzeugung etwas aussprechen, von dem wir das Gefühl haben, daß es der Wahrheit nicht entspreche. Die wenigsten werden so vom Feuer der heiligen Andacht glühen oder in der Zerknirschung über ihre Sünden so in Thränen und Seufzer aufgelöst sein, daß sie mit Recht singen können: „Wir nahen weinend zumGebet; erlaß uns unsere Sünden“, oder: „Hör unsere Seufzer, unsern Sang in Gnaden an“. So giebt es noch manches, was nur für Auserwählte, und darum für wenige, paßt. Auch mag deine Einsicht entscheiden, ob es nicht eine Anmaßung ist, vor der wir uns scheuen sollten, wenn wir alljährlich singen: „Martinus, den Aposteln gleich“, oder wenn wir diesen oder jenen Bekenner seiner Wunder wegen in übertriebener Weise rühmen, indem wir z. B. sagen: „An dessen heil’gem Grab so mancher Heilung fand“.
Diese und ähnliche Gründe, die ihr anführtet, haben mich bewogen, aus Ehrfurcht vor eurer Frömmigkeit, Hymnen zu dichten für den ganzen Lauf des Jahres. Da ihr also dies von mir erbeten habt, ihr Bräute und Mägde Christi, so bitte ich hinwiederum euch: daß ihr die Last, die ihr auf meine Schultern gelegt habt, durch die Handreichung eures Gebetes erleichtern möget, auf daß, wer da säet und wer da erntet, zusammen arbeite und zusammen sich freue.
Die Feier des Gottesdienstes besteht aus drei Teilen. Der Apostel der Heiden hat es so verordnet im Brief an die Ephesier, wo es heißt: „Und saufet euch nicht voll Weins, daraus ein unordentlich Wesen folget, sondern werdet voll Geistes, und redet untereinander von Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen“. Und weiter an die Colosser schreibt er: „Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit, lehret und ermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern und singet dem Herrn in eurem Herzen“. Die Psalmen und Lieder sind ja seit alter Zeit aus den kanonischen Schriften entnommen, und es bedarf nicht erst unserer Mühe, sie zu dichten. Über die Hymnen aber findet sich in den heiligen Schriften kein bestimmendes Merkmal, wiewohl einige Psalmen auch die Bezeichnung „Hymne“ oder „heiliges Lied“ als Aufschrifttragen — und so ist über sie von verschiedenen Schriftstellern da und dort nachträglich geschrieben worden; auch wurden für die verschiedenen Zeiten, Stunden und Feste besondere Hymnen bestimmt. Diese nennen wir jetzt „Hymnen“ im eigentlichen Sinn, wiewohl in der alten Zeit einige Schriftsteller alle in einem bestimmten Versmaß gedichteten Lieder, die zum Lobe Gottes dienten, sowohl Hymnen als auch Psalmen nannten. Daher sagt Eusebius von Cäsarea im 19. Kapitel seiner Kirchengeschichte, wo er die Lobsprüche erwähnt, die der beredte Jude Philo der alexandrinischen Kirche unter der Leitung des Markus spendet, unter anderem folgendes: „Dann kommt er darauf zu sprechen, daß sie selbst neue Psalmen dichten, und sagt: ‚Sie kennen nicht allein die Lieder der geistvollen Alten, sondern dichten selbst neue Lieder zum Preis Gottes und singen dieselben in allen möglichen Weisen und Melodien mit guter und lieblicher Harmonie.‘“
Es ist vielleicht nicht unangezeigt, alle Psalmen, die in hebräischem Versmaß und Rhythmus gedichtet und mit einer lieblichen Melodie versehen sind, ebenfalls Hymnen zu nennen — unbeschadet unserer Erklärung im ersten Vorwort. Allein da die Psalmen, wenn sie in eine andere Sprache übersetzt werden, vom Gesetz des Versmaßes und des Rhythmus entbunden sind, so hat der Apostel in seinem Brief an die Ephesier, die ja Griechen sind, mit Recht die Hymnen wie auch die Lieder von den Psalmen unterschieden.
So habe ich denn in diesem Punkt eurer Bitte zum Teil wenigstens, soweit Gott es mir gestattete, Genüge gethan, geliebte Schwestern in Christo, da ihr meinen schwachen Geist mit vielem Flehen gar sehr bedrängt und auch noch die Gründe angegeben habt, warum dies euch nötig erscheine. Das erste Büchlein enthält die Hymnen zum täglichen Gottesdienst. Ihr werdet erkennen, daß sie nach zweierlei Melodien und Rhythmen gehen, und daß jedesmal alle Tageslieder und alle Nachtlieder beides gemeinsam haben. Auch den Dankhymnus, der nach dem Essen zu sprechen ist, habeich nicht vergessen — nach dem Wort des Evangeliums: „Und da sie den Lobgesang gesprochen hatten, gingen sie hinaus“.
Die vorstehenden Hymnen sind in der Weise abgefaßt, daß der Inhalt der nächtlichen Lieder sich deckt mit dem, was sie feiern, und daß die Tageslieder die allegorische oder moralische Auslegung dieses Inhaltes darbieten. So kommt es, daß das Dunkel der Geschichte der Nacht aufbehalten wird, während der helle Tag das Licht der Erklärung bringt. Nun bleibt mir nur noch übrig, die Hilfe eures Gebets anzurufen, damit ich euch die gewünschte bescheidene Gabe zukommen lassen kann.
In den beiden vorstehenden Büchlein habe ich Hymnen für den täglichen Gottesdienst und eigene für die hohen Feste zusammengestellt. Nun bleibt mir noch übrig, zur Verherrlichung des himmlischen Königs und zur gemeinsamen Erbauung der Gläubigen den Sitz der himmlischen Residenz mit würdigen Lobeshymnen nach Kräften zu erheben. Mögen mich bei diesem Werke die Verdienste derjenigen unterstützen, deren ruhmreiches Andenken ich durch den bescheidenen Zoll meiner Lobpreisungen erhöhen möchte — nach dem Wort der Schrift: „Das Gedächtnis des Gerechten ermangelt nicht des Lobes“, und wiederum: „Lasset uns preisen die Ruhmvollen“ u. s. w.
Auch euch bitte ich, teure, Christo geweihte Schwestern, auf deren Flehen hauptsächlich ich dies Werk in Angriff genommen habe: unterstützet mich durch die Andacht eures Gebetes, denket an jenen frommen Gesetzgeber, der mit seinem Gebet mehr ausrichtete, als das Volk mit dem Schwert. Und eure Liebe wird sich reich erweisen in der Fülle des Gebetes, wenn ihr daran denket, wie freigebig ich in Erfüllung eures Wunsches gewesen bin. Während ich mich nach den schwachen Kräften meines Geistes mühte, das Lob der göttlichen Gnade würdig zu singen, habe ich durch die Mengeder Lieder zu ersetzen gesucht, was ihnen an Schönheit des Ausdrucks abging, und so habe ich für die nächtliche Feier jedes einzelnen Festes eigene Hymnen gedichtet, während bisher nur Ein bestimmter Hymnus bei der Nachtfeier von Festen und Feiertagen gesungen wurde.
Vier Hymnen also habe ich für jedes Fest so bestimmt, daß bei jeder der drei nächtlichen Vigilien ein besonderer Hymnus gesungen werden kann, und außerdem noch die Matutine ihren eigenen hat. Ferner habe ich die Bestimmung getroffen, daß von diesen vier Hymnen bei der Vigilie zwei zu einem Hymnus verbunden werden und die beiden andern in ähnlicher Weise bei der Vesper am Festtage selbst gesungen werden können; oder daß sie je zwei und zwei auf jede Vesper verteilt, und so der eine Hymnus mit den beiden ersten Psalmen, der andere mit den beiden übrigen gesungen werden.
Dem Kreuz habe ich fünf Hymnen gewidmet, von denen der erste die jedesmaligen Horen einleiten mag, indem er den Diakon auffordert, das Kreuz vom Altar zu heben, es in die Mitte des Chors zu tragen und dort zur Anbetung und Verehrung aufzustellen, so daß es über die ganze Zeit der gottesdienstlichen Feier anwesend ist.
(Mit einer Sammlung von Predigten.)
In Christo verehrungswürdige und liebenswerte Schwester Heloise! Nachdem ich kürzlich auf deine Bitten ein Buch mit Hymnen und Sequenzen vollendet, so habe ich jetzt deinem Wunsche gemäß für dich und deine geistlichen Töchter, die in unserem Oratorium vereint sind, eine Reihe vonPredigten verfaßt — eiliger als ich es sonst gewohnt bin. Da ich mehr der Wissenschaft als der Predigt ergeben bin, so sehe ich hauptsächlich auf Klarheit der Darlegung, weniger auf kunstvolle Beredsamkeit; ich suche mehr den Wortsinn zu ergründen, als die Rede künstlich auszuschmücken. Und vielleicht wird eine reine, nicht ausgeschmückte Redeweise infolge ihrer größeren Klarheit einem einfachen Gemüt faßlicher sein, und eine gewisse Art von Zuhörern wird vielleicht gerade in der Einfachheit einer schmucklosen Rede die Schönheit und Feinheit sehen, und eine Würze darin finden, die einer einfachen Fassungsgabe wohlthut.
Die Predigten sind nach der Reihenfolge der Feiertage niedergeschrieben und geordnet; begonnen habe ich mit dem Anfang unserer Erlösung. Lebe wohl im Herrn, du, seine Magd, einst in der Welt mir teuer, nun erst ganz teuer in Christus: damals meine Gattin im Fleisch, jetzt meine Schwester im Geist und Genossin im Bekenntnis des heiligen Gelübdes!
(Abaelards Glaubensbekenntnis.)
Liebe Schwester Heloise, einst mir teuer in der Welt, nun erst ganz teuer in Christus: um der Logik willen bin ich der Welt verhaßt. Die blinden Blindenleiter, deren Weisheit Verderben ist, behaupten nämlich, in der Logik sei ich zwar wohlbewandert, aber im Paulus — da hinke ich stark. Und während sie meinen Scharfsinn preisen, verdächtigen sie die Reinheit meines christlichen Glaubens. Denn, wie mir scheint, folgen sie nur ihrem Vorurteil, statt durch die Erfahrung sich leiten zu lassen.
Ich will nicht in der Weise Philosoph sein, daß ich den Paulus zurückstieße, nicht so Aristoteles, daß ich von Christusgetrennt würde. Denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel, in dem ich selig werden könnte. Ich bete an Christum, der zur Rechten des Vaters regieret. Ich umfasse ihn mit den Armen des Glaubens, der im jungfräulichen Fleisch, das er vom heiligen Geist empfangen, Herrliches wirkt in der Kraft Gottes. Und daß die unruhige Sorge und jeglicher Zweifel aus deinem Herzen weiche, so halte das fest, daß ich mein Gewissen auf jenen Felsen gegründet habe, auf dem Christus seine Kirche erbaut hat. Und des Felsens Aufschrift will ich dir in kurzen Worten mitteilen.
Ich glaube an den Vater, Sohn und Heiligen Geist, an den von Natur Einen und wahren Gott, der in seinen Personen die Dreieinigkeit also darstellt, daß er in seiner Wesenheit stets die Einheit bewahrt. Ich glaube, daß der Sohn in allem dem Vater gleich ist, an Ewigkeit, Macht, Willen und Werk. Ich folge nicht dem Arius, der verblendeten Sinns, ja, von teuflischem Geiste verführt, Stufen in der Dreieinigkeit annimmt, indem er lehrt, daß der Vater größer, der Sohn kleiner sei und das Gebot vergißt: „Du sollst nicht auf Stufen zu meinem Altar heraufsteigen“. Denn auf Stufen steigt zum Altar Gottes empor, wer ein Früher und Später in der Dreieinigkeit setzt. Auch den Heiligen Geist bekenne ich als wesensgleich und eins mit dem Vater und dem Sohne, wie denn meine Schriften vielfach erklären, daß ihm der Name der Liebe zukomme. Ich verdamme den Sabellius, der behauptet, daß Vater und Sohn ein und dieselbe Person seien und daß der Vater gelitten habe, woher seine Anhänger Patripassianer heißen.
Ich glaube auch, daß der Gottessohn zum Menschensohn geworden, daß er, obwohl Eine Person, aus und in zwei Naturen besteht. Der, nachdem er seine Aufgabe in der angenommenen Menschennatur erfüllt hatte, gelitten hat, gestorben und auferstanden ist, aufgefahren gen Himmel, von dannen er wieder kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.
Ich behaupte auch, daß in der Taufe alle Sünden vergeben werden; daß wir der Gnade bedürfen, um das Gute anzufangen und zu vollenden, und daß die Gefallenen durch Buße wiederhergestellt werden. Über die Auferstehung des Fleisches aber — was brauche ich darüber zu sagen, da ich mich des Christennamens vergeblich rühmen würde, wenn ich nicht glaubte, daß ich auferstehen werde?
Dies also ist der Glaube, auf welchem ich ruhe, aus dem ich meine feste Hoffnung schöpfe. Auf ihn ist mein Heil gegründet, und so fürchte ich nicht das Geheul der Scylla, ich spotte der strudelnden Charybdis, und der totbringende Sang der Sirenen schreckt mich nicht. Mag der Sturm hereinbrechen, ich wanke nicht; mögen die Winde blasen, ich stehe fest. Denn auf einen starken Felsen bin ich gegründet.
Anmerkungen zur TranskriptionFußnoten wurden am Ende des Buches gesammelt. Falsch gesetzte Anführungszeichen wurden stillschweigend korrigiert. Alle anderen offensichtlichen Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):... Unbescholtenheit meinesbisherigensLebens. ...... Unbescholtenheit meinesbisherigenLebens. ...... jetztAbtissinnenüber die Nonnen setzt, wie man für die ...... jetztÄbtissinnenüber die Nonnen setzt, wie man für die ...... MöncheAbtehat und daß beide, Nonnen wie Mönche, auf ...... MöncheÄbtehat und daß beide, Nonnen wie Mönche, auf ...... Täuschung, wo die eheliche Liebe so groß ist,daseins das ...... Täuschung, wo die eheliche Liebe so groß ist,daßeins das ...... da du noch einerAbtissinuntergeben warst und das Amt ...... da du noch einerÄbtissinuntergeben warst und das Amt ...... Glaubst du, der kurze Schmerz meiner damaligenVerwundrung...... Glaubst du, der kurze Schmerz meiner damaligenVerwundung...... Wort des Philosophen sagen lassen mußt:hocno nestosculum...... Wort des Philosophen sagen lassen mußt:hocnon estosculum...... er nämlich diejenigen, welche sich Christo geweihthaben...... er nämlich diejenigen, welche sich Christo geweihthaben,...... über das, was sie solchen müßigenFaullenzern, wie sie sagen, ...... über das, was sie solchen müßigenFaulenzern, wie sie sagen, ...... mußte der Herr ihrerfleichlichenSchwäche wegen tadeln, ...... mußte der Herr ihrerfleischlichenSchwäche wegen tadeln, ...... Hatten nicht Maria Magdalena oder MariaAgyptiaca, die ...... Hatten nicht Maria Magdalena oder MariaÄgyptiaca, die ...... Daher mahnt auch der Apostel Jakobus: „LiebenBrüder, ...... Daher mahnt auch der Apostel Jakobus: „LiebeBrüder, ...... DieAbtissinmuß alle Tugenden mustergültig in sich vereinigen, ...... DieÄbtissinmuß alle Tugenden mustergültig in sich vereinigen, ......Abtissinfür die Aufrechterhaltung der Klosterzucht überhaupt ......Äbtissinfür die Aufrechterhaltung der Klosterzucht überhaupt ...... denn, daß dieAbtissinvorher befragt worden sei und es befohlen ...... denn, daß dieÄbtissinvorher befragt worden sei und es befohlen ...... oder schwach wird“. Nach demArgernis, das der Bruder ...... oder schwach wird“. Nach demÄrgernis, das der Bruder ...... dasArgernisvermieden wissen: „Ich habe es zwar alles ...... dasÄrgernisvermieden wissen: „Ich habe es zwar alles ...... Das Volk, das ausAgyptenausgeführt wurde, ist in ...... Das Volk, das ausÄgyptenausgeführt wurde, ist in ...... wohlgefällig war“. Augustinus in seiner Schrift: „Uber...... wohlgefällig war“. Augustinus in seiner Schrift: „Über...... aufgewirbelt wird. DieArmelsollen nicht länger sein als ...... aufgewirbelt wird. DieÄrmelsollen nicht länger sein als ...... habe icheinsotiefes Studium und Verständnis der Heiligen ...... habe ichein sotiefes Studium und Verständnis der Heiligen ...... allzusehr erfahren, als er sagte: „Weichet von mir, ihrUbelthäter, ...... allzusehr erfahren, als er sagte: „Weichet von mir, ihrÜbelthäter, ......Ubersetzungenbelehrt haben, weicht die unsrige von allen ......Übersetzungenbelehrt haben, weicht die unsrige von allen ...... einer apokryphenUbersetzungfolgen, während wir die ...... einer apokryphenÜbersetzungfolgen, während wir die ...
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