211(S. 149): „Krieg und Revolution.” — In der „Auferstehung” ist bei dem Revisionsverfahren im Prozeß gegen die Maslowa unter den Senatsmitgliedern ein materialistischer Darwinist der größte Gegner der Revision, weil er im tiefsten Innern empört darüber ist, daß Nekludow aus Pflichtgefühl eine Prostituierte heiraten will: jede Kundgebung des Pflichtgefühls und mehr noch des religiösen Empfindens wirkt auf ihn wie eine persönliche Beleidigung.
211(S. 149): „Krieg und Revolution.” — In der „Auferstehung” ist bei dem Revisionsverfahren im Prozeß gegen die Maslowa unter den Senatsmitgliedern ein materialistischer Darwinist der größte Gegner der Revision, weil er im tiefsten Innern empört darüber ist, daß Nekludow aus Pflichtgefühl eine Prostituierte heiraten will: jede Kundgebung des Pflichtgefühls und mehr noch des religiösen Empfindens wirkt auf ihn wie eine persönliche Beleidigung.
212(S. 149): Vgl. einige Figuren von Revolutionären: in der „Auferstehung” Nowodworow, der revolutionäre Lügner, dessen große Intelligenz durch seine unerhörte Eitelkeit und Selbstsucht ganz aufgewogen wird. Keinerlei Phantasie; „völliges Fehlen moralischer und ethischer Eigenschaften, die Zweifel aufkommen lassen könnten.” — Dann, ihm stets auf den Fersen, wie sein Schatten, Markel, der infolge von Demütigungen und aus dem Wunsch nach Rache zum Revolutionär gewordene Arbeiter, ein leidenschaftlicher Verehrer der Wissenschaft, die er nicht zu verstehen vermag, ein Asket von fanatischer Kirchenfeindlichkeit. — Auch in dem Buche „Noch drei Tode” finden sich einige Vertreter der neuen revolutionären Generation: Roman und seine Freunde, die die Terroristen alten Schlages verachten und auf wissenschaftliche Weise zu ihrem Ziel zu gelangentrachten, indem sie ein Agrikulturvolk in ein Industrievolk verwandeln möchten.
212(S. 149): Vgl. einige Figuren von Revolutionären: in der „Auferstehung” Nowodworow, der revolutionäre Lügner, dessen große Intelligenz durch seine unerhörte Eitelkeit und Selbstsucht ganz aufgewogen wird. Keinerlei Phantasie; „völliges Fehlen moralischer und ethischer Eigenschaften, die Zweifel aufkommen lassen könnten.” — Dann, ihm stets auf den Fersen, wie sein Schatten, Markel, der infolge von Demütigungen und aus dem Wunsch nach Rache zum Revolutionär gewordene Arbeiter, ein leidenschaftlicher Verehrer der Wissenschaft, die er nicht zu verstehen vermag, ein Asket von fanatischer Kirchenfeindlichkeit. — Auch in dem Buche „Noch drei Tode” finden sich einige Vertreter der neuen revolutionären Generation: Roman und seine Freunde, die die Terroristen alten Schlages verachten und auf wissenschaftliche Weise zu ihrem Ziel zu gelangentrachten, indem sie ein Agrikulturvolk in ein Industrievolk verwandeln möchten.
213(S. 150): Brief an den Japaner Izo-Abe, Ende 1904.
213(S. 150): Brief an den Japaner Izo-Abe, Ende 1904.
214(S. 150): Unterhaltungen mit Teneromo.
214(S. 150): Unterhaltungen mit Teneromo.
215(S. 150): Unterhaltungen mit Teneromo.
215(S. 150): Unterhaltungen mit Teneromo.
216(S. 151): Unterhaltung mit Paul Boyer („Le Temps” vom 4. November 1902).
216(S. 151): Unterhaltung mit Paul Boyer („Le Temps” vom 4. November 1902).
217(S. 151): „Das Ende einer Welt.”
217(S. 151): „Das Ende einer Welt.”
218(S. 152): „Die grausamste aller Sklavereien ist, der Erde beraubt zu sein; denn der Sklave eines Herrn ist der Sklave eines Einzelnen; aber der Mensch, der seines Rechts auf die Erde beraubt ist, ist der Sklave Aller.” („Das große Verbrechen.”)
218(S. 152): „Die grausamste aller Sklavereien ist, der Erde beraubt zu sein; denn der Sklave eines Herrn ist der Sklave eines Einzelnen; aber der Mensch, der seines Rechts auf die Erde beraubt ist, ist der Sklave Aller.” („Das große Verbrechen.”)
219(S. 152): Rußland war tatsächlich in einer besonderen Lage; und wenn es auch verkehrt von Tolstoi gewesen ist, daraus Schlüsse auf sämtliche europäischen Staaten zu ziehen, so darf man sich doch nicht wundern, daß ihn die Leiden, die er in seiner Umgebung sah, besonders empfindlich berührten. — Man lese im „großen Verbrechen” die Unterhaltungen, die er auf der Landstraße nach Tula mit den Bauern führt, denen allen das Brot fehlt, weil es ihnen an Erde mangelt, und die alle im tiefsten Innern darauf warten, daß ihnen die Erde zurückgegeben werde. Die Landbevölkerung macht in Rußland 80 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Über hundert Millionen Menschen, sagt Tolstoi, sterben vor Hunger, weil die Grundeigentümer den Boden einziehen. Wenn man ihnen, als Mittel zur Heilung ihres Übels, von der Preßfreiheit, von der Trennung von Staat und Kirche, von der Volksvertretung und selbst vom Achtstundentag spricht, macht man sich in der frechsten Weise über sie lustig: „Das Verhalten derer, die so tun, als ob sie überall nach Mitteln suchen, um die Lage der Volksmassen zu verbessern, ist gerade so, wie wenn im Theater alle Zuschauer den Schauspieler, der sich versteckt hält, deutlich sehen, während seine Mitspieler, die ihn auch sehr wohl sehen, so tun, als ob sie ihn nicht sähen, und sich die größte Mühen geben, ihre Aufmerksamkeit gegenseitig von ihm abzulenken.” — Es gibt kein anderes Mittel, als die Erde dem Volke, das arbeitet, zurückzugeben. Und zur Lösung dieser Grundfrage beruft sich Tolstoi auf die Lehre Henry Georges und seinen Plan,nur eine einzige Steuer, eine Steuer auf den Grundwert, zu erheben. Dies ist sein ökonomisches Evangelium, auf das er unentwegt zurückgreift und das er sich so zu eigen macht, daß er häufig in seinen eigenen Werken ganze Sätze von Henry George gebraucht.
219(S. 152): Rußland war tatsächlich in einer besonderen Lage; und wenn es auch verkehrt von Tolstoi gewesen ist, daraus Schlüsse auf sämtliche europäischen Staaten zu ziehen, so darf man sich doch nicht wundern, daß ihn die Leiden, die er in seiner Umgebung sah, besonders empfindlich berührten. — Man lese im „großen Verbrechen” die Unterhaltungen, die er auf der Landstraße nach Tula mit den Bauern führt, denen allen das Brot fehlt, weil es ihnen an Erde mangelt, und die alle im tiefsten Innern darauf warten, daß ihnen die Erde zurückgegeben werde. Die Landbevölkerung macht in Rußland 80 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Über hundert Millionen Menschen, sagt Tolstoi, sterben vor Hunger, weil die Grundeigentümer den Boden einziehen. Wenn man ihnen, als Mittel zur Heilung ihres Übels, von der Preßfreiheit, von der Trennung von Staat und Kirche, von der Volksvertretung und selbst vom Achtstundentag spricht, macht man sich in der frechsten Weise über sie lustig: „Das Verhalten derer, die so tun, als ob sie überall nach Mitteln suchen, um die Lage der Volksmassen zu verbessern, ist gerade so, wie wenn im Theater alle Zuschauer den Schauspieler, der sich versteckt hält, deutlich sehen, während seine Mitspieler, die ihn auch sehr wohl sehen, so tun, als ob sie ihn nicht sähen, und sich die größte Mühen geben, ihre Aufmerksamkeit gegenseitig von ihm abzulenken.” — Es gibt kein anderes Mittel, als die Erde dem Volke, das arbeitet, zurückzugeben. Und zur Lösung dieser Grundfrage beruft sich Tolstoi auf die Lehre Henry Georges und seinen Plan,nur eine einzige Steuer, eine Steuer auf den Grundwert, zu erheben. Dies ist sein ökonomisches Evangelium, auf das er unentwegt zurückgreift und das er sich so zu eigen macht, daß er häufig in seinen eigenen Werken ganze Sätze von Henry George gebraucht.
220(S. 153): „Das Gesetz vom ‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ ist das Fundament für die Kuppel des Gebäudes. Das Gesetz von der gegenseitigen Hilfe zugeben unter Verkennung der Vorschrift des Nichtwiderstrebens, hieße die Kuppel erbauen, ohne sie von Grund auf zu fundamentieren.” („Das Ende einer Welt.”)
220(S. 153): „Das Gesetz vom ‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ ist das Fundament für die Kuppel des Gebäudes. Das Gesetz von der gegenseitigen Hilfe zugeben unter Verkennung der Vorschrift des Nichtwiderstrebens, hieße die Kuppel erbauen, ohne sie von Grund auf zu fundamentieren.” („Das Ende einer Welt.”)
221(S. 153): In einem Brief, den Tolstoi im Jahre 1900 an einen Freund schrieb, beklagt er sich, daß seiner Grundlehre vom Nichtwiderstreben eine falsche Auslegung gegeben werde. „Man verwechselt”, sagt er, „das Wort ‚Widersetze dich nicht dem Bösen durch Böses’... mit ‚Widersetze dich nicht dem Bösen’, d. h. mit ‚Sei gleichgültig dem Bösen gegenüber’... Während der Kampf gegen das Böse das einzige Ziel des Christentums ist, und das Gebot vom ‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ als das wirksamste Kampfmittel gegeben ist.”
221(S. 153): In einem Brief, den Tolstoi im Jahre 1900 an einen Freund schrieb, beklagt er sich, daß seiner Grundlehre vom Nichtwiderstreben eine falsche Auslegung gegeben werde. „Man verwechselt”, sagt er, „das Wort ‚Widersetze dich nicht dem Bösen durch Böses’... mit ‚Widersetze dich nicht dem Bösen’, d. h. mit ‚Sei gleichgültig dem Bösen gegenüber’... Während der Kampf gegen das Böse das einzige Ziel des Christentums ist, und das Gebot vom ‚dem Bösen Nichtwiderstreben’ als das wirksamste Kampfmittel gegeben ist.”
222(S. 154): „Das Ende einer Welt.”
222(S. 154): „Das Ende einer Welt.”
223(S. 154): Tolstoi hat zwei Typen solcher Sektierer gezeichnet: den einen am Schluß der „Auferstehung”, — den andern in „Noch drei Tode”.
223(S. 154): Tolstoi hat zwei Typen solcher Sektierer gezeichnet: den einen am Schluß der „Auferstehung”, — den andern in „Noch drei Tode”.
224(S. 155): Nachdem Tolstoi die Agitation der Semstwos verurteilt hatte, machte sich Gorki zum Dolmetscher seiner Freunde und schrieb: „Dieser Mann ist zum Sklaven seiner Idee geworden. Seit langem hält er sich abseits vom russischen Leben und hört nicht mehr auf die Stimme des Volkes. Er schwebt zu hoch über Rußland.”
224(S. 155): Nachdem Tolstoi die Agitation der Semstwos verurteilt hatte, machte sich Gorki zum Dolmetscher seiner Freunde und schrieb: „Dieser Mann ist zum Sklaven seiner Idee geworden. Seit langem hält er sich abseits vom russischen Leben und hört nicht mehr auf die Stimme des Volkes. Er schwebt zu hoch über Rußland.”
225(S. 155): Es war ihm ein brennender Schmerz, daß er es nicht fertig brachte, verfolgt zu werden. Es gelüstete ihn geradezu nach dem Märtyrertum, aber die Regierung war klug genug und hütete sich, dieses Gelüst zu befriedigen. — „Rings um mich verfolgt man meine Freunde, aber mich läßt man ungeschoren; und wenn irgend jemand gefährlich ist, dann bin ich es doch sicher. Vermutlich bin ich die Verfolgung nicht wert, und dessen schäme ich mich.” (Brief an Teneromo, 1892.) — „Offenbar bin ich der Verfolgungen nicht wert, und ich werde wohl so sterben müssen,ohne durch körperliche Leiden für die Wahrheit zeugen zu dürfen.” (Brief an Teneromo vom 16. Mai 1892.) — „Es ist mir peinlich, in Freiheit zu leben.” (Brief an Teneromo vom 1. Juni 1894.) — Gott weiß indessen, daß er nichts dazu tat! Er beleidigt die Zaren, er greift das Vaterland an, „diesen fürchterlichen Götzen, dem die Menschen ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Vernunft opfern”. („Das Ende einer Welt.”) — Man lese in „Krieg und Frieden” das Resümee, das er aus der Geschichte Rußlands zieht. Es ist eine Galerie von Scheusälern: „der verrückte Iwan der Schreckliche, der weinselige Peter I., die ungebildete Köchin Katharina I., die ausschweifende Elisabeth, der degenerierte Paul, der vatermörderische Alexander I. (der einzige übrigens, für den Tolstoi trotzdem noch eine heimliche Zärtlichkeit empfand), der grausame und unwissende Nikolaus I., der wenig begabte und eher schlechte als gute Alexander II., der dumme, rohe und unwissende Alexander III., der einfältige Husarenoffizier Nikolaus II., ein junger Mann, der von Schurken umgeben ist und selbst nichts weiß und versteht.”
225(S. 155): Es war ihm ein brennender Schmerz, daß er es nicht fertig brachte, verfolgt zu werden. Es gelüstete ihn geradezu nach dem Märtyrertum, aber die Regierung war klug genug und hütete sich, dieses Gelüst zu befriedigen. — „Rings um mich verfolgt man meine Freunde, aber mich läßt man ungeschoren; und wenn irgend jemand gefährlich ist, dann bin ich es doch sicher. Vermutlich bin ich die Verfolgung nicht wert, und dessen schäme ich mich.” (Brief an Teneromo, 1892.) — „Offenbar bin ich der Verfolgungen nicht wert, und ich werde wohl so sterben müssen,ohne durch körperliche Leiden für die Wahrheit zeugen zu dürfen.” (Brief an Teneromo vom 16. Mai 1892.) — „Es ist mir peinlich, in Freiheit zu leben.” (Brief an Teneromo vom 1. Juni 1894.) — Gott weiß indessen, daß er nichts dazu tat! Er beleidigt die Zaren, er greift das Vaterland an, „diesen fürchterlichen Götzen, dem die Menschen ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Vernunft opfern”. („Das Ende einer Welt.”) — Man lese in „Krieg und Frieden” das Resümee, das er aus der Geschichte Rußlands zieht. Es ist eine Galerie von Scheusälern: „der verrückte Iwan der Schreckliche, der weinselige Peter I., die ungebildete Köchin Katharina I., die ausschweifende Elisabeth, der degenerierte Paul, der vatermörderische Alexander I. (der einzige übrigens, für den Tolstoi trotzdem noch eine heimliche Zärtlichkeit empfand), der grausame und unwissende Nikolaus I., der wenig begabte und eher schlechte als gute Alexander II., der dumme, rohe und unwissende Alexander III., der einfältige Husarenoffizier Nikolaus II., ein junger Mann, der von Schurken umgeben ist und selbst nichts weiß und versteht.”
226(S. 155): Brief an den widerspenstigen Gontscharenko vom 17. Januar 1905.
226(S. 155): Brief an den widerspenstigen Gontscharenko vom 17. Januar 1905.
227(S. 155): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.
227(S. 155): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.
228(S. 155): Brief an einen Freund, 1900.
228(S. 155): Brief an einen Freund, 1900.
229(S. 155): An Gontscharenko, 2. Februar 1905.
229(S. 155): An Gontscharenko, 2. Februar 1905.
230(S. 156): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.
230(S. 156): An die Duchoborzen vom Kaukasus, 1898.
231(S. 156): An Gontscharenko, 17. Januar 1905.
231(S. 156): An Gontscharenko, 17. Januar 1905.
232(S. 156): An einen Freund, November 1901.
232(S. 156): An einen Freund, November 1901.
233(S. 156): „Es ist wie eine undichte Stelle an einer Luftpumpe; der ganze Hauch der Selbstsucht, den man aus der menschlichen Seele heraussaugen wollte, kehrt in diese zurück.” — Und er grübelt darüber nach, um zu beweisen, daß man den Originaltext schlecht gelesen hat und daß der richtige Wortlaut des zweiten Gebots ursprünglich so war: „Liebe Deinen Nächsten wie Ihn selbst (nämlich wie Gott).” (Unterhaltungen mit Teneromo.)
233(S. 156): „Es ist wie eine undichte Stelle an einer Luftpumpe; der ganze Hauch der Selbstsucht, den man aus der menschlichen Seele heraussaugen wollte, kehrt in diese zurück.” — Und er grübelt darüber nach, um zu beweisen, daß man den Originaltext schlecht gelesen hat und daß der richtige Wortlaut des zweiten Gebots ursprünglich so war: „Liebe Deinen Nächsten wie Ihn selbst (nämlich wie Gott).” (Unterhaltungen mit Teneromo.)
234(S. 157): Unterhaltungen mit Teneromo.
234(S. 157): Unterhaltungen mit Teneromo.
235(S. 159): Brief an einen Chinesen, Oktober 1906.
235(S. 159): Brief an einen Chinesen, Oktober 1906.
236(S. 159): Tolstoi gab dieser Befürchtung schon in einem Briefe aus dem Jahre 1906 Ausdruck.
236(S. 159): Tolstoi gab dieser Befürchtung schon in einem Briefe aus dem Jahre 1906 Ausdruck.
237(S. 159): „Es lohnte nicht, den Militär- und Polizeidienst zu verweigern, um das Eigentum wieder einzuführen, das sich nur mit Hilfe des Militär- und Polizeidienstes aufrechterhalten läßt. Die Leute, die diesen Dienst ausüben und aus dem Besitz Nutzen ziehen, handeln richtiger als solche, die jeden Dienst verweigern und trotzdem am Genuß des Besitzes teilhaben.” (Brief an die Duchoborzen vom Kaukasus, 1899.)
237(S. 159): „Es lohnte nicht, den Militär- und Polizeidienst zu verweigern, um das Eigentum wieder einzuführen, das sich nur mit Hilfe des Militär- und Polizeidienstes aufrechterhalten läßt. Die Leute, die diesen Dienst ausüben und aus dem Besitz Nutzen ziehen, handeln richtiger als solche, die jeden Dienst verweigern und trotzdem am Genuß des Besitzes teilhaben.” (Brief an die Duchoborzen vom Kaukasus, 1899.)
238(S. 159): Man lese in den Unterhaltungen mit Teneromo die schöne Stelle von dem „jüdischen Weisen”, der so in das Lesen der Bibel vertieft war, daß er nicht gewahrte, wie die Jahrhunderte über ihm hingingen und Völker auf der Erde erschienen und von ihr verschwanden.
238(S. 159): Man lese in den Unterhaltungen mit Teneromo die schöne Stelle von dem „jüdischen Weisen”, der so in das Lesen der Bibel vertieft war, daß er nicht gewahrte, wie die Jahrhunderte über ihm hingingen und Völker auf der Erde erschienen und von ihr verschwanden.
239(S. 160): „Es ist eine furchtbare Sünde, in dem blutigen Schrecken des modernen Staates den Fortschritt Europas zu sehen, einen neuen Judenstaat gründen zu wollen.” (Unterhaltungen mit Teneromo.)
239(S. 160): „Es ist eine furchtbare Sünde, in dem blutigen Schrecken des modernen Staates den Fortschritt Europas zu sehen, einen neuen Judenstaat gründen zu wollen.” (Unterhaltungen mit Teneromo.)
240(S. 160): Aufruf an die Politischen, 1905.
240(S. 160): Aufruf an die Politischen, 1905.
241(S. 160): Brief an Paul Sabatier vom 7. November 1906.
241(S. 160): Brief an Paul Sabatier vom 7. November 1906.
242(S. 161): Brief an Teneromo, Juni 1882, und Brief an einen Freund, November 1901.
242(S. 161): Brief an Teneromo, Juni 1882, und Brief an einen Freund, November 1901.
243(S. 161): „Krieg und Revolution.”
243(S. 161): „Krieg und Revolution.”
244(S. 161): Brief an einen Freund.
244(S. 161): Brief an einen Freund.
245(S. 162): Brief an einen Freund. Vielleicht handelt es sich hier um die von Tolstoi geplante aber von ihm nicht veröffentlichte „Geschichte eines Duchoborzen”.
245(S. 162): Brief an einen Freund. Vielleicht handelt es sich hier um die von Tolstoi geplante aber von ihm nicht veröffentlichte „Geschichte eines Duchoborzen”.
246(S. 162): „Stellen Sie sich vor, daß alle Menschen, die in der Wahrheit sind, sich vereinigen und sich zusammen auf einer Insel niederlassen. Wäre dies das Leben?” (An einen Freund, März 1901.)
246(S. 162): „Stellen Sie sich vor, daß alle Menschen, die in der Wahrheit sind, sich vereinigen und sich zusammen auf einer Insel niederlassen. Wäre dies das Leben?” (An einen Freund, März 1901.)
247(S. 163): 1. Dezember 1910.
247(S. 163): 1. Dezember 1910.
248(S. 166): 16. Mai 1892. Tolstoi sah damals, wie seine Frau unter dem Tod eines kleinen Knaben litt, und er wußte nicht, wie er sie trösten sollte.
248(S. 166): 16. Mai 1892. Tolstoi sah damals, wie seine Frau unter dem Tod eines kleinen Knaben litt, und er wußte nicht, wie er sie trösten sollte.
249(S. 166): Brief aus dem Januar 1883.
249(S. 166): Brief aus dem Januar 1883.
250(S. 167): „Ich werde niemals jemand vorwerfen, daß er keine Religion hat. Wenn die Menschen lügen und vorgeben, eine Religion zu haben, — das ist das Schlimme.” — Und an anderer Stelle:„Gott möge uns davor bewahren, daß wir Liebe heucheln; dies ist schlimmer als der Haß.”
250(S. 167): „Ich werde niemals jemand vorwerfen, daß er keine Religion hat. Wenn die Menschen lügen und vorgeben, eine Religion zu haben, — das ist das Schlimme.” — Und an anderer Stelle:„Gott möge uns davor bewahren, daß wir Liebe heucheln; dies ist schlimmer als der Haß.”
251(S. 167): „Revue des Deux Mondes” vom 15. Dezember 1910.
251(S. 167): „Revue des Deux Mondes” vom 15. Dezember 1910.
252(S. 167): Ebenda.
252(S. 167): Ebenda.
253(S. 168): An einen Freund, 10. Dezember 1903.
253(S. 168): An einen Freund, 10. Dezember 1903.
254(S. 168): Veröffentlicht im „Figaro” vom 27. Dezember 1910.
254(S. 168): Veröffentlicht im „Figaro” vom 27. Dezember 1910.
255(S. 169): Dieser Zustand reicht also bis in das Jahr 1881 zurück, d. h. bis zu dem in Moskau verbrachten Winter, als Tolstoi das soziale Elend entdeckte.
255(S. 169): Dieser Zustand reicht also bis in das Jahr 1881 zurück, d. h. bis zu dem in Moskau verbrachten Winter, als Tolstoi das soziale Elend entdeckte.
256(S. 172): Brief an einen Freund.
256(S. 172): Brief an einen Freund.
257(S. 173): Es scheint, daß Tolstoi während der letzten Jahre und besonders während der letzten Monate seines Lebens stark unter dem Einfluß seines ihm treu ergebenen Freundes Wladimir Grigoritsch Tschertkow stand, der während seines langen Aufenthalts in England sein Vermögen daran gesetzt hatte, Tolstois gesamtes Werk zu veröffentlichen und zu verbreiten. Tschertkow ist von einem der Söhne Tolstois, von Leo Tolstoi, heftig angegriffen worden. Aber wenn man ihm auch Starrköpfigkeit vorwerfen konnte, so vermochte niemand, seine völlige Ergebenheit anzuzweifeln; und ohne die manchmal vielleicht unmenschliche Härte zu billigen, die in gewissen Handlungen, welche man auf seinen Einfluß zurückführen kann, zutage tritt (wie in dem Testament, worin Tolstoi seiner Frau jede Verfügung über all seine Schriften einschließlich seiner Privatbriefe entzog), darf man glauben, daß er stolzer auf den Ruhm seines Freundes Tolstoi war, als dieser selbst.
257(S. 173): Es scheint, daß Tolstoi während der letzten Jahre und besonders während der letzten Monate seines Lebens stark unter dem Einfluß seines ihm treu ergebenen Freundes Wladimir Grigoritsch Tschertkow stand, der während seines langen Aufenthalts in England sein Vermögen daran gesetzt hatte, Tolstois gesamtes Werk zu veröffentlichen und zu verbreiten. Tschertkow ist von einem der Söhne Tolstois, von Leo Tolstoi, heftig angegriffen worden. Aber wenn man ihm auch Starrköpfigkeit vorwerfen konnte, so vermochte niemand, seine völlige Ergebenheit anzuzweifeln; und ohne die manchmal vielleicht unmenschliche Härte zu billigen, die in gewissen Handlungen, welche man auf seinen Einfluß zurückführen kann, zutage tritt (wie in dem Testament, worin Tolstoi seiner Frau jede Verfügung über all seine Schriften einschließlich seiner Privatbriefe entzog), darf man glauben, daß er stolzer auf den Ruhm seines Freundes Tolstoi war, als dieser selbst.
258(S. 173): Die „Correspondance de l'Union pour la vérité” hat in ihrer Nummer vom 1. Januar 1911 einen interessanten Bericht über diese Flucht veröffentlicht: Tolstoi verließ plötzlich am 28. Oktober (10. November) 1910, gegen 5 Uhr morgens, Jasnaja Poljana; seine Tochter Alexandra, die Tschertkow „seine vertrauteste Mitarbeiterin” nennt, war in das Geheimnis von seiner Flucht eingeweiht. Am nämlichen Tage, um 6 Uhr abends, langte er an dem Kloster Optina an, einem der berühmtesten Wallfahrtsorte Rußlands, wohin er früher schon manches Mal gepilgert war. Hier verbrachte er die Nacht und den Morgen des folgenden Tages und schrieb einen langen Aufsatz über die Todesstrafe. Am Abend des 29. Oktober (11. November) ging er nach dem Kloster Chamordino, wo seine Schwester Marie Nonne war. Er aß mit ihr und sagte ihr, daß er den Wunsch gehabt habe, das Ende seines Lebens im Kloster Optina zu verbringen, „wo er sich den niedrigsten Arbeiten gern unterzogen hätte, jedoch unter der Bedingung, daß er nicht gezwungen gewesen sei, zur Kirche zu gehen.” Er verbrachte die Nacht in Chamordino, machte am folgenden Morgen einen Gang in das benachbarte Dorf, wo er Unterkunft zu nehmen dachte, und kam am Nachmittag wieder mit seiner Schwester zusammen. Um 5 Uhr traf unversehens seine Tochter Alexandra ein. Zweifellos benachrichtigte sie ihn davon, daß sein Zufluchtsort bekannt geworden und man auf seiner Verfolgung sei; und in der nämlichen Nacht brachen sie noch auf. „Tolstoi, Alexandra und Doktor Makowitski gingen nach der Bahnstation Koselsk, wahrscheinlich mit der Absicht, die südlichen Provinzen, vielleicht die von den Duchoborzen im Kaukasus gegründeten Kolonien, zu erreichen.” Unterwegs erkrankte Tolstoi auf dem Bahnhof von Astapowo und mußte sich zu Bett legen. Dort starb er dann.
258(S. 173): Die „Correspondance de l'Union pour la vérité” hat in ihrer Nummer vom 1. Januar 1911 einen interessanten Bericht über diese Flucht veröffentlicht: Tolstoi verließ plötzlich am 28. Oktober (10. November) 1910, gegen 5 Uhr morgens, Jasnaja Poljana; seine Tochter Alexandra, die Tschertkow „seine vertrauteste Mitarbeiterin” nennt, war in das Geheimnis von seiner Flucht eingeweiht. Am nämlichen Tage, um 6 Uhr abends, langte er an dem Kloster Optina an, einem der berühmtesten Wallfahrtsorte Rußlands, wohin er früher schon manches Mal gepilgert war. Hier verbrachte er die Nacht und den Morgen des folgenden Tages und schrieb einen langen Aufsatz über die Todesstrafe. Am Abend des 29. Oktober (11. November) ging er nach dem Kloster Chamordino, wo seine Schwester Marie Nonne war. Er aß mit ihr und sagte ihr, daß er den Wunsch gehabt habe, das Ende seines Lebens im Kloster Optina zu verbringen, „wo er sich den niedrigsten Arbeiten gern unterzogen hätte, jedoch unter der Bedingung, daß er nicht gezwungen gewesen sei, zur Kirche zu gehen.” Er verbrachte die Nacht in Chamordino, machte am folgenden Morgen einen Gang in das benachbarte Dorf, wo er Unterkunft zu nehmen dachte, und kam am Nachmittag wieder mit seiner Schwester zusammen. Um 5 Uhr traf unversehens seine Tochter Alexandra ein. Zweifellos benachrichtigte sie ihn davon, daß sein Zufluchtsort bekannt geworden und man auf seiner Verfolgung sei; und in der nämlichen Nacht brachen sie noch auf. „Tolstoi, Alexandra und Doktor Makowitski gingen nach der Bahnstation Koselsk, wahrscheinlich mit der Absicht, die südlichen Provinzen, vielleicht die von den Duchoborzen im Kaukasus gegründeten Kolonien, zu erreichen.” Unterwegs erkrankte Tolstoi auf dem Bahnhof von Astapowo und mußte sich zu Bett legen. Dort starb er dann.
259(S. 176): Tagebuch unter dem Datum des 28. Oktober 1879. — Der ganze Abschnitt, der zu den schönsten gehört, lautet: „Es gibt in dieser Welt schwerfällige Leute ohne Flügel. Diese bewegen sich auf der Erde. Unter ihnen gibt es starke Naturen: Napoleon. Er hinterläßt schreckliche Spuren unter den Menschen. Er sät Unfrieden. — Es gibt Menschen, die sich Flügel wachsen lassen, sich langsam emporschwingen und schweben: die Mönche. — Es gibt leichtbeschwingte Menschen, die sich mühelos erheben und wieder herabstürzen: die guten Idealisten. — Es gibt Menschen mit mächtigen Schwingen... — Es gibt himmlische Menschen, die aus Liebe zu den Menschen auf die Erde herabsteigen, ihre Flügel zusammenfalten und die anderen das Fliegen lehren. Dann, wenn sie nicht mehr nötig sind, steigen sie wieder empor: Christus.”
259(S. 176): Tagebuch unter dem Datum des 28. Oktober 1879. — Der ganze Abschnitt, der zu den schönsten gehört, lautet: „Es gibt in dieser Welt schwerfällige Leute ohne Flügel. Diese bewegen sich auf der Erde. Unter ihnen gibt es starke Naturen: Napoleon. Er hinterläßt schreckliche Spuren unter den Menschen. Er sät Unfrieden. — Es gibt Menschen, die sich Flügel wachsen lassen, sich langsam emporschwingen und schweben: die Mönche. — Es gibt leichtbeschwingte Menschen, die sich mühelos erheben und wieder herabstürzen: die guten Idealisten. — Es gibt Menschen mit mächtigen Schwingen... — Es gibt himmlische Menschen, die aus Liebe zu den Menschen auf die Erde herabsteigen, ihre Flügel zusammenfalten und die anderen das Fliegen lehren. Dann, wenn sie nicht mehr nötig sind, steigen sie wieder empor: Christus.”
260(S. 176): „Man kann nur leben, solange man trunken vom Leben ist.” („Beichte”, 1879.) — „Ich bin lebenstoll... Dies ist der Sommer, der köstliche Sommer. Dieses Jahr habe ich lange gekämpft; aber die Schönheit der Natur hat mich besiegt. Ich freue mich des Lebens.” (Brief an Fet, Juli 1880.) — Diese Zeilen sind mitten in der religiösen Krisis geschrieben.
260(S. 176): „Man kann nur leben, solange man trunken vom Leben ist.” („Beichte”, 1879.) — „Ich bin lebenstoll... Dies ist der Sommer, der köstliche Sommer. Dieses Jahr habe ich lange gekämpft; aber die Schönheit der Natur hat mich besiegt. Ich freue mich des Lebens.” (Brief an Fet, Juli 1880.) — Diese Zeilen sind mitten in der religiösen Krisis geschrieben.
261(S. 176): In seinem Tagebuch unter dem Datum des 1. Mai 1863: „Der Gedanke an den Tod...” „Ich will und ich liebe die Unsterblichkeit.”
261(S. 176): In seinem Tagebuch unter dem Datum des 1. Mai 1863: „Der Gedanke an den Tod...” „Ich will und ich liebe die Unsterblichkeit.”
262(S. 176): „Ich berauschte mich an diesem vor Entrüstung schäumenden Zorn, den ich an mir liebe, den ich selber befeuere, wenn ich ihn spüre; denn er übt eine besänftigende Wirkung auf mich aus und gibt mir wenigstens für einige Augenblicke zu allen körperlichen und moralischen Fähigkeiten eine ungewöhnliche Elastizität, Tatkraft und Glut.” („Tagebuch des Fürsten Nekludow”, — „Luzern”, 1857.)
262(S. 176): „Ich berauschte mich an diesem vor Entrüstung schäumenden Zorn, den ich an mir liebe, den ich selber befeuere, wenn ich ihn spüre; denn er übt eine besänftigende Wirkung auf mich aus und gibt mir wenigstens für einige Augenblicke zu allen körperlichen und moralischen Fähigkeiten eine ungewöhnliche Elastizität, Tatkraft und Glut.” („Tagebuch des Fürsten Nekludow”, — „Luzern”, 1857.)
263(S. 177): Sein Aufsatz über den Krieg anläßlich des allgemeinen Londoner Friedenskongresses im Jahre 1891 ist eine tüchtige Verhöhnung der Pazifisten, die an ein internationales Schiedsgericht glauben: „Es ist die Geschichte von dem Vogel, den man fängt, nachdem man ihm etwas Salz auf den Schwanz gestreut hat. Er ist vorher ebenso leicht zu fangen. Den Leuten von Schiedsgericht und Abrüstung mit Zustimmung der Staaten sprechen, heißt sich über sie lustig machen. Das alles ist Gerede! Natürlich stimmen die Regierungen zu: die sind die rechten! Sie wissen es wohl, daß sie das nie hindern kann, doch zu tun was sie wollen.” („Grausame Vergnügungen.”)
263(S. 177): Sein Aufsatz über den Krieg anläßlich des allgemeinen Londoner Friedenskongresses im Jahre 1891 ist eine tüchtige Verhöhnung der Pazifisten, die an ein internationales Schiedsgericht glauben: „Es ist die Geschichte von dem Vogel, den man fängt, nachdem man ihm etwas Salz auf den Schwanz gestreut hat. Er ist vorher ebenso leicht zu fangen. Den Leuten von Schiedsgericht und Abrüstung mit Zustimmung der Staaten sprechen, heißt sich über sie lustig machen. Das alles ist Gerede! Natürlich stimmen die Regierungen zu: die sind die rechten! Sie wissen es wohl, daß sie das nie hindern kann, doch zu tun was sie wollen.” („Grausame Vergnügungen.”)
264(S. 177): Die Natur war immer Tolstois „beste Freundin”, wie er zu sagen liebte. Er nahm am Leben der Natur teil, er fühlte sich im Frühling wie neugeboren („März und April sind für mich die besten Arbeitsmonate” — Brief an Fet vom 23. März 1877), im Spätherbst verfiel er in eine Art von Erstarrung („Es ist für mich die toteste Jahreszeit, ich denke nicht, ich schreibe nicht, ich fühle mich angenehm verblödet.” — Brief an Fet vom 21. Oktober 1869.) — Aber die Natur, die innig zu seinem Herzen sprach, war die Natur seiner Heimat, die Natur von Jasnaja Poljana. Wenn er auch während seiner Schweizerreise außerordentlich viel Schönes über den Genfer See zu schreiben wußte und ganz besonders über Clarens und seine Umgebung, wo ihn die Erinnerung an Rousseau anzog, so fühlte er sich doch eigentlich in dieser Schweizer Natur als ein Fremder; und die Bande, die ihn an die Heimaterde fesselten, erschienen ihm viel enger und herzlicher. — „Ich liebe die Natur,wenn sie mich von allen Seiten umgibt, wenn mich von allen Seiten die warme Luft einhüllt, die sich in der unendlichen Weite ausbreitet, wenn dieses nämliche fette Gras, das ich beim Lagern niedergedrückt habe, die endlosen Felder begrünt, wenn diese nämlichen Blätter, vom Windhauch bewegt, mein Gesicht beschatten, die das dunkle Blau des fernen Waldes bilden, wenn diese nämliche Luft, die ich atme, den hellblauen Grund des unendlichen Himmels erfüllt, wenn ich nicht allein die Natur genieße, wenn rings um mich Millionen von Insekten surren und schwirren und die Vögel singen. Es ist für mich der höchste Naturgenuß, wenn ich mich an allem teilhaben fühle. — Wie schön ist hier (in der Schweiz) die grenzenlose Weite, aber ich fühle mich ihr nicht verbunden.” (Mai 1857.)
264(S. 177): Die Natur war immer Tolstois „beste Freundin”, wie er zu sagen liebte. Er nahm am Leben der Natur teil, er fühlte sich im Frühling wie neugeboren („März und April sind für mich die besten Arbeitsmonate” — Brief an Fet vom 23. März 1877), im Spätherbst verfiel er in eine Art von Erstarrung („Es ist für mich die toteste Jahreszeit, ich denke nicht, ich schreibe nicht, ich fühle mich angenehm verblödet.” — Brief an Fet vom 21. Oktober 1869.) — Aber die Natur, die innig zu seinem Herzen sprach, war die Natur seiner Heimat, die Natur von Jasnaja Poljana. Wenn er auch während seiner Schweizerreise außerordentlich viel Schönes über den Genfer See zu schreiben wußte und ganz besonders über Clarens und seine Umgebung, wo ihn die Erinnerung an Rousseau anzog, so fühlte er sich doch eigentlich in dieser Schweizer Natur als ein Fremder; und die Bande, die ihn an die Heimaterde fesselten, erschienen ihm viel enger und herzlicher. — „Ich liebe die Natur,wenn sie mich von allen Seiten umgibt, wenn mich von allen Seiten die warme Luft einhüllt, die sich in der unendlichen Weite ausbreitet, wenn dieses nämliche fette Gras, das ich beim Lagern niedergedrückt habe, die endlosen Felder begrünt, wenn diese nämlichen Blätter, vom Windhauch bewegt, mein Gesicht beschatten, die das dunkle Blau des fernen Waldes bilden, wenn diese nämliche Luft, die ich atme, den hellblauen Grund des unendlichen Himmels erfüllt, wenn ich nicht allein die Natur genieße, wenn rings um mich Millionen von Insekten surren und schwirren und die Vögel singen. Es ist für mich der höchste Naturgenuß, wenn ich mich an allem teilhaben fühle. — Wie schön ist hier (in der Schweiz) die grenzenlose Weite, aber ich fühle mich ihr nicht verbunden.” (Mai 1857.)
265(S. 177): Unterhaltungen mit Paul Boyer („Le Temps” vom 28. August 1901).
265(S. 177): Unterhaltungen mit Paul Boyer („Le Temps” vom 28. August 1901).
266(S. 178): Tagebuch vom 6. Januar 1903.
266(S. 178): Tagebuch vom 6. Januar 1903.
267(S. 178): Brief an Birukow.
267(S. 178): Brief an Birukow.
268(S. 179): „Sewastopol im Mai 1855.”
268(S. 179): „Sewastopol im Mai 1855.”
269(S. 179): „Die Wahrheit,... das einzige was mir aus meiner moralischen Vorstellung geblieben ist.” (17. Oktober 1860.)
269(S. 179): „Die Wahrheit,... das einzige was mir aus meiner moralischen Vorstellung geblieben ist.” (17. Oktober 1860.)
270(S. 179): 17. Oktober 1860.
270(S. 179): 17. Oktober 1860.
271(S. 179): „Die Liebe zu den Menschen ist der natürliche Zustand der Seele, aber wir bemerken es nicht.” (Tagebuch aus seiner Studentenzeit in Kasan.)
271(S. 179): „Die Liebe zu den Menschen ist der natürliche Zustand der Seele, aber wir bemerken es nicht.” (Tagebuch aus seiner Studentenzeit in Kasan.)
272(S. 180): „Die Liebe wird sich der Liebe öffnen...” („Beichte” 1879-1881.) — „Ich, der die Wahrheit mit der Liebe zu einer Einheit machte...” („Beichte,” 1879-1881.)
272(S. 180): „Die Liebe wird sich der Liebe öffnen...” („Beichte” 1879-1881.) — „Ich, der die Wahrheit mit der Liebe zu einer Einheit machte...” („Beichte,” 1879-1881.)
273(S. 180): „Ihr sprecht immer von der Willenskraft? Aber die Grundlage der Willenskraft ist die Liebe, und die Liebe läßt sich nicht so ohne weiteres gebieten”, sagt Anna in „Anna Karenina”.
273(S. 180): „Ihr sprecht immer von der Willenskraft? Aber die Grundlage der Willenskraft ist die Liebe, und die Liebe läßt sich nicht so ohne weiteres gebieten”, sagt Anna in „Anna Karenina”.
274(S. 180): „Die Schönheit und die Liebe, die beide allein dem menschlichen Dasein eine Berechtigung geben...” („Krieg und Frieden.”)
274(S. 180): „Die Schönheit und die Liebe, die beide allein dem menschlichen Dasein eine Berechtigung geben...” („Krieg und Frieden.”)
275(S. 180): „Ich glaube an Gott, der für mich die Liebe ist.” (An den Heiligen Synod, 1901.) „Ja die Liebe!... Nicht die selbstsüchtige Liebe, sondern die Liebe, wie ich sie das erstemal in meinem Leben erfahren habe, als ich meinen Feind sterbend neben mir gewahrte und ihn liebte... Das ist das eigentliche Wesen des Herzens. Seinen Nächsten lieben, seinen Feind lieben, alle und jeden lieben, heißt Gott in allen seinen Offenbarungen lieben!... Ein Wesen lieben, das uns teuer ist, bedeutet menschliche Liebe, aber seinen Feind lieben, das bedeutet fast göttliche Liebe...” (Der sterbende Fürst Andrej in „Krieg und Frieden”.)
275(S. 180): „Ich glaube an Gott, der für mich die Liebe ist.” (An den Heiligen Synod, 1901.) „Ja die Liebe!... Nicht die selbstsüchtige Liebe, sondern die Liebe, wie ich sie das erstemal in meinem Leben erfahren habe, als ich meinen Feind sterbend neben mir gewahrte und ihn liebte... Das ist das eigentliche Wesen des Herzens. Seinen Nächsten lieben, seinen Feind lieben, alle und jeden lieben, heißt Gott in allen seinen Offenbarungen lieben!... Ein Wesen lieben, das uns teuer ist, bedeutet menschliche Liebe, aber seinen Feind lieben, das bedeutet fast göttliche Liebe...” (Der sterbende Fürst Andrej in „Krieg und Frieden”.)
276(S. 180): „Die leidenschaftliche Liebe des Künstlers für seine Schöpfung ist der Kern der Kunst. Ohne Liebe ist kein Kunstwerk möglich.” (Brief aus dem September 1889.)
276(S. 180): „Die leidenschaftliche Liebe des Künstlers für seine Schöpfung ist der Kern der Kunst. Ohne Liebe ist kein Kunstwerk möglich.” (Brief aus dem September 1889.)
277(S. 181): „Ich schreibe Bücher, daher weiß ich, wieviel Übel sie anrichten können...” (Brief an das Oberhaupt der Duchoborzen, 1898.)
277(S. 181): „Ich schreibe Bücher, daher weiß ich, wieviel Übel sie anrichten können...” (Brief an das Oberhaupt der Duchoborzen, 1898.)
278(S. 182): Vergleiche „Der Morgen des Gutsherrn” oder „Beichte”, wo jene einfachen, guten, ruhigen und mit ihrem Schicksal zufriedenen Menschen als Idealgestalten gesehen sind, — oder am Schluß des zweiten Teils der „Auferstehung” die Vision von einer neuen Menschheit und einer neuen Erde, die Nekludow hat, als er Arbeitern begegnet, die von der Arbeit kommen.
278(S. 182): Vergleiche „Der Morgen des Gutsherrn” oder „Beichte”, wo jene einfachen, guten, ruhigen und mit ihrem Schicksal zufriedenen Menschen als Idealgestalten gesehen sind, — oder am Schluß des zweiten Teils der „Auferstehung” die Vision von einer neuen Menschheit und einer neuen Erde, die Nekludow hat, als er Arbeitern begegnet, die von der Arbeit kommen.
279(S. 183): „Ein Christ kann dem andern moralisch weder überlegen, noch unterlegen sein; aber er ist um so christlicher, je schneller er sich auf dem Weg der Vollendung bewegt, auf welcher Stufe er sich auch zur gegebenen Zeit befinden mag. So ist die ständige Tugend des Pharisäers weniger christlich als die Tugend des Schächers, dessen Herz sich mit Macht zum Höchsten wendet und der an seinem Kreuz bereut.” („Grausame Vergnügungen.”) —
279(S. 183): „Ein Christ kann dem andern moralisch weder überlegen, noch unterlegen sein; aber er ist um so christlicher, je schneller er sich auf dem Weg der Vollendung bewegt, auf welcher Stufe er sich auch zur gegebenen Zeit befinden mag. So ist die ständige Tugend des Pharisäers weniger christlich als die Tugend des Schächers, dessen Herz sich mit Macht zum Höchsten wendet und der an seinem Kreuz bereut.” („Grausame Vergnügungen.”) —
GegenüberSeite1.Tolstoi nach einem Bildnis von Kramskoi, 1873V2.Tolstoi mit seinen Brüdern nach der Rückkehr aus dem Kaukasus, vor der Abfahrt zur Don-Armee im Jahre 1854163.Tolstoi vor der Abreise nach dem Kaukasus324.Tolstoi im Jahre 1854485.Tolstoi im Jahre 1906646.Tolstoi und seine Frau, die Gräfin Tolstoi807.Tolstoi und seine ältere Tochter Tatjana888.Tolstoi und seine jüngere Tochter Alexandra969.Tolstoi im Jahre 190910410.Tolstoi beim Tee mit den Bauern im Jahre 190911211.Tolstoi in seinem Arbeitszimmer12012.Tolstoi zu Pferde12813.Tolstoi auf dem Lande13614.Tolstoi im Jahre 191014415.Tolstoi mit seinem Freunde Tschertkow16016.Tolstois Grab auf Jasnaja Poljana176
SeiteEinleitung1„Die Geschichte meiner Kindheit”22„Geschichten aus dem Kaukasus”25„Die Kosaken”27„Sewastopol”33„Drei Tode”47„Eheglück”50„Krieg und Frieden”55„Anna Karenina”65„Beichte” und religiöse Krisis75Soziale Krisis: „Was sollen wir denn tun?”87Wissenschaft und Kunst100Die „Volkserzählungen”119„Die Macht der Finsternis”121„Der Tod des Iwan Iljitsch”124„Die Kreutzersonate”126„Auferstehung”135Die sozialen Ideen143Die letzten Lebensjahre158Epilog175Anmerkungen185Bilderverzeichnis220
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Geheftet 18 Mark, Pappband 28 Markin Halbleder gebunden 50 Mark(unverbindlich)
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Bisherige Auflage55 000 Exemplare
Seit dem unsterblichen „Onkel Benjamin” von Claude Tillier ist so kein Buch geschrieben worden. So leicht und so schwer, so ernsthaft und so froh. Unphilosophisch und unpolitisch sei das Buch, so sagt der Verfasser im Vorwort, dabei spricht köstlichste, das Dasein bejahende Philosophie aus jeder Zeile, und neben der lachenden ernsten Weltanschauung, die sich unter einem Mantel von Scherzen und Derbheiten verbirgt, steht auch manches politisch feine und kluge Wort. Wie dieser Bildschnitzer und Künstler des 17. Jahrhunderts lachenden Mundes über die großen und kleinen Beschwerden des Lebens dahinschreitet, wie er Pest, Krieg, Tod an sich vorbeilaufen läßt und bei allem Ungemach immer den Schelm im Nacken sitzen hat, das kann nur ein ganz wundervoller, innerlich freier Mensch, der selbst Ähnliches erlebt und bezwungen hat, so schildern.
„Die Hilfe”
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Dies Buch kommt jetzt zur rechten Zeit. Über Rolland als Menschen, seine geistige Gestalt und ihre Bedeutung für diese Zeit hat Stefan Zweig in seinem schönen, aus Liebe und Ehrfurcht entstandenen Buche Worte gesagt, welche stehenbleiben werden.
Hermann Hesse in „Wissen und Leben”
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Dieses Buch ist einer Übergangszeit gewidmet, in der sich das moderne musikalische Empfinden vorbereitet. In den sieben Kapiteln malt Rolland auf dem Hintergrund der ganzen Kultur-, Sitten- und Geistesgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts die Bildnisse der großen Musiker ganz Europas, die von ihren Mitlebenden zu Unrecht verkannt und von der Nachwelt größtenteils vergessen worden sind. Alle diese Männer sind „verwegene Moderne” in unserem heutigen Sinn. Schon darum stehen sie unserem Herzen besonders nahe. Rolland, der unerbittlich Gerechte, zeigt uns, wie die deutschen unter ihnen der deutschen Musik den Platz an der Spitze der europäischen Musik erobern. Künstler wie Telemann mit ihrem starken Sinn für das Leben sind die Vorbereiter eines Haydn, eines Mozart, eines Beethoven, und man muß sie kennenlernen, weil man sonst die großen Klassiker als Wunder anstaunen würde, während sie die logische Folge eines ganzen Jahrhunderts von genialen Begabungen sind.
(Die Preise sind unverbindlich)
Rütten & LoeningFrankfurt a. Main