Ohne Zepter, ohne Kroneherrsche ich auf dieser Erde,buntes Spiel vor meinem Thronezaubert stets mein Wort: Es werde!Noch zwei Zeichen: Alles wich,Pracht und Buntheit sind verschwunden,und in künftigen dunklen Stundenwerden es auch du und ich.164Aber ändre den Akzent:sieh, schon quillt das Leben wieder,neue Schau und neue Lieder,die man gern mit mir benennt.
Ohne Zepter, ohne Kroneherrsche ich auf dieser Erde,buntes Spiel vor meinem Thronezaubert stets mein Wort: Es werde!
Ohne Zepter, ohne Krone
herrsche ich auf dieser Erde,
buntes Spiel vor meinem Throne
zaubert stets mein Wort: Es werde!
Noch zwei Zeichen: Alles wich,Pracht und Buntheit sind verschwunden,und in künftigen dunklen Stundenwerden es auch du und ich.
Noch zwei Zeichen: Alles wich,
Pracht und Buntheit sind verschwunden,
und in künftigen dunklen Stunden
werden es auch du und ich.
164Aber ändre den Akzent:sieh, schon quillt das Leben wieder,neue Schau und neue Lieder,die man gern mit mir benennt.
164Aber ändre den Akzent:
sieh, schon quillt das Leben wieder,
neue Schau und neue Lieder,
die man gern mit mir benennt.
Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt,ich dring in Haus und Hütte, Schloß und Zelt.Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,sind Geist und Wille durch mich offenbart.Ich schüre Gluten, wirke Herzeleid,tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.Versöhnung bring ich und entfache Streit,zeig manchen töricht, manchen grundgescheit.Doch sitzt du in mir, fühlst du dich geknickt;vielleicht, daß dir durch mich die Rettung glückt.
Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt,ich dring in Haus und Hütte, Schloß und Zelt.
Mein Strom ergießt sich sickernd durch die Welt,
ich dring in Haus und Hütte, Schloß und Zelt.
Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,sind Geist und Wille durch mich offenbart.
Seitdem der Mensch Urkunden aufbewahrt,
sind Geist und Wille durch mich offenbart.
Ich schüre Gluten, wirke Herzeleid,tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.
Ich schüre Gluten, wirke Herzeleid,
tief wird durch mich verdammt und hoch gebenedeit.
Versöhnung bring ich und entfache Streit,zeig manchen töricht, manchen grundgescheit.
Versöhnung bring ich und entfache Streit,
zeig manchen töricht, manchen grundgescheit.
Doch sitzt du in mir, fühlst du dich geknickt;vielleicht, daß dir durch mich die Rettung glückt.
Doch sitzt du in mir, fühlst du dich geknickt;
vielleicht, daß dir durch mich die Rettung glückt.
Ich nähre mich von fremden Stoffen,doch kann auch ohne sie bestehn;ich bin's, auf das die Weisen hoffen,und alle Weiten stehn mir offen,ihr würdet ohne mich vergehn.165Am hellen Tage herrsch ich gerne,doch auch die Nacht ist mir vertraut;ich wohne auf dem kleinsten Sterne,mich schreckt sie nicht, die große Fernedie mich mit Geisterhänden baut.Ich wirke in den Himmelsblitzen,versteckter Tat bin ich verhaßt;wo grübelnd die Gelehrten sitzenund ratlos ob der Lösung schwitzen,bin ich ein hochwillkommner Gast.
Ich nähre mich von fremden Stoffen,doch kann auch ohne sie bestehn;ich bin's, auf das die Weisen hoffen,und alle Weiten stehn mir offen,ihr würdet ohne mich vergehn.
Ich nähre mich von fremden Stoffen,
doch kann auch ohne sie bestehn;
ich bin's, auf das die Weisen hoffen,
und alle Weiten stehn mir offen,
ihr würdet ohne mich vergehn.
165Am hellen Tage herrsch ich gerne,doch auch die Nacht ist mir vertraut;ich wohne auf dem kleinsten Sterne,mich schreckt sie nicht, die große Fernedie mich mit Geisterhänden baut.
165Am hellen Tage herrsch ich gerne,
doch auch die Nacht ist mir vertraut;
ich wohne auf dem kleinsten Sterne,
mich schreckt sie nicht, die große Ferne
die mich mit Geisterhänden baut.
Ich wirke in den Himmelsblitzen,versteckter Tat bin ich verhaßt;wo grübelnd die Gelehrten sitzenund ratlos ob der Lösung schwitzen,bin ich ein hochwillkommner Gast.
Ich wirke in den Himmelsblitzen,
versteckter Tat bin ich verhaßt;
wo grübelnd die Gelehrten sitzen
und ratlos ob der Lösung schwitzen,
bin ich ein hochwillkommner Gast.
In alten Zeitenhat mich der Mensch erdachtund Ordnung mit mirin die Dinge gebracht.Wie nötig bin ichder Wissenschaft,wie zeige ichder Völker Kraft!Wenn ich nicht engihm verbunden wär,wie würde erliegendas tapferste Heer!166Und doch weiß jeder,wie schwach ich bin,denn erst mein Nachbargibt Halt mir und Sinn.
In alten Zeitenhat mich der Mensch erdachtund Ordnung mit mirin die Dinge gebracht.
In alten Zeiten
hat mich der Mensch erdacht
und Ordnung mit mir
in die Dinge gebracht.
Wie nötig bin ichder Wissenschaft,wie zeige ichder Völker Kraft!
Wie nötig bin ich
der Wissenschaft,
wie zeige ich
der Völker Kraft!
Wenn ich nicht engihm verbunden wär,wie würde erliegendas tapferste Heer!
Wenn ich nicht eng
ihm verbunden wär,
wie würde erliegen
das tapferste Heer!
166Und doch weiß jeder,wie schwach ich bin,denn erst mein Nachbargibt Halt mir und Sinn.
166Und doch weiß jeder,
wie schwach ich bin,
denn erst mein Nachbar
gibt Halt mir und Sinn.
Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;mein Leben ging so lind wie Frühlingswellen,und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,eng, doch erbaulich.Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;mein Schaffenswille türmte ohne SchrankenQuadern auf Quadern.Den Künsten schuf ich manche Pflegestätte,ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,und Geist und Arbeit gaben den Bezirkendie feste Kette.Doch Ruh und Frieden mußten weiterziehen;und meine Kinder lassen gern sich lockenvon grünen Wäldern, sanften Herdenglocken,mir zu entfliehen.
Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;mein Leben ging so lind wie Frühlingswellen,und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,eng, doch erbaulich.
Als ich noch klein war, war ich recht beschaulich;
mein Leben ging so lind wie Frühlingswellen,
und zaghaft flossen meines Geistes Quellen,
eng, doch erbaulich.
Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;mein Schaffenswille türmte ohne SchrankenQuadern auf Quadern.
Ich wuchs und wuchs, es schwollen meine Adern,
sie dehnten sich wie meine Machtgedanken;
mein Schaffenswille türmte ohne Schranken
Quadern auf Quadern.
Den Künsten schuf ich manche Pflegestätte,ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,und Geist und Arbeit gaben den Bezirkendie feste Kette.
Den Künsten schuf ich manche Pflegestätte,
ich half der Wissenschaft zu vollem Wirken,
und Geist und Arbeit gaben den Bezirken
die feste Kette.
Doch Ruh und Frieden mußten weiterziehen;und meine Kinder lassen gern sich lockenvon grünen Wäldern, sanften Herdenglocken,mir zu entfliehen.
Doch Ruh und Frieden mußten weiterziehen;
und meine Kinder lassen gern sich locken
von grünen Wäldern, sanften Herdenglocken,
mir zu entfliehen.
Mein erstes Wort, im engen Raum genährt,strebt weit hinaus, daß es die Welt regiere;wir stäken noch im Dämmersinn der Tiere,hätte nicht Gott dem Menschen es gewährt.Mein zweites hat der Kaiser und der König,und ist es auch zumeist; fast jeder strebtes irgendwie zu sein, solang er lebt,und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitzanfeuernd ins Gespräch und ins Gerede,ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.
Mein erstes Wort, im engen Raum genährt,strebt weit hinaus, daß es die Welt regiere;wir stäken noch im Dämmersinn der Tiere,hätte nicht Gott dem Menschen es gewährt.
Mein erstes Wort, im engen Raum genährt,
strebt weit hinaus, daß es die Welt regiere;
wir stäken noch im Dämmersinn der Tiere,
hätte nicht Gott dem Menschen es gewährt.
Mein zweites hat der Kaiser und der König,und ist es auch zumeist; fast jeder strebtes irgendwie zu sein, solang er lebt,und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.
Mein zweites hat der Kaiser und der König,
und ist es auch zumeist; fast jeder strebt
es irgendwie zu sein, solang er lebt,
und wer es ist, dem scheint es oft zu wenig.
Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitzanfeuernd ins Gespräch und ins Gerede,ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.
Der, der das Ganze ist, wirft manchen Blitz
anfeuernd ins Gespräch und ins Gerede,
ein wohlgelittner Schalk selbst in der Fehde;
man lobt den Scharfsinn, freut sich an dem Witz.
Willst du das erste Wort stets sein und handeln,so hast du eine schwere Arbeit vor,so leicht sie scheinen mag; doch stets erkorder Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.Das andre Wort scheint winzig und gering,doch schlummern in ihm unbegrenzte Kräfte;es schwillt und wächst, wenn es die rechten Säfte,die nur Natur verleihen kann, empfing.168Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,Gemeinden oder Ständen zuerkannt,beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,doch schwinden hin im späteren Geschlechte.
Willst du das erste Wort stets sein und handeln,so hast du eine schwere Arbeit vor,so leicht sie scheinen mag; doch stets erkorder Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.
Willst du das erste Wort stets sein und handeln,
so hast du eine schwere Arbeit vor,
so leicht sie scheinen mag; doch stets erkor
der Edle sie, wie auch die Zeiten wandeln.
Das andre Wort scheint winzig und gering,doch schlummern in ihm unbegrenzte Kräfte;es schwillt und wächst, wenn es die rechten Säfte,die nur Natur verleihen kann, empfing.
Das andre Wort scheint winzig und gering,
doch schlummern in ihm unbegrenzte Kräfte;
es schwillt und wächst, wenn es die rechten Säfte,
die nur Natur verleihen kann, empfing.
168Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,Gemeinden oder Ständen zuerkannt,beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,doch schwinden hin im späteren Geschlechte.
168Vereint die Worte: altverbriefte Rechte,
Gemeinden oder Ständen zuerkannt,
beherrschten sie vor Zeiten Stadt und Land,
doch schwinden hin im späteren Geschlechte.
Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zoneflieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Thronebahn ich den Weg mir aus der engen Zelle,in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle.Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater,bin ich—ich sag es stolz—der größten Taten Vater.Ein neues Wort schließ an: Es ist des Künstlers Ziel,dir zu vermitteln fremder Geister Spiel,das er mit seinem Lebensblute tränktund eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher?Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wär.Vereine beide Worte: Welch ein Wissenvon Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissenstehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,die unsrer Seele dunkle Träume bringen,und fühlen scheu des Geistes Doppelwesen.Du großes Rätsel, wer wird je dich lösen?
Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zoneflieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Thronebahn ich den Weg mir aus der engen Zelle,in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle.Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater,bin ich—ich sag es stolz—der größten Taten Vater.
Mein Reich ist unbegrenzt; bis in die fernste Zone
flieg ich hinaus. Selbst hin zu Gottes Throne
bahn ich den Weg mir aus der engen Zelle,
in der ich ward. Ich liebe Klarheit, Helle.
Dem Willen beigesellt, der Kind mir und Berater,
bin ich—ich sag es stolz—der größten Taten Vater.
Ein neues Wort schließ an: Es ist des Künstlers Ziel,dir zu vermitteln fremder Geister Spiel,das er mit seinem Lebensblute tränktund eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher?Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wär.
Ein neues Wort schließ an: Es ist des Künstlers Ziel,
dir zu vermitteln fremder Geister Spiel,
das er mit seinem Lebensblute tränkt
und eigne Kraft den fremden Seelen schenkt.
Erschrocken sieht's der Arzt, fragt: wie? woher?
Manch Leben bliebe heil, wenn ich nicht wär.
Vereine beide Worte: Welch ein Wissenvon Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissenstehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,die unsrer Seele dunkle Träume bringen,und fühlen scheu des Geistes Doppelwesen.Du großes Rätsel, wer wird je dich lösen?
Vereine beide Worte: Welch ein Wissen
von Mensch zu Mensch! In fremdes Sein gerissen
stehn wir vor unbegreiflich zarten Dingen,
die unsrer Seele dunkle Träume bringen,
und fühlen scheu des Geistes Doppelwesen.
Du großes Rätsel, wer wird je dich lösen?
169Polterabendgedicht
(mit einer Schlüssel-Atrappe)
Ich bin eine kleine Sternschnuppeund rutschte herab vom Himmelund fiel aus der großen Milchstraßegrad hier in das Gewimmel.Verwundert fragt' ich die Leute:Wo kommt ihr denn alle her?Da sagten sie mir, daß heutehier Polterabend wär.Die Ehen schließt man im Himmel,und Donnergepolter gibt's auch;da bin ich ja wie zu Hauseund bring meine Gabe auch.Nehmt hier den Zauberschlüssel,vom Sirius bracht ich ihn mitin meiner Sternentasche,als ich herunter glitt.Stets häng er zu euern Häupten,und zieht es euch hinauf,schließt er zu jeder Stundeden ganzen Himmel auf.
Ich bin eine kleine Sternschnuppeund rutschte herab vom Himmelund fiel aus der großen Milchstraßegrad hier in das Gewimmel.Verwundert fragt' ich die Leute:Wo kommt ihr denn alle her?Da sagten sie mir, daß heutehier Polterabend wär.Die Ehen schließt man im Himmel,und Donnergepolter gibt's auch;da bin ich ja wie zu Hauseund bring meine Gabe auch.Nehmt hier den Zauberschlüssel,vom Sirius bracht ich ihn mitin meiner Sternentasche,als ich herunter glitt.Stets häng er zu euern Häupten,und zieht es euch hinauf,schließt er zu jeder Stundeden ganzen Himmel auf.
Ich bin eine kleine Sternschnuppe
und rutschte herab vom Himmel
und fiel aus der großen Milchstraße
grad hier in das Gewimmel.
Verwundert fragt' ich die Leute:
Wo kommt ihr denn alle her?
Da sagten sie mir, daß heute
hier Polterabend wär.
Die Ehen schließt man im Himmel,
und Donnergepolter gibt's auch;
da bin ich ja wie zu Hause
und bring meine Gabe auch.
Nehmt hier den Zauberschlüssel,
vom Sirius bracht ich ihn mit
in meiner Sternentasche,
als ich herunter glitt.
Stets häng er zu euern Häupten,
und zieht es euch hinauf,
schließt er zu jeder Stunde
den ganzen Himmel auf.
170Hochzeitsgedicht
(mit einem Frühlingsblumenstrauß)
Maienkönig schickt mich her,sagte, daß hier Hochzeit wär,sollt fein gratulieren;suchte einen vollen Straußallerschönster Blüten aus,euer Haus zu zieren.Himmelschlüssel, goldig, zart,Blumen von besondrer Art,schickt er euch mit Grüßen.Seht, sie leuchten sonnengleich;Liebe heißt das Himmelreich,das sie euch erschließen.Dieses blaue Sternchen sprichtfrommen Sinns: Vergiß-mein-nicht,vergiß mir nicht die Treue!Treue, die zu Liebe steht,ist so stark wie ein Gebet,tröstet stets aufs neue.Hier Narzissen. Weiß und rein,ohne Makel sollt ihr sein,hütet Sinn und Herzen!171Seht der Unschuld klares Bild;wer an ihm sich stärkt und stillt,trägt leicht Not und Schmerzen.Nehmt hin, was der Mai geschickt,nehmt den Strauß und seid beglücktfür ein langes Leben!Unverwelklich blüh er fort,tief in eurer Seele Hortglühe göttlich Streben!
Maienkönig schickt mich her,sagte, daß hier Hochzeit wär,sollt fein gratulieren;suchte einen vollen Straußallerschönster Blüten aus,euer Haus zu zieren.
Maienkönig schickt mich her,
sagte, daß hier Hochzeit wär,
sollt fein gratulieren;
suchte einen vollen Strauß
allerschönster Blüten aus,
euer Haus zu zieren.
Himmelschlüssel, goldig, zart,Blumen von besondrer Art,schickt er euch mit Grüßen.Seht, sie leuchten sonnengleich;Liebe heißt das Himmelreich,das sie euch erschließen.
Himmelschlüssel, goldig, zart,
Blumen von besondrer Art,
schickt er euch mit Grüßen.
Seht, sie leuchten sonnengleich;
Liebe heißt das Himmelreich,
das sie euch erschließen.
Dieses blaue Sternchen sprichtfrommen Sinns: Vergiß-mein-nicht,vergiß mir nicht die Treue!Treue, die zu Liebe steht,ist so stark wie ein Gebet,tröstet stets aufs neue.
Dieses blaue Sternchen spricht
frommen Sinns: Vergiß-mein-nicht,
vergiß mir nicht die Treue!
Treue, die zu Liebe steht,
ist so stark wie ein Gebet,
tröstet stets aufs neue.
Hier Narzissen. Weiß und rein,ohne Makel sollt ihr sein,hütet Sinn und Herzen!171Seht der Unschuld klares Bild;wer an ihm sich stärkt und stillt,trägt leicht Not und Schmerzen.
Hier Narzissen. Weiß und rein,
ohne Makel sollt ihr sein,
hütet Sinn und Herzen!
171Seht der Unschuld klares Bild;
wer an ihm sich stärkt und stillt,
trägt leicht Not und Schmerzen.
Nehmt hin, was der Mai geschickt,nehmt den Strauß und seid beglücktfür ein langes Leben!Unverwelklich blüh er fort,tief in eurer Seele Hortglühe göttlich Streben!
Nehmt hin, was der Mai geschickt,
nehmt den Strauß und seid beglückt
für ein langes Leben!
Unverwelklich blüh er fort,
tief in eurer Seele Hort
glühe göttlich Streben!
(tritt in grauem Mantel ein)
Grüß Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr,das immer ist und immer war,das immer kommt und immer gehtund niemals zaudernd stille steht,das mit geheimem Pendelschlagdie Weltuhr regelt Tag für Tag.Die Würfel werf ich: Leben und Tod,Glück oder Unglück, Heil oder Not—sie fallen gewichtig und ordnen die Welt,einem Höheren unterstellt.Zwölf Kinder hab ich zur Welt gebracht,172sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht;sie ziehen gestaltend durch die Welt,eins mir immer zugesellt,während die andern harren und ruhnzu neuer Arbeit, zu frischem Tun.Nur heute an meinem Geburtstag sindsie alle gekommen, aus Regen und Wind,aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Höhn,ihre alte Mutter wiederzusehn.Herein, meine Söhne, ein Kompliment,und sagt den Leuten, was ihr könnt!
Grüß Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr,das immer ist und immer war,das immer kommt und immer gehtund niemals zaudernd stille steht,das mit geheimem Pendelschlagdie Weltuhr regelt Tag für Tag.Die Würfel werf ich: Leben und Tod,Glück oder Unglück, Heil oder Not—sie fallen gewichtig und ordnen die Welt,einem Höheren unterstellt.Zwölf Kinder hab ich zur Welt gebracht,172sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht;sie ziehen gestaltend durch die Welt,eins mir immer zugesellt,während die andern harren und ruhnzu neuer Arbeit, zu frischem Tun.Nur heute an meinem Geburtstag sindsie alle gekommen, aus Regen und Wind,aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Höhn,ihre alte Mutter wiederzusehn.Herein, meine Söhne, ein Kompliment,und sagt den Leuten, was ihr könnt!
Grüß Gott, ihr Leute, ich bin das Jahr,
das immer ist und immer war,
das immer kommt und immer geht
und niemals zaudernd stille steht,
das mit geheimem Pendelschlag
die Weltuhr regelt Tag für Tag.
Die Würfel werf ich: Leben und Tod,
Glück oder Unglück, Heil oder Not—
sie fallen gewichtig und ordnen die Welt,
einem Höheren unterstellt.
Zwölf Kinder hab ich zur Welt gebracht,
172sie gleichen sich wenig, doch jedes hat Macht;
sie ziehen gestaltend durch die Welt,
eins mir immer zugesellt,
während die andern harren und ruhn
zu neuer Arbeit, zu frischem Tun.
Nur heute an meinem Geburtstag sind
sie alle gekommen, aus Regen und Wind,
aus Sonne und Nebel, aus Tiefen und Höhn,
ihre alte Mutter wiederzusehn.
Herein, meine Söhne, ein Kompliment,
und sagt den Leuten, was ihr könnt!
(in dickem Pelz, mit Schlittschuhen und Schellen)
Grüß Gott! Ich bin der Januar,voll Schnee und Eis hängt Bart und Haar;der Vetter Nordwind versteht das Blasen,steif sind die Ohren, rot die Nasen.Zugefroren ist See und Fluß;rasch den Schlittschuh unter den Fuß!Die Eisen gleitendurch blitzende Weitenin Bogen und Zacken,das gibt rote Backen!173Hört ihr das Schellengeläut? Meine Gästesausen durch Schnee und Rauhreifgeäste.
Grüß Gott! Ich bin der Januar,voll Schnee und Eis hängt Bart und Haar;der Vetter Nordwind versteht das Blasen,steif sind die Ohren, rot die Nasen.Zugefroren ist See und Fluß;rasch den Schlittschuh unter den Fuß!Die Eisen gleitendurch blitzende Weitenin Bogen und Zacken,das gibt rote Backen!173Hört ihr das Schellengeläut? Meine Gästesausen durch Schnee und Rauhreifgeäste.
Grüß Gott! Ich bin der Januar,
voll Schnee und Eis hängt Bart und Haar;
der Vetter Nordwind versteht das Blasen,
steif sind die Ohren, rot die Nasen.
Zugefroren ist See und Fluß;
rasch den Schlittschuh unter den Fuß!
Die Eisen gleiten
durch blitzende Weiten
in Bogen und Zacken,
das gibt rote Backen!
173Hört ihr das Schellengeläut? Meine Gäste
sausen durch Schnee und Rauhreifgeäste.
(in Karnevalskostüm mit Pritsche)
Grüß Gott! Ich heiße Februar,gleiche dem Bruder fast aufs Haar,nur trage ich gern ein Maskenröckchen,an meiner Kappe klingeln Glöckchen.Weil ich im Spiel und Tanzen tüchtig,schelten sie mich vergnügungssüchtig,spotten und lachen hinter mir her,weil ich zu kurz geraten wär,rufen: "Prinz Karneval,Narren gibt's überall!"Doch meinen Punsch und Pfannekuchenmöchten Narren wie Weise versuchen.
Grüß Gott! Ich heiße Februar,gleiche dem Bruder fast aufs Haar,nur trage ich gern ein Maskenröckchen,an meiner Kappe klingeln Glöckchen.Weil ich im Spiel und Tanzen tüchtig,schelten sie mich vergnügungssüchtig,spotten und lachen hinter mir her,weil ich zu kurz geraten wär,rufen: "Prinz Karneval,Narren gibt's überall!"Doch meinen Punsch und Pfannekuchenmöchten Narren wie Weise versuchen.
Grüß Gott! Ich heiße Februar,
gleiche dem Bruder fast aufs Haar,
nur trage ich gern ein Maskenröckchen,
an meiner Kappe klingeln Glöckchen.
Weil ich im Spiel und Tanzen tüchtig,
schelten sie mich vergnügungssüchtig,
spotten und lachen hinter mir her,
weil ich zu kurz geraten wär,
rufen: "Prinz Karneval,
Narren gibt's überall!"
Doch meinen Punsch und Pfannekuchen
möchten Narren wie Weise versuchen.
(in Landstreichertracht, mit einem Veilchensträußchen)
Grüß Gott! Ich bin der Bruder März,ich habe ein wildes, stürmisches Herz.Kann mich nicht mit den Brüdern vertragen,puste ihnen den Schnee vom Kragen.Säubre die Wälder,fege die Felder,174tu aus der Seele das Kalte hassen,muß es doch oft mir gefallen lassen;aber bin ich erst König ein Weilchen,grüßt ihr mit mir die ersten Veilchen,seht ihr die Spitzen an Sträuchern und Bäumen,die selig von künftger Entfaltung träumen.
Grüß Gott! Ich bin der Bruder März,ich habe ein wildes, stürmisches Herz.Kann mich nicht mit den Brüdern vertragen,puste ihnen den Schnee vom Kragen.Säubre die Wälder,fege die Felder,174tu aus der Seele das Kalte hassen,muß es doch oft mir gefallen lassen;aber bin ich erst König ein Weilchen,grüßt ihr mit mir die ersten Veilchen,seht ihr die Spitzen an Sträuchern und Bäumen,die selig von künftger Entfaltung träumen.
Grüß Gott! Ich bin der Bruder März,
ich habe ein wildes, stürmisches Herz.
Kann mich nicht mit den Brüdern vertragen,
puste ihnen den Schnee vom Kragen.
Säubre die Wälder,
fege die Felder,
174tu aus der Seele das Kalte hassen,
muß es doch oft mir gefallen lassen;
aber bin ich erst König ein Weilchen,
grüßt ihr mit mir die ersten Veilchen,
seht ihr die Spitzen an Sträuchern und Bäumen,
die selig von künftger Entfaltung träumen.
(in Wandervogeltracht mit Zupfgeige)
Grüß Gott! Ich bin der lustge April,der immer tut, was er grade will.Mal liebe ich's naß, mal liebe ich's trocken,die Zugvögel tu ich nach Hause locken.Schneewassergüsseschwellen die Flüsse,ich aber streif durch den Wiesengrund,öffne der Obstblüte lieblichen Mundund nicke den närrischen Träumern zu;mit denen steh ich auf du und du,schicktsie nur immer! ich lehre sie lachenund sich aus den Plagen der Welt nichts machen.
Grüß Gott! Ich bin der lustge April,der immer tut, was er grade will.Mal liebe ich's naß, mal liebe ich's trocken,die Zugvögel tu ich nach Hause locken.Schneewassergüsseschwellen die Flüsse,ich aber streif durch den Wiesengrund,öffne der Obstblüte lieblichen Mundund nicke den närrischen Träumern zu;mit denen steh ich auf du und du,schicktsie nur immer! ich lehre sie lachenund sich aus den Plagen der Welt nichts machen.
Grüß Gott! Ich bin der lustge April,
der immer tut, was er grade will.
Mal liebe ich's naß, mal liebe ich's trocken,
die Zugvögel tu ich nach Hause locken.
Schneewassergüsse
schwellen die Flüsse,
ich aber streif durch den Wiesengrund,
öffne der Obstblüte lieblichen Mund
und nicke den närrischen Träumern zu;
mit denen steh ich auf du und du,
schicktsie nur immer! ich lehre sie lachen
und sich aus den Plagen der Welt nichts machen.
(in Bauerntracht mit Maiglöckchenstrauß)
Grüß Gott! Der Mai darf kaum noch wagen,Besondres von sich auszusagen.175Ich schäme mich wirklich; bin so bekanntwie ein bunter Pudel rings im Land.Diese sammetlockigen teutschen Tichter,hol der Kuckuck das Reimgelichter:"—der süße Mai,der entzückende Mai,der blütenbekränzte, der himmlische Mai—"mir wird ganz blümerant dabei,denk ich an all die Dudelei.Die Kinder lob ich; das lärmt und lachtund feiert ganz ungereimt meine Pracht.
Grüß Gott! Der Mai darf kaum noch wagen,Besondres von sich auszusagen.175Ich schäme mich wirklich; bin so bekanntwie ein bunter Pudel rings im Land.Diese sammetlockigen teutschen Tichter,hol der Kuckuck das Reimgelichter:"—der süße Mai,der entzückende Mai,der blütenbekränzte, der himmlische Mai—"mir wird ganz blümerant dabei,denk ich an all die Dudelei.Die Kinder lob ich; das lärmt und lachtund feiert ganz ungereimt meine Pracht.
Grüß Gott! Der Mai darf kaum noch wagen,
Besondres von sich auszusagen.
175Ich schäme mich wirklich; bin so bekannt
wie ein bunter Pudel rings im Land.
Diese sammetlockigen teutschen Tichter,
hol der Kuckuck das Reimgelichter:
"—der süße Mai,
der entzückende Mai,
der blütenbekränzte, der himmlische Mai—"
mir wird ganz blümerant dabei,
denk ich an all die Dudelei.
Die Kinder lob ich; das lärmt und lacht
und feiert ganz ungereimt meine Pracht.
(in Gärtnertracht, mit Gießkanne und Rosenstrauß)
Grüß Gott! Ich werde Juni genannt,Farben und Düfte bring ich ins Land.Seht, wie's im Garten knospet und quillt,seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt!Vor allem muß ich die Rosen wecken,ich küsse sie wach an Stamm und Hecken.Sind Regen und Windmir wohlgesinnt,schaff ich und wirk ich am grünen Gewande,halte die Hoffnung am schimmernden Bande176und pflege das Wachstum der kommenden Zeit;wenn der Schnitter prüft, ist die Saat bereit.
Grüß Gott! Ich werde Juni genannt,Farben und Düfte bring ich ins Land.Seht, wie's im Garten knospet und quillt,seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt!Vor allem muß ich die Rosen wecken,ich küsse sie wach an Stamm und Hecken.Sind Regen und Windmir wohlgesinnt,schaff ich und wirk ich am grünen Gewande,halte die Hoffnung am schimmernden Bande176und pflege das Wachstum der kommenden Zeit;wenn der Schnitter prüft, ist die Saat bereit.
Grüß Gott! Ich werde Juni genannt,
Farben und Düfte bring ich ins Land.
Seht, wie's im Garten knospet und quillt,
seht, wie die Frucht sich rundet und schwillt!
Vor allem muß ich die Rosen wecken,
ich küsse sie wach an Stamm und Hecken.
Sind Regen und Wind
mir wohlgesinnt,
schaff ich und wirk ich am grünen Gewande,
halte die Hoffnung am schimmernden Bande
176und pflege das Wachstum der kommenden Zeit;
wenn der Schnitter prüft, ist die Saat bereit.
(in Schäfertracht, mit Kornblumenstrauß)
Grüß Gott! Erlaubt mir, daß ich sitze,ich bin der Juli; spürt ihr die Hitze?Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,die Ähren sind zum Bersten voll;reif sind die Beeren, die blauen und roten,saftig sind Möhren und Bohnen und Schoten.So habe ich ziemlich wenig zu tun,darf mich ein bißchen im Schatten ruhn.Duftender Lindenbaum,rausche den Sommertraum!Seht ihr die Wolke? fühlt ihr die Schwüle?Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.
Grüß Gott! Erlaubt mir, daß ich sitze,ich bin der Juli; spürt ihr die Hitze?Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,die Ähren sind zum Bersten voll;reif sind die Beeren, die blauen und roten,saftig sind Möhren und Bohnen und Schoten.So habe ich ziemlich wenig zu tun,darf mich ein bißchen im Schatten ruhn.Duftender Lindenbaum,rausche den Sommertraum!Seht ihr die Wolke? fühlt ihr die Schwüle?Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.
Grüß Gott! Erlaubt mir, daß ich sitze,
ich bin der Juli; spürt ihr die Hitze?
Kaum weiß ich, was ich noch schaffen soll,
die Ähren sind zum Bersten voll;
reif sind die Beeren, die blauen und roten,
saftig sind Möhren und Bohnen und Schoten.
So habe ich ziemlich wenig zu tun,
darf mich ein bißchen im Schatten ruhn.
Duftender Lindenbaum,
rausche den Sommertraum!
Seht ihr die Wolke? fühlt ihr die Schwüle?
Bald bringt Gewitter Regen und Kühle.
(in Schnittertracht, mit Sichel und Harke)
Grüß Gott! Ich bin der Monat August,bin ernster Pflichten mir bewußt;muß Frucht und Korn zur Ernte reifen,meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen.177Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht,der Segen wird in die Scheunen gebracht.Zum fröhlichen Reigenjubeln die Geigen.Doch mancher steht abseits vom Taumel und denktdes Schöpfers, der alles zum Besten lenkt,der Ordnung bringt in den Gang der Dinge,daß Schweiß und Fleiß auch Freude bringe.
Grüß Gott! Ich bin der Monat August,bin ernster Pflichten mir bewußt;muß Frucht und Korn zur Ernte reifen,meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen.177Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht,der Segen wird in die Scheunen gebracht.Zum fröhlichen Reigenjubeln die Geigen.Doch mancher steht abseits vom Taumel und denktdes Schöpfers, der alles zum Besten lenkt,der Ordnung bringt in den Gang der Dinge,daß Schweiß und Fleiß auch Freude bringe.
Grüß Gott! Ich bin der Monat August,
bin ernster Pflichten mir bewußt;
muß Frucht und Korn zur Ernte reifen,
meine Lieblingsmusik ist das Sensenschleifen.
177Bald kommt die Ernte; der Himmel lacht,
der Segen wird in die Scheunen gebracht.
Zum fröhlichen Reigen
jubeln die Geigen.
Doch mancher steht abseits vom Taumel und denkt
des Schöpfers, der alles zum Besten lenkt,
der Ordnung bringt in den Gang der Dinge,
daß Schweiß und Fleiß auch Freude bringe.
(im Touristenkostüm)
Grüß Gott! Ich bin der September, ich zieremit rotem Weinlaub eure Spaliere.Dem Wandrer lachen auf allen Wegenköstlich die reifenden Früchte entgegen,die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne,am Ufer der Meere träume ich gerne,wo die Welle beginnt,wo die Welle zerrinnt,wo die Brandung braust und überschäumtund ein Zugvogelschwarm den Himmel säumt;da lieg ich und grüble und suche vergebensden Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens.
Grüß Gott! Ich bin der September, ich zieremit rotem Weinlaub eure Spaliere.Dem Wandrer lachen auf allen Wegenköstlich die reifenden Früchte entgegen,die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne,am Ufer der Meere träume ich gerne,wo die Welle beginnt,wo die Welle zerrinnt,wo die Brandung braust und überschäumtund ein Zugvogelschwarm den Himmel säumt;da lieg ich und grüble und suche vergebensden Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens.
Grüß Gott! Ich bin der September, ich ziere
mit rotem Weinlaub eure Spaliere.
Dem Wandrer lachen auf allen Wegen
köstlich die reifenden Früchte entgegen,
die gelben und blauen. Ich liebe die Ferne,
am Ufer der Meere träume ich gerne,
wo die Welle beginnt,
wo die Welle zerrinnt,
wo die Brandung braust und überschäumt
und ein Zugvogelschwarm den Himmel säumt;
da lieg ich und grüble und suche vergebens
den Sinn des Sterbens, den Sinn des Lebens.
(in Winzertracht mit Weinglas und Flasche)
Grüß Gott! Ich bin der Bruder Oktober;die Nase glänzt mir wie Zinnober,das kommt vom Gucken ins Gläschen. Vor Zeitenlehrt ich die Menschen Wein bereiten;der wurde bald ihr Lieblingsgetränke,jetzt krigt man ihn in jeder Schänke.Kommt mit zum Wein,ich lade euch ein!Seht, wie die Wälder sich buntselig färben,sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben.So kommt und sinnt und fragt nicht viel;"das Leben ist des Lebens Ziel!"
Grüß Gott! Ich bin der Bruder Oktober;die Nase glänzt mir wie Zinnober,das kommt vom Gucken ins Gläschen. Vor Zeitenlehrt ich die Menschen Wein bereiten;der wurde bald ihr Lieblingsgetränke,jetzt krigt man ihn in jeder Schänke.Kommt mit zum Wein,ich lade euch ein!Seht, wie die Wälder sich buntselig färben,sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben.So kommt und sinnt und fragt nicht viel;"das Leben ist des Lebens Ziel!"
Grüß Gott! Ich bin der Bruder Oktober;
die Nase glänzt mir wie Zinnober,
das kommt vom Gucken ins Gläschen. Vor Zeiten
lehrt ich die Menschen Wein bereiten;
der wurde bald ihr Lieblingsgetränke,
jetzt krigt man ihn in jeder Schänke.
Kommt mit zum Wein,
ich lade euch ein!
Seht, wie die Wälder sich buntselig färben,
sie wissen: ein Schlaf nur ist alles Sterben.
So kommt und sinnt und fragt nicht viel;
"das Leben ist des Lebens Ziel!"
(in Jägertracht mit Gewehr)
Grüß Gott! Der November stellt sich vor.Mir ist ergeben der große Chorder Winde und Stürme, die das Gefildevon Unrat säubern; und auch die Gildeder Nebel und Wolken ist mir vertraut.Wer auf des Meeres Sanftmut baut,wagt sein Leben, wenn ich regiere;ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere,179ich hasse die Sonne, hasse die Milde,zerreiße im Felde das letzte Gebilde.Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt,hinter scheuem Wild die Büchse knallt.
Grüß Gott! Der November stellt sich vor.Mir ist ergeben der große Chorder Winde und Stürme, die das Gefildevon Unrat säubern; und auch die Gildeder Nebel und Wolken ist mir vertraut.Wer auf des Meeres Sanftmut baut,wagt sein Leben, wenn ich regiere;ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere,179ich hasse die Sonne, hasse die Milde,zerreiße im Felde das letzte Gebilde.Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt,hinter scheuem Wild die Büchse knallt.
Grüß Gott! Der November stellt sich vor.
Mir ist ergeben der große Chor
der Winde und Stürme, die das Gefilde
von Unrat säubern; und auch die Gilde
der Nebel und Wolken ist mir vertraut.
Wer auf des Meeres Sanftmut baut,
wagt sein Leben, wenn ich regiere;
ich hasse den Frohsinn in meinem Reviere,
179ich hasse die Sonne, hasse die Milde,
zerreiße im Felde das letzte Gebilde.
Ich liebe nur eins: wenn das Jagdhorn schallt,
hinter scheuem Wild die Büchse knallt.
(in beflittertem Pelz, mit kleinem Weihnachtsbäumchen)
Grüß Gott! Ich bin der Dezember und flechtezu kurzen Tagen die langen Nächte.Karg ist die Sonne in meinem Gezelt,doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt.Wenn im Ofen die Bratäpfel schmoren,flüstert es leise von Mündern zu Ohren,gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken,ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken,ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa,ists Christkindel denn noch nicht da?"Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt,bin ich in meinem Element;hell sind die Kerzen,warm sind die Herzen,uns kümmert nicht Kälte noch Regen noch Wind.Und denen, die arm und traurig sind,und wo die Not sonst die Freude verbannt,geben wir gern mit Herz und Hand.
Grüß Gott! Ich bin der Dezember und flechtezu kurzen Tagen die langen Nächte.Karg ist die Sonne in meinem Gezelt,doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt.Wenn im Ofen die Bratäpfel schmoren,flüstert es leise von Mündern zu Ohren,gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken,ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken,ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa,ists Christkindel denn noch nicht da?"Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt,bin ich in meinem Element;hell sind die Kerzen,warm sind die Herzen,uns kümmert nicht Kälte noch Regen noch Wind.Und denen, die arm und traurig sind,und wo die Not sonst die Freude verbannt,geben wir gern mit Herz und Hand.
Grüß Gott! Ich bin der Dezember und flechte
zu kurzen Tagen die langen Nächte.
Karg ist die Sonne in meinem Gezelt,
doch bring ich ins Haus eine schimmernde Welt.
Wenn im Ofen die Bratäpfel schmoren,
flüstert es leise von Mündern zu Ohren,
gibt es ein Reden, ein Kichern und Necken,
ein Fragen und Freuen, Pakete verstecken,
ein "bitte, Mama", ein "sag doch, Papa,
ists Christkindel denn noch nicht da?"
Wenn am Heiligen Abend der Tannenbaum brennt,
bin ich in meinem Element;
hell sind die Kerzen,
warm sind die Herzen,
uns kümmert nicht Kälte noch Regen noch Wind.
Und denen, die arm und traurig sind,
und wo die Not sonst die Freude verbannt,
geben wir gern mit Herz und Hand.
(läßt den grauen Mantel allmählich fallen, steht dann in hellem Festgewand)
Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denktan den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt!Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein,Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein,Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum,Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum.Und immer rollt durchs Himmelszeltdie Erde, unsre alte Welt,die stets verjüngt, in neuer Kraft,fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft.Jedoch ihr Diadem und Zier,ihr Menschenkinder, das seid ihr!Drum freut euch ihrer Herrlichkeit,freut euch des Meeres, so stark und weit,freut euch der Wälder, der Blüte, der Frucht,freut euch der Berge mit Tal und Schlucht!Und freut euch eurer eignen Kraft,die der Erkenntnis Wunder schafft;seid glücklich, daß ihr Menschen seid,der schönste Schmuck an Gottes Kleid,wenn ihr euch seiner wert gestaltet,euch immer göttlicher entfaltet.181Seid glaubensstark, seid willensklar,das wünscht das neue Erdenjahr!
Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denktan den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt!Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein,Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein,Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum,Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum.Und immer rollt durchs Himmelszeltdie Erde, unsre alte Welt,die stets verjüngt, in neuer Kraft,fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft.Jedoch ihr Diadem und Zier,ihr Menschenkinder, das seid ihr!Drum freut euch ihrer Herrlichkeit,freut euch des Meeres, so stark und weit,freut euch der Wälder, der Blüte, der Frucht,freut euch der Berge mit Tal und Schlucht!Und freut euch eurer eignen Kraft,die der Erkenntnis Wunder schafft;seid glücklich, daß ihr Menschen seid,der schönste Schmuck an Gottes Kleid,wenn ihr euch seiner wert gestaltet,euch immer göttlicher entfaltet.181Seid glaubensstark, seid willensklar,das wünscht das neue Erdenjahr!
Wohl, meine Kinder! Jetzt aber denkt
an den Wechsel der Dinge und Den, der sie lenkt!
Stein wird zu Sand, Lebendges zu Stein,
Luft wird zu Wasser, Glut zu Wein,
Frucht wird zum Samen, Samen zum Baum,
Raum wird zu Zeit, und Zeit zu Raum.
Und immer rollt durchs Himmelszelt
die Erde, unsre alte Welt,
die stets verjüngt, in neuer Kraft,
fruchtbar ihr prangendes Kleid sich schafft.
Jedoch ihr Diadem und Zier,
ihr Menschenkinder, das seid ihr!
Drum freut euch ihrer Herrlichkeit,
freut euch des Meeres, so stark und weit,
freut euch der Wälder, der Blüte, der Frucht,
freut euch der Berge mit Tal und Schlucht!
Und freut euch eurer eignen Kraft,
die der Erkenntnis Wunder schafft;
seid glücklich, daß ihr Menschen seid,
der schönste Schmuck an Gottes Kleid,
wenn ihr euch seiner wert gestaltet,
euch immer göttlicher entfaltet.
181Seid glaubensstark, seid willensklar,
das wünscht das neue Erdenjahr!
Seid friedensstark, seid liebesklar,das wünscht der Monate bunte Schaar!Prosit Neujahr!Nun reicht euch zur Wendedes Jahres die Händeund grüßt euch mit Neigenund schlingt einen Reigen!Spiel auf, Musik, begleite sie,des Jahres Schluß sei Harmonie!
Seid friedensstark, seid liebesklar,das wünscht der Monate bunte Schaar!Prosit Neujahr!Nun reicht euch zur Wendedes Jahres die Händeund grüßt euch mit Neigenund schlingt einen Reigen!Spiel auf, Musik, begleite sie,des Jahres Schluß sei Harmonie!
Seid friedensstark, seid liebesklar,
das wünscht der Monate bunte Schaar!
Prosit Neujahr!
Nun reicht euch zur Wende
des Jahres die Hände
und grüßt euch mit Neigen
und schlingt einen Reigen!
Spiel auf, Musik, begleite sie,
des Jahres Schluß sei Harmonie!
Habt ihr schon mal was von der Kartoffelkomödie gehört? Nein? So will ich euch erzählen, was das ist.
Die Kartoffelkomödie ist ein Theaterstück, das statt mit Puppen mit Kartoffeln gespielt wird. Ihr bittet um ein Paar glatte, nicht zu große Kartoffeln, bohrt mit dem Messer in jede ein rundes Loch, so daß ihr euern Zeigefinger bis zum ersten Glied hineinstecken könnt, und die Hauptsache ist fertig. Ein paar mit Stecknadeln angepiekte Hemdknöpfchen als Augen, ein Stückchen Rübe als Mund, und eins als Nase, bilden das Gesicht. Ein farbiger Puppenlappen wird oben mit182einer Schnur zusammengezogen und um den Zeigefinger gebunden, nachdem zwei kleine Löcher für Daumen und Mittelfinger hineingeschnitten sind. Ihr werdet euch wundern, wie fein man die Finger als Arme und Hände benutzen kann.
Natürlich muß man sich in der Kleidung ein bißchen nach den Personen des Stückes richten. In unsrer Komödie, die ich nach einer älteren Vorlage ausgebaut habe, bekommt der König eine Krone von Goldpapier und ein rotes oder grünes Gewand, das ihr auch etwas mit Goldstreifen besetzen könnt. Pumpfia trägt am besten einen kleinen Schleier mit einem Streifchen Silberpapier um den Kopf, Jagomir einen großen braunen oder grauen Hut mit einer roten Feder, der Kanzler einen schwarzen Zylinder. Natürlich wird all das aus Papier gemacht. Die Kleider könnt ihr euch selbst ausdenken, jeder Flicken ist dazu brauchbar.
Wenn ihr das Stück aufführen wollt, ist es am bequemsten, ihr spannt irgendeine Decke oder ein Tuch in einen offenen Türrahmen, und zwar so hoch, daß ihr bequem mit den Händen hinauflangen könnt; eure Köpfe dürfen natürlich ebenso wenig zu sehen sein wie eure Füße. Einen Vorhang braucht man nicht; die Puppen verschwinden einfach hinter dem Tuch und kommen auch wieder so zum Vorschein. Jedes Kind kann zwei Puppen spielen, mit jeder Hand eine; bei einer muß es dann seine Stimme etwas verstellen.
So, nun versucht mal euer Heil! Es wird euch viel Spaß machen; und den Zuschauern auch.
König Pflaumenmus.Prinzessin Pumpfia.Der Kanzler.Der Räuber Jagomir.
König Pflaumenmus.Prinzessin Pumpfia.Der Kanzler.Der Räuber Jagomir.
König Pflaumenmus.
Prinzessin Pumpfia.
Der Kanzler.
Der Räuber Jagomir.
Der König tritt auf, vom Kanzler begleitet.
König:
Der Sommerabend ist so schön,da muß man doch spazieren gehn.Die Rosen duften süß, hazieh!Die Nachtigall singt türütü——wie schmerzt mein linker großer Zeh,und auch der rechte tut schon weh.Den Schuster häng mir an den Galgen,(Kanzler verbeugt sich)denn er gehört zu den Kanallgen.(König schnüffelt in die Luft)Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln,da krigt man wirklich Appetit.Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln,und bring die Abendzeitung mit.(Kanzler verbeugt sich und will gehn)Halt! hemme noch den eiligen Laufund setz mir erst die Brille auf.(Kanzler tut's, dann ab.)Ein König muß sich informieren,es könnt doch was im Land passieren.(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurück.)
Der Sommerabend ist so schön,da muß man doch spazieren gehn.Die Rosen duften süß, hazieh!Die Nachtigall singt türütü——wie schmerzt mein linker großer Zeh,und auch der rechte tut schon weh.Den Schuster häng mir an den Galgen,(Kanzler verbeugt sich)denn er gehört zu den Kanallgen.(König schnüffelt in die Luft)Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln,da krigt man wirklich Appetit.Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln,und bring die Abendzeitung mit.(Kanzler verbeugt sich und will gehn)Halt! hemme noch den eiligen Laufund setz mir erst die Brille auf.(Kanzler tut's, dann ab.)Ein König muß sich informieren,es könnt doch was im Land passieren.(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurück.)
Der Sommerabend ist so schön,
da muß man doch spazieren gehn.
Die Rosen duften süß, hazieh!
Die Nachtigall singt türütü—
—wie schmerzt mein linker großer Zeh,
und auch der rechte tut schon weh.
Den Schuster häng mir an den Galgen,
(Kanzler verbeugt sich)
denn er gehört zu den Kanallgen.
(König schnüffelt in die Luft)
Wie duftet's hier nach Bratkartoffeln,
da krigt man wirklich Appetit.
Geh, Kanzler, hol mir die Pantoffeln,
und bring die Abendzeitung mit.
(Kanzler verbeugt sich und will gehn)
Halt! hemme noch den eiligen Lauf
und setz mir erst die Brille auf.
(Kanzler tut's, dann ab.)
Ein König muß sich informieren,
es könnt doch was im Land passieren.
(Kanzler kommt mit der Zeitung und den Pantoffeln zurück.)
184Kanzler:
Hier, König, bringe ich die Zeitung,die allerneuste Meinungsleitung.Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte,wie Majestät befohlen hatte;und frage untertänigst an,ob ich noch sonstwie dienen kann.
Hier, König, bringe ich die Zeitung,die allerneuste Meinungsleitung.Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte,wie Majestät befohlen hatte;und frage untertänigst an,ob ich noch sonstwie dienen kann.
Hier, König, bringe ich die Zeitung,
die allerneuste Meinungsleitung.
Auch Schlupfschuh hier aus Woll' und Watte,
wie Majestät befohlen hatte;
und frage untertänigst an,
ob ich noch sonstwie dienen kann.
König:
Nun ja, rück mir die Krone grade;denn fiel sie runter, wär's doch schade.(Kanzler rückt die Krone zurecht.)Was steht denn hier im Tageblatt?Prinz Kasimir kommt in die Stadt?Da wird er uns gewiß besuchen.He, Kanzler, haben wir noch Kuchen?
Nun ja, rück mir die Krone grade;denn fiel sie runter, wär's doch schade.(Kanzler rückt die Krone zurecht.)Was steht denn hier im Tageblatt?Prinz Kasimir kommt in die Stadt?Da wird er uns gewiß besuchen.He, Kanzler, haben wir noch Kuchen?
Nun ja, rück mir die Krone grade;
denn fiel sie runter, wär's doch schade.
(Kanzler rückt die Krone zurecht.)
Was steht denn hier im Tageblatt?
Prinz Kasimir kommt in die Stadt?
Da wird er uns gewiß besuchen.
He, Kanzler, haben wir noch Kuchen?
Kanzler:
Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe.
Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe.
Herr, nicht 'ne einzige Butterschrippe.
König:
Na, häng nicht gleich die Unterlippe;hol Streußelkuchen vom Konditor,auch Vollmilch, einen halben Litor.
Na, häng nicht gleich die Unterlippe;hol Streußelkuchen vom Konditor,auch Vollmilch, einen halben Litor.
Na, häng nicht gleich die Unterlippe;
hol Streußelkuchen vom Konditor,
auch Vollmilch, einen halben Litor.
Kanzler:
Ach, Herr, von Geld ist keine Spur.
Ach, Herr, von Geld ist keine Spur.
Ach, Herr, von Geld ist keine Spur.
185König:
Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur.Wir Könige lassen uns nicht lumpen,und sollten wir die Welt auspumpen.Geh jetzt und sorge für mein Landmit Militär und mit Verstand!(Kanzler verneigt sich, tritt vor.)
Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur.Wir Könige lassen uns nicht lumpen,und sollten wir die Welt auspumpen.Geh jetzt und sorge für mein Landmit Militär und mit Verstand!(Kanzler verneigt sich, tritt vor.)
Das schad't nix, Kanzler; pumpe nur.
Wir Könige lassen uns nicht lumpen,
und sollten wir die Welt auspumpen.
Geh jetzt und sorge für mein Land
mit Militär und mit Verstand!
(Kanzler verneigt sich, tritt vor.)
Kanzler:
Was hat ein Kanzler doch für Sorgen;wo soll ich bloß schon wieder borgen?Wer schafft mir von der Deutschen Bankden Schlüssel zu dem Kassenschrank?Reichskanzler sein ist wirklich schwer;ich dachte nicht, daß es so wär.Ich annonciere in der "Quelle",vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle.(Kanzler ab.)
Was hat ein Kanzler doch für Sorgen;wo soll ich bloß schon wieder borgen?Wer schafft mir von der Deutschen Bankden Schlüssel zu dem Kassenschrank?Reichskanzler sein ist wirklich schwer;ich dachte nicht, daß es so wär.Ich annonciere in der "Quelle",vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle.(Kanzler ab.)
Was hat ein Kanzler doch für Sorgen;
wo soll ich bloß schon wieder borgen?
Wer schafft mir von der Deutschen Bank
den Schlüssel zu dem Kassenschrank?
Reichskanzler sein ist wirklich schwer;
ich dachte nicht, daß es so wär.
Ich annonciere in der "Quelle",
vielleicht krieg ich 'ne andre Stelle.
(Kanzler ab.)
König(lesend):
Den Streik, den soll der Kuckuck holen!Wir haben so schon keine Kohlen,mein Thronsaal wird tagtäglich kälter,und ich—ich werde immer älter.Auf diese Bank will ich mich legen,ein Stündchen süßer Ruhe pflegen.(Legt sich hin und schnarcht.)
Den Streik, den soll der Kuckuck holen!Wir haben so schon keine Kohlen,mein Thronsaal wird tagtäglich kälter,und ich—ich werde immer älter.Auf diese Bank will ich mich legen,ein Stündchen süßer Ruhe pflegen.(Legt sich hin und schnarcht.)
Den Streik, den soll der Kuckuck holen!
Wir haben so schon keine Kohlen,
mein Thronsaal wird tagtäglich kälter,
und ich—ich werde immer älter.
Auf diese Bank will ich mich legen,
ein Stündchen süßer Ruhe pflegen.
(Legt sich hin und schnarcht.)
Pumpfia, König.
Pumpfia:
Wo bist du denn, mein Väterchen,mein süßer Pumps, mein Käterchen?
Wo bist du denn, mein Väterchen,mein süßer Pumps, mein Käterchen?
Wo bist du denn, mein Väterchen,
mein süßer Pumps, mein Käterchen?
König:
Wer stört mir meine Ruh im Grase?Ach,Dubist's, kleine Stumpelnase.
Wer stört mir meine Ruh im Grase?Ach,Dubist's, kleine Stumpelnase.
Wer stört mir meine Ruh im Grase?
Ach,Dubist's, kleine Stumpelnase.
Pumpfia:
Papa, ich bring dein Leibgericht,Bratkartoffeln! riechst du's nicht?Ich briet sie selbst, ist das nicht nett?mit Liebe und mit Hammelfett;und machte Klopse dir zulieb,vom Fleisch, das gestern übrig blieb.
Papa, ich bring dein Leibgericht,Bratkartoffeln! riechst du's nicht?Ich briet sie selbst, ist das nicht nett?mit Liebe und mit Hammelfett;und machte Klopse dir zulieb,vom Fleisch, das gestern übrig blieb.
Papa, ich bring dein Leibgericht,
Bratkartoffeln! riechst du's nicht?
Ich briet sie selbst, ist das nicht nett?
mit Liebe und mit Hammelfett;
und machte Klopse dir zulieb,
vom Fleisch, das gestern übrig blieb.
König(essend)
Ich danke dir, mein Herzensmops,für die Kartoffeln und den Klops.
Ich danke dir, mein Herzensmops,für die Kartoffeln und den Klops.
Ich danke dir, mein Herzensmops,
für die Kartoffeln und den Klops.
Pumpfia:
Papa, ich bin bald zwanzig Jahreund kriege nächstens graue Haare;ich mach mich immer wunderschön,187allein kein Freier läßt sich sehn.Ich krieg am End gar keinen Mann;was fang ich alte Jungfer an?(Sie weint.)
Papa, ich bin bald zwanzig Jahreund kriege nächstens graue Haare;ich mach mich immer wunderschön,187allein kein Freier läßt sich sehn.Ich krieg am End gar keinen Mann;was fang ich alte Jungfer an?(Sie weint.)
Papa, ich bin bald zwanzig Jahre
und kriege nächstens graue Haare;
ich mach mich immer wunderschön,
187allein kein Freier läßt sich sehn.
Ich krieg am End gar keinen Mann;
was fang ich alte Jungfer an?
(Sie weint.)
König:
So liebemich, mein süßes Kind!Heiraten geht nicht so geschwind.
So liebemich, mein süßes Kind!Heiraten geht nicht so geschwind.
So liebemich, mein süßes Kind!
Heiraten geht nicht so geschwind.
Pumpfia:
Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem.Wenn doch ein Prinz, ein trauter, käm!(weint stärker.)
Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem.Wenn doch ein Prinz, ein trauter, käm!(weint stärker.)
Ach doch, Papa, 's geht ganz bequem.
Wenn doch ein Prinz, ein trauter, käm!
(weint stärker.)
König:
Mein Pümpfchen, tröste dich bis morgen,da will ich dir 'nen Mann besorgen.
Mein Pümpfchen, tröste dich bis morgen,da will ich dir 'nen Mann besorgen.
Mein Pümpfchen, tröste dich bis morgen,
da will ich dir 'nen Mann besorgen.
Pumpfia
(fällt ihm um den Hals):Du guter einziger Papa,ich sag gewiß zu allen ja.
(fällt ihm um den Hals):Du guter einziger Papa,ich sag gewiß zu allen ja.
(fällt ihm um den Hals):
Du guter einziger Papa,
ich sag gewiß zu allen ja.
König:
Leb wohl, ich muß zur Konferenz;es ist nicht gut, wenn ich die schwänz.(König ab.)
Leb wohl, ich muß zur Konferenz;es ist nicht gut, wenn ich die schwänz.(König ab.)
Leb wohl, ich muß zur Konferenz;
es ist nicht gut, wenn ich die schwänz.
(König ab.)
Pumpfia, nachher Jagomir.
Pumpfia:
Ich arme Pumpfia und Prinzessin,ach könnt ich doch mein Leid vergessen!allein, o leider ganz allein,in diesem holden Mondenschein!Kein Jüngling liebt mich nur ein bißchen,kein Prinz gibt mir ein holdes Küßchen.Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm,ich fall vor lauter Sehnsucht um—(fällt um.)
Ich arme Pumpfia und Prinzessin,ach könnt ich doch mein Leid vergessen!allein, o leider ganz allein,in diesem holden Mondenschein!Kein Jüngling liebt mich nur ein bißchen,kein Prinz gibt mir ein holdes Küßchen.Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm,ich fall vor lauter Sehnsucht um—(fällt um.)
Ich arme Pumpfia und Prinzessin,
ach könnt ich doch mein Leid vergessen!
allein, o leider ganz allein,
in diesem holden Mondenschein!
Kein Jüngling liebt mich nur ein bißchen,
kein Prinz gibt mir ein holdes Küßchen.
Mein Herz ist leer, mein Kopf ist dumm,
ich fall vor lauter Sehnsucht um—
(fällt um.)
Jagomir(tritt auf):
Ich stahl mir heimlich hier herein,hier wird doch was zu mausen sein?(Schnüffelnd)Nee, wo mit Hammelfett gebraten,da regnet's sicher nich Dukaten.(Er erblickt Pumpfia )'ne Dame? Ei, wie wunderschön;die muß ich mal genau besehn.(Er tut's.)Ich nehme mir den Hochgenußund geb ihr einen süßen Kuß.(Er tut's.)
Ich stahl mir heimlich hier herein,hier wird doch was zu mausen sein?(Schnüffelnd)Nee, wo mit Hammelfett gebraten,da regnet's sicher nich Dukaten.(Er erblickt Pumpfia )'ne Dame? Ei, wie wunderschön;die muß ich mal genau besehn.(Er tut's.)Ich nehme mir den Hochgenußund geb ihr einen süßen Kuß.(Er tut's.)
Ich stahl mir heimlich hier herein,
hier wird doch was zu mausen sein?
(Schnüffelnd)
Nee, wo mit Hammelfett gebraten,
da regnet's sicher nich Dukaten.
(Er erblickt Pumpfia )
'ne Dame? Ei, wie wunderschön;
die muß ich mal genau besehn.
(Er tut's.)
Ich nehme mir den Hochgenuß
und geb ihr einen süßen Kuß.
(Er tut's.)
189Pumpfia(erwachend):
Was ist das für ein schöner Mann?Ich wag's und red ihn lieblich an.Wer seid Ihr, herrlicher Genoß?Wie kamt Ihr her in dieses Schloß?Ich bin durch Euern Gruß beglückt;hat Euch ein Engel hergeschickt?
Was ist das für ein schöner Mann?Ich wag's und red ihn lieblich an.Wer seid Ihr, herrlicher Genoß?Wie kamt Ihr her in dieses Schloß?Ich bin durch Euern Gruß beglückt;hat Euch ein Engel hergeschickt?
Was ist das für ein schöner Mann?
Ich wag's und red ihn lieblich an.
Wer seid Ihr, herrlicher Genoß?
Wie kamt Ihr her in dieses Schloß?
Ich bin durch Euern Gruß beglückt;
hat Euch ein Engel hergeschickt?
Jagomir:
'n Engel? Nee, das war der Robert;der hat das Ding hier ausbaldowert.
'n Engel? Nee, das war der Robert;der hat das Ding hier ausbaldowert.
'n Engel? Nee, das war der Robert;
der hat das Ding hier ausbaldowert.
Pumpfia:
Ist alles gleich; du bist mein Schätzchen,mein süßer Freund, mein Busenlätzchen.
Ist alles gleich; du bist mein Schätzchen,mein süßer Freund, mein Busenlätzchen.
Ist alles gleich; du bist mein Schätzchen,
mein süßer Freund, mein Busenlätzchen.
Jagomir:
Aber—was wird dein Vater sagen?
Aber—was wird dein Vater sagen?
Aber—was wird dein Vater sagen?
Pumpfia:
Ach was, wer wird den Alten fragen.
Ach was, wer wird den Alten fragen.
Ach was, wer wird den Alten fragen.
Jagomir(küßt sie):
Mein honigsüßer Sirupstengel,mein Marzipan, mein Zuckerengel!
Mein honigsüßer Sirupstengel,mein Marzipan, mein Zuckerengel!
Mein honigsüßer Sirupstengel,
mein Marzipan, mein Zuckerengel!
Pumpfia:
Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held!Pumpfia geht mit dir durch die Welt!
Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held!Pumpfia geht mit dir durch die Welt!
Welch Geist, welch Witz, welch hoher Held!
Pumpfia geht mit dir durch die Welt!
190Jagomir:
Mein Schätzchen, hast du auch Moneten?
Mein Schätzchen, hast du auch Moneten?
Mein Schätzchen, hast du auch Moneten?
Pumpfia:
Die sind hier weniger vertreten;an diese Frage rühre nich,geliebter Freund, entführe mich.
Die sind hier weniger vertreten;an diese Frage rühre nich,geliebter Freund, entführe mich.
Die sind hier weniger vertreten;
an diese Frage rühre nich,
geliebter Freund, entführe mich.
Jagomir:
Na, denn man zu, du süße Hummel!(Beiseite)Verflixt, das wird 'n schöner Rummel.
Na, denn man zu, du süße Hummel!(Beiseite)Verflixt, das wird 'n schöner Rummel.
Na, denn man zu, du süße Hummel!
(Beiseite)
Verflixt, das wird 'n schöner Rummel.
König, die Vorigen.
König:
Prinzessin Pumpfia, Kasimir,wo seid ihr kleinen Schäker ihr?Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken?Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.
Prinzessin Pumpfia, Kasimir,wo seid ihr kleinen Schäker ihr?Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken?Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.
Prinzessin Pumpfia, Kasimir,
wo seid ihr kleinen Schäker ihr?
Ihr wollt euch wohl vor mir verstecken?
Na wart't, ich werd euch gleich entdecken.
Jagomir(beiseite):
I, du meine himmlische Güte,die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblüte;dabei gehör ick zum Räuberstand,der ernährt seinen Mann besser als so'n Land.(191Laut):Guten Tag, Herr König, ich habe die Ehrund verbeuge mir sehr.(Er tut's)
I, du meine himmlische Güte,die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblüte;dabei gehör ick zum Räuberstand,der ernährt seinen Mann besser als so'n Land.(191Laut):Guten Tag, Herr König, ich habe die Ehrund verbeuge mir sehr.(Er tut's)
I, du meine himmlische Güte,
die jlooben, ick sei ein Prinz von Geblüte;
dabei gehör ick zum Räuberstand,
der ernährt seinen Mann besser als so'n Land.
(191Laut):
Guten Tag, Herr König, ich habe die Ehr
und verbeuge mir sehr.
(Er tut's)
König:
Mein Vaterherz hüpft froh und warm:mein Pümpfchen in des Prinzen Arm.Mein hoher Gast, Prinz Kasimir,wie findet meine Tochter Ihr?
Mein Vaterherz hüpft froh und warm:mein Pümpfchen in des Prinzen Arm.Mein hoher Gast, Prinz Kasimir,wie findet meine Tochter Ihr?
Mein Vaterherz hüpft froh und warm:
mein Pümpfchen in des Prinzen Arm.
Mein hoher Gast, Prinz Kasimir,
wie findet meine Tochter Ihr?
Jagomir:
Das Mädel hier? Na, himmlisch süß,wie'n Engelken im Paradies.
Das Mädel hier? Na, himmlisch süß,wie'n Engelken im Paradies.
Das Mädel hier? Na, himmlisch süß,
wie'n Engelken im Paradies.
König:
Na, nimm se dir se denn se doch,und spanne sie ins Ehejoch;dann kocht dir deine kleine BrautErbsen mit Speck und Sauerkraut.
Na, nimm se dir se denn se doch,und spanne sie ins Ehejoch;dann kocht dir deine kleine BrautErbsen mit Speck und Sauerkraut.
Na, nimm se dir se denn se doch,
und spanne sie ins Ehejoch;
dann kocht dir deine kleine Braut
Erbsen mit Speck und Sauerkraut.
Jagomir:
Ach ja, und dann Kartoffelklößemit einer süßen Pflaumensöße.(Umarmung.)
Ach ja, und dann Kartoffelklößemit einer süßen Pflaumensöße.(Umarmung.)
Ach ja, und dann Kartoffelklöße
mit einer süßen Pflaumensöße.
(Umarmung.)
Pumpfia:
Wenn man in deinen Armen ruht,dann kocht sich's gleich noch mal so gut.
Wenn man in deinen Armen ruht,dann kocht sich's gleich noch mal so gut.
Wenn man in deinen Armen ruht,
dann kocht sich's gleich noch mal so gut.
192König:
Ich bin gerührt wie Quetschkartoffeln,verlier vor Rührung die Pantoffeln.(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)
Ich bin gerührt wie Quetschkartoffeln,verlier vor Rührung die Pantoffeln.(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)
Ich bin gerührt wie Quetschkartoffeln,
verlier vor Rührung die Pantoffeln.
(Er tut's; die Pantoffeln fallen in den Zuschauerraum.)
Kanzler, die Vorigen.
Kanzler:
Der Brief kommt eben von der Post,der fünfundzwanzig Pfennige kost't.
Der Brief kommt eben von der Post,der fünfundzwanzig Pfennige kost't.
Der Brief kommt eben von der Post,
der fünfundzwanzig Pfennige kost't.
König:
Wie oft schon hab ich deklariert,ich nehme nichts mehr unfrankiert.Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus,dann fliegt es gleich zum Fenster raus.(Er öffnet den Umschlag)Laß sehn, was steht in diesem Brief.
Wie oft schon hab ich deklariert,ich nehme nichts mehr unfrankiert.Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus,dann fliegt es gleich zum Fenster raus.(Er öffnet den Umschlag)Laß sehn, was steht in diesem Brief.
Wie oft schon hab ich deklariert,
ich nehme nichts mehr unfrankiert.
Kommt mir noch mal so'n Ding ins Haus,
dann fliegt es gleich zum Fenster raus.
(Er öffnet den Umschlag)
Laß sehn, was steht in diesem Brief.
Jagomir(beiseite):
Na, geht die Sache doch noch schief?
Na, geht die Sache doch noch schief?
Na, geht die Sache doch noch schief?
König(liest):
"Prinz Kasimir entbeut den Grußdem hohen König Pflaumenmus;er wird ihn heute noch besuchenund hofft auf Kaffee und auf Kuchen."—Von alldem tut der Bauch mir weh;193was nun, mein Schwiegersohnin spe?Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?
"Prinz Kasimir entbeut den Grußdem hohen König Pflaumenmus;er wird ihn heute noch besuchenund hofft auf Kaffee und auf Kuchen."—Von alldem tut der Bauch mir weh;193was nun, mein Schwiegersohnin spe?Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?
"Prinz Kasimir entbeut den Gruß
dem hohen König Pflaumenmus;
er wird ihn heute noch besuchen
und hofft auf Kaffee und auf Kuchen."—
Von alldem tut der Bauch mir weh;
193was nun, mein Schwiegersohnin spe?
Seid Ihr denn nicht Prinz Kasimir?
Jagomir(stolz):
Ich bin der Räuber Jagomir!
Ich bin der Räuber Jagomir!
Ich bin der Räuber Jagomir!
König:
Ein Räuber? Hu, das ist ein Graus,der reißt mir die Gedärme aus!Gewiß, er wird mich massakrierenund mir mein Pümpfchen dann entführen.(Er weint.)
Ein Räuber? Hu, das ist ein Graus,der reißt mir die Gedärme aus!Gewiß, er wird mich massakrierenund mir mein Pümpfchen dann entführen.(Er weint.)
Ein Räuber? Hu, das ist ein Graus,
der reißt mir die Gedärme aus!
Gewiß, er wird mich massakrieren
und mir mein Pümpfchen dann entführen.
(Er weint.)
Pumpfia:
Was mich betrifft, ich halte still,wenn er nur dich verschonen will.
Was mich betrifft, ich halte still,wenn er nur dich verschonen will.
Was mich betrifft, ich halte still,
wenn er nur dich verschonen will.
Jagomir:
Ich schon ihn gern, und auch sein Geld—(beiseite): das er nicht hat!Ich bin ein edler Räuberheld.
Ich schon ihn gern, und auch sein Geld—(beiseite): das er nicht hat!Ich bin ein edler Räuberheld.
Ich schon ihn gern, und auch sein Geld—
(beiseite): das er nicht hat!
Ich bin ein edler Räuberheld.
Pumpfia:
Mein süßer Schuft, mein Wonneheld,mit dir stehl ich die ganze Welt.(Umarmung.)
Mein süßer Schuft, mein Wonneheld,mit dir stehl ich die ganze Welt.(Umarmung.)
Mein süßer Schuft, mein Wonneheld,
mit dir stehl ich die ganze Welt.
(Umarmung.)
Jagomir:
Bald kommt der Kasimir ins Haus;komm, Pümpfchen, komm, wir rücken aus!194Im Walde steht mein freies Schloß,da schläft sich's fein—auf Heu und Moos.
Bald kommt der Kasimir ins Haus;komm, Pümpfchen, komm, wir rücken aus!194Im Walde steht mein freies Schloß,da schläft sich's fein—auf Heu und Moos.
Bald kommt der Kasimir ins Haus;
komm, Pümpfchen, komm, wir rücken aus!
194Im Walde steht mein freies Schloß,
da schläft sich's fein—auf Heu und Moos.
König:
Na, dann leb wohl, mein teures Kind!Hier hast du noch ein Angebind(gibt ihr einen Zweimarkschein)und außerdem noch meinen Segen.
Na, dann leb wohl, mein teures Kind!Hier hast du noch ein Angebind(gibt ihr einen Zweimarkschein)und außerdem noch meinen Segen.
Na, dann leb wohl, mein teures Kind!
Hier hast du noch ein Angebind
(gibt ihr einen Zweimarkschein)
und außerdem noch meinen Segen.
Pumpfia:
Den kannst du uns auf Zinsen legen.(Beide ab.)
Den kannst du uns auf Zinsen legen.(Beide ab.)
Den kannst du uns auf Zinsen legen.
(Beide ab.)
König:
Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,ich weine mir ein Auge aus.(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)O Kasimir, Prinz Kasimir,warum warst du nicht eher hier!Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;die Welt, die ist ein Wackeltopf.Nur eins ist unverrückt und wahr,nur eins wie meine Pleite klar:Hoch herrschen über Raum und Zeitdie Frechheit und die Dreistigkeit.(Vorhang.)
Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,ich weine mir ein Auge aus.(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)O Kasimir, Prinz Kasimir,warum warst du nicht eher hier!Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;die Welt, die ist ein Wackeltopf.Nur eins ist unverrückt und wahr,nur eins wie meine Pleite klar:Hoch herrschen über Raum und Zeitdie Frechheit und die Dreistigkeit.(Vorhang.)
Nun sind sie weg, o Schmerz, o Graus,
ich weine mir ein Auge aus.
(Er tut es, wirft den Augenknopf unter die Zuschauer.)
O Kasimir, Prinz Kasimir,
warum warst du nicht eher hier!
Wirr ist mein Herz, wirr ist mein Kopf;
die Welt, die ist ein Wackeltopf.
Nur eins ist unverrückt und wahr,
nur eins wie meine Pleite klar:
Hoch herrschen über Raum und Zeit
die Frechheit und die Dreistigkeit.
(Vorhang.)
195Kasperle und der Krieg
Kasperle(allein, singt):
Bummvalleraist nicht da;wo ist Bummvallerallerallera?
Bummvalleraist nicht da;wo ist Bummvallerallerallera?
Bummvallera
ist nicht da;
wo ist Bummvallerallerallera?
(Er gähnt.)Ach, ist die Welt langweilig! Vor lauter Langerweile hab ich schon ein paarmal meine Finger gezählt; aber komisch, es kommt immer was andres raus.(Er zählt an seinen Händen): 1, 2, 3, 5, 7, 8, 10, 12, 14, 15—na ja, nun sind's wieder 15. Na, noch mal: 1, 2, 3, 5, 7, 9, 10, 12, 13, 14—komisch, nu sind's wieder 14. Mal hat der Mensch 15 und mal 14 Finger; und dabei sehn sie immer egal aus.(Es klopft.)Ei, da kommt Besuch. Immer 'rein, meine Herrschaften, immer 'rein!(Polizist kommt.)
Polizist:
Bist du der Kasper?
Kasperle:
Was? Kasper? Herr Kasper heißt es, geehrter Herr Kasper heißt es, wertgeschätzter Herr Kasper heißt es, Sie oller Helmaffe Sie, Sie untertänigster Rasselsäbel!
Polizist:
Mann, seien Sie mal etwas höflicher zur königlichen Polizei!
196Kasperle:
Höflich? Hi hi, höflich? Mit Höflichkeit fängt man nicht mal 'nen Floh. Oder soll man etwa sagen: bitte, Herr Floh, seien Sie so gut, Herr Floh?
Polizist:
Kasper, du bist ein Esel!
Kasperle:
'n Esel? Was Sie sagen! Ist 'n nettes Tierchen, so'n Esel, hihi; klettert auf die höchsten Stellen und fällt nicht runter. Hihi, möcht schon solch Tierchen sein.
Polizist:
Lirum, larum, Kasper, du mußt jetzt in den Krieg; darum bin ich hergekommen.
Kasperle:
Krieg? Was ist denn das? Kriecht man da rum, in dem Krieg? Ich bin doch kein Kriechtier!
Polizist:
Du dummer Kasper, du dammliger, der Krieg sind Schlachten mit Bomben und Kanonen.
Kasperle:
Schlachten? Ei, das kenn ich, da gibt's frische Wurst; Blut- und Leberwurst, hihi, das schmeckt aber fein!—Und Bomben?197wissen Sie, die backt meine Omama mir immer zu Weihnachten; die kenn ich auch. Und Kanonen? ja, die stehn noch vom Großvater selig her auf'm Kramboden; der war Sie nämlich Mistbauer, und brauchte so'ne dicken hohen Schmierstiebeln. Also, dann kenn ich ja den Krieg; muß 'ne lustige Sache sein.
Polizist:
Na warte man, du Frechdachs, wirst es schon merken, wenn's dir man erst um die Ohren knallt.
Kasperle:
Knallen tut's da? O jemine! Wissen Sie, Herr Kriegsminister, gegen Knallen hab ich von Kind auf 'ne Idiokratie.
Polizist:
Idiosynkrasie meinst du wohl, dummer Kasper.
Kasperle:
Nee, Herr Rasselsäbel, Sinn ist da nicht drin; sonst wär's ja keine Idiotokratie.(Er singt):
Die Welt, die haut sich tot wie nie,tot wie nie, tot wie nie,und füttert das Meer mit Korn und Vieh,Korn und Vieh, Korn und Vieh;das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie,Idiotokratie!
Die Welt, die haut sich tot wie nie,tot wie nie, tot wie nie,und füttert das Meer mit Korn und Vieh,Korn und Vieh, Korn und Vieh;das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie,Idiotokratie!
Die Welt, die haut sich tot wie nie,
tot wie nie, tot wie nie,
und füttert das Meer mit Korn und Vieh,
Korn und Vieh, Korn und Vieh;
das ist doch Idiotokratie, Tokratie, Tokratie,
Idiotokratie!
198Polizist:
Halt deinen dummen Schnabel, Kasper, das verstehst du nicht; das ist die hohe Diplomatie. Sage mir lieber, wie dein Vater heißt, Kasper.
Kasperle:
Das kann ich Ihnen durchaus nicht sagen, Sie neugieriger Iltis, alldieweil ich das selber nicht weiß. Ich glaube, ich hatte gar keinen Vater.
Polizist:
Und deine Mutter?
Kasperle:
'ne Mutter? 'ne Mutter hab ich auch nicht gehabt. Bloß 'ne Großmutter und 'ne Urmama; die haben mich zusammen zur Welt gebracht.
Polizist:
Du bist 'n Ochse, Kasper, oder 'n Frechdachs; jeder Mensch hat doch 'ne Mutter.
Kasperle:
'n Ochse? das wär was, ei der Daus! Was wär ich da wert bei den heutigen Fleischpreisen? wir wollen mal zusammen rechnen, Herr Kriegsminister. Also: ich wiege 150 Pfund, das Pfund kostet jetzt 8 Mark 50. Erst also 100 mal 8 Mark 50—hängen wir einfach zwei Nullen an, das macht 85000 Mark;199und dann noch 50 mal 8 Mark 50, das ist mir zu schwer, das kann ich nicht rechnen. Wissen Sie's vielleicht, Herr Kriegsrat?
Polizist:
Na, das sind ungefähr 4000 Mark, Kasperle; es ist ja auch schon lange her, daß ich in der Schule war.
Kasperle:
Also, ich hatte 85000 Mark; und Ihre 4000 Mark dazu, macht 100000 Mark. Sehn Sie, Herr Kriegsminister, soviel ist der Kasper werf, wenn er ein Ochse ist; hihi, was sagen Sie nun, Herr Oberkanonenrat? Was mag man da erst wert sein, Sie, wenn man ein fettes Schwein ist! Wissen Sie was: wir wollen beide Bauern werden und fette Schweine zusammen ausbrüten.(Er singt):