Tolstoi mit seinem Freunde Tschertkow
Tolstoi ist betrübt, aber nicht entmutigt. Er vertraut auf Gott, er glaubt an die Zukunft:
„Das wäre herrlich, wenn man im Handumdrehen einen Wald wachsen lassen könnte. Leider ist das unmöglich; man muß warten, bis der Samen keimt, daß er Triebe, dann Blätter, dann den Stengel hervorbringt, der sich schließlich zum Baume entwickelt.”240
Aber erst viele Bäume machen einen Wald; und Tolstoi steht allein. Ruhmreich, aber allein. Man schreibt aus der ganzen Welt an ihn: aus den mohammedanischen Ländern, aus China, aus Japan, wo man die „Auferstehung” übersetzt, und wo sich seine Ideen über die „Zurückerstattung des Bodens an das Volk” ausbreiten. Die amerikanische Presse interviewt ihn; Franzosen befragen ihn über Kunstangelegenheiten oder über die Trennung von Staat und Kirche241. Aber er hat noch keine dreihundert Schüler, und er leugnet es gar nicht. Im übrigen hat er sich nie darum bemüht, Schüler zu bekommen. Er verurteilt die Versuche seiner Freunde, Tolstoianer zu werden:
„Wir sollen nicht einer zum anderen streben, sondern alle zu Gott... Ihr sagt: ‚Zusammen ist es leichter...’ — Was? — Ackern, mähen, ja. Aber Gott kann man sich nur allein nähern... Ich stelle mir die Welt als einen Riesentempel vor, in dem das Licht von oben undgerade in die Mitte fällt. Um sich zu vereinigen, müssen alle zum Lichte drängen. Dort werden wir alle, die wir von verschiedenen Seiten kommen, uns mit Menschen zusammenfinden, die wir nicht erwarteten: und darin liegt die Freude.”242
Wie viele mögen sich unter diesem Lichtstreif zusammengefunden haben? — Gleichviel! Es genügt, daß einer sich dort mit Gott zusammenfindet.
„Ebenso wie nur ein Stoff, der selbst brennt, das Feuer anderen Stoffen mitteilen kann, ebenso können nur der wahrhafte Glaube und das wahrhafte Leben eines Menschen sich anderen Menschen mitteilen und die Wahrheit verbreiten.”243
Vielleicht; aber bis zu welchem Grad hat dieser einsame Glaube Tolstoi das Glück sichern können? — Wie weit entfernt ist er in seinen letzten Lebenstagen von der heiteren Ruhe eines Goethe! Man möchte fast sagen, er flieht sie, sie ist ihm unsympathisch.
„Man muß Gott dafür danken, wenn man unzufrieden mit sich ist. Könnte man es nur immer sein! Der Mißklang, den das Leben, wie es ist, mit dem Leben, wie es sein sollte, hervorbringt, ist gerade das Wahrzeichen des Lebens, die Bewegung, die vom Kleinsten zum Größten, vom Schlimmsten zum Besten hinaufführt. Und dieser Mißklang ist die Bedingung für das Gute. Es ist vom Übel, wenn der Mensch ruhig und mit sich selbst zufrieden ist.”244
Und er ersinnt jenen Romanstoff, der in erstaunlicher Weise zeigt, daß die ewige Unruhe eines Lewin oder eines Peter Besukow in ihm nicht erstorben war.
„Ich stelle mir oft einen in den revolutionären Kreisen erzogenen Menschen vor, der erst Revolutionär, dann Sozialist, Orthodoxer, Mönch auf dem Berge Athos, nachher Atheist, guter Familienvater und schließlich Duchoborze ist. Er fängt alles an und gibt alles immer wieder auf. Die Menschen machen sich über ihn lustig, er hat nichts vollbracht und stirbt vergessen in einem Asyl. Noch im Sterben denkt er, daß er sein Leben verpfuscht hat. Und doch ist er ein Heiliger.”245
Hegte er also immer noch Zweifel, er, der so voll seines Glaubens war? — Wer weiß es? Bei einem Mann, der bis ins höchste Alter kräftig an Körper und Geist geblieben war, konnte das Leben nicht plötzlich bei irgendeinem Gedankengang haltmachen. Es mußte weiter voran.
„Bewegung ist Leben.”246
Gar viel mußte sich im Laufe der letzten Jahre in ihm geändert haben. War er nicht auch in der Beurteilung der Revolutionäre milder geworden? Wer kann sagen, ob nicht sogar sein Glaube an das Nichtwiderstreben gegen das Böse ein wenig erschüttert worden war? Schon in der „Auferstehung” ändern Nekludows Beziehungen zu den wegen politischer Verbrechen Verurteilten seine Ansichten über die russische Revolutionspartei vollständig.
„Bis dahin hegte er Abscheu gegen ihre Grausamkeit, ihre verbrecherische Verstellungskunst, ihre Mordanschläge, ihre Anmaßung, ihre Selbstzufriedenheit, ihre unerträgliche Eitelkeit. Aber nun, da er sie aus der Nähe sieht, da er sieht, wie sie von den Machthabern behandelt werden, begreift er, daß sie nicht anders sein können.”
Und er bewundert ihre hohe Auffassung von der Pflicht, die das ganze Opfer fordert.
Aber seit 1900 hatte sich die revolutionäre Woge ausgebreitet; ausgegangen von den Intellektuellen, hatte sie nun auch das Volk ergriffen und brachte Tausende von Unglücklichen in blinden Aufruhr. Die Vorhut ihres dräuenden Heeres zog in Jasnaja Poljana unter Tolstois Fenstern vorbei. Drei Geschichten, die der „Mercure de France”247veröffentlichte und die zu den letzten Seiten zählen, die Tolstoi schrieb, lassen den Schmerz und Kummer ahnen, den dieses Schauspiel ihm bereitete. Wo war die Zeit hin, da fromme Pilger einfältigen Geistes die Gegend von Tula durchzogen? Jetzt war es eine Überschwemmung von umhergetriebenen Hungerleidern. Jeden Tag kommen welche. Tolstoi spricht mit ihnen und ist betroffen von dem Haß, der sie bewegt; sie sehen nicht, wie einst, in den Reichen „Leute, die, um ihr Seelenheil zu retten, Almosen austeilen, sondern Räuber, Schurken, die dem arbeitenden Volk das Blut aussaugen.” Viele von ihnen sind heruntergekommene gebildete Leute am Rande der Verzweiflung, die den Menschen zu allem fähig macht.
„Nicht in den Wüsten und den Wäldern, sondern in den Winkeln der Städte und auf den breiten Heerstraßen werden die Barbaren großgezogen, die aus der modernen Zivilisation das machen werden, was die Hunnen und Vandalen aus der alten gemacht haben.”
So sprach Henry George. Und Tolstoi fügt hinzu:
„Die Vandalen sind schon bereit in Rußland, und sie werden besonders schrecklich sein für unser tiefreligiöses Volk, weil wir nicht die Hemmungen kennen, die bei den europäischen Völkern so stark ausgebildet sind: die Konvention und die öffentliche Meinung.”
Tolstoi bekam von diesen Revolutionären häufig Briefe, in denen sie gegen seine Lehren vom Nichtwiderstreben Einspruch erhoben und sagten, daß man auf all das Böse, das die Regierenden und die Reichen dem Volk antäten, nur antworten könne: „Rache! Rache! Rache!” — Verdammt Tolstoi sie noch? Man weiß es nicht. Aber als er einige Tage später sieht, wie in seinem Dorf den jammernden Armen ihr Samowar und ihre Schafe vor den Augen der gleichgültigen Behörden abgenommen werden, kann auch er nicht anders, und er ruft Rache den Henkern, „diesen Ministern und ihren Helfershelfern, die mit Branntwein handeln, die Menschen das Morden lehren, zu Verbannung, Gefängnis, Zuchthaus oder zum Strick verurteilen, — diesen Leuten, die vollständig überzeugt sind, daß der Erlös aus den Samowaren, den Schafen, den Kälbern und der Leinwand, die man den Beklagenswerten wegnimmt, am besten verwandt wird zum Brennen von Branntwein, der das Volk vergiftet, zur Fabrikation von Mordwaffen, zum Bau von Gefängnissen, Zuchthäusern und besonders zu Gehaltszahlungen an ihre Gehilfen und an sie selbst.”
Es ist traurig, wenn man sein ganzes Leben der Erwartung und Verkündigung des Reiches der Liebe gewidmet hat, seine Augen inmitten solch bedrohlicher Erscheinungen schließen zu müssen und davon verdüstert zu werden. — Es ist um so trauriger, wenn man das unbestechliche Gewissen eines Tolstoi hat, sich sagen zu müssen, daß man sein Leben nicht vollständig mit seinen Grundsätzen in Einklang gebracht hat.
Hier berühren wir die empfindlichste Stelle seiner letzten Jahre — soll man sagen, seiner letzten dreißig Jahre? —, und wir dürfen nur mit ehrfürchtiger und scheuer Hand darüber hinstreichen; denn dieser Schmerz, den Tolstoi geheimzuhalten trachtete, betrifft nicht nur ihn, der bereits tot ist, sondern auch andere, die noch leben, die er liebte, und die ihn lieben.
Es war ihm nicht gelungen, seinen Glauben denen mitzuteilen, die ihm die Teuersten waren: seiner Frauund seinen Kindern. Man hat gesehen, wie seine treue Gefährtin, die mutig sein Leben und seine künstlerischen Arbeiten mit ihm teilte, darunter litt, daß er seinen Glauben an die Kunst abgeschworen hatte, um eines anderen moralischen Glaubens willen, den sie nicht begriff. Tolstoi litt nicht weniger darunter, sich von seiner besten Freundin unverstanden zu fühlen.
„Ich fühle mit meinem ganzen Sein,” schrieb er an Teneromo, „die Wahrheit der Worte, daß Mann und Frau nicht zwei getrennte Wesen, sondern nur eines sind. Mein glühendster Wunsch ist, auf meine Frau nur etwas von jenem religiösen Bewußtsein übertragen zu können, das mich befähigt, mich zu Zeiten über das Weh des Lebens hinauszuheben. Ich hoffe, daß es auf sie übertragen wird, wenn auch zweifellos nicht durch mich, so durch Gott, obgleich jenes Bewußtsein für Frauen kaum zu erlangen sein dürfte.”248
Es scheint nicht, als ob dieser Wunsch Erhörung gefunden hätte. Die Gräfin Tolstoi bewunderte und liebte die Herzensreinheit, das stille Heldentum, die Güte dieser großen Seele, die mit ihr nur ein Wesen bildete; sie sah, daß er „vor der Menge einherzog und den Weg wies, den die Menschen gehen sollten”249. Als der Heilige Synod ihn exkommunizierte, übernahm sie tapfer seine Verteidigung und beanspruchte ihr Teil an der Gefahr, die ihn bedrohte. Aber sie konnte nicht so tun, als ob sie etwas glaube, was sie tatsächlich nicht glaubte;und Tolstoi war zu ehrlich, als daß er sie zum Heucheln gezwungen hätte, er, dem das Heucheln von Glaube und Liebe noch verhaßter war, als die Ablehnung von Glaube und Liebe250. Wie hätte er also sie, die nicht glaubte, zwingen können, ihre Lebensweise zu ändern und ihr und ihrer Kinder Vermögen zum Opfer zu bringen?
Die Unstimmigkeit mit seinen Kindern war noch größer. Leroy-Beaulieu, der Tolstoi in Jasnaja Poljana im Familienkreis sah, sagt, daß „bei Tische, wenn Tolstoi sprach, seine Söhne nur schlecht verbargen, wie sehr des Vaters Worte sie langweilten, und daß sie Zweifel in ihre Wahrheit setzten”251. Sein Glaube hatte nur auf zwei oder drei seiner Töchter, von denen die eine, Marie, gestorben war, einen flüchtigen Eindruck gemacht. Er stand allein unter den Seinen. „Außer seiner jüngsten Tochter und seinem Arzt” verstand ihn kaum jemand252.
Er litt unter dieser inneren Entfremdung, er litt unter den gesellschaftlichen Beziehungen, die man ihm aufzwang, unter diesen langweiligen Gästen, die aus der ganzen Welt zu ihm kamen, unter den Besuchen von Amerikanern und Snobs, die ihm lästig waren; er litt unter dem „Luxus”, in dem zu leben ihn seine Familie zwang. Es war ein recht bescheidener Luxus, wenn man denen glauben darf, die ihn in seinem einfachen Haus mit der fast puritanischen Einrichtung gesehen haben, in seinem kleinen Zimmer mit einem eisernen Bett, armseligen Stühlen und nackten Wänden! Aber dieser „Komfort” bedrückte ihn: es war ihm ein immerwährender Vorwurf. In dem zweiten der Berichte, die er im „Mercure de France” veröffentlichte, stellt er voll Bitterkeit den Anblick des Elends in seiner Umgebung dem des Luxus in seinem eigenen Hause gegenüber.
„So nutzbringend meine Tätigkeit manchen Menschen auch erscheinen mag,” schrieb er schon 1903, „so verliert sie doch den größten Teil ihrer Bedeutung, weil mein Leben nicht vollständig mit meinen Lehren in Übereinstimmung gebracht ist”253.
Warum hat er dann diese Übereinstimmung nicht herbeigeführt? Wenn er die Seinen nicht zwingen konnte, sich von der großen Welt loszusagen, warum hat er sich nicht von ihnen und ihrer Lebensweise losgesagt, — um so dem Spott und dem Vorwurf der Heuchelei zu entgehen, die ihm seine Feinde entgegenschleuderten, die sich nur allzu gern auf sein eigenes Beispiel beriefen, wenn sie seine Lehre verwarfen?
Er hatte daran gedacht. Seit langem war sein Entschluß gefaßt. Unter seinen hinterlassenen Papieren hat sich ein wundervoller Brief gefunden254, den er am 8. Juni 1897 an seine Frau geschrieben hat. Man muß ihn fast vollständig wiedergeben; denn nichts offenbart besser das Geheimnis dieser liebevollen, schmerzerfüllten Seele:
„Seit langem, liebe Sofie, leide ich unter dem Mißverhältnis zwischen meinem Leben und meinem Glauben. Ich kann Euch nicht zwingen, Eure Lebensweise und Eure Gewohnheiten zu ändern. Genau so wenig gelang es mir bis heute, Euch zu verlassen; denn ich wagte nicht, die Kinder bei ihrer großen Jugend des kleinen Einflusses zu berauben, den ich auf sie haben könnte, und Euch allen großen Kummer zu bereiten. Aber ich kann nicht so weiterleben, wie ich während der letzten sechzehn Jahre gelebt habe255, bald im Widerstreit mit Euch und Euch dauernd aufreizend, bald den Einflüssen, an die ich gewöhnt bin, und den Versuchungen, die mich umlauern, erliegend. Ich habe beschlossen, jetzt das zu tun, was ich seit langem tun wollte: wegzugehen... Wie die Inder sich allein in den Wald zurückziehen, wenn sie die Sechzig erreicht haben, wie jeder betagte fromme Mann die letzten Jahre seines Lebens Gott zu widmen und sie nicht an Scherz, Geschwätz und Spiel zu vergeuden wünscht, so ersehne ich, der ich das siebzigste Lebensjahr erreicht habe, mit aller Kraft meiner Seele Ruhe und Einsamkeit und wenn auch keine vollständige Übereinstimmung, so doch zum wenigsten nicht diesen schreienden Mißklang zwischen meinem Leben und meinem Gewissen. Wenn ich ganz offen weggegangen wäre, hätte es Bitten und Auseinandersetzungen gegeben, ich wäre weich geworden und hätte vielleicht meinen Entschluß nicht zur Ausführung gebracht, während er doch ausgeführt werden muß. Ich bitte Euch deshalb, mir zu verzeihen, wenn mein Tun EuchKummer bereitet. Und besonders Du, Sofie, laß mich gehen, suche mich nicht, sei mir nicht gram und tadle mich nicht. Die Tatsache, daß ich Dich verlassen habe, bedeutet nicht, daß ich einen Vorwurf gegen Dich erhebe ... Ich weiß, daß Du nicht anders konntest. Du konntest nicht sehen und nicht denken wie ich; deshalb vermochtest Du auch nicht, Dein Leben zu ändern und es einer Sache aufzuopfern, die Du nicht anerkennst. Darum tadle ich Dich auch nicht; ich gedenke vielmehr in Liebe und Dankbarkeit der fünfunddreißig langen Jahre unseres gemeinsamen Lebens und besonders der ersten Hälfte dieser Zeit, da Du mit dem Mut und der Hingebung Deiner mütterlichen Natur tapfer ertrugst, was Du als Deine Mission ansahst. Du hast mir und der Welt gegeben, was Du geben konntest. Du hast viel mütterliche Liebe gegeben und große Opfer gebracht... Aber in den letzten fünfzehn Jahren unseres Lebens haben sich unsere Wege getrennt. Ich kann mir nicht denken, daß ich schuld daran bin; ich weiß, wenn ich mich geändert habe, so war es nicht um Deinetwillen und nicht um der Welt willen, sondern weil ich nicht anders konnte. Ich kann Dich nicht anklagen, daß Du mir nicht gefolgt bist, und ich danke Dir und werde mich stets mit Liebe dessen erinnern, was Du mir gegeben hast. — Lebe wohl, meine liebe Sofie. Ich habe Dich lieb.”
„Die Tatsache, daß ich Dich verlassen habe...” Er verließ sie nicht. — Armer Brief! Es scheint, daß esTolstoi genügte, ihn zu schreiben, um seinen Entschluß schon als ausgeführt zu betrachten... Nachdem er ihn geschrieben hatte, war schon seine ganze Entschlußkraft erschöpft. — „Wenn ich ganz offen weggegangen wäre, hätte es Bitten und Auseinandersetzungen gegeben, ich wäre weich geworden...” Es brauchte keine „Bitten”, keine „Auseinandersetzungen”, es genügte ihm, einen Augenblick später diejenigen zu sehen, die er verlassen wollte, und er fühlte, daß er sie mit dem besten Willen nicht verlassen konnte; den Brief, den er in seiner Tasche hatte, vergrub er unter seine Papiere mit der Aufschrift:
„Meiner Frau, Sofie Andrejewna, nach meinem Tode zu übergeben.”
Und damit war sein Fluchtplan erledigt. War das seine Stärke? War er nicht imstande, seine Liebe seinem Gott zum Opfer zu bringen? Sicherlich fehlt es in den christlichen Chroniken nicht an Heiligen mit stärkerem Herzen, die niemals zögerten, ihre und der anderen Liebe unerschrocken mit Füßen zu treten... Nun, er war jedenfalls nicht von dieser Art. Er war schwach. Er war Mensch. Und eben darum lieben wir ihn.
Schon mehr als fünfzehn Jahre vorher legte er sich die schmerzvoll verzweifelte Frage vor:
„Sag an, Leo Tolstoi, lebst du nach den Grundsätzen, die du predigst?”
Und demütig antwortete er:
„Ich sterbe vor Scham, ich bin schuldig, ich verdiene Verachtung... Und trotzdem, vergleicht mein ehemaliges Leben mit meinem jetzigen! Dann werdet ihr sehen, daß ich nach dem göttlichen Gesetz zu leben trachte. Ich habe nicht den tausendsten Teil von dem getan, was not tut, und ich schäme mich dessen, aber ich habe es nicht unterlassen, weil ich es nicht gewollt, sondern weil ich es nicht gekonnt habe... Klagt mich an, aber klagt den Weg nicht an, dem ich folge. Wenn ich die Straße kenne, die mich nach Hause führt, und wenn ich ihr taumelnd wie ein Trunkener folge, ist damit gesagt, daß die Straße schlecht ist? Oder zeigt mir eine andere, oder stützt mich auf der richtigen Straße, so wie ich willens bin, euch zu stützen. Aber stoßt mich nicht von euch, ergötzt euch nicht an meiner Verzweiflung, ruft nicht voller Begeisterung aus: ‚Seht! Er sagt, daß er nach Hause geht, und er fällt in den Morast!’ Nein, ergötzt euch nicht, sondern helft mir, stützt mich! ... Helft mir! Mein Herz blutet aus Verzweiflung darüber, daß wir uns alle verirrt haben; und wenn ich mich aus allen Kräften bemühe, um mich herauszufinden, deutet ihr, statt Mitleid mit mir zu haben, mit dem Finger auf mich und ruft: ‚Seht, er fällt mit uns in den Morast!’.”256
Dann, als er dem Tode näher war, wiederholte er:
„Ich bin kein Heiliger, ich habe mich nie für einen ausgegeben. Ich bin ein Mensch, der sich mitreißen läßtund der manchmal nicht alles sagt, was er denkt und fühlt; nicht, weil er es nicht will, sondern weil er es nicht kann, weil ihm oft Übertreibungen und Irrtümer unterlaufen. Mit meinem Tun ist es noch schlimmer. Ich bin ein durchaus schwacher Mensch mit lasterhaften Gewohnheiten, der Gott in Wahrheit dienen will, der aber immer wieder strauchelt. Wenn man mich für einen Menschen hält, der sich nicht irren kann, dann muß jedes meiner Vergehen als Lüge oder Heuchelei erscheinen. Aber wenn man mich für einen schwachen Menschen hält, dann erscheine ich als das, was ich in Wirklichkeit bin: ein bemitleidenswertes aber ehrliches Wesen, das immer und von ganzem Herzen gewünscht hat und weiter wünscht, ein guter Mensch, ein guter Diener Gottes zu werden.”
So blieb er, von Gewissensbissen verfolgt, gequält durch die stummen Vorwürfe von Anhängern, die energischer und weniger menschlich waren als er257, gepeinigt durch seine Schwäche und seine Unschlüssigkeit, hin- und hergezerrt zwischen der Liebe zu den Seinen und der Liebe zu Gott, — bis zu dem Tage, wo ihn die Verzweiflung und vielleicht auch der heiße Fieberhauch, der beim Nahen des Todes spürbar wird, aus dem Hause auf die Landstraße trieben. Er floh und irrte umher, klopfte an Klostertüren, zog seines Weges weiter und blieb schließlich in einem unbekannten kleinen Ort liegen, um nicht mehr aufzustehen258. Und auf seinemTotenbette weinte er nicht über sich, sondern über die Unglücklichen. Und unter Schluchzen sagte er:
„Es gibt auf Erden Millionen Menschen, die leiden; warum befaßt ihr alle euch gerade mit mir allein?”
Und dann kam er — es war Sonntag, den 20. November 1910, kurz nach 6 Uhr morgens —, „der Erlöser”, wie er ihn nannte, „der Tod, der gesegnete Tod...”
Der Kampf war zu Ende, der zweiundachtzigjährige Kampf, dessen Schauplatz dieses Leben gewesen war. Ein Leben, gemischt aus Tragik und Ruhm, an dem alle Daseinskräfte, alle Laster und alle Tugenden, Anteil hatten. — Alle Laster, ausgenommen ein einziges, die Lüge; denn sie verfolgte er unaufhaltsam und spürte sie in ihren verborgensten Schlupfwinkeln auf.
Zuerst der Freiheitsrausch, die aufeinanderprallenden Leidenschaften in der stürmischen Nacht, die nur hier und da blendende Blitze erhellen, Liebe und Verzückung, Offenbarungen des Ewigen. Jahre im Kaukasus, vor Sewastopol, Jahre gährender und unruhiger Jugend... Dann die wohltätige Besänftigung der ersten Ehejahre. Das Glücklichsein in der Liebe, der Kunst und der Natur, — „Krieg und Frieden.” Höhepunkt des Genies, das den ganzen menschlichen Gesichtskreis und das Schauspiel dieser Kämpfe, die seelisch schon der Vergangenheit angehörten, meistert. Er ist ihr Herr; und schon genügen sie ihm nicht mehr. Wie Fürst Andrej hebt er seine Augen zu dem grenzenlosen Himmel, der über Austerlitz leuchtet. Dieser Himmel zieht ihn an:
„Es gibt Menschen mit mächtigen Schwingen, die die Begierde zwingt, inmitten der Menge zu landen, wo ihre Schwingen zerbrechen: solch einer bin ich. Dann schlägt man mit seinem gebrochenen Flügel, schwingt sich mit Macht wieder auf und fällt von neuem herab. Aber dieFlügel heilen wieder. Ich werde sehr hoch fliegen. Gott stehe mir bei!”259
Diese Worte sind im schrecklichsten Aufruhr geschrieben, dessen Niederschlag und Echo die „Beichte” ist. Tolstoi wurde mehr als einmal mit zerbrochenen Schwingen zu Boden geschleudert. Und immer wieder läßt er nicht nach und steigt wieder auf. Nun schwebt er dahin in dem „unermeßlichen, unergründlichen Himmel” mit seinen beiden großen Schwingen, dem Glauben und der Vernunft. Aber die ersehnte Ruhe findet er darin nicht. Der Himmel ist nicht außerhalb unser, der Himmel ist in uns. Tolstoi läßt auch hier seinen stürmischen Leidenschaften freien Lauf. Hierin unterscheidet er sich von den entsagenden Aposteln; er ging mit derselben Inbrunst ans Entsagen, mit der er ans Leben heranging. Und immer ist es das Leben, das er mit dem Ungestüm eines Liebhabers umfängt. Er ist „lebenstoll”. Er ist „lebenstrunken”. Er kann nicht leben ohne diesen Rausch260. Berauscht von Glück und Unglück zu gleicher Zeit. Berauscht vom Tod und von der Unsterblichkeit261. Sein Verzicht auf das irdische Dasein ist nur ein wild leidenschaftlicher Schrei nach dem ewigen Leben. Nein, der Friede, den er erlangt, der Seelenfriede, den er herbeiwünscht, ist nicht der Friede des Todes. Es ist der Friede jener brennenden Welten, die in den unendlichen Räumen kreisen. Sein Zorn ist ruhig, und seine Ruhe ist Leidenschaft262. DerGlaube hat ihm neue Waffen geliefert, um unversöhnlich den Kampf wieder aufzunehmen, den er seit seinen ersten Werken ohne Unterlaß gegen die Lügen der zeitgenössischen Gesellschaft führte. Er begnügt sich nicht mehr mit ein paar typischen Romanfiguren, er zieht zu Felde gegen alle die großen Götzen: die Heucheleien der Religion, des Staates, der Wissenschaft, der Kunst, des Liberalismus, des Sozialismus, der Volksbildung, der Wohltätigkeit, des Pazifismus...263Er geißelt sie, er verfolgt sie aufs eifrigste.
Tolstois Grab auf Jasnaja Poljana
Die Welt sieht von Zeit zu Zeit die Erscheinung solch erregter Geister, die, wie Johannes der Täufer, einen Bannfluch gegen die Sittenverderbnis schleudern. Die letzte dieser Erscheinungen ist Rousseau gewesen. Durch seine Liebe zur Natur264, seinen Haß auf die moderne Gesellschaft, seine äußerste Bedürfnislosigkeit, seine inbrünstige Verehrung des Evangeliums und der christlichen Moral ist Rousseau ein Vorbote Tolstois, der sich auch auf ihn berief: „Manche seiner Worte gehen mir zu Herzen,” sagte er, „ich könnte glauben, sie selbst geschrieben zu haben”265.
Aber was für ein Unterschied zwischen diesen beiden Seelen, und um wieviel ist die Tolstois von reinerem Christentum! Welcher Mangel an Demut, welche pharisäische Anmaßung verrät der vermessene Ausruf in den „Bekenntnissen” des Genfers:
„Du Ewiger! Einer soll dir zu sagen wagen: Ich war besser als dieser Mann!”
Oder in jenem Fehdebrief an die Welt:
„Ich erkläre es laut und furchtlos: wer immer mich für einen unredlichen Menschen hält, verdient selbst erdrosselt zu werden.”
Tolstoi weinte blutige Tränen über die „Verbrechen” seines vergangenen Lebens:
„Ich leide Höllenqualen. Ich erinnere mich aller meiner begangenen Niederträchtigkeiten, und diese Erinnerungen verlassen mich nicht, sie vergiften mein Leben. Gewöhnlich bedauert man, daß man sich nicht über den Tod hinaus an Vergangenes erinnert. Welch ein Glück, daß es so ist! Wie schrecklich wäre es, wenn ich mich in dem anderen Leben all des Bösen erinnern müßte, das ich hienieden beging!...”266
Er hat nicht, wie Rousseau, seine „Bekenntnisse” geschrieben, weil er, wie dieser sagte, „im Bewußtsein, daß das Gute das Schlechte überwiege, guten Grund hatte, alles zu sagen”. Tolstoi verzichtet nach einem vergeblichen Versuch darauf, seine Erinnerungen zu schreiben. Die Feder entsinkt seiner Hand. Er will nicht Gegenstand des Ärgernisses sein für die, die es lesen werden:
„Die Leute würden sagen: ‚Das ist also der Mann, den viele so hoch stellen! Und was für ein Feigling war er! Demnach befiehlt Gott selbst uns einfachen Sterblichen, feige zu sein’.”267
Niemals hat Rousseau aus dem christlichen Glauben heraus diese schöne schamhafte Demut gekannt, die dem alten Tolstoi eine solch unsagbare Güte verleiht. Hinter Rousseau, als Umrahmung seines Denkmals auf der Schwaneninsel, sieht man Genf, das Rom Calvins. In Tolstoi findet man die Pilger, die „Einfältigen” wieder, deren naive Bekenntnisse und Tränen seine Kinderjahre bewegt hatten.
Aber weit mehr noch als der Kampf gegen die Welt, der ihm mit Rousseau gemeinsam ist, erfüllte ein anderer Kampf die letzten dreißig Jahre von Tolstois Leben. Ein herrlicher Kampf zwischen den beiden hehrsten Mächten in seiner Seele: der Wahrheit und der Liebe.
Die Wahrheit, — „dieser Blick, der bis ins Herz geht”, — das durchdringende Licht dieser grauen Augen, die einen durchbohren... sie war sein ältester Glaube, die Beherrscherin seiner Kunst.
„Die Heldin meiner Schriften, sie, die ich mit der ganzen Kraft meiner Seele liebe, sie, die immer schön war, ist und sein wird, sie ist die Wahrheit.”268
Die Wahrheit war das einzige Strandgut, das er nach dem Tode seines Bruders aus dem Schiffbruch rettete269, der Angelpunkt seines Lebens, der Fels im Meere.
Aber bald hatte ihm „die schreckliche Wahrheit”270nicht mehr genügt. Die Liebe hatte sie verdrängt. Sie war der lebendige Quell seiner Kinderjahre, „der natürliche Zustand seiner Seele”271. Als im Jahre 1880 der moralischeUmschwung kam, sagte er sich nicht von der Wahrheit los, sondern er suchte sie mit der Liebe zu verschmelzen272.
Die Liebe ist „die Grundlage der Willenskraft”273. Die Liebe ist „der Zweck des Lebens”, der einzige neben der Schönheit274. Die Liebe ist das Wesen des vom Leben gereiften Tolstoi, des Verfassers von „Krieg und Frieden” und des Briefes an den Heiligen Synod275.
Diese Durchdringung der Wahrheit mit der Liebe macht den einzigartigen Wert der Hauptwerke aus, die er in seines Lebens Mitte — nel mezzo del cammin — schrieb, und unterscheidet seinen Realismus von dem Realismus eines Flaubert. Dieser setzt seinen Ehrgeiz darein, seine Gestalten nicht zu lieben. So groß er auf diese Weise auch sein mag, ihm fehlt das „Fiat lux!” Das Licht der Sonne genügt nicht, das Licht des Herzens tut not. Tolstois Realismus verkörpert sich in jeder seiner Gestalten, und indem er sie mit ihren Augen sieht, findet er in der geringsten von ihnen Gründe, sie zu lieben und uns die Bande empfinden zu lassen, die uns mit allen brüderlich vereinen276. Durch die Liebe dringt er bis zu den Wurzeln des Lebens.
Aber es ist schwierig, diese Verbindung aufrechtzuerhalten. Es gibt Stunden, in denen das Spiel des Lebens und seine Leiden so bitter sind, daß sie der Liebe gleichsam den Kampf ansagen, und daß man, um sie zu retten, um seinen Glauben zu retten, sie so hoch über alles Menschliche erheben muß, daß sie Gefahr läuft, jedeVerbindung mit der Welt zu verlieren. Und was soll der tun, dem vom Schicksal die wunderbare und unselige Gabe zuteil wurde, die Wahrheit zu sehen, sie sehen zu müssen? Wer kann sagen, wie sehr Tolstoi in seinen letzten Lebensjahren gelitten hat unter dem unaufhörlichen Widerstreit zwischen seinen unerbittlichen Augen, die den Schrecken der Wirklichkeit sahen, und seinem empfindsamen Herzen, das unentwegt die Liebe bejahte und ihrer harrte!
Wir alle haben diese tragischen Konflikte kennengelernt. Wie oft waren wir vor die Entscheidung gestellt, nicht zu sehen oder zu hassen! Und wie oft mag einen Künstler, — einen Künstler, würdig dieser Bezeichnung, einen Schriftsteller, der die herrliche und furchtbare Macht des geschriebenen Wortes kennt, — wie oft mag ihn Bangigkeit beschlichen haben im Augenblick, da er diese oder jene Wahrheit niederschrieb277! Diese gesunde und männliche Wahrheit, die inmitten der modernen Lügen, der Lügen der Zivilisation, so notwendig ist, diese Wahrheit, die zum Leben so unentbehrlich zu sein scheint, wie die Luft, die man einatmet... Und dann merkt man, daß so viele Lungen diese Luft nicht vertragen können, so viele durch die Zivilisation geschwächte oder einfach durch die Güte ihres Herzens schwach gewordene Menschen. Soll man keine Rücksicht darauf nehmen und ihnen diese tödliche Wahrheit unbedenklich ins Gesicht schleudern? Gibt es nicht eine höhere Wahrheit, die, wie Tolstoi sagt, „zurLiebe bereit ist”? — Aber kann man wohl darein willigen, die Menschen mit tröstlichen Lügen einzulullen, wie Peer Gynt seine sterbende alte Mutter mit seinen Märchen einschläfert?... Die Gesellschaft steht immer vor dem Dilemma: Wahrheit oder Liebe. Gewöhnlich entscheidet sie sich dahin, Wahrheit und Liebe zugleich zu opfern.
Nie hat Tolstoi einen seiner beiden Glauben verraten. In den Werken aus seiner Reifezeit weist die Liebe der Wahrheit den Weg. In den Werken der letzten Jahre senkt sich ein Licht von oben, ein Strahl der Gnade auf das Leben, ohne sich aber damit zu vermischen. Man hat es in der „Auferstehung” gesehen, wo der Glaube die Wirklichkeit beherrscht, sie aber nicht durchdringt. Dieselben Menschen, die Tolstoi jedesmal, wenn er sie einzeln sieht, als sehr schwach und mittelmäßig schildert, erhalten für ihn, wenn er an sie als ein Ganzes denkt, einen Zug von göttlicher Heiligkeit278. — In seinem täglichen Leben trat derselbe Widerspruch zutage wie in seiner Kunst, nur noch schroffer. Wenn er auch noch so gut wußte, was die Liebe von ihm forderte, so handelte er doch anders; er lebte nicht, wie es Gott gefiel, er lebte, wie es der Welt gefiel. Wo sollte er die Liebe fassen? Wie sollte er zwischen ihren verschiedenen Gesichtern und ihren widerspruchsvollen Forderungen unterscheiden? Galt es die Liebe zu seiner Familie, oder die Liebe zu allen Menschen?... Bis zum letzten Tag schlug er sich mit diesen Zweifeln herum.
Wo ist die Lösung? — Er hat sie nicht gefunden. Überlassen wir das Recht, deshalb mit Verachtung über ihn zu urteilen, den hochfahrenden Intellektuellen. Sie haben gewiß die Lösung gefunden, sie haben die Wahrheit, und sie stützen sich mit Sicherheit auf sie. Für sie war Tolstoi ein empfindsamer Schwächling, der ihnen nicht als Vorbild dienen kann. Zweifellos ist er kein Vorbild, dem sie nacheifern können; dazu sind sie nicht lebendig genug. Tolstoi gehört nicht zu jenen eitlen Auserwählten, er gehört keiner Kirche an, — weder der der Schriftgelehrten, wie er sie nannte, noch der der Pharisäer vom einen oder vom anderen Glauben. Er ist der vollkommenste Typus des freien Christen, der sein Leben lang einem Ideal zustrebt, ohne ihm je näher zu kommen279.
Tolstoi redet nicht zu der geistigen Auslese, er redet zu den gewöhnlichen Menschen — hominibus bonae voluntatis. — Er ist unser Gewissen. Er spricht aus, was wir Durchschnittsmenschen alle denken, und was wir nur nicht in uns zu lesen wagen. Und er ist uns kein hochmütiger Lehrmeister, keiner jener hoheitsvollen Geisteshelden, die in ihrer Kunst und ihrer Weisheit über der Menschheit thronen. Er ist — wie er sich selbst gern in seinen Briefen mit diesem schönsten und innigsten Namen bezeichnete — „unser Bruder”.
Ende
1(S. 6): Abgesehen von einigen Unterbrechungen, — vornehmlich einer ziemlich langen zwischen 1865 und 1878.
1(S. 6): Abgesehen von einigen Unterbrechungen, — vornehmlich einer ziemlich langen zwischen 1865 und 1878.
2(S. 6): Es ist die wichtigste Sammlung von Dokumenten über das Leben und das Werk Tolstois. Ich habe sehr ausgiebig daraus geschöpft.
2(S. 6): Es ist die wichtigste Sammlung von Dokumenten über das Leben und das Werk Tolstois. Ich habe sehr ausgiebig daraus geschöpft.
3(S. 7): Er nahm auch an den Napoleonischen Feldzügen teil und war in Frankreich während der Jahre 1814-1815 in Gefangenschaft.
3(S. 7): Er nahm auch an den Napoleonischen Feldzügen teil und war in Frankreich während der Jahre 1814-1815 in Gefangenschaft.
4(S. 8): „Kindheit”, Kapitel II.
4(S. 8): „Kindheit”, Kapitel II.
5(S. 8): „Kindheit”, Kapitel XXVII.
5(S. 8): „Kindheit”, Kapitel XXVII.
6(S. 8): Jasnaja Poljana, dessen Name etwa mit „Helle Lichtung” wiedergegeben werden kann, ist ein kleines Dorf im Süden von Moskau, einige Meilen von Tula entfernt, „in einer der urrussischsten Provinzen. Die beiden größten Gebiete Rußlands,” sagt A. Leroy-Beaulieu, „das Waldgebiet und das Getreidegebiet berühren sich hier und gehen ineinander über. In diesen Gegenden trifft man weder Finnen noch Tartaren, weder Polen noch Juden oder Kleinrussen. Das Gebiet von Tula liegt im tiefsten Herzen Rußlands.” (A. Leroy-Beaulieu: Leo Tolstoi; Revue des deux Mondes, 15. Dezember 1910.)
6(S. 8): Jasnaja Poljana, dessen Name etwa mit „Helle Lichtung” wiedergegeben werden kann, ist ein kleines Dorf im Süden von Moskau, einige Meilen von Tula entfernt, „in einer der urrussischsten Provinzen. Die beiden größten Gebiete Rußlands,” sagt A. Leroy-Beaulieu, „das Waldgebiet und das Getreidegebiet berühren sich hier und gehen ineinander über. In diesen Gegenden trifft man weder Finnen noch Tartaren, weder Polen noch Juden oder Kleinrussen. Das Gebiet von Tula liegt im tiefsten Herzen Rußlands.” (A. Leroy-Beaulieu: Leo Tolstoi; Revue des deux Mondes, 15. Dezember 1910.)
7(S. 9): Tolstoi hat ihn in „Anna Karenina” geschildert mit den Zügen von Lewins Bruder.
7(S. 9): Tolstoi hat ihn in „Anna Karenina” geschildert mit den Zügen von Lewins Bruder.
8(S. 9): Er schrieb „Das Tagebuch eines Jägers”.
8(S. 9): Er schrieb „Das Tagebuch eines Jägers”.
9(S. 9): In Wirklichkeit war sie eine entfernte Verwandte. Sie hatte Tolstois Vater geliebt und war von ihm wiedergeliebt worden; aber wie Sonja in „Krieg und Frieden” hatte sie sich nicht zu behaupten gewußt.
9(S. 9): In Wirklichkeit war sie eine entfernte Verwandte. Sie hatte Tolstois Vater geliebt und war von ihm wiedergeliebt worden; aber wie Sonja in „Krieg und Frieden” hatte sie sich nicht zu behaupten gewußt.
10(S. 10): „Kindheit”, Kapitel XII.
10(S. 10): „Kindheit”, Kapitel XII.
11(S. 11): Hat Tolstoi doch in autobiographischen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1878 behauptet, daß er sich der Empfindungen erinnere, die er als Kind beim Wickeln und Baden gehabt habe. (Siehe „Erste Erinnerungen”.)
11(S. 11): Hat Tolstoi doch in autobiographischen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1878 behauptet, daß er sich der Empfindungen erinnere, die er als Kind beim Wickeln und Baden gehabt habe. (Siehe „Erste Erinnerungen”.)
12(S. 11): „Erste Erinnerungen.”
12(S. 11): „Erste Erinnerungen.”
13(S. 13): Von 1842-1847.
13(S. 13): Von 1842-1847.
14(S. 13): Nikolaus, der um 5 Jahre älter als Leo war, hatte sein Studium schon im Jahre 1844 vollendet.
14(S. 13): Nikolaus, der um 5 Jahre älter als Leo war, hatte sein Studium schon im Jahre 1844 vollendet.
15(S. 13): Er liebte die metaphysischen Unterhaltungen „um so mehr”, wie er sagt, „als sie viel abstrakter waren und bis zu einem solchen Grad von Unklarheit führten, daß man, im Glauben, man sage, was man denke, alles andere sagen konnte”. („Knabenjahre”, Kapitel XXVII.)
15(S. 13): Er liebte die metaphysischen Unterhaltungen „um so mehr”, wie er sagt, „als sie viel abstrakter waren und bis zu einem solchen Grad von Unklarheit führten, daß man, im Glauben, man sage, was man denke, alles andere sagen konnte”. („Knabenjahre”, Kapitel XXVII.)