Sie erglüht in Liebespein,Er ist kalt wie Marmelstein.
Sie erglüht in Liebespein,Er ist kalt wie Marmelstein.
Sie erglüht in Liebespein,Er ist kalt wie Marmelstein.
Sie erglüht in Liebespein,Er ist kalt wie Marmelstein.
Sie erglüht in Liebespein,
Er ist kalt wie Marmelstein.
Und erst das Weibervolk! Das war heute nachgerade verwirrt.
„Für mich und den Herrn das Essen auf’s Zimmer!“ hatte die Bäuerin befohlen.
„Der da,“ sagten sie in der Küche zu einander, „der mit dem geflickten Spenser-Ellbogen soll ein Herr sein?Zerrissenist herrisch, geht das Sprichwort, aber geflickt ist bäuerisch.“
„Laß’ Zeit, laß’ Zeit,“ sagte eine Andere, „vielleicht hat er zerrissene Socken.“
„Ihr redet Alle wie nicht gescheidt,“ versetzte eine Dritte, „das muß man schon anders nehmen. Das ist nicht ein Herr, das istderHerr! Versteht’s mich?“
Es wurde im Hofe die Suppe versalzen am selbigen Abend – so sehr war das Küchengesinde in Gedanken.
„Mir hat er gefallen,“ vertraute die Abwaschdirn’ der Köchin und rieb mit aller Macht an dem Milchzuber; – der Zuber wurde blank, aber das Wort war nicht mehr wegzulöschen.
Mittlerweile saß Felix, der junge Winzer, in der Stube der Bäuerin auf einem Ding, das wie eine gepolsterte Lehnbank war. Er saß sehr unbehaglich, denn das Polster gab keine Ruhe, schwoll auf und sank ein, schnellte hin und schnellte her, so oft sich der Bursche nur ein wenig bewegte.
Die Stube war hübsch ausgetäfelt, hatte einige Schränke mit uralten Verzierungen, mehrere Heiligenbilder und einen großen Spiegel mit vergoldetem Rahmen. Verschiedene andere Gegenstände zierten das geräumige Gemach, auf der Thüre waren die Zeichen der heiligen drei Könige geschrieben, die gar so segensvoll sind und sonderlich in keinem Frauengemache fehlen sollten. Der Bursche hatte noch selten eine so vornehme Wohnung gesehen.
Die Bäuerin commandirte mit der Stubenmagd und Allen, die sie ansichtig wurde, wie ein Wachtmeister herum; that dazwischen gefällige Blicke gegen Felix: ob er’s wohl merke, wer sie ist und wie ihr Alles hier dienet!
Auf dem Tische wurden zwei Kerzen angezündet; aufgetragen Braten mit Salat und Wein.
„Und jetzt troll’ Dich in Dein Nest; morgen heißt’s bei Zeiten auf’s Rübenfeld!“ Das war der letzte Befehl, den die Herrin der Aufwärterin gab.
Rübenfeld statt Weingarten! – Felix merkte, daß er nicht daheim. War es ihm aber im Weingarten jemals so gut geschehen als hier? Daheim zum Trank nur Apfelmost, den Wein verkaufen die Leute zumeist in’s obere Viertel. Im oberen Viertel wird er getrunken zum Braten. Zum Braten, der gemacht wird aus den Erdäpfeln und Rüben, die man den Schweinen in den Trog schüttet. Es kommt nicht darauf an, wie es der Boden giebt, sondern wie es der Mensch nimmt. – Das waren jetzt die Gedanken des jungen Winzers.
„So, mein Freund,“ sagte nun die Bäuerin zum Burschen. „So, jetzt pack’ an, da Dein Messer und Gabel. Nur allerweil flink und frisch, das mag ich leiden. Bist jetzt daheim. Aber so wirf doch Deine Joppe weg!“
Ist wahr, dachte sich Felix, wenn sie mir’s schon so gut meint, warum soll ich’s nicht vorwärtsgehen lassen!
Den Braten aß er ohne Salat, für den Durst vermißte er den Obstmost. Die Bäuerin, die an seiner Seite saß, schenkte ihm das Weinglas voll.
„Siehst Du,“ rief sie heiter, „ich selber trink’ aus Deinem Glas, wir wollen recht gut Freund werden!“
Werden?Dachte der Bursche doch, siewärenes schon; viel dicker läßt sich’s nicht mehr auftragen. Sie machte einen langen Zug – bewies es gründlich, daß ihr an seiner großen Freundschaft gelegen sei.
Des Weiteren – sie war ja auch daheim – lockerte sie die Kleider in etwas und löste ihr Haar, das schön und reich war, und strich mit zarter Hand seine Locken zurück.
„Ihr seid aber recht verschwenderische Leut’ im oberen Viertel,“ bemerkte Felix, „zwei Kerzen auf einmal brennen lassen – grad’ wie beim Altar.“
„Ist auch wahr,“ rief die Bäuerin und blies ein Licht aus.
Vielleicht war die Stube geheizt – im oberen Viertel ist das niemals sehr überflüssig – dem Burschen wurde warm, er knöpfte seine Weste auf, es macht nichts, er hat heute ja ein weißes Hemd am Leibe.
Die Bäuerin hatte in der Stube Einiges zu ordnen; ’s ist doch der Brauch, daß zur Nacht die Fenstertücher vorgezogen sind. Sie strich am Ofen, strich an der sittig verhüllten Bettstatt, strich an der Thür vorüber. Mit dem Ellbogen schob sie unversehens den Riegel vor und sagte: „Weißt, Felix, die heiligen drei Könige da mußt Du mir auch einmal frisch aufzeichnen.“
„Ja,“ sagte der Junge, „wenn ich’s nur kann, wie es die Ländhoferin haben will.“
Die Ländhoferin strich am Kasten hin und betastete ein erst kürzlich in der Webstube fertig gewordenes Leinwandfach. „Nein,“ sagte sie ärgerlich, „gar Schad’! nicht einmal webern können sie im oberen Viertel! Da habtIhrdaheim eine andere Leinwand! Jetzt schau einmal den Unterschied an!“ – Sie betrachtete das Fach und wollte dann auch den Brustlatz am Hemde des Burschen befühlen.
„Oha!“ lachte Felix abwehrend.
„Warum denn, Du närrischer Bub, wenn ich wissen will, was Du für eine Leinwand trägst!“
Je nun, wenn sie’s wissen will, was ich für eine Leinwand trage... warum soll sie’s nicht wissen?
„So trink’ was, Felix, Du nippest ja wie eine schwindsüchtige Jungfrau!“ sie schenkte ihm aber das Glas schon zum drittenmal voll.
„Oho, Ländhoferin,“ sagte der junge Winzer, „zwischen mir und einer Jungfrau ist ein Unterschied im Trinken.“
„Das möcht’ ich doch wissen, ob Du’s zuweg’ bringst und das Glas auf einen Zug leerst!“
Dabei trat sie ihm neckisch auf die Schuhspitze. Er faßte frisch das Glas und führte es zum Munde. – In demselben Augenblicke klang unten im Hofe ein Glöcklein.
„Was ist denn das?“ fragte Felix mit gehobenem Glase.
„Du Närrchen, wirst Dich doch vor dem Abendläuten nicht schrecken?“
„Ist das Abendläuten, so muß man beten,“ sagte der Bursche und stellte das volle Glas auf den Tisch zurück.
„Geh’, Du langweiliger Klosterbruder!“ flüsterte das Weib und hastig hob sie ihm den Becher zu.
„Nein,“ sagte Felix, „ich will das Mutterwort nicht gleich am ersten Tage schon vergessen.“
Er stand auf, trat an ein Fenster, zog den Vorhang ein wenig beiseite, sah in’s Freie hinaus und betete still.
Der Mond schien ihm in’s Gesicht.
Die Ländhoferin blickte hin und erschrak wirklich.
Vor Jahren, etliche Tage nach der Hochzeit hatte sie ihr Mann in die Residenz geführt. Sie hatten Alles besucht, was ihnen als merkwürdig bezeichnet worden war. Die Bäuerin erinnerte sich besonders noch an jenen hüllenlosen Jüngling aus schneeweißem Stein gehauen – eine einzig schöne Gestalt. Man hatte ihr gesagt, es sei das Bild von Gott Apollo. Sie hatte danach viele Nächte lang von diesem Bilde geträumt.
Und nun, da sie gegen das mondhelle Fenster hinblickte, wo der Jüngling stand, sah sie dasselbe blasse, einzig schöne Antlitz.
Wie ein kühler Lufthauch wehte es plötzlich durch die Stube. Die Bäuerin erhob sich langsam vom Sofa, stand still und sann.
Er will das Mutterwort nicht gleich am ersten Tage brechen! – Recht schön. – Es kommen der Tage noch mehrere. – Auch giebt es Leute, denen der erjagte Hase besser schmeckt, als der geschenkte. – Wollen es danach einrichten .....
„Na, Junge!“ rief die Bäuerin in entschiedenem Tone, „ich denk’, ’s ist Schlafenszeit!“
Da kehrte sich der junge Unterviertler um und sagte: „Mir ist’s recht, Bäuerin. Und morgen – was hab’ ich denn zu thun?“
„Der Altknecht wird Dich weisen,“ beschied sie kurz.
Hierauf brannte sie die zweite Kerze wieder an und öffnete eine Seitenthür. Diese führte in eine Stube, die fast so schön und bequem eingerichtet war und auch ein so hochgeschichtetes Bett enthielt als das Zimmer der Bäuerin.
„Die heutige Nacht schlafst im Zimmer von meinem seligen Mann,“ sagte sie, „in der Knechtestube ist noch kein Bett gerichtet.“
„Ja, gute Nacht, Bäuerin,“ sagte Felix und trat in sein Gemach.
Sie blickte ihn noch einmal an. „Und gieb Acht, was Dir die erste Nacht träumt – ’s ist bedeutsam. Gute Nacht, Froschreiter.“
Sie zog die Thüre zu, er war allein in der Stube.
Eine Weile stand er völlig unbeweglich da und starrte d’rein. „Ist seltsam, das!“
Es ist nicht sein Dachkämmerlein im Winzerhause. Das ist die Wohnung des Großbauers auf dem weit berühmten Hof, genannt die grüne Länd. Wie oft hatte Felix davon gehört. Im Ländhof dienen, das war eine Ehr’. Im Ländhof werden die Thaler nach Scheffeln gezählt! ging der Spruch.Vor einem Ländhofer wird sogar der Amtmann höflich. Einen Rinderschlag giebt’s im Land: mattbraun, mit kurzen Hörnern und gar feinfleischig – er wird die Ländhofer-Race geheißen. Der Schullehrer in Zollau hat eine Landkarte, darauf ist auch die grüne Länd verzeichnet.
Und nun, der Felix, der arme Winzerssohn – er stand mitten in der Herrnstube des Ländhofes, er sollte im Bette des Großbauers schlafen und im Hofe verbleiben und –
– Und –?
Und sie wollt’ ihm über das Soldatenleben hinaushelfen. Und anstatt ein gemeiner Soldat der Ländhofer sein.... Sapperlot! – Na, für heut’ legen wir uns schlafen.
Flink warf er seine Kleider von sich, löschte das Licht aus und sprang in das Bett. Schier einen Hilferuf ließ er fahren, denn er meinte, er versinke auf der Stelle in den hochgeblähten Polstern.