Die Blumen.
Es war Frühsommer.
Mit den Anemonen und Veilchen war’s vorbei. Der wilde Rosenstrauch an der Hecke stand in voller Blüte, und die Butterblume am Grabenrand leuchtete über das ganze runde, gelbe Gesicht. Auch viele andere Blumen waren schon aufgeblüht, und die übrigen wollten ihnen gerade folgen. Das Getreide auf dem Felde stand hoch, und im Walde sangen die Vögel.
Die Landstraße entlang gingen drei Studenten.
Sie hatten die Mütze im Nacken, die Pfeife im Munde und den Stock in der Hand. Über der einen Schulter hing die Reisetasche, über der andern die Feldflasche. Sie marschierten im Takt und stampften auf, so daß eine Staubwolke sie einhüllte. Denn sie waren ja so jung, so jung...
Und dann sangen sie:
„Vier Mark für ein Paar Sohlen,acht Mark für Oberleder — —nein, nein, nein, nein, nein, nein,Oberleder kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Vier Mark für ein Paar Sohlen,acht Mark für Oberleder — —nein, nein, nein, nein, nein, nein,Oberleder kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Vier Mark für ein Paar Sohlen,acht Mark für Oberleder — —nein, nein, nein, nein, nein, nein,Oberleder kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Vier Mark für ein Paar Sohlen,
acht Mark für Oberleder — —
nein, nein, nein, nein, nein, nein,
Oberleder kriegst du nicht, Brüderlein!“
Als sie auf dem Hügel, just vor dem wilden Rosenstrauch, angelangt waren, stand der eine von ihnen still.
„Halt!“ sagte er.
Die beiden andern gehorchten, und der erste nahm die Mütze vom Kopf, bohrte den Stock in die Erde am Grabenrand und hängte die Mütze daran. Die andern folgten seinem Beispiel. Dann zog er mit den Zähnen den Kork aus seiner Feldflasche, schwenkte die Flasche hoch in der Luft und hielt eine Rede.
„Ein Hurra dem Frühling!“ begann er. „Er ist grün, er ist gut, und er gehört den fröhlichen Studenten. Im Frühling blühen die Schuljungen auf und werden Füchse. Und die Knospen des Waldes springen auf. Und die Rose, das Veilchen, die Nelke und das Maiglöckchen, sie alle blühen auf, um vor den Augen des Studenten zu leuchten und ihm Wohlgeruch in die Nase zu senden. Du wildes Röslein an der Hecke! Der Student weiß recht gut, daß du vor ihm errötest, und dankt dir. Hab’ Dank, du gelbe Butterblume, du tust, was in deinen Kräften steht!Und auch du hab’ Dank, du langsames Heidekraut, das noch nicht mitgekommen ist! Wir wissen, daß auch deine Zeit kommt, und danken dir. Euch allen danken wir. Hurra!“
Drei Studenten
Die drei Studenten nahmen einen tüchtigen Schluck aus der Flasche, und dann rief der, der die Rede gehalten hatte:
„Drei lange!“
Und alle schrien:
„Hur-ra-ah! Hur-ra-ah! Hur-ra-ah!“
„Drei kurze!“ lautete das nächste Kommando.
„Hurra! Hurra! Hurra!“ schrien sie.
„Allgemeiner Studenten-Frühlings-Jubel!“ befahl der erste.
Und nun veranstalteten alle ein solches Geschrei, daß die wilde Rose an der Hecke ihre Blüten schloß und die Lerche, die trillernd hoch in der Luft hing, vor Schreck in den Roggen hinabflog, wo sie ihr Nest hatte, und mäuschenstill dort sitzen blieb.
Darauf nahmen die Studenten noch einen Schluck aus ihren Flaschen; der, der vorher die Rede gehalten hatte, nahm zwei Schlücke, weil sein Hals am trockensten war. Dann setzten sie die Mütze auf, nahmen den Stock in die Hand und marschierten los, unter fröhlichem Gesang:
„Gurkensalat und Lämmerbraten —Lämmerbraten und Gurkensalat ...Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein,Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Gurkensalat und Lämmerbraten —Lämmerbraten und Gurkensalat ...Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein,Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Gurkensalat und Lämmerbraten —Lämmerbraten und Gurkensalat ...Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein,Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Gurkensalat und Lämmerbraten —
Lämmerbraten und Gurkensalat ...
Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein,
Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
Als aber die Studenten den Hügel hinabgestiegen und so weit weg waren, daß man ihren Gesang nicht mehr hören und nichts als eine Staubwolke von ihnen sehen konnte — da scholl ihnen ein unbändiges Gelächter nach.
Es erklang von der Hecke und dem Graben bis übers Feld hin. Die wilde Rose lachte, daß sie einen Haufen Blätter verlor. Die Butterblume grinste übers ganze Gesicht, der Löwenzahn machte es ebenso, und die Glockenblume bebte vor Lachen so, daß alle ihre Glocken läuteten. Die vielen tausend Roggenhalme auf dem Felde schüttelten vor Heiterkeit die Ähren, und eine junge Kornrade, die noch in der Knospe stand, gluckste dermaßen vor Lachen, daß sie ihre Hülle sprengte und einen Tag zu früh aufblühte.
„Ist es nicht unbegreiflich, wie die Leute so dummsein können?“ sagte die Rose, nachdem sie so lange gelacht hatte, bis sie nicht mehr konnte. „Da ziehn nun die drei Studenten hin und singen und schreien und glauben felsenfest, daß wir hier um ihretwillen stehen und uns putzen. Und dabei sind die Studenten noch die klügsten von allen Menschen.“
„Ja, dann muß es um die andern allerdings schlimm bestellt sein,“ meinte der Löwenzahn.
„Ich kann wirklich in der Morgenstunde nicht so viel vertragen,“ begann die Rose von neuem. „Lache ich noch einmal so stark, dann fallen alle meine Blätter ab. Und das geht nicht, denn heute ist das Wetter danach, Geschäfte zu machen.“
„Ja, ich bin bereit,“ sagte die Glockenblume und läutete mit ihren Glöckchen „Honig hab’ ich genug, und meine Staubgefäße springen auf, sobald ein Fliegenbein daran rührt.“
„Seht, wie ich all meine kleinen Blüten zusammengestellt habe!“ sagte der Löwenzahn vergnügt. „Hat einer von euch jemals einen so niedlichen Blumenkorb gesehen?“
„Den Kniff kennen wir,“ rief die wilde Möhre, die an der Hecke neben der Rose stand, in stolzer Haltung... „Ich mach’s ebenso... Wollt ihr einen Schirm sehen, der wert ist, daß man ihn anschaut? Ließe ich meine Blüten einzeln sitzen, so könnten sie lange warten, bis man sie entdeckte. Aber nun, denke ich, geht es. Ich bin auch auf den Einfall gekommen, mitten in meinem weißen Schirm eine rote Blüte anzubringen. Sie ist ganz unfruchtbar und nichts wert, es ist die reine Reklame. Die Tiere kommen und betrachten sich die Sache. Ja, man muß sehn, wo man bleibt, bei dieser gefährlichen Konkurrenz!“
„Ichbin nicht für so einen offenen Laden,“ sagte das gelbe Leinkraut, das seine Blütenkrone dicht geschlossen hielt. „Ich lege keinen Wert darauf, daß Fliegen und dergleichen kleines Getier von der Straße in mich hineinrennen.MeinHonig ist nur für eine ordentliche Hummel feil, die die Kräfte hat, mich zu öffnen.“
„Zum Kuckuck mit all euren Kniffen!“ sagte die wilde Rose an der Hecke. „Ich habe so etwas Gott sei Dank nicht nötig. Ich habe ein altes, reelles Geschäft, das für jede anständige Person offen steht. Und meine Blüten sind so groß und schön, daß die Biene, die sie nicht sehen kann, auf allen ihren sechstausend Augen blind sein muß. Ich hab’ nicht einmal Honig abzugeben.“
„Wie?“ rief der Löwenzahn.
„Was sagst du?“ fiel die Kornrade ein.
„Ist es möglich?“ schrien die Nelke, das Labkraut und die Kamille.
Und das Leinkraut gähnte ein klein wenig vor Verwunderung und fragte:
„Was hast du denn den Bienen zu bieten?“
„Ich hab’ meinen Blütenstaub,“ erwiderte die Rose. „Den brauchen sie als Bienenbrot. Du weißt: für ihre Kinder. Und ich habe so reichlich davon, daß es nichts ausmacht, ob ein ganz Teil in die Binsen geht.“
Die Sonne am Himmel stieg und trocknete den Tau weg.
„Jetzt läute ich zum Zeichen, daß der Markt beginnt,“ sagte die Glockenblume.
Alle Blumen richteten sich auf und leuchteten und dufteten und gaben sich Mühe, gut auszusehen. Undvon allen Seiten summten und surrten Fliegen, Bienen, Schmetterlinge und Hornissen, sowie eine Menge anderer Insekten herbei, die während der Nacht versteckt in ihren Nestern, unter großen Blättern oder an anderen Stellen gesessen hatten, wo es trocken und warm war.
Sie breiteten sich aus über die Hecke und den Grabenrand, flogen von einer Blüte zur andern und krochen in ihnen ein und aus. Und die Blüten leuchteten und dufteten und schrien durcheinander.
Die Glockenblume sang:
„Kling, klang, Bienlein,kriecht in meine Glöcklein,schöner Honig winket hier,junge Königin, reichlich dir.“
„Kling, klang, Bienlein,kriecht in meine Glöcklein,schöner Honig winket hier,junge Königin, reichlich dir.“
„Kling, klang, Bienlein,kriecht in meine Glöcklein,schöner Honig winket hier,junge Königin, reichlich dir.“
„Kling, klang, Bienlein,
kriecht in meine Glöcklein,
schöner Honig winket hier,
junge Königin, reichlich dir.“
Bienen und Glockenblumen
„Wir kommen, wir kommen!“ riefen die Bienen, und einen Augenblick darauf saß in jeder der Glockenblüten eine von ihnen. Sie tranken so viel Honig, wie sie konnten, und der Staub rieselte von den Staubgefäßen auf sie herab und blieb an den Haaren ihres Körpers hängen.
Und die wilde Rose an der Hecke sang:
„Komm, gelbes Bienchen gut!Komm, Falter, zum Rosenhaus!In meinem Schoße sanft ihr ruhtbeim lieblichen Morgenschmaus.Gefüllt sind all die Rosen rotmit Mehl zu leckerm Madenbrot.“
„Komm, gelbes Bienchen gut!Komm, Falter, zum Rosenhaus!In meinem Schoße sanft ihr ruhtbeim lieblichen Morgenschmaus.Gefüllt sind all die Rosen rotmit Mehl zu leckerm Madenbrot.“
„Komm, gelbes Bienchen gut!Komm, Falter, zum Rosenhaus!In meinem Schoße sanft ihr ruhtbeim lieblichen Morgenschmaus.Gefüllt sind all die Rosen rotmit Mehl zu leckerm Madenbrot.“
„Komm, gelbes Bienchen gut!
Komm, Falter, zum Rosenhaus!
In meinem Schoße sanft ihr ruht
beim lieblichen Morgenschmaus.
Gefüllt sind all die Rosen rot
mit Mehl zu leckerm Madenbrot.“
Und das Leinkraut sang:
„Tief in meinem Kelch ist der Honig verwahrt,nicht jedem er sich offenbart.Den holt nur der schwarze Hummelchor;er öffnet sich keck mein gelbes Tor.Komm, Hummel, komm! Ich leb’ ja nur für dich!Das andre Gewürm verachte ich!“
„Tief in meinem Kelch ist der Honig verwahrt,nicht jedem er sich offenbart.Den holt nur der schwarze Hummelchor;er öffnet sich keck mein gelbes Tor.Komm, Hummel, komm! Ich leb’ ja nur für dich!Das andre Gewürm verachte ich!“
„Tief in meinem Kelch ist der Honig verwahrt,nicht jedem er sich offenbart.Den holt nur der schwarze Hummelchor;er öffnet sich keck mein gelbes Tor.Komm, Hummel, komm! Ich leb’ ja nur für dich!Das andre Gewürm verachte ich!“
„Tief in meinem Kelch ist der Honig verwahrt,
nicht jedem er sich offenbart.
Den holt nur der schwarze Hummelchor;
er öffnet sich keck mein gelbes Tor.
Komm, Hummel, komm! Ich leb’ ja nur für dich!
Das andre Gewürm verachte ich!“
„Nur Geduld, Kinder!“ sagten die Hummeln. „Wir kommen der Reihe nach zu euch allen!“
„Diesen Weg!“ schrie der Löwenzahn. „Den besten Honig am ganzen Grabenrand gibt es bei mir. In dem gelben Laden hier unten im Grase — schräg gegenüber der wilden Rose. Hochverehrte Fliegen, wollt ihr nicht bei mir einkehren? Hier gibt es etwas für jeden... alle meine hundert Blüten sind bis an den Rand gefüllt. Diesen Weg, diesen Weg!“
Und die wilde Möhre hob ihren Schirm über die andern empor und sang ein- übers andremal denselben Vers:
„Ihr Bienen, Hornissen, Fliegen,kommet her zum Honigvergnügen!Bei der wilden gelben Möhregibt es Honig frisch aus der Röhre!“
„Ihr Bienen, Hornissen, Fliegen,kommet her zum Honigvergnügen!Bei der wilden gelben Möhregibt es Honig frisch aus der Röhre!“
„Ihr Bienen, Hornissen, Fliegen,kommet her zum Honigvergnügen!Bei der wilden gelben Möhregibt es Honig frisch aus der Röhre!“
„Ihr Bienen, Hornissen, Fliegen,
kommet her zum Honigvergnügen!
Bei der wilden gelben Möhre
gibt es Honig frisch aus der Röhre!“
„Hier ist mehr zu haben, als wir bewältigen können,“ sagte die Hornisse.
Und sie kroch in die eine Blüte hinein und aus der andern hinaus. Die Bienen trugen Blütenstaub und Honig in ihre Körbe heim und eilten von dannen, um noch mehr zu holen. Die Hummeln summten und brummten, die Fliegen kletterten und krochen, die Falter tanzten durch die Luft vom einen zum andern, breiteten ihre bunten Flügel aus und schlossen sie wieder.
So ging es den ganzen Tag. Die Blumen lockten und sangen unaufhörlich, und die Sonne schien munter auf das alles hernieder. Erst als sie hinterm Walde sank, flogen die Insekten heim, jedes zu seiner Zufluchtsstätte.
„Das war ein guter Tag,“ sagte die Rose. „Die Hälfte meiner Blüten ist leer von Staub. Noch solch ein Tag, und ich bin zufrieden.“
Die Glockenblume nickte, denn auch sie hatte gute Geschäfte gemacht. Der Löwenzahn beeilte sich, alle seine kleinen Blüten zu schließen, und die Möhre stand noch da und hielt ihren Schirm bereit für den Fall, daß eine verspätete Fliege vorbeikommen sollte.
Aber im Grase am Grabenrand lag eine große alte Hummel auf dem Rücken und trat mit allen sechs Beinen in die Luft.
„Ist dir etwas zugestoßen, liebes Kind?“ fragte die wilde Rose an der Hecke.
„Ach nein!“ sagte die Hummel. „Ich ersticke nur beinahe vor Lachen. Ich mußte an die Studenten denken, die heut früh vorbeikamen. Hahaha! Sie dachten, ihr leuchtetet und duftetet fürsie.“
„Ja, das waren lächerliche Gesellen,“ meinte die Rose.
„Hahaha!“ lachte die Hummel wieder. „Keine Ahnung hatten sie, daß ihr es ummeinetwillen tut... und um der Bienen, Fliegen und Schmetterlinge willen. Der liebe Gott mag wissen, wie wir eure Honigläden finden sollten, wenn uns nicht unser Geruch zurechtwiese und ihr nicht ein ordentlich bemaltes Schild aufhängtet.“
Keine von den wilden Blumen sagte etwas, solange die Hummel am Grabenrand lag und lachte. Sobald sie sich aber erhoben hatte und heimgeflogen war, brachen alle in ein Gelächter aus, das ebenso heiter und gewaltig war wie dasjenige, das sie den Studenten nachgesandt hatten.
„Es ist ja nicht auszuhalten mit den Dummköpfen!“ meinte die Rose. „Man sollte doch glauben, daß so ein Tier mehr Verstand hätte als ein Studentlein, aber die Hummel bildet sich also auch ein, daß wir ihretwegen hier stehen!“
„Verzeiht, daß ich mich in die Unterhaltung einmische!“ sagte der Buchfink, der im Wipfel der wilden Rose saß. „Ich war auch heute morgen dabei, als die Studenten vorübergingen. Und ich versteh’ das ganze nicht recht. Wenn ihr euch nicht für die Studenten schmückt und nicht für die Bienen und die Schmetterlinge, ja... für wen zum Kuckuck tut ihr es denn?“
„Wir tun es natürlich um unser selbst willen, bester Fink!“ erwiderte die Rose.
„Erklär’ es mir!“ bat der Buchfink.
„Ich mag nicht,“ sagte die Rose. „Der Tau fällt, und ich muß schließen. Gut’ Nacht!“
Die Glockenblume läutete den Abend ein, der Löwenzahn schlief bereits am Grabenrand, das Leinkraut kniff die Lippen so fest zusammen, daß keine Hummel in der Welt sie voneinander trennen konnte, und die Mohrrübe nickte im Schlaf und sang:
„Bei der wilden gelben Möhregibt es Honig frisch aus der Röhre!“
„Bei der wilden gelben Möhregibt es Honig frisch aus der Röhre!“
„Bei der wilden gelben Möhregibt es Honig frisch aus der Röhre!“
„Bei der wilden gelben Möhre
gibt es Honig frisch aus der Röhre!“
Der Buchfink wiegte sich auf seinem Rosenzweig und ärgerte sich. Er grübelte und grübelte, konnte die Sache aber nicht herauskriegen, und einschlafen konnte er auch nicht.
In diesem Augenblick kam ein großer grauer Dämmerungsfalter über die Hecke angeschwirrt, nach dem Roggen hin, der mit dem Abendwind flüsterte. Und gleichzeitig gewahrte der Buchfink eine große,schöne Lichtnelke, die ihre Krone nach dem Dämmerungsfalter ausstreckte, und sang:
„Lüft’ deine Flügel grau und weich,einsamer Falter, komm zu mir!Als Einzigwache im Blütenreichschenk’ meinen kühlen Kelch ich dir.Eile dich, Falter, noch ist es Zeit,bin nur des Nachts für dich bereit.“
„Lüft’ deine Flügel grau und weich,einsamer Falter, komm zu mir!Als Einzigwache im Blütenreichschenk’ meinen kühlen Kelch ich dir.Eile dich, Falter, noch ist es Zeit,bin nur des Nachts für dich bereit.“
„Lüft’ deine Flügel grau und weich,einsamer Falter, komm zu mir!Als Einzigwache im Blütenreichschenk’ meinen kühlen Kelch ich dir.Eile dich, Falter, noch ist es Zeit,bin nur des Nachts für dich bereit.“
„Lüft’ deine Flügel grau und weich,
einsamer Falter, komm zu mir!
Als Einzigwache im Blütenreich
schenk’ meinen kühlen Kelch ich dir.
Eile dich, Falter, noch ist es Zeit,
bin nur des Nachts für dich bereit.“
Nun sah der Buchfink, wie der Dämmerungsfalter sich auf die Blüte setzte und seinen langen Fühler in ihren Kelch hinabsenkte. Und als er all den Honig herausgesogen hatte, der vorhanden war, und mit den Flügeln wippend dasaß, da erscholl von drüben her genau der gleiche Gesang, den die Lichtnelke angestimmt hatte. Der Buchfink sah von drüben eine große weiße Blüte schimmern, und nun flog der Schmetterling hinüber und setzte sich auf sie.
Der Buchfink
„Lichtnelke,“ sagte der Buchfink. „Erzähl’ mir, wie das eigentlich zusammenhängt mit euch Blumen, Bienen und Schmetterlingen! Ich hab’ heute hier gesessen und alles mitangesehen und angehört, aber ich versteh’ kein Sterbenswörtchen von allem. — Was wollte denn der Dämmerungsfalter von dir?“
„Er hat von mir Honig bekommen,“ erwiderte die Lichtnelke.
„Gut, aber was hat er dir denn dafür gegeben?“
„Er hat meinen Blütenstaub mitgenommen,“ erklärte die Lichtnelke.
Aber der Buchfink schüttelte den Kopf.
„Ja, das mag für den Dämmerungsfalter recht gut und schön sein,“ meinte er. „Er hat das eine gekriegt und hat auch das andere gekriegt. Aber welches Vergnügen hast du denn von der Geschichte?“
„Sieh mal,“ antwortete die Lichtnelke, „jede ordentliche Blume hat zwei große Sorgen in ihrem Leben. Erstens muß sie ihre Samen bekommen, und zweitens muß sie sie wieder loswerden. Das verstehst du doch?“
„Und ob!“ sagte der Buchfink erfreut. „Das ist ja genau so wie bei uns. Zuerst kommt es darauf an, daß wir unsre Jungen kriegen, und dann müssen wir sehen, daß wir sie gut erziehen und in die Welt hinaussenden. Wir Vögel haben also dieselben Sorgen. Aber die dauern an, von der Geburt bis zu unserm Tode, und man wird mitunter recht mager davon!“
„Natürlich,“ erklärte die Lichtnelke. „Umsonst kriegt man in dieser Welt nichts. Aber wir wollten von meinen Eiern und nicht von deinen Jungen reden.“
„Also du hast auch Eier?“ fragte der Buchfink höflich.
„Allerdings,“ sagte die Lichtnelke. „Aus deinen Eiern entstehenJunge, aus den meinenSamen. Aber zuerst muß der Staub aus den Staubgefäßen auf sie fallen. Sonst kommt nichts dabei heraus. So ist’s mit mir, und so ist’s mit allen Blumen. Und die Bienen und Schmetterlinge und alle die andern Insekten tragen den Staub zwischen uns hin und her.“
„Aha!“ sagte der Buchfink mit einem Pfiff. „Nun fang’ ich an, die Sache zu verstehen. Sie kommen zu euch, um Honig zu holen, und sie nehmen den Blütenstaub mit!“
„Ganz recht!“ erwiderte die Lichtnelke. „Der Staub bleibt an den Haaren ihres Körpers hängen, an Flügeln und Beinen. Wenn sie dann zu einerandern Blüte kommen und in ihr nach Honig wühlen, so reiben sie den Staub von sich ab, er fällt auf die Eier, und aus den Eiern werden Samen.“
„Das ist famos eingerichtet,“ sagte der Buchfink. „Und alle die bunten Farben habt ihr also nur, um die Insekten anzulocken?“
„So ist es,“ war die Antwort der Lichtnelke. „Ich für mein Teil bin allerdings ganz weiß, wie du siehst. Ich spekuliere nur auf die Insekten, die des Nachts ausfliegen, und dafür eignet sich die weiße Farbe am besten, weil sie im Dunkeln am hellsten leuchtet. Am Tage ist mir der Wettbewerb zu groß; aber jetzt ist mir das Feld ganz überlassen.“
„Na — na,“ sagte die Nachtviole, die nicht weit davon stand und alles mitangehört hatte. „Ich zähle doch auch mit!“
„Ich kann dich nicht sehen,“ sagte die Lichtnelke. „Wo stehst du? Wie heißt du? Was für Farben hat deine Blüte?“
„Ich heiße Nachtviole, und meine Blüte ist braun, klein und häßlich.“
„Dann bist du nicht gefährlich für mich,“ meinte die Lichtnelke.
„Nu—uun, ich komme schon durch! Vor einem Weilchen flog ein großer Dämmerungsfalter geradeswegs in meinen Schoß. Ich hatte ihn mit meinemDuftangelockt, verstehst du... dem süßesten Duft der Nacht! So süß ist er, daß die Menschen mich aus dem Süden, wo meine Heimat ist, in ihre Gärten nach dem Norden verpflanzt haben. Ich hab’ mich aus dem Garten des Müllers hierher verirrt, und nun bleibe ich hier bei dir!“
Die Lichtnelke wollte antworten, aber die Nachtviole stimmte ein Lied an:
„Nachtfalter, der du im Tanzschwebst durch die kühle Luft,kannst du mich finden?Mir fehlet der Lichtnelke Glanz.Aber mein köstlicher Duftwird dich doch binden.“
„Nachtfalter, der du im Tanzschwebst durch die kühle Luft,kannst du mich finden?Mir fehlet der Lichtnelke Glanz.Aber mein köstlicher Duftwird dich doch binden.“
„Nachtfalter, der du im Tanzschwebst durch die kühle Luft,kannst du mich finden?Mir fehlet der Lichtnelke Glanz.Aber mein köstlicher Duftwird dich doch binden.“
„Nachtfalter, der du im Tanz
schwebst durch die kühle Luft,
kannst du mich finden?
Mir fehlet der Lichtnelke Glanz.
Aber mein köstlicher Duft
wird dich doch binden.“
„Ja, wenn du mich nur wenigstens die Dämmerungsfalter behalten ließest, und dich mit den Nachtfaltern begnügtest,“ sagte die Lichtnelke. „Die meisten von ihnen verzehren nichts, sondern fliegen an dem schönsten Honig vorbei, als ob es Dreck wäre.“
„Es ist genug für euch beide vorhanden,“ sagte der Buchfink. „Deswegen keine Feindschaft. Ihr solltet bloß die Tagblumen sehen.Daherrscht Kampf ... das ist eine andere Sache, ihr könnt’s mir glauben! — — Aber nun höre, Lichtnelke, da ist doch noch etwas, was ich nicht verstehe. Warum laßt ihr nicht selber Staub auf eure Eier fallen? Ihr habt ja genug Staub, und das wäre doch viel, viel einfacher!“
„Ja — ich könnte das gar nicht, wenn ich auch wollte,“ erwiderte die Lichtnelke. „Ich habe gar keine Staubgefäße in meiner Blüte, nur Eier.“
„Herrgott, bist du ein Invalide?“ rief der Buchfink erschrocken.
„Nein, ganz und gar nicht,“ erwiderte die Blüte. „Aber wir Lichtnelken sind nun einmal so eingerichtet. Meiner Schwester drüben an der Hecke geht es ebenso. Aber auf der andern Seite des Weges, da stehen meine Brüder... siehst du das Weiße da drüben leuchten? Das sind sie. Die haben bloß Staubgefäßeund keine Eier. Nun verstehst du wohl, daß wir genötigt sind, uns der Schmetterlinge zu bedienen.“
„Ja, aber die Rose und der Löwenzahn? Und die Butterblume und die Glockenblume? Ist es bei ihnen denn ebenso?“
„Nein,“ erwiderte die Lichtnelke. „Sie haben gleichzeitig Eier und Staub in ihren Blüten; sie könnten sich also allein behelfen, wenn sie wollten. Aber sie wollen nicht. Denn fremder Staub ergibt die größten, besten Samen, weißt du.“
„Wie merkwürdig das alles ist,“ sagte der Buchfink. „Da geht’s euch ja im Grunde ebenso wie uns Tieren. Ihr kämpft miteinander, um durchzukommen, kämpft für eure Nachkommen und so weiter.“
Die Lichtnelke nickte auf ihrem Stengel und sang ihr Liedchen, denn es kam gerade ein großer, grauer Schmetterling vorübergeflogen. Aber er flog weiter, und da sagte die Blume:
„O ja, so ist es. Aber ihr schreit und schlagt einander tot vom Morgen bis zum Abend. Wir stehen still, wo wir stehen, leuchten und duften und besorgen trotzdem unsern Kram. Also ein Unterschied ist doch vorhanden.“
Der Buchfink saß ein Weilchen schweigend da und dachte nach. Dann entdeckte er, daß es spät geworden war, und beeilte sich, sein Nest im Walde aufzusuchen.
Der Abend verstrich, und es wurde immer dunkler. Rings auf den Gehöften wurden die Lichter ausgelöscht, und auf den Wegen war niemand mehr zu sehen. Die Nachtviole duftete versteckt im Grase, der Roggen flüsterte mit dem Nachtwinde, und die weißen Blumenblätter der Lichtnelke leuchteten.
„Du... Roggen!“ rief die Lichtnelke. „Du bist so lang und reichst so hoch hinauf... kannst du nicht sehen, ob ein Dämmerungsfalter im Anmarsch ist?“
„Guck’ nicht aus nach dem Zeug... kenne nichts davon... kümmer’ mich nicht drum,“ erwiderte der Roggen.
Es klang weit über das Feld hin, denn alle die Roggenhalme antworteten gleichzeitig, und sie alle bogen ihre Ähren nach derselben Richtung; sie hielten immer gute Kameradschaft und waren stets der gleichen Meinung.
„Na, na,“ sagte die Lichtnelke. „Brauchst dich doch nicht so wichtig zu machen! Der Tag kommt wohl auch noch, wo du Verwendung für ein paar Bienen oder einen Schmetterling hast.“
„Nein, niemals... niemals... niemals!“ tönte es über das Roggenfeld hin.
„Sooooo?“ sagte die Lichtnelke verblüfft. „Dann versteh’ ich eigentlich nicht, was ihr mit euren Eiern und eurem Staub anfangt, wo ihr doch so viele seid. ... Ihr seid ja gewiß über hundert!“
„Wir sind eine Million!“ erwiderte der Roggen.
Und wieder klang es über das ganze Feld hin, so daß es im Walde widerhallte:
„Eine Million... eine Million... eine Million!“
Es dauerte eine Weile, bis die Lichtnelke ihre Fassung wiedergewann. So überwältigt war sie. Aber kurz darauf sagte sie demütig:
„Will mir nicht einer von euch erzählen, wie ihr es anfangt, wenn ihr euch nicht der Bienen und Schmetterlinge bedient? Aber wenn’s geht, nureiner! Ich bin eine einsame Lichtnelke, und mir wird immer ganz unheimlich zumut, wenn ihr alle zugleich sprecht!“
Einen Augenblick war es ganz still im Roggen, und die Lichtnelke wartete auf die Beantwortung ihrer Frage. Dann flüsterte einer von den Roggenhalmen, die zunächst standen:
„Für euch ist’s eine Kleinigkeit, die Insekten zu bewegen, euern Staub zu besorgen, denn ihr seid ja nur ein paar! Aber unser Geschäft ist zu groß dazu. Bei uns wird das ganze an einem einzigen Tage abgemacht, ja manchmal in ein paar Stunden! Wir bedienen uns der Kraft des Windes, weißt du?“
„Soooooo?“
„Was tun sie?“ fragte die Nachtviole, die voll Interesse zugehört hatte.
Die Lichtnelke erzählte es ihr, und beide waren ebenso klug wie zuvor. Aber dann flüsterte der Roggenhalm wieder:
„Wenn der Staub reif ist, wachsen alle unsere Staubgefäße aus der Ähre hervor. Das geht mit der größten Geschwindigkeit vor sich. Die Staubbeutel baumeln in der Luft, und es kommt darauf an, die Zeit zu benutzen. Wenn die Sonne recht milde scheint und keine Regenwolken am Himmel stehen, wenn es so gut wie ganz still ist, dann springen die Staubbeutel auf, und der Staub fällt heraus, wogt über dem Felde hin und her und fällt auf die Stempel.“
„Ihr seid ja die richtigen Großkaufleute,“ meinte die Lichtnelke.
„Da muß aber eine Menge Staub verlorengehen,“ sagte die Nachtviole.
„Allerdings,“ flüsterte der Roggenhalm. „Aberdamit rechnen wir von vornherein, wir haben genug Staub zur Verfügung. Morgen fängt die Sache an... gebt acht, dann steht eine ganze Wolke über dem Felde.“
„Morgen ist unser Laden geschlossen,“ erklärte die Lichtnelke. „Wir müssen dir also auf dein Wort glauben.“
„Schade, daß der Buchfink nicht da ist,“ sagte die Nachtviole. „Er war so neugierig... hier hätt’ er was erfahren können!“
In dieser Nacht sprachen die Nachtblumen nicht mehr miteinander, sondern sie sangen ihre Lieder und besorgten ihre Honigläden; der Dämmerungsfalter und der Nachtfalter flogen hin und her. Der Roggen aber wogte und flüsterte.
Als der Morgen graute, schlossen die Nachtviole und die Lichtnelke ihre Blüten und schützten sich, so gut sie konnten. Und die Sonne ging auf, und ihre Strahlen pochten an die Türen der wilden Tagblumen.
„Heraus mit euch, ihr Siebenschläfer!“ riefen die Strahlen.
Und die wilde Rose an der Hecke und der Löwenzahn am Grabenrande, das Leinkraut, die Butterblume, die wilde Möhre und alle die anderen bekamen Tau in die Augen, und ihre Blüten entfalteten sich. Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlinge kamen hervor und summten in der Luft. Die Blumen dufteten und leuchteten, und der Markt war in vollem Gange.
*
Umpflügen
Es wurde Herbst, und an der Hecke, wo die wilde Rose stand, sah es ganz anders aus als früher.
Es waren fast keine Blumen mehr da. Das heißt, sie waren da, aber sie blühten nicht mehr. Statt der gelben, roten, blauen und weißen Blumenblätter trugen sie jetzt graue und braune Früchte. Darin lagen die Samen und warteten auf die Zeit, da sie ganz reif sein und in die Welt hinaus wandern würden.
Es gab auch keine Schmetterlinge mehr, keine Bienen und Hummeln und nur sehr wenige Fliegen; diejenigen, die noch vorhanden waren, hatten matte Beine und Flügel. Der Roggen auf dem Felde war gemäht und in die Scheune eingebracht — die ganze Million Roggenhalme war verschwunden. Der Bauer war damit beschäftigt, das Stoppelfeld umzupflügen, und seinem Pfluge folgten schwarze Saatkrähen und weiße Möwen, die schrien und mit den Flügeln um sich schlugen, während sie die Larven aus der Erde hervorzupften.
Da kamen eines Tages die drei Studenten wieder des Weges, aber diesmal in umgekehrter Richtung, denn die Ferien waren vorbei, und es ging wieder an die Arbeit.
Oben auf dem Hügel, wo die wilde Rose stand, machten sie halt wie das letztemal. Sie bohrten die Stöcke in die Erde, hängten aber die Mützen nicht daran, denn es war windig und kalt. Sie nahmen auch keinen Schluck aus ihren Feldflaschen, denn sie waren leer.
Aber der, der damals die Rede gehalten hatte, sprach wieder ein paar Worte, und dabei streckte er den Ringfinger seiner rechten Hand in die Luft und hieß die Kameraden dasselbe tun.
Und an jedem der drei Finger saß ein schöner,glatter, goldener Ring. Denn die drei Studenten hatten sich alle drei in den Ferien verlobt.
„Es ist aus, Kameraden!“ sagte der erste. „Die gute Zeit ist vorüber, der Student muß zu den dicken, greulichen Büchern zurück, muß ochsen vom Morgen bis zum Abend. Die Blumen wissen’s und trauern mit uns. Seht euch um... all das ist weg, worüber wir uns so freuten, als wir das letztemal hier standen! Der Roggen ist vom Felde verschwunden, die Rose von der Hecke und der Wein aus der Flasche. Die Blumen sind verwelkt, der Sommer ist zu Ende! Habt Dank, ihr wilden Blumen, weil ihr’s dem Studenten erleichtert, die Nase wieder in die Bücher zu stecken. Ständest du noch duftend an der Hecke, du wilde Rose, so wäre es uns ja ganz unmöglich, in die dumpfe Stadt zurückzukehren. Habt alle Dank, weil ihr für den Studenten geblüht habt und für ihn verwelkt seid!... Vorwärts, Marsch!“
Abschied der Studenten
Und die Studenten ergriffen ihre Stöcke und zogen weiter. Aus der Ferne noch erscholl ihr Gesang herüber:
„Grüne Erbsen, grüne Erbsen,grüne Erbsen und Lämmerbraten!Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein —,Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Grüne Erbsen, grüne Erbsen,grüne Erbsen und Lämmerbraten!Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein —,Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Grüne Erbsen, grüne Erbsen,grüne Erbsen und Lämmerbraten!Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein —,Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
„Grüne Erbsen, grüne Erbsen,
grüne Erbsen und Lämmerbraten!
Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein —,
Lämmerbraten kriegst du nicht, Brüderlein!“
Die wilden Blumen lachten vergnügt hinter den Abziehenden her. Aber so laut wie das vorigemal war das Gelächter nicht. Denn alle hatten ja den Kopf voll von Samen, und sie mußten gut acht geben, daß die nicht zu früh abfielen.
„Sie sind unglaublich komisch!“’ sagte die wilde Rose. „Als wir blühten, da war’s um ihretwillen ... und jetzt verwelken wir auch um ihretwillen.Der Wald ist natürlich nur dazu da, damit sie Schatten finden und Brennholz und Spazierstöcke bekommen! Die Quelle rieselt, damit sie etwas zu trinken haben, und die Sonne scheint, damit ihre Verlobungsringe blitzen. Gott behüte, was für eingebildete Tröpfe doch die Menschen sind!“