Der alte Norisso.
Die Indianer haben eine große Vorliebe für rote, wollene Bettdecken. Sie schlafen des Nachts darunter, und am Tage, wenn es kalt ist, wickeln sie sich in diese Decken ein und gehen damit umher. Die weißen Leute, besonders die Regierungsbeamten in Amerika, möchten den Indianern diese Gewohnheit gerne abgewöhnen. Die Indianer sollen Überröcke und Mäntel tragen, wie die weißen Leute. Die Indianer aber wollen nicht. Sie wollen nicht von den roten, wollenen Decken lassen, die sie so lieb haben. Sie haben aber noch einen anderen Gedanken dabei, wenn sie sich in die wollenen Decken einhüllen. Sie wollen nicht sein wie die weißen Leute, sondern Indianer sein und bleiben. Sie wollen etwas anderes sein als die weißen Leute und wollen dies letzteren auch durch die Art, wie sie sich kleiden, zeigen. Darum ärgern sich viele weiße Leute über die Indianer. Sie vergessen ganz, daß sie ihnen das vormachen.
Besonders in den Regierungsschulen für Indianerkinder wird darauf hingearbeitet, daß die Kleinen sich kleiden lernen, wie die Weißen. Es hilft aber nur in sehr wenigen Fällen. Wenn sie aus den Schulen entlassen werden und zuden Hütten ihrer Eltern zurückkehren, leben und kleiden sie sich in der Regel sofort wieder so, wie die Alten. Die Mädchen machen sich die bunten weiten Kleider, die Jungen hängen sich Perlen, Federn und Silberstücke an Hals, Arme und Hut, und alle greifen zu der Wolldecke, um sich hineinzuhüllen, wenn kalte Tage kommen. Sie gehen ganz unbekümmert um das Gelächter und Gespött der weißen Leute mit ihren Wolldecken in die Städte, in die Kaufläden — kurz, überallhin. Den weißen Mann ärgert das, aber der Indianer kümmert sich nicht darum. Es ist ihm eine Freude und eine Genugtuung, zeigen zu können, daß er ein Indianer ist und bleibt.
Der alte Norisso hatte ein kleines Mädchen namens Nauchtlidolga. Als Nauchtlidolga sechs Jahre alt war, kam ein Polizist in seine Hütte und sagte ihm, sein Kind sei jetzt alt genug, es müsse in die Schule geschickt werden. Die Schule, dahin das Kind gebracht werden sollte, war eine Kostschule, in der die Kinder alles, was sie brauchen, auf Kosten der Regierung erhalten. Die Kinder werden gekleidet und gespeist; erhalten Bücher und Spielzeug; schlafen in guten, weichen, warmen Betten, wohnen in hellen, geräumigen, schön eingerichteten Räumen. Es ist alles so gut, wie man es sich nur denken und wünschen kann. Die Indianerkinder aber wollen nicht in diese Kostschulen. Sie wollen daheim bei ihren Eltern bleiben. Sie essen lieberdas kümmerliche Brot, das die Mutter backt, schlafen lieber auf den schmutzigen Decken, die auf dem harten Erdboden liegen, tragen lieber die ärmlichen Kleider, die der Vater kaufen kann, wenn sie nur daheim bleiben können.
Aber gegen Macht und Gewalt kann ein armer Indianer nichts ausrichten. Der Indianerpolizist nahm die kleine Nauchtlidolga auf sein Pferd und ritt mit ihr davon.
In der Schule mußte das Kind zuerst seinen schönen Namen hergeben. Die Regierungsangestellten sind der Meinung, daß man so einen Indianernamen garnicht aussprechen könne. Daher erhalten alle Kinder, wenn sie in die Schule kommen, einen neuen, sogenannten zivilisierten Namen. Nauchtlidolga wurde als Lucile in die Register des großen Schulbuches eingetragen.
Lucile wurde bald der Liebling der sämtlichen Lehrerinnen an der großen Schule. Sie war ein sehr hübsches Kind und ein kluges obendrein. Lehrerinnen haben kluge und hübsche Kinder in der Regel sehr gern. Lucile war aber auch lieb und freundlich, gesprächig und lernbegierig. Es war kein Wunder, daß sie bald von jedermann geliebt wurde.
Die größte Liebe aber hegte ihr alter Vater zu ihr. Lucile war das einzige Kind seiner vierten Frau. Diese lag bereits unter der Erde, wie auch die drei, die er vorher gehabt hatte. Auch alleKinder, die er gehabt hatte, waren nicht mehr am Leben. Der alte Mann hatte nur noch seine kleine Lucile. Diese war die Freude und der Trost seines Alters. O, mit welch schwerem Herzen sah er das Kind scheiden! Ein Indianer weint selten. Als aber sein letztes Kind mit dem Polizisten davongeritten war, hatte Norisso mit hellen Tränen in den alten Augen vor seiner Hütte gestanden und den beiden nachgeschaut. Es war ihm zu Mute, als werde das Kind nie wieder neben ihm am Feuer sitzen, nie wieder mit ihm in der Abenddämmerung plaudern, nie wieder mit ihm von seinem Teller essen und aus seinem Becher trinken.
Drei Monate war das Kind in der Schule, dann wurde es krank. Der Arzt erklärte, es habe die Schwindsucht und müsse sterben. So wurde Lucile in das Hospital gebracht.
Es sterben so viele Kinder, die in die großen Indianerschulen kommen. Sie können nicht vertragen, in Häusern zu leben. Sie sind an das Leben in der frischen freien Luft gewöhnt. In den Häusern werden sie schwindsüchtig und siechen dahin wie Vögel, die man einfängt und in einen Käfig steckt. Es ist ein großes Sterben unter den Indianerkindern, denen der weiße Mann, um sie zu erziehen, den blauen Himmel und die goldene Sonne raubt und ihnen dafür die düsteren Schulräume gibt. So packte die böse Schwindsucht auch die zarte kleine Lucile.
Dem alten Norisso wurde die Nachricht gebracht, daß sein Kind krank sei und im Hospital liege. Es wurde ihm nicht gesagt, daß es mit dem Kinde zum Sterben gehe, aber als der alte Mann es zum ersten Male besuchte, merkte er, daß es sehr krank war, und sein Herz zitterte und bangte um seinen Liebling. Sieben Meilen war Norissos armselige Sträucherhütte von der großen Schule entfernt, und jeden Morgen und jeden Abend machte der alte Mann den weiten Weg, um nach seinem Kinde zu fragen und es zu besuchen.
Wenn Norisso kam, sagte er: „Ich will das kleine kranke Mädchen sehen. Ich bin ihr Vater, müßt ihr wissen. Ich muß sie sehen.“ Dann wurde er an das Krankenbett geführt. Es war eigentlich gegen die Regel, daß ein Anverwandter eines kranken Kindes so oft kommen durfte, um eine Kranke zu besuchen. Mit dem alten Norisso wurde aber eine Ausnahme gemacht. Jedesmal, wenn er kam, sprach er die obigen Worte, als hätte er sie auswendig gelernt, aber in einem Ton, daß niemand es gewagt hätte, ihm seine Bitte abzuschlagen. Vor seinem „Ich bin ihr Vater, ich muß sie sehen“ beugten sich selbst die strengen Anstaltsregeln.
Norisso kam nie mit leeren Händen. Er brachte immer etwas mit, um sein Kind zu erfreuen. Es waren oft recht wundersame Dinge, die seine Liebe zu dem Kinde ihn hatte suchen und finden lassen. Norisso war ein armer, sehr armer Mann. Er konnte nicht in ein Geschäft gehenund kaufen, was er seinem Kinde gern gegeben hätte, aber die Liebe ist erfinderisch, und Lucile war über nichts so froh als über das, was ihr der Vater brachte. Zuweilen kam auch eine der Lehrerinnen und besuchte die kranke Lucile. Die kam dann auch nicht mit leeren Händen, aber die Dinge, die die Lehrerinnen brachten, waren nichts gegen das, was der alte Vater brachte. Der alte Norisso zog bunte Steine, bunte Lumpen, bunte Blumen, bunte Papierstückchen aus der Tasche. O, wie dann die Augen des Kindes leuchteten, wie sie die alten Hände des Vaters streichelte, wie sie sogleich anfing, mit den mitgebrachten Dingen zu spielen!
Die Wärterinnen waren meistens sehr ungehalten über all den Unrat, wie sie die Gaben nannten, die Norisso dieser auf die schönen reinen Bettdecken ausbreitete, aber sie mochten die Freude des Kindes nicht stören.
Eines Tages kam der Alte mit einem jungen Hunde. Lucile hatte Hunde so lieb, wie überhaupt alle Tiere. Das ging aber doch nicht. Norisso durfte den kleinen Hund garnicht mit ins Haus nehmen, nicht einmal zeigen durfte er ihn dem Kinde. Er mußte ihn draußen lassen und ihn, nachdem er die Kleine besucht hatte, wieder mit nach Hause nehmen.
Der Alte wußte sich aber zu helfen. Am nächsten Tage kam er und hatte ein totes Eichkätzchen in seiner Tasche. Das gab er dem Kinde. Die Freude undder Jubel der kranken Lucile waren so groß, daß die Wärterin sich nicht entschließen konnte, der Kleinen das tote Tier wegzunehmen. Erst als Lucile am Abend mit dem Eichkätzchen im Arm eingeschlafen war, nahm ihr die Wärterin das geliebte Geschenk des Vaters heimlich fort und schaffte es beiseite. Lucile meinte am nächsten Morgen, das Tierchen sei über Nacht wieder lebendig geworden und durch das offenstehende Fenster davongelaufen, freute sich darüber und gönnte dem Tier die wiedergewonnene Freiheit und das Leben. Lucile erzählte dem Vater, als er kam, was nach ihrer Meinung mit dem Eichkätzchen vorgegangen war. Der Alte wußte es natürlich besser, sagte aber nichts, sondern ließ das Kind bei seinem Glauben. Als aber gleich darauf eine der Wärterinnen durch den großen Saal ging, schaute er derselben sehr unwillig nach und ballte die Faust. Lucile merkte nichts davon, sie war heute sehr müde und hielt die großen schwarzen Augen fast immer geschlossen, was sie sonst nie tat, wenn der Vater bei ihr war.
Einige Tage später hieß es eines Morgens: „Lucile ist tot, heute Nacht ist sie gestorben.“
Als der alte Norisso kam und sein gewohntes: „Ich bin ihr Vater, ich muß sie sehen“ sagte, führte man den alten Mann zur Leiche seines letzten Kindes.
Sein Schmerz läßt sich nicht beschreiben. Sein Letztes, sein Alles war ihm genommen.Nun hatte er nichts mehr auf dieser Welt. Dazu war Norisso ein Heide. Er gehörte zu den Leuten, die keine Hoffnung haben. Er wußte nichts von Dem, der dem Tode die Macht genommen und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat. Von einer Auferstehung der Toten, einem ewigen seligen Leben, einem Wiedersehen und Wiederfinden bei Gott im Himmel hatte er noch nie gehört. Trostlos stand er an der Leiche seines Kindes und starrte dieselbe an. Es kam keine Träne in seine Augen, aber er zitterte und bebte am ganzen Leibe. Den Wärterinnen wurde ganz bange zu Mute in seiner Gegenwart, und als Norisso gar keine Anstalten machte, fortzugehen, riefen sie den Herrn Superintendenten der Schule, damit er dem Manne sage, daß er nun wieder gehen müsse. Sie hätten ihm das aber ganz getrost selber sagen können. Sobald Norisso hörte, daß er nun gehen solle, ging er. Es wurde ihm auch noch mitgeteilt, daß Lucile am nächsten Tage beerdigt werde, und daß er dem Begräbnis beiwohnen solle. Er nickte mit dem Kopfe und ging.
Am nächsten Tage wurde denn Lucile beerdigt. Man kann in dem heißen Arizona eine Leiche nicht lange stehen haben, besonders in einer Schule muß sie so schnell wie möglich beiseite geschafft werden.
Der alte Norisso kam schon zu früher Stunde. Er war in eine ganz neue wollene Decke gehüllt.Niemand wußte, wo der arme Mann das Geld mochte hergenommen haben, sich diese Decke zu kaufen. Wer aber auf seine Hand geblickt hätte, hätte den breiten goldenen Ring vermißt, den Norisso viele, viele Jahre beständig getragen hatte. Norisso hatte diesen Ring gestern verkauft und für den Erlös die neue Wolldecke erstanden.
Es war alles sehr schön. Die sämtlichen Schulkinder, über dreihundert an der Zahl, gingen mit zur Beerdigung. Auch der Herr Superintendent war erschienen, seine Frau und alle die vielen Angestellten der großen Schule waren zugegen. Man hatte sogar einen Prediger aus der nächsten Stadt kommen lassen. Dafür hatte eine der Lehrerinnen gesorgt, die ein frommes Herz besaß und die kleine Lucile in ihrer Klasse gehabt hatte. Aus der Stadt war auch der hübsche weiße Sarg gekommen. Die Kiste aber, in die der Sarg gestellt werden sollte, ehe er in die Grube hinabgelassen wurde, hatten die großen Jungen unter Anleitung ihres Lehrers in der Schreinerschule gemacht. Die Jungen hatten diese Kiste sehr schön gemacht. Die Bretter waren glatt gehobelt und alle sauber und genau zusammengesetzt. Der Herr Superintendent sprach dem Schreinerlehrer einige anerkennende Worte über die Arbeit aus. Es war kurz zuvor der Sarg in die Grube hinabgelassen worden. Einige der andern Angestellten hörten diese Worte und beneideten den Schreinerlehrer um das Lob, das ihm gezollt wurde.
S. 89.Zwei von ihnen hatten jeder zwei Kinder, der eine sogar ihrer drei.
S. 89.
Zwei von ihnen hatten jeder zwei Kinder, der eine sogar ihrer drei.
Der Prediger hatte die letzten Worte seiner Rede und darauf ein Gebet gesprochen; die dreihundert Schulkinder sangen ein Lied, und dann wurde der Sarg noch einmal geöffnet, damit der Vater einen letzten Blick auf sein Kind werfen konnte. Da lag nun die Leiche vor ihm. Sie sah garnicht aus, als wenn sie sein Kind, als wenn sie ein Indianerkind wäre. Lucile war in ein feines weißes Spitzenkleidchen gekleidet. An den Beinen hatte sie weiße Strümpfe und weiße Schuhe an den Füßen. Ein Kranz von künstlichen weißen Blumen lag auf ihrem schwarzen Haar. Der Kranz war so breit und dick, daß von den Haaren fast nichts zu sehen war. Der Alte rührte sich nicht und kein Laut kam über seine Lippen. Der Sarg wurde wieder geschlossen, dann in die Kiste gestellt; diese wurde ebenfalls geschlossen, und dann mit dem schönen Sarg in die Grube hinabgelassen.
Da stand nun letzterer in der dunkeln, kalten Erde, ganz allein, und die tote Lucile lag darin. In seine neue wollene Decke gehüllt, stand der alte Norisso am Grabesrande und schaute zu seinem Kinde hinab. Dicke große Tränen rollten dem Alten die braunen Wangen hinab. Er murmelte etwas vor sich hin, aber niemand konnte verstehen, was er sagte. Es schien auch nicht für die Ohren anderer Leute bestimmt zu sein, vielleicht für die der kleinen Lucile, die in der Ewigkeit weilte.
Der Herr Supenintendent gab den größerenSchulknaben ein Zeichen, daß sie das Grab zuschaufeln sollten. Die Jungen ergriffen die bereitstehenden Spaten und begannen die ihnen angewiesene Arbeit. Dumpf dröhnend fiel der erste Spatenstich Erde auf den Sargkasten.
Der alte Norisso fuhr zusammen. Er warf die wollene Decke von sich, riß den Jungen die Spaten aus den Händen und schleuderte sie fort. „Noch nicht,“ sagte er mit gebieterischer Stimme.
Dann wandte er sich an den Herrn Superintendenten. Dieser sah den alten Indianer mit einer Miene an, als wolle er ihn daran erinnern, wen er vor sich habe. Norisso kümmerte sich nicht darum. Mit einer wahren Donnerstimme schrie er den Superintendenten an: „Noch nicht! Ich bin ihr Vater. Das mußt du wissen.“
Wer den Herrn Superintendenten in diesem Augenblicke sah, konnte merken, wie er zusammenzuckte. Ja, wirklich, er zuckte zusammen unter dem Wort des armen, verachteten Indianers, der doch so tief unter ihnen stand. Warum? Vielleicht kam dem Herrn in diesem Augenblick der Gedanke, daß auch ein Indianer Rechte hat, die sogar ein Regierungsbeamter unter Umständen respektieren muß.
„Noch nicht!“ sagte Norisso zum dritten Male. Der Alte kniete nieder. Er zog die wollene Decke, die er kurz von sich geworfen hatte, zu sich heran,breitete dieselbe auf dem Erdboden neben dem Grabe aus, und kletterte dann in die Grube zu dem Sarge seines Kindes hinab.
Da war niemand, der sich rührte, um ihn in seinem Tun zu hindern.
Der Donner von seinem: „Ich bin ihr Vater, das mußt du wissen,“ rollte noch nach.
Unten in der Grube angelangt, hob der Alte die Sargkiste auf. Er tat es vorsichtig, sehr vorsichtig und langsam, als fürchte er, sein darin schlafendes Kind zu stören. Höher und höher hob er sie bis über den Rand des Grabes. Dann setzte er sie sanft neben dem Grabe nieder.
Hierauf stieg Norisso wieder aus dem Grabe heraus. Es wurde ihm schwer mit seinen müden, steifen, alten Gliedern, aber es ging.
Oben angelangt, nahm er den Sarg und stellte ihn mitten auf die vorher ausgebreitete neue wollene Decke. Hierauf schlug er von den vier Seiten her die Decke über dem Sarg zusammen, ihn auf diese Weise ganz einhüllend.
Nachdem Norisso damit fertig war, kletterte er wieder in das Grab hinab. Unten angelangt, zog er den in die wollene Decke gewickelten Sarg hinter sich her und stellte ihn an seinen alten Platz.
Als der Alte nun aber wieder aus der Gruft heraussteigen wollte, versagten ihm die Kräfte. Erkonnte nicht allein wieder in die Höhe kommen. Mehrere Hände streckten sich aus, um dem alten Manne zu helfen. Unter diesen Händen auch die der frommen, kleinen Lehrerin, die den Herrn Pastor auf ihre Rechnung hatte kommen lassen. Nicht ohne Mühe wurde Norisso wieder aus dem Grabe gezogen.
Wie um Kräfte zu sammeln, setzte der Greis sich einen Augenblick an den Rand des Grabes. Dann stand er auf. Er winkte den Jungen, sie sollten ihre Spaten holen und ihre Arbeit vollenden. Dann wandte er sich ab und ging fort. Er kam aber noch einmal zurück, trat wieder an den Rand des Grabes, deutete mit der Rechten auf den in der Tiefe stehenden Sarg und sagte langsam, jedes seiner Worte scharf betonend: „Sie war eine Indianerin, das sollt ihr wissen. Und ich war ihr Vater, das sollt ihr wissen.“
Dann ging er. Er schaute sich nicht mehr um, aber alle Anwesenden schauten ihm nach. Bald war er ihren Blicken entschwunden.
Auf dem Heimwege sagte einer der Angestellten zu einem der ihn begleitenden Herren: „Ich werde nie wieder über einen Indianer lachen, der in seine wollene Decke eingehüllt geht. Ich habe das oft getan. Ich habe mich auch oft darüber geärgert. Fortan werde ich weder lachen noch mich ärgern, sondern immer an das denken, was ich heute gesehen habe. Ich werde den alten Norisso nicht vergessen, wie er den Sarg, der seinKind barg, aus der Erde holte und ihn in seine wollene Decke wickelte, um uns zu zeigen, wie lieb der Indianer letztere hat und wie viel ihm darum zu tun ist, ein Indianer zu sein und zu bleiben.“
Hätten das noch mehr Leute gesehen, so würden sie nicht mehr lachen und spotten über die wollenen Decken, die die Indianer so hoch schätzen.