The Project Gutenberg eBook ofBuchstabenmystikThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: BuchstabenmystikAuthor: Franz DornseiffRelease date: March 29, 2024 [eBook #73284]Language: GermanOriginal publication: Leipzig: B. G. Teubner, 1916Credits: Peter Becker, Marc-André Seekamp and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK BUCHSTABENMYSTIK ***
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Title: BuchstabenmystikAuthor: Franz DornseiffRelease date: March 29, 2024 [eBook #73284]Language: GermanOriginal publication: Leipzig: B. G. Teubner, 1916Credits: Peter Becker, Marc-André Seekamp and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)
Title: Buchstabenmystik
Author: Franz Dornseiff
Author: Franz Dornseiff
Release date: March 29, 2024 [eBook #73284]
Language: German
Original publication: Leipzig: B. G. Teubner, 1916
Credits: Peter Becker, Marc-André Seekamp and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)
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INAUGURAL-DISSERTATION
ZUR ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDEDER HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄTDER RUPRECHT-KARLS-UNIVERSITÄTZU HEIDELBERG VORGELEGT
VON
FRANZ DORNSEIFF
DRUCK VON B. G. TEUBNER IN LEIPZIG 1916
Die Arbeit erscheint vollständig als Heft VII der Στοιχεῖα,herausgegeben von Franz Boll.(Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin.)
Die mystischen Spekulationen über das Alphabet und die Verwendung der Buchstaben zum Zaubern, wovon im folgenden die Rede sein soll, spielen eine große Rolle in der Kabbala und in muhammedanischen Kreisen. Es handelt sich also um Vorstellungen, die noch heute fortleben. Denn die Kabbala ist noch durchaus lebendig in der Sekte der Chasidim, der Anhänger des polnischen Messias Baal Schem († 1795)[1]und sonst im Volk wie in Theosophenkreisen. Ebenso haben die betreffenden muhammedanischen Sekten noch immer ihre Gemeinde, und der gelehrte Zauber, der die geheimen Kräfte der Buchstaben nutzt, ist die Hauptstütze für den Islam bei den wilden Völkern.[2]Die Wurzeln dieser Superstition liegen im Altertum, wie für so vieles im späteren Judentum und im Islam. Der reiche Stoff, der dies zeigt, soll hier gesammelt werden. Es läßt sich auch erkennen, aus welchen ganz bestimmten antiken Voraussetzungen diese Art der Mystik erwachsen ist, die sich dann als dauernder Bestandteil der mystischen Formensprache so lange gehalten hat.
[1]Jewish Encyclopedia s. v. Hasidim. Martin Buber, Vom Geist des Judentums, Leipzig 1916 S. 108 ff. Eliasberg, Süddeutsche Monatshefte 13 (1916) S. 703 ff.[2]Becker in der Zeitschrift „Der Islam“ II (1911) S. 31 ff. Besonders Maghrib gilt bis in die neuesten Zeiten als Hochschule kabbalistischer Kunst, s. Goldziher, Zeitschr. d. d. morgenl. Ges. 41 (1887) S. 49.
[1]Jewish Encyclopedia s. v. Hasidim. Martin Buber, Vom Geist des Judentums, Leipzig 1916 S. 108 ff. Eliasberg, Süddeutsche Monatshefte 13 (1916) S. 703 ff.
[1]Jewish Encyclopedia s. v. Hasidim. Martin Buber, Vom Geist des Judentums, Leipzig 1916 S. 108 ff. Eliasberg, Süddeutsche Monatshefte 13 (1916) S. 703 ff.
[2]Becker in der Zeitschrift „Der Islam“ II (1911) S. 31 ff. Besonders Maghrib gilt bis in die neuesten Zeiten als Hochschule kabbalistischer Kunst, s. Goldziher, Zeitschr. d. d. morgenl. Ges. 41 (1887) S. 49.
[2]Becker in der Zeitschrift „Der Islam“ II (1911) S. 31 ff. Besonders Maghrib gilt bis in die neuesten Zeiten als Hochschule kabbalistischer Kunst, s. Goldziher, Zeitschr. d. d. morgenl. Ges. 41 (1887) S. 49.
Nach dem Glauben mancher Völker stammt die Schrift von den Göttern. Keines unter diesen hat wohl die Findung der Buchstaben so sehr als kosmisches Ereignis ersten Ranges betrachtet wie es die altnordischen Skalden taten, von deren Dichtung die ältere Edda Reste erhalten hat. In der Edda[3]muß nach einem tiefsinnigen Mythus Odin,der oberste Gott, sich selbst opfern, um mit den Runen Wissen und Zaubermacht zu erlangen:
„Ich weiß, daß ich hing am windbewegten BaumNeun Nächte durch,Verwundet vom Speer, geweiht dem Odin,Ich selber mir selbst.Man bot mir kein Horn noch Brot zur Labung,Nach unten spähte mein Aug’,Ächzend hob ich, hob aufwärts[4]die Runen,Zu Boden fiel ich alsbald.Zu gedeihen begann ich und bedacht zu werden,Ich wuchs und fühlte mich wohl.Ein Wort fand mir das andere Wort,Ein Werk das andere Werk.Runen wirst du finden, geratene Stäbe,Stäbe voll Stärke, Stäbe voll Heilkraft,Von dem Fürsten der Sänger gefärbt,Von mächtigen Göttern gemacht,Es ritzte sie Ragna-Hropt“ usw.
„Ich weiß, daß ich hing am windbewegten BaumNeun Nächte durch,Verwundet vom Speer, geweiht dem Odin,Ich selber mir selbst.Man bot mir kein Horn noch Brot zur Labung,Nach unten spähte mein Aug’,Ächzend hob ich, hob aufwärts[4]die Runen,Zu Boden fiel ich alsbald.Zu gedeihen begann ich und bedacht zu werden,Ich wuchs und fühlte mich wohl.Ein Wort fand mir das andere Wort,Ein Werk das andere Werk.Runen wirst du finden, geratene Stäbe,Stäbe voll Stärke, Stäbe voll Heilkraft,Von dem Fürsten der Sänger gefärbt,Von mächtigen Göttern gemacht,Es ritzte sie Ragna-Hropt“ usw.
„Ich weiß, daß ich hing am windbewegten BaumNeun Nächte durch,Verwundet vom Speer, geweiht dem Odin,Ich selber mir selbst.Man bot mir kein Horn noch Brot zur Labung,Nach unten spähte mein Aug’,Ächzend hob ich, hob aufwärts[4]die Runen,Zu Boden fiel ich alsbald.Zu gedeihen begann ich und bedacht zu werden,Ich wuchs und fühlte mich wohl.Ein Wort fand mir das andere Wort,Ein Werk das andere Werk.Runen wirst du finden, geratene Stäbe,Stäbe voll Stärke, Stäbe voll Heilkraft,Von dem Fürsten der Sänger gefärbt,Von mächtigen Göttern gemacht,Es ritzte sie Ragna-Hropt“ usw.
„Ich weiß, daß ich hing am windbewegten Baum
Neun Nächte durch,
Verwundet vom Speer, geweiht dem Odin,
Ich selber mir selbst.
Man bot mir kein Horn noch Brot zur Labung,
Nach unten spähte mein Aug’,
Ächzend hob ich, hob aufwärts[4]die Runen,
Zu Boden fiel ich alsbald.
Zu gedeihen begann ich und bedacht zu werden,
Ich wuchs und fühlte mich wohl.
Ein Wort fand mir das andere Wort,
Ein Werk das andere Werk.
Runen wirst du finden, geratene Stäbe,
Stäbe voll Stärke, Stäbe voll Heilkraft,
Von dem Fürsten der Sänger gefärbt,
Von mächtigen Göttern gemacht,
Es ritzte sie Ragna-Hropt“ usw.
Die Buchstaben sind hier die Fundamente alles Wissens und der Preis, um den sie erworben werden, kann gar nicht hoch genug sein. Ist nun Ähnliches schon im Altertum zu entdecken?
Die Vorstellung von der göttlichen Herkunft der Schriftzeichen finden wir sonst besonders da, wo die Kunst des Schreibens lange das Sonderrecht einer Kaste geblieben ist. Im alten Orient genießt der Schreiber, der in der Regel dem Priesterstand angehört, hohes Ansehen. Er trägt linnene Gewänder, da nichts Tierisches ihn berühren darf.[5]Der Schreiber hat unter den Göttern seinen Patron, der zugleich sein Gegenstück im Himmel, der Schreiber der Götter, ist. In Babel ist es Nebo[6], in Ägypten Thoth. Nebo, Marduks Sohn, ist der Gott, der dieSchicksale aufschreibt und so das Leben verkürzt oder verlängert mit seinem „Griffel des Geschickes“.[7]Er gab den Menschen die Schrift. Für die Ägypter hat das Thot[8]getan, der Gott der Worte und Bücher, der Erfinder der magischen Formeln, denen nichts widersteht, und Verfasser der Zauberbücher, der Erfinder fast aller Kulturgüter. Jede Hieroglyphe ist für den Ägypter ein Gotteswort.[9]Später machte dem Thoth Isis die Ehre der Buchstabenerfindung streitig.[10]Im Islam finden wir die Lehre, daß Gott selbst die Buchstaben schuf und sie dem Adam offenbarte als ein Geheimnis, das er keinem der Engel kundtat.[11]Ja, eine alte und angesehene Tradition läßt diese Vorstellung sogar beim Beginn der Sendung Muhammeds eine Rolle spielen. Nach ihr wurde der Prophet von einem Engel nachts besucht und heftig aufgefordert, eine von dem Engel mitgebrachte Schrift zu rezitieren, die von Gott als Schöpfer und Offenbarer der Schreibkunst handelte — im Koran als Sura 96: „Verkündige im Namen deines Herrn, der schuf, der den Menschen von geronnenem Blute schuf; verkündige, denn dein Herr ist der gnädigste, er, der mit der Feder unterrichtete usw.“ In dieser Überlieferung spricht sich die naive Wertschätzung einer heiligen Schrift aus, die Muhammeds Buß- und Gerichtspredigt begleitete. Der Glaube daran, daß die Buchstaben in der Zeit, zumal durch menschliche Erfindung, entstanden seien, wird noch heute von orthodoxen Islamiten als Ketzerei gebrandmarkt.[12]
Darin treffen sie sich mit den Christen der orientalischen Kirchen.„Vor anderthalbtausend Jahren ersannen zwei Männer dasarmenische Alphabet, der heilige Mesrop erfand die Konsonanten und der Katholikos Sahak fügte die Vokale hinzu. König Wramschapuch half ihnen dabei und sorgte dafür, daß die neue Schrift durch eine Bibelübertragung sofort geheiligt wurde. Die einem fremden Auge wild verschnörkelten Zeichen, die mit geringen Änderungen heute noch gebraucht werden, gaben erst die Möglichkeit, die überaus lautreiche armenische Sprache schriftlich niederzulegen, für die das griechische und syrische Alphabet ungenügend gewesen war. Noch der Apostel Gregor, der dem Volke das Evangelium armenisch verkündete, hatte in den beiden fremden Sprachen geschrieben. Mit dem eigenen Alphabet war die Sprache fixiert, mit der Sprache die Kirche, die ihren monophysitischen Glauben für sich allein beibehielt, von der gefährlichen Berührung mit den Byzantinern geschieden, mit der Kirche die armenische Nation über alle politische Spaltungen hinaus vereint. Das armenische Alphabet ist nicht minder bedeutsam als das slawische, mit dem Kyrill und Methodius eine ganze Völkerfamilie von der westlichen Kultur trennten. Nur wer bedenkt, wie heute noch um Schriftzeichen gekämpft wird, wie etwa in Albanien unversöhnlicher Haß die Anhänger des arabischen und des lateinischen Alphabetes trennt, kann die Hartnäckigkeit verstehen, mit der im Orient jedes Volk an den krausen Zeichen hängt, die ihm seine kulturelle Selbständigkeit bedeuten oder doch vortäuschen. Und darum reden die Mönche von Etschmiadsin, deren Abt ein Papst ist und deren Gemeinde ein Volk, von den Buchstaben, die einer der Ihren erfunden, mit größerer Ehrfurcht als von Gott und seinem eingeborenen Sohne selber.“[13]
Im Gegensatz zu diesen orientalischen Vorstellungen fehlen in Griechenland derartige Mythen nahezu ganz, ebenso wie ein bevorrechteter schreibender Priesterstand fehlt. Die gebildeten Griechen der klassischen Zeit waren sich bewußt, die Buchstabenschrift wie so manche Erfindungen, die dem praktischen Leben dienen, aus dem älteren Orient überkommen zu haben. Es machte ihnen wenig aus, trotz ihres regen Interesses für mythische εὑρεταί, ob ihren eigenen Vorfahren oder Nichtgriechen die Priorität zukam. Ja, sie haben der ehrwürdigen Weisheit des Ostens eher in zu vielen als zu wenig Dingen die Urheberschaft zugestanden. Der wirkliche Ursprung der von den Griechen übernommenen Schrift, der durch die Epigraphik bestätigt wird, steht bei Hekataios und Dionysios, den milesischen Logographen (fr. 36 I FHG I p. 29II p. 5)[14]und bei Herodot zu lesen (5, 58): die Phoiniker — angeblich unter Kadmos — haben den Ionern die Buchstaben gebracht. Deshalb heißen die Buchstaben φοινιϰήϊα vgl. Kritias bei Athen. epit. p. 28 Kaibel = Fragmente der Vorsokratiker ed. Diels p. 614, 10 und unzählige Stellen, welche zeigen, daß die Gebildeten, insbesondere die Grammatiker, das immer gewußt haben.
Neben dieses Wissen trat früh eine andere Anschauung. Die ägyptischen Denkmäler einer uralten Vergangenheit haben auf die Griechen einen starken Eindruck gemacht. Sie sahen mit neidischer Bewunderung auf die schön geordnete Überlieferung einer ungeheuren Vorzeit, über die sie selbst nur die lästerlichen Lügen ihrer Dichter besaßen. Solon muß sich in Platons Timaeus p. 22 a sagen lassen: Ὧ Σόλων, Ἕλληνες ἀεί παῖδές ἐστε ... νέοι ἐστὲ τἀς ψυχὰς πάντες· οὐδεμίαν γὰρ ἐν αὐταῖς ἔχετε δἰ ἀρχαίαν ἀϰοὴν παλαιὰν δόξαν οὐδὲ μάϑημα χρόνῳ πολιὸν οὐδέν.[15]Hier war die Heimat der Kultur, von hier mußte auch die Schrift stammen, das mußte sich jedem aufdrängen, dem die Priester die uralten Inschriften auf Pyramiden und Tempelwänden wiesen.[16]
Wo Platon, der die Pyramiden wohl selbst gesehen hatte, auf den Ursprung der Schrift zu reden kommt, spricht er nur davon, daß der Ägypter Theuth die Buchstaben erfunden hat. Im Phaidros 274 c heißt es, der δαίμων Theuth sei einst zu dem König Thamus gekommen und habe ihm allerlei Erfindungen, darunter auch die Schrift, vorgelegt.[17]
Damit stand Platon unter den Griechen nicht allein. Kadmos wird dementsprechend zum Ägypter gemacht.[18]Auch Danaos, der Bruder des Aigyptos, sollte die Schrift aus Ägypten mitgebracht haben, nach Pythodoros (schol. in Dionys. Thrac. p. 190, 22; 183, 7 Hilgard). Der Historiker Antikleides aus Athen, der nach Schwartz (bei Pauly-Wissowa s. v. Antikleides) im 3. Jh. schrieb, bewies aus Monumenten, daß der ägyptische König Men die Schrift erfunden habe (Plin. n. h. VII 57, 192).[19]
Der ägyptische Thot von Hermupolis war nach griechischer Anschauung niemand anders als Hermes von Kyllene. Der erfindungsreiche Gott, dem Apollon die Lyra verdankte und die Griechen die Wettspiele, konnte recht gut auch die Schrift erdacht haben. Hekataios von Abdera, der die Bestrebungen der Lagiden, Griechen und Ägypter zu verschmelzen — vielleicht unbewußt — unterstützte[20], hat in seinem Bericht, auf dem Diodors erstes Buch beruht, erzählt (Diod. I 16), von Hermes (= Thoth) sei zuerst die allgemeine Sprache gegliedert und vieles bisher Namenlose benannt worden, von ihm seien die Buchstaben erfunden und alles, was die Verehrung der Götter und die Opfer betreffe, geordnet worden. Den Griechen soll er die Regeln der ἑρμηνεία gelehrt haben, daher sein Name Hermes.[21]Umformung hekatäischen Stoffes ist es, wenn bei Artapanos(um 100 v. Chr.) Hermes, der Vater der Erfindungen, zum Moses-Hermes wird.[22]
An den durch Philon von Byblos erhaltenen Stücken hellenistisch-phönikischer Kosmogonien kann man sehen, wie die Schrift als Gabe des Thoth in der Spekulation hermetischer Theologen für heilig angesehen wurde[23]: πρὸ δὲ τούτων ϑεὸς Τάαυτος μιμησάμενος τῶν συνόντων ϑεῶν ὄψεις, Κρόνου τε ϰαὶ Δαγῶνος ϰαὶ τῶν λοιπῶν, διετύπωσε τοὺς ἱεροὺς στοιχείων χαραϰτῆρας.[24]Und an einer anderen Stelle: Καὶ τὰ μὲν πρῶτα στοιχεῖα τὰ διὰ τῶν ὄφεων, ναοὺς ϰατασϰευασάμενοι ἐν ἀ<δ>ύτοις ἀψιέρωσαν, ϰαὶ τούτοις ἑορτἀς ϰαὶ ϑυσίας ἐπετέλουν ϰαὶ ὄργια, ϑεοὺς τοὺς μεγίστους νομίζοντες ϰαὶ ἀρχηγοὺς τῶν ὅλων. Die Stellung des Oannes bei Berossos (fr. 1 Dübner, FHG II p. 497), der den Menschen Schrift, Künste und Gottesdienst lehrte, will Reitzenstein, Poimandres 109[25], durch die Annahme ägyptischer Einflüsse verständlich machen. Aber warum sollen die Babylonier nicht von sich allein aus derartiges über Ea gelehrt haben, den „Herrn der Weisheit“?[26]
Der griechische Hermes erscheint als Erfinder der Schrift bei Mnaseas (Müller, FHG III p. 156 = schol. in Dionys. Thrac. p. 183, 15), Apollodor von Athen (schol. zu ψ 198), Cicero, de nat. deor. III 22, 56, Varro bei Augustinus, de doctrina christ. II 28, Hygin fab. 277, Cassiodor variae VIII 12 (da steht, Mercur habe die Form der Buchstaben dem Flug der Kraniche abgesehen, vgl.S. 10 Anm. 2).[27]
Natürlich nannten manche Griechen noch andere εὑρεταί. NachEphoros hatte Kadmos sie nicht nur gebracht, sondern auch selber erfunden.[28]Sehr nahe lag es, sie dem erfindungsreichen Palamedes[29]zuzuschreiben. Das tat zuerst Stesichoros in seiner zweiten Orestie.
Ob seiner ähnlichen Findigkeit wird man an Sisyphos[30]gedacht haben. Außerdem werden als Erfinder genannt Prometheus[31], Herakles[32], Phoinix[33], der Paidagogos des Achilleus (nach Duris) oder ein König von Tyros — offenbar eine Deutung der Bezeichnung φοινιϰήια. Den Musaios (vgl. schol. in Dionys. Thrac. p. 183) nennt einmal Artapanos (vgl. obenS. 8 f). Diese Ansicht muß nicht auf dem Umweg über die Gleichung Thoth = Moses entstanden sein[34]: auch Orpheus und Linos[35]erscheinen unter den Schrifterfindern. In Latium hat Euandros[36]sie gelehrt, der durch seine Herkunft aus Arkadien, dem reineren Lande weiser, gerechter Menschen, dazu berufen war, den Völkern geistige Güter zu übermitteln. In einem Scholion zu Dionysios Thrax steht, die Buchstaben seien vom Himmel gefallen[37], auch Athena wird dort[38]als Buchstabenerfinderin genannt. Sie lehrt schon auf einer schönen rotfigurigen Vase dem Palamedes — das wird wohl der bärtigeSchüler sein — die Schreibkunst (Ch. Lenormant et de Witte, Elite des monuments céramographiques, Paris 1844, I p. 252 f.). Doch das ist ganz singulär. Wäre es etwas Geläufigeres, so hätte es der Rhetor Aristides in seiner Lobrede auf Athena gewiß hervorgeholt, wo er die εὑρήματα der Göttin preist. Aber da steht nichts von Buchstaben.
In Diodors Inselbuch V 74 wird den Musen die γραμμάτων εὕρεσις zugeschrieben. Daß der Kreter Dosiades[39](3. Jh.) in seinen Κρητιϰά behauptete, die Buchstaben seien in Kreta erfunden worden[40], steht so vereinzelt, daß es wohl keine Kenntnis der Scripta minoa verrät. Denn die Notiz schol. in Dionys. Thrac. p. 184, 29: Ἀλέξανδρος δὲ ὁ Ῥόδιος (sc. φησί Φοινίϰεια τὰ γράμματα ἐλέγοντο) ἀπὸ Φοίνιϰος τοῦ Προνάπου ϰαὶ Εὐρώπης, εὑρόντος αὐτὰ ὲν Κρήτη, ὃν ἀπέϰτεινε Ῥαδάμανϑυς φϑονήσας ist bis auf weiteres nicht zu deuten. Pronapos sieht aus, als verdanke er sein Dasein einer genealogischen Operation mit Προναπίδης, dem Lehrer Homers aus Athen.
Die Widersprüche der Überlieferung, die verschiedene εὑρεταί gab, führten dazu, das Verdienst an mehrere Erfinder zu verteilen. Darin spiegelt sich zugleich die allmähliche Anpassung des phönikischen Alphabets an die griechischen Bedürfnisse durch Umdeutung und Hinzufügung von Buchstaben. Simonides, der manche palamedeisch-sophistische Züge zeigte und sich großen Rufes als Gedächtniskünstlers erfreute, und Epicharmos, der ἀρχηγός einer wichtigen literarischen Gattung, sollen dem anfangs unvollkommenen Schriftsystem noch Zeichen hinzugefügt haben. Die Zeugnisse darüber sind so verschieden, daß es zwecklos wäre, sie in Einklang bringen zu wollen.[41]
Diese Musterung der Traditionen über die Herkunft der Buchstaben hat wohl gezeigt, daß im griechischen Altertum den Schriftzeichen an sich noch keine Weihe innewohnen konnte wegen ihres göttlichen Ursprungs. Den besaßen sie nicht in dem Sinn, wie man es im Orient oder im altgermanischen Norden glaubte. Es hat keinen antiken Gott gegeben, dessen Funktionen mit der Schreibkunst wesentlich zusammenhängen, und was ein Heros erfunden hatte, war deshalb noch nicht heilig. Dieser Glaube scheidet also als Quelle für griechische Alphabetmystik und -magie aus.
Für den Analphabeten bildet die Kunst des Schreibens leicht ein unheimliches Mysterium, und derer wird es in der „unschuldigen Zeit“ des Altertums (Lachmann) stets viele gegeben haben. Was der Mensch an Bildung damals besitzen mußte, war unendlich viel weniger als bei uns, und infolgedessen wurden auch die Anfangsgründe nicht als etwas Selbstverständliches gering geachtet. Das Alphabet als Gegenstand des Wissens war im Athen des 5. Jahrhunderts etwas, worüber man ernsthaft reden durfte, selbst von der tragischen Bühne herab, wie γρίφος-artige Fragmente des Sophokles, Euripides, Agathon, Theodektes[42]und die später zu besprechende γραμματοτραγωδία des Kallias zeigen. Das Schreiben war für viele eine gewichtige feierliche Handlung. Trotzdem war dies keine entscheidende Ursache für die Entstehung der Buchstabenmystik. Diese liegt anderswo.
[3]In den „Sprüchen Hars“ (Hǫ́vamǫl): Die ältere Edda übers. Gering, Bielefeld u. Leipzig 1902 S. 105, vgl. R. M. Meyer, Altgermanische Religionsgeschichte, Leipzig 1910 S. 257; Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde IV, Berlin 1898 S. 686 f. Über magische Runen s. Uhland, Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage VI. Stuttgart 1868 S. 225–277. Doutté, Magie et religion dans l’Afrique du Nord, Alger 1909 p. 172. P. Köbke, Om runere i Norden p. 50 (mir nicht zugänglich). Zauberrunen und Glaube an die Macht des Wortes besonders stark bei den Finnen, s. Buber, Literarisches Echo 1912 Sp. 1614. Comparetti, Kalewala, Halle 1892 S. 262. Zahlensymbolische Geheimschriften auf Grund der Runen s. Pauls Grundriß der germanischen Philol. I 260.[4]Dabei fällt einem der Ausdruck ἀναιρεῖν für das Orakelerteilen in Delphi ein, vgl. Heinevetter, Würfel- und Buchstabenorakel, Dissertation Breslau 1912 S. 40. Vielleicht ist Wodun Schrifterfinder, weil er dem Hermes gleichgesetzt wurde (wednesday = mercoledi). Hommel, Archiv für Schriftkunde 1 (1914) S. 50.[5]So auch der Schreiberengel Hesekiel 9, 2, dazu Gunkel, Archiv f. Religionswissenschaft I (1898) S. 294 ff.: über die Tracht des ägyptischen ιερογραμματεύς, der einen Sperberflügel auf dem Kopf trägt, s. Clemens Alexandrinus, Strom. VI 4, 36 u. Diodor I 87, vgl. Reitzenstein, Poimandres, Leipzig 1904 S. 153.[6]Es ist sehr wahrscheinlich, daß die jüdische Vorstellung von einem himmlischen Schreiber, einem Buche des Lebens (Apc. 3, 5) babylonischer Herkunft ist, vgl. Gunkel, Archiv f. Religionswissenschaft 1 (1898 S. 298. Jeremias s. v. Nebo in Roschers mythol. Lexikon III, Sp. 55 f. P. Paul Dhorme, La religion assyro-babylonienne, Paris (Gabalda) 1910 p. 103 f. Kan, De Jovis Dolicheni cultu, Diss. Groningen 1901 p. 52. Johannes Hehn, Die biblische und babylonische Gottesidee, Leipzig 1913 S. 69: „Es verdient bemerkt zu werden, daß man Nebo nicht bloß den beschränkten Wirkungskreis des Schreibergottes zuerkannte, sondern ihn auf Grund seiner Schreibertätigkeit auf die höchste Stufe des Pantheons erhob und zum Weltenherrn stempelte.“ S. auch Birt, Schreibende Gottheiten, Neue Jahrb. 19 (1907) S. 700 ff.[7]In den Balkansprachen bedeutet der Ausdruck für „es ist sein Schicksal“ soviel wie „es ist ihm geschrieben“; es mag dabei auch die Sternenschrift am Himmel mitspielen.[8]Maspéro, Histoire ancienne des peuples de l’orient classique I (1895) p. 145, 220. Brugsch, Religion und Mythologie der alten Ägypter, Leipzig 1888 S. 446.[9]Hymnos von Ios IG XII, VI Nr. 14 Zeile 5–8; Hymnos von Andros Zeile 10 ff., dazu Sauciuc, Andros, Sonderschriften d. österreich. Instituts VIII (1914) S. 122; derselben Ansicht war auch Varro nach Augustin de civit. dei XVIII 37 und Eugenius Toletanus, De inventoribus literarum „Isis arte non minori protulit Aegyptias“ sc. literas MGH Script. antiquiss. XIV p. 257 v. 5.[10]Reitzenstein, Poimandres S. 63, 64 und 269.[11]Schanawânî † 1610 n. Chr., Bl. 6 v. zitiert bei Goldziher, Zeitschrift der deutschen morgenländ. Gesellschaft 26 (1872) S. 782 (Flügel, Catalog der Wiener arab. Hss. nr. 210 I p. 192).[12]Tiele-Söderblom, Kompendium der Religionsgeschichte, Berlin 1912 S. 185. Goldziher, Abhandl. d. Göttinger Ges. d. Wissenschaften 1907 S. 26.[13]Weigel, Frankfurter Zeitung 14. Juli 1915, Nr. 193.[14]Es stimmt gut zu den vielen Beziehungen Milets zur Kadmossage, daß hier zuerst „der Phönikier“ Kadmos als Buchstabenbringer betrachtet wird, vgl. Crusius in Roschers Lexikon s. v. Kadmos Sp. 874.[15]Diese Äußerung Platons bekamen später die Ἕλληνες von den Christen oft zu hören: Clem. Alex. Strom. I 15 p. 357 P. S. 43 Staehlin. Euseb. Praep. ev. X 4 p. 471 c.[16]Die „symbolische“ Schrift der Ägypter bei Clem. Alex. Strom. V 4 p. 657 P. und Porphyr. vit. Pyth. 12 ist das änigmatische oder anaglyphische System, das aus der Hieroglyphenschrift künstlich komplizierter gestaltet ist. „Dieses System kam erst in den späten Zeiten des Verfalls des Ägyptertums in Gebrauch; da dies aber gerade die Zeit war, in welcher die Griechen das Land kennen lernten, so spielt es bei diesen, die es in seiner Kompliziertheit freilich nicht verstanden, eine große Rolle.“ Wiedemann, Herodots II. Buch, 1890 S. 164.[17]Die Erzählung ist wohl eine altägyptische Legende, vgl. Reitzenstein, Zwei religionsgesch. Fragen (1901) S. 123, Poimandres 123. Die Kritik des Königs an der Erfindung — er meint, sie wird das menschliche Gedächtnis schwächen — ist jedoch sicher erst platonisch: sie paßt zu gut zu einer Tendenz des Dialoges, die mündliche Dialektik über alles Schreiben zu stellen, und stimmt überein mit Platons nicht sehr hoher Meinung von den Ägyptern überhaupt. Phileb. 18 b wird erörtert, wie zwischen dem Eins und dem Vielen ein richtiges Vermitteln nötig sei. Theuth — εἴτε τις ϑεὸς εῖτε ϰαὶ ϑεῖος ἅνϑρωπος (das Schwanken, ob Theuth Mensch oder Gott ist, ist in ägyptischen Vorstellungen begründet, Reitzenstein, Zwei religionsgesch. Fragen (1901) S. 119) — sei da vorbildlich verfahren: als er darüber nachdachte, wie in der φωνή ἄπειρος ein ϰέρας zu finden sei, erklärte er nicht kurzerhand alles für ein ὲν — etwa wie der p. 15 e köstlich geschilderte junge Mann — sondern unterschied zuerst φωνήεντα, dann tönende Konsonanten, dann ἄφωνα. Erst zum Schluß faßte er alles unter dem Begriff στοιχεῖον zusammen. Der folgende Satz heißt in deutscher Paraphrase: weil er aber sah, daß keiner von uns jemals in die Lage komme, nur einen einzigen Buchstaben ohne die übrigen verstehen zu müssen, so fand er noch das Band, das, selbst eine Einheit, auch all dies zur Einheit — nämlich zur φωνή, der Mitteilung in Worten und Sätzen — gestaltet, und nannte diese Kunst, weil sie bei den γράμματα zur Verwendung kommt, γραμματιϰὴ τέχνη. Vgl. v. Bissing, Neue Jbb. 29 (1912) S. 95 f.[18]Diod. I 23, 4; Hygin fab. 277; Pausan. IX 12, 2.[19]Seine Gleichsetzung des Prometheus mit Thoth (Plut. de Iside et Os. 37, ebenso Istros περὶ τῆς Αἰγυπτίων ἀποιϰίας Clem. Alex. strom. I 21 p. 382 Potter S. 68 Staehlin) hatte also andere Gründe als die Buchstabenerfindung.[20]Ed. Schwartz, RM 40 (1885) S. 256.[21]Hermes λόγιος: Platon Kratyl. 407; Cornut. 16; Plotin Enn. 3, 6, 18; Hippolyt. philos. 5, 7; Porphyr. apud. Euseb. praep. ev. 3, 11 p. 114; Eitrem PW s. v. Hermes XV (1912) p. 782. Hermes-Thot „mit der Feder“, wie Furtwängler (Bonner Jahrbb. 103 (1898) S. 1 ff. 107 (1902) S. 45 ff. — Kleine Schriften, München 1913 S. 372 ff.) u. a. (Loeschcke ebenda 107, 48 ff., Reitzenstein, Poimandres S. 3) eine Reihe von hellenistischen Darstellungen benannten und für den Schreibergott erklärten, ist allerdings nicht zu halten. Das Attribut auf dem Kopf ist vielmehr ein Lotosblatt, R. Foerster, Röm. Mitt. 29 (1914) S. 171 ff. s. oben S. 4 Anm. 2. Aber ψυχοπομπός war Thoth wie Hermes: Pietschmann, Hermes Trismegistos 1875 S. 21. Reitzenstein, Poimandres 100.[22]F. Jacoby s. v. Hekataios bei PW Sp. 2756; Reitzenstein, Poim. 182, Zwei religionsgesch. Fragen 13. Auch nach Eupolemos hat Moses die Buchstaben erfunden (Eus. praep. ev. IX 26 p. 431 c).[23]Philon von Byblos, φοινιϰιϰὴ ἱστορία bei Eusebios praep. evang. I 10, p. 39 a. Müller FHG III p. 560 fr. 2 § 25. Reitzenstein, Poimandres 162.[24]Philon von Byblos περὶ τῶν Φοινίϰων στοιχείων fr. 9 aus Eus. praep. ev. I 10 p. 42 b FHG III p. 573. Reitzenstein, Poimandres 162, 2. Thoth hat nichts mit der Schlange zu tun. Die Syrer machten ihn zum Schlangengott, weil tut = Schlange ist nach Baudissin, Studien zur semitischen Religionsgeschichte, Gießen 1876, I S. 19. Reitzenstein deutet das auf die Stelen des „Königs“ Amon (Philon von Byblos bei Eus. praep. ev. I 9, 24), auf die er die Offenbarungen aufzeichnete, die Hermes ihm gegeben hatte nach Jamblich. de mysteriis VIII 4 und der alchimistischen Schrift des Pibechios bzw. Pibeches (a. a. O. S. 107, 363; A. Dieterich, Kl. Schriften 8). Darauf befand sich u. a. das Symbol der Schlange, die sich in den Schwanz beißt.[25]Thoth erscheint außerdem noch bei Strabo p. 816. Plut. quaest. conv. 9, 3. 12 p. 738 e: daher sei ἴβις der erste Buchstabe (? noch unerklärt!); de Iside et Osir. 3. Nach Arnob. adv. nat. IV 14 hat der griechische Hermes während eines Exils in Ägypten die Schrift erfunden.[26]Jeremias in Roschers Lexikon s. v. Oannes III 1 Sp. 590 f.[27]Knaack, Hermes 16 (1881) 590.[28]Schol. in Dionys. Thrac. p. 183, 1. Hilgard (1901). Diese Scholien stammen nach Hörschelmann, acta societatis philol. Lips. IV (1875) p. 297 ff. aus dem 7. Jahrh. n. Chr.[29]Über Palamedes als großen Erfinder Jahn, Palamedes (1836) S. 23; Kremmer, de catalogis heurematum, Diss. Lips. 1890 p. 44; ich entnehme Kremmer manche der jetzt folgenden Stellen. Palamedes erscheint als Schrifterfinder bei Stesichoros fr. 34 schol. in Dionys. Thrac. 185, 6, Gorgias Palam. § 30, Euripides Palamedes fr. 578, Hygin fab. 277, 31. Dio Chrysost. 13, 21; schol. Eurip. Or. 422. Athanas. contra gentes 18. Nach Philostrat. heroic. X 3 p. 309 und Nemesian de aucupio 15 = PLM ed. Baehrens III (1881) p. 204 hat er sie aus dem Flug der Kraniche gelernt, vgl. auch schol. in Dionys. Thrac. 320, 20 (dazu oben S. 9). Daß man aus den Linien des Fluges der Kraniche ein Λ bzw. ein Υ herauslas, zeigt Lucan V 716 und Martial XIII 75, vgl. Lewy in Roschers Lexikon s. v. Palamedes.[30]schol. zu Dionys. Thrac. 185, 7.[31]Aischylos Prom. 460 (467); schol. zu Dionys. Thrac. p. 190. 183, 16; 185, 8.[32]Plut. quaest. Romanae 59 p. 278 e.[33]Der Erzieher Achills nach Duris FHG II p. 473 fr. 16, schol. zu Dionys. Thrac. p. 184, 27; ein phoinikischer König nach Dosiades, s. S. 11.[34]So Reitzenstein, Zwei religionsgeschichtliche Fragen 101.[35]Orpheus nach Alkidamas Odysseus 24 (Dieterich, Die Grabschrift des Aberkios, Leipzig 1896 S. 34, 2); Linos als Kadmos’ Schüler nach Diod. III 67; Tacitus ann. XI 14; Suidas s. v. Λίνος.[36]Livius I 7, 8; Dionys. Halic., arch. rom. I 33; Tac. I. I. Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici latini VI 194. Hae (sc. litterae) auctore, ut quidam volunt, Euandro, ut alii, Hercule in Italiam a Pelasgis adlatae sunt. Oder auch seine Mutter Nicostrata, Eugenius von Toledo, carm. 39, 3.[37]Schol. in Dionys. Thrac. p. 185, 9.[38]Ebenda p. 182, 18.[39]Ebenda p. 183, 12.[40]Bei ihm sind übrigens alle Erfinder aus Kreta.[41]Aristoteles fr. 501 Rose = Plin. n. h. VII 57, 192: Kadmos 16, Palamedes ζυφχ, Simonides ψξωϑ, Epicharmos vielleicht ϑχ. Hygin fabul. 277, 31: Palamedes 11, Simonides ωηξψ, Epicharmos ϑχ. Tacitus ann. II 14: Simonides hat alle übrigen zu den alten 16 hinzuerfunden. Irenaeus adv. haer. I 15, 4 Manucci: Kadmos hat 16 gebracht, dann haben die Griechen Aspiraten und Doppelkonsonanten dazuerfunden, zuletzt soll Palamedes die langen Vokale hinzugetan haben. Theodosios von Alexandria περὶ γραμματιϰῆς p. 1 Göttling: Palamedes 16, Kadmos von Milet ϑφχ, Simonides ηω, später sind dazu gekommen ζξψ. Schol. in Dionys. Thrac. 320, 20: Palamedes hat alle 16 Buchstaben erfunden, die andern haben Zusätze gemacht, Kadmos ϑφχ, Simonides ηω, Epicharmos ζξψ; ebenda p. 185, 7: Simonides ηωξψ, Epicharmos die Aspiraten und ζ, vgl. ebenda p. 191, 30 Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici Latini VI p. 194, 15: Kadmos 16, Simonides ζξωϑ, Palamedes ηψχφ, ebenso Audacis excerpta ibid. VII p. 325, 6. Suidas s. v. Palamedes: ζπφχ, s. v. Simonides: die langen Vokale und die Doppelbuchstaben. Nach Servius zu Aen. II 81 hat Palamedes vielleicht alle erfunden, sicher aber das χ. Die von ihm angefertigten Lettern sind noch im Apollotempel zu Sikyon zu sehen nach Ampelius liber memorialis VIII 5, woraus wohl zu schließen ist, daß sich in dem Tempel des Apollon Στοιχείος zu Sikyon ein Buchstabenorakel (vgl. darüber unten den besonderen Abschnitt) befand, Pfister, Wochenschrift f. kl. Philologie 31 (1914) 477 f. Über die relative Berechtigung dieser εὑρήματα s. Lenormant bei Daremberg-Saglio I, Paris 1873 p. 205 ff.[42]Euripides hat im Θησεύς die Buchstaben des Namens Θησεύς γρίφος-artig beschrieben, ebenso Agathon und Theodektes (Athen. X 454 bc.) ϰαὶ Σοφοϰλής δὲ τούτω παραπλήσιον ἐποίησεν ὲν Ἀμφιαράῳ σατυριϰῷ τὰ γράμματα παράγων ὀρχούμενον Athen. X 80 p. 454 f. — fr. 117 Nauck³.
[3]In den „Sprüchen Hars“ (Hǫ́vamǫl): Die ältere Edda übers. Gering, Bielefeld u. Leipzig 1902 S. 105, vgl. R. M. Meyer, Altgermanische Religionsgeschichte, Leipzig 1910 S. 257; Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde IV, Berlin 1898 S. 686 f. Über magische Runen s. Uhland, Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage VI. Stuttgart 1868 S. 225–277. Doutté, Magie et religion dans l’Afrique du Nord, Alger 1909 p. 172. P. Köbke, Om runere i Norden p. 50 (mir nicht zugänglich). Zauberrunen und Glaube an die Macht des Wortes besonders stark bei den Finnen, s. Buber, Literarisches Echo 1912 Sp. 1614. Comparetti, Kalewala, Halle 1892 S. 262. Zahlensymbolische Geheimschriften auf Grund der Runen s. Pauls Grundriß der germanischen Philol. I 260.
[3]In den „Sprüchen Hars“ (Hǫ́vamǫl): Die ältere Edda übers. Gering, Bielefeld u. Leipzig 1902 S. 105, vgl. R. M. Meyer, Altgermanische Religionsgeschichte, Leipzig 1910 S. 257; Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde IV, Berlin 1898 S. 686 f. Über magische Runen s. Uhland, Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage VI. Stuttgart 1868 S. 225–277. Doutté, Magie et religion dans l’Afrique du Nord, Alger 1909 p. 172. P. Köbke, Om runere i Norden p. 50 (mir nicht zugänglich). Zauberrunen und Glaube an die Macht des Wortes besonders stark bei den Finnen, s. Buber, Literarisches Echo 1912 Sp. 1614. Comparetti, Kalewala, Halle 1892 S. 262. Zahlensymbolische Geheimschriften auf Grund der Runen s. Pauls Grundriß der germanischen Philol. I 260.
[4]Dabei fällt einem der Ausdruck ἀναιρεῖν für das Orakelerteilen in Delphi ein, vgl. Heinevetter, Würfel- und Buchstabenorakel, Dissertation Breslau 1912 S. 40. Vielleicht ist Wodun Schrifterfinder, weil er dem Hermes gleichgesetzt wurde (wednesday = mercoledi). Hommel, Archiv für Schriftkunde 1 (1914) S. 50.
[4]Dabei fällt einem der Ausdruck ἀναιρεῖν für das Orakelerteilen in Delphi ein, vgl. Heinevetter, Würfel- und Buchstabenorakel, Dissertation Breslau 1912 S. 40. Vielleicht ist Wodun Schrifterfinder, weil er dem Hermes gleichgesetzt wurde (wednesday = mercoledi). Hommel, Archiv für Schriftkunde 1 (1914) S. 50.
[5]So auch der Schreiberengel Hesekiel 9, 2, dazu Gunkel, Archiv f. Religionswissenschaft I (1898) S. 294 ff.: über die Tracht des ägyptischen ιερογραμματεύς, der einen Sperberflügel auf dem Kopf trägt, s. Clemens Alexandrinus, Strom. VI 4, 36 u. Diodor I 87, vgl. Reitzenstein, Poimandres, Leipzig 1904 S. 153.
[5]So auch der Schreiberengel Hesekiel 9, 2, dazu Gunkel, Archiv f. Religionswissenschaft I (1898) S. 294 ff.: über die Tracht des ägyptischen ιερογραμματεύς, der einen Sperberflügel auf dem Kopf trägt, s. Clemens Alexandrinus, Strom. VI 4, 36 u. Diodor I 87, vgl. Reitzenstein, Poimandres, Leipzig 1904 S. 153.
[6]Es ist sehr wahrscheinlich, daß die jüdische Vorstellung von einem himmlischen Schreiber, einem Buche des Lebens (Apc. 3, 5) babylonischer Herkunft ist, vgl. Gunkel, Archiv f. Religionswissenschaft 1 (1898 S. 298. Jeremias s. v. Nebo in Roschers mythol. Lexikon III, Sp. 55 f. P. Paul Dhorme, La religion assyro-babylonienne, Paris (Gabalda) 1910 p. 103 f. Kan, De Jovis Dolicheni cultu, Diss. Groningen 1901 p. 52. Johannes Hehn, Die biblische und babylonische Gottesidee, Leipzig 1913 S. 69: „Es verdient bemerkt zu werden, daß man Nebo nicht bloß den beschränkten Wirkungskreis des Schreibergottes zuerkannte, sondern ihn auf Grund seiner Schreibertätigkeit auf die höchste Stufe des Pantheons erhob und zum Weltenherrn stempelte.“ S. auch Birt, Schreibende Gottheiten, Neue Jahrb. 19 (1907) S. 700 ff.
[6]Es ist sehr wahrscheinlich, daß die jüdische Vorstellung von einem himmlischen Schreiber, einem Buche des Lebens (Apc. 3, 5) babylonischer Herkunft ist, vgl. Gunkel, Archiv f. Religionswissenschaft 1 (1898 S. 298. Jeremias s. v. Nebo in Roschers mythol. Lexikon III, Sp. 55 f. P. Paul Dhorme, La religion assyro-babylonienne, Paris (Gabalda) 1910 p. 103 f. Kan, De Jovis Dolicheni cultu, Diss. Groningen 1901 p. 52. Johannes Hehn, Die biblische und babylonische Gottesidee, Leipzig 1913 S. 69: „Es verdient bemerkt zu werden, daß man Nebo nicht bloß den beschränkten Wirkungskreis des Schreibergottes zuerkannte, sondern ihn auf Grund seiner Schreibertätigkeit auf die höchste Stufe des Pantheons erhob und zum Weltenherrn stempelte.“ S. auch Birt, Schreibende Gottheiten, Neue Jahrb. 19 (1907) S. 700 ff.
[7]In den Balkansprachen bedeutet der Ausdruck für „es ist sein Schicksal“ soviel wie „es ist ihm geschrieben“; es mag dabei auch die Sternenschrift am Himmel mitspielen.
[7]In den Balkansprachen bedeutet der Ausdruck für „es ist sein Schicksal“ soviel wie „es ist ihm geschrieben“; es mag dabei auch die Sternenschrift am Himmel mitspielen.
[8]Maspéro, Histoire ancienne des peuples de l’orient classique I (1895) p. 145, 220. Brugsch, Religion und Mythologie der alten Ägypter, Leipzig 1888 S. 446.
[8]Maspéro, Histoire ancienne des peuples de l’orient classique I (1895) p. 145, 220. Brugsch, Religion und Mythologie der alten Ägypter, Leipzig 1888 S. 446.
[9]Hymnos von Ios IG XII, VI Nr. 14 Zeile 5–8; Hymnos von Andros Zeile 10 ff., dazu Sauciuc, Andros, Sonderschriften d. österreich. Instituts VIII (1914) S. 122; derselben Ansicht war auch Varro nach Augustin de civit. dei XVIII 37 und Eugenius Toletanus, De inventoribus literarum „Isis arte non minori protulit Aegyptias“ sc. literas MGH Script. antiquiss. XIV p. 257 v. 5.
[9]Hymnos von Ios IG XII, VI Nr. 14 Zeile 5–8; Hymnos von Andros Zeile 10 ff., dazu Sauciuc, Andros, Sonderschriften d. österreich. Instituts VIII (1914) S. 122; derselben Ansicht war auch Varro nach Augustin de civit. dei XVIII 37 und Eugenius Toletanus, De inventoribus literarum „Isis arte non minori protulit Aegyptias“ sc. literas MGH Script. antiquiss. XIV p. 257 v. 5.
[10]Reitzenstein, Poimandres S. 63, 64 und 269.
[10]Reitzenstein, Poimandres S. 63, 64 und 269.
[11]Schanawânî † 1610 n. Chr., Bl. 6 v. zitiert bei Goldziher, Zeitschrift der deutschen morgenländ. Gesellschaft 26 (1872) S. 782 (Flügel, Catalog der Wiener arab. Hss. nr. 210 I p. 192).
[11]Schanawânî † 1610 n. Chr., Bl. 6 v. zitiert bei Goldziher, Zeitschrift der deutschen morgenländ. Gesellschaft 26 (1872) S. 782 (Flügel, Catalog der Wiener arab. Hss. nr. 210 I p. 192).
[12]Tiele-Söderblom, Kompendium der Religionsgeschichte, Berlin 1912 S. 185. Goldziher, Abhandl. d. Göttinger Ges. d. Wissenschaften 1907 S. 26.
[12]Tiele-Söderblom, Kompendium der Religionsgeschichte, Berlin 1912 S. 185. Goldziher, Abhandl. d. Göttinger Ges. d. Wissenschaften 1907 S. 26.
[13]Weigel, Frankfurter Zeitung 14. Juli 1915, Nr. 193.
[13]Weigel, Frankfurter Zeitung 14. Juli 1915, Nr. 193.
[14]Es stimmt gut zu den vielen Beziehungen Milets zur Kadmossage, daß hier zuerst „der Phönikier“ Kadmos als Buchstabenbringer betrachtet wird, vgl. Crusius in Roschers Lexikon s. v. Kadmos Sp. 874.
[14]Es stimmt gut zu den vielen Beziehungen Milets zur Kadmossage, daß hier zuerst „der Phönikier“ Kadmos als Buchstabenbringer betrachtet wird, vgl. Crusius in Roschers Lexikon s. v. Kadmos Sp. 874.
[15]Diese Äußerung Platons bekamen später die Ἕλληνες von den Christen oft zu hören: Clem. Alex. Strom. I 15 p. 357 P. S. 43 Staehlin. Euseb. Praep. ev. X 4 p. 471 c.
[15]Diese Äußerung Platons bekamen später die Ἕλληνες von den Christen oft zu hören: Clem. Alex. Strom. I 15 p. 357 P. S. 43 Staehlin. Euseb. Praep. ev. X 4 p. 471 c.
[16]Die „symbolische“ Schrift der Ägypter bei Clem. Alex. Strom. V 4 p. 657 P. und Porphyr. vit. Pyth. 12 ist das änigmatische oder anaglyphische System, das aus der Hieroglyphenschrift künstlich komplizierter gestaltet ist. „Dieses System kam erst in den späten Zeiten des Verfalls des Ägyptertums in Gebrauch; da dies aber gerade die Zeit war, in welcher die Griechen das Land kennen lernten, so spielt es bei diesen, die es in seiner Kompliziertheit freilich nicht verstanden, eine große Rolle.“ Wiedemann, Herodots II. Buch, 1890 S. 164.
[16]Die „symbolische“ Schrift der Ägypter bei Clem. Alex. Strom. V 4 p. 657 P. und Porphyr. vit. Pyth. 12 ist das änigmatische oder anaglyphische System, das aus der Hieroglyphenschrift künstlich komplizierter gestaltet ist. „Dieses System kam erst in den späten Zeiten des Verfalls des Ägyptertums in Gebrauch; da dies aber gerade die Zeit war, in welcher die Griechen das Land kennen lernten, so spielt es bei diesen, die es in seiner Kompliziertheit freilich nicht verstanden, eine große Rolle.“ Wiedemann, Herodots II. Buch, 1890 S. 164.
[17]Die Erzählung ist wohl eine altägyptische Legende, vgl. Reitzenstein, Zwei religionsgesch. Fragen (1901) S. 123, Poimandres 123. Die Kritik des Königs an der Erfindung — er meint, sie wird das menschliche Gedächtnis schwächen — ist jedoch sicher erst platonisch: sie paßt zu gut zu einer Tendenz des Dialoges, die mündliche Dialektik über alles Schreiben zu stellen, und stimmt überein mit Platons nicht sehr hoher Meinung von den Ägyptern überhaupt. Phileb. 18 b wird erörtert, wie zwischen dem Eins und dem Vielen ein richtiges Vermitteln nötig sei. Theuth — εἴτε τις ϑεὸς εῖτε ϰαὶ ϑεῖος ἅνϑρωπος (das Schwanken, ob Theuth Mensch oder Gott ist, ist in ägyptischen Vorstellungen begründet, Reitzenstein, Zwei religionsgesch. Fragen (1901) S. 119) — sei da vorbildlich verfahren: als er darüber nachdachte, wie in der φωνή ἄπειρος ein ϰέρας zu finden sei, erklärte er nicht kurzerhand alles für ein ὲν — etwa wie der p. 15 e köstlich geschilderte junge Mann — sondern unterschied zuerst φωνήεντα, dann tönende Konsonanten, dann ἄφωνα. Erst zum Schluß faßte er alles unter dem Begriff στοιχεῖον zusammen. Der folgende Satz heißt in deutscher Paraphrase: weil er aber sah, daß keiner von uns jemals in die Lage komme, nur einen einzigen Buchstaben ohne die übrigen verstehen zu müssen, so fand er noch das Band, das, selbst eine Einheit, auch all dies zur Einheit — nämlich zur φωνή, der Mitteilung in Worten und Sätzen — gestaltet, und nannte diese Kunst, weil sie bei den γράμματα zur Verwendung kommt, γραμματιϰὴ τέχνη. Vgl. v. Bissing, Neue Jbb. 29 (1912) S. 95 f.
[17]Die Erzählung ist wohl eine altägyptische Legende, vgl. Reitzenstein, Zwei religionsgesch. Fragen (1901) S. 123, Poimandres 123. Die Kritik des Königs an der Erfindung — er meint, sie wird das menschliche Gedächtnis schwächen — ist jedoch sicher erst platonisch: sie paßt zu gut zu einer Tendenz des Dialoges, die mündliche Dialektik über alles Schreiben zu stellen, und stimmt überein mit Platons nicht sehr hoher Meinung von den Ägyptern überhaupt. Phileb. 18 b wird erörtert, wie zwischen dem Eins und dem Vielen ein richtiges Vermitteln nötig sei. Theuth — εἴτε τις ϑεὸς εῖτε ϰαὶ ϑεῖος ἅνϑρωπος (das Schwanken, ob Theuth Mensch oder Gott ist, ist in ägyptischen Vorstellungen begründet, Reitzenstein, Zwei religionsgesch. Fragen (1901) S. 119) — sei da vorbildlich verfahren: als er darüber nachdachte, wie in der φωνή ἄπειρος ein ϰέρας zu finden sei, erklärte er nicht kurzerhand alles für ein ὲν — etwa wie der p. 15 e köstlich geschilderte junge Mann — sondern unterschied zuerst φωνήεντα, dann tönende Konsonanten, dann ἄφωνα. Erst zum Schluß faßte er alles unter dem Begriff στοιχεῖον zusammen. Der folgende Satz heißt in deutscher Paraphrase: weil er aber sah, daß keiner von uns jemals in die Lage komme, nur einen einzigen Buchstaben ohne die übrigen verstehen zu müssen, so fand er noch das Band, das, selbst eine Einheit, auch all dies zur Einheit — nämlich zur φωνή, der Mitteilung in Worten und Sätzen — gestaltet, und nannte diese Kunst, weil sie bei den γράμματα zur Verwendung kommt, γραμματιϰὴ τέχνη. Vgl. v. Bissing, Neue Jbb. 29 (1912) S. 95 f.
[18]Diod. I 23, 4; Hygin fab. 277; Pausan. IX 12, 2.
[18]Diod. I 23, 4; Hygin fab. 277; Pausan. IX 12, 2.
[19]Seine Gleichsetzung des Prometheus mit Thoth (Plut. de Iside et Os. 37, ebenso Istros περὶ τῆς Αἰγυπτίων ἀποιϰίας Clem. Alex. strom. I 21 p. 382 Potter S. 68 Staehlin) hatte also andere Gründe als die Buchstabenerfindung.
[19]Seine Gleichsetzung des Prometheus mit Thoth (Plut. de Iside et Os. 37, ebenso Istros περὶ τῆς Αἰγυπτίων ἀποιϰίας Clem. Alex. strom. I 21 p. 382 Potter S. 68 Staehlin) hatte also andere Gründe als die Buchstabenerfindung.
[20]Ed. Schwartz, RM 40 (1885) S. 256.
[20]Ed. Schwartz, RM 40 (1885) S. 256.
[21]Hermes λόγιος: Platon Kratyl. 407; Cornut. 16; Plotin Enn. 3, 6, 18; Hippolyt. philos. 5, 7; Porphyr. apud. Euseb. praep. ev. 3, 11 p. 114; Eitrem PW s. v. Hermes XV (1912) p. 782. Hermes-Thot „mit der Feder“, wie Furtwängler (Bonner Jahrbb. 103 (1898) S. 1 ff. 107 (1902) S. 45 ff. — Kleine Schriften, München 1913 S. 372 ff.) u. a. (Loeschcke ebenda 107, 48 ff., Reitzenstein, Poimandres S. 3) eine Reihe von hellenistischen Darstellungen benannten und für den Schreibergott erklärten, ist allerdings nicht zu halten. Das Attribut auf dem Kopf ist vielmehr ein Lotosblatt, R. Foerster, Röm. Mitt. 29 (1914) S. 171 ff. s. oben S. 4 Anm. 2. Aber ψυχοπομπός war Thoth wie Hermes: Pietschmann, Hermes Trismegistos 1875 S. 21. Reitzenstein, Poimandres 100.
[21]Hermes λόγιος: Platon Kratyl. 407; Cornut. 16; Plotin Enn. 3, 6, 18; Hippolyt. philos. 5, 7; Porphyr. apud. Euseb. praep. ev. 3, 11 p. 114; Eitrem PW s. v. Hermes XV (1912) p. 782. Hermes-Thot „mit der Feder“, wie Furtwängler (Bonner Jahrbb. 103 (1898) S. 1 ff. 107 (1902) S. 45 ff. — Kleine Schriften, München 1913 S. 372 ff.) u. a. (Loeschcke ebenda 107, 48 ff., Reitzenstein, Poimandres S. 3) eine Reihe von hellenistischen Darstellungen benannten und für den Schreibergott erklärten, ist allerdings nicht zu halten. Das Attribut auf dem Kopf ist vielmehr ein Lotosblatt, R. Foerster, Röm. Mitt. 29 (1914) S. 171 ff. s. oben S. 4 Anm. 2. Aber ψυχοπομπός war Thoth wie Hermes: Pietschmann, Hermes Trismegistos 1875 S. 21. Reitzenstein, Poimandres 100.
[22]F. Jacoby s. v. Hekataios bei PW Sp. 2756; Reitzenstein, Poim. 182, Zwei religionsgesch. Fragen 13. Auch nach Eupolemos hat Moses die Buchstaben erfunden (Eus. praep. ev. IX 26 p. 431 c).
[22]F. Jacoby s. v. Hekataios bei PW Sp. 2756; Reitzenstein, Poim. 182, Zwei religionsgesch. Fragen 13. Auch nach Eupolemos hat Moses die Buchstaben erfunden (Eus. praep. ev. IX 26 p. 431 c).
[23]Philon von Byblos, φοινιϰιϰὴ ἱστορία bei Eusebios praep. evang. I 10, p. 39 a. Müller FHG III p. 560 fr. 2 § 25. Reitzenstein, Poimandres 162.
[23]Philon von Byblos, φοινιϰιϰὴ ἱστορία bei Eusebios praep. evang. I 10, p. 39 a. Müller FHG III p. 560 fr. 2 § 25. Reitzenstein, Poimandres 162.
[24]Philon von Byblos περὶ τῶν Φοινίϰων στοιχείων fr. 9 aus Eus. praep. ev. I 10 p. 42 b FHG III p. 573. Reitzenstein, Poimandres 162, 2. Thoth hat nichts mit der Schlange zu tun. Die Syrer machten ihn zum Schlangengott, weil tut = Schlange ist nach Baudissin, Studien zur semitischen Religionsgeschichte, Gießen 1876, I S. 19. Reitzenstein deutet das auf die Stelen des „Königs“ Amon (Philon von Byblos bei Eus. praep. ev. I 9, 24), auf die er die Offenbarungen aufzeichnete, die Hermes ihm gegeben hatte nach Jamblich. de mysteriis VIII 4 und der alchimistischen Schrift des Pibechios bzw. Pibeches (a. a. O. S. 107, 363; A. Dieterich, Kl. Schriften 8). Darauf befand sich u. a. das Symbol der Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
[24]Philon von Byblos περὶ τῶν Φοινίϰων στοιχείων fr. 9 aus Eus. praep. ev. I 10 p. 42 b FHG III p. 573. Reitzenstein, Poimandres 162, 2. Thoth hat nichts mit der Schlange zu tun. Die Syrer machten ihn zum Schlangengott, weil tut = Schlange ist nach Baudissin, Studien zur semitischen Religionsgeschichte, Gießen 1876, I S. 19. Reitzenstein deutet das auf die Stelen des „Königs“ Amon (Philon von Byblos bei Eus. praep. ev. I 9, 24), auf die er die Offenbarungen aufzeichnete, die Hermes ihm gegeben hatte nach Jamblich. de mysteriis VIII 4 und der alchimistischen Schrift des Pibechios bzw. Pibeches (a. a. O. S. 107, 363; A. Dieterich, Kl. Schriften 8). Darauf befand sich u. a. das Symbol der Schlange, die sich in den Schwanz beißt.
[25]Thoth erscheint außerdem noch bei Strabo p. 816. Plut. quaest. conv. 9, 3. 12 p. 738 e: daher sei ἴβις der erste Buchstabe (? noch unerklärt!); de Iside et Osir. 3. Nach Arnob. adv. nat. IV 14 hat der griechische Hermes während eines Exils in Ägypten die Schrift erfunden.
[25]Thoth erscheint außerdem noch bei Strabo p. 816. Plut. quaest. conv. 9, 3. 12 p. 738 e: daher sei ἴβις der erste Buchstabe (? noch unerklärt!); de Iside et Osir. 3. Nach Arnob. adv. nat. IV 14 hat der griechische Hermes während eines Exils in Ägypten die Schrift erfunden.
[26]Jeremias in Roschers Lexikon s. v. Oannes III 1 Sp. 590 f.
[26]Jeremias in Roschers Lexikon s. v. Oannes III 1 Sp. 590 f.
[27]Knaack, Hermes 16 (1881) 590.
[27]Knaack, Hermes 16 (1881) 590.
[28]Schol. in Dionys. Thrac. p. 183, 1. Hilgard (1901). Diese Scholien stammen nach Hörschelmann, acta societatis philol. Lips. IV (1875) p. 297 ff. aus dem 7. Jahrh. n. Chr.
[28]Schol. in Dionys. Thrac. p. 183, 1. Hilgard (1901). Diese Scholien stammen nach Hörschelmann, acta societatis philol. Lips. IV (1875) p. 297 ff. aus dem 7. Jahrh. n. Chr.
[29]Über Palamedes als großen Erfinder Jahn, Palamedes (1836) S. 23; Kremmer, de catalogis heurematum, Diss. Lips. 1890 p. 44; ich entnehme Kremmer manche der jetzt folgenden Stellen. Palamedes erscheint als Schrifterfinder bei Stesichoros fr. 34 schol. in Dionys. Thrac. 185, 6, Gorgias Palam. § 30, Euripides Palamedes fr. 578, Hygin fab. 277, 31. Dio Chrysost. 13, 21; schol. Eurip. Or. 422. Athanas. contra gentes 18. Nach Philostrat. heroic. X 3 p. 309 und Nemesian de aucupio 15 = PLM ed. Baehrens III (1881) p. 204 hat er sie aus dem Flug der Kraniche gelernt, vgl. auch schol. in Dionys. Thrac. 320, 20 (dazu oben S. 9). Daß man aus den Linien des Fluges der Kraniche ein Λ bzw. ein Υ herauslas, zeigt Lucan V 716 und Martial XIII 75, vgl. Lewy in Roschers Lexikon s. v. Palamedes.
[29]Über Palamedes als großen Erfinder Jahn, Palamedes (1836) S. 23; Kremmer, de catalogis heurematum, Diss. Lips. 1890 p. 44; ich entnehme Kremmer manche der jetzt folgenden Stellen. Palamedes erscheint als Schrifterfinder bei Stesichoros fr. 34 schol. in Dionys. Thrac. 185, 6, Gorgias Palam. § 30, Euripides Palamedes fr. 578, Hygin fab. 277, 31. Dio Chrysost. 13, 21; schol. Eurip. Or. 422. Athanas. contra gentes 18. Nach Philostrat. heroic. X 3 p. 309 und Nemesian de aucupio 15 = PLM ed. Baehrens III (1881) p. 204 hat er sie aus dem Flug der Kraniche gelernt, vgl. auch schol. in Dionys. Thrac. 320, 20 (dazu oben S. 9). Daß man aus den Linien des Fluges der Kraniche ein Λ bzw. ein Υ herauslas, zeigt Lucan V 716 und Martial XIII 75, vgl. Lewy in Roschers Lexikon s. v. Palamedes.
[30]schol. zu Dionys. Thrac. 185, 7.
[30]schol. zu Dionys. Thrac. 185, 7.
[31]Aischylos Prom. 460 (467); schol. zu Dionys. Thrac. p. 190. 183, 16; 185, 8.
[31]Aischylos Prom. 460 (467); schol. zu Dionys. Thrac. p. 190. 183, 16; 185, 8.
[32]Plut. quaest. Romanae 59 p. 278 e.
[32]Plut. quaest. Romanae 59 p. 278 e.
[33]Der Erzieher Achills nach Duris FHG II p. 473 fr. 16, schol. zu Dionys. Thrac. p. 184, 27; ein phoinikischer König nach Dosiades, s. S. 11.
[33]Der Erzieher Achills nach Duris FHG II p. 473 fr. 16, schol. zu Dionys. Thrac. p. 184, 27; ein phoinikischer König nach Dosiades, s. S. 11.
[34]So Reitzenstein, Zwei religionsgeschichtliche Fragen 101.
[34]So Reitzenstein, Zwei religionsgeschichtliche Fragen 101.
[35]Orpheus nach Alkidamas Odysseus 24 (Dieterich, Die Grabschrift des Aberkios, Leipzig 1896 S. 34, 2); Linos als Kadmos’ Schüler nach Diod. III 67; Tacitus ann. XI 14; Suidas s. v. Λίνος.
[35]Orpheus nach Alkidamas Odysseus 24 (Dieterich, Die Grabschrift des Aberkios, Leipzig 1896 S. 34, 2); Linos als Kadmos’ Schüler nach Diod. III 67; Tacitus ann. XI 14; Suidas s. v. Λίνος.
[36]Livius I 7, 8; Dionys. Halic., arch. rom. I 33; Tac. I. I. Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici latini VI 194. Hae (sc. litterae) auctore, ut quidam volunt, Euandro, ut alii, Hercule in Italiam a Pelasgis adlatae sunt. Oder auch seine Mutter Nicostrata, Eugenius von Toledo, carm. 39, 3.
[36]Livius I 7, 8; Dionys. Halic., arch. rom. I 33; Tac. I. I. Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici latini VI 194. Hae (sc. litterae) auctore, ut quidam volunt, Euandro, ut alii, Hercule in Italiam a Pelasgis adlatae sunt. Oder auch seine Mutter Nicostrata, Eugenius von Toledo, carm. 39, 3.
[37]Schol. in Dionys. Thrac. p. 185, 9.
[37]Schol. in Dionys. Thrac. p. 185, 9.
[38]Ebenda p. 182, 18.
[38]Ebenda p. 182, 18.
[39]Ebenda p. 183, 12.
[39]Ebenda p. 183, 12.
[40]Bei ihm sind übrigens alle Erfinder aus Kreta.
[40]Bei ihm sind übrigens alle Erfinder aus Kreta.
[41]Aristoteles fr. 501 Rose = Plin. n. h. VII 57, 192: Kadmos 16, Palamedes ζυφχ, Simonides ψξωϑ, Epicharmos vielleicht ϑχ. Hygin fabul. 277, 31: Palamedes 11, Simonides ωηξψ, Epicharmos ϑχ. Tacitus ann. II 14: Simonides hat alle übrigen zu den alten 16 hinzuerfunden. Irenaeus adv. haer. I 15, 4 Manucci: Kadmos hat 16 gebracht, dann haben die Griechen Aspiraten und Doppelkonsonanten dazuerfunden, zuletzt soll Palamedes die langen Vokale hinzugetan haben. Theodosios von Alexandria περὶ γραμματιϰῆς p. 1 Göttling: Palamedes 16, Kadmos von Milet ϑφχ, Simonides ηω, später sind dazu gekommen ζξψ. Schol. in Dionys. Thrac. 320, 20: Palamedes hat alle 16 Buchstaben erfunden, die andern haben Zusätze gemacht, Kadmos ϑφχ, Simonides ηω, Epicharmos ζξψ; ebenda p. 185, 7: Simonides ηωξψ, Epicharmos die Aspiraten und ζ, vgl. ebenda p. 191, 30 Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici Latini VI p. 194, 15: Kadmos 16, Simonides ζξωϑ, Palamedes ηψχφ, ebenso Audacis excerpta ibid. VII p. 325, 6. Suidas s. v. Palamedes: ζπφχ, s. v. Simonides: die langen Vokale und die Doppelbuchstaben. Nach Servius zu Aen. II 81 hat Palamedes vielleicht alle erfunden, sicher aber das χ. Die von ihm angefertigten Lettern sind noch im Apollotempel zu Sikyon zu sehen nach Ampelius liber memorialis VIII 5, woraus wohl zu schließen ist, daß sich in dem Tempel des Apollon Στοιχείος zu Sikyon ein Buchstabenorakel (vgl. darüber unten den besonderen Abschnitt) befand, Pfister, Wochenschrift f. kl. Philologie 31 (1914) 477 f. Über die relative Berechtigung dieser εὑρήματα s. Lenormant bei Daremberg-Saglio I, Paris 1873 p. 205 ff.
[41]Aristoteles fr. 501 Rose = Plin. n. h. VII 57, 192: Kadmos 16, Palamedes ζυφχ, Simonides ψξωϑ, Epicharmos vielleicht ϑχ. Hygin fabul. 277, 31: Palamedes 11, Simonides ωηξψ, Epicharmos ϑχ. Tacitus ann. II 14: Simonides hat alle übrigen zu den alten 16 hinzuerfunden. Irenaeus adv. haer. I 15, 4 Manucci: Kadmos hat 16 gebracht, dann haben die Griechen Aspiraten und Doppelkonsonanten dazuerfunden, zuletzt soll Palamedes die langen Vokale hinzugetan haben. Theodosios von Alexandria περὶ γραμματιϰῆς p. 1 Göttling: Palamedes 16, Kadmos von Milet ϑφχ, Simonides ηω, später sind dazu gekommen ζξψ. Schol. in Dionys. Thrac. 320, 20: Palamedes hat alle 16 Buchstaben erfunden, die andern haben Zusätze gemacht, Kadmos ϑφχ, Simonides ηω, Epicharmos ζξψ; ebenda p. 185, 7: Simonides ηωξψ, Epicharmos die Aspiraten und ζ, vgl. ebenda p. 191, 30 Marius Victorinus, ars grammatica p. 1944 = Grammatici Latini VI p. 194, 15: Kadmos 16, Simonides ζξωϑ, Palamedes ηψχφ, ebenso Audacis excerpta ibid. VII p. 325, 6. Suidas s. v. Palamedes: ζπφχ, s. v. Simonides: die langen Vokale und die Doppelbuchstaben. Nach Servius zu Aen. II 81 hat Palamedes vielleicht alle erfunden, sicher aber das χ. Die von ihm angefertigten Lettern sind noch im Apollotempel zu Sikyon zu sehen nach Ampelius liber memorialis VIII 5, woraus wohl zu schließen ist, daß sich in dem Tempel des Apollon Στοιχείος zu Sikyon ein Buchstabenorakel (vgl. darüber unten den besonderen Abschnitt) befand, Pfister, Wochenschrift f. kl. Philologie 31 (1914) 477 f. Über die relative Berechtigung dieser εὑρήματα s. Lenormant bei Daremberg-Saglio I, Paris 1873 p. 205 ff.
[42]Euripides hat im Θησεύς die Buchstaben des Namens Θησεύς γρίφος-artig beschrieben, ebenso Agathon und Theodektes (Athen. X 454 bc.) ϰαὶ Σοφοϰλής δὲ τούτω παραπλήσιον ἐποίησεν ὲν Ἀμφιαράῳ σατυριϰῷ τὰ γράμματα παράγων ὀρχούμενον Athen. X 80 p. 454 f. — fr. 117 Nauck³.
[42]Euripides hat im Θησεύς die Buchstaben des Namens Θησεύς γρίφος-artig beschrieben, ebenso Agathon und Theodektes (Athen. X 454 bc.) ϰαὶ Σοφοϰλής δὲ τούτω παραπλήσιον ἐποίησεν ὲν Ἀμφιαράῳ σατυριϰῷ τὰ γράμματα παράγων ὀρχούμενον Athen. X 80 p. 454 f. — fr. 117 Nauck³.
Der Unterschied zwischen Vokalen und Konsonanten ist unseres Wissens im 6. Jahrhundert von den Pythagoreern zuerst beobachtet worden.[43]) Wie die Pythagoreer dazu kamen, sich grammatisch zu betätigen, darüber gibt eine Notiz bei Quintilian Aufschluß (instit. orat. I 10, 17) Archytas atque Evenus etiam subiectam grammaticen musicae putaverunt. Sie rechneten die Grammatik zur μουσιϰή.
Die ungeheure Entdeckung des Pythagoras, daß die musikalischeTonhöhe von der Länge der tönenden Saite abhänge, hat die Mitlebenden geradezu berauscht und wie kaum jemals ein anderer naturwissenschaftlicher Fund das Denken Späterer bestimmt. Die Töne hatten sich als verkörperte Zahlen herausgestellt, die qualitativen Unterschiede waren auf quantitative zurückgeführt. Der tiefe Sinn der Musik war der, daß sie Klang gewordene Zahl ist. In der Zahl hatte man jetzt einen Schlüssel, der alle Tore zu öffnen verhieß. Sie war das Wesentlichste am Kosmos, vielleicht das Wirklichste überhaupt, das Symbol der Vernunft. Die schönsten Sätze darüber stehen bei Philolaos (fr. 11 Diels): Kenntnisspendend ist die Natur der Zahl und führend und lehrend für jeglichen in jeglichem, das ihm problematisch und unverständlich ist. Denn gar nichts von den Gebilden wäre irgend einem klar, weder ihr Zusich noch des einen zum andrem, wenn nicht die Zahl und deren Wesen wäre. Nun aber wirkt diese durch die Seele hin in die Empfindung gestaltend alles erkennbar aus und gesellig, nach des Gnomons Natur, gibt ihnen Leib und scheidet voneinander alle die Glieder der Gebilde als unendlicher wie als begrenzender. ... Sehen kann man nicht nur in den dämonischen und göttlichen Gebilden die Natur der Zahl und ihre haltende Macht, sondern auch in allen menschlichen Werken und Worten allenthalben und hin durch alle Schöpfungen des Bildens und hin durch die Musik.[44]—
Fällt also die Grammatik unter die Rubrik Musik, so mußten in der Tat die Schriftzeichen die Aufmerksamkeit der Pythagoreer besonders auf sich ziehen. Denn sie waren zugleich die Zeichen für die Zahlen und die Musiknoten. In ihnen, in ihrer Form, ihrer Anzahl und ihren Verschiedenheiten mußte wohl manches von kosmischer Bedeutung zu finden sein. Aristoteles erwähnt darüber Folgendes (Metaphys. N 6, 1093 a 20): ἐπεί ϰαὶ τὸ Ξ Ψ Ζ συμφωνίας φασὶν εἶναι ϰαὶ, ὅτι ἐϰεῖναι τρεῖς, ϰαὶ ταῦτα τρία (nämlich διατεσσάρων, διαπέντε und διαπασῶν). ὅτι δὲ μύρια ἂν εἲη τοιαῦτα, οὐϑὲν μέλει· τῷ γὰρ Γ ϰαὶ Ρ εἴη ἂν ἒν σημεῖον (d.h. man könnte ja ebenso gut auch den Laut γρ durch ein einziges Zeichen ausdrücken). εὶ δ΄ ὅτι διπλάσιον τῶν ἅλλων ἕϰαστον ἅλλο δ΄ οὔ, αἴτιον δ΄ ὅτι τριῶν ὄντων τόπων ἒν ὲφ΄ ἑϰάστου ἐπιφέρεται τὀ σῖγμα, διὰ τοῦτο τρία μόνον ἐστίν, ἀλλ' οὐχ ὅτι αί συμφωνίαι τρεῖς, ἐπεὶ πλείους γε αί συμφωνίαι· ἐνταῦϑα δ΄ οὐϰέτι δύναται. Ebenso wie sie die Dreiheit der Doppelkonsonanten musikalisch, d. h. metaphysisch, begründet dachten,so auch die Tatsache, daß es gerade 24 Buchstaben gibt (ebenda 1093 b 1): ϰαὶ ὅτι ίσον τὀ διάστημα ἒν τε τοῖς γράμμασιν ἁπὸ τοῦ Α πρὸς τὀ Ω, ϰαὶ ἁπὸ τοῦ βόμβυϰος ἐπὶ τὴν ὀξυτάτην νεάτην ἒν αὐλοῖς, ἧς ὁ ἁριϑμὸς ίσος τῇ οὐλομελείᾳ τοῦ οὐρανοῦ. So stellten sie die Elementargrammatik in die denkbar kosmischsten Zusammenhänge ϰαὶ ὅσα εἶχον ὁμολογούμενα δειϰνύναι ἒν τε τοῖς ἀριϑμοῖς ϰαὶ ταῖς ἁρμονίαις πρὸς τὰ τοῦ οὐρανοῦ πάϑη ϰαὶ μέρη ϰαὶ πρὸς τὴν ὅλην διαϰόσμησιν, ταῦτα συνάγοντες ἐφήρμοττον. Dieser Satz aus Aristoteles Metaphysik (A 5, 986 a) paßt nicht bloß auf die alten Pythagoreer: er erschöpft den Inhalt eines beträchtlichen Teils der europäischen Literatur bis in die Renaissance hinein.
An den Vokalen mußte den Pythagoreern ihre Siebenzahl[45]wichtig erscheinen. „Sowohl die Altpythagoreer als auch der Verfasser der altionischen (nach andern [vgl. Boll, Neue Jhb. 31 (1913) S. 137 ff.] erst dem 5. Jahrhundert angehörigen) pseudohippokrateischen Schrift περὶ ἑβδομάδων erblickten in den sieben ionischen Vokalen (φωνήεντα, φωναί) oder Urbuchstaben eine der ältesten und wichtigsten Manifestationen der heiligen Siebenzahl.“ W. H. Roscher, Hebdomadenlehren S. 145. Dieser Hinweis auf die Bedeutsamkeit der Vokale ist, wie wir unten sehen werden, nicht ungehört verhallt.