Milchvon Kühen. Sie ist die bekannte emulsionsartige Flüssigkeit, welche verschiedene Salze, Milchzucker, Kaseïn enthält und in welcher Fett (Butter) in Gestalt sehr kleiner, unter dem Mikroskope scharf begrenzter, homogener, durchsichtiger Kügelchen schwimmt. Jedes Fettkügelchen ist mit einer Kaseïnhülle umgeben, welche das Zusammenfliessen des Fettes verhindert. Unter dem Mikroskope erscheint die Milch als eine klare Flüssigkeit mit jenen darin suspendirten Fettkügelchen (Fig. 184).
Fig. 184.Milchbei 500maliger Vergrösserung.
Fig. 184.
Milchbei 500maliger Vergrösserung.
Milchbei 500maliger Vergrösserung.
Fig. 185.Zum Theil entrahmte Kuhmilch, 500mal vergrössert.
Fig. 185.
Zum Theil entrahmte Kuhmilch, 500mal vergrössert.
Fig. 186.Sahne.500mal vergrössert.
Fig. 186.
Sahne.500mal vergrössert.
Sahne.500mal vergrössert.
In der Ruhe scheidet sich die Milch in zwei Schichten, in eine untere fettarme und in eine obere fettreiche, gewöhnlich Rahm oder Sahne genannt. Die von dem Rahme gesonderte, sogenannteabgenommeneMilch zeigt unter dem Objective weit weniger Fettkügelchen und diese sind meist klein. Es treten also die grösseren Fettkügelchen beim ruhigen Stehen der Milch zuerst an die Oberfläche derselben. Der Milchrahm bietet daher dem Auge sehr grosse Fettkügelchen.
Fig. 187.Colostrum.500mal vergrössert.
Fig. 187.
Colostrum.500mal vergrössert.
Colostrum.500mal vergrössert.
Die dickliche gelbliche Milch, welche jedes Säugethier (also auch die Kuh) einige Tage vor und in den ersten Tagen nach dem Gebären giebt, heisstColostrum,Colostrummilch. Sie ist von fadem Geschmacke, enthält Eiweiss, weniger Kaseïn und Milchzucker, besonders aber die Colostrumkugeln, nämlich die mit Fett erfüllten Zellen der Milchdrüsenschleimhaut. Unter dem Mikroskop erscheinen die Fettkügelchen der Colostrummilch gewöhnlich weniger scharf begrenzt, von sehr verschiedener Grösse, in Gruppen darin herumschwimmend, und daneben findet man einzelne grosse, nicht völlig kugelrunde, trübe Buttermassen mit körniger Oberfläche, jene Colostrumkügelchen. Diese sammeln sich beim Stehen der Milch an deren Oberfläche und bilden eine dunkelgelbe Rahmschicht. Diese Colostrummilch hat meist eine blassgelbliche oder gelbe Farbe. Sie ist zwar keine gesundheitsschädliche, denn sie äussert nur eine denStuhlgang gelind vermehrende Wirkung, sie ist aber für den Genuss der Menschen nicht geeignet und wegen ihrer Farbe nicht appetitlich.
Die Milch und Sahne wird (nach Angabe einiger Schriftsteller) zuweilen mit der von Blut und Häuten befreiten Gehirnsubstanz der Schafe gemischt, um ihre Consistenz zu vermehren. Eine solche Milch hat einen hellgrauen Farbenton und setzt beim Stehen an die Gefässwandung eine feine weisse kleinkörnige Masse ab, welche feine Fäden von der Zellsubstanz des Gehirns enthält. Unter dem Mikroskope erkennt man die Gehirnsubstanz an den warzig erweiterten, oft perlschnurartigen Nervenprimitivfasern, an den Resten von Capillargefässen, welche gefässartig verzweigte, aus strukturloser Membran bestehende Gebilde darstellen, an denen sich ovale Kerne befinden, die nach Zusatz von Essigsäure mehr hervortreten.
Fig. 188.Milch mit Gehirnsubstanz.500mal vergrössert.
Fig. 188.
Milch mit Gehirnsubstanz.500mal vergrössert.
Milch mit Gehirnsubstanz.500mal vergrössert.
Fig. 189.Milch aus einem mit Eiter-absonderndem Ausschlage behafteten Euter.aFettkügelchen,bEiter.
Fig. 189.
Milch aus einem mit Eiter-absonderndem Ausschlage behafteten Euter.aFettkügelchen,bEiter.
Milch aus einem mit Eiter-absonderndem Ausschlage behafteten Euter.aFettkügelchen,bEiter.
In Folge exsudater Processe im Euter oder in Folge einiger epidemischer Rinderkrankheiten findet man in der MilchEiter. Die Eiterkörperchen sind den Butterkügelchen ähnlich, aber im Umfange etwas grösser, matt granulirt und enthalten einen Kern, oder sie bilden granulirte Körperchen mit unregelmässigem Rande, löslich in Aetznatronlauge, unlöslich in Aether. Bei Eiterausschlägen soll die Milch mikroskopisch kleine maulbeerähnliche Kügelchen enthalten,aus Schleim und Eiter bestehend. Eine eiterhaltige Milch ist als eine gesundheitsschädliche zu beurtheilen.