Fig. 46.Valentin’sches Doppelmesser.
Fig. 46.
Valentin’sches Doppelmesser.
Valentin’sches Doppelmesser.
Fig. 47.Lancettförmiges Messer.1/2Grösse.
Fig. 47.
Lancettförmiges Messer.1/2Grösse.
Lancettförmiges Messer.1/2Grösse.
Flüssigkeiten bedürfen selten einer besonderen Behandlung. Von grösseren Körpern macht man sehr feine Schnittchen. Hierin liegt eigentlich die Kunst, dem Auge den innern Bau oder die organische Zusammensetzung der Objecte sichtbar zu machen. Das Object, was nicht genügende Durchsichtigkeit bietet, ist für ein Mikroskop nicht geeignet. Die Lichtstrahlen müssen von dem Objecte nothwendig zu dem Auge des Beobachters dringen. Sind die Körper hart und spröde, so weicht man sie in kaltem oder heissem Wasser, Spiritus, Glycerin, verdünnter Aetzlauge etc., je nachdem dies zulässig ist, ein, um sie weich zu machen. Dann schneidet man feine Schnittchen davon ab. Als Theilungs- und Schneideinstrument gebraucht manDoppelmesser(vonValentin,Gerber,Harting),Doppellancetten,Doppelmeissel. Für den gewöhnlichen Gebrauch reichen ein oder zwei scharfe,lancettförmige Messer,ein solches mit dicker und ein solches mit dünnerer Klinge aus. Im Nothfall versieht ein Rasiermesser denselben Dienst. Nothwendig gebraucht man zwei Präparirnadeln, Nadeln aus Stahl mit eckigem Handgriff (Fig. 48), einekrumme Scheere, einePincette, einige grössere und kleinereHaarpinsel. Zum Zerschneiden harter Körper zu sehr dünnen Schnitten wendet man eine Uhrfeder an, welche wie eine Säge aufgespannt ist.
Fig. 48.Präparirnadel.
Fig. 48.
Präparirnadel.
Fig. 49.Krumme Scheere.
Fig. 49.
Krumme Scheere.
Das Messer (auch das Doppelmesser), womit man eine feine Schnitte eines weichen Körpers machen will, wird zu diesem Behufe vorher mit Wasser befeuchtet. Die Schnitte, welche sich beim Schneiden auf die Klinge des Messers schiebt, nimmt man mit einer Nadel, besser, wenn sie sehr zart ist, mit einem Pinsel auf und trägt sie auf das Objectglas. Kommt es nicht auf die Erhaltung der Gestalt des Objectes an, wie bei der Fleischfaser zur Untersuchung auf Trichinen, so macht man die Schnitte bequemer mit der krummen Scheere, legt sie mittelst einer Nadel auf das Objectglas und zerfasert oder breitet sie daselbst mit Hilfe der Präparirnadeln aus. Als Unterlage beim Schneiden mit dem Messer dient ein glattes Stück Korkholz (ein grosser Korkpfropfen)oder eine Scheibe aus Knochen. Das Reinigen oder Auswaschen zarter weicher Objecte (um sie z. B. von Salzen, Stärkemehl, Harz, Fett etc. zu befreien), vollführt man mittelst eines weichen Pinsels, der nach Art des Wegzuwaschenden mit Wasser, Spiritus, Aether etc. getränkt ist. Ueberflüssige Flüssigkeit wird von dem Objectglase mittelst eines Streifens Fliesspapiers oder einer kleinen Pipette weggenommen.
Sind die Körper zu klein, um daraus Schnitten zu machen, so mischt man sie entweder mit einer Mischung aus gleichen Theilen feingepulvertem Gummi Arabicum und Wasser und lässt die Masse trocknen, oder man klebt den sehr dünnen Körper (wie Haare, Borsten) mit Gummischleim auf Korkholz auf. Das der Schnitte anhaftende Gummi wird mit Wasser weggewaschen. Weiche animalische und vegetabilische Theile trocknet man bis zu einem gewissen Grade, macht dann Schnitten davon und weicht diese in Wasser wieder auf.
Um einen animalischen weichen Körper starrer für den Schnitt zu machen, legt man ihn in Spiritus, anfangs in schwachen, später in stärkeren. Ein Erhärtungsmittel für animalische Theile ist eine dünne Lösung von Chromsäure, essigsaurem Kali, besonders aber von Chlorcalcium.
Harte Pflanzentheile erweicht man durch Kochen mit Wasser oder durch Einweichen in schwacher Kalilauge oder filtrirter Pottaschenlösung.
Von harten Mineralsubstanzen in Stücken, welche Ueberreste organischer Wesen enthalten, kratzt man kleine Partikel ab oder pulvert sie. Werden dadurch jene Ueberreste in zerbrochener Form erhalten, so kann man die Substanz in eine kochend heisse Glaubersalzlösung werfen und darin erkalten lassen. Wenn sie ein poröses Gefüge hat, so wird sie auf diese Weise mürbe.
Will man die Erscheinungen beobachten, welche chemische Agentien auf Objecte ausüben, so pflegt man dieLösung des Reagens mittelst eines Glasstabes an den Rand des Deckglases zu tragen, damit es durch Capillarität zwischen Deckglas und Objectglas eindringt. Soll das Reagens langsam zum Object treten, so verbindet man einen Tropfen des Reagensr(Fig. 50) mit dem Objectounter dem Deckglase durch einen leinenen oder baumwollenen Faden.
Fig. 50.
Fig. 50.
Als Färbesubstanzen für Objecte eignen sich Lösungen von den verschiedenen Anilinfarbstoffen in Weingeist oder in jenemS. 55erwähnten verdünnten Glycerin; blauer Karmin, gelöst in verdünntem Glycerin; oxalsaure Lösungen des Berlinerblau; rother Karmin, gelöst in verdünntem Salmiakgeist; eine Tinktur aus rothem Sandelholz und glycerinhaltigem Spiritus.
Ist ein Object nun passend vorbereitet für die Beobachtung, so wird es mit einem Deckgläschen bedeckt. Dadurch wird das Object vor äusseren Zufälligkeiten geschützt, die Flüssigkeiten können weniger verdunsten und, was die Hauptsache ist, das Object wird dadurch in eine ebene Fläche gebracht. Das Maass des Druckes, unter welchem das Deckglas aufgelegt wird, hängt von der natürlichen Beschaffenheit des Objectes ab. Die Vorrichtungen zur Erzeugung eines constanten Druckes sind schon Seite31angegeben. Sie werden angewendet, wenn ein gleichmässiger Druck zwischen Daumen und Zeigefinger nicht ausreicht. In manchen Fällen wird man bei Flüssigkeiten und pulpösen Substanzen das Deckglas sanft hin- und herschiebend auf das Object drücken, um eine recht dünne Flüssigkeitsschicht zu erzeugen unddie Adhäsion des Deckglases an das Objectglas zu vermehren, oder kleine Thierchen in ihren Bewegungen zu hindern, oder hohle Körper von nicht hohlen zu unterscheiden. Bei Untersuchung kleiner Wesen (Infusorien, Algen) legt man ein kleines Papierschnitzel oder einen Seidenfaden unter das Deckglas, um den Druck auf das Object nicht zu weit zu führen. Dasselbe muss geschehen, wenn man die Bewegung der Säfte in zarten Pflanzentheilen (wie in den Wurzelhaaren vonHydrocharis Morsus ranae L., den Haaren vonUrticaetc.), welche mit Wasser unter das Mikroskop gebracht werden, beobachten will.
Zarte sehr durchsichtige Objecte, welche das Licht zu wenig brechen, werden durch Färbung sichtbar gemacht und je nach ihrer natürlichen Beschaffenheit wendet man dünne Lösungen von Jod, Chromsäure, Eisenchlorid in Wasser an. Zur Darstellung der Jodlösung mischt man 1 bis 2 Tropfen Jodtinktur mit circa 150 Tropfen Wasser oder der bereits früher erwähnten Mischung aus 70 Theilen reinem Glycerin, 15 Theilen Weingeist und 15 Theilen Wasser. Um eine stärkere Färbung zu erzeugen, mischt man 2 bis 4 Tropfen Jodtinktur mit 50 Tropfen Wasser und 50 Tropfen Weingeist. Um die Structur zarter und sehr durchsichtiger Objecte sichtbar zu machen, weicht man das Object einige Zeit in Farbstofflösungen, wie sie auf der vorhergehenden Seite angegeben sind, ein.
Eine sehr wesentliche Angelegenheit des Mikroskopikers ist die, die Präparate in ihrem natürlichen Zustande aufzubewahren. Die Vorbereitungen und Vorsichtsmaassregeln hierzu sind natürlich je nach der Beschaffenheit der Objectesehr verschiedene und sind auch abhängig von den Erfahrungen des Mikroskopikers. Daher können hier nur Andeutungen gegeben werden.
Eine Menge Objecte werden trocken aufbewahrt, wie Salzniederschläge, Kieselpanzer, Haare, Fischschuppen, Insektenschuppen, Gespinstfasern. Auf das Object legt man ein dünnes Deckgläschen und verklebt dieses und das Objectglas mit einem Streifen bunten Papiers, welcher in der Mitte, wo das Object liegt, durchbrochen (ausgelocht) ist. Als Klebemittel gebraucht man einen dicken Schleim aus arabischem Gummi. Während des Verklebens hält man das Deckglas gegen das Object etwas angedrückt. Auf das Papier schreibe man den Namen des Objectes.
Trockene vegetabilische und animalische Objecte, welche noch einen solchen Feuchtigkeitsgrad besitzen, dass sie der Erzeugung von Algen oder Parasiten ausgesetzt sind, bringt man auf das Objectglas und bedeckt sie mit einem Tropfen einer Flüssigkeit aus 1 Th. venetianischem Terpentin und 100 Th. französischem Terpentinöl. Nachdem der Tropfen Flüssigkeit an einem staubfreien Orte abgedunstet ist, legt man das Deckglas auf und verklebt.
Sehr viele Objecte, deren natürlicher Zustand von einem starken Feuchtigkeitsgrade abhängt, müssen in einer Flüssigkeit bewahrt werden, welche der Selbstentmischung nicht unterliegt, auf das Gefüge des Objectes nicht auflösend wirkt und der Bildung von Pilzen und Algen zuwider ist. Eine solche Flüssigkeit ist zunächst eine mit wenig Carbolsäure versetzte und dann filtrirte Lösung des reinen Chlorcalciums in der 5- bis 6fachen Menge verdünntem Glycerin, oder eine Lösung von 1 Th. hellem Leim in 2 Th. verdünnter Essigsäure.
Zur Aufbewahrung in der Chlorcalciumlösung eignen sich die meisten animalischen Substanzen, wie Infusorien, Milben, Würmer, Zellsubstanz, Gehirn, Rückenmark, Haare, Schuppen etc., ferner ein sehr grosser Theil vegetabilischer Substanzen, jedoch darf man hier nicht übersehen, dass dieLösung die Stärkemehlkörner anschwellt und durchsichtiger macht. Sollen diese also ihre natürliche Form bewahren, so darf die Chlorcalciumlösung nicht angewendet werden, dagegen aber verdünntes Glycerin (Mischung I).
Als geeignete Flüssigkeiten für thierische und vegetabilische Objecte, welche sehr leicht der Vermoderung oder Fäulniss unterliegen, oder welche im feuchten Zustande aufbewahrt werden, sind folgende Mischungen oder Lösungen zu empfehlen:
I.II.III.Glycerin70Glycerin100Glycerin100Spiritus15Spiritus50dest. Wasser80dest. Wasser15dest. Wasser50Sublimat1Carbolsäure3IV.V.VI.Glycerin50Glycerin100Glycerin100Chlorcalcium20Kochsalz10dest. Wasser100dest. Wasser100essigs. Alaunerde5Salzsäure5Spiritus30dest. Wasser50Sublimat1
Diese nach Gewichtstheilen ausgeführten Mischungen werden entweder durch Filtration oder durch Absetzenlassen in verschlossenen Gefässen oder durch Klarabgiessen gereinigt.
Die Objecte lässt man mehrere Stunden und länger in einer dieser Flüssigkeiten liegen, damit sie sich damit gehörig vollsaugen, oder man legt sie auf den Objectträger und giebt einen Tropfen der mit gleichviel Spiritus gemischten Flüssigkeit darauf. Dies wiederholt man nach dem Abdunsten, bis das Object genügend getränkt erscheint. Thierische Substanzen, welche leicht faulen, erfordern beispielsweise die Mischung II., Blutkörperchen die Mischung III., gefärbte animalische Körper die Mischung V., kleine Thiere, Algen etc. die Mischung IV., die meisten Pflanzenpräparate die Mischung II. und IV., Stärkemehlkörner die Mischung I.
Färbungen mit Chromsäure sind bei Gebrauch dieser Mischungen nicht anwendbar, dagegen verträgt sich die Chromsäure mit wässriger Chlorcalciumlösung. Zur Färbung der Stärkemehle bedient man sich des Jodwassers oder einer
Jodlösung, dargestellt aus 2 Th. Jod, 3 Th. Jodkalium, 70 Th. Glycerin, 15 Th. Wasser und 15 Th. Spiritus.
Flüssigkeiten und Mischungen zur Conservirung mikroskopischer Objecte sind mehrere gerühmt:Daneempfiehlt ein Gemisch aus 4 Th. Glycerin, 2 Th. dest. Wasser, 1 Th. Gelatine;Bealeeine Verbindung des Glycerins mit Leim (das Gemisch wird vor der Anwendung erwärmt).Farrantsgebraucht eine Mischung aus gleichen Theilen arab. Gummi, Glycerin und einer gesättigten wässrigen Lösung von arseniger Säure. DieGoadby’sche Flüssigkeit (conserving liquor) wird bereitet aus Kochsalz 60 Gm., Alaun 30 Gm., Sublimat 0,13 Gm., kochendem destill. Wasser 1300 Gm. und durch Filtration (sehr zu empfehlen).Paciniempfiehlt 2 Flüssigkeiten. I. Sublimat 1 Th., reines Chlornatrium 2 Th., Glycerin 13 Th., destill. Wasser 113 Th. II. Sublimat 1 Th., Essigsäure 2 Th., Glycerin 43 Th., dest. Wasser 215 Th.
Mitunter werden trockene Objecte (wie Theile von Insekten, Sporen, Pollen) in Canadabalsam, eine Terpentinart, die sich auch durch einen klaren venedischen Terpentin ersetzen lässt, eingelegt. Ist der Terpentin zu dick, so verdünnt man ihn mit etwas Terpentinöl bis zur Dickflüssigkeit.
Die Färbung der Objecte bietet manche Vortheile, indem einzelne Theile derselben sich mit dem Farbstoff verbinden und dadurch für das Auge schärfer hervortreten. Geeignete Farbstoffe sind Indigocarmin (in Wasser klar löslicher), Anilinpigmente, Blauholztinctur. 1 Th. Indigocarmin wird in 100 Th. destill. Wasser und 8 Th. Spiritus, 1 Th. Anilinpigmente (Rosanilin) in einer Mischung von 100 Th. Spiritus und 100 Th. Wasser gelöst. Die Blauholz- (Campecheholz-) Tinktur wird aus 1 Th. des kleingeschnittenenBlauholzes, 20 Th. Spiritus und 30 Th. Wasser unter Maceration dargestellt. Jede dieser Pigmentlösungen muss durch Papier filtrirt sein. Davon setzt man zu je 100 Th. der oben angegebenen 6 Objectflüssigkeiten 3–5 Th. In letzterer Mischung kann das Objectstück eingeweicht werden, um es dann in der nicht gefärbten Flüssigkeit unter das Deckglas zu bringen. Um Objecte oder die Umrisse einzelner Theile derselben schwarz zu tingiren, befeuchtet man sie mit Höllensteinlösung (1 Th. Höllenstein in 30 Th. destill. Wasser), wäscht sie nach Verlauf einer halben bis ganzen Stunde mit destillirtem Wasser ab und bringt sie mit den Flüssigkeiten I. oder II. unter das Deckglas. Die Flüssigkeiten III.-VI. sind hier nicht verwendbar.
Die Bedeckung mit Deckglas geschieht in folgender Weise. Das reine trockne Deckglas erfasst man an einer der Ecken mit einer sich selbst schliessenden Pincette, bestreicht den Rand der Fläche, welche dem Objecte zugewendet werden soll, in einer Breite von 2 bis 3 mm mit einem der unten erwähnten Lacke I. und II., legt hierauf das Deckglas auf das mit einem Tröpfchen der Conservationsflüssigkeit bedeckte Object, fasst Deckglas und Objectträger zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, ohne jedoch zu drücken, trocknet den Rand des Deckglases und die daran stossende Umgebung auf dem Objectträger mit Fliesspapier ab und umzieht mittelst Pinsels den äusseren Rand des Deckglases mit einem breiten Striche Lack I. oder II., so dass der Strich in seiner Breite zur Hälfte auf dem Deckglase, zur Hälfte auf dem Objectträger ruht. Der Strich, welcher sehr schnell trocknet, wird sofort noch einmal mit Lack überzogen. Nach einigen Stunden giebt man einen dritten Ueberzug. Zuletzt giebt man einen Ueberzug mit dem Lack III. Bei jedem neuen Lacküberzuge streicht man um eine Zwirnsfadenbreite über die Grenze des trocknen Anstrichs hinweg.
In vielen Fällen ist das Einlegen der Objecte in flüssigenLeim anwendbar. Dieser ist besonders bequem, da er sehr durchsichtig ist, den Raum zwischen Deckglas und Objectglas gut füllt und das, was davon beim Druck des Deckglases über den Rand dieses letzteren heraustritt, schnell trocknet und hart wird. Dieser Rand wird mit einem ähnlichen Leim, der mit Chromgrün, Chromgelb, Schwarz etc. präparirt und gemischt ist, eingefasst. Ist diese Einfassung völlig trocken, so lackirt man sie mit Lack III. oder besser mit dem Universallack (IV.).
Fig. 51.Objecthalter(2/3Grösse).
Fig. 51.
Objecthalter(2/3Grösse).
Bei der Darstellung mehrerer Objecte ist das Halten zwischen den Fingern sehr lästig und zeitraubend. Bequem sind dann die Objecthalter, von welchen man mehrere neben einander auf ein circa 8 Ctm. breites Brett mittelst Siegellacks aufgesetzt hat. Ein Objecthalter besteht aus 2 Korken (Fig. 51,au.b), welche durch einen zweischenkeligen messingenen Draht gegen einander gedrückt werden. Der Korkaist mit Siegellack auf das Brettdgesetzt. Die Löcher in den Korken, in welche man den Draht steckt, sind durch eine glühende Stricknadel vorgebohrt. Durch den Korkageht der Draht in der ganzen Länge des Durchmessers des Korkes, in den Korkbreicht er nur zu2/3der Länge desselben. Der Korkbwird nach der Grösse der Deckgläser gewählt und ist an der Fläche, mit welcher er auf dem Korkasteht, etwas ausgebuchtet, so dass er nur mit seinem Rande auf das Deckglas drückt, die Mitte des Deckglases also geringeren Druck erfährt. Die Darstellung dieser Vorrichtung ist keine schwierige. Jeder, wer derselben bedarf, kann sie sich selbst besorgen.
Indem man den Korkbsanft hebt, schiebt man das Object darunter, versieht es daselbst mit der Leim- oder Lackfassung etc.
Flüssiger Leim. 10 Th. heller, klarer Tischlerleim werden in 10 Th. kochendem Wasser gelöst und noch heiss mit 10–12 Th. concentrirtem Essig (Acidum aceticum dilutumder Apotheken), sowie einigen Tropfen Carbolsäure versetzt. Sollte er nach dem Erkalten gelatiniren, so macht man ihn durch Erwärmen wieder flüssig und setzt noch 1 bis 2 Th. oder soviel concentrirten Essig hinzu, bis er nach dem Erkalten flüssig bleibt. Der hellere Tischlerleim ist der sogenannten Gelatine vorzuziehen.
Schwarzer LackI. Nimm 1 Th. Leinölfirniss und 10 Th. Bernsteinkolophon (Colophonium Succini). In einem porcellanenen oder irdenen Töpfchen schmilzt man beides zusammen. Man nimmt das Gefäss vom Feuer oder von der Lampe weg und lässt es etwas abkühlen. Hierauf giesst man (vom Feuer entfernt) unter Umrühren mit einem eisernen Spatel in sehr kleinen Portionen nach und nach 15 Th. französisches Terpentinöl und nach einer Stunde, wo die Mischung ziemlich abgekühlt ist, 10 Th. Benzin hinzu. Das Ganze bringt man in eine trockene Flasche, worin sich 10 Th. zerstossenes Judenpech (reiner Asphalt) befinden. Man pfropft zu, stellt es einige Tage bei Seite und schüttelt öfter um. Ist der Lack zu dickflüssig, so verdünnt man ihn mit Terpentinöl. Statt dieses Lackes kann man auch gewöhnlichenEisenlackanwenden.
Weisser LackII. Mastix 10 Th., Dammar 4 Th., Sandarak 4 Th., sämmtlich zerstossen, vened. Terpentin 1 Th., 20 Th. französ. Terpentinöl und 10 Th. Benzin werden in einer Flasche mehrere Tage öfter umgeschüttelt und hierauf die Lösung, nachdem die Flasche gut zugepfropft ist, zum Absetzen bei Seite gestellt. Der später klar abgegossene oder filtrirte Lack wird theils zum Gebrauch in einem Mörser mit trocknem Permanentweiss zusammengerieben, theils, wie er ist, aufbewahrt. Er giebt einen guten Glanz und besitzt viel Zähigkeit. Ist er zu dünn, so darf man nur das Gefäss, worin er ist, einen Tag geöffnet stehen lassen.
GlanzfirnissIII. Sandarak 12 Th., Mastix 6 Th. werden etwas zerstossen in eine trockene Flasche geschüttet, dazu Copaivabalsam 2 Th., venedischer Terpentin 3 Th., französisches Terpentinöl 4 Th., und wasserfreier Spiritus 36 Th. gegeben. Man stellt die zugepfropfte Flasche 8 Tage bei Seite, schüttelt dabei öfters um und lässt dann den Lack einige Wochen klar absetzen. Als Lack für Messingtheile an dem Mikroskop mischt man gleiche Theile dieses Glanzfirnisses und einer filtrirten Lösung von 5 Th. gutem Schellack und 2 Th. Drachenblut in 45 Th. wasserfreiem Spiritus.
UniversallackIV. 15 Th. guter Schellack, 3 Th. Mastix und 90 Th. käuflicher wasserfreier Spiritus werden in eine zu verstopfende Flasche gegeben und unter öfterem Umschütteln so lange bei Seite gestellt, bis Lösung erfolgt ist. Der Lack wird nach mehrtägigem ruhigem Stehen klar abgegossen. Nimmt man zur Erzeugung eines farblosen Lackes weissen Schellack, so ist noch ein Zusatz von 1 Th. venedischem Terpentin erforderlich.
Wenngleich die bildliche Darstellung mikroskopischer Objecte durch Holzschnitt sehr viel zu wünschen übrig lässt, so reicht sie dennoch für den anfangenden Mikroskopiker aus, ihm eine Vorstellung von den Objecten zu geben, sie zu erkennen, zu unterscheiden und sie aufzusuchen. Sie sind jedenfalls die erste und beste Anleitung, den Anfänger in das mikroskopische Studium einzuführen.
Für das Erkennen der Objecte aus dem Thier- und Pflanzenreiche ist die Bekanntschaft mit derZelleein vornehmliches Erforderniss; daher möge eine kurze Erklärung des Wesens und des Baues der Zelle hier einen Platz finden.
DieZelleallein ist das Material, aus welchem Leben zu Stande kommt, sie ist daher das Element des Lebens, und jeder pflanzliche und thierische Organismus nimmt von einer einfachen Zelle seinen Anfang. Jede Zelle ist eine Lebenseinheit und jeder organisirte Körper besteht aus so vielen Lebenseinheiten, als er Zellen besitzt, die in ihrem ungelösten Zusammenwirken das Leben des Ganzen darstellen. Daher ist das Leben eines thierischen und pflanzlichen Körpers die Summe der Lebenserscheinungen aller Zellen, aus denen er zusammengesetzt ist. Die allen Zellen angehörenden Lebenserscheinungen sind vegetativ und bezwecken die Ernährung oder Erhaltung und die Vermehrung oder Reproduction. Die Zelle ist also zugleich Vegetations- und Reproductionsorgan.
Schleidenwar es zuerst, der die Bausteine kennen lernte, aus denen die Pflanze ihren Leib bildet, und zwar dieZellen. Er zeigte zuerst das Wachsthum der kleinen Zellenblase auf und um den sie erzeugenden Zellkern, ihre verschiedenen Formen und Gruppirungen, ihre Umwandlung in Fasern und Gefässe. Die an der Pflanze erforschte Zelle hielt man für ein Eigenthum der Pflanzenwelt. Da tratHenle(1837) den Beweis an, dass die Zelle das Lebenselement der ganzen organisirten Natur sei, indem er die Oberhaut des Menschen als ein Complex von Zellen erkannte, welche selbstständig und ohne Einfluss der Blutgefässe wachsen.Th. Schwannendlich wies (1839) die Uebereinstimmung der „Thiere und Pflanzen“ im Aufbau ihres Körpers aus Zellen und im Wachsthum dieser Zellen mit aller Gewissheit nach.
Fig. 52.aZwei Protoplasmazellen,beine solche, deren äusserste Schicht dichter geworden istczwei solche Zellen, in deren Inhalte die Bildung von Zellkernen vor sich geht.
Fig. 52.
aZwei Protoplasmazellen,beine solche, deren äusserste Schicht dichter geworden istczwei solche Zellen, in deren Inhalte die Bildung von Zellkernen vor sich geht.
aZwei Protoplasmazellen,beine solche, deren äusserste Schicht dichter geworden istczwei solche Zellen, in deren Inhalte die Bildung von Zellkernen vor sich geht.
Fig. 53.aEine von einer Membran eingeschlossene Zelle,bzwei Zellen mit Zellkern und den Anfängen (Protoplasmawänden) zu Tochterzellen,czwei gleiche zusammenhängende Zellennnwässerige Plasmatropfen,dZelle mit Stärkemehlkörperchen.
Fig. 53.
aEine von einer Membran eingeschlossene Zelle,bzwei Zellen mit Zellkern und den Anfängen (Protoplasmawänden) zu Tochterzellen,czwei gleiche zusammenhängende Zellennnwässerige Plasmatropfen,dZelle mit Stärkemehlkörperchen.
aEine von einer Membran eingeschlossene Zelle,bzwei Zellen mit Zellkern und den Anfängen (Protoplasmawänden) zu Tochterzellen,czwei gleiche zusammenhängende Zellennnwässerige Plasmatropfen,dZelle mit Stärkemehlkörperchen.
DieZelleist ein bläschenartiges Gebilde, in ihrem ersten Urzustande eine Protoplasmazelle, eine nach aussen begrenzte Portion Plasma oder Protoplasma, Bildungsstoff, welcher sich in seiner Lebensthätigkeit zunächst mit einer Hautschicht, der Zellenmembran, umgiebt und meist auch in seinem Innern die Bildung der Anfänge von Tochter- und Enkelzellen, den Zellkernen und den in diesen lagernden Kernkörperchen ermöglicht. Der Inhalt der lebenden, sich entwickelnden Zelle, deren Gestalt eine sehr verschiedene sein kann, ist theils mehr oder weniger flüssig, theilsauch fest. In der von einer Membran eingeschlossenen Pflanzenzelle findet sich als Wandbeleg dieser Membran eine dichtere, oft erhaltende Plasmaschicht (Primordialschlauch) und in dem von letzterer eingeschlossenen Flüssigkeit ein oder mehrere Zellkerne. Das Plasma, der Inhalt der lebenden Zelle, ist nicht structurlos, sondern organisirt, was sich durch die Bewegung, durch die Strömungen in dem flüssigen Theile des Plasma zu erkennen giebt. Bei den trocknen oder abgestorbenen organischen Körpern kommt natürlich die lebende Zelle nicht mehr in Betracht, sondern die todte, nicht vegetirende, trockne, mehr oder weniger feste Zelle.
Die Membran und der Kern der thierischen Zelle bestehen aus Eiweisskörpern verschiedener Art, denn die Membran wird z. B. von verdünnten Säuren (wie verdünnter Essigsäure) leicht aufgelöst, der Kern aber nicht. Der Zelleninhalt besteht theilweise aus Eiweisskörpern in verschiedenen Modificationen, theils in gelöster, theils weicher, theils fester Form. In der Muskelzelle nennt man die EiweissmodificationSyntonin, in den rothen BlutkörperchenGlobulin, in den Zellen der SchleimdrüsenMucin, in denen der MilchdrüseKaseïn, in den Drüsenzellen der MagenschleimhautPepsinetc. Ein Hauptbestandtheil des Zelleninhaltes ist das Wasser, dann kommen darin vor: Fetttröpfchen, mineralische Bestandtheile, ferner auch Pigmente (Haematin, Haemoglobin, Melanin etc.).
Die Pflanzenzelle gleicht in ihrer Constitution der Thierzelle und nur die ältere Pflanzenzelle ist noch von der oben bemerkten, ausCellulosebestehenden, gewöhnlich polygonalen Membran, der Zellhaut, eingeschlossen. Die äussere Hülle enthält hier also keinen Stickstoff und wird durch Jod und Schwefelsäure blau gefärbt, während eine zuweilen vorkommende entsprechende Hülle an der thierischen Zelle durch genanntes Reagens gelb oder braun gefärbt wird.