Speisesenfpulver und Mostrich sind für den Gebrauch in der Küche und auf dem Tische entsprechend und dem Geschmack convenirend zusammengesetzte Genussmittel, in welchen schwarzer und auch gelber Senfsamen die den Geschmack bedingenden Substanzen sind.
DasSenfmehl von Sareptaist das Pulver der Samen vonSinapis junceaund entspricht in seinen mikroskopischen Theilen ganz unserem gelben oder weissen Senfe. Das sogenannteEnglische Senfmehlist gewöhnlich nur ein pulveriges Gemisch aus 1 Th. schwarzem Senf, 8 Th. gelbem Senf und 1–3 Th. Getreidemehl.
Eine mikroskopische Untersuchung beider Genussmittel könnte nur den Zweck haben, darin Substanzen zu bestimmen, welche den Nahrungs- und Genussmitteln nicht angehören und genossen nachtheilige Wirkungen haben und endlich die Gegenwart des Pulvers der Senfsamen zu erkennen, wenn etwa der Geschmack diesen nothwendigen Umstand bezweifeln lässt. Beide, sowohl das Speisesenfpulver (Mostrichpulver) wie der Mostrich, sind zusammengesetzte Genussmittel, welche den Zwecken der Verwendung in der Küche und auf dem Tische, sowie den Ansprüchen des Geschmackes entsprechen sollen. Zur Erreichung dieser Zwecke ist die Vermischung des Pulvers von schwarzem und gelbem Senfsamen mit Salz, Gewürzen, Mehl, Essig, Wein, Zucker und anderen Genussmitteln nothwendig, und können solche Beimischungen nie als ungehörige oder als Fälschungen angesehen werden, und das um so weniger, als man den Werth der Senfpräparate nach der äusseren Beschaffenheit und dem Geschmack beurtheilt und eine einfache Mischung von reinem Pulver des schwarzen oder gelben Senfes mit Wasser, Wein, Essig dem Geschmacke nicht genügt, selbst die Mischung nur mit schwarzem Senfsamen den Giften beizuzählen wäre.
Fig. 140.Pulver des schwarzen und weissen Senfsamens.sSchwarzer Senf,wweisser oder gelber Senf,stSteinzellen,klKleberzellen,kKeimzellenepEpidermalgewebe,oOeltröpfchen.
Fig. 140.
Pulver des schwarzen und weissen Senfsamens.sSchwarzer Senf,wweisser oder gelber Senf,stSteinzellen,klKleberzellen,kKeimzellenepEpidermalgewebe,oOeltröpfchen.
Pulver des schwarzen und weissen Senfsamens.sSchwarzer Senf,wweisser oder gelber Senf,stSteinzellen,klKleberzellen,kKeimzellenepEpidermalgewebe,oOeltröpfchen.
Auch eine Beimischung von gemahlenem Rübsen- oder Rapssamen an Stelle des weissen Senfsamens, wenn sie überhauptvorkommen sollte, ist keine Verfälschung, da dadurch das Angenehme des Geschmacks eher gehoben als herabgedrückt wird. Wäre der Rübsensamen geschält, so ist er auch gar nicht nachzuweisen.
Fig. 141.Pulver des Rapskuchens.stSteinzellen,kgKeimgewebe,klKleberzellen,oOeltröpfchen.
Fig. 141.
Pulver des Rapskuchens.stSteinzellen,kgKeimgewebe,klKleberzellen,oOeltröpfchen.
Pulver des Rapskuchens.stSteinzellen,kgKeimgewebe,klKleberzellen,oOeltröpfchen.
Ein wesentliches Erkennungszeichen der Samenpulver des schwarzen Senfes und des Rübsens unter dem Mikroskop sind die Gewebetrümmer der äusseren dunkelroth-braunen Samenhaut. Die Steinzellen derselben sind beim Rübsensamen grösser und auch etwas abweichend geformt als beim schwarzen Senf, und farblos beim gelben Senf.