Chapter 2

hassar. Ein sauberer Plan. Das entdecke ich augenblicklich meiner Gebieterin. Wart, du Hexe! (Ab.)

quecksilber. Richtig, du hast recht, so gehts prächtig! Und da wär ich mit meinem Plutzerkopf nicht drauf kommen. Mädel, du bleibst schon bei mir, und wenn ich wieder reich bin, so vergold ich dir den Trattnerhof und mach dirn zum Präsent.

(Duett.)

quecksilber.O liebes Madel, schau mich an,Und denke dir, der schöne Mann,Der Füßchen hat als wie ein Pfau,Macht dich zu einer gnädgen Frau.

linda.Dann geb ich täglich Assamblee!Und meine Schalen zum KaffeeDie müssen von Brillanten sein,Und goldne Kipfel tunkt man ein!

quecksilber. Dann fahren wir mit Roß und Wagen; Die Pferd laß ich mit Silber bschlagen.

linda. Ich lad die schönsten Herrn ins Haus.

quecksilber. Und ich, ich wirf sie wieder naus.

beide.Die Möbeln sind aus Ebenholz,Und wir sind beide schrecklich stolz.Ich steig daher als wie ein Hahn,Und schau schon gar kein Menschen an.

quecksilber.Die Binde hier trägt uns mit flüchtigem SinnIn einem Tag durch die vier Weltteile hin.

linda. Im Morgenland nehmen das Frühstück wir ein.

quecksilber. Und ich trink in Grinzing geschwind ein Glas Wein.

linda. Dann bleibn wir in Holland ein wenig zu Haus.

quecksilber. Und schaun in Brasilien zum Fenster heraus.

linda. Des Mittags, da speisen wir beide allein.

quecksilber. Da kehrn wir beim Sperl in Afrika ein.

linda.Ein Gfrornes sollt halt auf die Jausen wohl sein?Da setz ich dich mitten ins Eismeer hinein.Und wanns zum Soupieren aufn Abend wird kühl?Da essn wir in Ofen, so friert uns nicht viel.

quecksilber. linda.

quecksilber.

linda.Doch gehen wir schlafen,Das fällt mir nicht ein,Wo wird unsre RuheAm sichersten sein?

quecksilber.Das sollst du schon wissen,Das ist ja bekannt,Am sichersten ruht manIm Österreicher-Land.

(Beide ab.)

11. szene

(Verwandlung. Gemach der Zoraide mit zwei Seitenfenstern, Nacht, nur von einer Lampe erleuchtet. zoraide und hassar treten ein.)

zoraide. Er hat also gut verstanden? Daß nicht hernach wieder eine Dummheit herauskommt, wie gewöhnlich, wenn man Ihm etwas glaubt.

hassar. Nein, meine Gebieterin! Ich schwör es bei meiner Schönheit, daß ein jedes Wort sich so verhält. Er besitzt die Zauberbinde und will dich in deinem Gemach überfallen, um seine Talismane zurückzufordern.

zoraide. Und meine Kammermamsell hat richtig mit ihm eine Amour?

hassar. Richtig! Sie hat ihn noch zu dieser List beredet.

zoraide. Die Undankbare, ist das mein Lohn? Hab ich ihr nicht erst zu ihrem Namenstag fünf Gulden und ein musselinenes Kleid von mir gegeben?

hasar. Richtig! Es ist enorm!

zoraide. Was ich dieser Person getan habe—

hassar. Wenn ich bedenke, die vielen Ohrfeigen, die du ihr gabst.

zoraide. Ach, das war das wenigste.

hassar. Für mich wäre das das meiste.

zoraide. Die Person wagt es, mir den Rang abzulaufen?

hassar. Mir einen andern vorzuziehen?

zoraide. Bei allen Göttern, das ist zu viel!

hassar. Bei meiner Schönheit, das ist zu viel!

zoraide. Jetzt marschier Er mir hinaus, denn sich mit Ihm auch noch zu ärgern, das ging mir just noch ab. Fort! Alle zwei hinaus—Er und seine Schönheit.

hassar (beiseite). Das ist der Neid. Was kann ich dafür, daß die Natur mich mit diesen Reizen ausgestattet hat. (Will ab.)

zoraide. Halt! Man gebe sogleich Befehl, daß die Wachen im Vorsaale lauern, und wenn ich rufe, so wird er gepackt und festgehalten, den Talisman werde ich ihm schon früher zu entreißen suchen.

(Hassar entfernt sich.)

12. szene

zoraide (allein). Jetzt steigt herauf, ihr Furien der Rache mit den beschlankelten Haaren in eurem grünlichen Kontusch. Du sollst mir nicht zu pfiffig werden, und wenn ihm noch hundert Zaubermittel zu Gebote stünden. Der Zauber, den unsere Anmut bewirkt, macht alle zuschanden.—Was rauscht denn im Garten? Was seh ich? Bin ich denn auf dem Blocksberg? Wer reit denn da durch die Luft? Er selbst. (Man hört einen Hahn krähen.) Auf einem Gockelhahn! Und wie schön er oben sitzt, wie ein englischer Reiter. O du herrlicher Talisman, dich will ich benützen! Nun wart!

(Musik. Zoraide setzt sich auf den Stuhl und tut, als schliefe sie.)

13. szene

(vorige. quecksilber kommt auf einem großen Hahn zum Fenster hereingeflogen. Wie der Hahn im Gemach ist, steigt Quecksilber ab und der Hahn fliegt wieder zum entgegengesetzten Fenster hinaus und kräht.)

quecksilber. Still! Du vertracktes Tier! Kräht der Kerl, daß einem die Ohren zerspringen möchten. Wenn die Fee keine andern Pferd in ihrem Stall hat, das ist eine fatale Expedition. Auf keinem Hahn wird nimmer ausgritten; lieber auf einem gebackenen Hendel, das macht doch kein solchen Lärm. (Melodram. Er sieht Zoraiden.) Ha, da ist sie.—Sie schläft! (Die Musik drückt das Schnarchen aus.) Welch ein sanfter Schlaf! Ach, warum ist sie so falsch und so schön?

zoraide. Er ist doch noch verliebt, der Gimpel!

quecksilber. Sie spricht im Schlaf! Es muß ihr von mir geträumt haben;—doch Quecksilber, nimm dich zusamm! Heda, aufgestanden!

zoraide (ermuntert sich). Was ist das? Wer ist hier?

quecksilber. Ich!

zoraide. Was willst du hier?

quecksilber. Ich hab Ihnen fragen wollen, wieviel Uhr als es ist.

zoraide. Welche Frechheit! Laß mich hinaus!

quecksilber. Nicht von der Stelle! Wie Sie um Hilfe rufen, so wirf ich Sie zum Fenster hinaus. Mein Horn will ich haben und mein spanisches Röhrl oder Sie kommen nicht ganz aus dem Kabinett.

zoraide. Welch unerhörte Keckheit! Entflieh oder dieser Dolch—

quecksilber. Wart, du meineidiges Gareisel.

(Sie ringen um den Dolch. Zoraide ersieht ihren Vorteil und entreißt ihm die Binde und ruft in dem nämlichen Augenblick:)

zoraide. Wache!

14. szene

(vorige. Wache stürzt herein und ergreift schnell Quecksilber. Später hassar.)

zoraide. Haltet ihn! (Sie entschwindet mit der Binde auf einen Augenblick ins Gemach.)

quecksilber. Laßt mich! Ich bin Ludwig der Springer. (Reißt sich los und springt zum Fenster hinaus.)

hassar (eilt herbei). Habt ihr ihn schon? Nur nicht loslassen, das rat ich euch.

wache. Er ist entflohn.

hassar. Was?

wache. Durchs Fenster.

hassar. Richtig, dort läuft er. (Ruft.) He! Wart Er ein wenig, daß ich Ihn einholen kann.

zoraide (kommt zurück). Fort mit ihm!

hassar. Er ist schon fort. (Deutet aufs Fenster.)

zoraide. Was? Entflohen? das ist nicht möglich.

hassar. Bei meiner Schönheit, es ist so.

zoraide. Nun auch recht, weil ich nur seine Gaben habe.

15. szene

(vorige. tutu.)

tutu (in einer Art von Schlafrock, eine große bunte Laterne in der Hand). Was machts denn da bei der Nacht für ein Revolter? Nicht einmal ausruhn kann man sich ordentlich.

zoraide. Papa! Freuen Sie sich mit mir.

tutu. Über was soll ich mich denn freuen? Ich weiß ja von nichts.

zoraide. Ich habe dem Fremden seine Zaubergaben abgelockt, und nun hat er nichts mehr, alle sind in meiner Hand. Er selbst ist entflohen. Zum Fenster hinaus.

tutu. Das sein Gschichten! Aber warum sagt mir denn niemand etwas davon?

zoraide. Wann soll man denn Ihnen etwas sagen? Alle drei Wochen werden S einmal munter, hernach setzen Sie sich zum Essen und nach dem Essen legen Sie sich wieder nieder.

tutu. Ein jeder Mensch hat seine Passion, ich bin halt am lustigsten, wenn ich schlaf.

zoraide. Niemand wird diese Nacht mehr schlafen. Ein großes Freudenfest wird zubereitet, welches morgen den ganzen Tag nicht enden soll. Gedichte auf die Größe meines Verstandes müssen auf allen Straßen ausgestreut werden. Freude muß diese Insel beleben! So freuen Sie sich doch auch ein wenig mit Ihrem kanavassenen Schlafrock.

TUTU. Nu, wann ich mich nicht freu, so weiß ichs auch nicht. Vor Freuden tut mir schon ordentlich der Magen weh.

zoraide. Ich gehe jetzt, mich umzukleiden, Triumph, es ist gelungen! Durch diesen Sieg werde ich um zehn Jahre jünger. (Eilt ab.)

tutu. Und ich werd alle Augenblick älter. Jetzt richts alles zum Fest her. Im chinesischen Lusthaus wird gspeist; auf einhundertundfünfzig Personen. Und meine roßhaarenen Polster nicht vergessen. Nach Tisch wird großer Ball; wenn ich vielleicht einschlummern sollte, so wird der Menuett mit dem Paukenschlag gemacht. Meiner Tochter zu Ehren die Fopp-Deutschen. Mit Stiefel und Sporn wird nicht getanzt. Auch bittet man, keine Hunde mitzunehmen.

(Alle ab.)

16. szene

(Verwandlung. Indische Gegend. Auf einer Seite ein Feigenbaum, auf der andern eine praktikable Quelle. Im Hintergrund eine Strohhütte.)

quecksilber (sitzt auf dem Feigenbaum, sieht überall herum und steigt herab). Dem Himmel sei Dank, es kommt niemand nach. Jetzt steh ich frisch! Jetzt hab ich kein Horn, keinen Stab, keinen Gürtel, und s Stubenmädel ist auch beim Kukkuck. Mir bleibt nichts als das schöne Bewußtsein, daß ich ein Esel war und hab mich anführen lassen. Aber gloffen bin ich wie ein Windspiel. Hingegen, wie ich aussehe, das ist schrecklich! Meine Füß sind totenblaß und einen Hunger hab ich, daß ich die Goldborten auf meiner Weste aufessen möcht. Ich geh grad über den Feigenbaum, in fünf Minuten ist keine einzige mehr oben. (Er steigt hinauf.) Ach, jetzt wollen wir dem Hunger die Feigen zeigen. (Er ißt!) Prächtig! Herrlich! Klassisch! (Er pflückt einige ab und steigt herab. Seine Nase hat sich um vieles vergrößert, so daß sie noch ganz proportioniert bleibt und nicht zur Karikatur wird. Er ißt noch eine Weile fort; dann). Ich weiß nicht, mich blendet immer was vor die Augen. (Greift an die Nase.) Was ist denn das? Ich hab eine völlige Pfundnase? Oh, ich unglückseliger Mensch, was wird mir noch alles geschehen? Auf die Letzt komm ich auf dieser Insel um meine Gschenk und muß noch mit einer langen Nasen auch abziehen. Diese Nasen! Wenn ich da die Strauchen bekomm, das wird eine Todskrankheit. Wenn ich mich nur sehen könnt! Jetzt sollt ich halt in der Spiegelgassen sein. Ist denn niemand hier? He! (Klopft an die Hütte.)

17. szene

(zadi. voriger.)

zadi (von innen). Wer klopft?

quecksilber. Ich!

zadi. Was willst du?

quecksilber. Ich bitt Sie, haben Sie keinen Trumeauspiegel?

zadi. Kerl, wenn ich hinauskomme, ich schlag dir die Nase

quecksilber. Der will mir die Nasen entzwei schlagen! Diese

zadi (kommt heraus). Wart, du verdamm—Ha, ha, ha! Da seh entzwei. Nase! Frage, wie ist das möglich? ein Mensch den närrischen Kerl, wie er aussieht.

quecksilber. Der merkts schon.

zadi. Besieh dich doch einmal dort in jener Quelle, wie du aussiehst.

quecksilber (tut es). O Spektakel! Ich hab eine ordentliche Plutzerbirn im Gesicht. Wenn ich mit dieser Nasen nach Wien komm, lassen s mich gar bei keiner Linie hinein.

zadi. Du hast gewiß von diesen Feigen gegessen?

quecksilber. Freilich!

zadi. Das hätt ich dir vorher sagen können. Wie kommst du denn in diese Gegend, die ich allein bewohne, und zu diesem Baum?

quecksilber. Das ist jetzt keine Frage, wie ich zu dem Baum komm, die Frage ist, wie ich von dieser Nasen komm.

zadi. Wer kommt dort gelaufen?

quecksilber. Das ist mein Stubenmädel. Gschwind!—Nun?— Sie bleibt stehn.

zadi. Sie kann nicht über den Graben.

quecksilber. So soll s übern Kohlmarkt gehen.

zadi. Ich will ihr helfen. (Eilt ab.)

quecksilber. Jetzt, wenn die mich mit der Nasen sieht, sie kann mich nicht mehr gern haben, es ist nicht möglich!

18. szene

(linda. zadi. quecksilber.)

linda. Hab ich dich endlich gefunden! (Schreit.) Ach, Himmel! Wie siehst du aus?

quecksilber. Hats schon gsehen. Ein Aug hat s wie ein Falk.

linda.Oh, du abscheulicher Mensch, was hast du denn getan?

quecksilber. Ich bitt dich um alles in der Welt, verzeih mirs nur diesmal, ich werds mein Leben nicht mehr tun. Ich hab dort von die Feigen gegessen, und da ist mir die Nase gewachsen.

linda. Nein, so mag ich dich nicht. Jetzt bin ich ihm nachgelaufen und bin vor Angst völlig krank geworden, bis ich ihn eingeholt habe, und jetzt sieht er so aus.

quecksilber (kniet sich nieder). Linderl! Ich bitt dich, sei nur gscheit! Jetzt kannst mich doch bei der Nasen herumführen. Wenn mich jemand bei der Nasen erwischt, dem komm ich nicht mehr aus.

linda. Oh, du Unglücksvogel! Fort, ich kann dich nicht mehr ansehen.

zadi. Nun, ich will dich nicht länger leiden lassen. Trinke dort aus jener Quelle, und du wirst sie wieder verlieren. Wie ich diese Gegend bezogen habe, ist es mir auch so ergangen.

quecksilber. Ist das wahr? Dem Himmel sei Dank! (Läuft zur Quelle und trinkt, die Nase verschwindet, springt hervor.) Ist schon weg! Ah, das ist eine Freud!

quecksilber und linda (zugleich). Das ist a Freud!

(Beide hüpfen vor Freude. Wie sich ihre Gesichter begegnen, hören sie mitten unter dem Lachen auf. Quecksilber bleibt plötzlich ernsthaft stehen, und Linda ist betroffen.)

quecksilber. Was ists? Was wollen Sie? Sie mögen mich ja nicht mehr.

linda. Ah, jetzt mag ich dich schon wieder.

quecksilber. Da haben wirs! Wie ich mit meiner Schönheit Krida hab angsagt ghabt, hat s nichts mehr von mir wissen wollen, jetzt, weil ich wieder rangiert bin, jetzt mag s mich wieder. Was willst denn jetzt mit mir machen? Ich bin ja Betteltutti! (Zu Zadi.) Lieber Freund, wie soll ich Ihnen meinen Dank abstatten?—Wollen Sie mir nicht zweihundert Gulden leihen?

zadi. O ja. Zweihundert Prügel kannst du haben.

quecksilber. Ich weiß nicht, wie dieMünzen bei Ihnen heißen.

linda. Ah, wir werden nicht verhungern. Weißt du was? Ich verkaufe den Leuten solche Feigen, und wenn sie verunstaltet sind, so kommst du als Doktor und kurierst sie mit dem Wasser wieder, so bekommen wir Geld in Menge.

quecksilber. Halt!—Laß mich nachdenken.—Wie?—Was?— Ja, ich habs! (Er fährt auf; beide erschrecken.)

linda. Bist närrisch? Zugleich

zadi. Was hast du denn?

quecksilber. Mein Glück, ich habs gfangt!

zadi. So halts fest.

quecksilber. Lieber Alter, tu mir nur den einzigen Gfallen, nimm einen Korb, füll ihn mit solchen Feigen an und zwei Flaschen mit dem Zauberwasser, ich werd dich reichlich belohnen, aber nur gschwind.

zadi.Nun, nun, den Gefallen kann ich euch schon tun. (Geht ab.)

linda. Aber was ists denn?

quecksilber. Linderl! Jetzt nimm dich zusammen. Vermißt man dich schon im Palast?

linda. Ah, nein! Es geht ja alles drunter und drüber wegen dem Fest.

quecksilber. Ein Fest? Das ist herrlich. Kennt man auf der Insel die Wirkung dieser Feigen?

linda. Ich hab noch nie was davon gehört. Diese Gegend enthält noch viele Wunder, darum getraut sich auch niemand hierher zu gehen, und nur weil ich dich von weitem laufen sah, bin ich dir gefolgt.

quecksilber. Du mußt wieder zurück zum Fest. Du nimmst einen Korb voll solcher Feigen und bringst sie deiner Prinzessin und ihrem Vater zum Konfekt. Sie sind so schön, daß sie gwiß davon essen.

linda. Nun, und dann?

quecksilber. Dann kriegen s große Nasen, du verschaffst mir Kleider; wann sie hernach verzweifelt, so bringst du mich als Wunderdoktor, und ich kuriere sie nicht eher, bis sie mir meine Geschenk zurückgibt.

linda. Das ist ein prächtiger Plan! Ich freu mich! Wenn s nur recht häßlich würd, weil s immer die Schönste sein will. Gschieht ihr schon recht.

quecksilber. Das ist ein Wasser auf der ihrer Mühle. Ja, die Frauenzimmer!—

19. szene

(vorige. zadi.)

zadi (hat unterdessen alles besorgt. Er bringt einen Korb mit Feigen und zwei Flaschen). Nun, hier hast du alles!

quecksilber. Bruder, ich danke dir! (Umarmt ihn.) Ich kann dir unterdessen nichts dafür geben, als hier dieses silberne Schnupftüchel, was mir von meinem Reichtum noch übriggeblieben ist. (Zieht eines aus der Rocktasche; gibt Linda den Korb.) Das nimmst du; und die Flaschen bhalt ich. So, und wenns gelingt: Viktoria in Schwabenland.

zadi. Aber was machst du denn damit?

quecksilber. Das geht dich nichts an. Ich hab einen guten Freund, und der muß mir eine Nasen bekommen, daß man sie mit der Elle ausmessen kann. Adieu!

zadi. Du bist ein närrischer Kerl, leb wohl. (Ab in die Hütte.)

quecksilber. Linderl, jetzt fahr ab. Ich werd gleich nachkommen. Miteinander dürfen wir nicht fort, damit uns niemand sieht.

linda. Verlaß dich nur auf mich. Ein gscheits Madel setzt alles durch. (Ab.)

quecksilber (allein). Ah, jetzt ist mir wieder leicht. Es geht halt nichts über die Hoffnung. Jetzt bin ich so froh, daß ich alle Menschen könnt beim Kopf nehmen und könnt s küssen. Diese Welt ist halt das Beste auf dieser Welt.

(Arie.)

In der WeltIsts recht schön,Glauben Sies mir!

Man tanzt einen Langaus durchs Leben dahinBewahrt man sich immer den lustigen Sinn:Glauben Sies mir!

Und die WeiberSind schon brav,Glauben Sies mir!

Und zwingt auch der Ehstand die Freiheit ins Joch,Die Weiber versüßen das Leben uns doch.Glauben Sies mir!

Und die Männer, s passiert auch, Glauben Sies mir!

Bleiben S brav, meine Damen, beim untreuen Blick,Dann sehn wirs erst ein und kehrn selber zurück.Glauben Sies mir!

Und mein HerzIst so voll,Glauben Sies mir!

Es klopft etwas drinnen, es möcht gern heraus,Und gäb Ihnen gern seinen Dank mit nach Haus.Glauben Sies mir!Glauben Sies mir!

20. szene

(Verwandlung. Großer indianischer Garten. Auf der einen Seite ein Blumenthron für Zoraide, auf der andern der praktikable Eingang in ein schön verziertes chinesisches Lusthaus. Einzug. Tänzer und Tänzerinnen voraus, dann Tutus Gefolge. Zum Schlusse tutu, zoraide, hassar. Zoraide besteigt den Thron, die Zaubergaben werden ihr auf drei Polstern vorgetragen.)

chor.Lange herrschte ZoraideDurch des Geistes Strahlenkranz,Unser Jubel werd nicht müdeZu verkünden ihren Glanz.

zoraide (stolz). Ich danke euch! Obwohl es mir durchaus keine Neuigkeit mehr ist, daß mein Witz und meine Schönheit sich mit allen weiblichen Vorzügen auf dieser Erde messen können; so will ich doch nicht so unbescheiden sein, es heute nicht noch einmal aus eurem jauchzenden Munde anzuhören.

alles. Heil Zoraide!

zoraide. Papa, nehmen Sie jetzt das Wort.

tutu. Still! ich nehm jetzt das Wort.—Alle meine Herren und Frauen, laßt euch sagen: wir sind hier versammelt, um ein Fest zu feiern, welches wir veranstaltet haben, weil meine Tochter durch die außerordentlichen Gaben ihres Verstandes, welcher sogar den meinigen noch übertrifft, dem übermütigen Fremdling, der auf unsere Insel gekommen ist, drei Zaubergaben von hohem Werte abgenommen hat.—Weil dieser Fremdling nun—nicht wahr, meine Tochter?—weil dieser Fremdling so undankbar an uns gehandelt hat, so—so—weiß ich vor Zorn gar nicht mehr, was ich reden soll. (Auf Zoraiden deutend.) Die Fortsetzung folgt.

zoraide. Hier sind die Zaubergaben. Durch dieses Horn ist unsere Insel vor jedem Überfall gesichert. Dieser Stab birgt eine goldene Welt, und diese Binde trägt mit Blitzesschnelle den, er sie trägt, an den entferntesten Ort. Alle diese Gaben werde ich vorzüglich zu eurem Glück anwenden.

alle. Heil Tutu! Heil Zoraide!

hassar. Nehmen Sie, gnädigste Gebieterin, hier die Früchte unserer Muse, welche in den größten indianischen Köpfen erst heute morgen reif geworden sind.

zoraide. Wo sind sie?

(Vier Sklaven bringen auf einer Trage einen sehr großen, aber seichten goldenen Korb, worin eine große Menge von Gedichten aufgehäuft ist von verschiedenen Farben.)

hassar. Hier ist dieser poetische Ragout!

zoraide (nimmt mehrere davon in die Hand, ohne sie anzusehen). Was enthalten sie?

hassar. Die ungeheuersten Lobsprüche auf deine Liebenswürdigkeit und deinen Verstand.

zoraide (mit selbstgefälligem Lächeln). Sie gefallen mir. Eine schöne Schreibart; ich bin ganz zufrieden damit.

tutu (wiegt einige in der Hand). Ah ja, sie sein recht gut, sein recht gut. Sein mitunter recht frische dabei, wie man jetzt sagt: mit humoristischer Frische.

hassar. Und nun erlaube auch, daß meine Schönheit es wagt, dir auch eine Poesie zu übergeben.

zoraide. Was ist es denn?

hassar. Es ist eine Elegie auf deine Liebenswürdigkeit.

tutu. Das hat er gwiß wo abgeschrieben. Das trau ich ihm nicht zu, daß er eine Negligé machen kann, oder wie das heißt.

hassar. Herr, bei meiner Schönheit, ich hab es selbst verfaßt.

zoraide. Genug, ich werd Ihm hernach schon etwas schenken. Tragt die Gedichte auf mein Gemach. (Es geschieht.) Die Gaben hier hinein, ich werd sie bewachen.

ein sklave. Herr, die Tafel ist bereit.

tutu. Ah, du hast ein schönes Wort gesprochen. (Laut zu allen.) Die Tafel ist bereit.

alle. Ah!

tutu. Komm, meine Tochter! Der Geist hat seine Mahlzeit eingenommen, jetzt wollen wir dem Magen auch eine kleine Vorlesung halten. Man folge uns!

(Alles geht ab, bis auf Hassar und die Tänzer.)

hassar. Wenn ich die Hände klatsche, so beginnt der Tanz.

21. szene

(linda. vorige.)

linda (kommt mit zwei Tellern Feigen). Hassar, lieber Hassar!

hassar. Du Katze, du, wo steckst du denn? Zoraide wird deine Backen schön bewillkommnen, wenn du ihr vor die Augen kommst.

linda. Sei nur nicht böse, lieber Hassar. Ich habe es schon recht bereut, daß ich mich von dem Landstreicher bezaubern ließ, dir abtrünnig zu werden.

hassar. Nun, das ist dein Glück. Was hast du denn da für schöne Feigen?

linda. Sie sind von unserm Hofgärtner und gehören nur für Tutu und Zoraide. Sie sind äußerst selten. Trage sie auf die Tafel, übergib sie nur unserem Herrn und der Prinzessin; ich hoffe damit, sie wieder gut zu machen.

hassar. Bei meiner Schönheit, das sind herrliche Feigen! Da will ich mich damit einschmeicheln; ich werde sagen, ich habe sie selbst gepflanzt.

linda. Nur geschwinde!

hassar. Ja, ja, geh nur.

(Linda geht zurück.)

hassar. Da muß ich ein Paar davon stibitzen. (Er steckt zwei Feigen ein.) Das wird ein herrlicher Schmaus für meine Schönheit sein. (Ab ins chinesische Lusthaus.)

linda (geht hervor). Wart, du Spitzbube, du wirst schön ankommen.—Er kommt schon. Nun?

hassar (kommt zurück). Alles in Ordnung, Tutu hat eine rasende Freude.

linda (für sich). Es ist gelungen. Jetzt zu meinem Geliebten.

(Hüpft ab.)

hassar. Ihr sollt den Tanz beginnen. (Klatscht.) Jetzt werd ich meine Feigen verzehren; daß mich niemand belauscht.

(Ab.)

(Großer Tanz, Gruppe.)

22. szene

(zoraide. vorige. gefolge.)

zoraide (stürzt heraus; ihre Nase hat sich vergrößert, doch nur so, wie man auf einem öffentlichen Ball eine falsche Nase als Maske nimmt, durchaus nicht Karikatur. Gleich darauf das Gefolge). Hilfe! Hilfe! Was hab ich gesehen! Es ist nicht möglich, es muß ein Blendwerk sein. Schaut mich nur an—wie seh ich denn aus? (Die Tänzer alle erschrecken.) Was ist das? (Alles sucht das Lachen zu verbergen.) Was, Spott? Mich ergreift der Wahnsinn. Spiegel herbei! (Man bringt einen Spiegel, sie sieht sich hinein und fällt mit einem Schrei in Ohnmacht.)

23. szene

(vorige. tutu.)

tutu (auch mit vergrößerter Nase). Was ist denn geschehen? Ich sitz drinn ruhig bei meinen Feigen und schlummer ein wenig, und auf einmal läuft alles fort. (Alle lachen.) Jetzt, was soll denn das Lachen? Sie ist ja ohnmächtig! Tochter, was ist dir denn? (Eilt auf sie zu, prallt zurück.) Himmel, wie sieht die aus! Ah, das ist a Spaß! Ha, ha, ha!

zoraide (erwacht). O ich unglückliches Madel! (Weint.) Wer hat mir das getan? (Sieht Tutu.) Aber Papa! Ha, ha, ha!

tutu. Sie hat eine Freud drüber! Ein gspaßiges Gsicht hat s, mir gfallts!

zoraide. So sehen Sie sich doch in den Spiegel. (Man hält ihm einen vor.)

tutu. Halts mich! Mich trifft der Schlag! Gschwind fort um meinen Leibarzt.

zoraide. Man hole alle Ärzte der Insel.

tutu. Nur geschwind ein Konsilium.

(Man eilt ab. Alles schnell.)

zoraide. Ich ertrag es nicht. Jetzt soll der Ball angehen.

tutu. Ich unglücklicher Mann, ich bin verschandelt.

zoraide. Das muß Zauberei sein.

24. szene

(linda. vorige.)

linda. Gebieterin! (Erschrickt.) Ach, wie sehen Sie aus?

zoraide. Aus meinen Augen, wenn dir die deinigen lieb sind.

linda (weint). Ach, meine arme Gebieterin, was ist denn geschehen?

25. szene

(Der leibarzt. vorige.)

alles (ruft). Der Leibarzt kommt!

tutu und zoraide (zugleich). Ach, helfen Sie uns.

leibarzt (erschrickt). Vergib, mächtige Zoraide, da kann ich nicht helfen. Wo die Natur solche Bocksprünge macht, hat meine Kunst geendet.

zoraide und tutu (zugleich). Ich verzweifle! Ich gehe durch.

26. szene

(hassar. vorige.)

hassar (auch mit einer großen Nase). Mächtiger Tutu! (Erschrickt.) Alle guten Geister! Was ist das? Diese Nasen —(Alle lachen.)

zoraide. Halt Er sein Maul! Untersteh Er sich nicht, unseren Nasen was Schlechtes nachzureden.

tutu. Er hat noch eine größere.

hassar (greift an die Nase). Bei meiner Schönheit! (Voll Angst.) Das ist ein Hexenwerk.

tutu. Was hat er melden wollen?

hassar. Es ist ein außerordentlicher Arzt hier, der dich sprechen will.

zoraide und tutu. Wo? Wo?

hassar. Hier ist er schon.

27. szene

(vorige. quecksilber als Arzt, mit einer Art Flaschenkeller, in dem sich das Wasser befindet.)

quecksilber. Servus humilissimus! Sie sehen in mir den berühmten Arzt Barometrianus, der sich in allen Teilen der Welt berühmt gemacht hat. Von allen diesen Weltteilen werd ich hernach schon die Ehre haben, Ihnen verschiedene Geschichten zu erzählen. Jetzt sagen Sie mir, bin ich so glücklich, den mächtgen Tutu vor mir zu sehen?

tutu. Bei mir können Sie jetzt nicht mehr fehlen, Sie dürfen nur der Nasen nachgehen.

quecksilber. Weil Sie gerade von der Nase sprechen, so lassen Sie mich nicht vergessen, daß ich Ihnen hernach eine Geschichte davon erzähle. Hab ich die hohe Ehre, meine Angebetete, in Ihnen die schöne Zoraide zu bewundern?

zoraide (schluchzend). Ja—ich—bin—die schöne—Zoraide.

quecksilber. Hm! Sie scheinen mir eine Gemütskrankheit zu haben! Das ist eine üble Krankheit, da könnt ich Ihnen eine Geschichte erzählen, welche sich in Nordamerika zugetragen hat. Da war einmal ein Mann, der hat siebenundzwanzig Töchter gehabt. Jetzt will ich Ihnen nur in der Geschwindigkeit die Geschichten aller dieser Töchter erzählen.

tutu. Verzeihen Sie, wir werden ein anders Mal darum bitten. Wir wünschten zuerst Ihren Rat zu hören.

quecksilber. Hören Sie, weil Sie gerade vom Rat sprechen, erlauben Sie, da fällt mir auch eine prächtige Geschichte ein, an deren Erzählung mich aber die Bemerkung hindert, daß Ihre Nasen sich in einer etwas massiven Form produzieren, darum entsteht die große Frage, ob Sie schon sind damit auf die Welt gekommen oder ob sich das erst kürzlich ereignet hat.

zoraide. Das ist ein langweiliger Mensch! Ja, ja, erst vor kurzem. Helfen Sie uns nur.

quecksilber. Gut also! Da kann ich Ihnen zum Troste sagen, daß Sie nicht die einzigen Menschen auf der Welt sind, welche große Nasen haben. Es gibt Leute, welche sich auf der Nase herumtanzen lassen. Warten Sie, da werde ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Vor vielen tausend Jahren hat einmal ein Mann gelebt. Der hat einen Pudel gehabt—

tutu. Können Sie uns kurieren oder nicht?—Nur das wollen wir wissen.

quecksilber. Erlauben Sie, wie können Sie sich unterstehen, daran zu zweifeln? Ich kuriere Sie, und wenn Ihre Nase so groß wäre wie der Cimborasso in Amerika, das ist der höchste Berg der Welt. Ihre Nasen müssen nach den Regeln des Aristoteles kuriert werden—

zoraide. Das ist uns alles eins—

quecksilber. Erlauben Sie, das ist nicht alles eins! Darüber werd ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Hippokrates und Galenus haben darüber ganze Ries Papiere verschrieben, weil auf der Universität die Streitfrage entstanden ist, ob der Mensch die Nase mitten im Gesicht hätte oder nicht.

tutu. Aber wir kennen ja die Herren nicht.

quecksilber. Hippokrates war ein berühmter Apotheker zu Straubing und Galenus ein großer Regimentsarzt bei den chinesischen Truppen. Nun haben Sie nur die Güte, mir Ihren Puls fühlen zu lassen.

tutu. Aber was hat der Puls mit unsern Nasen zu tun?

quecksilber. Erlauben Sie! Alles in der Natur steht miteinander in Verbindung. So hat auch Ihre Gurgel Einfluß auf Ihren Magen, die Hände auf die Backen, der Mund auf die Füße. Ich will Ihnen gleich einen Beweis geben, daß der Mund die Füße in Bewegung setzen kann. Ich habe zum Beispiel über einen ein loses Maul; und er nimmt einen Stock und prügelt mich tüchtig durch, so bleibt mir nichts übrig, als davonzulaufen. Also war mein Mund daran schuld, daß sich meine Füße in Bewegung gesetzt haben.

tutu. Aber wir reden ja von keinen Prügeln.

quecksilber. Erlauben Sie, ich rede aber sehr gerne von Prügeln. Da werde ich Ihnen nur geschwinde eine kleine Geschichte erzählen—

zoraide. Nein, das ist nicht zum Aushalten! Jetzt hören S einmal mit Ihren Gschichten auf, wir wollen aber keine Gschichten hören. Unsere Nasen ist die unglücklichste Gschicht, die man erleben kann.

quecksilber. Sie wollen also Ihre Nase verlieren? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? (Zu Tutu.) Trinken Sie hier aus dieser Flasche.

zoraide. Nun endlich bringt er einmal was heraus.

tutu. Da bin ich kurios. (Er trinkt, die Nase verschwindet.)

quecksilber. Na? Na? Was sagen Sie jetzt? Die große Nase ist fort!

tutu. Meiner Seel!

alle. Wunder über Wunder!

tutu. O Sie goldener Doktor, das ist die schönste Gschicht, die Sie mir noch erzählt haben.

zoraide. Ists möglich? O Sie liebs Mannerl, mir auch! Nur gschwind, nur gschwind!

quecksilber. Da sollt ich Ihnen doch vorher noch eine Ge

zoraide (hält ihm den Mund zu). Nicht!—Nicht!—Guts Mannerl sein;—keine Gschichterl erzählerl—trinkerl lassen.

quecksilber (für sich). Der gib ich nur ein Brunnwasser, das hilft nicht. (Laut.) Da trinken Sie auf die Gesundheit Ihrer Nase.

zoraide. Es lebe die Schönheit! (Sie trinkt.)

hassar (verbeugt sich). Gratias!

zoraide. Nun? (Es wirkt nicht.) Es hilft ja nicht.

quecksilber. Trinken Sie noch einmal.

zoraide (trinkt). Es hilft nicht! Es ist umsonst.

tutu. Sie laßt nicht nach, die Nasen.

quecksilber. Ich begreife nicht, die Nase muß eine besondere Anhänglichkeit an Sie haben. Ich bin so betroffen, daß mir nicht einmal eine Geschichte einfallt, womit ich Sie trösten könnte.

zoraide. Und ich muß meine Schönheit wieder haben! Sie müssen mir helfen.

quecksilber. Wenn ich nur wüßte, wie? Das ist das einzige Mittel. Erlauben Sie, besitzen Sie vielleicht einen Talisman, der durch die Macht seines Besitzes meinen magischen Kräften entgegenstrebt? Den müssen Sie von sich werfen.

zoraide. Wie? Meine Zaubergaben?

quecksilber. Die müssen Sie verschenken.

zoraide. Das ist unmöglich.

quecksilber. So kann Ihnen auch nicht geholfen werden.

zoraide. Was soll ich machen?

tutu. Wirf s weg.

zoraide (entschlossen). Wohlan, ich will meinen Reizen auch dieses Opfer bringen. (Zieht einen Schlüssel aus dem Busen und eilt ab.)

tutu. Das ist eine verwickelte Sach.

quecksilber. Sie wird schon klar werden. Ich werd Ihnen noch kuriose Geschichten erzählen.

zoraide (bringt die Gaben). Wohlan, hier liegen sie. Wenn du mir meine vorige Gestalt wieder verschaffst, so gehören sie dir.

quecksilber (reißt die Gaben von der Erde auf). Sie ghören auch mein. (Er bläst ins Horn, wirft die Maske ab. Ideale Krieger erscheinen. Nur einige Takte Musik.) Schützt mich!—Kennen Sie mich? Aus dem Quacksalber ist der Quecksilber geworden. Ich nehm zurück, um was Sie mich betrogen haben, und Ihnen lass ich Ihr falsches Herz und Ihre große Nase.

tutu. Da hast es! Jetzt sind wir im klaren.

zoraide (kann sich kaum fassen). Also so wär ich betrogen, und von Ihnen? Von einem Menschen, von dem man nicht weiß, ob er einen Kopf oder eine Wassermelone zwischen den Schultern hat. Hoffen Sie Ihren Namen auch einmal in dem Buche der Menschheit zu lesen: Nein, ein eingebogenes Eselohr wird statt dessen zu sehen sein. Diese bescheidene Nase so zu multiplizieren. O wendet euch weg, ihr Elemente (auf ihre Nase deutend), von dieser ausgearteten Tochter der Natur! Verstumm, o Muse, die du sie besingest, Donner, die ihr sie umbrauset, Winde, die ihr sie umsauset, Sonne, die du sie beleuchtest, Regen, der du sie befeuchtest. Tyrannisch soll sie in dem Reiche der Schönheit herrschen. Alle Spiegel müssen ihr zum Opfer fallen; in einen Maskenball will ich diese Insel gestalten, und alle Schönen müssen solche Nasen tragen, nur will ich mich in eine Camera obscura verschließen und Rache brüten über dich, du Nasenfabrikant. (Wütend ab.)

quecksilber. Linderl, du hast deine Sache gscheit gemacht; mir sein a Paar.

linda. Nun, das ist ein Glück, daß du Wort haltst.

tutu. Sein wir gut. Seit Sie das Staberl wieder haben, hab ich eine ordentliche Lieb zu Ihnen gfaßt. Vielleicht ist die Kur für meine Tochter just gut.

hassar (kniet nieder). Euer Gnaden! Ich bin auch noch eine Partei, die im schmeckenden Wurmhof logieret.

quecksilber. Na, da nimm das Wasser und trink dir einen Rausch. (Gibt ihm von dem Zaubertrank.)

hassar. Gratias! Meine Schönheit ist gerettet. (Eilt ab.)

quecksilber. Vivat! Jetzt zeigt mein Barometer auf Schönwetter. Die Fee hat mir diese Gaben auf meine ganze Lebenszeit geschenkt. Morgen verlassen wir Ihre Insel, aber heut will ich meine Verlobung noch hier auf goldnen Hügeln feiern. Linderl, du hast dir bei mir goldene Berg versprochen, du sollst sie haben.

(Er winkt, die Szene verwandelt sich in goldene Hügel mit silbernen Quellen. Auf dem mittleren größten erhebt sich ein silberner Tempel mit einem Opferaltar, wobei Hymen mit der Fackel steht; Genien gruppieren sich auf den Hügeln. Die Kulissen bilden Bäume mit goldenen Früchten. Das Ganze bildet ein imposantes Tableau.)

(Schlußgesang)

Man muß stets lustig sein,Und sich des Lebens freun,Außer man hat kein Geld,Nachher ists freilich gfehlt.Hab ich nicht recht?Nu, wenn S erlaubn!DMadeln sind freundlich gern,Bsonders mit jungen Herrn;Liebt eine nur nicht zwei,Bleibt ihr Herz einem treu.Hab ich nicht recht?Nu, wenn S erlaubn!D Weiber sind manchmal bös,Machen oft viel Getös;Und wenn man widerspricht,Weiß man schon, was oft gschicht.Hab ich nicht recht?Nu, wenn S erlaubn!DMänner sind gar superb.Die habn schon s schönste Gwerb,Wie s wo ein Madel sehn,Bleibn s auf kein Fleck mehr stehn.Hab ich nicht recht?Nu, wenn S erlaubn!Mir gehts heut gar nicht schlecht,Alle Tag wärs so recht,s wird doch was Schönes sein,Wenn man brav Geld nimmt ein.Hab ich nicht recht?Nu, wenn S erlaubn!

(Der Vorhang fällt.)

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Barometermacher auf der Zauberinsel, von Ferdinand Raimund.


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